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Dez 2016

 

Mittwoch, 21. Dezember 2016:

Ich sage mal so: Der Tag war vorweihnachtlich hektisch von Beginn an. An letzten Schultagen wollen oder müssen immer noch Dinge erledigt werden, die nicht in die Ferien verschoben werden sollen. Da rutschen dann unvorhergesehene Gespräche durchaus in die Region der Hektik. Geprägt sollte der Tag durch das Assembly in Deidesheim werden, das erste in diesem Schuljahr, dazu noch mit neuen Verantwortlichen der Schülervertretung. Die Hauptverantwortliche, die mit mir das Programm durchgesprochen hatte, war auch noch krank. Da mussten wir mittendurch. Ein sehr schöner Auftritt hatte einer der Hausmeister. Schon beim Brand hatten wir geplant, die Funktion der Rauchschutztüren allen mit Fotos nochmal zu erläutern. Da brauste Applaus auf, als der Hausmeister mit dem Mikrophon ins Rampenlicht trat. Herrlich! Weiter stellte ich den Bauverlauf mit den einzelnen Abschnitten und den dazugehörigen Einschränkungen auf dem Schulhof vor; erläuterte die Planungen hinsichtlich des Abiturs und betonte dieses als Veranstaltung der ganzen Schule. Durch Raumänderungen werden so gut wie alle irgendwie betroffen sein und es ist ja durchaus ein Ziel, auf das wie immerhin acht Jahre lang hingearbeitet haben. Ein stimmungsvoller Augenblick war auch der Dank an die langjährige Schülersprecherin, die im Januar ins Abitur einsteigt und daher nicht mehr kandidiert hat -inzwischen ein junge Frau, die vom ersten Tag an zur IGS gehört und ich muss mich neu justieren, wenn dieser Pionierjahrgang nicht mehr dabei ist. Und dann ein kurz vorher angedeuteter Programmpunkt. Der Schülersprecher wollte ein paar Worte sagen. Mit seiner ihm eigenen Fähigkeit, auch ernste Dinge ansprechen zu können, hielt er quasi eine Rede, die die Halle zu einer verdichteten Einheit verschmolz. Ich erinnerte mich an die ersten beiden Gedenkminuten bei Assemblys, noch in Wachenheim. Damals entbrannte ein Krieg im Gazastreifen und später richtete ein Erdbeben in Haiti unermesslichen Schaden an. Die dritte, die ich erinnere, regten Schulleitung und Schülervertretung angesichts des Terroranschlags in Paris gemeinsam am Ende einer Pause auf dem Hof an. Heute nun schwieg die Halle in Gedenken an den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, allein von Schülerseite angeregt. Gibt es eine absolute Stille? Wenn ja, herrschte sie heute in der Turnhalle in Deidesheim – Gänsehaut!  Wenn ich die kurze Rede einmal erhalten habe, würde ich sie gerne hier aufnehmen, denn es war ein authentischer Aufruf, sich dem Terror nicht zu beugen und gerade als „Schule ohne Rassismus“ standzuhalten. Tief beeindruckt musste ich in den Alltag zurück, wieder einmal keine Zeit, in der sich Erlebtes setzen konnte. Der Bürgermeister hatte seinen jährlichen Weihnachtsbesuch angekündigt, der Umtrunk zum Jahresschluss musste noch organisiert werden und ebenfalls waren die Geschenke für unsere Putz-Feen und Hausmeister noch nicht übergabereif verpackt.

Und irgendwann war es auch für mich soweit, dass die Weihnachtsferien begonnen haben. Die vorbereitete Post ans Kollegium konnte nun, da alle nach Hause gegangen waren noch eingeworfen werden. Sie wird wohl pünktlich ankommen.

 

Dienstag, 20. Dezember 2016:

Vor Wochen hatten wir für heute einen Hospitationstermin ausgemacht. Zum Abschluss der Fortbildung am „Zentrum für Schulleitung und Personalführung vor Amtsübernahme“ steht immer ein Tag der Hospitation bei einem Schulleiter eigener Wahl an. Da es sich erneut um einen IGS-Kollegen handelte, sagte ich natürlich zu. Wir trafen uns in Wachenheim während meiner Bürostunden am dortigen Standort, „klopften“ uns ein wenig ab, besprachen dies, verglichen das an beiden IGSn, bevor wir nach Deidesheim wechselten. Als günstig und passend erwies sich, dass bei uns die Organisation des Abiturs auf dem Tagesprogramm stand, genau die Aufgabe, die auch an der anderen IGS gerade Thema ist. Passte also genau.

