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Mai 2014

 

Christi Himmelfahrt 2014:

In Bad Dürkheim „tobt“ gerade das Stadtfest. Immer, wenn der Wind eine nordwestliche Richtung einnimmt, können wir im Garten mithören. Heute hörte ich eine Akkordfolge…die kenne ich doch….was ist das gleich…Moment, ich komme noch drauf. Beim einsetzenden Gesang war es klar: „Knockin' on Heaven's Door“. Diesen Song üben wir gerade in der 1stClass Rock-AG, um es am Flohmarkt aufzuführen. So drängelt sich Schule in den Feiertag hinein


 

Mittwoch, 28. Mai 2014:

Das beschlossene „kleine Assembly“ für die Jahrgänge 7 und 8 fand heute in der Mensa statt. Ja, wir passen alle hinein. Ja, es ist eine Möglichkeit, das Assembly attraktiver zu gestalten. Der Schulsanitätsdienst stand auf der Tagesordnung, die renovierten Toiletten und der Talentwettbewerb in Wachenheim (Standortverknüpfung!), ebenfalls die Arbeit der Schülervertretung und als Knaller: Der 11-minütige Film der Skifreizeit. Damit die Skulptur von „Klima & Co“ nicht nur beim Schulleiter im Regal steht, brachte ich sie mit. Alle sollten sie sehen und den Erfolg beklatschen. Der Mittwoch ist auch der Tag des Fünfer-Assemblys in Wachenheim, auch dorthin nahm ich die „Siegestrophäe“ mit. So früh in einem Schülerleben ist die Teilnahme an Wettbewerben grundzulegen und was kann die Motivation besser befördern als ein bundesweiter Erfolg. Die Präsentation (in Klasse fünf!) des jüdischen Dreidels fand ihren Platz, ebenfalls die Organisation des Thementages und natürlich zwei Lieder. Für mich selbst benötige ich keine weitere Begründung für das Beibehalten des Assemblys als diese beiden Stunden heute. Allerdings haben wir diesen Punkt nie beschlossen. Es wurde im ersten Jahr der Schule begründet und danach einfach beibehalten, ohne Stundentafel. Nun ist es höchste Zeit, auch hier eine dauerhafte Regelung zu begründen.

Die Kollegin, die „Klima & Co“ betreut und mitentwickelt hat, ist seit gestern in Mutterschutz. Heute hatten wir dennoch einen gemeinsamen Termin mit der ganzen WPF-Gruppe vereinbart. Jetzt gilt es ja, das ganze Projekt umzusetzen. Da bin ich auch als Kontaktstelle zum Schulträger gefragt, ohne den alles, was das Gebäude betrifft, nicht realisiert werden kann. Ich habe in der Stunde heute zugesagt, dass ich ihnen weiter unter die Arme greifen werde. Damit ist alle Information auch gleichzeitig mit der Schulleitung „verlinkt“ – bei der Größe des Projektes durchaus sinnvoll und notwendig.

Der erste Termin mit dem ausgewählten Architekten und dem Schulträger steht. Nächste Woche kommen beide an die Schule zu einem ersten Planungsgespräch. Danach wird sich hoffentlich einiges klären und die nächsten drei Jahre genauer abzeichnen.

Was ist das gerade für eine intensive Phase im Aufbau der Schule? Was ist hier derzeit alles im Fluss? Entwicklung und Bewegung, Erfolg und Hinterfragen, Innehalten und Weiterdenken allerorten – stimmt schon, der Begriff „Scheidepunkt“ trifft die gesamte Situation. Also macht die Arbeit Spaß, weil sie so wirksam ist. Also ist sie anstrengend, weil sie so einflussreich ist. Also ist sie heikel, weil sie so entscheidend ist. Und schließlich er-füllt sie mich daher.

  

Dienstag, 27. Mai 2014:

Lange vor „Klima & Co“, ich schrieb bereits darüber, hatte ich die Begleitung zur Preisverleihung beim Europa-Wettbewerb zugesagt, die heute im Mainz stattfand. Eine Schülerin war auch hier erfolgreich und erhielt einen der ersten Landespreise. Sicherlich kann dieser Gewinn im Stellenwert kaum mit „Klima & Co“ mithalten, aber Landespreis ist Landespreis! Glückwunsch!

Am Nachmittag tagte allerdings das Gesamtteam und es gingen heikle Tischvorlagen aus verschiedenen Fachkonferenzen ein, die eine Veränderung der Stundentafel betreffen. „Das geht nicht ohne Chef!“, so eine Rückmeldung. Auf die Schnelle fand sich eine Vertreterin, die an meiner Stelle mit nach Mainz fuhr (Danke!). Um nicht zusätzlich Vertretungsbedarf zu schaffen, übernahm ich deren Deutschstunden. Welchen Spaß sollten sie mir bereiten! Das Thema lautete Satzgliedanalyse. Lange ist‘s her, aber ich konnte aus dem Vollen schöpfen. Eigentlich wollte ich Subjekt, Prädikat, die Objekte und adverbialen Bestimmungen nur kurz wiederholen, durch die Umstellprobe verdeutlichen. Doch auch auf Seiten der Klasse galt: Lange ist’s her! Kurzerhand stellte ich um und wiederholte im Schnelldurchgang die Grundlagen mit spontan gebildeten Beispielsätzen aus der Klasse. Diesen Ausschnitt aus dem Fach Deutsch habe wohl durch die vielen Durchgänge jederzeit parat. Wir haben viel dabei gelacht und meine alte Erfahrung, dass Beispielsätze leuchten können, wenn Schüler/-innen und Situationen der Klasse darin vorkommen, bestätigte sich erneut. Diese siebte Klasse kenne ich aus dem Musikunterricht vor zwei Jahren. Längst sind „lange Kerls“ aus den Jungs und fast junge Damen aus den Mädchen geworden, aber die Namen, ja die Namen…, der Kontakt zu ihnen war dennoch schnell wieder hergestellt.

Im Gesamtteam am Nachmittag konnte ich darin eine Übereinstimmung erzielen, dass Änderungen der Stundentafel nicht „aus der Hüfte“ beschlossen werden können, zumal sie konzeptionelle Veränderungen hervorrufen würden, die in Ruhe und mit Bedacht diskutiert und erörtert werden müssen. Dazu installieren wir doch am Montag die neue Steuergruppe – dort gehören diese Anträge hin.

