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Nov bis Dez 2015

 

Dienstag, 22. Dezember 2015:

Puuh, der letzte Schultag vor Weihnachten hat es immer in sich. Unabhängig von den ganzen guten Wünschen und Erledigungen, die keinen Aufschub ermöglichen, mussten heute auch meine persönlichen Weihnachtsgrüße zur Post. Ganz zu Beginn der Schule waren es wenige Briefe, deren Anzahl Mühe hatte, zweistellig zu sein. Seither habe ich dies auch beim ständig wachsenden Kollegium beibehalten: Die Grüße sollen alle Kolleg/-innen pünktlich per Post zu Hause erreichen und nicht im gängigen Postweg der Schule überdauern. Dabei will ich in erster Linie von Mensch zu Mensch schreiben, schulische Hierarchien außen vor lassend und mich nicht als Schulleiter an die Kolleg/-innen wenden. Vorbereitungen dazu hatte ich bereits getroffen, so dass ich am Nachmittag noch zur Post fuhr und den ganzen „Packen“ in den gelben Kasten werfen konnte. Und jetzt kann Weihnachten erstmal kommen.

 

Montag, 21. Dezember 2015:

In der Tageszeitung steht es schwarz auf weiß: vier Mädchen aind im Bereich Turnen zur Mannschaft des Jahres gewählt worden, drei davon besuchen unsere Schule. Mir war sofort klar: Das muss in den Assemblys vorkommen. Heute war es nun soweit. Zur zweiten Stunde fand ich mich in Wachenheim ein, für den Jahrgang fünf stand dort das Assembly an. Da es, wie gewohnt, im Kunstsaal stattfand, gab es keine (unfallvermeidende) Möglichkeit éiner Vorführung. Aber in der vierten Stunde versammelten sich die Jahrgänge sieben bis zehn in der Turnhalle. Da waren schnell ein paar Matten ausgelegt und die versammelte Schülerschaft sparte nicht mit Beifall für die Handstände, deren Überschlag und die vorgeführten Flickflacks. Ich saß neben einem Sportlehrer, den die Bodenturnübungen noch mehr begeisterten. Eine wunderbare Bestätigung für das Assembly, das immer wieder besondere Talente zur Vorführung brachte. Daneben stellte die Themen Schülerparlament, SV-Tagung, Jahresrückblick und Bauplanung die Tagesordnung. Ich dankte in meinem Beitrag eigens der Schulgemeinschaft, dass diese die etwa zwanzig Flüchtlingskinder wertschätzend und unkompliziert aufgenommen hat und ermunterte dazu, bei allen geäußerten Befürchtungen von einzelnen Menschen, nicht nachzulassen bei der Integration dieser Schüler/-innen. Besonders erwähnt sei eine Tombola, die von einer einzelnen Klasse organisiert wurde. Durch „richtiges Klinkenputzen“ haben diese Schüler/-innen attraktive Preise gesammelt wie etwa verschiedene Eintrittskarten. Mit dem eingenommenen Gewinn sollen die Flüchtlingskinder unserer Schule unterstützt werden. Alles zusammen genommen, wieder zwei wunderbare Stunden am Ende des Jahres, worin die gesamte Arbeit aller sichtbare Früchte trägt und dadurch so manche Widrigkeit ausgleicht. Frohgemut kann ich dem morgigen letzten Schultag im Kalenderjahr entgegensehen, weil ich heute derart bereichert und vorab schon beschenkt wurde!

 

Freitag, 18. Dezember 2015: 

Erstmals stecken wir in einer umfangreichen Unterrichtsverteilung, die für das zweite Halbjahr umfangreiche Neuerungen notwendig macht. Zum einen ist dies eine Folge der zugewiesenen Referendare, die sofort mit eigenverantwortlichem Unterricht einzusetzen sind, zum anderen schlagen die „normalen“, lediglich epochal unterrichteten Fächer zu Buche und zum dritten sind es personelle Veränderungen durch Planstellen und Rückkehr aus Elternzeiten. Auch dies muss derzeit neben dem laufenden Alltag passieren. Zu einem Schuljahresbeginn steht durch die Sommerferien ausreichend freie Zeit zur Verfügung. Aber ich bin guter Dinge, dass am Ende das „Riesenpuzzle“ erneut aufgehen wird.