Ich selbst wechselte erneut den Standort und versuchte in Wachenheim so etwas wie Kassenschluss hinzubekommen. Das heißt, die letzten Rechnungen mitzubringen, Buchungsanweisungen zu unterschreiben und auch nochmal auf die Bank und Geldgeschäfte regeln. Da dies nicht sonderlich spektakulär ist, sich auch kaum zur Hospitation eignet, schlossen wir diese in Deidesheim noch ab. Dabei hörte ich die abschließende Bewertung, dass bei uns „schon eine ganz besondere Atmosphäre im Umgang miteinander“ herrsche. Schön, eine solche Rückmeldung mit den „Augen eines Externen“ zu erhalten, denn als Teil dieser Atmosphäre „schmore“ ich da ja mittendrin, genieße und gestalte sie, dennoch gerät sie im hektischen Alltag schon mal aus dem Blick und dann tut es gut, wenn Mitmenschen, die sie einen Vormittag wahrnehmen, uns „mal wieder“ draufstoßen.

 

Montag, 19. Dezember 2016:

Bereits bei der frühen Fahrt nach Deidesheim kamen mir die beiden Assemblys in den Sinn. Durch die jetzt eingespielte Regelung finden sie ja nicht mehr so oft statt wie in früheren Zeiten. Das hat nicht nur thematisch den Vorteil, dass wir ausreichend Inhalte haben, andererseits sind die Zwischenzeiten (für mich) mitunter recht lang. Wir begannen mit dem sechsten Jahrgang. Neben den Themen Spielehäuschen, Ballturnier im Januar, Talentwettbewerb des Assembly-Teams des Schülervertretung, Pausenregelung war klar: Ich wollte (mir) zum Jahresschluss ein Bonbon schenken und das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ mit allen singen, fast ein „Hit“, der immer wieder ankommt. Bereits den Schulkanon intoniert dieser Jahrgang so gekonnt wie kein anderer bisher. Schon über die Jahre hinweg projizieren wir die Liedtexte an die Wand, so dass weder Liedzettel benötigt werden, noch eine große Vorbereitung notwendig ist. Bei der Weihnachtsbäckerei habe ich die „Klatsch-Einsätze“ notiert. Wir konnten also gleich loslegen – und wie! Mein Gefühl war richtig, meine Erwartung nicht zu hoch und auch die im Flur vorübergehenden Kolleg/-innen ließen sich mit einem Schmunzeln anstecken. Herrlich! Bei den sich anschließenden Fünfern kam thematisch noch das Ergebnis des Luftballonwettbewerbs hinzu. Ohne Eigenlob einheimsen zu wollen: Mein Jahr Singen im Musikunterricht merkt man den Sechsern an. Was im Jahrgang darunter eher zögerlich und an manchen Stellen etwas holprig erklingt, nimmt bei den „Bulli Burgs“ jede Hürde. Danach musste ich gleich nach Deidesheim – das Schulleitungsteam hatte sich für heute wichtige Themen vorgenommen: Wo steht die Schule konzeptionell? Wie stehen die einzelnen Mitglieder zum Differenzierungsmodell? Dazu stellten wir uns auf einer markierten Linie zwischen eins und zehn dreimal auf (Team mit Bewegung) – tolle Idee. In kurzen Statements konnten wir den Standpunkt kurz erläutern. Bei der Frage, ob das ein Thema zum Anpacken ist, war klar: Das wird uns noch beschäftigen müssen. Von der Tagung der didaktischen Koordinatoren wusste ich, dass dieses Thema Landesweit auf den Tagesordnungen steht und wird natürlich – wie sollte es anders sein -  kontrovers besprochen. Seltsam dabei ist, dass die IGSn mit äußerer Fachleistungsdifferenzierung überlegen, ob nicht die klasseninternen Lerngruppen weiterhelfen würden, wir, die wir dies haben aber nicht hundertprozentig umsetzen, überlegen, ob die äußere uns nicht hilft. Das wird noch spannend werden – Ergebnis offen…

 

Mittwoch, 14. Dezember 2016:

SELG-Tage schützen vor Krankheit nicht – so heute. Zwei Tutor/-innen meldeten sich krank. Das haut natürlich Löcher in die Planung der Klassenleitungen. Wir versuchten, Ersatz zu finden durch Kolleg/-innen die keine Tutorenschaft begleiten. Fast alle Termine konnten wir wieder besetzen,, nur die Randtermine, die bis zum frühen Abend reichten, blieben unbesetzt. Da ich die betreffende Klasse kenne, bot ich mich an. Dunkel war es schon, als wir fertig waren – ich ging durchs Haus und löschte die Lichter in Treppenhäusern und Fluren. Es war wieder gelungen in einer Atmosphäre der Teamarbeit ein solch großes Unternehmen wie den SELG-Tag hinzubekommen. Dieses Gefühl allein beglückte mich bereits, die mir „gegönnten“ neuen Erfahrungen bestärkten mich darin, dass dieses Konzeptmerkmal der Schule die „Waagschale der Pädagogik“ maßgeblich nach unten drückt, weil alle anderen Regelungen, seien es von Lehrkräften allein verfasste verbale Beurteilungen oder gar aussagearme Kopfnoten.

