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Sept bis Okt 2015

 

Donnerstag, 29. Oktober 2015:

Geliebäugelt hatte ich mit dem gestrigen Termin bereits vor zehn Tagen bei unserem Workshop mit den YA. Ich erfuhr, dass ein bedeutender Integrationsworkshop an einer hessischen IGS bevorstand, der zur Hälfte mit Schüler/-innen und zur anderen Hälfte mit Flüchtlingen stattfinden sollte. Dem Management sei diese Veranstaltung so wichtig, dass eigens drei Kamerateams aus Los Angeles eingeflogen werden sollten. Das wollte ich miterleben und fuhr also gestern Abend in die Nähe von Gießen.

Angekommen an der dortigen Sporthalle, erlebte ich die bekannte Atmosphäre vor einer Show: Gewusel, Aufregung, letzte Absprachen, der Stand mit den Merchandising-Produkten, etwas Hektik und zum Zerreißen gespannte Schüler/-innen. Nur um die Schlange am Kartenverkauf herum standen einige Menschen, die an ihrer Unsicherheit und an der Art, wie sie diesem aufgeregten Gewimmel fast hilflos gegenüberstanden, als Flüchtlingsfamilien zu erkennen waren. Einzelne YA begrüßten mich nach kurzem Stutzen, ganz nach dem Motto: Den kenne ich doch, aber wo stecke ich ihn jetzt hin? Bis sich dann das letztlich einordnende „Hallo, George, nice to see you again” einstellte - immerhin lagen zwei Workshops in der Tschechischen Republik zwischen unseren Begegnungen. In der Halle lernte ich dann den Veranstalter kennen, der, so erfuhr ich, schon knapp 50 Workshos in den letzten Jahren initiiert hat. Am Anfang stand in diesem Jahr die Idee, Flüchtlinge im Landkreis in die Arbeit zu integrieren, was eine immense Vorbereitung lostrat. Über verschiedene Wohlfahrtsverbände, die durch ihre Arbeit mit Flüchtlingen über enge Kontakte zu den Familien verfügten, wurde zum Mitmachen eingeladen. So manche Scheu, eine Reihe Vorbehalten und natürlich Unverständnis  mussten werbend überwunden, die Fahrdienste mussten organisiert und eine eigene Finanzierung musste gefunden werden. Letztendlich übernahm der Landkreis komplett die Kosten für die Flüchtlinge. Den Rest, so wurde mir erzählt, bewirkten die YA, die es mit ihrer offenen und unverkrampften Art immer wieder und immer neu verstehen, Kinder und Jugendlichen in ihre Begeisterung mit hinein zu nehmen. So hatte ich es ja auch vor vier Jahren bei einem Workshop mit der saarländischen Lebenshilfe erlebt. Egal, ob ein Kind traumatisiert ist, beeinträchtigt lebt, in einer Jugendvollzugsanstalt einsitzt oder ob ein individuell kompliziertes „Gepäck“ drückt, Tanzen, Singen, sich begegnen und sich begeistern für diese ursprüngliche und zutiefst humane Arbeit, die die eigenen Grenzen überwinden hilft, „funktionieren“ immer. Und genau mit diesem Gefühl konnte ich mich der Show hingeben, ohne Verantwortung, ohne Druck als Veranstalter, ohne Angst, ob etwa die Sicherungen halten und anderes mehr, ließ ich mich hineinziehen, konnte beim „Shake, Baby, Shake“ wie befreit mittanzen. Und doch war dieser Abend durch einen zusätzlichen Aspekt faszinierend, wenn etwa ein kleines Mädchen aus Afghanistan ein Solo bewältigte, wenn ein Jugendlicher aus Pakistan vor einem brodelnden Publikum auf seinen Einsatz wartete oder wenn ein Junge aus Syrien mit funkelnden Augen „We are the world“ anstimmte, wenn wiederum ein kleines Mädchen, vielleicht aus Eritrea, im angedeuteten Boxkampf auch noch den stämmigen Amerikaner zu Boden schickt, auch wenn eine Schülerin aus Deutschland am Mikrofon stand – immer reagierte die Halle mit frenetischem Beifall, so, wie ich es auch bei uns erlebt habe. Da gab es keine Länderunterschiede, keine Altersgrenzen und auch keine Begabungsunterschiede, da spielte weder ein Status, weder eine Hautfarbe, noch eine Religion eine Rolle - da waren lediglich unterschiedlichste Menschen zu einer Gruppe zusammen geschmolzen, die eine eingeübte Show zum Besten gab. „What a wonderful world“ erklang wieder einmal zurecht, der „Circle of Live“ aus „König der Löwen“ führte vor Augen, wie rund und human Menschen miteinander leben könnten, wenn sie sich nur gegenseitig annehmen, bestärken und gelten lassen, dann rutscht das abschließende „If we hold on together“ ganz tief unter die Haut. Dieser Abend – welch ein Geschenk! Mögen die geknüpften Kontakte und die gemeinsamen Erlebnisse dazu führen, dass die Kinder und Jugendlichen der Flüchtlingsfamilien über diesen Abend hinaus eine bleibende Menschlichkeit erfahren und – wie gestern Abend – im besten Sinne integriert werden und hier eine neue Heimat finden.

 

Sonntag, 18. Oktober 2015:

Ich stoße erst gegen 15 Uhr zu der „Tanzgemeinschaft“, unseren „Dienstplan“ hatten wir so abgestimmt, dass keiner das komplette Wochenende da sein musste. Also genoss ich den YA-losen Vormittag, war dennoch in Gedanken dabei, denn ich kenne den ruhigen Sonntagvormittag, die Ruhe, die langsam zur Anspannung heranwächst. Als ich dann ankam verwunderte es mich, dass noch keine Stühle gestellt waren, aber das oblag schon 2011 und 2013 den YA selbst. Die werden das auch 2015 zur rechten Zeit schaffen. In der Halle liefen schon die ersten Nummern für die Generalprobe, aber mein erster Blick galt dem Europamanager. Und tatsächlich: er saß in der ersten Reihe und verfolgte das Geschehen. Mit einer heftigen Umarmung begrüßten wir uns, die jeweils zweijährigen Pausen, die zwischen unseren Treffen liegen, sind einfach nicht vorhanden. Hier und da legte ich noch Hand an beim Aufbau des Büfetts. Was haben die Eltern da nicht alles gezaubert. Später werden sich die YA zum Teil zwei Teller der Leckereien aufladen und doch ist genügend angeliefert. Prima! So langsam machte sich die Anspannung breit, vor der Eingangstür staute sich schon eine Menge Einlasssuchender – doch die Halle blieb verschlossen. Wie schön, dass unser Förderverein mit seinem Stand für Ablenkung durch Getränke sorgte. Immer wieder werde ich nach Karten gefragt, kann aber nur darauf verweisen, dass auch der Kartenverkauf allein in den Händen der YAs liegt. Ich versuchte die VIP-Karten, die ich erhalten hatte, an die Frau und den Mann zu bringen. Schließlich holte ich die Ukulele, die ich im Büro abgelegt hatte, stimmte sie ein letztes Mal und legte sie schon mal unter meinen Stuhl in der Halle. Wie sollte ich die Begrüßung gestalten? Da half mir eine Kollegin mit der Information, dass der junge Flüchtling aus Eritrea, den wir an der Schule zu integrieren versuchen und der den Workshop mitmachte, seine ganze Familie mitgebracht hatte – eine Steilvorlage für die einleitende Begrüßung. Wie in den vergangenen Jahren warteten die YA für ihren Auftritt auf meine Stichworte: „Begrüßen Sie zum dritten Mal in Wachenheim: DIE YOUNG AMERICANS!“. An dem, was dann wieder durch die Turnhalle rauschte, konnten wir erneut die Qualität dieser Gruppe erkennen. Knapp sechzig Minuten eine Show mit Gesang und Tanz. Mit irre schnellen Kostümwechseln wirbelten immer wieder verschiedene Gruppen über die Bühne, verschwanden wieder, um in Windeseile gemeinsam mit allen oder als neue Gruppe hinter dem weißen Vorhang hervorzusprudeln. Wieder faszinierte mich die Exaktheit der immerhin vierzig Tänzer. Auf den Punkt genau liefern sie, nahezu perfekt, synchron ihre Bewegungen, auch bei schnellen Rhythmen, so dass es mir fast den Atem nahm. Immer ruhen ihre Bewegungen auf einer immensen Körperspannung. Wenn sie klatschen, ist das keine Bewegung der Hände, der ganze Körper bis in den kleinen Zeh ist daran beteiligt. Wenn sie von A nach B müssen, ist das kein Laufen auf Beinen, es ist ein Zusammenwirken aller Muskeln und Gliedmaßen. Der Gesichtsausdruck scheint im Lächeln eingefroren zu sein. „Wenn die Vorgabe verlangt, ein Lied fröhlich zu singen, dann lachen wir, wenn es traurig vorzutragen ist, dann machen wir das auch.“, so ähnlich erzählte es mir die junge Frau im Auto auf dem Weg zum Baumarkt. Mit dieser Disziplin erkläre ich mir die Ruhepunkte, wenn sie sich aus dem Wirbel der Tänze geordnet am Bühnenrand versammeln und fast andächtig uns als Geschenk vielstimmig „Kein schöner Land“ singen. Im Stile eines professionellen Chores erklingt auch der letzte Konsonant, aus vierzig Stimmen bestehend, exakt auf dem gleichen Punkt. Die zuvor lauten, jazzigen und rockigen Stimmen, denen man die Ausbildung anhört, werden ganz leise und vereinen sich zu einem zarten, fast flüsternden Klangkörper. Immer wieder entdecke ich, dass sich einige YA ganz selbstverständlich an den Händen halten, als wollten sie die eigenen Emotionen im Zaum halten oder sich in der Gruppe festhalten. Mir gehen verschiedene Begriffe durch den Kopf: Konzentration, Professionalität, Disziplin, Perfektion, Dazugehören, Eins-werden mit der Aufgabe, Anspruch und Lust, möglichst perfekt in sich und in der Gruppe aufzugehen.  Aus diesem Bewusstsein heraus, dass etwas Besonderes „geliefert“ wurde, kann sich auch die Zurückhaltung speisen: „Was Sie jetzt gesehen haben, war unsere Show. Noch viel besser wird es sein, wenn nach der Pause Ihre Kinder auftreten“. Attitude oder auferlegte Zurückhaltung zur Steigerung der eigenen Leistung? Wahre Kunst muss nicht eigens erwähnt werden. Sie ist sich ihrer Einmaligkeit bewusst und lässt Raum und Ruhm für andere. Ich vermag nicht zu beurteilen, welcher Satz hier gilt, sah nur, wie unsere Schüler/-innen sich immer wieder mit leuchtenden Augen und mit im Teenager-Alter typischen Kreischen anstecken ließen, jetzt, nachdem sie erlebt haben, was ihre „teacher“ alles drauf haben, umso mehr.

Nach der Pause bauten sich die für mich als Versatzstücke bei den Proben erlebten Nummern zu dem Ganzen der Show zusammen. Die Anfangsnummer, die ich nur am ersten Tag erlebt habe, der neue Einsatz von Supermann und den Cowboys, den ich nur aus den Requisiten erahnen konnte, die Gesangsnummern, die ich zumindest zum Teil schon kannte, das Medley der Eltern, das identisch mit dem von vor vier Jahren war und dann die Nummer „König der Löwen“ mit dem besonderen Geist der YA, die geheimnisvolle Mitte, der Tanz, der mit besonderen Worten eingeleitet wurde und der Höhepunkt der Emotionen, der alle im, dem Herzschlag nachempfundenen Rhythmus vereint, dieser schon einmal aus der Show herausgenommene Teil des Abends, der dann aber wegen Protesten in einzelnen Schulen und Orten wieder aufgenommen wurde – wie sollen dabei die Augen trocken bleiben! Ich erlebte erneut, wie sich unsere Schüler/-innen mit einem Selbstbewusstsein auf ihre eigene Show gemeinsam mit den YA einließen, wie sie versuchten, die rasend schnellen Wechsel mitzumachen, wie sie Scheu und Angst überwunden haben und in der Gemeinschaft und durch immer wiederkehrenden Zuspruch Mut zu ihren Soloeinsätzen geschöpft haben, sich dabei immer der Nähe und der Unterstützung eines YA bewusst sein konnten - einfach ein faszinierendes Spektakel und doch so viel mehr als das.

Weit dahinter angesiedelt und doch mit eigener Atmosphäre, erklang zum Dank und dieses Mal als unser Geschenk an die an die YA das Schullied – die Ukulele vor ihrem größten Publikum. So schlicht die Melodie dieses italienischen Volksliedes auch ist, sie kommt an, steckt an und durch das häufige Singen im Assembly schlägt es eine Brücke von diesem einmaligen Erlebnis hin zum Alltag in der Schule. Der Abend, die Show und der Workshop endeten mit dem Lied von Diana Ross „If we hold on together“, zunächst gesungen im Dunkeln, dann in warmem Scheinwerferlicht, beeindruckend unterstützt mit Hand- und Armbewegungen der ganzen Gemeinschaft. Es hat jeden der über tausend Workshops, die bisher stattgefunden haben, beendet, dieses Lied vereint die mehr als eine Million Jugendliche, die sich über fünfzig Jahre hinweg von der Begeisterung anstecken ließen, auf vier Kontinenten dieses Planeten – fast ein sakramentaler Akt.

Hätte es eines Beschlusses bedurft, er wäre spätestens heute gewachsen: Der dritte Besuch der YA in Wachenheim darf nicht der letzte sein!

 

Samstag, 17. Oktober 2015:

Schon vor acht Uhr stand eine Traube von Young Americans und Schüler/-innen vor der Gittertür zum Schulhof und dachte, dass der Hausmeister verschlafen habe. Gleich, nachdem Gitter und Tür geöffnet waren, strömten sie in die Halle, nach und nach trafen weitere Menschen ein und beteiligten sich an den Dehn- und Aufwärmübungen. Mir nichts dir nichts ist die Stimmung von gestern wieder hergestellt, Musik und Rhythmus tun das ihrige dazu. Welch ein Tagesbeginn im Vergleich zu acht Uhr im Schulalltag. Immerhin ist heute Samstag und die Herbstferien haben begonnen!  Nach dem Wiederholen des Starttanzes - hie und da waren Bewegungen in Vergessenheit geraten und wurden jetzt in Erinnerung gerufen -  ging es gleich (im Laufschritt!) in die einzelnen Räume der Workshops. Zu unserem „Service“ gehört natürlich jede Art von Betreuung. Also fahre ich mit der „Finanzchefin“ nach Bad Dürkheim in den Baumarkt, nach dem gestern bereits ein Kollege einen Arztbesuch absolvierte. Die Umstände kenne ich nicht, aber die YA benötigen sieben 10-Zoll-Gewindemuttern. Tatsächlich sind sie zu bekommen. Auch Acrylfarben mit Pinsel, vier stabile Plastikkisten mit Deckel und Klebeband besorgen wir noch. Da scheinen erste Abnutzungserscheinungen auftreten, immerhin haben die YA und das Equipment die Hälfte der Herbsttour hinter sich. Weiter dann in eine Apotheke, ein Mittel gegen Erkältung besorgen – der „artdirector“ hat sich anscheinend im Flugzeug durch die Klimaanlage erkältet (diese Funktion wird auf der dreimonatigen Tour immer wieder ausgewechselt) – und dann noch zwei „normale“ weiße T-Shirts und eine ganz bestimmte Sorte stilles Wasser. Zurück in Wachenheim gilt es gleich, alles für das Mittagessen zu organisieren. Es wird wieder vom Caterer geliefert. Aber wo essen bei den herbstlichen Temperaturen? Im Freien wie gehabt? Schnell das Foyer mit Tischen ausstatten, damit wenigstens die Hälfte der Teilnehmer im Warmen essen kann. Der Nachmittag vergeht mit Aufräumen, Mülleimer leeren und die Abrechnung erstellen. Dennoch erhasche ich immer wieder Eindrücke aus verschiedenen Proben. Ich erkenne einige Teile der Show wieder, andere erinnere ich nicht. Ich gehe davon aus, dass ich die Grundstruktur kenne, die aber mit neuen Titeln und Tanzformationen bestückt wird. Ich kenne also den Ablauf, kenne einige Nummern schon, ich weiß, was auf uns zukommt und dennoch schießt mir immer wieder Wasser in die Augen. Vor allem „The Lionsking“ scheint heuer besonders zu wirken und bestimmt meinen Gemütszustand ganz besonders. Vor allem die Stelle, als alle Tänzer/-innen den Herzschlag durch Klopfen auf den Boden mit der flachen Hand nachahmen. Dieses Bummbumm – bummbumm, der gemeinsame Rhythmus dieser 160 jungen Menschen öffnen immer wieder meine Tränenkanäle. Dies ist einer der Punkte, weshalb man den Workshop durch Worte, Berichte und Erzählungen letztendlich nicht beschreiben kann. Man muss miterleben, was da vor sich geht, muss in die glücklichen Gesichter und die leuchtenden Augen blicken, muss im Rhythmus mitschwingen, muss irgendwie – auch als außenstehendes „Mädchen für alles“ - Teil der Gruppe werden und nach innen sich selbst spüren. Vermutlich ist dies das Geheimnis, das Mysterium, das sich in der Aussage eines Mädchens ausdrückt: „Herr Dumont, so glücklich war ich schon lange nicht mehr!“. Ein anderes Mädchen verließ weinend die Bühne. Ich ging ihr nach und wollte wissen, ob sie sich verletzt habe. Aber sie sagte einfach nur: „Nein, mir das gerade einfach zu emotional. Das kann ich nicht aushalten.“ Oh ja, das kann ich nachempfinden! Viel Zeit dazu bleibt aber nicht, denn um 17 Uhr wird das Eltern-Medley einstudiert. Etwa zwanzig Väter und Mütter haben Lust mitzumachen – und werden wieder jung oder begegnen sich selbst in der Begeisterung für diese weltumspannende Sprache der Musik. Von „Twist and Shout“ und Rock’n Roll bis zur „Dancing Queen“ von Abba sind Lieder dabei, die die Eltern an ihre eigene Jugend erinnern. Und schon wippen, singen, winken und tanzen etwa 40 Elternbeine über die Tanzfläche, angeleitet und angefeuert von den zum Teil viel jüngeren YA, die die Eltern mit hineinnehmen in dieses Grenzen überwindende, archaische Mysterium aus Rhythmus, Tanz und Gesang. Nachdem das Eltern-Medley vor zwei Jahren ausgelassen wurde, findet es nun wieder statt und dieses Mal kommen die Schülergruppen dazu. Zum großen Teil tragen diese schon ihre pastellfarbenen T-Shirts – eine erste Ahnung von der diesjährigen Show füllt die Halle. Und danach bricht alles fast abrupt ab, denn die Eltern und Gastgeber holen Kinder und YA um 18 Uhr ab und dann ist ganz schnell Ruhe. Als letzter und einzig Übriggebliebener gehe ich durch die nun schon fast dunkle Halle, schließe ab und drehe den Hauptstromschalter aus, der alle Lichter in den verwinkelten Umkleidekabinen und Duschen mit einem Dreh ausmacht. Welch eine eigenartige Stimmung legt sich auf mich. Nur meine eigenen Schritte leise hörend, gehe ich allein durch die Halle, in welcher eben noch zu lauter Musik getanzt, gestampft, gesungen und geschwitzt wurde.

Zu Hause stimmte ich schon mal die Ukulele. Ich spiele ja nicht regelmäßig auf ihr, so dass die Saiten Gelegenheit hatten, sich in größerem Ausmaß zu verstimmen. Eine erste Stimmung bleibt da nicht lange erhalten. Da muss öfter nachgestimmt werden. Das Abschlusslied will ich in diesem Jahr mit der Ukulele begleiten, weil sie kleiner ist und in dem Gewusel einer vollen Halle besser unter meinen Stuhl passt als die Gitarre. Außerdem soll dieser kleine „hüpfende Floh“ auch mal einen großen Auftritt erleben.

 

Freitag, 16. Oktober 2015:

Die beiden ersten Male war ich beim Einrichten der Halle anwesend. Fasziniert erlebte ich, wie die YA jeden Schritt abgerufen hatten, durchgeplant und mit allem vertraut. Heute nun fuhr ich vor der Schule zwar auch nach Wachenheim, um beim Aufbau der Tribünenteile dabei zu sein. Die YA waren noch gar nicht da, als ich nach Deidesheim fuhr. Das musste alles in diesem Jahr ohne mich laufen – immerhin war heute der letzte Schultag vor den Herbstferien und da braucht es den Schulleiter im Büro. Außerdem hatte das Sekretariat noch zwei Termine vergeben. Ich ging selbstredend davon aus, dass ich vor Ort den Gang der Dinge werde begleiten können, hatte aber vergessen, dies in meinen Terminplan einzutragen. Daher stieß ich erst zum Mittagessen zu dem „ruhigen Treiben“. Ruhe brachte in diesem Jahr unter anderem die Tatsache, dass wir nicht selbst kochten, sondern die 50 Portionen durch den Caterer anliefern ließen und in der Mensa gemeinsam zu uns nahmen. Bekannt und wie gehabt verlief wiederum die „Einschreibung“ – alle vorab angemeldeten Kinder und Jugendlichen waren da, zwei zuvor zögerliche Schülerinnen hatten sich kurzfristig doch noch dazu entschieden, den Workshop mitzumachen, sehr schön. Schon vor zwei Jahren entstand die Idee, den Workshop für die vierte Klasse der Grundschule in Wachenheim zu öffnen. Zehn Viertklässler meldeten sich daraufhin in diesem Jahr an. Zudem hatte eine Mutter ihre siebenjährige Tochter und deren Freundin dabei. Als die beiden Mädchen das Aufwärmen erlebten, wollten sie partout nicht nach Hause sondern mitmachen. Das heißt nun: Wir haben Kinder aus drei Schulen von Klasse 2 bis 12 im Workshop vereint, davon sind drei aus der Oberstufe schon zum dritten Mal dabei, herrlich!

Es ist faszinierend zu sehen, wie bereits nach 15 Minuten „die Halle dampft“ und die Kinder mit Begeisterung bei der Sache sind! Und gleich ging’s los mit der Eröffnungsnummer der Show: Neues Lied, neue Bewegungen, neue Choreografie. Ich bin richtig gespannt, wie sich die diesjährige Show zusammensetzt.  