 

Mittwoch, 16. Dezember 2015:

Das gab es wirklich noch nie an unserer Schule: bereits Mitte Dezember hat sich eine Kollegin vorgestellt, die ab ersten Februar nächsten Jahres eine Planstelle bei uns besetzen wird. Daher erlebe ich das als „Schmankerl in der Personalplanung“ und notiere es hier als erneuten Beweis für die gute Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht.

Zusätzlich – ebenfalls durch die Schulaufsicht angebahnt – ist eine Lehrkraft avisiert, die mit 20 zusätzlichen Stunden ab Januar einen Deutschkurs für unsere Flüchtlingskinder an beiden Standorten durchführen wird. Ich werte dies auch als Beispiel dafür, dass zugesicherte Programme und Unterstützung der Landesregierung nicht nur angekündigt werden, sondern wirklich auf der Bedarfsebene ankommen – und damit eine wichtige Erfahrung.

 

Dienstag, 08. Dezember 2015:

Wo es viel zu tun gibt, braucht es Zeit, in der wir das auch tun können. Heute trafen sich zeitversetzt vier Gruppen, um die anstehende Arbeit zu bewältigen. Die Fachkonferenzleiter trafen sich mit der didaktischen Leitung, um die anstehende Arbeit an den Arbeitsplänen zu koordinieren, die Konzeptgruppe der Oberstufe traf sich, um das Konzept weiter voran zu treiben, ich selbst weilte in der Konzeptgruppe „Schulentwicklung“, um die Dienstagnachmittage neu zu organisieren. Eine erste Umfrage im Kollegium stellte heraus, dass vor allem die zeitliche Belastung wahrgenommen wird, inhaltlich und strukturell verfügen die Teamsitzungen durchaus über eine mehrheitliche Akzeptanz. Eine Möglichkeit, die bereits ab dem zweiten Halbjahr umgesetzt werden kann, besteht in einem gestreckten Rhythmus der Treffen. Da das Gesamtteam in der derzeitigen Arbeitsweise kaum als hilfreich erlebt wird (da schließe ich mich gerne an), wird es erstmal ausgesetzt, bis eine andere Form gefunden ist bzw. die Notwendigkeit festgestellt ist. Zwei Möglichkeiten, welche die hohe zeitliche Belastung vermindern können und damit hoffentlich Wirkung zeigen werden.

Ansonsten scheint sich die „besinnliche Adventszeit“ in diesem Jahr als „Epoche der vielen Worte“ einzuführen. Was ich derzeit für Einzel-, Zweier- und Gruppengespräche angefragt werde, ist mir in dieser Häufigkeit neu. Dabei empfinde ich die Inhalte gar nicht als überflüssig oder banal. Jedes einzelne Gespräch erscheint mir notwendig. Vielleicht ist es ja auch die gewachsene Größe der Schule, die höhere Anzahl an Personen und Funktionen, die dies bedingen. Zugleich wird auch immer wieder an „allen Ecken und Kanten“ eine gute Kommunikation für eine gut funktionierende Schule, gerade für eine an zwei Standorten, eingefordert. Meinen Beitrag will ich gerne dazu beitragen. Gleichzeitig steigen aber auch die Verwaltungsaufgaben. Immer wieder sind zum Beispiel Zahlen in Portale einzutragen, zu kontrollieren und zu eruieren – ein Arbeitsfeld, das mir nicht „auf den Leib geschrieben“ ist und in dem immer wieder auch Erinnerungen per Mail bei mir eingehen.       

 

Mittwoch, 02. Dezember 2014:

Drei Kolleg/-innen haben sich für die Möglichkeit der Wechselprüfung entschieden. Das bedeutet, dass sie nachträglich die Lehrerlaubnis für die Oberstufe erwerben wollen. Ein Weg, der berufsbegleitend, kein einfacher ist und daher meiner Bewunderung sicher ist. Zum ersten Mal fand eine Examenslehrprobe (Heißt das heute noch so?) bei uns im Hause statt. Ein günstiger Umstand, denn der Leiter des Studienseminars ist dann im Hause und so ergibt sich die Möglichkeit, sich kennenlernend, sich über dies und jenes zu unterhalten. Drei Referendar/innen sind uns ab dem ersten Februar angekündigt, zwei Namen (und damit auch Fächerkombinationen) stehen bereits fest, einen davon kenne ich bereits persönlich durch einen Vertretungsvertrag. Das läuft bisher alles ganz prima an. Auch über die Ausbildungsleitung kamen wir gut und mit Konsens ins Gespräch. Wieder einmal die Erfahrung: Sich beim Gespräch in die Augen schauen, Mimik und Lachen beobachten und Wertschätzung spüren zu können, verbindet. Das Gehirn (und meines insbesondere) ist eben ein Beziehungsorgan. Die Lehrprobe endete mit einem gutem Ergebnis. Alles zusammen genommen eine durchaus ausreichende Anzahl von positiven Eindrücken, um den Tag als gelungen abzuspeichern.