 

Dienstag, 13. Dezember 2016:

Das war so etwas wie ein Antrittsbesuch beim Bürgermeister der Verbandsgemeinde Deidesheim gestern. Zwar hatten wir immer wieder ein Treffen vereinbart – es kam bisher nicht dazu. Nun also ein verspätetes, bei dem es aber nicht in erster Linie um den „Antritt“ ging, mindestens fünf konkrete Anliegen listeten wir auf: Die Parksituation an der Schule, die dazugehörigen Klagen der Anlieger und eine Beschilderung gemäß der Straßenverkehrsordnung, Deidesheimer Jugendtreff (Eröffnung ist für den Februar geplant), die Sporthalle und ihre Probleme und der dauerhafte Verbleib der betreuenden Grundschule am Nachmittag, damit verbunden das Mittagessen und damit verknüpft die Caterer-Frage. Nichts Spektakuläres aber Punkte, die den Alltag durchaus betreffen und belasten können, wenn sie nicht reibungslos funktionieren. Gespräche auf dem kurzen Dienstweg, Kontakt in angenehmer Atmosphärische  und persönliches Kennenlernen – geäußerte und gelebte Absicht von beiden Seiten und insofern schon mal positiv. Außerdem haben die vier Gesprächspartner, die da zusammensaßen, in allen genannten Punkten Neuerungen vereinbart, die sich zum Teil bereits Anfang des neuen Jahres bemerkbar machen werden.

Der Nachmittag heute gestaltete sich ruhig, denn es fanden zu Hauf Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche statt. Wie auch in den vergangenen Jahren durchströmte das Haus  eine angenehme Stimmung. Alle Eltern, die mir mit ihren Kindern begegneten, grüßten freundlich und lächelnd, vor oder auch nach den Gesprächen, die Flure ähnelten den Wartezimmern bei Ärzten. Zu einzelnen Gesprächen wurde ich eingeladen, so dass ich mir wieder (als Nicht-Tutor) originäre Erfahrungen einholen konnte. Insgesamt also ein Konzeptmerkmal, das ankommt. Dennoch existiert Entwicklungsbedarf, aber damit ist ja bereits eine Arbeitsgruppe beschäftigt. Spannend allenthalben!

 

Freitag, 09. Dezember 2016:

Wir befinden uns zwar nicht mehr „eben jetzt“ im neuen Schuljahr, dennoch taucht eine Auswirkung erst heute auf: Wechsel der Verantwortlichen der Schülervertretung für das Assembly in Deidesheim, sprich für die Klassen sieben bis 10. Wir steckten die Themen ab. Was könnte der Schulleiter beitragen? Haben Sie dazu Fotos für die Präsentation? Einiges hat sich da angesammelt, so dass ich mich jetzt schon mit Spannung auf die Zusammenkunft zugehe. Übrigens: Ich habe erfreut den Begriff „Assembly“ im Fernsehen als Schriftzug auf dem Podium beim Treffen des Kindeshilfswerkes UNICEF im Fernsehen entdeckt, dort als „Tagung, Zusammenkunft“ verwendet. Auch in Wachenheim stehen noch zwei Assemblys an, alle drei in den Tagen vor Ferienbeginn. Wie ich mich darauf freue!

Die Mensa ist als „morgendliche Wärmestube“ jetzt eine Woche ab 7.30 Uhr geöffnet – ohne Vorkommnisse. Das bedeutet: der Raum wird täglich genutzt, aber auch so verlassen, dass bis zum Mittagessen keine Reinigung erfolgen muss und auch nicht kann. Das war ja eben der heikelste Punkt dieser Regelung. Und wenn es klappt: Chapeau von meiner Seite!