„Demokratie ist manchmal ganz schön anstrengend!“, sollte ein Kollege später in einem Parkplatzgespräch äußern. Ich hatte die Information, dass die vorliegende Version der Hausordnung von der Schülervertretung und im Kollegium Konsens gefunden hatte und mit dieser Grundlage brachte ich sie im Schulelternbeirat ein. Alle an der Schule Beteiligten sollten dahinter stehen. Einige redaktionelle Änderungswünsche wollte ich heute lediglich noch einbringen, da kippte das gesamte Anliegen. Mitten in der Formulierungsarbeit tauchten zwei Kritikpunkte auf: Sowohl die Schülervertreter als auch einzelne Teams meldeten plötzlich zurück: Diese Fassung haben wir bisher nicht gesehen! Da half nur: „Gehe zurück auf Los!“      

Das Konzept zur „Berufs- und Studienorientierung in der Oberstufe“ stieß dagegen auf viel Zustimmung. Ebenfalls war nach einem intensiven Austausch über so genannte „Gemeinschaftsstunden“ ein Konsens zu spüren. Inhalt: jede/r Schüler/-in der Oberstufe soll in gewisses Maß an Stunden (im Gespräch waren zehn) für die Schulgemeinschaft einbringen. Möglichkeiten sahen wir etwa bei Aufsichten, Öffnungszeiten der Bibliothek, Betreuung jüngerer Schüler/-innen in der Lernzeit und in der Ganztagsschule. Die ursprüngliche Idee, jede Stunde vom Förderverein symbolisch vergütet zu bekommen, stieß auf Widerstand, weil sie dem Grundanliegen der Identifizierung mit der Schule entgegensteht. Aber eine grundsätzliche Unterstützung für die Abiturfeier blieb als Möglichkeit erhalten.    

Im Anschluss standen, wie eingangs erwähnt, drei Kollegen auf dem Parkplatz und kamen ins Gespräch, wie Lernen eigentlich stattfinden müsste, wo wir im Vergleich dazu stehen, wie der Alltag und die täglichen Zwänge die Gefahr mit sich bringen, eine „ganz normale Schule“ zu werden und dass wir an einem wichtigen schulischen „Scheidepunkt“ stünden. Was ist an unserem pädagogischen Konzept als „überfrachtet“ anzusehen, was wird sich als unverzichtbar erweisen und wo muss mehr Unterstützung angeboten werden. Mit den Aussagen aus den vielen Anrufen im Gepäck fühle ich eine gewisse Gelassenheit. Noch nie haben Eltern mit dem Konzept argumentiert, nie kamen Begriffe wie Differenzierungsmodell, heterogene Tischgruppen, Thementage, Methodentraining oder selbständige Unterrichtsmethoden vor. Aber stets wiederkehrend wurde als Grund für einen Schulwechsel genannt: „Bei Ihnen an der Schule wird anders mit Kindern umgegangen!“ Nun mag sich dieser Unterschied durchaus an konzeptionellen Inhalten festmachen lassen und wir sollten genau hinschauen, wo Unzufriedenheit im Kollegium umgekehrt werden kann und was sich im Konzept der Schule, ohne dies geringzuschätzen, als „nützliches Beiwerk“ angesammelt hat. Da steht uns wohl ein langwieriges Ringen um die beste pädagogische Lösung bevor, die zugleich Zufriedenheit (und Gesundheit) auf Dauer herstellen muss. Zumindest in einer Einschätzung stimmten wir überein, die die freudige Grundlage für einen positiven Prozess darstellt: Die überwiegende Mehrheit des Kollegiums verfügt nach wie vor über eine innovative und pädagogisch orientierte Motivation. Darauf aufzubauen wird die anstehende Aufgabe sein. Am Montag wird sie mit dem ersten Treffen der Steuergruppe beginnen.

 

Montag, 26. Mai 2014:

In einer der Glückwunschmails zum Wettbewerbsgewinn in Berlin las ich den Satz: „Dieser Erfolg ist sicher auch das Ergebnis der guten pädagogischen Arbeit in der IGS.“ Da lässt sich durchaus einmal darüber nachdenken, ob es tatsächlich Bezüge zu unserem Konzept gibt oder ob es sich um eine eher „zufällige“ Konstellation handelt. Es wäre doch schön, wenn sich fächerübergreifendes Arbeiten hier auszahlen würde; wenn Jugendliche in der Art, wie man Lösungswege finden kann, geübt wären und in einem Wettbewerb nutzen könnten; wenn die Zusammenarbeit in einer Gruppe so normal wäre, dass sie nicht eigens eingeführt werden muss; wenn Recherchieren als Arbeitsschritt bekannt wäre; wenn auf Grundlagen des Präsentierens zurückgegriffen werden könnte, weil sie an der Schule fast zum Alltag gehören und wenn zusätzliche „Sahnehäubchen“ wie Humor eingearbeitet werden könnten. Es ließe sich auch ein Bogen schlagen, der mit der Neigungsdifferenzierung im Wahlpflichtfach beginnt und daher ein grundsätzliches, thematisches Interesse vielleicht vorausgesetzt werden darf. Ganz sicher aber zeigt sich erneut, dass Schüler/-innen, wenn denn Grundlagen gelegt sind, „ranklotzen“ können, wenn es um reale Aufgaben des Lebens geht. Die Aufgabenstellung war nicht in einer theoretischen Annahme konstruiert worden, die einer Lösung bedurfte. Hier war sie real in den schulischen Alltag hineingestellt und zum Greifen nahe, die Problematik dem täglichen Erleben entnommen. Hier musste nicht „gespielt“ oder geübt werden, der persönliche Bezug zum Gegenstand war der Ausgangspunkt selbst. Die Lösung zieht nun auch unmittelbare Konsequenzen nach sich, was das Gefühl der Selbstwirksamkeit erhöht. „Andockstellen“ waren durch das Thema zuhauf vorhanden. Und wahrlich: Dann stellen sich intrinsische Motivation und Erfolg ein.

