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Mai bis Juni 10

 

Samstag, 15. Mai 2010:

Schade, über durch Gartenarbeit verursachten schmerzenden Rücken habe ich ja schon mal geschrieben, ich hätte heute gern noch mal gepienst! Aber: Die Teilnehmer am MLP-Marathon in Mannheim im Rahmen unseres Sport-Projektes werden da mehr zu leiden haben! Bewunderung also dort und Aushalten hier!

 

Montag, 17. Mai 2010:

Ich muss da was ändern. Schon so oft habe ich mir an einem von Unterricht freien Montag Dinge vorgenommen und ruckzuck ist der Vormittag rum aber das Vorgenommene Pensum kaum kleiner geworden. Dabei sitze ich doch nicht herum und schaue aus dem Fenster. Es sind die vielen kleinen Dinge, die dann Zeit und Energie beanspruchen, jene, die nicht vorherplanbar sind und doch zuhauf vorkommen: Da ein Anruf, dort ein Speiseplan, hier ein unangemeldeter Besuch, dort eine Email und so weiter. Da nähere ich mich dem Satz: Ein Schulleiter muss gar kein Pädagoge sein, ein Manager wäre an diesen Stellen viel nützlicher. Ich glaube, es ist Schweden, wo keine Pädagogen mehr die Schulen leiten sondern im Management erfahrene Menschen. Aber Schule ohne Pädagogik leiten? Viele Entscheidungen nähren sich schließlich aus (m)einer pädagogischen Grundhaltung. Mal sehen, wohin ich gehe.

 

Mittwoch, 19. Mai 2010:

So, wieder wird viel Geld mit meiner Zusage ausgegeben. Wir haben heute die Möbel für den Standort in Deidesheim ausgewählt. Einzeltische in Klassenfarben, etwas veränderte Teamausstattung (eineinhalb Jahre Praxiserfahrung flossen mit ein). Das wird ein die Pädagogik unterstützendes Mobiliar. Bleibt zu hoffen, dass wir dies die nächsten Jahre "hochziehen" können und auch Wachenheim seine Einzeltische erhält. Die Baustelle geht voran: Die Zwischenwände sind jetzt drin, der Estrich liegt, demnächst kommen schon die Böden.

Der Abend einer von der guten Sorte. Eingeladen waren die Eltern des sechsten Jahrgangs, um sich über unser Differenzierungsmodell informieren zu können. Da keine kritischen Fragen kamen, scheinen wir überzeugend vorgestellt zu haben. Eines liegt mir am Herzen: Nein, der Pionierjahrgang ist keine von Versuchskaninchen! Natürlich erleben diese Kinder mit dem Aufbau einer neuen Schule viele konzeptionelle Dinge zum ersten Mal und natürlich spiegelt sich das auch auf Seite des Kollegiums, denn keiner von uns hat sich für eine fertige Schule entschieden sondern für den Aufbau. Versuch und Irrtum darf logischerweise bei der Arbeit mit Kindern sowieso nicht die Leitlinie sein. Was wir machen ist, eine IGS aufzubauen, welche sich auch um neue Entwicklungen kümmert. Und das macht den Charme dieser Aufgabe aus. Immer entlang der Frage: Was ist das Beste für die Schülerinnen und Schüler, sehr wohl auch Neuland betretend, aber nicht als Versuchsanstalt. Dafür stehe ich gerade und gerade deswegen sind wir doch in so vieler Munde, bekommen wir so viele positive Rückmeldungen und werden immer wieder gefragt: "Wie macht ihr das?". Mut erfordert das ohne Zweifel bei allen Beteiligten und Ergebnisse können wir noch nicht vorweisen. Aber mit einer Gewissheit ausgestattet sind wir und ohne eine solche wäre Kolumbus nicht nach Westen gesegelt...

 

Donnerstag, 20. Mai 2010:

Als hätte es eines Schubes bedurft! Als AQS-Koreferent nahm, ich heute an der Evaluation eines Gymnasiums teil. Nein, eine solche Schule will ich nicht! Ich nahm Einblick in elf Unterrichtsstunden von Klasse 6 bis 12 und hatte Mühe konzentriert zu bleiben. Elf Stunden Frontalunterricht, in elf Stunden Ping-pong-Methode: Lehrkraft stellt eine Frage - SchülerIn antwortet, damit die nächste Frage folgen kann, stundenlang. Keine methodische Abwechslung, keine andere Sozialform, Aktivität auf Schülerseite nur als Antwortverhalten, rein kognitive Lernwege...Individuelle Förderung? Vielfalt der Lernwege? Aktivierung von Schülern? Differenzierte Angebote? Als gäbe es das alles nicht, als stünde das nicht alles in der Übergreifenden Schulordnung. Nein, eine solche Schule will ich nicht. Jagd mich davon, wenn ich Tendenzen dazu entwickeln sollte!

 

 

Freitag, 21. Mai 2010:

Stimmungsvolles und langes Assembly. Zum einen "kürten" wir die zweite Schülerin des Monats. Es erstaunt mich immer wieder, wie souverän Fünft- und Sechstklässler ein Mikrofon in die Hand nehmen und vor der Versammlung reden. Wenn das weiter wächst, erwarben die Schülerinnen und Schüler eine Kompetenz so nebenher, die manchen Erwachsenen abgeht. Dass die Wahl

 zur/m Schüler/in des Monats nun durch die Schülervertretung einen festen Ablauf bekommen hat, tut dem Anliegen sicher gut: begründete Vorschläge können aus der gesamten Schülerschaft eingereicht werden, eine Jury entscheidet über die eingegangenen Ideen, diese ist aus zwei feststehenden Personen besetzt (SV und Verbindungslehrerin), zwei werden jeweils aus Klassen dazu gelost. Diese breite Beteiligung wird dazu führen, dass es kaum zu Neid kommen dürfte.