Einen weiteren Eintrag will ich gerne nachliefern. Der Eindruck ist nicht ganz frisch aber durchaus noch aktuell. Wer derzeit in Deidesheim durch die Flure bei der Verwaltung oder im Fachtrakt geht, wird an Wänden „vorüberwandeln“, an denen herrliche Kunstwerke ausgestellt sind. Zunächst stachen mir die Bleistiftskizzen ins Auge, die der Grundkurs Bildende Kunst im Kulturprofil 12 während der Studienfahrt nach München beim Besuch der Glyptothek angefertigt hat. Und schon lernte ich wieder dazu, denn dieser Begriff war mir bisher nicht begegnet. Inzwischen weiß ich durch den Aushang und die Homepage dieses Hauses, dass es das älteste öffentliche Museum in München ist und das einzige, das weltweit allein antiken Skulpturen gewidmet ist. Gebildet ist dieses moderne Kunstwort aus den altgriechischen Worten „Glyphein“ (meißeln) und „theke“ (Ablage). Konkret für München heißt dies, dass sowohl griechische als auch römische Marmorstatuen von hoher Qualität dort ausgestellt sind. Ich kann mir die Schüler/-innen gut vorstellen, wie sie dort, in großer Ruhe und umgeben von künstlerisch knisternder Atmosphäre, mit dem Skizzenblock verweilen und die Statuen aufs Papier zu bannen versuchen, von einem Torso des Diomedes, über den Faltenwurf des Gewandes einer Muse bis zum vollendet geformten römischen Jüngling. Genau diese Stimmung fand ich in Fotos wieder, die ich gesehen habe. Herrlich, ich kann mich kaum „satt sehen“! Im Verwaltungsflur hängen dagegen Kunstwerke des Wahlpflichtfaches Bildende Kunst, welche verschiedene Stile der Malerei innerhalb der Kunstgeschichte nachahmen: Impressionismus, Expressionismus, Klassizismus und Romantik. Sicherlich nicht nur dem Laien wie mir stechen die markanten Maltechniken in zum Teil leuchtenden Farben der Expressionisten ins Auge und man könnte versucht sein, kleine van Goghs oder Renoirs mit ihren „Pinselpunkten“, die bei kurzer Distanz verwirren können, aber gei größerem Abstand zu einem Gemälde „zusammenfließen“, als Schüler unserer Schule zu wähnen. Man könnte weiterhin davon träumen, die Künstler/-innen hätten als Kandinsky oder Franz Marc das Wahlpflichtfach Bildende Kunst bei uns besucht. Wiederum vor den Fachsälen sind als Brücke zum aktuellen Teil eines Zeitstrahls digital hergestellte „Klon-Fotos zu sehen: Schüler/-innen sind in fünf oder sechs verschiedenen Tätigkeiten oder Posen in ein einziges Foto hineinprojiziert worden und verwirren dadurch den Betrachter zunächst, bis so langsam dahinter die Vielfältigkeit ein und derselben Person durch unterschiedliche Tätigkeiten hervorscheint. Eine wunderbare Anschauung dessen, was im Fach Bildende Kunst alles entsteht und zudem den Lebensraum „Schule“ als zusätzlichem Pädagogen hervorhebt. Möge dieses Beispiel über die Fächer hinweg Schule machen. Und weil dies so wichtig und sinnvoll ist, auch ein herzliches Danke an alle Ausstellenden und deren Lehrkräfte!  

 

Donnerstag, 08. Dezember 2016:

Einen Aufsatz schreiben zu lassen, birgt für die Aufsichtsperson immer auch die Möglichkeit des (unterbrochenen) Lesens. Da wir anscheinend gerade „Tage der Ziffern“ erleben - gestern hörte ich von der Veröffentlichung der neuesten PISA-Tests aus dem Jahr 2015 – druckte ich mir eine Zusammenfassung aus. Die 508 Seiten umfassende gesamte Dokumentation wollte ich mir ersparen, die wesentlichen Ergebnisse ließen sich ja auch diesen zehn Seiten entnehmen. Natürlich versuchte ich, möglichst ohne Vorbehalte an die Lektüre heranzugehen, vergangene PISA-Studien habe ich schon mehrfach problematisiert (vgl. die Einträge vom 24.Juli 2010, 1.März 2012 und 14.September 2012; des Weiteren kommt die Untersuchung an 10 Stellen in dem Buch „Deshalb IGS“ vor). Nun also erneut die letztjährige und damit die sechste Studie mit ihren Ergebnissen, an welcher sich 72 Staaten, davon die 35 OECD-Staaten und 37 so genannte Partnerstaaten teilgenommen haben. Die Zahl der teilgenommen Schüler/-innen liegt daher etwas über der halben Million, davon 6.504 aus Deutschland, wovon wiederum eine Stichprobe von 253 fünfzehnjährigen Schüler/-innen gezogen wurde, deren Ergebnisse als repräsentativ gelten. Ich lasse diese nackten Zahlen einmal ohne meine grundsätzliche Skepsis hinsichtlich der Aussagekraft hinten an. Was steht also drin?

„Insgesamt zeichnen die Ergebnisse aus PISA 2015 für Deutschland ein Bild, das für eine Konsolidierung starker Leistungen der fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schüler spricht: In kaum einem anderen OECD-Staat ist es gelungen, die in den ersten Erhebungsrunden vergleichsweise niedrigen Kompetenzen über die vergangenen 15 Jahre auf ein inzwischen konstant überdurchschnittliches Niveau anzuheben. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland, die sich etwa am Ende ihrer Pflichtschulzeit befinden, erzielen in allen drei Domänen (Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen) überdurchschnittliche Leistungen“ (PISA 2015, Zusammenfassung, S.9).