 

Donnerstag, 15. Oktober 2015:

Die YA sind für den Workshop 2015 angekommen. Wir standen zuvor etwa eine halbe Stunde frierend auf dem Parkplatz. Der Bus wurde in einem Stau bei Frankfurt aufgehalten und verspätete sich. Ich kannte natürlich den Vorgang von den beiden vorherigen Terminen, dennoch ist es spannend: Wie wird die Atmosphäre beim Aussteigen sich ausbreiten? Werden alle Gastfamilien da sein (Gebranntes Kind scheut das Feuer)? Wie werden die Familien ihre Gäste aufnehmen? Passt die Familie zu den Gästen? Nach der heftigen Suche, ausreichend Gastfamilien zu finden, blieben nun zwei Familien außen vor, die YA kamen mit weniger Menschen an als geplant. Die Eltern müssen da durch, wenngleich es natürlich immer unangenehm ist, wenn man die Familienstruktur für ein Wochenende aufgegeben, für noch fremde Gäste ihr Zuhause öffnen und alles vorbereitet hat. Richtig leid taten mir die beiden Kinder. Sie haben sich so sehr darauf gefreut und nun kommt niemand zu ihnen. Da kann ich den Schmerz verstehen und die Tränen zeigten mir die Ernsthaftigkeit. Ändern konnte ich es freilich nicht, denn die Belegung nimmt das Management der YA vor. Drei junge Tänzer/-innen waren bereits beim letzten Workshop vor zwei Jahren dabei, einer kam sogar bei seiner alten Gastfamilie unter. Welch ein Jubel schallte da über den Parkplatz am Hortgebäude! Der Startschuss ist gefallen. Nun nimmt das Wochenende seinen bekannten Lauf und ist nicht mehr aufzuhalten. Angespannt fuhr ich nach Hause, wenngleich ich mir keine Sorgen machte. Als Beispiel für das Bekannte mag die Busfahrerin gelten, die zum dritten Mal in Wachenheim dabei ist. Ungeplantes kann dennoch vorkommen, wie zum Beispiel die beiden Verkehrsschilder, die vor zwei Jahren noch nicht die Einfahrt des Parkplatzes verengten. Dass es dann nach einigem Manövrieren doch gelang, mag als positives Zeichen dafür gelten, dass wir insgesamt Unvorhergesehenes bewältigen werden.

 

Dienstag, 13. Oktober 2015:

Mich zerreißt es gerade. Auf der einen Seite ist der Gliederungsplan noch nicht mit dem Personalrat besprochen, Situation in der Sporthalle ist zu verbessern, dienstags liegen vier Stunden meines Deputates mit Standortwechsel, dort auch Gesprächsbedarf und Haushaltsfragen, zeitgleich gilt es noch Gastfamilien für die YA zu finden. Gestern hat eine fest eingerechnete Familie wieder abgesagt. Innerhalb dieser Situation habe ich einen weiteren Termin an einer Schule abgesagt, es strömte einfach zu viel auf mich ein. Geht mir nicht gut damit, aber ich sah plötzlich keine andere Lösung mehr. Kann, darf, muss auch mal sein.

 

Montag, 12. Oktober 2015:

Faszinierend ist es zu erleben, wie die Schüler/-innen, allein oder in kleinen Gruppen das Alla-hopp!-Gelände noch vor acht Uhr in Beschlag nehmen. Zum größten Teil waren sie bei der Eröffnung nicht dabei und finden es heute, nach monatelanger Bau-Einzäunung, mehr oder weniger überraschend, fertig und offen vor. Die ersten klettern in der Felsenwand, andere versuchen sich im Mikadowald, die beiden Trampoline werden einem Test unterzogen, andere schlendern einfach nur drüber – ab acht Uhr dann: wieder gähnende Leere, so als würden die Spielgeräte auf die Bauarbeiter warten, bis etwa um 10 Uhr der Kindergarten kommt.

Ich erlebe einen Unterrichtsbesuch in Deutsch mit. Argumentation wurde eingeübt. Das Thema ist mir aus dem eigenen früheren Unterricht bekannt. Immer lockte es unmittelbar den letzten Schüler aus der Deckung, weil jede/r etwas dazu zu sagen hat: Sollen wir an der Schule eine Schuluniform einführen? Pro- und Contra-Argumente haben sich seit damals nicht geändert. Aber dennoch kommt Freude bei mir auf, weil die Gruppenarbeit gut funktioniert. Trotz oder weil ich da bin? Egal, sie diskutieren munter und tauschen ihre Argumente aus, nur das zählt.

Ein lange ersehnter Termin lag am heutigen Nachmittag. Das Architektenbüro stellte nach dem Projektstopp die neuen Pläne vor. Die Zusammenlegung der beiden Standorte wird erstmal vom Bauträger nicht weiterverfolgt, ist aber nach den aktuellen Plänen zu einem späteren Termin durchaus noch möglich, da mit der jetzigen Baumaßnahme nichts „verbaut“ wird. Ich hatte im Kollegium dazu aufgerufen, an dieser Sitzung teilzunehmen und eigene Ideen, sofern sie durch die Schulbaurichtlinie abgedeckt sind, einzubringen. So überlegten wir, wo welcher Raum besser läge und schoben fleißig hin und her. Letztendlich haben wir eine Lösung gefunden, die einen repräsentativen Eingangsbereich über drei Etagen mit einer offenen „Galerie“ um den „Aufzugsturm“ herum beinhaltet. Das kann ich mir gut vorstellen, dennoch muss ich heute noch sagen, dass mir die ursprüngliche Planung besser gefallen hat. Aus statischen und damit aus finanziellen Gründen kann sie aber nicht verwirklicht werden. Fakt ist nun: der Bestandsbau aus dem Jahre 1968 wird nun in zwei Etappen abgerissen und der Neubau, hauptsächlich für die Oberstufe und die Verwaltung, wird zuerst angegangen. Offen ist derzeit noch, wann es genau losgehen wird. Die ursprüngliche Planung sah ja den kommenden November vor. Natürlich wird der nicht eingehalten werden können. Auf wann er verschoben wird, ist heute noch ungewiss. Sicher ist aber, dass diese Planung (Wir haben ja nur Räume innerhalb des Gebäudes verschoben) bereits mit der Schulaufsicht abgesprochen und von dort genehmigt ist. Also: Baubeginn in 2016. Aber auch das kommende Jahr ist lang…

 

Freitag, 09. Oktober 2015:

Bereits vor sieben Uhr wurden die Bühnenteile angeliefert. Das war so abgesprochen. Als ich die Schule erreichte, erkannte ich erstmals die Dimension des heutigen Tages: Es war nicht nur eine Bühne, wie wir sie von Schulveranstaltungen her kennen – aufgebaut wurden Traversen, die mit überdimensionalen Wagenhebern hochgestemmt wurden. Dabei entstand eine Bühne, die an drei Seiten geschlossen war und gar über ein Dachverfügte. In angemessener Entfernung wurde ein Zelt eigens für die Tontechnik aufgebaut. Gemäß dieser Aufbauten wuselte es auch den ganzen Vormittag. Immer noch wurden auf dem 7.000 Quadratmeter großen Platz letzte Hand angelegt, gleichzeitig richteten sich Winzerverein und Feuerwehr mit ihren Ständen für das leibliche Wohl ein, Tische und Bänke wurden aufgebaut – welch ein Fest war hier im Anrollen!

Pünktlich startete die offizielle Eröffnung mit viel Prominenz: Landrat, Verbandsbürgermeister, Stadtbürgermeister, Mitglieder des Verbandsgemeinderates und sicher einige, die ich nicht persönlich kannte. Natürlich war auch Dietmar Hopp selbst angereist, um diese dritte Anlage seiner Stiftung zu eröffnen. Beide Pfarrer der Stadt waren da, um dem neu entstandenen Gelände den Segen zu erteilen. Mitten drin Schüler/-innen und Kolleg/-innen, unsere Bandstarter-AG und die Band „Cueless“, die ebenfalls zum Teil aus Schülern unserer Schule besteht. Sie sorgten für die notwendige Stimmung, die mich hie und da an open-air-Veranstaltungen erinnerte – das Wetter zeigte sich von seiner feinsten Seite. Die Anlage selbst war von zahlreichen Besuchern gefüllt, die sich die vielen Bewegungsmöglichkeiten nicht entgehen ließen. Kurz: Ein Fest, eine Vergnügungs- und Jubelfeier. Selbst für mich, der diese Anlage seit Mai Tag für Tag hat wachsen sehen, war es erhebend, ohne absperrenden Bauzaun das Gelände zu durchstreifen, über den (erstaunlich stabilen) Rollrasen zu spazieren, Neues und nicht Gesehenes zu entdecken und einzutauchen in die freudige Stimmung einer Stadt, die eine neue Attraktion geschenkt bekam. Da sich dies alles im Übergang zum Schulgelände und im Angesicht der Schule selbst abspielte, kommt eine Außenwirkung auf uns zu, die sonst durch nichts erzielt werden kann. Wenn später einmal die Um- und Anbauten der Schule (endlich) verwirklicht sein werden, der Schulhof in das Gelände nahtlos übergeht, die Schule mit dem noch zu verlegenden Jugendtreff kooperieren wird und das Alla-hopp!-Gelände und die Schule ein Ensemble bilden werden, dann wird hier - auch in der Gesamtschullandschaft - etwas Einmaliges entstanden sein, das an vielfältigen Möglichkeiten seinesgleichen suchen wird. Heute fiel der Startschuss dazu.