Zweiter großer Bestandteil heute war die Hutmodenschau aus dem BK-Unterricht: Ausgewählte, selbstkreierte Hutmodelle wurden kommentiert unter großer Anteilnahme und Beifall im Plenum vorgeführt. Erstaunlich, mit welcher Fantasie Schülerinnen und Schüler Aufgaben kreativ und mit Hintersinn gestalten können, mit welchem Pfiff sie Anregungen aus der Umwelt aufnehmen und mit einem verschmitzten Lächeln heute vorgeführt haben. Ob mir das Johlen, Pfeifen und lautstarke Unterstützen uneingeschränkt gefällt, weiß ich selbst noch nicht recht – oft bricht es sich mir zu unkritisch, zu automatisiert oder auch zu unabhängig vom Anlass seine Bahn. Aber vielleicht sind das ja auch eher persönliche Anteile in mir, die da eine Skepsis aufkommen lassen. Bis heute unverständlich sind mir ja auch die kreischenden und vor Verzückung in Ohnmacht fallenden Fans etwa der Beatles. Wie auch immer, dennoch ist eine solche Präsentation die Idee des Assemblys: Wir bekommen mit, was wir nicht mitbekommen.

 

Mittwoch, 26. Mai 2010:

Ich habe geahnt, dass es irgendwann dazu kommen wird: Im Gästebuch fand sich ein Eintrag übelster Sorte, antijüdisch, rassistisch und verhetzend. Wir stießen morgens vor dem Unterricht drauf und löschten ihn sofort, so dass er nur wenige Stunden über Nacht zu lesen war - aber dennoch: Keine Frage, dass wir uns davon in aller Schärfe distanzieren, keine Frage, dass wir solch dummen Dreck, wenn es ihn anscheinend immer noch und immer wieder geben muss,  nicht auf der Schulseite lesen wollen und keine Frage, dass er mehr über den Verfasser aussagt als über uns. Die Adresse des Absenders war wohl fingiert, so dass er nicht ausfindig zu machen ist. Dennoch werden wir uns weitere Schritte vorbehalten!

 

Donnerstag, 27. Mai 2010:

Mit viel Vorlauf hatte die heutige Gesamtkonferenz einen ganzen Packen an Entscheidungen zu treffen. Die an einem Teilstudientag erarbeitete Tischvorlage zum Projektunterricht wurde noch ergänzt, aber im Wesentlichen verabschiedet. Damit stehen wir zum ersten Mal in diesen Stunden auf festem Boden. Sowohl Methode als auch Struktur und Inhalte sind bis zur 8. Klasse verabschiedet. Dann muss in irgendeiner Weise die Berufsvorbereitung mit Orientierung und Bewerbertraining usw. beginnen. Wichtig als Grundsatz ist die steigende Annäherung an die Projektmethode nach Karl Frey, was wachsende Selbstständigkeit des Arbeitens und der Inhalte betrifft.

Das im SEB schon besprochene Fahrtenkonzept wurde ohne Ergänzungen verabschiedet: In Klasse 5 erlebnispädagogische Tage im Martin-Butzer-Haus sowohl als Klassen- als auch als Teamfortbildung für die Lehrkräfte, in Klasse sieben oder acht eine Fahrt zur Förderung der Selbstständigkeit (gerade in der Pubertät so wichtig). Die inhaltliche Ausgestaltung kann klassenbezogen unterschiedlich sein (Selbstversorgerhaus, mehrtägige Wanderung,...). Auch die beiden Thementage, die wir bisher auf mündlichem Einverständnis durchführten, haben heute ihren offiziellen Konzeptcharakter erhalten. Einer der beiden ist inhaltlich an unser Medienkonzept angebunden, der andere frei wählbar. Sehr schön erlebte ich das Verfolgen des standortübergreifenden Ansatzes, von dem ich von Anfang an träumte. Er ist sowohl im Projektunterricht möglich als auch bei den Thementagen. Das wäre ein Ding, wenn uns das ab und zu gelänge.

In den beiden Teams und im SEB vorbesprochen war das Projekt "Schulische Lern- und Lebenswelten", ein Programm, das von Schulpsychologen und dem Land initiiert wurde. Nein, wir eröffnen damit keine neuen Baustellen, sondern bekommen Hilfen für die bestehenden. Zunächst wird das Projekt erst in 2011 starten (Dann sind die Studientage innerhalb der Pädagogischen Schulentwicklung, sprich Klippert) abgeschlossen und es entsteht Raum für dieses Projekt, das auch über vier Jahre angelegt sein wird. Dabei geht es in erster Linie auch um Schulqualität aber nicht in erster Linie um den Unterricht. Ein Thema etwa, das auch bei uns ansteht: Vom Klassenrat zum Schulparlament, alleine das klingt schon interessant. Ein weiteres könnte der Ganztagesbetrieb sein, den wir dringend bearbeiten müssen, aber nicht dazu kommen.

Und schließlich das umfangreichste Thema: Differenzierung in Deutsch. Nach langer Diskussion und verschiedenen Modellen beschlossen wir, ab Klasse neun auf den beiden schon bekannten Niveaus zu differenzieren. Mit dieser letzten Differenzierungsentscheidung steht nun unser Konzept und müsste (siehe Eintrag vom 8. Mai) den Lackmus-Test als IGS bestens bestehen. Mutige Beschlüsse mit dem alleinigen Gedanken, die Schülerinnen und Schüler auf bestmöglichem Weg voran zu bringen. Damit wächst das Konzept um wichtige Punkte und ich danke allen mutigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Nach langem und manchmal steilem Weg sind wir auf einer Berghütte angekommen und können die Tour zu einem der nächsten Gipfel planen. Dieser steht sicher in Deidesheim und die wichtigste, erneut zu machende Erfahrung: Dieses Kollegium ist klasse und spornt mich immer wieder an, es geht mit und das mit einer gegenseitigen Wertschätzung, dass es eine Freude ist!

 

Freitag, 28. Mai 2010:

Da war er also wieder in Sichtweite, der nächste Gipfel, zum Greifen nahe: Gespräch in Deidesheim mit allen Betroffenen anlässlich des Wechsels der Schulträgerschaft an den Landkreis. Erstes Schnuppern, wie das Sparen aussehen könnte. Aber alle wollten doch "keine IGS von der Stange, sondern ein gute." Wir tun unseren Anteil dazu auf pädagogischer Seite. Die Rahmenbedingungen kommen von außen. Also los!

Zurück in Wachenheim und rein springen in ein Gespräch mit der Lebenshilfe Bad Dürkheim. Austausch von Interessen, größere und kleinere Visionen der Kooperation. Da könnte ganz schön was entstehen. Toll, das macht einfach Spaß: Menschen reden miteinander, die die gleichen Interessen haben, Ideen kommen dazu und ich verabschiede mich mit dem Gefühl, als kennten wir uns schon lange Zeit.