Nun habe ich immer behauptet, dass Schule viel mehr ist, als die Summe der Fachleistungen und als man grundsätzlich in einer Studie erheben kann. Dennoch könnte man mit dem Ergebnis, das doch durchweg „überdurchschnittlich“ ist, zufrieden sein. Aber die Ergänzung „ohne zu den Spitzenleistungen“ aufschließen zu können, hinterlässt in mir einen schalen Geschmack. Ist das unser Ziel, zu Spitzenleistungen aufschließen zu wollen? Ist nicht eine allgemeine Bildung viel eher ein erstrebenswertes Ziel? Ich möchte des Weiteren nicht eruieren müssen, welchen (menschlichen oder pädagogischen?) Preis wir für weitere „Spitzenleistungen“ zu zahlen hätten. Fortschritte in den Unterrichtsmethoden? Gerne. Gute Unterrichtsentwicklung mit einem höheren Anteil an selbstverantwortetem Unterricht? Auch das geschenkt. Wenn jetzt aber Lernziele unter kognitivem Gesichtspunkten mit mehr Druck und frontal gebüffelt werden sollen, sage ich nein! Vor allem, weil für mich die Herkunftsfamilien der Schüler/-innen immer noch eine signifikante Rolle für Bildung in Deutschland spielen:

„Die Analysen zeigen auch diesmal, dass es in Deutschland einen deutlichen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft der Eltern und dem natur-wissenschaftlichen Kompetenzniveau der fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schüler gibt. Auch wenn die Abstände im Kompetenzniveau zwischen sozialen Schichten in den letzten Jahren kleiner geworden sind, bleibt das Bemühen um eine Verringerung sozialer Disparitäten beim Kompetenz-erwerb und bei der Bildungsbeteiligung nach wie vor eine der vorrangigen bildungspolitischen Aufgaben“ (ebd.)

Diese Ungerechtigkeit und dieses soziale Gefälle im Bildungssystem wären in meinen Augen zu verbessern. Spitzenleistungen anzustreben und die Ungerechtigkeit in Bezug auf den Zugang zur Bildung hinzunehmen, kommt mir irgendwie mittelalterlich vor.

Eine schöne Tradition wurde heute noch fortgesetzt: Der Adventskaffee der Schulleiter/-innen Wachenheims beim Verbandsbürgermeister. Allerdings trafen sich heute andere Personen, lediglich zwei konnten auf die Gründungszeit mit etwas sentimentalem Blick zurückschauen, als die IGS mit einem Jahrgang startete und die Wege zum Schulträger sehr kurz und persönlicher geprägt waren – aber dieser geschichtliche Blick machte das heutige Treffen für mich zum Genuss.

 

Dienstag, 06. Dezember 2016:

Durch meine Bürostunden in Wachenheim kam ich heute in den Genuss eines Adventssingens. Die ganze Grundschule am Standort hat sich neben dem geschmückten Weihnachtsbaum getroffen, eine Geschichte gehört und Lieder gesungen. Spontan verweilte ich dabei (als ungeladener Gast) und stimmte mit ein. Meine Gedanken schweiften ab in die eigene Grundschulzeit, über Vertretungsverträge, die ich vor meiner Planstelle im Raum Trier an Grundschulen innehatte und dort ebenfalls Adventssingen begegnete, bis hin zu unseren Assemblys. Wo haben wir das heute noch, dass anlassbezogen in Gruppen gesungen wird. Herrlich wehmütig! Doch zu dieser Sentimentalität stehe ich und freue mich darüber, dass es das noch gibt und es die Kinder (nicht nur in Wachenheim, wie ich weiß) miterleben können. Bewahrt diese Minuten in einem schmucken Kämmerlein in eurem Herzen auf. Niemand wird sie euch nehmen können. Sie sind so wertvoll!