 

Donnerstag, 08. Oktober 2015

Seit langem stand der Termin der Direktorenvereinigung der IGS-Schulleiter fest, so dass ich mich schon früh auf den Weg an die IGS in Oppenheim machte. Herrlich: Von weitem sah ich bereits die bekannte Katharinenkirche in der herbstlichen Morgensonne leuchten.

Ziel der heutigen Versammlung war es, mit der Arbeit an einem „Label IGS“ zu beginnen. Die vielen Gesamtschulen sollten bei aller Unterschiedlichkeit gemeinsame Inhalte aufweisen. Welche das sein können, darum sollte es heute gehen. Als inhaltliche Grundlage sollte ein Referat von mir dienen, das ich mit den Punkten aus meinem Buch „Deshalb IGS“ bestückte. Erste Ergebnisse sollten dann in Kleingruppen zu den Themen: „Differenzierung“, „erweiterter Unterrichtsbegriff“, „Vielfalt der Wahlpflichtfächer“, „Individualisierung“ und „Team-Kleingruppen-Modell“ erarbeitet werden. Freilich kann ein Ertrag nur ein erster Schritt auf der Ebene der Direktor/-innen sein, aber immerhin war es das erste einer Reihe von Treffen, das sich mit Inhalten der IGS befasste, die anschließend sicherlich auf den Tagungen der didaktischen Koordinator/-innen und auch der Stufenleitungen thematisiert werden müssen. „Meine“ Vorstellungen und Positionen zum Thema IGS zeigten sich dabei durchaus als nicht (mehr?) flächendeckend umgesetzt. Daraus speiste sich mein Nachdenken auf der Heimfahrt: IGS – quo vadis?  Vermutlich wird eine weitere und anhaltende Vertiefung auf uns zukommen.

 

Mittwoch, 07. Oktober 2015:

Auf der Skateranlage nebenan wurde die Bodenplatte gegossen und gleich glatt gezogen. Mann, haben die ein Tempo drauf! Der letzte Rollrasen wurde verlegt, die Bänke – aha, dafür waren die Ausbuchtungen vorgesehen – montiert. Die gesamte Anlage hat nochmals ihr Gesicht verändert und noch immer – so der Vorarbeiter – müssen bis Freitag noch so viele kleine Restarbeiten erledigt werden. Die Brachfläche zwischen den beiden Schulflügeln wurde schon „glattgezogen“ und mit restlichem Rollsplitt etwas befestigt – hier soll die Bühne zur Eröffnungsfeier hin und davor Biergarnituren für die Gäste.

Bei mir stand der erste einer Reihe von Unterrichtsbesuchen an – zwei Kolleginnen sind nun die ausreichend lange Zeit bei uns und stehen zur Verbeamtung auf Lebenszeit an. Heute wohnte ich einer Deutschstunde bei, in der ich viele positive Punkte für die Dienstliche Beurteilung erleben durfte. Und draußen – ich vernahm ein mir bei allen vorkommenden Arbeitsgeräuschen ein bisher unbekanntes Brummen – war eine Maschine unterwegs, die mich erstaunte. „Die sieht aus wie ein großes Boxauto auf dem Wurstmarkt.“, merkte eine der Sekretärinnen an. Der heute Morgen gegossene Beton war anscheinend soweit getrocknet, dass die Maschine mittels eines aufgetragenen schwarzen Pulvers die ganze Fläche polierte. Alle unebenen, rauen Flächen veränderten sich durch diesen Vorgang in ein glattes Ganzes, das den Rollen der Skateboards schmeicheln wird. Und immer wieder entdecke ich Neues auf der Anlage: etwa die seit langem aufgestellten Klangspiele. Bisher waren sie noch in Folie eingepackt. Ich dachte eher an Laternen, nun kamen Zimbeln zum Vorschein, die mittels langer Stangen zum Klingen gebrachte werden können – nur noch zwei Tage bis zur Eröffnung!

  

Montag, 05. Oktober 2015:

Draußen geht es mächtig voran. Die Fundamente des Skaterbereichs auf der Alla-hopp!-Anlage sind bereits gegossen worden, die größeren Elemente stehen schon am festgelegten Ort. Heute kamen noch „Kleinteile“ dazu. Da der Autokran, der wieder angefahren war, nicht mehr so weit in die Anlage hineinfahren konnte, musste er die Teile „am langen Arm“ herüber hieven. Am Mittwoch wird der Zwischenraum mit Beton ausgegossen. Zwei Tage vor der Eröffnung? „Skateboard fahren wird man noch nicht können. Aber drüber laufen und bestuhlen – das geht!“, hörte ich den Vorarbeiter sagen. Na dann.

Die Fünfer fuhren heute nach Hochspeyer in die Jugendherberge zu ihren erlebnispädagogischen Tagen. Eine Gruppe der beiden Wahlpflichtfächer Französisch und Mathematik/Naturwissenschaften machte sich nach Cuisery auf, zum Treffen mit der französischen Schule und zum Besuch des „Centre Eden“, einem naturwissenschaftlichen Höhepunkt-Museum Ich wünsche euch allen viel Erlebnisse und Spaß. Hoffentlich hält das Wetter!

 

Sonntag, 04. Oktober 2015:

Der runde Geburtstag meiner Frau ermutigte mich, eine besondere Flasche Wein zu öffnen: einen roten Barrique, herrlich! Ich erinnerte mich, wie er zu mir kam: Als erstes erhielt ich im Juni einen Anruf der Verbandsgemeinde Wachenheim: „Sie spielen doch Gitarre. Könnten Sie nicht die Amtseinführung des neuen Verbandsbürgermeisters musikalisch begleiten?“ – „Hmm, mache ich gerne.“ – „Und was würde das kosten?“ - „Kosten? Natürlich nichts. Schließlich war der Einzuführende bis dorthin Mitglied meines Kollegiums. Da will ich doch kein Geld haben!“Zu Studentenzeiten kokettierte ich damit, dass ich bis auf die Krankensalbung bei allen Sakramenten, die die katholische Kirche bereithält, schon Gitarre gespielt habe: Taufe, Kommunion, Bußsakrament, Firmung, Hochzeit und Priesterweihe, letztere sogar in Roms Katakomben. Nun kommt also zu allen weiteren „weltlichen“ Anlässen, die ich gar nicht aufzählen kann, noch die Amtseinführung eines Verbandsbürgermeisters hinzu. Meine nachlassende Fingerfertigkeit ermöglichte aber nur noch eines der vielen Stücke „konzertant“. Was tun? Ich ließ einfach unseren Schulkanon erklingen, natürlich zweistimmig. Auch das gelang. Ich konnte doch für den eigenen Spaß, den anwesenden Verbandsgemeinderat und all die weiteren Besucher zum Singen zu bringen, kein Geld verlangen! So erhielt ich also diese gute Flasche Wein. Für diese Entlohnung würde ich durchaus öfter spielen. 

 

Freitag, 02. Oktober 2015:

10.43 Uhr: Den Button „hochladen“ anklicken und weg ist der Gliederungsplan, nach vielen Stunden mit nackten Zahlen ist die Schule nun statistisch für das neue Schuljahr erfasst. Die Gliederungspläne aller Schulen werden in die Presseerklärung des Ministeriums münden mit der Aussage, dass sich die Versorgung wiederum verbessert hat. Für unsere Schule stimmt das durchaus und kann mit dem Zahlenwerk nachprüfbar belegt werden: 782 Schüler/-innen werden in je vier Klassen von fünf bis zwölf von 72 Lehrkräften in 1.396 zugewiesenen Lehrerwochenstunden unterrichtet. Über Inhalte und Pädagogik ist damit nichts ausgesagt, wenngleich sich beides nur in einem stimmigen und gut ausgestatteten Rahmen ereignen kann.

