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März/ 2017

 

 

Freitag, 31. März 2017:

Richtig – es ist ja Ende März, da sollte der helle Belag am Jugendtreff aufgetragen werden. Einen Tag nicht an der Schule, schon wieder etwas nicht mitbekommen. Schön sieht das jetzt aus, die Pflanzen scheinen angewachsen, der junge Baum treibt ebenfalls junges Grün hervor – nun könnte der Innenausbau folgen…

Den ganzen Vormittag probten die Dreizehner in der Stadthalle für die abendliche Abiturfeier. Ich liebe diese Atmosphäre, das Kribbeln und die Hektik im Vorfeld eines solchen Abends, die sinkende Motivation, wenn die Probe schiefgeht, so als ob dies notwendig sein muss, damit es bei der Aufführung auch klappt (was bisher stets der Fall war). Natürlich kenne ich die Stadthalle in Deidesheim von mehreren, ich glaube von sechs Abschlussfeiern (einschließlich derer der Realschule plus), aber ich wollte ich den aktuelllen Eindruck mit der Oberprima aufschnappen. Wie sieht die Halle aus? Was erwartet mich heute Abend? Kriege ich was vom Programm vorab mit? So habe ich den Einmarsch der Prüflinge über den roten Teppich als Probe miterlebt, die letzten Anweisungen zu den Laufwegen gehört und einen gelungenen Sketch gesehen, der anscheinend ad hoc noch entstanden ist, die fast schon obligatorischen Schwachstellen oder Schwierigkeiten mit der Technik wahrgenommen und auch die goldenen Luftballons gesehen, die im Wechsel mit feierlich schwarzen die Dekoration ausmachten. Ja, ich konnte auch einen ersten  Blick in die Abiturzeitung werfen (im ungewohnten Format DIN A5). Alles schien gut zu laufen, meinen Eindruck und meinen Adrenalinschub hatte ich erhalten.

Auch ich benötigte ja noch einen Gang „in die Garderobe“ und fuhr, nachdem ich meine Rede noch in größerer Schriftgröße ausgedruckt hatte, früher als sonst nach Hause. Countdown – parken bereits am Bahnhof – Gewimmel vor den Toren der Stadthalle – noch aufgeregtere Schüler/-innen – Eltern aus den ersten Tagen der IGS begrüßten mich etwa mit: „Ich weiß noch genau, wie Sie am ersten Elternabend mit uns ‚Jeder kann was prima machen‘ gesungen haben. Ach Gott, ist das lange Jahre her! “ – Ehemalige Schüler/-innen besuchten „ihren“ Jahrgang zur Abifeier – ehemalige Kolleg/-innen waren angereist – und erst die Abiturient/-innen in feinsten Stoffen, die Damen in sicherlich unbequemen Schuhen mit immens hohen Pfennigabsätzen (heute heißen die Highheels, glaube ich) – ganz wunderbar alles.

Dann der Gong – und los ging’s. Nach der Anmoderation und der Begrüßung der Gäste (Landrat und drei Bürgermeister) wurde ich zur Eröffnungsrede ans Pult auf der Bühne gerufen. Während der Weihnachtsferien formulierte ich bereits Gedanken dazu, musste immer wieder kürzen, umstellen und war gespannt, wie die letzte Form aufgenommen werden würde. Im Grunde hatte ich vier Schritte vor: erstes Abitur der jetzt fertig aufgebauten IGS – Glückwünsche an die Prüflinge – erstes Abitur in Deidesheim – eigene Gedanken zu einem Vers von Peter Rühmkorf: 

„Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste,

 zunächst möchte ich die herzlichsten Grüße vom Leiter der Schulaufsicht in Neustadt übermitteln. Er war vor neun Jahren der Gründungsreferent unserer Schule und bezeichnet in seinem Gruß diese Gründung als einen der „Höhepunkte seiner Arbeit“. Wenn mit dem Landrat die Hausspitze des Schulträgers und zustzlich drei Bürgermeister anwesend sind, dann wird insgesamt deutlich, dass diese Feier mit besonderen Ereignissen aufwartet. Bei der Schulaufsicht werden wir zwar schon bereits seit Beginn des Schuljahres nicht mehr als „IGS im Aufbau“ geführt. Das „Habe fertig“ stimmt für mich aber erst heute mit der Ausgabe der Abiturzeugnisse an den „Pionierjahrgang“. Konzeptionell wird diese Schule hoffentlich nie fertig.

