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März bis April 2015

 

Mittwoch, 29. April 2015:

Es gibt Sätze, die sofort gut klingen, die aus dem Stand heraus mein Interesse und meine Phantasie beflügeln und mich dann nicht mehr loslassen. Der heutige erreichte mich auf der Einladung des Ministeriums für die Dienstbesprechung mit den Schulleiter/-innen von Schwerpunktschulen. Vermutlich aus Bildungsgründen wird dazu häufig ein Referent geladen, der zu einem aktuellen Thema ein Einleitungsreferat hält. „Vom Hocker gehauen“ hat mich bisher keines. In diesem Jahr habe ich meine Skepsis zunächst einmal aufgegeben, den der Vortrag steht unter dem Titel: „Von der Lust am Gelingen und dem Glück des Scheiterns“. Was mag sich wohl hinter diesem Titel verstecken? Von der Neugierde gepackt, recherchierte ich gleich über den Vortragenden im Netz und fand heraus: Er kam mit verstümmelten Armen und einem verkürzten Bein zur Welt, hat mittels einer Prothese bei den Paralympics mehrere Goldmedaillen im Tischtennis errungen, ist evangelischer Pastor und tingelt zusätzlich als Kabarettist durch die Lande – welch eine Mischung! Zwei Aufsätze habe ich mir gleich runtergeladen. In dem einen definiert er Inklusion als die „Kunst des Zusammenlebens von sehr verschiedenen Menschen“ – herrlich treffend und befreiend! Er spricht auch nicht von Behinderungen, sondern von Grenzen – und diese hat schließlich jeder, denn keiner ist „grenzenlos“. Was ich da bisher nur „kurz angelesen“ habe, macht mich so neugierig, dass ich vor der Dienstbesprechung so viel wie möglich über Rainer Schmidt erfahren will. Knapp vier Wochen bleiben mir dazu noch!

Eine weitere Seltenheit: gleich zwei Vorstellungsgespräche waren auf den heutigen Tag terminiert. Die beiden Kolleginnen wollen aus unterschiedlichen Gründen zu uns: Die eine will sich in die Vorderpfalz versetzen lassen und arbeitet bereits an einer IGS, die andere hat ihr Abitur an meiner früheren IGS gemacht, hat dann auf gymnasiales Lehramt studiert und will unbedingt an einer IGS arbeiten, weil sie, nicht nur biografisch, von dieser Schulform überzeugt ist. Mit einer Reihe von Anekdoten angereichert, bestätigte sich, was ich auf dem ganzen Weg zur Oberstufe behauptet habe: IGS-Absolvent/-innen sind bestens auf das Studium vorbereitet! Zwei Gespräche also, die für mich persönlich verdächtig nahe an die Pflicht zur Vergnügungssteuer herankamen.

 

Dienstag, 28. April 2015: 

Die Didaktische Leitung einer IGS wirkt jahrgangsübergreifend in allen konzeptionellen Fragen, so dass ich die kommissarische Einweisung auch in Anwesenheit von allen vollziehen wollte. Zum anderen mussten wir uns ja darüber verständigen, ob wir an dem Angebot der pädagogischen Werkstatt teilnehmen wollen. Es bot sich also an, heute ein zumindest verkürztes Gesamtteam einzuberufen. Schön, wie die Didaktische Koordination mit Beifall in der neuen Funktion „empfangen“ wurde. Ich glaube, das war ein wertschätzender und gelungener Start. Auf die kommende Zeit bin ich daher umso gespannter. Damit ist das Schulleitungsteam nahezu komplett: drei Stufenleitungen in der Sekundarstufe, eine für die Oberstufe, Organisationsleitung, Didaktische Koordination und meine Wenigkeit. Das wird eine ganz neue Zusammenarbeit werden, neue Interaktionen werden wirken. Die Atmosphäre gestern war aber stimmig und hat, da wir uns alle ja schon länger kennen, ihre bisherige Fortsetzung gefunden.

Für mich ein ganz wichtiger Schritt war im Gesamtteam weiterhin die eindeutige Mehrheit für die pädagogische Werkstatt. Freilich liest sich das Programm so, wie es für Geldgeber „klingen“ muss und steht noch ganz ohne Umsetzung etwas „nackt“ da. Ich bin dennoch „guter Hoffnung“, dass daraus für unsere Schule wesentliche Impulse in der Unterrichtsentwicklung entstehen. An einen „Leerlauf“ glaube ich bei diesem Kollegium nicht, zumal inhaltlich die Themen auf dem Programm stehen, die uns unter den Nägeln brennen: Heterogenität als Reichtum für den Unterricht zu nutzen, Leistungen neu und differenziert messen (und damit Abschlüsse klarer fassen). Also: Nutzen wir die Gunst der Stunde und hoffen, dass unsere Schule in den Kreis der zehn teilnehmenden IGSn aufgenommen wird.

Damit war aber noch nicht Feierabend für mich. Schulträger und Verbandgemeinde hatten mich zu einem Gespräch hinsichtlich eines Caterer-Wechsels geladen. Ich ging davon aus, dass nach dem letzten Gespräch in der Schule bereits alles geklärt sei. Heute nun die erneute Erfahrung: Gehe zurück zum Start! Ein Essensanbieter, der unsere Vorstellungen weitgehend erfüllt war doch schon gefunden. Er bereitet das Essen täglich frisch zu mit Zutaten aus der Region. Eine Anmeldung muss nicht zwei Wochen zuvor erfolgen, sondern kann täglich bis halb zehn Uhr stattfinden. Der Transport von Haßloch zu uns war geklärt, ein ab zehn Uhr geöffnetes Kiosk war auch geplant, vor allem, um den Oberstufenschüler/-innen in den Freistunden etwas anbieten zu können  – nun stellt sich plötzlich der Essenspreis in den Weg! Kann nur heißen: Weiter verhandeln, nochmal Gespräche führen, nochmal durchrechnen, Pläne schmieden, wie wir die Teilnehmerzahl am Essen so hochschrauben können, das der Preis pro Essen annehmbar bleibt (An Landkreisschulen darf er nicht über 4 Euro liegen!).

