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Nov bis Dez 2014

 

Freitag, 19. Dezember 2014:

Puh, das Kalenderjahr 2014 ist geschafft. Ich bin noch gar nicht in Ferienstimmung, auch das Weihnachtsgefühl will sich in diesem Jahr noch nicht recht einstellen. Aber das schöne dieses Jahr ist, dass noch ausreichend Zeit bleibt, meine Post fertig zu machen, den Weihnachtsbaum zu kaufen und in Ruhe darauf zuzugehen. Das wird schon noch werden. Allen zusammen: Frohe Weihnachten.

 


 

Mittwoch, 16. Dezember 2014:

Ein geschickt gewählter Termin für das Vierteljahresgespräch mit dem Personalrat, denn bei der gestrigen Personalversammlung konnte aller Unmut und alle Kritik geäußert werden. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass „es derzeit gut läuft bei uns“. Natürlich gibt es bei einem inzwischen solch großen System Dinge, die nicht allen recht sind, auch mit Sicherheit Regelungen und Auffassungen, die nicht von allen geteilt werden und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Fehler und Misslichkeiten. Das setze ich aber voraus, halte es für und das trübt die Stimmung insgesamt nicht, zumal ich bei verschiedenen Fragen Vorschläge zur Verbesserung machen konnte. Sehr schön war es zu erleben, dass wir bei allen Unterschieden in der Sache immer wieder eine wertschätzende Ebene im Gespräch finden – und das ist für mich das Wesentliche.  

Viel Zeit zum Nachsinnieren hatte ich auch nicht, denn in meiner ehemaligen Schule wurde heute ein neuer Schulleiter ins Amt eingeführt. Wir sind eine gute Wegstrecke gemeinsam gegangen, so dass ich nicht nur aus dienstlichen Gründen der Einladung gerne und emotional gefolgt bin. Und es war wieder einmal herrlich, ehemalige Weggefährten zu sehen, in den Arm zu nehmen und nach ihrem weiteren Werdegang zu befragen. Ihre Zahl wird dennoch zunehmend kleiner und mein Abstand größer, aber ich habe immer noch das Bauchgefühl: ich bin „meiner“ ehemaligen Schule.

 


 

Montag, 15. Dezember 2014:

Eigentlich fuhr ich wegen Auswahlgesprächen nach Neustadt zur Schulaufsicht. Da einer der Kandidaten die Stelle aber gar nicht haben wollte, fielen sie aus. Wir haben erstmals zum Schulhalbjahr eine Planstelle erhalten, weil sich eine Kollegin erfolgreich auf eine Funktionsstelle beworben hat. Möge sie unsere Ideen weitertragen und weitere Impulse erhalten. Hausintern besteht das Problem, dass ich, wie es schon öfter der Fall, eine/n Kollegen/-in nicht bekomme, weil im Bereich der Neubesetzungen von Planstellen an IGSn mit (beginnender) Oberstufe nur Kolleg/-innen mit gymnasialem Lehramt eingestellt werden dürfen. Das ist vom Grundsatz her verständlich, sinnvoll und hilft uns auf der einen Seite, in konkreten Fällen aber ist es immer bitter, wenn sich Lehrkräfte bestens für die IGS geeignet sind, sich hier mit aller Kraft eingelebt und die pädagogische Idee der Gesamtschule als ihre eigene entwickelt haben – und dann wegen des falschen Lehramtes im schlimmsten Fall „in die Arbeitslosigkeit“ entlassen werden. Das ausgefallene Auswahlgespräch verschaffte uns aber Zeit, direkt bei der Schulaufsicht am Computer das neue Halbjahr personell weiter voran zu treiben, sprich: Vertragsverlängerungen direkt abzusprechen, dieses nochmal zu besprechen und jenes schon mal vorab anzusprechen bzw. zu klären.