Ganz viele Menschen erwarben sich über die letzten neun Jahre hin einen Anteil am Aufbau dieser Schule. Ausdrücklich möchte ich an dieser Stelle auch diejenigen mit einschließen, die uns mit einem der anderen Abschlüsse bereits verlassen haben. Sie gehören substanziell zu dieser Schule dazu und haben das gemeinsame längere Lernen, das unsere Schulform auszeichnet, erst ermöglicht. Fester Bestandteil sind auch die, die jedes Jahr in der elften Klasse zu uns stoßen. Ohne sie könnten wir die Oberstufe nicht gestalten. Für einen differenzierteren Blick ist jetzt nicht die Stunde. Ich kann aber in der gebotenen Kürze feststellen: Die Schule steht mit beständigen Anmeldezahlen und einem guten Ruf im Landkreis auf stabilen Füßen! Daher sei heute Abend ein herzliches „Danke!“ an wirklich alle gerichtet, die diese lange Strecke des Aufbaus ermöglicht und begleitet haben.

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, es ist schlichtweg eine Leistung, den höchsten Schulabschluss, der in unserem Schulsystem möglich ist, erzielt zu haben. Dazu meinen und unser aller herzlichsten Glückwunsch! Wozu immer ihr künftig einen Lebenslauf einreichen müsst, das heutige Datum wird mit dem Vermerk „allgemeine Hochschulreife“ enthalten sein – in euren Biografien also durchaus ein gewichtiges Ereignis, das es angemessen zu würdigen gilt. Ihr habt, gemeinsam mit dem Kollegium, zu den geforderten und erbrachten Inhalten, zusätzlich auch alle Beschwernisse bewältigt, die eine Schule im Aufbau mit sich bringt. Chapeau!

Dennoch gilt gleichzeitig: Das Abitur ist zunächst nur die Voraussetzung zu weiteren Anstrengungen, denn auch mit ihm allein könnt ihr noch keinen Cent verdienen. Es ist nur beim ersten Hinsehen ein Abschluss, viel mehr ist er ein weiterer Anfang. Es liegt jetzt an euch selbst, was ihr daraus machen werdet. Zusätzlich zu der  Gratulation zum bestandenen Abitur wünsche ich euch daher viel Kraft, auch das notwendige Glück und auf jeden Fall alles erdenklich Gute!

Princesha hat es in ihrer bezaubernden Begrüßung erwähnt: 622 Jahre musste die Stadt Deidesheim „abiturlos“ existieren. Gegen diese Zeitspanne sind die langen Jahre, die wir auf den ersehnten Neubau warten, fast nicht wahrnehmbar. Bevor ich aber wegen Verbreitung von Fake-News erneut boxen muss, enthalte ich mich künftig jeglicher Aussage, wann es endlich losgeht. Zahlen sind eben nur aussagearme, arabische (!) Ziffern, mit denen sich spielen lässt. Verwendet also nicht allzu viel Energie darauf, Punkt- und Abiturschnitte zu errechnen, um aus ihnen Wohlempfinden, Stolz oder Enttäuschung abzuleiten. Nach 13 Jahren Schule, je nachdem mit mehr oder weniger großem Einsatz, könnt ihr heute Abend die Zeugnisse dieser Reifeprüfung stolz nach Hause tragen. An dieser Stelle möchte ich auch an diejenigen denken, deren Punktzahl dieses Mal nicht zum Abitur gereicht hat. Gebt bitte nicht auf und lasst nicht die Köpfe hängen. Ich selbst habe erfahren, dass in Umwegen oft mehr Potential zur Reifung verborgen liegt, als in der häufig überschätzten Gradlinigkeit.