 

Samstag, 24. Mai 2014:

Meine ehemalige Schule wird gegenwärtig zwanzig Jahre alt, elf davon arbeitete ich an der IGS Mutterstadt und wollte zum heutigen Fest nicht fehlen. Zu der ganzen bevorstehenden emotionalen Erinnerungsarbeit kam hinzu, dass der erste Preis von Berlin auch hier angekommen war. Von der stellvertretenden Landtagspräsidentin, die der dortigen IGS besonders verbunden ist, über den ersten Beigeordneten bis zu den vielen Kolleg/-innen nahm ich Glückwünsche entgegen. Zeitungen und der Radiobeitrag hatten die Kunde verbreitet. Aber ich war doch gekommen, um anderes zu feiern, um dorthin zu gehen, wo ich soviel gelernt habe, was mich oft genug getragen hat und auch jetzt noch hilft, wo in mir eine pädagogische Grundhaltung reifte, wo ich mir in meiner ersten Funktionsstelle anfängliche Sporen verdiente, wo ich immer noch Wurzeln spüre, wo ich vor allem viele liebe Menschen noch immer kenne und wo gemeinsam Erlebtes bis in die Gegenwart hinein verbindet: Landes-Schultheater-Tage, Australienaustausch, gemeinsam begleitete Jahrgänge, Konzeptdiskussionen usw., gerade so, als wäre ich gestern einfach nach Hause gegangen, um heute wieder zu kommen. Dabei bin ich schon knapp sechs Jahre an einer anderen Schule bin. Vom Programm bekam ich nur den Einstieg auf dem Hof mit: Eine „Flashmob“ genannte Bewegungsübung des ganzen Schulhofes zu einem eigens komponierten Sprechgesang, IGS-mäßig! Was dann folgte war im Grunde ein über Stunden hin anhaltendes Gespräch, weil ich immer wieder angesprochen, begrüßt, umarmt und befragt wurde, eine herrliche Anstrengung! Mir gelang es schließlich nicht, mich in einer Schlange einzureihen, die zum Essen anstand. Scheinbar zum „Greifen nahe“, kamen immer wieder Menschen auf mich zu, sprachen mich an und nahmen mich in Beschlag. Schließlich war das Essen zur Neige gegangen, ohne dass ich vorangekommen wäre. Vor allem genoss ich die vielen Geschichten und Erzählungen ehemaliger Schüler/-innen meiner Klassen und Jahrgänge, die heute natürlich zahlreich gekommen waren. Auch derjenige, welchen ich am 10. Mai erwähnt habe. Wahrlich, ein stolzer junger Mann stand unvermittelt vor mir, der die Ausbildung zum Elektroniker gemacht hat, sich während der letzten Jahre konsequent Geld angespart hat, damit er im kommenden Jahr die Meisterschule besuchen kann. Ich bekam von einem Musikstudium in Holland erzählt, von einem der Psychologie in Wien, von Zahntechnikern in Freiburg, von Event-Managern und Beratern, deren Klientel sich bis Mailand und in die Vereinigten Staaten erstreckt. Auch von anderen, nicht so spektakulären Wegen hörte ich, etwa von einem Arbeitsplatz in der Tourismusbranche in Bad Dürkheim und von verschiedenen Lehramtsstudien. Eines stellte sich als Quintessenz heraus: Alle, von denen ich heute hörte, haben ihren Weg gefunden, beschritten und sind ihn bis jetzt gefestigt gegangen. Das ist solch ein herrliches Gefühl, das Mut macht. Auf der anderen Seite war Thema, dass in den zwanzig Jahren der Schule fast zehn (ehemalige) Schüler durch Krankheiten und durch Unfälle ums Leben kamen. Einer hat sich selbst zu Tode gebracht. Auch das gehört wohl zu einer Schulgeschichte, die das manchmal bittere Leben widerspiegelt, wie es nun mal ist. Es zu ertragen, fällt dennoch schwer.

Am Rande des Tages holte ich mir natürlich auch Informationen über die Oberstufe, die uns um Jahre der Erfahrung voraus ist. Natürlich müssen wir unseren eigenen Weg finden, aber Hinweise dort können uns Anhaltspunkte geben. Allein, sie gehört zu haben, wird uns schon helfen, weil wir einen weiteren Blickwinkel hinzufügen können.

Fast schon zum Abschluss das „schier Unvermeidliche“: „Möchtest du zur Verabschiedung der Schulleiterin nicht deine Gitarre mitbringen? Wir haben niemand mehr, der mit uns singt!“    

Die vergangenen Tage waren enorm dicht und geprägt von hoher Intensität. Sie bargen Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen, die für ein Vielfaches von Tagen ausgereicht hätten. Wie fühle ich mich heute Abend? Dankbar angefüllt, enorm bereichert, aber auch erschöpft.

 

Freitag, 23. Mai 2014:

Den Morgen wollte ich gestern in Ruhe angehen, unter anderem ein Religionsbuch für die Oberstufe auf seine Tauglichkeit hin prüfen, doch die Ankündigung aus Berlin sollte sich bewahrheiten. Zuvor setzten wir den Wettbewerbsgewinn als Laufband auf das digitale Brett unter den Vertretungsplan. Alle sollten von diesem Erfolg des Wahlpflichtfaches Mathematik-Naturwissenschaften lesen, keiner sollte bei Nachfragen ohne Antwort sein. Gleich beide Lokalredaktionen meldeten sich, denn sie hatten bereits Pressemeldungen aus Berlin erhalten. „Nein, ein Foto mit der Schülergruppe kann noch nicht gemacht werden. Vermutlich sitzen sie in Berlin noch beim Frühstück.“ Gab es da etwa Vorstellungen, die Gruppe hätte nach dem Finale, nachdem sie bereits um kurz nach sechs Uhr am Morgen losgefahren sind, im Anschluss an das Finale noch den Nachtzug nehmen sollen? Immerhin gelang mir später (wieder) ein Kontakt in den Zug, um Näheres zu erfahren. Unsere Schüler/-innen hatten eine Präsentation hingelegt, die sich von allen anderen deutlich abhob. Ein Film im Nachrichtenformat und ein Rollenspiel, das mit Humor das Tipi zum Lachen brachte, verwiesen die anderen, anscheinend eher konventionell trockenen Vorstellungen auf die Plätze. Klasse! Nun war ich besser gerüstet für die Interviews. Der Südwestrundfunk rief noch an und ein lokaler Radiosender.

Heute Morgen nun, ich konnte die Siegertruppe in der Schule wähnen, hatte ich mir um kurz nach acht eine Durchsage überlegt. Eigentlich wollte ich die versammelte Schülerschaft auf dem Hof halten, um die reich belohnten Heimkehrer aus der fernen Hauptstadt durch ein Gemeinschafts-Spalier begrüßen zu lassen und somit alle in den Gewinn des Wettbewerbes einbeziehen, doch der Regen machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich verlas als wetterbedingte, kleinere Version, die Namen, schilderte kurz den Sieg und rief dann dazu auf, dass durch Beifall und Jubel „die Schule zum Vibrieren“ gebracht werden sollte. Mit der gleichen Durchsage hatte ich die Berlinfahrer in der Pause zu mir ins Büro geladen. Beide Lokalzeitungen haben bereits in der heutigen Ausgabe über den Gewinn berichtet, die Neustadter Ausgabe gar mit einer Überschrift auf der Vorderseite. Damit war die Information im Landkreis angekommen und ließ den E-Mail-Eingang hochschnellen: die Schulaufsicht meldete sich mit Glückwünschen aus Neustadt, das Ministerium aus Mainz, „unsere“ Deidesheimer Landtagsabgeordnete eigens in einer persönlichen Nachricht mit Glückwünschen, der Schulträger aus Bad Dürkheim sandte eine Mail und auch Menschen aus meinem privaten Umfeld nahmen die Artikel zum Anlass, sich zu melden.