 

 

Mittwoch, 10. Dezember 2014:

Wenn zwei Funktionsstellen an einer Schule ausgeschrieben sind, heißt das auch immer, in persönlichen Gesprächen die Schule und ihr Konzept kurz aber prägnant vorzustellen und schon mal den Bauch befragen, ob „das“ passen könnte. Kollege mit Interesse vorgestellt. Der nächste Schritt wäre die Bewerbung und die gleiche Geschichte, die gestern bei uns im Haus stattfand.

Nach dem „eigentlichen Abpfiff“ gab es heute noch eine Verlängerung. Angemeldet waren die Architekten mit dem „Grünplaner“, es kam aber eine große Runde, die nur noch ungefähr noch in mein Büro passte: Verbandsgemeinde Deidesheim, Planer der Dietmar-Hopp-Stiftung und ein Vertreter des Schulträgers mit Praktikant. Es ging um den „Übergang“ zwischen Schulgelände und dem späteren Bewegungspark, da dieser sich mit dem neuen „repräsentativen Eingangsbereich“ der Schule in die Quere kommt. Da ist es schön, wenn es in der Planung Gemeinsamkeiten und Kooperationen gibt. „Haben Sie noch eine halbe Stunde? Wir müssten uns nochmal in verschiedene Räume“. Hmm, das ist aber nach der Verlängerung jetzt schon so etwas wie das Elfmeterschießen. Aber, wenn nur noch der Schulleiter (mit Generalschlüssel) im Haus ist, wer soll da durchs Haus führen? Eben. - Parallel fand eine erneute Raumluftprüfung unter verschiedenen Bedingungen statt, heute Mittag also: Luftqualität im leeren Raum nach Lüften. Alles Baugeschichten, dabei soll es „erst“ im November losgehen. Bin aber noch ganz schön gelassen.


 

 

Dienstag, 09. Dezember 2014:

Gleich zwei Auswahlverfahren für Funktionsstellen am gleichen Tag – das bedeutet vor allem langes Sitzen, ohne reden zu dürfen, das heißt auch beobachten, einschätzen und vergleichen – bedeutet auch, in den kleinen Zwischenpausen schnell nicht Aufschiebbares erledigen. Wenn ich es in zwei Begriffen ausdrücken soll: Ruhe und Hektik ungleich verteilt.

 


 

Donnerstag, 04. Dezember 2014:

Ein Außentermin während einer unspektakulären Woche mit Alltagsgeschäften im Hause: Netzwerktreffen der didaktischen Koordinator/-innen an der IGS in Worms. Die Stelle ist derzeit bei uns nicht besetzt, das Auswahlverfahren zur Neubesetzung ist diese Woche angelaufen. Eine Präsenz unserer Schule war mir aber wichtig, weil dies der Startschuss für eine „neue Art“ der Zusammenarbeit sein soll. Der wichtigste Punkt waren allerdings die unterschiedlichen Konzepte der Wahlpflichtfächer. Dazu kamen wir im Grunde gar nicht. Eine immer wieder gemachte Erfahrung von mir lautet: Der Austausch untereinander ist das Wesentliche bei solchen Treffen, die gemeinsame Ermutigung, weiter an der IGS als Schulform zu bauen, nicht nachzulassen bei der Betonung von „IGS-Essentials“, gegen (?) die Zeitläufe, gegen das „Etablieren des Althergebrachten“, für Kompetenzstärkung, für Gruppentische und unbeeindruckt von administrativen Neuerungen, die in der Regel Einschränkungen bedeuten. Als solches war die Fahrt nach Worms eine lohnende und der Anfang ist gemacht, weitere Themen haben wir in den Fokus genommen. Wenn die Stellenbesetzung bei uns gut verläuft, werde ich den weiteren Verlauf dieses Netzwerkes allerdings nur „von außerhalb“ begleiten können.

Derzeit läuft auch die Vorab-Befragung der Agentur für Qualitätssicherung, die unsere Schule im April zum zweiten Durchgang der externen Evaluation besuchen wird. Wenn dann die Technik hakt, kommt alles ins Stocken. Heute nun erreichten mich zusätzliche Logins für die Schülerbefragung, die Rückläufe der Eltern, die in Papierform erfolgt, läuft schleppend. Der Termin hat uns heuer aber auch denkbar ungünstig im Ablauf eines Schuljahres getroffen. Aber: Da müssen wir durch!