Schulleiter werden mit Blick auf verschiedenste Kompetenzen hin ausgewählt, diejenige, eine Abiturrede halten können, spielt dabei keine Rolle. Ich kann daher unbeschwert einige weitere Gedanken ausführen.

Glaubt man den Neurowissenschaften, ist das menschliche Gehirn in erster Linie ein Beziehungsorgan und kein Wissensspeicher. Bereits nach sechs Wochen setzt das Vergessen ein. Die Evolution hat diesen Vorgang als zum Überleben notwendig hervorgebracht. Wir können gar nicht alles speichern, was auf uns eindringt. Nur was uns selbst wichtig ist - bleibt.

Gehirne arbeiten dabei höchst individuell, jedes ist unvergleichbar und einzigartig. Gerade deshalb bin ich kein Anhänger von zentralen landes- oder gar bundesweiten Aufgaben oder Vergleichstests. In den 53 nun geprüften Köpfen sind 53 unterschiedliche Inhalte gespeichert, je nachdem, was der oder diejenige von euch bereits mitgebracht hat. Und dies wiederum auch nicht dauerhaft. Gespeichertes wird im Gehirn beständig umgebaut, neu verknüpft und aktualisiert. Zum Begriff „Bildung“ gehört aber viel mehr. Sie wird fälschlicherweise immer noch und immer wieder mit Wissen gleichgesetzt. Die von euch erreichte Hochschulreife ist aber weder dazu gedacht noch geeignet, bei Quizsendungen Millionär werden zu können. Ich hänge vielmehr an einem Bildungsbegriff der Reife, angelehnt etwa an Alexander von Humboldt und seiner Bildung zum mündigen Bürger, der seine und die Zukunft in einer Gesellschaft meistern kann. Schauen wir uns die Welt gerade an, dann sind diese mündigen Bürger an allen Ecken und Enden notwendig und wir bedürfen ihrer mehr denn je.

Bei mir hat sich aus dem Studium über all die Jahre der Titel eines Gedichtes von Peter Rühmkorf erhalten. Mein Gehirn hat ihn, im Gegensatz zu vielen Inhalten, nicht gelöscht. Der Vers lautet: „Bleib erschütterbar und widersteh“. Es könnte durchaus sein, dass dieser Vers durch seine rhythmische Beschaffenheit stets präsent blieb. Das wachrüttelnde Staccato des ersten Teils „Bleib erschütterbar“ mündet in die eindringlich ruhigen Worte: „und widersteh“.

Weshalb „erschütterbar“ bleiben? Und weshalb „widerstehen“? Ich hole mir zur Erläuterung Unterstützung aus der Architektur. Unsere Schule steht auf der Bruchkante des Rheingrabens. Erdbeben gab es hier immer wieder, wenn sie auch nie sehr stark waren. Die letzten Anbauten der Schule sind daher erdbebensicher gebaut. Ich erfuhr damals: starre und unbewegliche Gemäuer bekommen leicht Risse und stürzen daher schneller ein. Ihre vermeintliche Festigkeit erweist sich bei Erschütterungen als Schwäche. Wir kennen die Bilder der jüngst eingestürzten Dörfer in den Abruzzen. Gegen Erdbeben besser gewappnet sind Gebäude, wenn sie Erschütterungen aufnehmen können, wenn sie trotz aller notwendigen Festigkeit beweglich bleiben. Das gilt ebenso für Brücken. Wenn sie nicht bersten sollen, müssen sie die Schwingungen durch die Belastung mitmachen. Welch herrliche Übertragung ermöglicht dies: Erschütterungen aufnehmen, beweglich bleiben, sich in Schwingung versetzen lassen, um stehen zu bleiben, nicht dem Irrglauben erliegen, man könne die Anfechtungen des Lebens nur stark, fest und unberührt überstehen. Daher: „Bleib erschütterbar und widersteh!“