„Haben Sie noch zehn Minuten Zeit?“ – „Wenn es um den Bau geht, immer!“. Auch dort ist inzwischen wegen der neuen Situation ein Projektstopp verfügt. Oberstes Ansinnen ist für die Schule: Schnellstmöglicher Baubeginn! Im Sommer stehen weitere 80 Oberstufenschüler/-innen vor der Tür. Derzeit gibt es nicht einen Quadratmeter für sie! Was sind das für spannende Zeiten! Alleine heute tauchen drei „Zukunftsthemen“ auf, welche die Schule enorm beeinflussen werden – bei zweien ist kein Fortschritt feststellbar, das dritte muss sich als „zukunftsträchtig“ erweisen!

 

Freitag, 24. April 2015:

Heute sollen die Zugverbindungen wieder normal eingerichtet sein, nachdem wir an zwei Tagen den Unterricht früher geschlossen haben. Am ersten Tag wollte ich nur die früher entlassen, die vom Streik der Lokführer und damit von den ausfallenden Zügen betroffen sind. Zu kurz gedacht: Wie soll das Sekretariat oder gar ich das kontrollieren können? Es ging weniger um die Hauptstrecke Bad Dürkheim nach Neustadt, sondern um die Anschlusszüge. Außerdem können wir bei über 700 Schüler/-innen nicht ausmachen, wer wegen des Streiks welchen Anschluss nicht bekommt. Also erweiterte ich den früheren Unterrichtsschluss auf alle Fahrschüler, nicht bedenkend, dass dann Kurse und Klassen zu fünft da saßen. Konnte nur heißen, am zweiten Tag schließt die Schule für alle nach der sechsten Stunde. 

Heute kam der ersehnte Brief, dass ich eine erfolgreiche Bewerberin in die Stelle der didaktischen Koordinatorin einweisen darf. Damit findet ein lange anhaltendes Vakuum ein Ende und das Schulleitungsteam vervollständigt sich immer mehr. Vor allem aber kann dieser wichtige pädagogische Bereich von einer Verantwortlichen bearbeitet werden. Das wird uns alle in der pädagogischen Arbeit sicherlich ein gutes Stück voranbringen. Auf diesem Feld ist einiges liegen geblieben und weiteres steht an. Damit haben wir ab kommenden Dienstag bis auf den Stellvertreter, der mir persönlich Arbeit abnehmen kann, alle Funktionsstellen besetzt. So ganz langsam nähern wir uns dem abgeschlossenen Aufbau und sind dann eine komplette IGS. Kaum zu glauben!

 

Mittwoch, 22. April 2015:

Mit der Sitzung der Sprechergruppe der Direktorenvereinigung IGS in Bad Kreuznach lernte ich heute meine 27. IGS kennen, also war ich an rund der Hälfte aller Gesamtschulen zu unterschiedlichen Anlässen zugegen. Das mag unter anderem auf mein Dienstalter hinweisen! Im Wesentlichen ging es um die weitere Vorgehensweise hier und da. Ein wichtiger Punkt und ein Herzensanliegen von mir: Bei den inzwischen zahlreichen Gesamtschulen im Land gilt es, auch von der Direktorenvereinigung ein Gerüst an Inhalten abzustimmen, die eine IGS ausmachen. Was meine Positionen darin ausmachen, wird ja demnächst in meinem Buch nachzulesen sein. Allerdings erwarte ich nicht, dass darin alle Punkte auf Konsens stoßen. Aber ich kann weder meine eigene Geschichte noch die über 20 Jahre Erfahrung an verschiedenen Gesamtschulen in unterschiedlicher Funktion verleugnen oder übergehen. Das wird mit Sicherheit ein spannender Prozess werden und er ist gerade deshalb so wichtig.

Noch etwas fiel mir in Bad Kreuznach auf: Wenn wir immer wieder den Doppelstandort bemängeln, so hat seine Richtigkeit. Die „Anlage“ in Bad Kreuznach, ebenfalls aus zwei ehemaligen Schulen zusammengelegt, ist derart weitläufig, dass die weiten Wege an einem (!) Standort zu Fuß kaum weniger Zeit benötigen als ein Standortwechsel bei uns mit dem Auto. Von der Kompaktheit des Gebäudes bei uns ganz zu schweigen. So ist es immer wieder heilsam, den Blick zu erweitern.Dienstag, 21. April 2015:

Die zweite externe Evaluation der Schule durch die AQS ist abgeschlossen. Ein solcher Besuch bringt dann doch immer wieder zusätzliche Organisation und seien es nur Kaffee und „was zu beißen“, der Schlüssel, ein Raum und ein wenig persönliche Betreuung. Die Teamleiterin sagte, heute seien die Kolleg/-innen schon nicht mehr so nervös gewesen wie gestern, aber an IGSn ohne großes Lehrerzimmer könnte sich das AQS-Team am ersten Tag auch nicht vorstellen und dadurch eventuell Ängste oder Vorbehalte abbauen. Teamräume sind mir dennoch wichtiger! Außerdem hätten sie „alles“ gesehen von schönen differenzierten Stunden bis zu gleichschrittigem Vorgehen.

Gestern erreichte mich noch ein E-Mail mit dem Angebot, dass zehn IGSn an einer pädagogischen Werkstatt teilnehmen könnten. Das wäre genau eine Sache für uns, denn der Titel lautet: „Umgang mit Heterogenität und Individualisierung“. Die Werkstatt ist auf ca. zwei Jahre angelegt und wird von zwei Referenten der Robert-Bosch-Stiftung begleitet, welche wiederum die Akademie des deutschen Schulpreises betreut – also hochkarätige besetzt ist. Vor allem aber bietet die Werkstatt Zeit! Im Laufe der zwei Jahre finden fünf Studientage zu unterschiedlichen Themen statt. Drei Aspekte, die bei uns immer wieder zu Unzufriedenheit führen: Wann sollen wir das machen? Wie geht das? Uns fallen die heterogenen Lerngruppen unseres Differenzierungsmodells schwer! Voraussetzung ist aber der Beschluss der Gesamtkonferenz. Da das Projekt jetzt sehr kurzfristig für Gesamtschulen angeboten wird - von einer anderen Schulart, für die es eigens gedacht war, gingen nur zwei Anmeldungen ein - drängt die Zeit. Anmeldeschluss ist schon der 5. Mai. Daher würde für die formlose Anmeldung eine Mehrheit des Gesamtteams ausreichen. Daher fügte ich in die Tagesordnung des Gesamtteams heute diesen Punkt noch ein. Da nicht alle die gestern erst versandten Mail-Anlagen gelesen haben, soll dies vor einer Entscheidung nun diese Woche stattfinden. Wie wir dann einen Beschluss herbeiführen, werden wir noch sehen.   