 

Samstag, 29. November 2014:

Der Tag der offenen Tür war in diesem Jahr wieder besser besucht als im letzten. Und im Vergleich zu den Vorjahren, hatte ich nur noch eine übergreifende Funktion, denn fast alle konkreten Arbeiten wurden von den vielen Helfer/-innen bestens gestemmt. Die Gespräche im Konzeptraum, der Stand mit den Schüler-Taxis, der Kuchenverkauf, die Unterrichtsbesuche…all das kannte ich natürlich. Meine Bewunderung galt daher den Aufführungen der Bandstarter-AG und der Bandklasse. Was da seit letztem Jahr gewachsen ist, kann ich nur als grandios bezeichnen. Wenn ich die Fünftklässler/-innen mit den E-Gitarren oder an den Keyboards stehen sehe, dann rieselt ein Schauer über meinen Rücken. Freude keimt auf, wenn ich sehe, wie ein junger Instrumentallehrer der Pop-Akademie die Kinder anleitet und die Musik im Rhythmus aus den Lautsprechern schallt. Einfach grandios! Und so viele Gespräche führte ich heute, sah Kinder deren Augen leuchteten, aber auch Kinder deren Augen traurig wirken, weil Schule bisher negativ besetzt ist, weil es Familiengeschichten gibt, die mich erschauern lassen, und sich deshalb so sehr einen Platz bei uns wünschen. Unsere Kids dagegen sind heute durchweg fröhlich, beschwingt, munter, gehen stolz durch ihre Schule, Schülertaxis laufen zur Hochform auf, immer wieder ein heiteres „Hallo, Herr Dumont“ - ein frohgestimmtes Bild, ein frohgestimmter Tag. Dieses Gefühl zog sich trotz allem durch die Stunden, prägte meine Stimmung insgesamt. Danke euch allen, die einen Beitrag zum heutigen Tag geleistet haben. Als Schulleiter einer Schule an zwei Standorten stehe ich allerdings nur auf einem Bein. Was in Deidesheim los war, weiß ich noch nicht. Ich werde es erfahren.

 

Donnerstag, 28. November 2014:

Wenn jemand beim Telefonat mit den Sekretärinnen nur nebulös sagt, weshalb er mich sprechen will, steckt mit Sicherheit ein Verkaufswunsch dahinter. Eigentlich will ich immer ein Thema wissen, um welches das Gespräch kreisen soll. Heute soll ich mich auf eine Motivationsmöglichkeit für ein Kollegium einstellen. Lange „druckste“ mein Gast herum mit Aussagen, dass Überraschungen motivieren, weil sie unvorhergesehene Energie freisetzen usw. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und fragte, was er mir denn verkaufen wolle. Dann rückte er mit der „Überraschung“ heraus: Es war ein großer Spruchkalender für jeden Tag des Jahres, groß genug, ihn ins Lehrerzimmer zu hängen. „Wir haben kein großes Lehrerzimmer, nur kleinere Teamräume.“ – „Schulen, die den Kalender im letzten Jahr kauften, haben sehr gute Erfahrungen gemacht.“ - „Kaufen werde ich heute von Ihnen eh nichts, das ist sicher, denn ich will mich nicht überrumpeln lassen, sondern Einkäufe in Ruhe überlegen.“, hörte ich mich sagen. Er zog mit seinem Spruchkalender von dannen, unnötiger Zeitverlust. Kein Wunder, dass er am Telefon nicht sagte, was er wolle.

Außerdem hatte ich mit einem Vorstellungsgespräch einer Vertretungskraft, der Planung des Tages der offenen Tür, einem erneuten Treffen mit dem Architektenbüro, dem Treffen des Essensauschusses und der Befragung hinsichtlich der externen Evaluation genügend Anschlusstermine.

