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Projektanalyse

Mit der folgenden Projektanalyse möchten wir Ihnen einzelne Merkmale der Projektmethode sowie die Bewertung des Projektes kurz veranschaulichen. 

1. Bezug zum Alltag

Der demografische Wandel zählt zu den größten Herausforderungen der deutschen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Trotz einer regen politischen und gesellschaftlichen Diskussion ist der Fokus häufig nur auf die übermächtigen Problemlagen der Sicherung der Sozialsysteme, des Geburtenrückganges und der Alterung der Gesellschaft ausgerichtet.[1] Das Projekt möchte zum aktiven Handeln auffordern. Es bleibt nicht bei der Analyse stehen, sondern fördert das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung der Generationen. Jeder profitiert von Jedem!

Durch den ganzheitlichen Lernprozess werden die SchülerInnen an Probleme unserer Zeit herangeführt und zur Auseinandersetzung ermutigt. Die Begegnung mit dem Anderen eröffnet die Perspektive der Lebenszuversicht. Die SchülerInnen erhalten Einblicke in das Leben eines alten Menschen, nehmen Anteil an dessen Erfahrungsschatz und nähern sich dabei einer Lebenswirklichkeit, die (noch) nicht die ihre ist. Im face-to-face Interview übernehmen die SchülerInnen die Rolle des Fragestellers und nähern sich der zunächst noch fremden Person schrittweise an. Der Interviewte ist in einer exponierten Rolle, da sein Leben auf ein allgemeines Interesse stößt. Diese Anteilnahme am Gegenüber wirkt lebensbejahend und ist damit ein Stück Lebensqualität, die in der Uniformität des Alltags in einem Seniorenheim oft untergeht.

Mit der Durchführung und Auswertung der Interviews und der Analyse der eigenen Familienstrukturen setzen die SchülerInnen sich mit ihrer Lebenswirklichkeit auseinander. Indem sie alte Menschen aufsuchen und an deren Leben teilhaben, trägt das Projekt zur Öffnung der Schule nach außen bei.

Das Projekt besitzt einen religiösen und ethischen Lebensbezug. Durch die Kenntnis des Lebens im Alter und die Erziehung zur Achtung des Anderen sowie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Nächsten leistet das Projekt einen Beitrag zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule

[1] Um diesen Trend entgegen zu wirken hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser ins Leben gerufen. Zur Unterstützung des Bundes und der Länder entwickelt die Bertelsmann Stiftung mit dem Aktionsprogramm „Demographischer Wandel" ein Leitbild. 

 

2. Anforderungen des Lehrplans im Bezug auf das nachhaltige Lernen

Allgemeiner Lehrplanbezug: Das Projekt „Umgang mit anderen" setzt die rheinland-pfälzischen Lehrplanrichtlinien für die Fächer ev. und kath. Religion sowie des Ethikunterrichtes, in der Orientierungsstufe handlungsorientiert um. Entsprechend der Lehrplanvorgaben für die Gestaltung von Unterricht wurde ein erfahrungsbezogener didaktischer Ansatz gewählt, der eine ganzheitliche Gestaltung des Unterrichts vorsieht. Hierbei kommt die Maxime Pestalozzis zum Tragen: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand".[2]

Das Projekt greift die veränderte Lebenssituation in den Familien der SchülerInnen auf und verdeutlicht die demografische Entwicklung der Gesellschaft, indem die SchülerInnen einen Einblick gewinnen in die Besonderheiten des menschlichen Lebens im Alter. Sie erfahren durch die Form des Interviews, was es bedeutete, in der Vergangenheit Kind zu sein. Auch erhalten sie dabei Einblicke in die deutsche Alltags- und Kulturgeschichte. Sie lernen das Interview als besondere Form der geschichtlichen Forschung kennen und ziehen daraus Schlüsse für ihr eigenes Leben. Sie gewinnen Einsicht in das soziale Miteinander und entwickeln in der Auseinandersetzung mit der Thematik eine Werteorientierung, die auf die Menschenwürde sowie auf die Gottes- und Nächstenliebe ausgerichtet ist.

Der ganzheitliche Ansatz des Projektes lässt die SchülerInnen über ihre eigene Lebenswelt reflektieren. Wer gehört zu meiner Familie? Was weiß ich über meine Großeltern? Warum sind ältere Menschen wichtig? Was können sie an uns weitergeben? In der Auseinandersetzung mit der eigenen Familie lernen die SchülerInnen ihre Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen zu artikulieren (Kommunikationsfähigkeit). Das natürliche Bedürfnis nach Annahme und familiärer Zugehörigkeit bezieht die Großelterngeneration mit ein. Es trägt damit zur Stärkung der eigenen Persönlichkeit bei.

Das Projekt zeigte bislang, dass ein Großteil der SchülerInnen keinen oder nur sehr wenig Bezug zu ihren Großeltern besitzt. In einigen Fällen sind diese bereits auch verstorben. Der Umgang mit älteren Menschen ist ihnen daher bislang fremd. Die Konfrontation mit älteren Menschen fordert die SchülerInnen in ihrer Fähigkeit zur Empathie heraus und trägt damit zur Werteorientierung bei.