 

Freitag, 17. April 2015:

Einsatz meiner Ukulele in zwei weiteren Musikklassen. Zwischendrin machte ich folgende Erfahrung, die mich schmunzeln ließ: Ich kenne den C-Durakkord auf der Ukulele inzwischen auswendig. Durch das langjährige Gitarrenspiel hat sich auch dieser Akkord für die sechs Gitarrensaiten in Gehirn und Hand eingegraben. Auf der Ukulele wird er natürlich anders gegriffen. Mitten im Lied wollte meine Hand auf den „Gitarrenmodus umswitchen“, fand aber nicht genügend Saiten dafür. Mein Gitarrenlehrer kam mir in den Sinn, der immer vom „Gedächtnis der Finger“ sprach. Hier kam es zum Vorschein, weil ich die Greifhand mit dem neuen Instrument in die Irre führte.

Ernsthafter ging ich beim Verfassen einer Stellungnahme für den Schulträger zur Sache. Mit Argumenten und Erfahrungen aus dem Schulalltag setzte ich die zeitnahe Umsetzung der Baumaßnahme an die erste Stelle. Diese ließe sich auch so umsetzen, dass eventuell spätere Ideen nicht verhindert würden. Wichtig sei mir aber, dass die Zeit der Vorplanungen nun endlich in das Stadium der Realisierung überginge, weil die Zeit dränge. Der neue Elfer-Jahrgang verfügt noch über keinen Quadratmeter Unterrichtsraum! Ein langes Telefonat „zur Unzeit“ war die Folge. Es belegte über 30 Minuten meiner Zeit, die eigentlich für die Vorbereitung des Studientages gedacht war. Endlich dort angekommen, musste ich mir die Kritik gefallen lassen, die Vorbereitungsgruppe „sitzen gelassen“ zu haben. Weil mich der Anruf mitten während eines Standortwechsels mobil (im Auto) erreichte, konnte ich niemanden informieren. Ich fuhr den Parkplatz der Verbandsgemeinde Wachenheim an, weil ich beim Autofahren nicht telefonieren wollte, und war dort „gefesselt“. Schließlich geht es mit dem Bau um wichtige Weichenstellungen für die gesamte Schule und da ist gerade eine immens wichtige Phase, die alles nochmal in Frage stellt, eingeläutet. Bei der Vielzahl von Themen kann ich derzeit wohl nichtmehr jedem gerecht werden. Schlimm genug, aber müssen wir erstmal durch und Kritik aushalten.

 

Mittwoch 15. April 2015:

Mein Dasein als Musiklehrer erfuhr heute eine wesentliche Bereicherung. Mein Geburtstagswunsch nach einer Ukulele hatte sich erfüllt. Während der Ferien hatte ich schon die anderen Akkorde geübt, hatte geschaut, wie sich unser Schulkanon begleiten ließe und heute nun stand das kleine Instrument im Mittelpunkt meiner beiden Musikstunden. Ich spielte kurz darauf eine Akkordfolge in C-Dur, weckte damit die Neugierde der Kinder und ließ das kleine Instrument dann durch die Reihen gehen – auch um zu verdeutlichen: Nein, das ist keine Kindergitarre zum Spielen sondern ein richtiges Instrument. Anschließend der Kanon. Würde der Klang des kleinen Resonanzkörpers für die Begleitung des Gesanges einer ganzen Klasse ausreichen? Oh ja! Dadurch ermuntert packte ich unsere selbstgemachten Rhythmusinstrumente (Schellengabeln aus Kronkorken und mit Erbsen gefüllte Plastikflaschen) aus, ich schaute mir die weiteren Akkorde auf der Grifftabelle an und dann erklang „I Like The Flowers, rhythmisch angereichert und mit Ukulele-Begleitung. Herrlich!

Ein guter Start in den Tag, der noch eine Besonderheit im Köcher hatte: das zweite Auswahlverfahren für den stellvertretenden Schulleiter. Zwar besuchte ich das benachbarte Gymnasium schon des Öfteren, aber die Beurteilung eines Fremdunterrichts (Schließlich kann ein stellvertretender Schulleiter in die Situation kommen, eine dienstliche Beurteilung schreiben zu müssen) ermöglichte mir es dieses Mal, am Unterricht teilnehmen zu können. Die anschließende Dienstbesprechung ließ den Kontakt zu mehreren Kolleg/-innen zu, andere traf ich auf dem Flur – wunderbar, dass sich bereits eine Kooperation auf anderen Ebenen angebahnt hat, die das Wiedersehen auf diesem Weg beflügelte. Spätestens bei unserem ersten Abitur werden wir weiter davon profitieren!

 

Dienstag, 14. April 2015:

Eigentlich sollte es eine Routinesitzung des Bauausschusses sein: Wenn es um große Bauvorhaben geht, tagt dieser schon mal vor Ort. Heute sollte es darum gehen, dass die Ergebnisse der Voruntersuchungen und die damit verbundenen Bauvorhaben vorgestellt werden. Wenn im Vorfeld die Gremien informiert sind und bereits diskutiert haben, geht die Abstimmung besser voran und im Kreistag verkürzt sich dann die Diskussion. Dass nicht alles so vonstattengehen würde, wurde mir bereits klar, als ein Termin vor der Ausschusssitzung mit mir gesucht wurde. Dabei: Kreisvertreter und Architekten, hmm, was da wohl kommen wird, denn kryptische Vorankündigen am Telefon („Damit Sie vor der Sitzung informiert sind und Neues nicht zum ersten Mal hören“). Dann wurde schnell klar: Was heute verkündet werden sollte, wirft fast alles über den Haufen. Die Gebäudeteilöffnung während der Osterferien hat ergeben, dass die Statik des Bestandsbaues nun doch keine vorgehängte Fassade tragen kann. Insgesamt bedeutet dies, dass notwendige Sanierungen die Kosten eh schon hoch getrieben haben. Nun kämen noch Betonsanierung für die gesamte Südfassade hinzu. Da müsse jetzt spitz gerechnet werden, ob Abriss nicht doch günstiger wäre. Vor allem unter Berücksichtigung der Möglichkeit, dass der Gebäudeteil A (Fachtrakt) unangetastet bleiben könnte. Will sagen: Die komplette Planung stockt. Ein Neubau könnte auch das alte Konzept (das mir so gut gefallen hatte) mit dem Prädikat „überholt“ versehen. Keine Brücke mit der Verwaltung, keine abgesteckten Bereiche für die Jahrgänge, Trennung von Klassen- und Fachräumen, nicht die große Kompaktheit des Gebäudes. Dabei hatten wir die Steckdosen und Anschlüsse für alle Räume doch bereits geplant! Jetzt ist erstmal alles gestoppt, bis die Kostenrechnungen vorliegen. Den Baubeginn im November können wir damit sicher auch vergessen. Der Vorteil wäre natürlich, dass ein Neubau die Bauabschnitte auf die Zahl zwei und die Anzahl sowie die Zeit in Containern deutlich reduzieren würde. Am Ende stünde eine neue Schule da. Allerdings, auch das ist damit verbunden: Alle neuen Klassenräume würden bei einem Neubau kleiner werden, denn dann würde die Schulbaurichtlinie umgesetzt, die weniger Quadratmeter vorsieht, als diejenige, die beim Bau 1968 gegolten hatte. Dafür bekämen wir einen repräsentativen Eingangsbereich. Mein Begehr ist in erster Linie: Es soll bald losgehen. Der Zustand für die Oberstufe ist nicht zufriedenstellend und 2017 sollen die ersten ihr Abitur ablegen. Der Weg dorthin wird immer kürzer!

 

Samstag, 11. April 2015:

Während der Osterferien fand eine Kulturfahrt nach Weimar statt. Per SMS hatte ich Kontakt zu der Gruppe und weiß, dass sie gut zurückgekommen ist.. In Zeiten von Busunglücken und Flugzeugabstürzen eine frohe Botschaft. Die Ängste einiger Eltern, dass neben dem Besuch von Goethes „Faust“ im Theater  auch eine Führung durch das Konzentrationslager in Buchenwald auf dem Programm stand und dies ein „zu harter Brocken“ für die Kinder der achten Klasse sei, haben sich nicht bestätigt. Wie glücklich sich eine Schule doch schätzen kann, wenn Lehrkräfte während der Ferien solche Fahrten auf sich nehmen!

Auf meinem Ferienprogramm stand die Fertigstellung eines Buches ganz oben an. Zunächst sollte es ja nur eine Broschüre werden, die inhaltlich über die IGS informiert. Nach und nach gesellten sich noch andere Themen hinzu: So wertete ich die Studie „Visible Learning“ von John Hattie für die IGS aus. Sie ist seit ein/zwei Jahren in vieler Munde und immer wieder hörte ich, dass damit die IGS in Begründungsnot gerate, weil sie die Lehrerinstruktion und den Frontalunterricht als wirksam für effektives Lernen herausstellt und die Schulform dagegen als nahezu wirkungslos. Bedeutsam erscheint diese Studie deshalb, weil sie keine neuen Daten erhoben hat, sondern sich auf Daten aus über 50.000 Einzelstudien mit insgesamt 83 Millionen teilgenommener Schüler/-innen bezieht. Diese vielen Studien wurden bereits in über 800 Metastudien zusammengefasst, die Hattie nochmals zu einer Meta-Meta-Studie zusammengefasst hat. Mein Ergebnis lautet: Man kann sich durchaus gegen die Gesamtschule als Schulform positionieren, aber man kann bei genauer Betrachtung dazu nicht die Ergebnisse der Hattie-Studie nutzen.

Ein weiteres Kapitel kam unmittelbar vor den Osterferien zustande: Ein historischer Rückblick zur IGS, beginnend bei der Direktive Nr. 54 des Alliierten Kontrollrates aus dem Jahr 1947, die nach dem Sieg über Nazideutschland ein „horizontal organisiertes Schulsystem“ statt eines gegliederten für eine kommende demokratische Gesellschaft für das einzig angemessene hielt. Die Gründung der föderalistischen Bundesrepublik mit ihrer Kulturhoheit der Länder ließen es aber nicht dazu kommen. Erst die Bildungsdiskussion ausgangs der 60ger Jahre brachten 1965 mit der Gründung des „Deutschen Bildungsrates“ wieder Bewegung in das inzwischen wieder etablierte gegliederte Schulsystem in Deutschland. Auch dieser forderte mehr Chancengleichheit im Zugang zum Schulwesen und entwickelte eine flächendeckende Einführung eines in drei aufeinander folgenden Stufen organisiertes Gesamtschulsystem. Auch dies scheiterte an den konservativ regierten Ländern Bayern und Baden-Württemberg, welche das Mandat des Bildungsrates nicht verlängerten, während die SPD-geführten Länder Gesamtschulen, zunächst als Modellschulen, später als Regelschulen einführten.  

Gerade die Auseinandersetzung mit dieser Zeit machte mir großen Spaß. Ich besorgte mir die Beschlüsse des „Deutschen Bildungsrates“, die für drei/vier Euro (!) antiquarisch zu bekommen waren und las diese wie ein Krimi. Mit Beiträgen aus Schulleiters Tagebuch 1 bis 3 ist nun ein 160seitiges Buch entstanden, das alle für mich relevanten IGS-Themen behandelt. Gestern habe ich das Manuskript (oder besser: das scriptum digitale) an „meinen“ Verlag übermittelt. Bin höchst gespannt, wann es dann fertiggestellt ist und wie es ankommen wird. Nach sechsmonatigem, „berufsbegleitendem“ Schreiben und Abschluss dieses Projektes kann denn morgen die Schule mit ihren derzeit vielen Themen wieder beginnen.

 

Donnerstag, 26. März 2015:

Gleich am ersten Ferientag drängt gleich wieder der Bau in den Vordergrund. Heute fand die Gebäudeöffnung mit dem Presslufthammer statt, um nachzusehen und sicherzustellen, dass die vorhandene Betonfssade stabil genug aufgehängt ist, um eine weitere „davorhängen“ zu können. Was heute zum Vorschein kam, sieht stabil aus. Das  könnte heißen, dass ein Abriss doch nicht stattfinden muss, da die Kosten für eine Sanierung der Fassade entfallen. Mal schauen, was die Fachleute vom Bau und die Statiker dazu sagen werden.