 

Dienstag, 25. November 2014:

Es ist verblüffend, wie sehr Unterrichtsstunden von der wahrnehmbaren Beziehung zu den Kindern abhängen. Da sind die Stunden, in denen Schüler/-innen den Lehrkräften an den Lippen hängen und mit neugierigen Augen erwarten, was da wohl kommt oder zu tun ist. Lehrkraft und Kinder verschmelzen zu einer Atmosphäre, die Spaß macht. Da sind aber auch die die anderen, die wie durch eine Glasscheibe daherkommen: Die Ansage kommt durch, Arbeitsblätter werden wie früher durch einen Drehteller gereicht, aber die Akteure sind nicht zusammen, statt Nähe Distanz, statt Person Inhalt, statt Freude Verdruss, statt Lernen Stillstand. Abhilfe? Nach meiner Erfahrung geht dies nur durch den nicht einfachen Weg durch die eigene Person der Lehrkraft. Nur wenn sie ihre eigene Biografie mit ihren Schatten und sicherlich auch Verletzungen bearbeitend bewältigt hat, kann sie die Nähe von Kindern „ertragen“ und Freude an ihrer Phantasie und Kreativität empfinden.

Wie genau „unser“ Architektenbüro arbeitet, wurde heute erneut deutlich: Die erste Schadstoffmessung ergab nur ungefähre Werte, die beauftragte Firma fasste ihren Auftrag oberflächlich auf bzw. der Auftrag war bereits so formuliert. Der heute anwesende Schadstoffmesser ging da anders in die Tiefe. Er bohrte Decken und Wände für eine Sonde auf, sägte an den alten Decken ein Quadrat heraus, um mit dem Oberkörper durchzukommen und einen Blick in den Zwischenraum werfen zu und dort messen zu können. Das beeindruckte mich und erhöhte die Vorfreude auf das einmal fertiggestellte Schulgebäude.   

Die beim letzten Mal vermissten Jugendlichen beim Workshop mit der Alla-Hopp-Stiftung konnten heute nun ihrerseits ihre Ideen einbringen. Erste Überlegungen aus dem „Kinderworkshop“ waren in einem neuen Entwurf bereits berücksichtigt. Wer hat schon Gelegenheit, innerhalb seines Berufes eine solch spannende Phase miterleben, ja mitgestalten zu können, wie es uns/mir gerade vergönnt ist.

Die vorbereitete Sitzung der „Konzeptgruppe Schulentwicklung“ verlief ganz anders als erwartet. Ein ganzes Treffen lang spürten wir dem nach, was die Schule gerade beschäftigt. Hinhören, abwägen, formulieren, verwerfen, ergänzen und anders beleuchten, bis wir einen ungefähren Ablauf für den Studientag gefunden hatten. Nochmal Motivation in prozessorientierter Arbeit. Klasse!

 

Freitag, 21. November 2014:

Im Maileingang fand sich heute das Protokoll des Architektenbüros. Der Kontakt läuft gut, die Infos kommen an und als Schule immer involviert und informiert zu sein, ist ein Geschenk. Auf der anderen Seite scheue ich ja auch keinen zeitlichen und inhaltlichen Einsatz, um das Beste für uns rauszuholen. Dabei hauen mich nicht alle Sitzungen vom Hocker und die Protokolle lesen sich nicht immer einfach, aber ich konnte bisher wirksam mitarbeiten. Was derzeit als Vorplanung auf dem Tisch liegt, setzt, wie von mir gefordert, das Team-Kleingruppen-Modell im Gebäude um: Jeder Jahrgang hat seinen eigenen Bereich mit den vier Klassenräumen, dem Differenzierungsraum und dem Lehrerstützpunkt in unmittelbarem Zusammenhang. Meine vorformulierten Gedanken zu unserem Schulbau sind weitgehend umgesetzt. Das freut mich und zeigt mir, dass sich der Einsatz und das „Sitzfleisch-Training“ lohnen.