Tag des Mädchenfußballs und wir waren dabei. Erfolgreich erspielten sich die Mädchen einen ersten und einen vierten Platz. Glückwunsch!

 

 

Sonntag, 30. Mai 2010:

In den tausendseitigen Hentig „Mein Leben“ (siehe Eintrag vom 9. April) bin ich nun bis zur Hälfte eingedrungen. Er liest sich flüssig und hat stets Überraschungen parat. Die Lektüre von bisher über 500 Seiten hat natürlich eine Vielzahl von Eindrücken, Gedanken und Einsichten zur Folge. Mir liegt es auch fern, diesen "Schmöker" hier rezensieren zu wollen, aber einige Gedanken sollen auch auf diesen Seiten Dauer erhalten. Die Halbzeit, noch wartet ja dieselbe Anzahl von Seiten darauf, von mir aufgeblättert zu werden, ist ermöglicht einen ersten Halt.

Hartmut von Hentig entstammt einer Diplomatenfamilie und verfügt schon in Kindesjahren über eine Biografie in verschiedenen Kontinenten und immer in gesellschaftlich gehobener Stellung, die ihn sicher von den meisten seiner Leser schon mal unterscheidet. Hinzu kommt für mich der damals (noch?) existierende Zusammenhalt von adligen Familien. Da wimmelt es nur so von "Vons". Immer standen den ihrigen Türen offen, es wurde geholfen, sich gestützt, vor, während und nach dem Krieg. Bekannte Namen fand ich darunter, etwa von Weizsäcker, von Dohnanyi, von Stauffenberg oder auch Gräfin Marion Dönhof - eine mir fremde Welt mit mir fremdem Ethos. Aber es geht mir auf diesen Seiten ja um Schule. Auch dazu fand sich eine Reihe von Merk-würdigem.

Gerade, als wir die Differenzierung diskutierten, las ich eine Bestätigung unserer klasseninternen Lerngruppen. Treffend formuliert, was ich in Grundkursen, also der Zusammenführung nur der leistungsschwächeren Schüler, meiner bisherigen Schulen auch erlebt habe: "Sie ruhten sich auf dem Bewusstsein aus, dass sie ohnehin hoffnungslose Fälle waren: keine Blamage konnte sie noch beunruhigen, kein Erfolg eines nur mäßig begabten, aber fleißigen Mitschülers stachelte ihren Ehrgeiz an. In dieser Gruppe addierten sich mein didaktisches Unvermögen und ihre Lethargie." (S.457)

Auf dem Birklehof, einem Internat, das immer wieder in Zusammenhang mit Salem genannt wird und wo Hentig als junger Lehrer begann, gab es auch eine "Vormittagskonferenz", eine unserem Assembly ähnliche Veranstaltung. Hinzu kam im Internat eben die wöchentliche Ausgabe der Post.

Die Idee, mit der Hartmut von Hentig bleibend wirken sollte, war eine Verknüpfung des von ihm durchlaufenen amerikanischen Schulsystems (ausgerechnet) und der altsprachlichen Didaktik. Er hatte in Amerika ein Gegenmodell zu den bei uns (immer noch?) gängigen Formen des Abtestens erlebt und strebte eine Didaktik an, die Fertigkeiten (competences) in Verbindung mit Wissen verlangen und musste daher am humanistischen Gymnasium einen entschlossenen Kampf gegen die "formale Paukerei" ausfechten. An anderer Stelle nennt er dies: "ein pausenloses Hochscheuchen, Weiterjagen, Hineinpumpen und wieder Aussaugen." (S. 457) In welch einer Zeit er sich befand, merkte ich an Beispielen, die an einer Teamschule wie der unseren unverständlich und wie von einem anderen Planeten zu stammen scheinen: "Andere Kollegen lernte ich erst später kennen, nicht zuletzt, weil das Lehrerzimmer nicht für Referendare da war. Wir bekamen einfach keinen Schlüssel und kein Fach für unsere Sachen. Wir durften uns in unseren Freistunden im Kartenraum aufhalten." (478) Die Erfahrung im Internat lässt ihn an einem anderen Lehrerbild arbeiten: "Ich war ohne jegliche Lehrerfahrung, reproduzierte den Unterricht, den man mir als Schüler angetan (!) hatte, und wäre zum Scheitern verurteilt gewesen, eine Lachnummer für meine Schüler, hätte ich nicht mit ihnen zusammengelebt." (438) Daraus speist sich auch die Erfahrung, "...dass Lebensprobleme vor Lernproblemen gehen, wenn die Seelennot ausgetrieben oder doch wenigstens verstanden worden ist", kann Lernen erst beginnen. Der Lehrer zuerst als Lebenshelfer, dann als Belehrer, eine Prämisse, die in der heutigen Gesellschaft vermutlich noch stärker zu betonen ist. Auch der folgende Satz passt in der Wertschätzung des Menschen hier hinein: "Ich hätte nicht gelernt, was erziehen im besten Sinne heißt, nämlich sich den Jüngeren mit der ganzen Person stellen, nicht `verordnen, was richtig ist`. ... Man darf sich vor allem nicht einbilden, man könne mit Worten allein lenken. Der Vorwurf 'Ich hab dir doch gesagt...' ist Ausweis pädagogischer Stümperei - und liegt uns doch allen auf der Zunge." (430) "Ich hatte am Birklehof gelernt, dass vorgetäuschte Stärke dem Schüler in erster Linie Schwäche bekundet: Der hat das also nötig!" (477). Heute würde man vielleicht sagen, dass ein Erzieher, ein Lehrer, aber auch Eltern und Politiker dann am meisten bewirken, wenn sie authentisch sind und nicht vorspielen, was die Rolle erwartet, was aber nicht in der Person vorhanden ist. "Aus dem Lehrer als `Vorbild` habe ich darum den Lehrer als `Darsteller` gemacht, einen, an dessen Verhalten man erkennt, wie man sich selber lieber verhielte: vernünftiger, erfreulicher, erfolgreicher als bisher - lauter Komparative zu weniger Vernünftigem, weniger Erfreulichem, weniger Erfolgreichem. Mein Argument war gegen den Lehrer als `Verkäufer` von Kenntnissen und Tugenden - gerichtet. Es hätte sich auch gegen die Überforderung richten sollen, dass er zu sein habe, was die anderen nur sein wollten." (481)

Die Textstellen stammen alle aus der Anfangszeit des Lehrers Hentig. Noch nichts vom Professor und Gründer der Laborschule in Bielefeld. Ich darf also gespannt sein, was noch alles kommt.