Nicht nur kritisieren, sondern sich eine Grundlage schaffen, so möchte ich eigentlich immer verfahren und deshalb machte ich mich auf der Seite des Bildungsministeriums hinsichtlich der beschriebenen Presseerklärung zur Unterrichtsverteilung kundig. Ich stieß auf zusätzliche Zahlen und Diagramme. Nur eine weitere Zahl will ich hinzufügen: Die Zahl der Schüler/-innen in einer Klasse ist bei der IGS am größten, im Landesschnitt besuchen 27 Schüler/-innen eine Klasse der Gesamtschule. Am Gymnasium sind es knapp 26, an der Realschule plus etwas mehr als 22. Dies könnte für die Schulwahl für die Eltern durchaus von Interesse sein. Es gibt durchaus Kinder, die in einer vollen Klasse eben nicht so gut zurechtkommen. Bei uns sind volle Klassen die Regel, denn an unserer Schule gibt es von Klasse 5 bis 9 keine Klasse, die „nur“ von 27 Schüler/-innen besucht wird  und somit heben wir die Zahl bei den IGSn sicherlich nach oben an. Lediglich unsere Zehnerklassen sind kleiner, weil Absolventen mit Berufsreife in diesem Jahrgang bereits abgegangen sind. Zusätzlich fand ich in einem Diagramm zwei Kurven interessant. Die eine zeigt die Schülerzahlen an, die im Stile eines Berges von 1990 an bis zum Höhepunkt im Jahr 2002 angestiegen sind und seither stetig fallen und im Jahr 2015 fast das Niveau von 1990 erreicht haben. Gleichzeitig stieg die Zahl der hauptamtlich beschäftigten Lehrkräfte stetig zum Höhepunkt 2010 an und fällt seither wieder, liegt aber deutlich höher als es die Schülerzahlen begründen können. Entweder verstehe ich die Grafik nicht richtig oder aber die Versorgung mit Lehrkräften ist deutlich bis signifikant besser als in der großen Mehrzahl der Jahre. Das lässt mich wiederum staunen. Das zum einen. Zum anderen liegt der Versorgungsgrad bei den verschiedenen Schulformen zwischen 96 und 99 Prozent und bewegt sich, wenn man einmal die Punkte-Noten-Skala der Oberstufe zum Vergleich hernehme, im sehr guten Bereich: Wer 98% der erreichbaren Punktzahl erfüllt, liegt im Bereich der Eins, fast möchte man sagen im Bereich von summa cum laude. Wieder wird aber auch deutlich: Es kommt auf die Zahlen, deren Bezugsgröße und Interpretation an, sie selbst können keine eindeutigen Aussagen treffen und jeder kann mit ihnen Kritik äußern oder Lob einheimsen wollen! Es sind eben auf Landesebene gerechnete Durchschnitte und auch deshalb nur aussagearme Ziffern, die einer einzelnen Schule mit Schwierigkeiten nicht weiterhelfen. Kein pädagogisches Problem wird gelöst, wenn man als Schule über, auf oder unter dem Landesdurchschnitt versorgt ist!

 

Sonntag, 04. Dezember 2016, 2. Advent:

In den Nachrichten gestern hörte ich, dass viele Stellen für Kriminalkommissare nicht besetzt werden können, weil über vierzig Prozent der Anwärter die Prüfung in Deutsch nicht bestünden, hauptsächlich wegen der Rechtschreibung, und das, obwohl die Anwärter alle das Abitur abgelegt hätten. Sofort wurde natürlich das Bildungssystem in Frage gestellt. Nun wäre es ja zum angemessenen Verständnis sehr wichtig, genauer hinzuschauen: Was ist das für ein Test? Unter welchen Bedingungen wird da getestet? Wer testet hier mit welchen Mitteln was? Welche Kompetenzen werden erwartet? Und was bitte steckt hinter der nun Abhilfe schaffen wollenden Absicht, die Tests jetzt „modernisieren“ zu wollen? Stellt da jemand die Fragen nach dem digitalen Zeitalter, das sich in seinen Auswirkungen natürlich auf Rechtschreibkenntnisse erstreckt? Bei E-Mails, bei Computerprogrammen und Short-Messages spielt Rechtschreibung eben die geringste Rolle und die unsäglichen und verbreiteten Abkürzungen in denselben schränken die Notwendigkeit des Übens und die Notwendigkeit häufigen Schreibens erheblich ein. Vor Jahren schon wurde der Weg in eine „textlose Gesellschaft“ diskutiert und wenn ich die Tageszeitung lese, vermisse ich immer öfter den früheren Beruf des Lektors, der alle Texte (in Ruhe!) nochmals vor dem Druck auf die Rechtschreibung hin überprüfte. Diese zeitfressende Tätigkeit leistet sich heute keine Zeitung mehr oder: sie kann sie sich nicht mehr leisten. Die weitere Frage ist die nach der Rechtschreibreform von 2006, die aus lauter Konsensdruck immer häufiger Varianten in der Schreibweise zulässt, oft an Eindeutigkeit zu wünschen übrig lässt und in meinen Augen Regelungen verkompliziert hat, etwa die zur Zusammen- und Getrenntschreibung. Ist all dies hinterfragt und berücksichtigt? Oder bleibt es (wieder einmal) bei allgemeinem Bedauern darüber, dass die Bildung, was immer dieser Begriff auch meint, nicht mehr dieselbe sei wie früher…