In diesen vier Worten steckt eine wichtige Voraussetzung, eine zukünftige Gesellschaft und euer persönliches Leben gelingend gestalten zu können. Mit dem Abitur stehen euch die Wege in Schlüsselpositionen im gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leben offen, Schnittstellen, an denen Zukunft mitgestaltet wird. Und da kommt einiges auf euch zu, nicht zuletzt, weil meine Generation euch zusätzliche Aufgaben und Probleme hinterlassen wird, für die wir keine Lösungen gefunden haben oder nicht konsequent genug finden wollten. „Bleib erschütterbar und widersteh!“ ist daher mein Wunsch für jeden Einzelnen von euch. Wenn ich euch dies heute Abend mitgeben will, dann ist es der Versuch, euch an meinem nun mal nicht zu leugnenden Vorsprung an Alter und Erfahrung teilhaben zu lassen, nicht als überhebliche Besserwisserei, sondern lediglich als Gedanken von einem, der euch vorausgegangenen ist.

Wir leben bereits jetzt in einer Zeit der Beschleunigung. Neues wird schneller alt und von Brandneuem abgelöst, bevor es richtig fußfassen kann. Verweilen und Kontemplation dagegen, aus denen ich selbst meine Kraft schöpfe, bleiben zunehmend auf der Strecke. Ich empfinde diesen „Ruheverlust“ als ein Vorbeigehen müssen an der eigenen Mitte. Er wird sich eher noch verstärken. Dabei müsste es im Leben doch darum gehen, so etwas wie den eigenen Rhythmus finden und leben zu können. „Bleib erschütterbar und widersteh!“

Die digitale Entwicklung wird unser Dasein immer einschneidender verändern. Meine gemütliche Behausung wird wohl demnächst von einer Wohnmaschine abgelöst werden, in der mir der Kühlschrank mitteilen wird, was ich einkaufen soll und beim Passieren eines Schaufensters werde ich eine Nachricht erhalten, dass die sich in der Auslage befindliche Krawatte meine datenbasiert ermittelte Persönlichkeit besonders hervorheben würde. Geradezu verwirrt war ich im letzten Urlaub, als ich erstmals eine Cyberbrille aufsetzte und feststellte, dass das Original kaum mehr von der digitalen Rekonstruktion der Wirklichkeit zu unterscheiden ist. „Bleib erschütterbar und widersteh!“

Dazu gehört auch, dass immer mehr die schnelle Meldung zählt, nicht die wichtige und auch nicht die wahre, sondern die sensationelle oder aktuell: die passend gemachte. Anscheinend soll mit dem Begriff „alternative Fakten“ die Lüge hoffähig gemacht werden. „Bleib erschütterbar und widersteh!“

Mein Gitarrenunterricht lehrte und prägte mich mit einer wichtigen Erfahrung: Mitunter bedurfte Wochen des Übens, bis ich über manche verzwickte Stelle einer Etüde fließend hinwegspielen konnte. Dranbleiben, nicht nachlassen, geduldig tiefer einsteigen, die notwendige Dauer aushalten und dadurch, und erst dadurch ein Problem durchdringen. Das bewahrt uns auch vor der sich ausbreitenden Unterart des Flachwurzlers. „Bleib erschütterbar und widersteh!“

Mir scheinen diese vier Worte ebenfalls die Lösung zukünftiger Probleme unterstützen zu können. Einige wenige seien kurz genannt: sie reichen von Armut, über Gewalt und Gewinnmaximierung, über Krieg und Klimaveränderung, bis zu Terror, Ungerechtigkeit und Verschmutzung der Weltmeere mit Plastik. Bei diesen und all den ungenannten Problemen fehlt mir, dass wir „aus der Fassung“ geraten und es fehlt mir der eindeutige und übereinstimmende Ruf: „Haltet ein!“ Wenn es dagegen um Menschen geht, denen als einziger Ausweg zu überleben die Flucht zu uns bleibt, versammeln sich schnell lauthals Tausende auf den Straßen und Plätzen der Republik und leider inzwischen auch in den Parlamenten. „Bleib erschütterbar und widersteh!“

Vier Worte nur, die ich euch mitgeben will, die aber eine Haltung und eine Einstellung zum Leben ausdrücken. Sie sind es wert, aus einem Abiturjahrgang einen „goldenen Jahrgang“ zu machen. Prüft sie genau, tut sie nicht vorschnell ab als Marotte eines alternden Schulleiters, der aus Anlass des Abiturs eben eine Rede halten muss. Lasst euch nicht einreden, stets markig, immer cool und unberührbar sein zu müssen, lasst euch bewegen und berühren, härtet nicht ab, bleibt menschlich!