 

Montag, 31. Mai 2010:

Jahrgangsübergreifender Sporttag als Abschluss des Sportprojektes. Alle Schülerinnen und Schüler sind irgendwo zwischen Dackenheim und Speyer und treiben Sport. Klar kann man darüber streiten, ob es wichtig ist, Wasserski fahren zu können. Auf der anderen Seite hat es sich bei mir selbst noch nie ergeben auf solchen zu stehen (zumindest kurzfristig). So sehe ich es denn als Erfolg an, dass heute Erfahrungen ganz verschiedener Art gemacht werden können. Erste Bilder zeigen Begeisterung und Freude. Warum also nicht. Und dass das ganze Projekt wie auch der Sporttag für beide Jahrgänge in gemischten Gruppen gelaufen ist, lässt mich hoffen, dass wir es auch hinkriegen, ab Sommer dann beide Standorte zu verknüpfen. Nicht dauernd

 

aber immer mal wieder, Und dann sprießen vielleicht immer neue Ideen, wie die Verknüpfung zustande gebracht werden kann.

 

Dienstag, 01. Juni 2010:

Wieder im Dienst der AQS unterwegs gewesen. Dieses Mal eine kleinere Grundschule. Und siehe da: Es gibt den offenen Unterricht, es gibt den Wechsel der Sozialformen, es gibt differenziertes Arbeiten. Und all dieses Positive, das ich heute erlebt habe, darf sich doch bitte nicht auf die Grundschule beschränken, dazu ist es viel zu wertvoll. Und wieder rief eine verzweifelte Mutter bei mir an, ihr Kind sei in der fünften (!) Klasse eines Gymnasiums überfordert und die einzige Reaktion war, dass ihr ein Schulwechsel nahegelegt wurde. Wie las ich jüngst bei Hentig (sinngemäß)? Kein guter Pädagoge reicht ein angeblich schwieriges Kind an Sozialpädagogen weiter, weil auch diese Kinder immer schon in der Pädagogik enthalten sein müssen, sonst verdiene sie diesen Namen nicht!

 

Mittwoch, 02. Juni 2010:

Dienstbesprechung der Schulleiterinnen und Schulleiter der IGSen, die auch Schwerpunktschule sind. Die Präsentation kannte ich schon, meinen Ärger über die künftige pauschalierte Zuweisung konnte ich durch eine Zwischenfrage verkleinern, dass wir als Schule im Aufbau in der Zuweisung benachteiligt wären. ("Ja, das berücksichtigen wir!"). Ansonsten geschah das Wichtige wie so oft in der Kaffeepause: Kontakte halten, da eine Information, dort ein Kopfschütteln, hier eine Ermunterung. Man kennt und schätzt sich, auch wenn unterschiedliche Konzepte verfolgt werden. Obwohl das "Man-kennt-sich" durch die neuen IGSn langsam ins Wanken kommt, es werden immer mehr, das ist toll, aber „wir“ kennen uns daher nicht mehr alle. Für uns entscheidend: Am Montag fahre ich wieder zur ADD und kann dort vielleicht eine Reihe von Personalfragen für den neuen Jahrgang vorantreiben.

Der unliebsame Gästebucheintrag vom vergangenen Mittwoch ist beim Verfassungsschutz gelandet. Dort ist der Verfasser kein Unbekannter und wird sich mit einer Strafanzeige wegen Volksverhetzung konfrontiert sehen.

 

Montag, 07. Juni 2010:

Wie angekündigt: ein ADD-Vormittag. Erst ein Schreck: es sind Planstellen in einem uns betreffenden Umfang gestrichen worden, so dass unsere bisherige Personalplanung ins Wanken geriet; durch zugewandtes, direktes Beraten konnten wir aber einiges auf den Weg bringen, was das künftige Lehrkräfteteam schemenhaft sichtbar machte, so dass sich der Schreck in Zuversicht wandelte. Puuh und vielen Dank!

Schulleitungsrunde mit den üblichen Alltagsthemen wie Klassenbildung, wer schreibt welchen Brief, Kontaktsuche zu angedachten neuen Lehrkräften, Elternabend der neuen Fünfer am Donnerstag, dies und das...also: Letztendlich ein Tag, der Adrenalinstöße brachte, aber mit Zufriedenheit sich dem Ende zuneigt.

 

Dienstag, 08. Juni 2010:

So ist das in der Medienzeit: Wochenlang sitze ich PC, versuche, mich mit dem Projekt entgeltliche Schulbuchausleihe vertraut zu machen, gebe Bücher- und Klassenlisten ein, generiere Elternbriefe mit Barcode, besuche dazu Fortbildungen, bekomme sonst nicht mit, was klappt und was nicht - und heute liegt beim Schulträgerausschuss eine nackte Zahl von 66% mitmachender Eltern auf dem Tisch. Immerhin sind wir mit dieser Zweidrittelzahl mit auf den ersten Plätzen der Landkreis-Schulen, etwas unter dem Landesdurchschnitt, aber durchaus mit dem Prädikat "erfolgreich". Man bedenke den Umfang und einschneidenden Systemwechsel. Nun hoffen wir mal, dass die letzten Schritte (Bestellung, Lieferung und Packen der Bücherpakete) auch noch klappt, dann wäre mich überaus erstaunt und es erginge ein dickes Lob an die Organisatoren dieses Riesenprojektes!