Flankierend las ich gestern auch von der Veröffentlichung von Zahlen des Bildungsministeriums den Unterrichtsausfall an Schulen betreffend. Die Förderschule kommt dabei mit 4% strukturellem Ausfall am schlechtesten weg, die IGS steht mit 1,9% an zweiter Stelle, gefolgt vom Gymnasium mit 1,4% und der Realschule plus mit 1,2%. Aber hier muss ebenfalls und sorgfältig nachgefragt werden: Welche Fächer sind besonders betroffen? Es ist ja durchaus, auch als Hinweis auf die Leistungen im Bereich Deutsch von gestern wichtig dies nachzufragen. Ein Unterschied besteht da doch durchaus, ob eine Stunde Bildende Kunst nicht stattfindet (bitte an der Stelle jetzt keine Grundsatzdiskussion über die Wichtigkeit und Berechtigung einzelner Fächer) oder eine Stunde in Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften oder Fremdsprachen. Und dann wäre zu fragen, welche und wie viele Stunden in welchen Klassenstufen da ausfallen, denn bei einem sechsstündigen Fach Deutsch eine Stunde, eventuell die in halber Klasse (wie bei uns) auf verschiedene Jahrgänge zu verteilen wird zu einer anderen Aussage kommen, als wenn in einem Jahrgang das Fach Musik für einen begrenzten Zeitraum gar nicht stattfindet. Über all das wird nicht berichtet, all das ist auch nicht als landesweites Ergebnis (wiederum) auf nur eine einzige und aussagearme Prozentzahl zu reduzieren. Die vier genannten, auf ein Minimum an oberflächlicher Information reduzierten Zahlen werden aber als Grundlage für Politik verwendet! Auch andere Zahlen wurden in demselben Artikel veröffentlicht („Unterrichtsausfall steigt leicht an“, in: DIE RHEINPFALZ, Nr. 281 vom 2.Dezember 2016); Die Schülerzahlen an den verschiedenen Schulformen. Demnach sind beim Gymnasium (minus 3100) und Realschule plus (minus 2400) die Schülerzahlen rückläufig, an Integrierten Gesamtschulen sei dagegen ein Zuwachs von 2400 zu verzeichnen, der wegen der kleineren Anzahl die Rückläufigkeit an den anderen Schulformen nicht begründen kann. Rund 8500 Schüler/-innen erhalten nach diesen Angaben Sprachförderung, darin enthalten (?) auch Flüchtlingskinder. Auch diese Zahlen sind, auf die Fläche eines ganzen Landes bezogen, wenig aussagekräftig. Sie sind eben lediglich statistischen Erhebungen entnommen, die nun mal im Einzelfall jeder Aussagekraft entbehren. Wenn dann noch „geprüft werden soll“, ob kleine Leistungskurse benachbarter Schulen zusammengelegt werden können, dann kommt für mich darin die ganze Fragwürdigkeit von Zahlen zum Ausdruck. Man könnte mit einer solchen Maßnahme zwar Lehrerstunden einsparen, aber man halte sich vor Augen, was das für die Qualität von Unterricht bedeutet, wenn ein/e Schüler/-in für einen bestimmten Kurs an eine andere Schule müsste, in unserem Fall wäre das auch noch ein kompletter Wechsel der Schulform. Natürlich würde die Statistik damit positiver ausfallen. Sich gleichzeitig über die Qualität von Bildung zu äußern, verbietet sich in meinen Augen angesichts solcher, wenn bisher auch nur gedachten Aussagen. Das Ergebnis kann wiederum nur in Zahlen bestehen!

Und jetzt die mich umtreibende Frage: Gibt es nicht einen Zusammenhang zwischen den letzten beiden Einträgen? Klügere und weisere Menschen mögen meine Stunden über „Das Brot“, das Versagen der Kommissar-Anwärter in Sachen Rechtschreibung und die beabsichtigte „Modernisierung der Deutschtests“ und den Statistikdaten des Bildungsministeriums vielleicht mit ausgetüftelteren Argumenten beleuchten und in Beziehung setzen. Auf alle Fälle und in jedem Einzelfall muss, unabhängig und vor der Bekanntgabe, viel genauer hingeschaut werden. Mit einem Husarenritt durch Zahlen- und Statistikwerte und Meldungen, ohne oder mit ungenauen weil schlecht recherchierten Hintergründen, mit die jeweils eigene Argumentation unterstützenden Analysen und Forderungen grenzt die ganze Diskussion an Unlauterkeit. Wenn das Regierung, Presse und Lehrerverbände hinbekommen, aber erst dann (!) kann ernsthaft und glaubhaft über das Bildungssystem, über die angeblich „nachlassenden Leistungen von Schüler/-innen“ sich geäußert werden.