 

Dienstag, 01. Dezember 2014:

Terminliche Enge, Krankheit und Fortbildungen bei Kolleg/-innen führten dazu, dass ich heute eine Vertretungsstunde in der Bandklasse des fünften Jahrgangs übernahm. Da ich nur zwei fünfte Klassen in Musik unterrichte, fehlen mir in zwei Klassen die unmittelbare Erfahrung und das Spüren der jeweiligen Atmosphäre. Natürlich wollte ich die Stunde nutzen, um den Schulkanon auch hier inhaltlich grundzulegen. Ich stieß auf viel Offenheit und Engagement, so dass es eine sehr schöne Stunde wurde. Da ich die Tür bewusst offen stehen ließ, sagte eine Kollegin in der Pause zu mir: „Es machte richtig Spaß, euch so munter und lustig zu erleben!“ Was soll mehr über eine Vertretungsstunde ausgesagt werden, denn ich selbst reihe mich gerne in das „euch“ ja mit ein.

 

Samstag, 28. November 2015:

Die achte Auflage des Tages der offenen Tür, im Ab- und Zulauf bekannt, zeigte erneut: In jedem Jahr ist im Vorfeld Werbung dazu notwendig. Sehr schön ist es, immer wieder zu hören, welcher Ruf unserer Schule inzwischen (oder noch immer?) vorauseilt. Die IGS ist in Gesprächen des Landkreises verankert und beruhen in aller Regel auf Berichten und Erzählungen der Betroffenen. Was kann einer Schule Besseres passieren? Dass dies trotz der Probleme, die es natürlich auch bei uns gibt, so fortbesteht, macht mich glücklich. Über die Beteiligung gibt es an solchen Tagen natürlich immer unterschiedliche Aussagen. Die geringere Anzahl von Programmblättern wurde nicht ausgenutzt, aber mehr Kuchen als im vergangenen Jahr wurde komplett verkauft. Die Tatsache, dass Besucher in erster Linie im Jahrgang fünf auftauchen, weil das der kommende Jahrgang der Viertklässler sein wird, dieser aber derzeit im Untergeschoss beheimatet ist, schränkt die Wahrnehmung zusätzlich ein. Mein besonderes Erlebnis in diesem Jahr war die Bandklasse. Es fasziniert mich immer wieder, wie die „Kleinen“, deren Arme etwa kaum lang genug für den Hals der Bass-Gitarren sind, einen solchen Zauber in die Gymnastikhalle bringen. Einfach herrlich! Die Bandklasse ist inzwischen fester Bestandteil des Konzeptes und wird ungemein positiv angenommen. Ein gutes Gefühl beschleicht mich dabei, weil ich dieses Angebot durch Arbeitsgemeinschaft als Vorläufer mit auf den Weg bringen konnte. Dass sich diese „zarten“ Anfänge zu einer solch festen Institution entwickeln würden, war nicht unbedingt abzusehen und ist umso schöner.

Parallel zu den Veranstaltungen in Wachenheim, boten wir am Standort in Deidesheim wieder Informationen und Hospitationen für die Oberstufe an. Auch dort, so erste Informationen, verlief alles bestens und die Nachfrage war vorhanden. All diese Erfahrungen heute dürfen natürlich nicht in einem Zurücklehnen münden, sondern Ansporn für nachhaltige Anstrengungen sein, die Schule in diesem weiter aufzubauen – noch fehlt der letzte Jahrgang und das erste Abitur. Nach einem solchen Tag aber ist zunächst Dank angesagt, Dank an die vielen Herzen und Hände, die den heutigen Tag in dieser Weise ermöglicht haben.