 

 Mittwoch, 09. Juni 2010:

Und schon fluppt's, wie der Saarländer (Welcher Saarländer?) sagen würde: Anrufe hin und her, Termine ausmachen, gleich am Montag, heute eine Bewerbung für ein Freiwilliges Soziales Jahr (Die junge Frau war an meiner alten Schule IGS Ernst-Bloch in Ludwigshafen) da macht die Arbeit doch Spaß, wenn ich spüre, dass es voran geht, wenn sich neue Fenster öffnen. Auch einige andere Eisen im Feuer glühen schon, das Ganztageskonzept für das neue Schuljahr für dann zwei Standorte wächst, neue Ideen kommen auf, der Gang an die neue Schule ist organisiert, Unterstützung durch SEB und Förderverein, ein Jahrgang komplett im Luisenpark, ohne dass ich einen Finger gerührt hätte, persönliche Einladung zu einer Veranstaltung, bei der die Anwesenheit unserer Schule ausdrücklich als wichtig bezeichnet wird, ... mir geht es heute richtig gut und ich spüre Kraft in mir, weitere Herausforderungen zu stemmen. Wenn es nur mal so bleibt!

 

Donnerstag, 10. Juni 2010:

Da war es wieder soweit: über hundert Eltern, die sich nie vorher gesehen haben, singen unseren Kanon "Jeder kann was prima machen", lachende Gesichter, fröhliche Augen und lockere Atmosphäre. Und, es sei lobend erwähnt: Noch kein Jahrgang hat den Kanon so schnell umgesetzt. Toll, auf diese neuen Eltern können wir uns freuen. "Wie schaffst du das nur immer wieder, dir wildfremde Menschen zum Singen zu bringen?", wurde ich gefragt. Hmmm, ich denke, es sind zumindest zwei Töpfe, aus denen sich die Antwort wird speisen müssen. Zunächst einmal gelingt es mir die eigene Aufregung (Wird es wieder klappen? Werden sie wirklich wieder mitsingen?) so gut zu verbergen, dass eine Scheu gar nicht erst aufkommt. "Du bringst die Einladung zum Singen so an uns heran, dass alle es für ganz selbstverständlich halten, jetzt mit dir zu singen.", sagte mir einmal eine Mutter. Eine andere Rückmeldung im Nachhinein lautete: "Spätestens seit Sie mit uns am ersten Elternabend gesungen haben, wussten wir: Das ist die richtige Schule für unser Kind." Damit konnte natürlich ein Bewusstsein und eine Sicherheit in mir wachsen: Es ist gut und wertvoll das Singen beizubehalten, also mach's. Für die zweite Erfahrung muss ich etwas ausholen: Als Sohn von Jugendherbergseltern kam ich recht früh in die Situation, Schulklassen und Gruppen (auch mir fremde Gruppen) zu begrüßen, wenn mein Vater nicht greifbar war. Mit zunehmendem Engagement als Sprecher der Herbergseltern auf Bundesebene kam das dann immer öfter vor, ich muss wohl 16/17 Jahre alt gewesen sein. Mächtig aufgeregt versuchte ich viel von meinem Vater zu übernehmen. Wenn eine Schulklasse oder eine Gruppe nach vielleicht längerer Bus- oder Zugfahrt eine Jugendherberge erreicht hat, kommt es darauf an, möglichst schnell eine gute Atmosphäre zu schaffen und die Gruppe zu öffnen. Diese Stimmung am Beginn eines Aufenthaltes musste ja in vielen Fällen negative Erlebnisse in ähnlichen Häusern abschwächen, wenn nicht sogar vergessen machen. Gelang dies nicht, konnten wir davon ausgehen, dass öfter zu Ärger kommen wird als bei Gruppen, die von Anfang an fröhlich den Aufenthalt begannen. Hierbei lernte ich, die eigene Aufregung hintenan zu stellen, hier lernte ich, mit breiter Brust möglichst schnell ein Gefühl der guten Laune bei Gruppen zu schaffen und, wenn man es negativ sehen will, eine Gruppe für mich einzunehmen. Und mit einer Gitarre um den Hals, auch dies vom Vater herkommend, dann aber weiterentwickelt, ist das ja noch viel einfacher.

Also, liebe künftige Eltern, um das Singen am ersten Elternabend werdet ihr wohl nicht herumkommen. Ob es immer mit mir sein wird, kann ich nicht versprechen, aber dass es kommen wird, sage ich mal zu.

 

Freitag, 11. Juni 2010:

Das kommt schon mal vor: Da mache ich die Tür zum Klassenzimmer auf - und die Klasse ist weg. Niemand hat ihnen frei gegeben, auf dem Vertretungsplan stand keine Änderung. Ein weiteres Beispiel für die Macht von Gerüchten, zumal, wenn der eigene Vorteil sich passend dazu gesellt. Klar, die beiden Stunden müssen nachgeholt werden - aber die Tatsache, dass eine ganze Klasse sich einig ist und geschlossen geht, dieser Zusammenhalt lockt tief in mir auch einen Hauch von Sympathie hervor, auch wenn ich als Schulleiter in die andere Richtung reagieren muss.

 

Sonntag, 13. Juni 2010:

Die eigentliche Erinnerung und das gebliebene Sommermärchen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war die persönliche Befreiung von Skrupeln gegenüber der eigenen Staatsfahne. Aufgewachsen noch zu einer Zeit, in der es schwer fiel, die eigene Nation unbekümmert zu feiern, jede inoffizielle Verwendung der Flagge roch nach politisch rechtsaußen stehend, die Melodie der Hymne war damals noch immer mit den ersten drei Strophen verknüpft. Zu nah noch die Schilderung meines Vaters, als er in den Fünfzigern bei einer Wanderung durch die Vogesen als Bosch und Nazi beschimpft und verprügelt wurde. Die Welle des lockeren, unverkrampften Umgangs mit Deutschlandfahnen, das Erwachen einer jungen Generation, die in einer scheinbar neuen Zeit Autos, Gesichter, Häuser und was weiß ich was noch alles in ein Schwarz-Rot-Gold tauchen konnte, ohne dass Politik im Spiel war, dieser Fröhlichkeit schloss ich mich erstmals an. Es war nicht der Fußball 2006, es war das ungetrübte, wohlige Gefühl hinter Schwarz-Rot-Gold, ja fast eine historische Replik an das Hambacher Fest, als die drei Farben erstmals für Demokratie und Freiheit geschwenkt wurden, ein innerer Jubel darüber, endlich dahin zurückgekehrt zu sein, die Farben und Symbole der rechten Szene entrissen, als die Farben meines Landes, meines demokratischen Staates zu spüren, spüren zu können, spüren zu dürfen und das locker und fröhlich, mit einem ganzem Land. Schließlich kam dieser freiheitlich, demokratische Rechtsstaat   nur mit großer Geburtshilfe auf die Welt kam, weit entfernt davon, gewollt und erkämpft worden zu sein, da bedurfte es stärkerer Partner. Heute Abend holte ich nach dem Auftaktspiel der deutschen Nationalelf das vier Jahre alte Fähnchen aus dem Kofferraum, es überdauerte dort beim Ersatzreifen und flattert nun wieder beim Fahren am Fenster - und das Gefühl von damals kehrte zurück, macht frei, beschwingt  und glücklich.