In der Pause dann kamen die WPF-ler ins Büro, trugen die Urkunde und die Skulptur aus Plexiglas herein und berichteten nach meinen persönlichen Glückwünschen vom Finale. Schnell gelangten wir aber zu den weiteren Planungen. Zwei Hauptanliegen des eingereichten Konzeptes werden im dritten Bauabschnitt eh „bewältigt“. Der Gewinn darf aber auf keinen Fall in dieser großen Baumaßnahme untergehen. Er muss lange sichtbar auf diesen Schülererfolg hinweisen, allen nachfolgenden Generationen zum Anstoß und zum Nachahmen präsent bleiben. Mein Favorit, der es aber wegen technischer Schwierigkeiten gar nicht ins eingereichte Konzept geschafft hatte, bereitete uns Kopfzerbrechen: Es gibt in Diskotheken Bodenfließen, die bei Betreten Strom und Licht erzeugen. Diese im Eingangsbereich verlegt, den täglich über 400 Schüler/-innen mehrmals durchlaufen, das müsste ausreichend Strom für das digitale schwarze Brett erzeugen. Allerdings erfolgt die Stromerzeugung nur stoßweise, denn während der Unterrichtszeit, wenn alle in den Klassenräumen sind, liegen die Platten „unbegangen und einsam“ da.. Wie kann überschüssiger Strom gespeichert werden? Gibt es einen sinnvollen Weg, den erzeugten Strom in einem Akku zu speichern? Wer produziert diese Platten? Und…und…und... Einfacher dagegen sind Wasser einsparende Armaturen in den Toiletten, ein zusätzlicher überdachter Fahrradständer…Ein Gesprächstermin in Wachenheim verhinderte weiteres Planen und Reden, außerdem mussten zwei Schüler/-innen eine Deutscharbeit schreiben – an solch einem Tag...Viel Erfolg auch dabei!

Zweifellos stehen bei einem solchen Erfolg die Schüler/-innen im Vordergrund. Aber natürlich (und auch in den Glückwünschen berücksichtigt) sei ebenfalls den Lehrkräften gedankt, die das ganze Unternehmen betreut haben. Nur den kleinsten Teil habe ich mitbekommen, denn der Hausmeister fragte schon vor einiger Zeit, ob er im Namen der Schule bei den Stadtwerken die Energiedaten einholen dürfe, die für diesen Wettbewerb angefragt worden seien. Dank also allen, die dieses Projekt mit ihrer Unterstützung mit auf den Weg gebracht haben. Ich vermute, das ganze „Unternehmen“ wird uns noch eine Weile begleiten. Ein Paukenschlag verklingt schnell, dieser wird nachhallen.

 

Mittwoch, 21. Mai 2014:

Als ich zur Schule fuhr, waren sie schon weg. Ich konnte die Gruppe aus acht Schüler/-innen und zwei Kollegen, die nach Berlin zum Finale des Wettbewerbes „Klima & Co“ fuhren, nicht verabschieden. Aber in Zeiten mobiler Kommunikation konnte ich meine mündliche und die versprochene gedankliche Unterstützung direkt in den fahrenden ICE übermitteln. Ich glaube, wir können es in der Wirkung nicht abschätzen, was eine solche Finalteilnahme in der Hauptstadt für die sonst „so coolen Kids“ wirklich bedeutet. Da soll es an meiner Unterstützung nicht fehlen. „Gebt mir Bescheid, wenn das Finale gelaufen ist, okay?“ – nach diesen Worten kehrte ich zurück in den Alltag. Dieser hatte den Info-Abend zur Differenzierung ab Klasse sieben für die Eltern der jetzigen Sechstklässler im Gepäck. Wie gewohnt, der BK-Saal war gut gefüllt. Immerhin kommen zum Standortwechsel nach Deidesheim die Neigungsdifferenzierung und die Leistungsdifferenzierung für Schüler/-innen und Eltern hinzu. Das will hintergründig erläutert und verstanden werden, damit es künftig weniger (keine?) Nöte entstehen. Mitten drin, ich hatte das Mobiltelefon bewusst nicht leise gestellt – der Anruf aus Berlin. Auf dem Flur angekommen – drinnen wurden gerade Fragen zum Wahlpflichtfach durch den Stufenleiter beantwortet – hörte ich aus dem fernen Berlin: „Wir haben den ersten Platz erzielt! Unsere Kids haben das Finale ‚gerobbt‘!“ Ein lauter Freudenschrei entfuhr mir und hallte in den leeren Flur hinein. Selbst etwas über die Lautstärke erschrocken, musste ich im BK-Saal den Eltern diese „stimmliche Eruption“ kurz erläutern. Was für ein großartiger Erfolg: Bei einem bundesweiten Wettbewerb, an dem 232 Schulen teilnahmen, bei einem zentralen Finale der fünf besten und ausgewählten Teilnehmer im Tipi am Kanzleramt den ersten Platz zu erzielen und 50.000 Euro für klimaverbessernde Maßnahmen an die Schule, in den Kreis, nach Rheinland-Pfalz zu holen, das ist schon ein Schrei des Schulleiters wert. Beim Erläutern spürte ich auch die Freudentränen in mir aufsteigen, merkte, wie die Stimme zittrig wurde und war froh, dass der Inhalt des Info-Abends, nach einem heftigen Beifall der anwesenden Eltern, die weitere Regie übernahm.

Es war mir klar, dass dieser kurze Anruf noch am selben Abend Folgen haben würde. „Wir sind hier von Medien-Vertretern umringt. Mach dich morgen auf was gefasst!“, allein dieser Hinweis ließ mich natürlich lange nicht einschlafen.