 

Mittwoch, 25. März 2015:

Im Rahmen des Trialog-Wettbewerbes fand gestern bei uns an der Schule eine Fortbildung mit dem Thema: "Über Länder, Grenzen und Sprachen hinweg - Eine interkulturelle Schreibwerkstatt" für Schulen des Landkreises statt. Immerhin knapp 25 Kolleg/-innen kamen und ließen sich von einem Schriftsteller zum Schreiben und Dichten animieren.

Ebenfalls musste sich termingerecht das schulscharfe Einstellungsverfahren noch vor den Osterferien abgeschlossen sein. Ohne Probleme konnte sich Auswahlausschuss auf eine Kollegin einigen. Sie wird uns, wenn alles gut läuft, ab Sommer unterstützen können.

Gefühlt waren die letzten Wochen „ein heißer Ritt“ durch vielfältige Themen und eine ganze Reihe von zusätzlichen Terminen. Und daher: Willkommen Osterferien!

 

Montag, 23. März 2015:

Noch früher als bei den „Reisen“ der letzten Woche startete ich heute nach Hermeskeil. Die dortige IGS hatte die Direktorenvereinigung IGS geladen. Zwar liegen die meisten Gesamtschulen im Süden von Rheinland-Pfalz, aber bei dortigen Treffen müssen die „Nordlichter“ immer weit fahren. Heute nun machten die Südländer auf den Weg. Bei der Begrüßung vernahmen wir Erstaunliches: Die Oberstufe steht in Hermeskeil vor dem „Aus“, weil die Politik sie in Mainz nicht beantragen will. In meinen Augen ist das nicht konform mit dem Schulgesetz. Dort heißt es in § 10 Abs. 6:

 „Die Integrierte Gesamtschule umfasst in der Regel eine gymnasiale Oberstufe nach Absatz 5, die zur allgemeinen Hochschulreife führt“. (Hervorhebungen: G.D.)

Das Ministerium halte sich deshalb zurück, weil der Schulträger  verantwortlich ist für den Antrag. Alle Initiativen liefen bisher ins Leere. Da tut es natürlich gut, wenn alle Direktor/-innen der IGSn des Landes dorthin fahren! Anlass für das Treffen war aber das turnusmäßige Treffen. Ein Rückblick zeigte, woran der achtköpfige Vorstand  seit der letzten Wahl zumindest mitgearbeitet hat. Zum Teil konnten wesentliche Veränderungen bewirkt werden, wenn auch nicht nur von uns betrieben. Vor allem, das ist wohl ein besonderes Kennzeichen, hat sich die Atmosphäre zwischen den Vereinigungen der einzelnen Schularten wesentlich entspannt. Aber 56 IGSn sind eben eine andere Hausnummer als fünf in meinem Anfangsjahr. Diese größer gewordene Zahl bedingt auch eine Strukturänderung des Vorstandes. Wenn auf der Ebene der Schulaufsicht regionale Netzwerke gebildet werden, sollten sich diese auch im Vorstand der Vereinigung wiederfinden. So wählten wir für die drei Bereiche Trier, Koblenz und Neustadt jeweils eine/n Sprecher/-in und eine/n Stellvertreter/-in, die direkt und regional mit den jeweiligen Anliegen ansprechbar sind. Auf Landesebene gibt es ebenfalls ein Duo als Ansprechpartner/-in des Ministeriums. Der so immer noch achtköpfige Vorstand mit neuen Aufgaben trifft sich in regelmäßigem Abstand zur Koordination. Kann eine gute Sache werden. Bei jedem Treffen werden zunächst neue Kolleg/-innen vorgestellt, die zum ersten Mal dabei sind und ebenfalls werden diejenigen verabschiedet, die beim nächsten Treffen bereits in Pension sind. Auf alle Fälle ist diese Arbeit interessant, führt zu dem Gefühl, nicht allein „vor sich hinzuwursteln“ und ermöglicht es, unter Umständen neue Gesamtschulen inhaltlich und konzeptionell zu unterstützen.  

 

Freitag, 20. März 2015:

Als Nachfolgeschule der Realschule plus ist die IGS immer noch die personalführende Schule für die damaligen Kolleg/-innen, die sich in Altersteilzeit befinden. Also kommt es immer wieder vor, dass ich Urkunden für Dienstjubiläen und Versetzungsurkunden in den Ruhestand „ausgeben“ muss. Heute durfte ich die für 40 Jahre Dienst an meinen Vorgänger aushändigen. Er kam zurück an den Ort, an dem er Jahrzehnte lang gearbeitet hatte, fand seine Dienstzimmer nicht mehr vor, weil dort inzwischen unser Sekretariat untergebracht ist, und staunte darüber, wie „seine“ Schule bald aussehen wird, als ich ihm die Bauvorhaben erläuterte. Wie er sich wohl gefühlt haben mag?

Die Kooperation mit dem Deidesheimer Jugendtreff fand heute ebenfalls ihre Fortsetzung. Wir besprachen das in den Sommerferien stattfindende Zirkusprojekt auf dem Schulhof, bei welchem wieder Schüler/-innen von uns im Catering-Bereich ein Praktikum absolvieren können. Und wir warfen einen Blick in Zukunft, wenn der Neubau des Jugendtreffs direkt neben der Schule eine Kooperation nahelegt. Da entsteht gerade so viel Neues, dass ein komplett anderes Arbeiten möglich wird in einem regelrechten Zentrum, bestehend aus Schule, Bewegungs- und Begegnungspark und dem Jugendtreff.   

Und da spielte noch eine Auswahl von Schüler/-innen beim alljährlichen Schultennis-Kleinfeldturnier in Maikammer. Vier der acht Teilnehmer konnten sich dabei unter den ersten Drei platzieren und brachten entsprechende Pokale mit. Glückwunsch auch von dieser Stelle!