Lasst mich mit einer Bitte schließen: Haltet uns auf dem Laufenden, ob und wie sich das Abitur einer Integrierten Gesamtschule als Schwerpunktschule ausgewirkt hat. Was zeichnet diese Schule im Nachhinein in euren Augen aus? Wo müssten wir nachjustieren? Ihr seid diejenigen, die dies rückblickend aus der Praxis heraus am besten werdet beurteilen können. Besucht uns gerne immer wieder, erzählt oder schreibt uns, wie es mit euch weiterging, denn für wahr: Ihr seid uns ans Herz gewachsen.

Für den heutigen Abend wünsche ich euch einen guten Verlauf mit vielen bleibenden Eindrücken. Für die Zeit danach alles erdenklich Gute, Gottes Segen, macht es gut - und:

Egal wohin der Weg ab heut auch geht:

Bleibt erschütterbar, bleibt erschütterbar und widersteht“!

Als Erinnerung erhielt ich eine handgemalte Leinwand mit dem Logo „Abi-Thurgau – ein goldener Jahrgang“ mit den Unterschriften aller Abiturienten. Es wäre doch ein gelungener Anfang, wenn eine solche Leinwand künftig von allen Jahrgängen die Schule schmücken würde. Dann lief das Programm in schnellen Schritten durch den Abend: Jedes Profil hatte einen Beitrag erarbeitet – den Sketch, den ich morgens als Probe erlebt hatte, einen Film und Poetry-Slam. Dazwischen Musik- und Redebeiträge, vielfältig und wunderbar. In der Pause sprachen mich immer wieder Eltern an, bedankten sich für die Begleitung ihrer Kinder über die Jahre hin…das wird sich in dieser Art nicht wiederholen, denn der Start der Schule mit nur einem Jahrgang brachte selbstredend den unmittelbaren Kontakt ebenfalls zu den Eltern mit sich.  

Bei der abschließenden Zeugnisübergabe und der Preisverleihung wurde es dann noch emotionaler. Wer weiß, ob die Stadthalle in Deidesheim schon mal an einem einzigen Abend so viele Umarmungen und Tränen der Freude erlebt hat…immer wieder einmalig, wie herzzerreißend menschlich zwei unterschiedliche Gruppen wie Schüler und Lehrkräfte das Ende von täglich erlebten und jahrelang geführten Beziehungen modulieren – wie viele Augenblicke, wie viele Begegnungen, wie viel Freude und Leid, welche Zeitspanne und wie viele Geschichten verdichten sich in diesem einen Moment des Abschieds auf der Bühne – ähnlich einem ins Gegenteil verkehrten Urknall: unzählige Einzelheiten verdichten sich in einem einzigen Punkt. Das geht mir so tief unter die Haut, dass ich zuHause lange nicht einschlafen konnte und als es dann doch gelang, sponn sich das Erlebte in intensiven Träumen gefühlt über die ganze Nacht hinweg weiter. Und schon ist dieses Feuerwerk (Schul-) Geschichte. Am Montag werde ich eine andere Schule erleben, ohne den Gründungsjahrgang, der bisher jeden Tag der Schule mitgestaltete, ohne die bekannten Gesichter, ohne die liebgewonnenen Menschen…“Der Weg zum Abitur“ – er ist beschritten und die Integrierte Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim ist „flügge“ geworden.