 

Dienstag, 20. Mai 2014:

Seit dem Erscheinen des letzten Amtsblattes läuft die Bewerbungsfrist für die didaktische Koordination. Heute stellte sich ein Interessent von außerhalb vor. Wie wichtig diese Funktion an einer IGS in meinen Augen ist, habe ich mehrfach beschrieben. Eine intensive Vorbereitung konnte ich daher vernachlässigen, sie liegt dauerhaft in mir parat. Gefragt waren eher spontane Eindrücke. Dennoch erwartete ich das Gespräch mit Spannung, weil die Besetzung genau dieser Stelle von großer Bedeutung für die Schule sein wird.

In mehreren Bereichen holen wir uns derzeit externe Unterstützung ein. Längst sind die Aspekte derart vielfältig, dass wir sie allein nicht mehr in der Tiefe durchschauen können. Wie wird sich die kommende Oberstufe „kulinarisch“ auswirken? Der Stundenplan in der Oberstufe wird ohne Freistunden nicht möglich sein. Gerne wollen wir einer „Abwanderung“ der Schüler/-innen in den benachbarten Supermarkt entgegenwirken. MSS-Café? Kiosk in der Mensa? Wasserspender für alle? Erweiterung des Mittagessens? Alles Fragen, die wir heute in einem ersten klärenden Gespräch erörtert haben. Eine weitere „Baustelle“ bevor die große Baustelle kommt.

Mit Hemmnissen haben wir es auch mit dem Assembly am Standort in Deidesheim zu tun. Auf der einen Seite wird es von Schüler/-innen vorbereitet, auf der anderen Seite gehen die Interessen bis zu den Zehntklässlern soweit auseinander, dass schon mal von Langeweile die Rede ist. Die derzeitige Idee: Wir führen nächste Woche ein Assembly nur die siebten und achten Klassen durch. Dies vorzubereiten, war heute die Schülervertretung bei mir. Gedacht ist auch, dass Schüler/-innen aus Wachenheim dazukommen und von Neuerungen vom Standort berichten.

 

Montag, 19. Mai 2014:

Jede Woche beginnt im zweiten Halbjahr am Standort in Wachenheim: Musik im sechsten Jahrgang. Heute wollte ich den „Square-Dance“ in der zweiten Klasse ausprobieren. Die beiden Stunden letzte Woche ermunterten mich zu einer „Ausdehnung“, von der ich nicht wusste, ob „sie laufen“ würde. Ich stellte mir auch die Frage: Kannst du das überhaupt glaubhaft mit deiner Person abdecken? Ich sage immer wieder: Wem Lyrik selbst nichts sagt, der möge in Deutsch besser darauf verzichten. Wer diese Säule der Literatur nicht von innen heraus durchdringt, kann mehr (und dauerhaft?) kaputtmachen, als er Zugänge schafft. Oder mit fremden Worten, deren Ursprung ich gerade nicht parat habe: Wer selbst nicht brennt, kann Schüler/-innen nicht entzünden! Also: Kommt der geplante Square-Dance bei mir von innen? Kann ich das so vermitteln, als wäre es eine Herzensangelegenheit? Kann ich die Schüler/-innen „entzünden“? Ich machte mir Mut, ließ jeweils acht Schüler für ein Viereck sich finden, übte mit jeder „Formation“ die Schritte ein und ging dann, mit CD-Player ausgestattet, auf den Schulhof. Drei „Vierecke“ mit jeweils acht Schüler/-innen stellten sich nebeneinander auf, zwei Durchgänge mit allen, dann jeweils einer mit nur einem „Viereck“, die anderen beiden unterstützen mit Klatschen, abschließend wieder alle drei Gruppen – und wieder von vorne. Es brauchte seine Zeit, bis alle Jungs die Hände aus den Taschen genommen oder die über die Brust verschränkten Arme gelöst hatten. „Hände in die Hüfte stemmen!“, hörte ich mich immer wieder rufen. Der Ablauf funktionierte. Das mitreißende Lied „Cottoneye Joe“ in der etwas aufgepeppten Version mag das seine dazu beigetragen haben, so dass durchaus so etwas wie Begeisterung zu spüren war. „Machen wir noch einen Durchgang?“, „Können wir das bei der Begrüßungsfeier der Fünftklässler nicht vorführen?“, „Warum können nicht alle Musikstunden so interessant sein?“ – drei Fragen, die mir zeigten: Ziel erreicht!

Auch mein Gefühl der beiden Stunden war von Kurzweile geprägt, wenngleich eine gewisse „Unterarmnässe“ nicht nur durch die Außentemperatur hervorgerufen wurde. Aber lange Zeit zum Verweilen fand ich nicht: Das Nötigste am Standort klären und dann auf die Weinstraße Richtung Süden nach Deidesheim! „Ihre Sekretärin sagte: Der Schulleiter ist ‚on the road‘. Mir fiel dabei das Lied ‚Country Roads‘ ein, das wir bei geöffneten Fenstern im Auto mit der Familie immer gehört haben. Meine Tochter liebt es heute noch!“, so eine Stimme aus der Schulaufsicht am Telefon bei meinem Rückruf. Wieder sind es zwei Lieder, die unvermittelt innerhalb von 30 Minuten auftauchen, zusammen passen und Schmunzeln erzeugen. Ist das Leben nicht schön?

„Kommen Sie doch einfach zu einer Tasse Kaffee vorbei, dann können wir alle Punkte besprechen.“ - gesprochen in der letzten Woche bei einem Rückruf beim Schulträger. Dieser wiederum beruhte auf einer E-Mail. „Seelenlose Kommunikation“ statt menschlichen Miteinanders, lieber sich bei einer Tasse Kaffee treffen. „Schön, danke für die Einladung. Ich bringe dann etwas Süßes mit!“ Kleinigkeiten, welche die Arbeit auch übertragen versüßen.

 

Freitag, 16. Mai 2014:

Weite Teile des Vormittags verbrachte ich am Schreibtisch. Gleich mehrere Telefonate habe ich auf heute verschoben, weil ich dazu nicht durch den Status des „Zwischendrin“ eingeengt sein wollte. Unter anderem ging die Suche nach einer Vertretung für die in Mutterschutz gehende Kollegin weiter – bisher immer noch erfolglos! Entweder wohnen die Telefonpartner/-innen zu weit weg oder sie haben inzwischen etwas anderes gefunden und stehen nicht zur Verfügung. Eine Kandidatin hatte selbst erst im März ein Kind bekommen…Von arbeitslosen Lehrkräften (zumindest im Fach Chemie) kann daher in meiner Wahrnehmung nicht gesprochen werden. Das wird wieder einmal spannend! Und das in einer Woche, in der wir allein durch Krankheit und Abwesenheit 165 Unterrichtsstunden vertreten mussten.