Die Zahl der Gastfamilien bei den YA hat sich auf 16 erhöht, da gehe ich zunächst beruhigt ins Wochenende. Die fehlenden werden sich schon noch melden. Morgen ist der Tag der deutschen Einheit. Noch immer ist unserer Beteiligung 2010 in Bremen in mir wach, als wir im Zelt „Deutschland macht Schule“ unser Projekt vorstellten. In diesem Jahr ist Frankfurt am Main der Sitz der Feierlichkeiten. Was dort wohl „abgeht“? Ob das Thema Schule eine Rolle spielen wird? Oder drängt sich die Frage der Flüchtlinge in den Vordergrund? Aber auch darin haben wir uns aufgemacht, „auf der Höhe der Zeit“ zu sein. Mich erreichten Projektideen von Klassen, welche durch Aktionen die Kinder von Flüchtlingen unterstützen möchten, der Förderverein engagiert sich in diesem Bereich und wir haben Kinder und Jugendliche in die Schule aufgenommen. In den Pausen spielen sie mit, sie lernen Deutsch und gehören zu uns.

 

Donnerstag, 30. September 2015:

Zwei Tage Elternabende liegen hinter uns, da wird Zu- und Unzufriedenheit geäußert, da tauchen Wünsche auf hinsichtlich Ausstattung und Mobiliar und da ist eine erste Stimmung abzugreifen. Noch habe ich nicht überall hinhören können, aber erste Geräte bereits bestellt.

In einer meiner Musikklassen stand heute die Werbung für die YA an – noch läuft die Anmeldung schleppend, wenngleich sich bereits eine stattliche Zahl an Gastfamilien gefunden hat. Die Freude darüber ist groß. Die Anmeldung zum Tanzworkshop wird zahlenmäßig bei einer gewissen Größe landen, davon gehe ich aus. Eine Mindestzahl ist nicht erforderlich. Das ganze Unternehmen hängt aber schließlich an der Zahl der Gastfamilien, ohne die es nicht geht. Und die entwickelt sich zu meiner Beruhigung recht positiv. Prima!

 

Dienstag, 29. September 2015:

Von Wachenheim kommend, sah ich von weitem den großen Autokran in den herbstlich blauen Himmel orange leuchten und wusste sofort: Die Elemente für die Skateranlage werden angeliefert. Wie die Fundamente dafür gegossen wurden, hatte ich die Tage davor bereits beobachtet. Nun also die zum Teil recht langen Gussteile (?) mit den charakteristischen Stahlkanten, worauf die Skater in mir unerklärlicher Weise schräg „drüberrutschen“ werden. Das Gewicht von mehreren hundert Kilogramm erforderte den 100-Tonnen-Autokran, der die Elemente zum Teil über die Bäume hinweg an die vorbereiteten Stellen hievte. Diese Vorgänge hätten ebenfalls als Vorlage für das Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit“ gedient haben können. Bis da jeder Haken sitzt, das Gewicht austariert ist, die Seilwinde behutsam in die Gänge kommt und „nach der zielgenauen Landung“ die Elemente mittels Wasserwaage und kleinen Plättchen ins Lot gebracht werden - all dem kann ich einen fast meditativen Charakter nicht absprechen. Und morgen werden weitere Teile der Anlage geliefert – für den kleinen Jungen in mir Faszination pur! Auch sonst liegt das Gelände kurz vor der Vollendung da, obwohl die hölzernen Kletterteile noch über zu lange Latten verfügen, der „falldämpfende“ Boden noch nicht abschließend aufgetragen ist und einige Flächen in bodenbraun noch dem restlichen Rollrasen entgegensehen müssen. Auch die Bewegungs- und Spielgeräte sind noch nicht ausgepackt, im Mikadowald ragen die Stangen noch in Plastik verhüllt in die Luft…aber noch ist ja Zeit, und insgesamt habe ich seit Beginn der Arbeiten erlebt: Wo viele geübte Hände anpacken (und Maschinen bedienen), da geht es mit schnellen Schritten voran. Inzwischen ging auch die Einladung zur offiziellen Eröffnung mit einem Zeitansatz von fast vier Stunden bei mir ein.

Noch beherrscht aber der Gliederungsplan für die Schulaufsicht und die Datenübermittlung für das Statistische Landesamt den Alltag. Ein sehr kleinschrittig zu erarbeitendes Datenwerk, das jedes Jahr erneut ansteht. Am Freitag um 12 Uhr muss alles hochgeladen werden. Spätestens um 12.10 Uhr würde bei Nichterfüllung das Telefon klingeln: „Wo bleiben Ihre Dateien?“. Wir kommen aber gut voran, denn gut und aktuell geführte Listen erleichtern diese Arbeit ungemein. Das in den letzten Jahren bezahlte Lehrgeld kommt uns in diesem Jahr zugute!

Wenn ein Termin unvermittelt von drei auf zwei Uhr vorverlegt wird, kann dies schon mal in die Bredouille führen. Nicht so heute. Vergangenen Montag hatte ich nach einigen vergeblichen Versuchen den zuständigen Bauamtsleiter ans Telefon bekommen (Schließlich ist der Wurstmarkt bereits eine Woche rum!). Heute sollte ein Treffen mit dem Architektenbüro stattfinden. „Ich hätte da auch Zeit!“, lud ich mich kurzerhand selbst ein. Ein günstiger Termin, am Rande eines Treffens auch den neuen stellvertretenden Schulleiter einzuführen. Ergo machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Schulträger. Während des langen Projektstopps lief einiges an Gesprächen, Anträgen und Planungen vorbereitend im Hintergrund. Fest steht zurzeit, dass der Doppelstandort erstmal erhalten bleibt, dass der Neubau für die Oberstufe als Verlängerung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes vorrangig angegangen wird und dass Teile des Bestandsbaues abgerissen werden. In den Plänen, die großflächig auf dem runden Tisch ausgebreitet lagen, hatten nach der Schulbaurichtlinie alle Räume einen Platz gefunden. Das ist aber zunächst eine vorläufige Aussage. Es ging zunächst darum, das Gebäude von den Quadratmetern her so zu planen, dass aller Erfordernisse abgedeckt sind. Innerhalb des so geplanten Gebäudes sind aber die Räume oder Treppenhäuser noch verschiebbar. Das soll nun in Absprache mit der Schule geschehen. Ein Termin war schnell gefunden und meine Gedanken „ratterten“ los.

Ich berichtete vom Fortgang des Alla-hopp!-Geländes und der Architekt, der zuletzt den Aschplatz gesehen hatte, wollte es sich nicht nehmen lassen, sich einen eigenen Eindruck in Deidesheim zu holen. Von Anbeginn wurde das Ensemble als Einheit gedacht, Schule und Alla-hopp!-Anlage sollten verbunden ineinander übergehen. Wer den ehemaligen Sportplatz oder besser: Parkplatz im Kopf hat und nun unvermittelt vor der Anlage steht, der kann nur begeistert staunen. Zufällig trafen wir auch die verantwortliche Leiterin des Landschaftsbüros an, so dass ein kurzes Fachgespräch den Besuch abrundete. Na, dann schauen wir mal, wie wir uns später daran erinnern werden: Die Schule im präbaulichen Zustand der letzten Jahre, die neue Anlage in fast eröffnungswürdigem Fortschritt.

 

Freitag, 25. September 2015:

Gestern fand der erste Wandertag aller Klassen statt und brachte Ruhe ins Haus. Ich nutzte sie, um den großen Elternbrief anzugehen. Trotz der „Fürsorge“ haben sich doch wieder Tippfehler eingeschlichen. Mist! Aber er ist bereits kopiert und wird seinen Weg in die Familien mit allen wichtigen Informationen des Schuljahres finden.