Der Tag begann aber mit der zweiten interreligiösen Schulfeier am Standort in Wachenheim mit etwas geänderten Inhalten für die „Kleinen“. Nochmals Gänsehaut, wenngleich andere Kinder, weniger Gäste, andere Lehrkräfte in einer anderen Kirche waren. Die Anspannung bezog sich bei mir also nicht so sehr auf die Inhalte, die ich ja schon kannte, sondern auf das, was bei Musikern wohl heißt: „Über die Rampe bringen“. Ich vermag nicht zu entscheiden, welche Feier schöner war. Stimmig und einzigartig waren sie beide und mein Dank soll an die Vielzahl von Mitarbeiter/-innen und Gestalter/-innen ausströmen.

 

Donnerstag, 20. November 2014:

Der jährliche große Info-Abend „Welche Schule für mein Kind?“ fand heute in einer neuen Form statt: Die Schulleiter warben nicht mehr für die eigene Schule und flochten darin die Unterschiede ein, sondern zunächst stellten wir das Schulsystem in Rheinland-Pfalz vor mit seinen Unterschieden in der Zielrichtung und den Wegen dorthin. Ein wichtiger Punkt war dabei die Durchlässigkeit und die Aussage: Es ist wichtig, dass Sie die Schule finden, die Ihrem Kind entspricht. Abschließend stellten wir dann noch kurz die jeweilige Schule mit ihren Besonderheiten vor, sei es eine Bigband, seien es Musikklassen oder ein Streichelzoo oder was auch sonst immer die Schulen der Umgebung auszeichnet. Was ich letztes Jahr schon andeutete: Ich weiß noch gut, wie ich als Neuling dort auftrat  - heute war ich durch Personalwechsel der „dienstälteste Schulleiter“, schon irgendwie seltsam auf der einen Seite, aber auch wunderbar auf der anderen, weil dadurch alte Vorurteile gegenüber Schularten wie weggeblasen sind und der Abend mit „neuem Personal“ mit viel Humor daherkam. Vielleicht lässt sich die neue Atmosphäre auch so formulieren: Da standen drei Pädagogen, die unterschiedliche Möglichkeiten des Schulbesuchs für die verschiedenartigen Kinder vorstellten und hatten dabei nicht die eigene Schule im Blick. Die Kinder und ihre jeweiligen individuellen Bedürfnisse standen im Vordergrund. Ein schöner und vor allem pädagogischer Abend, prima

 

Mittwoch, 19. November 2014:

Zu unserer diesjährigen interreligiösen Schulfeier kamen wieder Gäste, zum einen war die islamische Moscheegemeinde in Bad Dürkheim vertreten, zum anderen welche, die sich für die Feier interessierten, denn immer noch gilt sie als etwas Besonderes im Schulalltag. Auch unsere Ansprechpartnerin von der Herbert-Quandt-Stiftung war mit von der Partie. Wir sind ja zu einem zweiten Durchgang im Wettbewerb „Trialog der Kulturen“ als förderungswürdig anerkannt worden. Da wollte sie sich einen Besuch unserer Feier nicht nehmen lassen. Die Beiträge zum Thema „Sag NEIN zu Intoleranz!“ entstanden wieder vermehrt im Unterricht der verschiedenen Jahrgänge. Auch die Musik lag größtenteils in Händen der Schüler/-innen, von der Bandstarter AG bis zu Einzelbeiträgen und zu gemeinsamem Singen war alles vertreten. Auch Plakate und Stellungnahmen sind im Unterricht  entstanden. In meiner Begrüßung betonte ich wie im vergangenen Jahr, dass niemand im Namen einer der Religionen töten, Kriege führen oder Gewalt ausüben kann. Wer Gewalt und Krieg mit einer Religion begründet, missbraucht Religion aus eigenem Machtinteresse über Menschen. Zwei Schülerinnen trugen „Imagine“ von John Lennon vor – Gänsehautatmosphäre. Darin kommt die Vision einer zukünftig friedlichen Welt vor, wenngleich Lennon als bekennender Atheist auch die Religionen nicht als Friedensstifter ansieht. Stellungnahmen zum Krieg im Irak und in Syrien führten das Thema weiter und mündete quasi in den Aussagen des Korans: Wer Gewalt ausübt, versündigt sich gegen Gott! Der Koran lässt sich zur Rechtfertigung von Gewalt nicht heranziehen! Einen besonderen Eindruck hinterließen einige Asylbewerber. Sie leben in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule in den Dörfern rundum. Sie machten heute deutlich: Die Konflikte der Welt sind nicht so weit weg, wie wir denken. Die Auswirkungen reichen bis in unseren Alltag hinein. Wir müssen nur hinschauen. Eine weitere Kooperation mit „Pro Asyl“ ist angedacht.