 

Mittwoch, 18. März 2015:

Nach einem „Zwischentag“ in der Schule mit vielen Einzelkontakten und Gesprächen ging es  gestern wieder „auf Tour“. Die letzte Funktionsstelle ist ausgeschrieben: der stellvertretende Schulleiter. Die Besetzung ist für den August geplant, durch eine notwendige Zweitausschreibung zur Erweiterung des Personenkreises und des zweiten Auswahltermins wage ich schon mal, meine Zweifel an diesem Termin anzumelden. Es liegen zwei Bewerbungen vor, beide Bewerber haben sich bei mir vorgestellt und müssen sich jetzt dem üblichen Auswahlverfahren stellen: Besprechung eins Fremdunterrichts, Leitung einer Dienstbesprechung und das stellenbezogene Kolloquium. Der erste Termin führte mich heute nach Alzey, wieder an ein „Doppelgymnasium“ mit Parkplatznot. Wie ich es genieße, während einer Pause ein mir fremdes Schulgelände zu betreten, Atmosphäre zu schnuppern, Schüler/-innen nach dem Weg zu fragen und in fremden, aber doch irgendwie vertrauten „Schulmauern“ anzukommen. Donnerwetter, hat der dortige Schulleiter ein geräumiges und helles Büro! Natürlich schweifen dann meine Gedanken immer wieder an unsere bevorstehende Baustelle, die in Deidesheim unter anderem ein endgültiges Schulleiterbüro herstellen wird. Wenn ich denn mal gesund das Pensionsalter erreicht haben werde, blicke ich auf einen Dienst zurück, der in der Mehrzahl der Jahre auf oder in einer Baustelle stattgefunden hat, das fiel mir heute zwischendrin auf. Aber IGSn mit aufbauen zu können, ist diesen Preis wert. Ansonsten war es ein Tag des schweigenden Sitzens gestern, denn ich darf dabei sein, darf aber an keiner Stelle eingreifen.

Der gestrige Gedanke an ein „fertiges Schulgebäude“ wurde heute konkret weitergeführt: Mit dem Ingenieurbüro, das für die Elektrik zuständig ist, planten wir, über die großen Pläne gebeugt, jede Steckdose und Verteilerdosen, jeden Platz, an dem die Anschlüsse für eine eventuell mal vorgesehene interaktive Tafel vorbereitend installiert werden wird, ebenfalls lernte die sternförmige Vernetzung des gesamten Gebäudes kennen und die DIN-Norm, wie große Architekturpläne gefaltet werden, damit sie in A4-Ordner abgeheftet werden können. Immer stärker schleicht sich das Gefühl bei mir ein, den Endzustand des Gebäudes imaginieren zu können. Ich bewege mich gedanklich, anhand der Baupläne geübt, durch die fertigen Nawi-Räume, den großen Mehrzweckraum, der mit einer mobilen Trennwand den künftigen Raum für Darstellendes Spiel mit einbeziehen kann, stelle mir die Ausstattung vor, die dortige mobile Bühne…und da diese Vorstellungen an Bilder geknüpft sind, „sehe“ ich die neue Schule vor mir…

 

Freitag, 13. März 2015:

Das ruhige Leben, das meine Gegenstände im Büro führen, wurde heute für die Menora, den Kelch aus Taizé, die Mesusa und den in Leder gebundenen Koran jäh unterbrochen. Zum zweiten Mal sollten sie an unserem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten im Trialog-Wettbewerb der Herbart-Quandt-Stiftung die drei abrahamischen Religionen repräsentieren. Zusätzlich hatten Schüler/-innen wieder Plakate gestaltet, die das Projekt bei uns an der Schule illustrierten. Wir haben das diesjährige Thema „Schulen werden aktiv“ dahingehend erweitert, dass wir es um den Kontakt zu im Schulsprengel lebenden Flüchtlingen erweiterten. Fast spontan fuhren daher auch von ihnen Vertreter mit nach Mainz, so dass sich unser Wettbewerbsbeitrag in der Präsentation “lebendig“ darstellen ließ und nicht nur als Film präsentiert werden konnte. Ansonsten war mir der Ablauf, das Ambiente und die Atmosphäre, zum Teil auch die Personen, des Marktes bekannt. Obwohl ich mich in diesem Jahr nicht aktiv einklinkte, sollte der Schulleiter beim Markt dabei sein, um die Unterstützung zu verdeutlichen. Unsere Schülergruppe meisterte ihre Aufgabe, Schule und Projekt vorzustellen, hervorragend. An unserem Stand standen sie fachkundig Rede und Antwort. Mit einem wohligen Gefühl fuhr ich zurück in die Pfalz – einer der eher gemütlichen Tage mit vielen Kontakten, Gesprächen und ohne feste Aufgabe. Hinzu kam, dass unser Referent der Schulaufsicht diese in Mainz vertrat, eine weitere Gelegenheit, von unserer Oberstufe zu berichten, von Gesprächen mit Schüler/-innen, die mir zwischenzeitlich berichteten, dass sich die Wogen geglättet haben und etwas Ruhe eingekehrt sei. Außerdem stellte es für ihn eine eher seltenere Möglichkeit dar, eine seiner Schulen aktiv zu erleben und nicht nur mit Personalzuweisung oder Funktionsstellenbesetzung versorgen zu können. Das Wochenende konnte also wohlgemut und wunderbar beginnen, als ich gegen 18 Uhr zu Hause ankam.

 

Donnerstag, 12. März 2015:

Früh machte ich mich heute auf den Weg, allerdings nicht in die Schule sondern an den Rhein zu einem Studientag einer IGS im Aufbau, die gerade auf die Oberstufe zugeht. „Wir brauchen einen Referenten, der für die IGS ‚brennt‘. Da bist uns du als erster eingefallen. Könntest du am 12. März in die Jugendherberge Kaub kommen?“ Meine Aufgabe wurde vom Pädagogischen Landesinstitut so formuliert: Es ist im dortigen Kollegium nicht einfach, die Oberstufe als Aufgabe aller zu verstehen.“ Und das soll ich leisten? Zwar kenne ich aus meiner IGS-Zeit sowohl eine Trennung zwischen Sekundar- und Oberstufe, als auch das Bestreben, diese gerade zu verhindern. Nach einer kurzen Einleitung in die Gründungszeit der IGS mit der Absicht, eine Alternative für das gegliederte Schulwesen zu begründen, ging ich an meine Aufgabe heran. Damit verdeutlichte ich die eine Schule von Jahrgang 5 bis 13. Jedem/r Kolleg/-in gönne ich die vielfältige pädagogische Arbeit in der Sekundarstufe I und halte die Tutorenschaft ab Klasse 5 für den Königsweg in eine IGS, für jedes Lehramt. Gleichzeitig erinnere ich mich gerne an die Zeit, als ich in Mutterstadt in der Oberstufe (als Realschullehrer) mehrere Grundkurse in katholischer Religion durch die Oberstufe ins mündliche Abitur führen konnte, während ich gleichzeitig die Aufgaben eines Tutors und Stufenleiters in den Jahrgängen 5 bis 10 betreute. Aus allen IGSn kenne ich die Aufgabe, Schwerpunkte des pädagogischen Konzeptes nach Klasse 10 nicht versinken zu lassen, sondern in der Oberstufe auf ihre Weise fortzuführen und zu vertiefen. Prägnant lautete daher die Schlussfolie meiner Präsentation: Eine Schule – ein Konzept – ein Kollegium von 5 bis 13. Ein glücklicher Umstand kam mir dabei zu Hilfe. Ich hatte das Kapitel „Die Oberstufe an der IGS“, in dem Buch mit dem Titel „Deshalb IGS“, das ich seit den Sommerferien schreibe, gerade abgeschlossen. So konnte ich auf einen Fundus an fertigen Details zurückgreifen. Die Rückmeldungen deuten darauf hin, dass ich der mir gestellten Aufgabe gerecht werden konnte. Die anschließende Arbeit in Kleingruppen machte mir schlichtweg Spaß, weil ich wieder einmal erlebte, wie engagiert und mit welchem Elan ein fast durchweg junges Kollegium „ihre“ IGS aufbauen will. Zu der guten Stimmung hat sicherlich das wunderschöne Wetter beigetragen: Die Mittagspause in herrlichem Sonnenschein am Rheinufer zu verbringen, ist einfach herrlich.

 

Mittwoch, 11. März 2015:

Ich hatte mir im Kalender zwei Tage geblockt für das Erstellen des Gliederungsplanes, detailgetreu und „auf die Minute“ genau leitet sich ja daraus die Zuweisung an Lehrerwochenstunden für das kommende Schuljahr ab. Das macht ein möglichst störungsfreies Arbeiten notwendig. Von zu Hause aus ist das kaum zu machen, also bin ich erstmal nicht zu sprechen.

Und wieder das nächste Bau Jour fixe an der Schule. Was macht die Außenfassade? Es konnte keine Klärung erfolgen, also wird in den Osterferien der Presslufthammer das Gebäude in einer unverdächtigen Ecke „öffnen“ und die Aufhängung der Betonplatten überprüfen. Sollte sie sich als nicht tauglich für die vorgehängte Fassade erweisen, kommen wir langsam in den Bereich der Kosten, die einen Abriss des Bestandsgebäudes rechtfertigen würdigen. Man stelle sich die frühere Aussage nur mal vor: Für die Oberstufe fügen wir einen Anbau an. Was ist daraus nicht alles geworden: Prüfungen der Nachhallwerte, Messungen der Luftbeschaffenheit, statische Berechnungen, der sichere Abriss und Neubau des Verwaltungstraktes, Aufstockung des Fachtraktes und nun wird gar von Abriss gesprochen, parallel die Zusage der Dietmar-Hopp-Stiftung, den Sportplatz als Bewegungspark zu gestalten der eventuelle Neubau des Deidesheimer Jugendtreffs… Ich bin aufs äußerste gespannt, was daraus alles werden wird.

 

Donnerstag, 05. März 2015:

Von Anfang an hatte ich vor, dass die Außenanlage der Schule nicht ohne Schüler/-innen gestaltet werden dürfe – es sind doch diejenigen, für die es dieses Außengelände gibt, so dass ihre Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt werden müssen. Ideal empfand ich immer ein Projekt einer IGS, die an zwei Wochenenden den Schulhof mit über 200 Eltern und Schüler/-innen gestaltet haben. Mit zwei Standorten und nach immer noch nicht begonnenem Bau in Deidesheim wird dies wohl bei uns nicht zu realisieren sein. Dennoch: Unsere Schüler/-innen sollten ein Wort mitreden und das taten sie heute. In einem dreistündigen Workshop mit dem Landschaftsgestalter und einer Architektin konnten ca. 25 Schüler/-innen, die aus ihren Klassen und Jahrgängen geschickt wurden, ihre Ideen einbringen. Es besteht die Zusage, dass ihre Wünsche nun eingearbeitet werden. Da bin ich recht gespannt drauf! Wunderbar war zu hören, welchen Eindruck diese Truppe auf die Professionellen gemacht haben. „Es war enorm, wie kreativ und konzentriert Ihre Schüler mitgearbeitet haben!“ oder: „Dass eine solch große Schülergruppe über einen so langen Zeitraum diszipliniert mitarbeitet, hat uns überrascht. Auf diese Schüler können Sie stolz sein!“ Ich weiß zwar nicht genau, mit welchen Erwartungen (oder Befürchtungen?) die Gestalter angereist waren, aber es ist wiederum die Sicht Außenstehender, welche die  Reihe positiver Wahrnehmungen über unsere Schülerschaft vermehrt. Und wieder eigens erwähnt: Das Hochheben der Hand und das Warten auf Ruhe, die sich dann auch schnell einstellt. „Da spürt man doch deutlich die pädagogische Arbeit dieser Schule!“ – und genauso sehe ich das auch!

 

Mittwoch, 04. März 2015:

So, heute war ich dran. Zwar mit französischem Namen versehen (obwohl sich „Dumont“ von dem luxemburgischen Nicolaus Dumont ableitet, dessen Vorfahren sich in Spanien als „Del Monte“ nachweisen lassen), aber dennoch spreche ich kein Französisch. Aber mit tätiger Mithilfe durch den Deutsch-Französischen-Partnerschaftsverein kam dennoch ein gutes Gespräch zustande. Vor allem stellten wir anschließend resümierend fest: Die beiden Schulleiter kommen miteinander klar und streben einen Weg der Schulpartnerschaft an. Witzig an dem Treffen war, dass eine Karikatur in meinem Büro den Amtsbruder zu einer grundsätzlichen Übereinstimmung in Sachen Schulsystem anregte. Die Zeichnung zeigt verschiedene Tiere vom Goldfisch bis zum Elefanten, die aus Gründen der Gerechtigkeit alle die gleiche Aufgabe erhalten: „Steige auf diesen Baum!“ Sie ist vielfach als Begründung für Individualisierung und die Gesamtschule verwendet worden. Ich selbst habe sie als Farbabzug zur Ernennung als Schulleiter erhalten. Spätestens heute hat sie sich als Wandschmuck bestens bewährt.