Den Probealarm am Standort in Deidesheim mussten wir wegen der Baustelle der Bewegungsanlage schon mehrmals verschieben. Zuerst war das Alarmgerät (Wir müssen nach wie vor mit einem Megafon alarmieren) kaputt, mal stand ein Zaun im Weg, mal versperrten Baumaschinen den Fluchtweg. Heute um 9 Uhr sollte er definitiv stattfinden. Als ich am Morgen in die Schule kam, stand allerdings ein großer Autokran im Weg: Er hievte die gelieferten Elemente der Skateranlage über Bäume hinweg auf die vorgegossenen Fundamente. "Neun Uhr? Das schaffen wir nicht!“, lautete die Antwort auf meine Nachfrage. Nächste Woche allerdings wird noch ein Graben für eine Abwasserrinne ausgehoben. Ich wollte kein Risiko eingehen und den Probealarm unbedingt heute noch durchführen. Im Ernstfall spielt ein kleiner (?) Graben sicher keine Rolle, aber zur Probe sollte er nicht unbedingt den Weg versperren. Um kurz vor elf Uhr fuhr der Kran seinen großen Arm ein und befestigte den Haken vorne Haken. Ich stellte noch schnell ein Baugitter zur Seite, das in den Fluchtweg ragte – jetzt aber los. Durch den „Verlust“ des ehemaligen Sportplatzes ging uns der Sammelplatz verloren. Mit dem Schulträger, der Stadt und der Feuerwehr wurde der Parkplatz des Einkaufsmarktes ausgewählt und ich war gespannt, wie sich der „Marsch der knapp fünfhundert Schüler/-innen“ dorthin gestalten würde. Immerhin: in gut vier Minuten war die Schule geräumt! Der Parkplatz war natürlich nicht frei, so dass sich einzelne Klassen zwischen parkende Autos stellen mussten, aber insgesamt verlief die Probe positiv, deckte allerdings auch Schwachstellen auf: Die Klassen in den Containern hörten das Alarmsignal nicht, einige Klassenbücher wurden nicht mitgenommen und die Meldung der Vollzähligkeit müssen wir genauer festlegen.

Inzwischen erreichte mich auch die offizielle Einladung zur Eröffnung der Bewegungsanlage. Einige Informationen hatten mich bereits „über den Flurfunk“ erreicht, zum Beispiel, dass der Schulhof als Parkplatz fungieren soll, dass die Gäste unsere (wenig einladenden) Toiletten benutzen sollen, dass wir Starkstrom aus dem Heizraum liefern sollen, dass eine Bühne zwischen den beiden Gebäudetrakten aufgebaut werden soll, dass darauf zwei Bends unserer Schule spielen werde und dass dazu das seit sechs Jahren brach liegende Gelände vorher noch eingeebnet werden muss usw. Aber offiziell wusste ich von nichts. Bis, ja bis ich durch Zufall Offizielle am Mittwoch über die Anlage gehen sah. Schnell suchte ich den Durchgang zwischen den Bauzäunen und lief ihnen entgegen. Ich erfuhr einige Details und erhielt die Zusage für eine offizielle Einladung. Spontan, wie wir alle sind, wurde auch festgelegt, dass ich als Schulleiter bei einem Podiumsgespräch auf der Bühne teilnehmen solle. Alla hopp dann, kein Problem. Schade, dass es mit dem Rollrasen erst nächste Woche weitergeht, denn den Effekt der „plötzlichen Begrünung“ habe ich sehr genossen. Dafür schaute ich mir heute am Rande des Probealarms einmal die Rückseite der Felsenwand an, die noch nicht fertig aufgeschüttet ist, und durchlief die „Spirale“, an deren Rand bereits die „Wingertstempel“ aufgestellt worden sind. Die schräge Fläche wird noch mit Rebstöcken bepflanzt, um der Typik der Region zu entsprechen – eine Besonderheit der Deidesheimer Anlage.

Und schon wieder ist eine Woche rum, die mir mit so vielen Einzelheiten, Anfragen, Zwischengesprächen durch die Finger rann und an deren Ende ich nun erstmal in Ruhe rekapitulieren muss, was da wieder alles los war.

 

Mittwoch, 23. September 2015:

Doch, geahnt hatte ich es die ganze Zeit, weil ich es an der IGS in Mutterstadt bereits schon mal erlebt habe: Wenn der zweite Oberstufenjahrgang da ist, meldet sich das Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien und fragt wegen der Ausbildung an. So auch heute bei uns geschehen, wobei die Anfrage nur eine scheinbare war, denn es gibt Ausbildungsvorgaben aus dem Ministerium. Diese seien umzusetzen und die IGSn einzubeziehen. Pausieren oder Verschieben ist dabei nicht vorgesehen. Im Grunde empfinde ich das auch als gut, denn zum einen bringt die Ausbildungsschule neue Ideen und Innovationen an die Schule, zum anderen bin ich davon überzeugt, dass wir eine Menge zu bieten haben, gerade weil wir pädagogisch  über einige Besonderheiten verfügen. Natürlich wird das Arbeit und zusätzliche Termine bringen, aber sie kann auch beflügeln. Will heißen: Ab Februar sind wir mit drei Lehramtsanwärter (heißen die im gymnasialen Bereich auch so?) Ausbildungsschule für das Lehramt an Gymnasien.

Die ersten Anmeldungen für die YA gehen ein, zunächst noch etwas zögerlich, aber auf der anderen Seite mussten die Formulare schon nachkopiert werden. In einem ersten Treffen besprachen wir die Eckdaten des Wochenendes mit den YA. Wo das erste Mal eine ganze Gruppe die Vorbereitungen organisierte, läuft dieses Mal alles in mehr Gelassenheit ab. Wir kennen die Abläufe, die Notwendigkeiten, so dass unaufgeregte, fast professionelle Routine vorherrscht. Und draußen geht die Faszination weiter: Wo Monate lang braune Erde dominierte, wird seit heute Rollrasen gelegt. In kurzer Zeit entsteht ein völlig neues Bild, weil plötzlich Grün vorherrscht.

Die Vorbereitungen rund um die YA fanden in der Sitzung des Fördervereins ihre Fortsetzung. Auch dort konnten wir auf Bestelllisten aus 2013 zurückgreifen, aus den damaligen Erfahrungen einige Punkte optimieren und die Organisation am Abend der Show mit genauen Erinnerungen anreichern. Immer wieder aufs Neue: Was immer diese „Truppe der Gelbhemden“ (Heute wurde bereits die zweite Generation der gelben Poloshirts verteilt.) anpackt, läuft! Ganz große Klasse!#

 

Dienstag, 22. September 2015:

Vormittags „mein“ Ethikkurs ist fast ganz ausgefallen, denn der Schulfotograf war heute in Deidesheim. Wegen der Schülerausweise, die ja ein Gültigkeitsdatum von zwei Jahren besitzen und ein möglichst aktuelles Foto enthalten sollen, findet alle zwei Jahre eine „Gesamtsession“ mit allen Schülern statt. Dass der zugesagte Rhythmus, eine Klasse in zwanzig Minuten abgelichtet zu haben, in die Zeitrutsche kommt, liegt auf der Hand. So verzögerte sich die Aktion immer mehr, so dass für morgen Nachmittag noch ein Zusatztermin anberaumt werden musste.

Ich musste dann schnell nach Wachenheim. Zum Standortwechsel trifft mich in diesem Jahr auch die Pausenfahrt. Ich war offenbar der erste, der die interaktive Tafel in diesem Schuljahr verwendete, denn alle Anschlusskabel lagen „wild“ herum und wurden seit der Grundreinigung während der Ferien noch nicht irgendwo an gestöpselt. Ich wollte aber unbedingt die Werbung für den diesjährigen Tanzworkshop mit den Young Americans (YA) beginnen. Die DVD des letzten in 2013 eignet sich dazu hervorragend. Einige Geschwisterkinder in der fünften Klasse wussten sofort, worum es ging, sogar die Tochter einer der letzten Gastfamilie war darunter. Immerhin hat sich der diesjährige Company-Manager zur ersten Kontaktaufnahme schon bei mir gemeldet. Im Jahresanfangsstress, noch läuft das neue Schuljahr nicht rund, also noch ein weiteres Thema.