 

Donnerstag, 30. März 2017:

Immer wieder verschoben, standen heute nun meine Praktikumsbesuche an. In der Rushhour machte ich mich auf den Weg ins Ludwigshafener Klinikum. Im dortigen OP-Bereich verbringt eine Schülerin zwei interessante Wochen. Es stand kein Besprechungszimmer zur Verfügung, so dass wir uns im Vorbereitungsraum an einem OP-Tisch unterhielten, zwei Ärztinnen in OP-Kleidung, ebenfalls trug die Schülerin die blaue Kleidung, alle drei hatten den Mundschutz nur mal eben „runtergeschoben“. Junge, Junge, das wäre nichts für mich, aber die Schülerin meisterte dies prächtig und durfte schon bei Operationen zuschauen. Wir schweiften kurz ab in den Bereich der „Knopfloch-Chirurgie“, bei welcher der Arzt eventuell sogar in einem Nebenraum, robotergestützt, an einem 3D-Bildschirm operiert – seltsame Vorstellung, aber „…für die Patienten ist dies angenehmer, weil keine großen Schnitte notwendig sind“, so die Chirurgin. Der zweite Besuch führte mich in bekannteres Terrain: in eine Kommunikationsagentur, die hauptsächlich Firmenpublikationen grafisch für den Druck aufbereitet, aber auch eigene Präsentationen erstellt. Auch hieraus ging ich bereichert hervor. Die Zeit war fortgeschritten, so dass ich gleich nach Wachenheim fuhr, wo zwei Assemblys angesagt waren. Zwei Punkte stellten – natürlich nach dem eröffnenden Singen des Schulkanons - das Programm: Zum einen der Start des diesjährigen Logowettbewerbs für die neuene Fünfer (Die Präsentation hatte ich zuvor noch aktualisiert) und zim anderen ein Talentwettbewerb für beide Jahrgänge. Wunderbar! Erst schien sich die Rückrufbitte auf einen Telefonkontakt zur hiesigen Tageszeitung zu beschränken, der dann aber doch in eine E-Mail-Lieferung mündete. Für den vorgesehenen Bericht über die morgige Abiturfeier sollte ich die Namensliste, die Preisträger und meine Rede liefern, woraus dann „kalt“ (das heißt: ohne vorort gewesen zu sein) ein Bericht entstehen wird. Nur der Fotograf kommt zu einem vorher bestimmten Termin, um die Preisträger zu fotografieren. Dies war bereits in den letzten Jahren Standard und ich wunderte mich daher nicht mehr.

 

Mittwoch, 29. März 2017:

Bereits bei der Anfahrt an die Schule war klar: Heute findet der Abi-Streich statt, denn die Parkplätze waren mit den Autos der Dreizehner quer zugeparkt, die „spielerische Rache“ an der Schule nahm ihren Lauf. Der Hof war dazu schon von einer „Trump-Mauer“ aus Euro-Paletten geteilt, hie und da sah man als Mexikaner verkleidete Schüler/-innen. Die immer zahlreicher ankommenden Mitschüler/-innen staunten und konnten wegen der absperrenden Mauer nicht ins Gebäude. Kurz nach acht Uhr fuhr ein kleiner Korso aus schwarzen Fahrzeugen auf den freien Teil des Hofes, angeführt von einem Motorrad und begleitet von ganz in schwarz gekleideten Leibwächtern, denn im mitteleren Fahrzeug, einem schwarzen Cabrio, saß ein Donald Trump mimender Schuler. Mit gut parodierten Gesten hielt er eine kurze Rede zum Thema „IGS first“ und „Make the IGS great again“. Die verkleideten Mexikaner waren bereits von der Security abgeführt worden. Ein herrliches Szenario, welches den politischem Hintergrund der USA als roten Faden für den Abistreich nutzte. Für eine Stunde wurden die Schüler/-innen in den Unterricht entlassen. Zur Pause wurde ich dann verhaftet und, mit Kabelbindern gefesselt, nach Quantanamo verfrachtet, einem aus Baugittern qadratisch abgezäunten Areal, in welchem bereits eine Menge anderer Lehrkräfte ihr Gefangenendasein fristeten. Jede einzelne Lehrkraft wurde zu einem Gerichtsverfahren abgeführt, in welchem das Vergehen vorgebracht und das Urteil verkündet wurde. Als Verfehlungen von Lehrkräften wurde etwa genannt: fehlende Empathie im Unterricht, an Körperverletzung heranreichendes Läuten einer Glocke als Ruhezeichen im Unterricht, Quälereien durch gehäuftes Schreiben von Hausaufgabenüberprüfungen und ähnliches mehr. Mir wurde das Verbreiten von Fake-News zum Vorwurf gemacht, weil ich immer wieder falsche Daten zum Beginn des Neubaus und zur Einrichtung eines Aufenthaltsraumes bekanntgegeben hatte. Meine Strafe bestand in einem Boxkampf gegen einen Kollegen. Andere Strafen waren das Aufsagen von chemischen Formeln mit vollem Mund mit Marshmellows, ein Rennen im Schulhof mit Bobby-Cars, Seilhüpfen mit einem Croissant im Mund und anderes mehr. Das ganze fand immer unter dem Jubel der Schülerschaft statt, stets von Humor getragen und nie verletzend.In meinen Augen einer der schönsten (und intelligentesten) Abi-Streiche, die ich mitgemacht habe. Chapeau!