Am Sonntag ist in Rheinland-Pfalz Verfassungstag, zu dem jedes Jahr landesweit Beförderungen vorgenommen werden. Da er in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, sollten diese bereits heute über die Bühne gehen. Eine davon konnte ich in unserem Kollegium vornehmen – ein kleiner Anteil an der landesweit stattfindenden und „staatstragenden“ Aktion.

Ein Konfliktgespräch der besonderen Art konnten wir mit einer guten Lösung abschließen, bevor am Nachmittag die Kollegen Schulleiter/-innen der IGSn aus der Region nach Deidesheim kamen. Die Runde trifft sich etwa einmal pro Halbjahr – ich habe schon öfter darüber geschrieben. Dieses Mal hatte ich nach Deidesheim geladen, auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, nicht in der Baustellenzeit „dran“ zu sein und auch um den „alten Bauzustand“ nochmal vorzustellen. Das nächste Mal werde ich dann hoffentlich mit der „fertigen“ Schule aufwarten können…Differenzierte Leistungsmessung, die Neuauflage der Übergreifenden Schulordnung, Abschluss- und Übergangsbedingungen, und Fragen: Wie machst dies? Wie habt ihr das geregelt?

Erschöpft fuhr ich am späten Nachmittag nach Hause. „Kein Wunder nach so einer Woche“, meinte meine Frau dazu.

 

Donnerstag, 15. Mai 2014:

Egal, was in einer Schule stattfindet: vorbereitende Gespräche, Verhandlungen und Absprachen verschiedener Seiten sind dazu notwendig, tauchen aber selten auf. In die Reihe dieser Aussage stelle ich das heutige Gespräch mit dem Jugendamt. Seit einigen Jahren findet im Ganztagsbereich Gruppenarbeit mit sozialem Kompetenztraining statt. Ein Anbieter von außerhalb wurde dazu gewonnen, was uns entlastet. Das Angebot wurde immer wieder überprüft und auf seine Wirksamkeit hin evaluiert. Bisher konnte es stets weiter fortgeschrieben werden, weil die Finanzierung durch den Landkreis abgesichert war. Darum ging es, bei knapper werden Kassen, auch heute. Glück und Wertschätzung, persönliche und professionelle Kontakte zahlen sich aus, so dass wir heute erfuhren: Die Maßnahme kann weiterlaufen.

Zuvor hatte ich absolutes Neuland für mich betreten. Beim Thema „Takt“ in der Musik findet sich im Buch eine Einheit zu „Square-Dance“. Als nicht begnadeter Tänzer will ich das mit den beiden Klassen einüben. Spannend auch für mich! Nach dem Standortwechsel habe ich eine erste Probe für den Flohmarkt-Auftritt angesetzt. Ich habe einem Schüler, der das Spielen der Gitarre erlernt, versprochen, gemeinsam mit ihm vorzuspielen. Die Probe heute zeigte: Das wird klappen. Da er den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig“ vorgeschlagen hat, habe ich mit ihm abgesprochen, nicht nur zu spielen, sondern das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Das wird ein Spaß werden!

Nachmittags saß die „Konzeptgruppe Oberstufe“ zusammen. Drei Themen standen heute an: Berufs- und Studienorientierung, letzte Hand an die Integrationsfahrt und ein Konzept, mit welchem Schüler/-innen während der Oberstufe zehn Stunden für die Schule einbringen. Das erarbeitete Konzept zum ersten Punkt, ist sehr schlüssig und umfassend geworden. Die Idee, Stunden für die Schule einzubringen, könnte uns enorm unterstützen und entlasten. Als Bereiche diskutierten wir: Öffnen der Bibliothek, Übernehmen von Aufsichten, Betreuung von Jüngeren in einer Lernzeit, Anbieten einer AG im Ganztag. Da müssen wir mit allen Kolleg/-innen nochmal drüber schauen, aber es klingt schlüssig. Eventuell könnte sich der Förderverein hinsichtlich einer Abiturfeier finanziell an diesem Vorhaben beteiligen. Erste Gespräche dazu haben schon stattgefunden. In erster Linie gefällt mir das Vorhaben, weil Schüler/-innen den Zusammenhang erkennen können: Was hier gut läuft, hat mit Einsatz und Engagement zu tun.

 

Mittwoch, 14. Mai 2013:

Im Zeitalter der Mails und Computer können einen unerwartete  Anrufe überraschen, wenn man, wie ich, über mehrere E-Mail-Adressen verfügt. Eine davon hatte ich bereits „stillgelegt“, dachte ich zumindest, aber sie wurde weiter bedient. So ging mir die Einladung zum nächsten Netzwerktreffen der Demokratie-Modellschulen, bereits im März versandt, durch die Lappen. Ein Anruf vorgestern brachte mich auf den neuesten Stand und meinem Kalender einen neuen zusätzlichen Termin. Schnell war eine Präsentation mit Fotos erstellt – kein Problem. Der Ort des Treffens führte mich zusätzlich an eine benachbarte IGS, die auf meinen Erstbesuch harrte. Zu den Zusammenkünften in Schulen gehören immer auch ein Rundgang durchs Gebäude und eine Einführung ins Konzept. Vor allem auf ersteres war ich (gerade auch in bevorstehenden Bauzeiten bei uns) sehr gespannt. Auch diese IGS wurde in einem bestehenden, vorwiegend aus Beton gegossenen Schulgebäude gegründet. Der Vorteil: Wo vorher bis zu 1.400 Schüler/-innen Platz fanden, ziehen nun, im Endausbau, ca. 800 ein, so dass eine ganze Reihe von Räumen die geforderte Zahl der Schulbaurichtlinie übersteigt. Bereits jetzt gibt es daher ein Schülercafé, einen Raum der Stille und einen Aufenthaltsraum, ohne dass der Raumplan davon beeinträchtigt ist. Ein unschätzbarer Vorteil! Aber noch mehr hat mir die Hofgestaltung imponiert. Die „betonierte“ Version der Bauzeit ist einer naturnahen Landschaft mit vielen Kurven, Bäumen und Bewegungsmöglichkeiten gewichen. In einem Schüler-Eltern-Lehrer-Wettbewerb wurden Vorschläge und Wünsche erarbeitet, die einem Architekturbüro zur Umsetzung weitergegeben wurden. An mehreren Samstagen wurde mit allen drei Gruppen das Konzept in großen Arbeitseinsätzen mit mehr als 200 Personen umgesetzt. Klasse! Da ist diese Schule uns voraus. Dieselbe Idee trage ich seit dem Start am Standort in Deidesheim mit mir herum. Die Umsetzung aber musste bei uns warten. Wie sollte es gerechtfertigt werden, dass über das Ergebnis solcher Anstrengung wegen des dritten Bauabschnittes, der Bagger fährt? Wo werden die Hofflächen überhaupt liegen? Also kann dies bei uns erst erfolgen, wenn das Gebäude fertig (geplant) ist. Ich denke allerdings, dass die Motivation in den ersten Jahren des Aufbaus eine stärkere gewesen wäre. So nahm ich auf, was ich konnte und habe die Adresse des in Schulhofgestaltung geübten Büros notiert. Wenn es möglich wäre, die Gelder, die eh im dritten Bauabschnitt für die Außengestaltung vorgesehen sind, heraus zu ziehen, müsste auch bei uns eine schülergerechte Landschaft statt einfach nur gepflasterter Flächen entstehen können.