 

Donnerstag, 19. November 2015:

In diesem Jahr haben wir den „traditionell“ in der Stadthalle in Wachenheim stattfindenden Informationsabend „Was ist eine IGS?“ in den Kunstsaal in der Schule verlegt. Die Besucherzahl der ersten Jahre wurde bereits seit etwa drei Jahren nicht mehr erreicht. Fünfzig oder sechzig Zuhörer/-innen verlieren sich der Stadthalle und verhindern eine „heimelige“ Atmosphäre. Auch um Geld zu sparen, wagten wir den Versuch, den größten Raum am Standort Wachenheim zu belegen. Die etwa hundert Stühle waren auch größtenteils besetzt. Inhaltlich nahmen wir einige Anregungen der letzten Jahre auf und kürzten die Präsentation auf weniger wichtige Inhalte. Es ist schon so: Die IGS als Schulform kann an einem solchen Abend vom Grundgedanke her verstanden werden, die feinen Verzweigungen, Regelungen, Differenzierungen und Konzeptpunkte bleiben in der konkreten Fülle eh nicht hängen. Als Resümee will ich festhalten: Das Interesse und die Notwendigkeit für einen solchen Abend sind weiterhin da, dennoch ist die IGS inzwischen im Alltag der Menschen angekommen. Ich versuchte auch, die Angst zu nehmen, dass man doch nur geringe Chancen für eine Aufnahme hätte. Nein, ihr Lieben, meldet auf jeden Fall an! Nie war die Wahrscheinlichkeit auf einen Platz so hoch wie im vergangenen Jahr.

 

Mittwoch, 18. November 2015:

Verschiedene Begebenheiten in der Sporthalle in Deidesheim hinsichtlich der Sauberkeit, der Toilettenanlage und Umkleidekabine machten einen Termin beim Stadtbürgermeister notwendig – gleichzeitig eine Möglichkeit, den neuen Direktorstellvertreter offiziell vorzustellen. Meine Linie war immer: persönliches Kennenlernen schafft dienstlich eine gute Grundlage zur Zusammenarbeit. Natürlich wollte ich die Deidesheimer „Schmuckschatulle“ zeigen, den sehr schönen und antikanmutenden Ratssaal mit den zum Teil aus dem 14. Jahrhundert stammenden, bunten Fenstern. Das eigentliche Gespräch fand dann im eher nüchternen Arbeitszimmer statt, führte aber zu absehbaren Lösungen.

 

Montag, 16. November 2015:

Zu den starken Eindrücken meiner Referendarzeit gehörte der Atomunfall in Tschernobyl. Noch sehr gut erinnere ich mich an die damalige Aufforderung des Studienseminars, dass solche Vorkommnisse unbedingt auch in der Schule zu bearbeiten sind. Auch der neunte September in New York mit den Terrorakten auf das World Trade Center markiert einen solchen Einschnitt. Am Wochenende war mir klar, dass die Anschläge in Paris diese Reihe als Einschnitte in der Nachkriegsgeschichte gewertet werden müssen und daher auch in verschiedener Weise und schnell in die Schule gehören. Bereits am Sonntag ermunterte ich das Kollegium in einer Email dazu, gleich montags die Anschläge in den Klassen zu thematisieren. Bis zur ersten Pause war das Thema natürlich allerorten Gesprächsstoff, so dass wir uns an den Aufruf einer europaweiten Gedenkminute anschließen wollten. Eine Durchsage stellte sicher, dass nach dem Pausengong alle auf dem Hof bleiben sollten, die Schülervertretung schloss sich dem Aufruf an. Ich erlebte einmal mehr eine denkwürdige Minute. Auf dem Schulhof standen ca. 500 Schüler/-innen, die nach meinen Worten und denen des Schülersprechers absolute Stille einkehren ließen. Niemand fühlte sich angestachelt, diese Stille für eigenes Aufsehen zu missbrauchen, kein Rufen, kein Lachen, nur Stille und das Gefühl: Wir alle hier auf diesem Hof gehören zusammen und können zwar nicht die Welt verändern, können Gewalt und Terror nicht verhindern, aber als Gemeinschaft können wir unserer Anteilnahme Ausdruck verleihen und zu uns zu einer europäischen zugehörig fühlen, die mit uns jetzt Stille einkehren lässt.  Wir können uns hier bewusst werden und den Vorsatz fassen, dass wir wenigstens in unserem unmittelbaren Umfeld der Schule Toleranz, Meinungsfreiheit und Gewaltlosigkeit einüben und umsetzen.