Die Erarbeitung eines (Leit-) Fragenkatalogs sowie die Durchführung des Interviews sensibilisiert die SchülerInnen in ihrem Umgang mit älteren Menschen und lässt sie erkennen, dass sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind. Nach Möglichkeit überdenken die SchülerInnen ihre bisherigen Positionen im Umgang mit alten Menschen, bewerten diese neu und finden, bzw. festigen ihre Einstellung zu einem verantwortungsbewusstem Umgang. Hierbei kommt es zu einer Förderung der Reflexions- und Urteilsfähigkeit der Schüler.

Wichtige Regeln des sozialen Miteinanders und gesellschaftlichen Zusammenlebens werden eingeübt: die Fähigkeit des genauen Zuhörens, der Empathie, des Perspektivwechsels, der Argumentation, der Diskussion und Konfliktlösung. Indem die SchülerInnen sich selbst und andere bewusst wahrnehmen, erweitern sie ihre Sozialkompetenz. Im Umgang mit älteren Menschen können sie erkennen, dass diese oft hilfsbedürftig sind und kleine Hilfen gern in Anspruch nehmen, dass ein freundliches Gespräch ihnen sehr viel bedeutet und ein Austausch zur Bereicherung des eigenen Lebens beiträgt (Sachkompetenz). Dieses Wissen schließt eine Positionierung zum Leben mit alten Menschen ein.

In einer Ausstellung soll jede Klasse ihre Projektergebnisse präsentieren. Dies können die Familienstammbäume, Erlebnisberichte mit der Familie, die Interviewprotokolle, die Fallstudie mitder persönlichen Reflexion zum eigenen Leben sowie eine Einschätzung und Wertung des Projektes sein.Hierbei sollen die SchülerInnen Verantwortung für ihr Projekt übernehmen. Das Präsentieren der eigenen Ergebisse soll ihnen verhelfen mehr Vertrauen zu sich selbst zu gewinnen (Ich-Stärkung).

Direkter Lehrplanbezug (Klassenstufe 5/6) anhand des Faches ev. Religion: Das Projekt ist in die religionspädagogische Dimension des anthropologisch-ethischen Bereichs einzuordnen. Die verbindliche Lernintention ist: Sich selbst und andere kennen lernen als Voraussetzung für das Leben in der Gemeinschaft. Zur Umsetzung der Lernintention werden unter anderem die Themen "Familie" und "Alte Menschen" vorgeschlagen.[3]

[2] Vgl.: Gestaltung von Unterricht. In: Lehrplan für den evangelischen Religionsunterrichtes in Rheinland Pfalz, hrsg. vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Mainz 1997, S.10.

[3] Ebd., S. 8, 17, 25 und 29.

 

3. Bewertung der Qualität der Lernprozesse

Die Bewertung von Schülerleistungen setzt im Projektunterricht stets ein hohes Maß an Sensibilität voraus. Der ganzheitliche Lernprozess des Projektes umfasst neben kognitivem Lernen auch eine affektiv-emotionale und pragmatische Dimension. So ist der Lehrende gefordert, ein guter Beobachter der einzelnen SchülerInnen zu sein. Nicht nur das Überprüfen des fachbezogenen Inhaltes, sondern der Lernprozess und der damit verbundene individuelle Lernfortschritt sollte eine Beachtung finden. So sind bei der Notengebung die Sach-, Methoden- und Sozialkompetenz zu berücksichtigen.

Im Mittelpunkt der Notengebung steht jedoch die Durchführung und Auswertung des Interviews. Die Note für das Interview obliegt dem Fachlehrer. Sie kann sich in drei Teilbereiche aufgliedern: die mündliche Mitarbeit im Unterricht, die Mitarbeit in der Gruppe bei der Durchführung des Interviews und die Auswertung des Interviews anhand der Fallstudie und des persönlichen Transfers. Zusätzlich können Noten für das Erstellen eines Stammbaumes und des Schreibens eines Familien-Erlebnis-Berichtes erteilt werden. Hierbei sollte die kreative Gestaltung des Stammbaumes und die Ausdrucksfähigkeit der Erlebnisgeschichte bei der Notengebung gewürdigt werden.

Aufgrund der unterschiedlichen Facetten des Projektes bestand die Möglichkeit, eine Projektmappe (Projekthefter) von den SchülerInnen anlegen zu lassen. In dieser Mappe lassen sich alle Arbeitsergebnisse (Zwischen- und Endergebnisse, wie Protokollnotizen und ausgefüllter Fragekatalog, Fotos ...) des Projektes sammeln. Sollte auf eine Projektmappe zurückgegriffen werden, ist diese mit einer komplexen Note zu bewerten. Bei der Notengebung fließen dann die Note für das Interview sowie die Noten für die Teilarbeitsergebnisse (Stammbaum und Erlebnisbericht) und eine Note auf die Vollständigkeit der Arbeitsergebnisse, Sauberkeit und Übersichtlichkeit der Gestaltung der Projektmappe mit ein.

Im Sinne eines schülerorientierten Unterrichtes ist es notwendig, die Kriterien für die Bewertung im Vorfeld, bzw. zu Beginn des Projektes den SchülerInnen mitzuteilen. Sie sollten von ihnen nachvollziehbar sein und anerkannt werden.

 

 4. Kritische Reflexion

-->erfolgt mit Abschluss des Projektes