Dass am Abend die Infoveranstaltung für die Wahlpflichtfächer stattfand, bekam ich nur mit, weil ich mit meiner morgigen Musikklasse den BK-Raum wieder aufräumen soll. Ich genieße diesen Aufbau der Schule und die damit verbundene Entlastung. Längst bin ich nicht mehr für alles verantwortlich. Herrlich!

 

Dienstag, 13. Mai 2014:

Jede Woche ist der Dienstag mein erster Tag ohne Unterrichtsverpflichtung. Das schreibt sich schön nieder, hat aber zur Folge, dass sich an diesem Tag die Gesprächstermine schichtweise anhäufen. Die Belastung für mich entsteht allerdings nicht durch die Termine selbst, sondern dadurch, dass ich keinerlei Zeit finde, die Gespräche zu „verarbeiten“ oder „sich setzen zu lassen“. Zwischen den einzelnen Gesprächen klingelt das Telefon oder ist mit angesammelten Rückrufen ausgefüllt (meine Sekretärin hält mich da unbarmherzig auf Trab) – die Liste mit Anfragen zu geplanten Schulwechseln nimmt kein Ende. Die Anfragen zur Oberstufe beruhen zum großen Teil auf den beiden Zeitungsartikeln, die für die Sekundarstufe I sind mit unserem ungebrochen (aber überhöhtem?) guten Ruf und Problemen an anderen Schulen begründet. Auch der neue Jahrgang 5 kann derzeit noch nicht abgeschlossen werden, da die Schulaufsicht mit eingereichten Anträgen auf sonderpädagogische Gutachten überschüttet wurde. So haben wir kurzfristig den Elternabend für die neuen Fünftklässler auf den Juli verschieben müssen.

Auf meiner Agenda (wörtlich aus dem Lateinischen: „das zu Tuende“) stand seit langer Zeit auch der Besuch der zuständigen Schulreferentin des Bistums Speyer in der Fachkonferenz katholische Religion. Da sich die Zahl der IGSn erhöht hat, will die Referentin alle neuen Schulen besuchen und kennen lernen. Natürlich war vor dem Termin ein Vieraugengespräch mit dem Schulleiter gewünscht. Hier stand ebenfalls das Kennenlernen im Vordergrund. Auch bei mir handelte es sich um einen „Erstkontakt“ mit dem Bistum sowohl als Lehrer als auch als Schulleiter. Auf der Liste der Gesprächswünsche standen auch die Stundentafel und die Arbeitspläne, also durchaus kontrovers ausgerichtet sein könnende Themen. Wir konnten aber einen an den Vorgaben angelehnten Abschluss finden, mit dem beide Institutionen ihre Aufgabe erfüllen können.

Am Abend tagte der Schulelternbeirat. Nach der verschickten Tagesordnung hätte es eine relativ kurze Sitzung werden können, denn es standen nur zwei Punkte drauf. Wer Gremienarbeit kennt, weiß aber um die Fallstricke, Detailfragen und Interaktionen von Sitzungen. Vor allem unter dem Punkt: „Verschiedenes“ taucht so etwas auf wie: „Ja, wenn wir schon mal den Schulleiter da haben…“, so dass die Sitzung doch eine der längeren wurde. Viele Zusammenkünfte in dieser Konstellation wird es nicht mehr geben, die Wahlperiode endet im September, dann wird neu gewählt. Einige haben schon bekundet, nicht mehr kandidieren zu wollen, von anderen verlassen die Kinder mit dem erzielten Abschluss die Schule und können sich daher nicht mehr aufstellen lassen. Sprich: Der vierte Schulelternbeirat wird ein anderer sein – wehmütige Gestimmtheit beim Schulleiter, der gerne in Kontinuität arbeitet und menschlich gelungenes Miteinander genießt. Da wird er sich aber auf eine neue Crew einlassen müssen…

 

Samstag, 10. Mai 2014:

Eine E-Mail hat mich so gefreut und berührt, dass ich sie hier festhalten will. Meine ehemalige Schule feiert ihr 20-jähriges Bestehen und plant auch ein Treffen ehemaliger Lehrkräfte und Schüler/-innen. Dazu wurde ich eingeladen und das Zitat eines Schülers meiner ehemaligen Klasse beigefügt. Er war damals ein Junge der aufwändigeren Art und er hatte sich immer wieder eine ganze Reihe von Problemen angesammelt, vor allem, weil ihn vereinbarte Regeln eher dazu verführten, sie zu durchbrechen als einzuhalten. Dennoch: Er war Schüler meiner Klasse und bei so manchem Konflikt „arbeiteten wir uns aneinander ab“. Eben dieser Junge, heute wohl ein junger Mann, wird in der E-Mail mit den Worten zitiert: „Kommt Georg auch? Den Mann hab ich verehrt, geliebt hab ich den!". Wieder ein wunderschönes Beispiel dafür, dass sich die Arbeit des Lehrers so unendlich lohnen kann, dass sie Lebensläufe beeinflussen kann, dass sie Orientierung geben kann – gerade nicht nur bei denen, die „glatt“ durch die Schule kommen, sondern eben auch (oder vor allem?) bei denen, die sich nicht oder kaum im Leben zurecht finden, warum auch immer. Welch ein Segen können wir sein, welch eine Stütze, welch eine Verantwortung tragen wir morgens mit in die Schule. Jeden Tag aufs Neue sollten sich Pädagogen um die Grundhaltung bemühen: Nein, ich gebe gerade diese/n Schüler/-in nicht auf, werde weiter an ihn/sie glauben, werde zu ihm/ihr stehen, komme, was da wolle an Enttäuschung, an Begleitung und Unterstützung auf mich zu. Sollten wir uns beim Treffen der Ehemaligen begegnen, werde ich ihn neugierig danach fragen, wie es weiterging, welchen Weg er beschritten hat und was er heute macht.