 

Donnerstag, 12. November 2015:

Die halbjährliche Schulleiter-Dienstbesprechung mit der Schulaufsicht brachte einen weiteren Vormittag außerhalb der Schule mit sich. Die üblichen Themen wie Rückblick und Ausblick auf Gliederungspläne und Personalrunde wurden dieses Mal ergänzt durch die Zuwanderung der Flüchtlinge und die Aufnahme deren Kinder an die Schulen. Die IGSn müssen da einen Spagat aushalten: Auf der einen Seite bleibt die Klassenmesszahl bei festgelegter Vierzügigkeit bestehen, auf der anderen Seite tut sich die IGS keinen Gefallen, wenn sie deswegen keine Flüchtlingskinder aufnimmt und ich denke, dass wir ebenfalls daran mitwirken müssen, dass die Kinder schulisch unterkommen – für mich der erste und vielleicht wichtigste Schritt zu einer beginnenden Integration. Heißt konkret: Wir haben knapp zwanzig Kinder aus Flüchtlingsfamilien aufgenommen und damit auch Klassenmesszahlen angesichts der Notwendigkeit überschritten. Damit stehen wir letztendlich gut da, können auf der anderen Seite nicht nun wirklich nicht mehr aufnehmen. Immerhin ist die Zahl so hoch, dass wir fünfzehn Stunden für die Sprachförderung zugewiesen bekommen. Eine enorme Leistung, die das Kollegium und die Schülerschaft damit zusätzlich schultert und – was ich im Alltag erlebe – insgesamt eine Bereicherung des Schullebens.

Wie geht es weiter mit der Konzeptgruppe Schulentwicklung? Die interne Fünfergruppe traf sich heute wieder mit den beiden Schulpsychologen des Pädagogischen Landesinstituts, um die nächsten Schritte zu beraten. Wie auch immer sie aussehen werden: Die Konzeptgruppe benötigt ein Mandat des Gesamtkollegiums, in dieser oder jener Richtung weiter zu arbeiten. Pointiert fiel heute ein Satz, der die Vorgehensweise auf den Punkt bringt: „Sage mir genau, was du von mir willst, dann bist du hinterher auch nicht enttäuscht, was rauskommt!“  Betrachtet man den Weg dieser Konzeptgruppe, dann sind, anscheinend entgegen der Wahrnehmung einiger Kolleg/-innen, doch einige wichtige Punkte auf dem Weg einer Veränderung: Der Projektunterricht wurde anders gefasst, ein Datenstick mit wichtigen Unterlagen und Dokumenten ist fast fertig, eine Gruppe befasst sich mit dem Dienstagnachmittag und evaluiert dieses Thema am kommenden Dienstag und das (zu) weit gefasste Thema „Differenzierung/Fördern“ ist im Blick. Also. Es bleibt dabei: Die IGS ist im achten Jahr „nicht fertig“, sucht nach wie vor nach guten Lösungen für die lange Strecke. Dies bringt zwar weiterhin Unruhe, aber Veränderungen zeugen von Leben, Stillstand, auch in konzeptionellen Fragen, mag mehr Ruhe und (scheinbare) Sicherheit bringen, aber immer dort, wo Menschen zugange sind, große oder kleine oder beide miteinander, wird das Leben Veränderungen bringen. Evolutionsgeschichtlich hat genau dieser Umstand zu dem faszinierenden homo sapiens geführt, für dessen Nachwuchs wir eine gute Schule aufbauen wollen.  

 

Mittwoch, 11. November 2015:

Ein Wort, ein Begriff, eine Einrichtung, ohne die heute neben den Begriffen „Portal“, „Evaluation“ oder „Qualitätsmangement“ nichts mehr zu funktionieren scheint, ist die Einrichtung von „Netzwerken“. Nun ist es ja nicht so, als hätten sich die IGSn unserer Region nicht regelmäßig getroffen und ausgetauscht. Solche Treffen kenne ich seit über zwanzig Jahren. Aber landesweit war das bei Weitem nicht so und bei der Vielzahl von neuen IGSn ist wenig wichtiger als die Weitergabe und der Austausch von Inhalten, um unsere Schulform auf der langen Strecke zu erhalten  – und deshalb unterstütze ich die nun landesweit gegründeten Netzwerke, zumal sie in dieser Form gemeinsam mit der Schulaufsicht und dem Ministerium stattfinden und damit den Informationsaustausch auf kurzen Wege ermöglicht. Gestern also das erste dieser Zusammenkünfte im Team Mitte mit einer Reihe von Themen, welche die Gesamtschulen betreffen, von speziellen Regelungen in der Übergreifenden Schulordnung, über Abschlussbedingungen und Wahlpflichtfächern bis hin zur Aufnahme von Flüchtlingskindern. Zu letzterem an späterer Stelle mehr.

Abends dann der schon seit einigen Jahren eingeführte und sich bewährende Informationsabend für Eltern der Viertklässler an den Grundschulen: Welche Schule für mein Kind. Wir, das sind hier die Schulleitungen verschiedener Schulformen (Gymnasium, G8-Gymnasium, IGS und mit mir als „ehemaligem, einjährigen Schulleiter“ dieser Schulform auch die Realschule plus) haben diesen Abend bereits im letzten Schuljahr inhaltlich neu gestaltet. Nicht jede/r Vertreter/in wirbt für seine Schule und die von ihm vertretene Schulform, sondern in den Mittelpunkt stellten wir das individuelle Kind, für das die Eltern nun die ihm am ehesten entgegenkommende Schulform finden müssen. Daher stellten wir nicht werbend die Einzelkonzepte der umliegenden Schulen vor, sondern die jeweils unterschiedlichen Strukturen, Arbeitsweisen, Abschlussmöglichkeiten  und pädagogischen Schwerpunkte, nannten auch die im Landkreis jeweils existierenden Schulen der jeweiligen Form. Mit dieser umfassenden Information stehen nun die Eltern vor der Aufgabe, die richtige Schule für ihr Kind zu finden – keine einfache Entscheidung, aber der Vorteil, den die heute anwesenden Eltern haben, ist der einer fundierten  Information. Bei der sich anschließenden Fragerunde kamen für die IGS natürlich wieder die bekannten Fragen nach der Wahrscheinlichkeit der Aufnahme, dem Ablauf des Losverfahrens und den Wechselmöglichkeiten. Es wird wohl 1998 oder 1999 gewesen sein, als ich, seinerzeit noch junger Stufenleiter, in einem Gemeindehaus in Maxdorf meine damalige IGS Mutterstadt, die sich ebenfalls noch im Aufbau befand, vorstellte. Noch gut erinnere ich mich an das etwas flaue Gefühl im Magen, vor etwa 300 Eltern, die zum Teil sehr kritische Fragen stellten, bestehen zu müssen und an das wohlige Gefühl, dass im Notfall meine damalige Schulleiterin, die ebenfalls im Publikum saß, hätte eingreifen können. Welch ein Unterschied zu heute! Mit dem Gefühl, einen gut verlaufenen und wichtigen Abend mitgestalten zu können, fuhr ich nach Hause – der dritte von fünf Abendterminen innerhalb von zwei Wochen hatte sich gelohnt.

Während meines Schulleiterdaseins erlebte ich heute die vierte Sportstunde. Für anstehende Verbeamtungen muss ich drei ausführliche Dienstliche Beurteilungen schreiben, die jeweils zwei Unterrichtsbesuche mit sich bringen. Erfreulich daran ist, dass ich mit den Kolleginnen insgesamt drei Stunden in der Oberstufe verabreden konnte – die heutige gar in unserem Pionierjahrgang. Was liegt da für eine gemeinsame Strecke hinter uns, dachte ich, als ich auf der Bank in der Turnhalle saß. Während ich den Fortgang der Sportstunde beobachtete, musste ich beim Erleben dieser jungen Erwachsenen immer wieder in die Anfangszeit unserer Schule zurückdenken, als eben diese Schüler/-innen als Fünftklässler den ersten und damals einzigen Jahrgang der neuen IGS bildeten. Haben sich die Hoffnungen und Wünsche an diese neue Schulart erfüllt? Wie werden sie dereinst von ihrer Schulzeit berichten? Werden Erfahrungen als erster Jahrgang die Erinnerungen bestimmen – und wenn ja, mit welchem Vorzeichen? Und nun sind wir soweit, dass sie im nächsten Jahr ihr Abitur ablegen. Obacht, Georg, du musst doch die Unterrichtsstunde verfolgen…