 

Freitag, 02. Dezember 2016:

Nun steht es also fest: Zum mündlichen Abitur kommt unser Schulaufsichtsbeamter, um das erste Abitur offiziell zu begleiten, heute erreichte mich die entsprechende Nachricht per E-Mail. Dieser Besuch wird der Prüfung einen zusätzlichen Touch des Offiziellen hinzufügen, zum anderen kann er aus seiner reichhaltigen Erfahrungen so manchen hilfreichen Hinweis geben. Ich empfinde also keinerlei Aspekte einer Überprüfung oder einer Kontrolle. Das Abitur besitzt selbstredend einen hohen Stellenwert und Begleitung tut da auf jeden Fall besser als Klagen im Nachhinein, durchaus mitgemeint sind auch juristisch auszufechtende. Diesen Ärger braucht niemand. Inzwischen sind auch die Ergebnisse der ersten landesweiten Leistungskurs-Klausur da und im Portal eingegeben. Schaue ich mir die Notenverteilung an, dann kommt darin eine völlig normale Kurve zustande. Das heißt für mich, dass dort gut und richtig gearbeitet wird.

Nahezu eine Bauchlandung erfuhr ich in meinen heutigen Deutschstunden. Es ging um die Kurzgeschichte „Das Brot“ von Wolfgang Borchert, die bei mir bei jedem Lesen immer noch Gänsehaut hervorruft, so dicht, so prägnant und so „gefrierend“ ist sie formuliert. Dass es in Kriegszeiten um existenzbedrohenden Hunger ging, dass eine Scheibe Brot einen heute unvorstellbaren Wert besaß, weil es ums nackte Überleben ging, dass auch eine lange währenden Ehe nicht davor gefeit ist, konnte ich der Klasse heute nicht vermitteln. Auch die Ausflüchte der beiden älteren Figuren, das nicht Anklagen wollen und die peinliche Dichte, die Borchert in seiner Kurzgeschichte wie sonst nirgendwo in wenigen Zeilen ausbreitet, zwischen denen das ganze Elend des auch vor der Liebe nicht haltmachenden Hungers hervorlugt – mit alldem konnte ich heute nicht ankommen. An diesem Freitag stimmte der Satz: „Wer andere anstecken will, muss selbst dafür brennen“ für diese beiden Deutschstunden nicht, denn für keine andere Kurzgeschichte „brenne“ ich so wie für „Das Brot“. Aber meine Glut verbreitete sich nicht. So trage ich Fragen mit mir herum: Woran lag es, dass ich die Klasse nicht für diesen Text erwärmen konnte? Bin ich inzwischen zu weit von ihnen entfernt? Ist der zeitliche Abstand zu groß geworden? Kann das Symbol der Brotscheibe in einer „gesättigten“ Zeit, wo niemand bei uns Hunger leiden muss, noch wirken? Ein kleiner Trost: Die Interpretationen, die ich auf Seiten im Netz gefunden habe und offensichtlich von Schüler/-innen verfasst wurden, laufen alle in eine ähnliche Richtung und bleiben ebenfalls bei Begriffen wie „Verrat“, „mangelnde Kommunikation“ und „Ehekrise“ stecken. Wer aber Borcherts schmales Gesamtwerk kennt, der wird feststellen können, dass es in jedem Wort einen einzigen Aufschrei gegen den Krieg darstellt. Zwei Jahre blieben ihm bis zu seinem frühen und kriegsbedingten Tod. Als ob er dies geahnt hatte, schrieb das heraus, was ihn bewegte, prägnant und einmalig in seinem Theaterstück „Draußen vor der Tür“, in den Kurzgeschichten und in dem Manifest „Sag nein!“. Und gerade über die kleine Erzählung „Das Brot“ schrieb Heinrich Böll:

  „…sie ist Dokument, Protokoll des Augenzeugen einer Hungersnot, zugleich aber ist sie eine meisterhafte Erzählung, kühl und knapp, kein Wort zu wenig, kein Wort zu viel […] ein Musterbeispiel für die Gattung Kurzgeschichte, die nicht mit novellistischen Höhepunkten und Erläuterung moralischer Wahrheiten erzählt, sondern erzählt, indem sie darstellt.“ (Heinrich Böll, Zur Verteidigung der Waschküchen, Schriften und Reden 1952-1959, dtv Lizenzausgabe, München 1985, S.159).

Heute aber nutzte mir das alles nichts. Ich rutschte in ein zähes Nachfragen hinein, erläuterte dies und jenes, aber traf die Schülerschaft nicht unter der Haut. Die Antworten auf meine Nachfragen, zäh und mit etwas Unmut geäußert, kamen aus dem Kopf, der Bauch schwieg dazu mangels Betroffenheit.