So erlebten wir wieder ein ganz intensive Stunde und wie ich immer sage: Das ist Schule vom Feinsten! Danke allen, die darauf hingearbeitet und heute mitgewirkt haben!

 

Freitag, 14. November 2014:

Wenn es einzureißen droht, dass es Schülerinnen und Schüler an Respekt vor Sachen und Personen fehlt, wenn eine überhebliche Haltung einzuziehen droht („Wir sind doch Oberstufe!“) und wenn schließlich plötzlich Nazi-Schmierereien auftauchen, dann ist es an der Zeit, auch die Oberstufe zu „vergattern“. Es muss ganz deutlich werden: An „meiner“ Schule dulde ich so etwas nicht. Überheblichkeit gegenüber Hausmeistern und Kolleg/-innen? Nicht mit mir. Da gilt es durchaus darauf hinzuweisen, dass die alle berufstätigen Erwachsenen hier mehr geleistet haben, als jede/r Elftklässler, deren/dessen Leistung bisher nur darin lieget „zur Schule gegangen zu sein“, durchweg im „Hotel Mama“ wohnend. Klar, sie haben die besten Abschlüsse bei uns oder an den umliegenden Realschulen plus erreicht. Aber zu was berechtigt das außer zum Übergang in die Oberstufe? Daraus irgendwelche Sonderrechte oder gar Überheblichkeiten abzuleiten? Nicht bei uns und nicht mit mir! Das habe ich heute in der Versammlung der Elfer hoffentlich deutlich zum Ausdruck gebracht. Natürlich sind es wieder nicht zusammen, aber alle zusammen sind die bisherige Oberstufe. Und ich vertrete die Meinung: Diejenigen, die sich nicht daran beteiligt haben (es ist mit Sicherheit die übergroße Mehrheit), haben es bisher auch nicht durch ihre Anzahl verhindert. Mal sehen, ob die „Moralpredigt“ heute etwas bewirken wird.

Am Nachmittag fand der erste Workshop in Sachen „Alla-hopp“-Projekt statt. Die Bewegungsbank steht jetzt auf dem Schulhof und muss jetzt bis Weihnachten ihre erste Bewährungsprobe durchmachen. Wenn diese überstanden ist, wird sie durch Deidesheim weitergereicht, aber es werden dann wohl eher nicht fünf bis acht Jugendliche darauf sitzen und die Bewegungsfähigkeit austesten.

Die Gruppe der Grundschulkinder hatte bereits prima Ideen für die Gestaltung, auch die Senioren brachten ihre Bedürfnisse später ein. Die (wichtige) Gruppe der Jugendlichen blieb heute erstmal aus. An einer Ganztagsschule ist der Freitagnachmittag irgendwie „heilig“ und also ein schlechter Termin für freiwillige Workshops. Ich sagte zu, dass wir die Jugendlichen an einem Termin aus dem Unterricht holen. Dann sind sie da und kommen auch zum Workshop, motivierender als jede Mathematik-Stunde ist dies allemal.