Zurück in Deidesheim hätte ich mich wieder zweiteilen können, denn sowohl die Förderkonferenz als auch die Fachkonferenz Religion/Ethik, der ich in diesem Jahr wieder regulär angehöre, tagten und wollten mich dabei haben. In der ersteren ging es um die Verteilung der Förderstunden auf die einzelnen Jahrgänge, in letzterer um die interreligiöse Schulfeier. Da diese nicht alleine von mir abhängt, sondern von vielen beschlossen und getragen werden muss, die Förderstunden aber durchaus des Schulleiters bedurften, entschied ich mich für die Förderkonferenz. Immerhin ist dort wenig Gestaltungsspielraum und wir verteilen dort eher den Mangel.

Die Alla-hopp-Bewegungsanlage nimmt täglich neue Formen an. Immer deutlicher zeichnet sich der fertige Zustand ab. Mich beeindruckt am meisten die Felsenwand. Den ganzen Sommer über sah ich sie wachsen: vom ersten Fundament über die Armierungseisen, den immer dichter aufgetragenen Spritzbeton, zunächst in langweiligem Grau, dann im Sandsteinrot der Pfalz, über den gestaltenden Künstler, der Risse und das endgültige Profil modellierte bis hin zum jetzigen Endzustand mit den einzelnen Klettersteinen. Inzwischen weiß ich auch, dass das runde Loch, das ganz oben ausgespart wurde, kein Durchstieg sein soll, sondern dass dort eine Röhrenrutsche angepasst wird. Phänomenal wie das voranschreitet. Neidisch betrachte ich den Fortgang der Arbeiten und wünsche mir, dass die Arbeiten am Schulgebäude in ähnlicher Weise vorangehen würden. Doch noch immer liegt bei diesem Thema alles im Dunkeln.    

 

Freitag, 18. September 2015:

Auch dies kennen wir bereits: Nachfragen von außen zur interreligiösen Schulfeier. Verschiedentlich habe ich darüber bereits geschrieben. Heute fand dies eine Fortsetzung: Eine Vikarin wurde auf unsere Schule aufmerksam gemacht, die Homepage tat das ihrige dazu. Also saßen wir heute zu dritt in meinem Büro. Wir erzählten über unseren Zugang dazu, berichteten über verschiedene Fallen auf dem Weg und ermunterten dazu, unabhängig von Dokumenten und Papieren der Religionsgemeinschaften, die immer eine übergeordnete und alles berücksichtigen müssende Position einnehmen müssen, solche Feiern an der Situation, der Atmosphäre und am Weg einer Schule auszurichten und behutsam entstehen zu lassen. Wir selbst müssen am Dienstag in der Fachkonferenz erstmal uns selbst unseren weiteren Weg absprechen.

Eine Begegnung auf dem Wurstmarkt soll es in „Schulleiters Tagebuch“ schaffen: Eine Schülerin, die wir im letzten Jahr mit der Berufsreife entlassen haben, kam jubelnd auf mich zu, umarmte und drückte mich. Sie erzählte ihren Bekannten überschwänglich, dass wir in Musik den Schulkanon gesungen, dass wir aus Kronkorken und Astgabeln Rasseln hergestellt und dieses Lied von den Kranichen gesungen hätten. Selbst erfreut darüber, schaute ich in die Gesichter ihrer Bekannten, auf denen die Verwunderung mit der Frage geschrieben stand: Wie kann man seinen ehemaligen Musiklehrer und Schulleiter so begrüßen? Mir fallen folgende Sätze dazu ein, die ich bereits früher notiert habe: Keine Bildung ohne Bindung. Das Gehirn ist ein Beziehungsorgan. Lernen heißt immer: Die Atmosphäre, die herrscht, mitlernen.

 

Dienstag, 15. September 2015:

Von meiner Seite aus gesehen, stand heute das Tagesmotto fest: Endlich Unterricht! Nach der Integrationsphase war dies mein persönlicher Einstieg ins neue Schuljahr. Zunächst ein Ethikkurs in Jahrgang 7, den ich aus Gründen einer günstigeren Unterrichtsverteilung zusätzlich übernommen habe. Anschließend Standortwechsel und mein achter Einstieg in neue Musikklassen in Jahrgang 5. Da spüre ich ihn wieder, den Pädagogen in mir, da liegt der Ursprung meiner Berufswahl, die Lust, mit Kindern zu arbeiten, da spüre ich Erfüllung, wenn die Kinder sich mit mir ehrlich und offen über den Inhalt des Schulkanons unterhalten, wenn wir Spaß beim Singen entwickeln und viel lachen. Da kann ich den Fernsehspot eines Bundeslandes auf die Schule anwenden: „I bin da Schorsch. Und do bin i dahoam“.

  

Donnerstag, 17. September 2015:

Auch das alle Jahre wieder: der Gliederungsplan für die Schulaufsicht und für das statistische Landesamt. Neu in diesem Jahr war die Kooperation mit dem stellvertretenden Schulleiter, unser erster „Pas de deux“, der sowohl durch die berufliche Erfahrung als auch die persönliche Annäherung punkten konnte. So kann es weitergehen. Die beiden Musikstunden in der anderen Fünferklasse wurden durch den Probealarm in Wachenheim unterbrochen. „So ein Mist! Wieso muss der in Musik stattfinden?“, sagte eine Schülerin beim Ertönen des Signaltons. Ich nehme diese Bemerkung mal als Äußerung dafür, dass ihr die erste Stunde Freude bereitet hat. Genau so soll’s sein.

Wir bieten heuer für die „Einsteiger in die Oberstufe“ Basiskurse an, die zum einen in als bekannt vorausgesetzten Inhalten Wiederholung bieten, und zum zweiten den aktuellen Unterrichtsverlauf in Englisch, Mathematik und Deutsch unterstützen sollen - ein freiwilliges Angebot also zum Wohle der Schüler/-innen. Allerdings: Dies zu Beginn bereits zu erkennen, stellt offensichtlich eine Überforderung dar, denn im Deutschkurs saßen heute bei zwei Lehrkräften lediglich zwei Schüler. Ich bin mir sicher, diese Basiskurse werden sich noch über wesentlich mehr Zulauf erfreuen, wenn das Schuljahr erstmal fortgeschritten ist.

 

Freitag, 11. September 2015:

Der elfte September, nine-eleven, lässt mich beim Schreiben des Datums innehalten. Das furchtbare Attentat in den USA vor 14 Jahren habe ich noch sehr frisch in Erinnerung. Die Welt scheint auch 2015 irgendwie aus den Fugen zu geraten mit den Kriegen, Konflikten und nicht enden wollenden Flüchtlingsströmen. Betrachtet man den so genannten „islamischen Staat“, Afghanistan und Syrien, sind wir im Konflikt mit dem fundamentalistisch ausgerichteten und gewaltbereiten Teil des Islam auch nach vierzehn Jahren offenbar noch immer keinen Schritt weiter.

Die Elftklässler sind gut und hoffentlich als Gemeinschaft aus Heidelberg zurück, auch die Integrationstage der Fünfer liefen mit viel Engagement erfolgreich ab, so jedenfalls hörte ich es heute beim Abschlussgrillen von Eltern- und Lehrerseite.

Auch übergeordnete Themen erreichten mich schon in dieser ersten Schulwoche. Zur Vorstandssitzung der Direktorenvereinigung IGS war am Dienstag eingeladen. Nachdem die Neugründung von Gesamtschulen zu einem (vorläufigen) Abschluss kam, muss es uns nun darum gehen, uns darüber zu verständigen, welche Elemente eine IGS landesweit ausmachen. Dazu wollen wir ein „Label IGS“ mit allen Schulen entwickeln. Ich soll dazu aufgrund meines Buches „Deshalb IGS“ das einleitende Refer