Wir erhielten bereits eine Liste mit ca. 70 Schüler/-innen aus Cuisery, die sich einen – früher sagte man: Briefkontakt - wünschen, heute wird dieser wohl eher per E-Mail oder facebook-Eintragungen stattfinden. Immerhin wäre dies eine erste konkrete Anbahnung. Nach sieben Jahren also erste erfolgreiche Schritte hin zu  einem regelmäßigen Kontakt, eventuell zu einer Schulpartnerschaft, ermöglich durch einen Wechsel des dortigen Schulleiters. Fühlte sich gut an!

 

Dienstag, 03. März 2015:

Schon wieder führte mich mein Weg nach Worms, allerdings in eine völlig andere Ecke. Im Schulzentrum, an welchem zwei Gymnasien miteinander Gebäudekomplexe teilen, fand die Frühjahrs-Dienstbesprechung mit der Schulaufsicht statt. Zwei große Gymnasien beieinander – da erlebe ich unsere Parkmöglichkeiten als paradiesisch. Selbst wenn wir während der Bauzeit auf den öffentlichen Platz des benachbarten Einkaufszentrums ausweichen müssen.

Eine ganze Reihe von wichtigen Punkten strömt bei solchen offiziellen Treffen auf uns Schulleiter ein, was gilt es da nicht alles zu beachten. Am Rande erfuhr ich auch, dass inzwischen noch eine Mutter bei der Schulaufsicht angerufen hat und sich über die Situation der Oberstufe zu beklagen. Natürlich steht es allen frei, bei der übergeordneten Stelle seine Anliegen vorzutragen. Es war ja aber zum einen kein singulärer Anruf und wieder einmal hat niemand zuvor mit mir gesprochen. Nicht weil ich mich als Schulleiter wichtig nehme, sondern weil ich die Stelle wäre, die Abhilfe schaffen könnte. Selbst ein formulierter und alle Klagen erläuternder Elternbrief findet hier anscheinend wenig Gehör. Hinzu kommt, dass die Schulaufsicht nichts über die Maßnahmen weiß, die wir bereits ergriffen haben und kann nur allgemein antworten. Sprich: Der Weg wäre über mein Telefon kürzer und die möglichen Erläuterungen genauer gewesen. Was motiviert also letztendlich, sich „gleich“ an die nächsthöhere Stelle zu wenden? Denn letztendlich landen die Probleme doch auf meinem Tisch, weil die Schulaufsicht nicht in den Ablauf einer konkreten Schule eingreift oder eingreifen kann. Ich stelle dies auch bei der Aufnahme in Jahrgang fünf fest: Ohne Rücksprache wird „gleich“ ein Anwalt konsultiert. Unabhängig davon, dass das Aufnahmeverfahren an IGSn nicht unkompliziert ist und kein „allgemein“ tätiger Anwalt sich darin auskennt, wird dasselbe doch von der juristischen Abteilung der Schulaufsicht bereits geprüft. Sollte die Erwartungshaltung unserer Elftklässler hierin gar ein Vorbild haben? Ist es ein gesellschaftlicher Trend, eigene Interessen mit „allen Mitteln“ (durch andere!) durchsetzen zu wollen, auch auf die Gefahr hin, sich eine „blaue Nase“ zu holen? Vielleicht ist das aber auch nur der Preis für eine fortschreitende Individualisierung, die sich an dieser Stelle aber in der Nähe von egoistisch auswirkendem Nicht-Hinnehmen-wollen bewegt. Oder will ich es ins Positive wenden und sagen: Ist doch gut, wenn Dinge nicht einfach hingenommen werden und Menschen sich wehren. Dazu bedürfte es allerdings der Einschätzung, wo der richtige Hebel anzusetzen ist und nicht die Tendenz, sich vermeintlich höhere Stellen für die eigene Sache dienstbar machen zu wollen. Eine interessante Zeit also!

Zu Besuch in der Schule sind heute der neue Schulleiter aus Cuisery, der Partnerstadt Wachenheims. Er will mit einem Besuch ausloten, wie die beiden Schulen zu einer festen Partnerschaft stehen. Da ich nicht zugegen bin, treffen sich erstmal die Französischlehrkräfte mit ihnen, morgen dann bin ich „an der Reihe“.

Der Tag war aber nach der Dienstbesprechung aber noch nicht zu Ende, denn der Landrat hatte, nach Anregung wohl der Schulsozialarbeiter/-innen des Kreises, zu einem „Runden Tisch Asyl“ eingeladen. Vermutungen, dass bei der derzeitigen Weltlage noch sehr viel mehr Flüchtlinge nach Deutschland und anteilsmäßig auch in den Landkreis kommen werden, machen Überlegungen auch im Bereich Schule notwendig. So erörterten wir Frage, wie etwa: Wo werden derzeit bereits Flüchtlingskinder in Schulen unterrichtet?  Wie gestaltet sich dieser Unterricht? Was wäre bei steigender Zahl notwendig? Wie können Kinder am besten gefördert werden? Vormittags informierte die Schulaufsicht bereits über ein „WiR-Programm“ des Landes, wobei WiR für „Willkommen in Rheinland-Pfalz“ steht. Sowohl der Kreis als auch das Land stellen dafür zusätzliche Mittel zur Verfügung. Das wird wohl noch ein ganz neues Thema in den Schulen werden. Ein zündende Idee, wie man schulisch dem hauptsächlichen sprachlichen Mangel begegnen könne, hatten wir nicht. Klar würde ein Konzentration von Kursen sinnvoller erscheinen als wenn jede Schule, wie derzeit bereits, ihre eignen Wege sucht und beschreitet. Bündeln von Ressourcen allerdings ist bei der Größe des Einzugsgebietes allein schon fahrtechnisch äußerst schwierig. Da werden wir noch sehr kreativ sein müssen. Aber der Ansatz, dass alle betroffenen Schulen mit der Schulaufsicht an einem Tisch sitzen, ist der richtige. Genaue Planung wird auch dadurch erschwert, dass sowohl die Zahl von Flüchtlingen als auch die Herkunft und Zusammensetzung von Familien nicht frühzeitig bekannt sind. Innerhalb einer Woche „stehen“ sie quasi vor der Tür. Mehr oder weniger adhoc müssen dann Lösungen her.