 

Montag, 14. Juni 2010:

Heute Morgen um acht Uhr fuhr wieder eine Gruppe los, dieses Jahr waren wir zur Preisverleihung des History Awards nach Hamburg eingeladen. Welcher Platz rauskommen wird erfahren wir erst Morgen. Mit der Erfahrung des letzten Jahres und einem Bauchgefühl als Vergleich, wird es wohl keiner der vorderen sein. Das Unternehmen selbst, der Aufenthalt selbst wird für die zehn Schülerinnen und Schüler ein Erlebnis werden: von der Weinstraße ins Tor zur Welt! Als Ehrengäste dieses Mal: Eva-Maria und Cosma Shiva Hagen - welche Namen in Verbindung zur IGS Dei/Wa!

Für die Zurückgebliebenen auch ein Höhepunkt: Der Thementag Medien für die beiden Jahrgänge. Zehn Experten waren geladen, vom Landesmedienzentrum, der Verbraucherzentrale, der Polizei, vom Film und als Betroffene. Tolle Eindrücke und Augenblicke im Haus. Und, was einfach gut tut, Rückmeldung aus Experten-Munde: "Wir waren ja schon an einigen Schulen. Aber solch interessierte und konzentrierte Kinder, die auch noch kreativ und selbstständig arbeiten, haben wir noch nicht erlebt." Oh, wie schön, bei aller Arbeit, bei allem Zweifel, solche Bemerkungen geschenkt zu bekommen. Danke allen, es ist der Ertrag von allen. Und seht: Die Anstrengung lohnt sich!

 

Dienstag, 15. Juni 2010:

Wo ist dieser Tag geblieben? Es ist schon erstaunlich, dass, je voller ein Tag ist, er sich für mich im Nachhinein als durch die Finger geronnen leer anfühlt: voll, ständig angespannt oder konzentriert, aber dann doch, oder vielleicht auch deswegen, weg.

Dienstag heißt vier Stunden Musik, Endspurt für den Lernzirkel, Mappen eintreiben. Dazwischen Gespräche und Telefonate. Um 13.30 Uhr eigentlich Praxisforum zu SEIS (Selbstevaluation in Schulen) in Worms, komme aber wegen eines weiteren, aber wichtigen Gesprächs zu spät. Immerhin erhalte ich wichtige Hinweise von anderen SEIS-Schulen, wie die Auswertung der 120 Seiten mit Daten am besten mit verantwortbarem Zeitaufwand und für Laien dennoch zu leisten ist - und: Wir sind nicht die einzige Schule, bei welcher die Daten vorhanden aber noch nicht ausgewertet sind. Das schiebt mich neu an. Wieder Zeitüberziehung. In Hektik fahre nach Hause: Schließlich will ich doch kurz Familie sein, denn abends ist ja noch Schulelternbeirat. Und danach bleibt eigentlich nur das Bett. Du 15. Juni, ich habe dich voll erlebt und doch staune ich: Wo bist du hin? Wo bist du geblieben?

 

Mittwoch, 16. Juni 2010:

Heute bekam ich von der Hamburgfahrt der History-Gruppe erzählt. Ein Erlebnis für alle, die dabei waren, klar, aber für einige Schülerinnen und Schüler war es das bisher größte Erlebnis. Auf Fotos konnte ich den Raum der Preisverleihung bestaunen: ein mit dunklem Holz getäfelter Saal im Museum für Völkerkunde, weiße Stehtische, kleines Buffet ("Stellen Sie sich mal vor: Wir sind richtig bedient worden!") und dann auch noch: "Da ist ja Schneewittchen!" Shiva Cosma Hagen war den Kids natürlich vom Film her bekannt und ihr zu begegnen, lebendig und mit Ansprache, ein Fest, ein Ereignis. Das macht eben das Erreichen der Finalrunde aus: Alle werden eingeladen und begegnen bekannten Persönlichkeiten. Da hat Shiva Cosma Hans-Dietrich Genscher im letzten Jahr sicher den Rang abgelaufen. Bei all diesen Aufregungen spielte der achte Platz am Ende keine Rolle mehr. Recht so! Zwei Jahre nacheinander in der Finalrunde, das ist für eine so junge Schule schon irrsinnig gut. Allen im Vorfeld und allen in Hamburg gilt mein Dank. Auch wenn ich jetzt eine kreative Lösung für den noch offenen dreistelligen Betrag finden muss, jeder Cent war gut angelegt, wenn ich in die leuchtenden Augen der Kids schaue und ihren begeisterten Erzählungen lausche. Vielleicht - ich gehe einfach mal davon aus - war dies ein Ereignis fürs Leben dieser Kinder. Ist doch klasse, dass das im Rahmen von Schule möglich war. Wie können wir solche positiven Einschritte weiterhin planen oder konzeptionell einbauen? Pädagogisch, will sagen für die Entwicklung, für die Reifung, für die Nachhaltigkeit positiver Ereignisse sind solche Fahrten ein Sahnehäubchen, dagegen ist Unterricht trotz aller Medien, Inhalte und Methoden trockenes Brot. Zur Sättigung auch wichtig, klar, aber mir lassen die Eindrücke der Kinder keine Ruhe.

 

Donnerstag, 17. Juni 2010:

Das Datum ist immer noch als historisch in meinem Kopf, der ehemalige Tag der deutschen Einheit, Aufstand der Arbeiter in der DDR. Heute ein ganz normaler Tag, nur in den Nachrichten taucht er noch auf. Ich habe heute zwei Gespräche mit jungen Frauen geführt, die (vielleicht) ab August bei uns arbeiten. Beide wären ein Gewinn!