 

Donnerstag, 13. November 2014:

Wir hatten Infoabend für den zweiten MSS-Jahrgang geladen und wieder war die Mensa fast gefüllt, wenngleich weniger kamen, als im vergangenen Jahr. Aber völlig befreit von den „Bedingungen zur Errichtung der Oberstufe“ müssen wir nicht mehr auf die Anzahl der Interessenten  schielen und können auf die Inhalte schauen. Da tut sich ein neues Feld auf, eine Spanne, mit der wir umgehen müssen. Auf der einen Seite müssen die ersten Klausuren der Elftklässler „genehmigt“ werden, weil sie unter dem so genannten „Drittel-Paragrafen“ fallen (Mehr als ein Drittel der Arbeiten liegt unter ausreichen), auf der anderen Seite höre ich vom benachbarten Gymnasium, dass die Schülerinnen und Schüler „langsam an das Arbeiten, die Methoden und das Niveau einer Oberstufe herangeführt werden sollen“. Bei genauem Hinschauen stellte sich aber heraus: Die schlecht ausgefallenen Klausuren verblieben im „Anforderungsbereich I“! Da war kein Transfer, da war keine Überforderung, da lag lediglich eine nicht ausreichende Arbeitshaltung vor, zum Teil waren die gleichen Aufgaben gefragt, die im Unterricht bereits gelöst wurden. Wer dort aber nicht mitarbeitet und wer sich gar der Mühe des Mitschreibens entzieht, wird keine gute Ernte einfahren können. Also, ihr lieben Elfer, da muss euch ein Ruck durchschütteln. Beim Info-Abend heute sagte ich wieder, dass man die zehnte Klasse mit Fleiß wird bewältigen können. In der Oberstufe genügt Fleiß allein nicht mehr. Aber wenn es bereits an der Arbeitshaltung mangelt, dann müssen die Alarmglocken schrillen. Macht euch ans Werk!

 

Dienstag, 11. November 2014:

Zwei Assemblys an aufeinander folgenden Tagen für die fünften und sechsten Klassen, eine neue Regelung. Zunächst ging es um die Auffrischung für die sechsten Klassen, dann um die Neueinführung in 5. Das hat beide prima geklappt. Zusätzlich übten wir das Lied „Danke für diesen guten Morgen“ ein – eine Erinnerung an den Anfang: genauso ist das Assembly entstanden. Weitere Inhalte waren heute natürlich „25 Jahre Mauerfall“ mit eigener (!) Video-Produktion aus 2008, die Reichspogromnacht, Ergebnis des Luftballon-Wettbewerbs und die Regelung im Spielehaus.

Nachmittags folgte ein atmosphärisch wieder einmal schönes Gesamtteam. Wir haben jetzt auch hier einen Zeitwächter eingeführt, um lange Diskussionen zu vermeiden. Dies hat sich bestens bewährt. Aber noch keine Feierabend, denn die Konzeptgruppe zur Oberstufe wurde noch drangehängt. Da geht es nicht mehr um Planung und Einführung, sondern Umsetzung weiterer Inhalte, etwa die Bedingungen der Notengebung in der elften Klasse. Für mich bleibt der Grundsatz auch für die Oberstufe erhalten: Automatismen und Punktetabellen gehen von objektiven Voraussetzungen aus, die bei subjektiven Schülerinnen und Schülern eben nicht greifen. Klar müssen wir die Bedingungen des Landes einhalten, keine Frage. Wir müssen aber nicht zusätzliche, nur scheinbar objektive und letztendlich unnötigen Regelungen auch noch selbst einführen. Nochmal sei es geschrieben: Noten werden nicht errechnet sondern erteilt. Dazu benötige ich keine Zehntel-Tabellen und prozentuale Umrechnungsformeln!

Noch einiges ist derzeit geboten: die neuen Flyer an die Grundschulen schicken, die für die Oberstufe an die Realschulen plus, die Anrufe wegen neuen Schulplätzen häufen sich bereits und die diesjährige Tagung der Schülervertretung läuft. Wenig Zeit zum Luftholen.