  

Freitag, 09. Mai 2014:

Ein paar Worte weniger als gestern sollten es heute sein, vor allem wurden sie geschrieben: Nach dem Gespräch gestern galt es heute, das Exposé für die neue Runde im Trialog-Wettbewerb zu formulieren. Nur von zwei kürzeren Gesprächen und einem Vorstellungsgespräch unterbrochen, hatte ich den ganzen Vormittag dafür Zeit. Das diesjährige Thema lautet: „Trialog vor Ort – Schulen werden aktiv“. Gestern Abend machte ich mir bereits Notizen zu den sieben verschiedenen geforderten Punkten: Es ging um ein Kurzportrait der Schule und der beteiligten Lerngruppen, um Inhalte und Themen unseres Beitrages, um didaktische und methodische Ansätze, um das Projektmanagement, darum, wie wir das Projekt in der Schule verankern, um Einbindung des schulischen Umfeldes und um außerschulische Kooperationspartner – kurz: um elf Seiten, die am Ende darüber entscheiden, ob wir für eine zweite Runde in diesem Wettbewerb zugelassen werden, sprich: ob das Exposé von der Jury der Herbert-Quandt-Stiftung als förderungswürdig angesehen wird. Per Mail habe ich es – oh, wie einsam sind Freitagnachmittage an der Schule - nach Bad Homburg gesandt. Wir hatten gestern vereinbart, dass ich am Nachmittag zur telefonischen Beratung bei der Stiftung anrufen könne. Das nahm ich gerne wahr und erhielt einige wertvolle Hinweise, die ich noch berücksichtigt und eingefügt habe. Nun bleibt das Warten auf die Entscheidung der Jury. Noch aber ist in der aktuellen Runde einiges zu tun.

Der Tag hatte mit dem Bus der England-Fahrer begonnen. Wenn ich regulär morgens an die Schule komme, ist noch kaum was los. Einzelne Schüler/-innen sitzen auf einer der Bänke im Hof, der Hausmeister wartet auf die täglichen Absprachen – ansonsten morgendliches Gähnen des Schulgeländes. Heute wuselten die von der Busfahrt übernächtigten Schüler/-innen schon um 7.15 Uhr um den Bus, erfreute (oft ebenfalls müde ausschauende Eltern) nahmen sie in Empfang, Gerenne auf die Toilette (endlich!!) – kurz ein völlig anderer Morgen als sonst.   

 

Dienstag, 06. Mai 2014:

So langsam wird es ernst: In einem etwas längeren Telefonat habe ich heute mit dem Leiter des Kreisbauamtes das weitere Vorgehen in Sachen „Dritter Bauabschnitt“ besprochen. Der Schulträger wird ab heute die auf die Ausschreibung hin eingegangenen Bewerbungen nach einem ausgetüftelten Punktesystem bewerten. Dann wird eine den Zuschlag bekommen. Noch im Mai wird dann ein Treffen an der Schule stattfinden, in welchem der genauere Auftrag abgesprochen werden wird, unter anderem sollen dabei auch die Wünsche der Schule nochmal zur Sprache kommen. Inzwischen scheint es festzustehen – steht ja bereits in der Zeitung -, dass der Bestandsbau ebenfalls saniert wird: neue Heizung, neue Fenster, je nach energetischer Sanierung auch fast eine Entkernung des Bestandsbaues. Das ist sehr schön zu hören, dennoch schmecke ich bereits den Baustaub auf der Zunge, denn die Arbeiten werden auch bei laufendem Schulbetrieb durchgeführt werden.

Gleichzeitig stehe ich Kontakt mit dem „Institut für Lehrergesundheit“, das angeboten hat, die Planungen hinsichtlich der Arbeitsgesundheit (etwa: Nachhallwerte in den Klassenräumen und verwendete Materialien) zu begleiten. Ebenfalls sind wir dabei, für die einzurichtende Bibliothek ein Konzept zu entwerfen. Im heutigen Gesamtteam wurden dabei bereits Eckpunkte festgeklopft: Es soll nicht nur ein „Ausleihraum mit in Regalen gelagerten Bücher“ sein, sondern wir wünschen uns einen modernen und flexibel einsetzbaren Medienraum mit der Möglichkeit digitaler Recherche- und Arbeitsmöglichkeiten, Sitz- und Gesprächsnischen und beweglichen Raumelementen, die mit wenig Aufwand für Gruppenarbeiten Möglichkeiten bieten. Wie das alles unterzubekommen ist, wird nun eine „intelligente“ Planung zeigen müssen. Finanzierbarkeit ist dabei wohl ein erstes Hemmnis. Wir werden sehen, was daraus wird.

Durch zwei Zeitungsartikel angeregt, wird derzeit verstärkt wieder die Oberstufe angefragt. So ist das: Steht ein ungenauer Hinweis in der Presse, steht bei uns das Telefon nicht still, so, als hätte es unsere Anmeldefrist nicht gegeben. Ist ja dennoch ein schöner Zustand, wenn die Schule weit über den Zeitraum in der Presse präsent ist und nachgefragt wird. Kontakte zum hiesigen Gymnasium bahnten sich an, wachsen und könnten gar in eine Kooperation münden. Diese Kontakte sind immens hilfreich, kann dadurch doch Erfahrungswissen aus vielen Jahren in unsere neu entstehende junge Oberstufe einfließen. Will sagen: Eine in vielen Bereichen interessante Zeit ist da angebrochen, die eine völlig neue Phase einleiten wird und in das erste Abitur in Deidesheim seit Verleihung der Stadtrechte münden wird, im März 2017!

Noch etwas ist erwähnenswert: Im Europawettbewerb hat eine Schülerin einen ersten Landespreis erzielt (Verleihung noch im Mai in Mainz), eine Gruppe aus den Naturwissenschaften ist gar nach Berlin in die Endrunde eines Klimawettbewerbes eingeladen. Dort können unsere Schüler/-innen den Betrag des gewonnen Geldpreises steigern, der in der Schule in Sachen Klima zweckgebunden verwendet werden muss. Klasse! Jeder Preis wird der Schule insgesamt zu einem immer bunteren Aushängeschild gereichen. Und noch sind nicht alle Wettbewerbe ausgewertet…