 

Freitag, 18. Juni 2010:

Schönes Fünfer-Assembly: Die Gruppe, die zur Preisverleihung des History-Awards nach Hamburg fuhr, berichtete lebendig von ihren Erlebnissen, Gefühlen und Eindrücken und holten die Fahrt somit in die Schule rein, für alle. In Text, Bild und persönlicher Stellungnahme konnten wir alle nacherleben, was die zehn Schülerinnen und Schüler erlebt haben.

Und zum ersten Mal bei dieser WM: Solidarität mit der Mannschaft, hoffende Gewissheit, dass wir gewinnen und weiterkommen, in den Haaren, um den Bauch, um die Schulter, am Handgelenk...überall schwarz-rot-gold. Ich hoffe, die ja auch noch jungen Spieler wissen oder erahnen, welche Rolle sie bei den Schülerinnen und Schülern und bei einer ganzen Generation wecken. Fußballbegeisterung und Schule wäre ein eigenes Kapitel, vielleicht sogar eine eigene Untersuchung wert.

 

Montag, 21. Juni 2010:

Heute habe ich das offizielle Foto des History-Awards per Mail erhalten. Es ist schon eine irre Sache, dass hier, mit dem doch "kleinen, Weinstraßenstädtchen" Namen wie Shiva Cosma und Eva-Maria Hagen in Verbindung gebracht werden. Und das zum zweiten Mal. Lässt sich das nicht vermarkten? Wir benötigen doch Geld für eine Musikausstattung!

 

Treffen mit der Schulleitung der Realschule Plus in Deidesheim: Umzug und Schuljahr planen. Das geht von den Essenszeiten in der dortigen Mensa über die Busaufsicht bis hin zu Lehrereinsatz und Raumfragen. All das wird einen Stundeplan nicht vereinfachen: zwei Standorte, vier Schulen, unterschiedliche Zeiten. Und der Bau benötigt noch viele fleißige Hände bis zum 16.8.

Später dann noch zwei Höhepunkte: Die Ausstellung des Fachbereichs Kunst in der Raiffeisenhalle. Als in diesem Bereich völlig Unbegabter stehe ich immer wieder staunend vor Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen der Schülerinnen und Schüler. Einige Exponate würde ich gar zu Hause aufhängen, einige andere, wenn denn ein berühmter Name drunter stände, viel Geld einbringen. Toll, was da alles zusammen gekommen ist. Auch der Rahmen mit Grußworten aus dem Schulelternbeirat, dem Vorsitzenden des Vereins "Kunst im Dreieck" und die Musikstücke dazwischen von Schülerinnen und Schülern verlieh dem Ganzen die Atmosphäre einer richtigen Vernissage.

Die Premiere des Films "Fettes Dorf" löste die Eindrücke der Bilder gleich danach ab. Die Video-AG hat ihr Endprodukt gezeigt. Zunächst dachte ich: Was für ein seltsamer Titel, erfuhr dann aber, dass "fett" bei den Kids soviel heißt wie "toll, klasse, super". Ich hoffte dabei, nur sprachlich soweit von den Jugendlichen weg zu sein, dass ich sie nicht mehr verstehe. Der Film war gut gemacht, enthielt, so erfuhren wir im anschließenden Ausschnitt "Making Of", eine ganze Reihe professioneller Techniken. Nicht erst am Ende und nicht erst heute spürte ich wieder dieses Grundgefühl, das mir die Kraft für meinen Beruf gibt: Nichts ist interessanter, lebendiger und bunter als die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Und so nebenbei wurde ja eine Menge gelernt. Glück und Stolz beherrschten mich auf der Fahrt nach Hause. So langsam denke ich an die Bilder für den besinnlichen Jahresrückblick nächsten Freitag, heute sind zwei dazu gekommen.

 

Dienstag, 22. Juni 2010:

Zeugniskonferenzen für beide Jahrgänge, inzwischen für mich Zeit zum Verweilen und Nachdenken. Die Konferenzen liegen ja in Händen der Stufenleitung. Die unsrigen zeichnen sich nach wie vor als pädagogisch reichhaltig aus, Organisatorisches wird, wo immer es geht, ausgelagert. Das schafft Zeit, über viele Kinder reden zu können, Probleme oder neu Sichtweisen kennen zu lernen; gleichzeitig werden Hilfestellungen vereinbart. Das macht einfach Spaß, da habe ich das Gefühl pädagogisch an den Schülerinnen und Schülern "dran" zu sein. Noch was fiel mir auf: Die Anzahl der Noten unter ausreichend müssen verlesen und im Protokoll eingetragen werden. Und genau die sind seit der letzten Konferenz bei beiden Jahrgängen erheblich gesunken. Das passiert nicht nur so und ist sicher auch kein Zufall. Dahinter steckt viel Förderarbeit und individuelle Beratung. Ich verspüre Lust, mir alle Protokolle zu nehmen und diese Feststellung mal statistisch auszuwerten. Doch erst einmal gilt es, das Schuljahr nun noch gut zu Ende zu bringen. Ich spüre, dass ich bereits mit dem Reservetank fahre.

 

Mittwoch, 23. Juni 2010:

Mit Spannung erwartete ich heute die beiden Besucher des Landesmedienzentrums, es ging um ein Gespräch über unser Medienkonzept. Da ist mit den Thementagen Medien und dem gleichnamigen Projekt schon eine Menge gelaufen, das Beachtung hervorrief. Dennoch wurde mir heute klar, dass es auch hier noch eine Menge an Konzeptarbeit zu leisten ist. Im Grunde waren wir bisher einäugig und legten den Schwerpunkt auf Medienschutz. Eine Erweiterung um Medienkenntnis, Mediennutzung und Mediengestaltung wird erarbeitet werden müssen. Wachsen muss das alles, nicht schnell und mit viel Dünger hochgezüchtet werden. Wie unsere Kartoffeln im Garten: Sie stehen in diesem Jahr sehr hoch, blühen enorm, lassen hoffen  - dennoch ist die Ernte noch weit. Wir sind auf dem Weg.