 

Montag, 09. November 2015:

Das heutige Datum ist mehrfach belegt, in unserer Schule hat sich eingespielt, dass sich Mitglieder des Landtages zum Gespräch mit Schüler/-innen der zehnten Klassen einfinden. Job des Hausherrn ist dabei in erster Linie die Begrüßung der Gäste und deren Einführung für den Jahrgang in der Mensa. Natürlich ließe ich es mir nicht entgehen, wenigstens den Beginn des Gesprächs mitzuerleben. Zu Beginn lief das Gespräch etwas einseitig, fast monologisch. Sollten unsere Zehntklässler doch beeindruckt sein, leibhaftigen Politiker/-innen in ihrer zu begegnen? Im weiteren Verlauf hat sich aber wohl doch Gespräch entwickelt, wie ich mir berichten ließ, aber da musste ich schon zum nächsten Termin eilen. Zu diesem Datum gehört aber auch unsere jährlich Aktion auf dem jüdischen Friedhof in Deidesheim: Etwa zwanzig Schüler/-innen machen sich jedes Jahr auf und bringen diesen historisch tragischen Ort in den Winterzustand. Laub rechen, Büsche beschneiden, Wege säubern usw. Zuvor erhielten sie einen fachkundigen Einblick in die Historie dieses Ortes. Die deutsche Einheit stand heute im Hintergrund, die hatten wir ja vor Jahren zweimal bereits im Fokus. Es ist schön zu erleben, wie sich früh entstandene Traditionen der Schule fortsetzen, auch und gerade, wenn ich sie nicht mehr alle live miterleben kann; schön auch immer wieder zu erfahren, dass sich das engagierte Kollegium dieser Traditionen annimmt  – der vielzitierte Ausdruck der größer gewordenen Schule greift hier unmittelbar in meinen Alltag ein.

 

Freitag, 06. November 2015:

Ein kurzer Eintrag vor dem Wochenende: Ich wünsche allen, die heute auf die GTS-Fahrt gefahren sind, viele einigende Erlebnisse und Erfahrungen! Sie ist als Angebot für die Ganztagsschüler/-innen entstanden, damit das Gefühl: „Andere dürfen heim, ich muss da bleiben“ sich etwas ins Positive wendet: Nur WIR dürfen auf diese Fahrt!

 

Dienstag, 03. November 2015:

Konzeptionelle Diskussionen gehören zu einer IGS im Aufbau dazu, vor allem, wenn die Erweiterung in die Oberstufe in vollem Gang ist. Da werden durchaus auch Dinge in Frage gestellt, die für mich zum A und O der IGS gehören. Bei uns an der Schule ist dies derzeit der Dienstagnachmittag mit der Teamsitzung und dem Gesamtteam. Es wird als belastend empfunden, da viele Kolleginnen und Kollegen durch die Oberstufe Unterricht auch am Nachmittag haben. Heute traf sich erstmals eine Gruppe von Lehrkräften und diskutierte die Regelungen und die empfundene Belastung. Es gab durchaus auch Stimmen, welche die Teamsitzung als hilfreich empfinden. Schließlich klopfte ich fest, dass es für mich nur um das Wie des Dienstagsnachmittag gehen können, nicht um das Ob. Nach intensiver Diskussion arbeitete die Gruppe die drei Faktoren heraus, die belastend sein können: Ist es die Häufigkeit der Sitzungen (jeden Dienstag)? Ist es die inhaltliche Fülle, die belastet oder die Struktur der Sitzungen, die sich sicherlich in den verschiedenen Jahrgängen unterschiedlich herausgebildet hat. Mit diesen drei Punkten wollen wir das Gesamtkollegium befragen. Je nach Ergebnis könnte daraus ein Mandat entstehen, denn die Gruppe arbeitet ja nicht autark für sich selbst sondern im Auftrag des Kollegiums. Aus dieser Befragung (Evaluation kann ich dies ja noch nicht bezeichnen) soll sich dann der genaue Arbeitsauftrag ableiten. Die Grundlage des Mandats muss lauten: Sage mir genau, was du von mir willst, damit du am Ende nicht unzufrieden damit bist, was ich erarbeitet habe!