 

Freitag, 07. November 2014:

Pressetermine sind keine alltägliche Angelegenheit, zumal wenn ich dazu außer Haus muss. Zum Mittagstermin macht ich mich auf zur Verbandsgemeindeverwaltung, der Startschuss zur Gestaltung des Sportplatzes durch die Dietmar-Hopp-Stiftung stand an. Verwaltung, Schulträger, Grundschule, Deidesheimer Jugendtreff, Senioren…alle waren geladen, um die „Bewegungsbank“ auszutesten und die „Alla-Hopp-Fahne“ zu hissen. Wenn man mit großen Partnern zusammenarbeitet, ist Professionalität angesagt: Mit der Pop-Akademie Mannheim hat die Stiftung einen „Alla-Hopp-Song“ produziert, den Kinder der Grundschule herrlich inszenierten. Zusagen über Kooperationen allerorten – da kann eine prima Ergänzung in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule entstehen. Die jeweiligen Zielgruppen sollen dazu ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen einbringen. Dazu wird es in der Schule Workshops geben. Aha, also doch zusätzlicher Aufwand für die Schule in vollgestopften Wochen. Wenn ich mir das Ergebnis vorstelle und die zusätzlichen Möglichkeiten, dann wird sich dieser Aufwand lohnen. Der Rat der Verbandsgemeinde hat inzwischen einen Grundsatzbeschluss gefasst: Der Deidesheimer Jugendtreff wird auf dieses Gelände verlegt und dazu soll ein zusätzliches kleines Gebäude entstehen. Da diese Räume vormittags leer stehen, könnte die Schule diese mit nutzen. Umgekehrt könnte der Jugendtreff den größeren Mehrzweckraum, der in dem angrenzenden Schulgebäude geplant ist, so zumindest die Planungen, mit Veranstaltungen belegen. Die jeweiligen Zusagen sind getroffen. Die entstehenden Synergieeffekte machen fast schwindelig: bewegte Pause, weitere Räume, die außerhalb der Schulbaurichtlinie entstehen, gemeinsame Aktivitäten im Ganztagsbereich…und welch ein Glück, dass alle Planer bereits jetzt zusammen denken und ausarbeiten!

 

Mittwoch, 05. November 2014:

Wenn Sitzungen gut sein sollen, wollen sie intensiv vorbereitet werden. Für die nächste Sitzung der Konzeptgruppe „Schulentwicklung“ traf sich heute die Steuergruppe. Unsere Aufgabe ist deshalb etwas prekär, weil wir es nicht mit einem festen Thema zu tun haben, das fest und abgegrenzt daherkommt. Wir müssen erst Stimmungen, Meinungen und Befindlichkeiten zusammentragen, um daraus erst die Vorgehensweise zu besprechen. Daher erlebte ich wieder eine inhaltlich intensive Zeit, ein menschlich stimmiges Arbeiten und ein methodisch ausgeklügeltes Austauschen. Schauen wir mal, wie das nächste Treffen der Großgruppe sich gestaltet. Schön ist es immer, wenn Einschätzungen von außerhalb der Schule etwa so lauten: „Was habt ihr hier für eine gute Atmosphäre und wie motiviert und innovativ wird hier gearbeitet!“ Ja, an diesen „Schaltstellen“ lugt etwas hervor, was im Alltag untergeht und doch die Grundlage zu allem Weiteren darstellt.  

Beim jährlichen und frühzeitigen Info-Abend zur differenzierten Leistungsmessung für die Eltern der fünften Klassen kam ich wohl wieder etwas ins „Predigen“. Mir gehen dabei so viele Gedanken im Kopf herum, dass sich immer wieder Inhalte aus dem Stand dazugesellen. In Zeiten, in denen ich die Gesamtschule in verschiedenen Abenden vorstelle, ist mir das Grundanliegen des gemeinsamen und individuellen Lernens eben präsent und nimmt mich ein. Mich erreichten bereits wieder zwei Anfragen, ob ich an anderen Schulen referieren könne. Kein Wunder also, dass der Abend heute „ein wenig“ länger wurde als die letztjährigen. Dennoch: Zur zweiten Halbzeit beim Spiel in der Champions League waren alle wieder zu Hause.