 

Donnerstag, 24. Juni 2010:

Sitzung des Fördervereins, nur zwei Mütter waren zusätzlich da, um den Einsatz am Weinstraßenfest zu organisieren, um die 30 hätten wir benötigt. Aber wir werfen die Flinte nicht ins Korn. Über die persönliche Ansprache der Klassenelternsprecher hoffen wir auf weitere Helferinnen. Der Einsatz muss sein, der Verein braucht Geld, um unsere Arbeit weiter unterstützen zu können. Wir wollen auch Schüler ansprechen, Spülen und Kaffee verkaufen kriegen die doch auch hin. Schauen wir mal.

Freitag, 25. Juni 2010:

Ein vollgepackter Tag, der schon mit dem ausgefüllten Assembly begann: Zunächst fanden sich schon einige Schülerinnen und Schüler, die am Weinstraßentag helfen wollen. Na bitte, das kriegen wir hin. Aber Themen, von denen ich berichten wollte sind diese: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit (oder nur von mir?) haben die Religionsgruppen hauptsächlich in Jahrgang 5 52 Rucksäcke für afrikanische Kinder gepackt. Die können damit gut gerüstet ein Jahr lang in die Schule gehen. Die Sieger des Vorlesewettbewerbes wurden vorgestellt und gekürt. Vier nahmen an der Endausscheidung teil. Schöne Atmosphäre, schöner Rahmen, guter Inhalt. Prima, weiter so! Dann

 

 runter zum Wahlpflichtfach Ökologie/Weinbau: Die pfälzische Weinprinzessin gab sich die Ehre. Als die Fragen der Schülerschaft in Stocken gerieten, konnte ich mir endlich die feinen Unterschiede und bedeutenden Hintergründe von: Champagner, Sekt, Secco und Prosecco erklären lassen. Zu was Schule alles gut ist.

 

 

 Montag, 28. Juni 2010:

Mit Spannung und mit Freude erwartete ich die dreitägige Fortbildung für das neue Team. Zwar kannte ich alle (bisher) sieben Mitglieder von Vorgesprächen, brachte bei allen ein positives Bauchgefühl mit, aber es ist eine andere Sache, sie zum ersten Mal als Team zu erleben. Wir planten heute einen Dreischritt: "Vom ich zum Team in der Schule". Zunächst sollten die einzelnen Lehrkräfte nach einem  Partnerinterview vorgestellt werden: Name, Fächer, Schulen, Lebenssituation und Ähnliches wurden bekannt. Wertschätzung und Interesse sollten im persönlichen Wappen vermittelt werden, um näher miteinander umgehen zu können. Das Wappen enthielt fünf Felder: ein großer Erfolg - ein großer Misserfolg - eine Stärke - eine Schwäche - ein Lebensmotto. Heraldik kommt ohne Worte aus, so waren auch hier nur gestalterische Elemente erlaubt. Als ersten Schritt zum Team hin planten wir eine Herausforderung, die nur gemeinsam zu lösen ist: Mit verbundenen Augen sollte das neue Team ein Zelt gemeinsam aufbauen. Genaue Absprachen,

 

Kommunikation, Stärken nutzen, Schwächen ausgleichen, Planung, niemanden zurück lassen, Verantwortung übernehmen, Gemeinschaftsgefühl...alles Inhalte, die in der kommenden Teamarbeit vorkommen werden und hier spielerisch erkannt und schon eingeübt werden konnten. Fazit: Das Zelt stand wie eine Eins! Der nächste Schritt am heutigen Tag: Dieses nun "installierte" Team ist kein Selbstzweck, sondern soll Teil einer Schule sein. Am Nachmittag standen also alle unsere bisherigen Konzeptpunkte im Vordergrund. Einige bereits mit Erläuterung, andere mit dem Hinweis, dass wir sie bis Mittwoch vertiefend klären werden.

Es war dies nicht meine erste Veranstaltung dieser Art, um die zehn Teams habe ich im Laufe meines IGS-Daseins am Anfang betreut. Daher wage ich zuversichtlich die Prognose: Das Team Susi Saumagen passt zu uns, es wird unsere Ideen weiter entwickeln helfen, es sind interessante und durchweg positive Persönlichkeiten versammelt. Danke euch für diesen Tag. Ihr werdet unsere Schule bereichern, dessen bin ich gewiss.

 

Dienstag, 29. Juni 2010:

Weiter arbeiten wir "mit den Neuen", damit sie ein Team werden. Es zeichnet sich durch eine bunte Mischung aus: verschiedene Lehrämter, unterschiedliches Alter und Erfahrung, unterschiedliche Fächer, alle bringen wieder eigene Erfahrungen mit ein, das ist gut, das macht Spaß und das stimmt optimistisch. Auch die Stimmung unter uns ist bereits locker und von Humor begleitet. Ein für mich immer spannen-der Schritt:  Der Weg zu den vier Tandems, die die Klassen begleiten sollen. Auch lie-ßen wir uns was einfallen: Wenn der Jahrgang schon Susi Saumagen heißt, bietet sich doch ein Essen an. Die gebildeten neuen Tutorenpaare saßen letztendlich an einem in der Klassenfarbe gedeckten Tisch bei Saumagen und Sauerkraut  - fast konnte man meinen, sie säßen immer schon so zusammen, ein für mich dichter Augenblick.

Die Schulträgerschaft wechselt aufgrund des Schulgesetzes an den Kreis. Heute wieder Gespräche mit der Landrätin zwecks Übernahme der Angestelltenverträge. Auf der einen Seite ist das Arbeiten mit nur einem Träger, dem Landkreis Bad Dürkheim, sicher einfacher, auf der anderen Seite sieht die finanzielle Lage nicht rosig aus. Bisher gab es ja immer noch einen gewissen Spielraum, zwar auch immer kleiner werdend, aber immerhin war er da. Ein Lob auf die Teamarbeit: Ich konnte heute früher nach Hause. Wenn der Papa schon so oft und lange in der Schule ist, soll er wenigstens am Geburtstag rechtzeitig da sein. Herzlichen Glückwunsch!

 

Mittwoch, 30. Juni 2010:

Abschluss der Teamfortbildung - die Stimmung blieb positiv und die Aussichten auf das neue Schuljahr, auf die weiter wachsende Schule bleiben heiter, nicht wolkig. Heute stand die Pädagogische Schulentwicklung an. Was ist das? Was haben wir schon erreicht? Wie geht es weiter? Studientag, Trainingstage, Basistraining, Lernspirale