Im Büro setzte ich, von den Boxhandschuhen befreit, das Unterschreiben der ersten Abutrzeugnisse der IGS Deideheim/Wachenheim fort – eine durchaus berührende Tätigkeit, las ich doch die mir bekannten Namen des Gründungsjahrgangs, die ich immer wieder als die „kleinen Fünftklässler“ vor mir sah. Das letzte Abklären von Fragen in Bezug auf einige Preise für die Abiturfeier schob sich in die Pausen, die durch noch nicht vollständig ausgedruckte Zeugnisse entstanden. Schließlich war alles unterschrieben – jener Donald Trump hätte vermutlich jedes der Dokumente öffentlichkeitswirksam in die Kameras gehalten, ich ordnete sie wieder in die vorbereiteten Mappen für die Schulabgänger ein – und fuhr nach Wachenheim zu meiner Mittagspausenaufsicht. Tja, es ist auch eine Folge des Doppelstandortes: Schüler und Lehrkräfte hatten hier vom Abi-Streich nichts mitbekommen, die Information über „meinen legendären“ Boxkampf hatten sich aber bereits Wachenheim durchgesprochen! Ein „Außentermin“ schloss sich noch an: Ich fuhr nach Grünstadt an die IGS, dort traf sich die Teilgruppe der großen Redaktionssitzung für die geplante neue IGS-Broschüre des Ministeriums (vgl. Eintrag vom 23. Februar 2017). Zum Glück lag bereits ein Textentwurf vor, so dass wir uns nur noch über Veränderungen einigen mussten. Kaum etwas ist zeitaufwändiger als das Schreiben von Texten mit mehreren Personen.

 

Dienstag, 28. März 2017:

In der Gesamtkonferenz am 14. Februar hatten wir einen Prozess zur Frage des Differenzierungsmodells angestoßen. Mit einer Aufstellung des Kollegiums, ähnlich dem „Hammelsprung“ in Parlamenten, schälte sich heraus, wie unterschiedlich dieses Thema aktuell diskutiert wird. Dann „trat“ das Abitur auf den Plan und forderte seine Aufmerlsamkeit und Zeit, beides in hohem Maß – nun schien der Zeitpunkt gekommen, sich damit weiter zu beschäftigen. Dazu traf sich die Schulleitungsrunde heute zu einer mehrstündigen Klausur. Wir arbeiteten mit einem Erklärungsmodell aus der systemischen Betrachtung einer Organisation:

„Als nützliches Instrument zur Problemanalyse und Zielbestimmung sowie zur Festlegung von Interventionsstrategien in der Organisationsentwicklung setzen wir die ‚logischen Ebenen‘ nach Bateston (1987), adaptiert von Dilts (1993), ein“ (aus: Peter Herrmann, Einführung in das systemische Schulmanagement, Heidelberg 2014, S.96).

Die sechs verschiedenen Ebenen dieses Modells sind dabei in Form einer Pyramide angeordnet und bauen, sich gegenseitig beeinflussend, aufeinander auf. Im Verlauf unseres Gesprächs wurde durch diese „Folie“ klar, dass sich in der Frage der Differenzierung das Kollegium auf ganz unterschiedlichen Ebenen dieser Pyramide bewegt. Die Spitze der erwähnten Pyramide ist mit „Vision bzw. Mission“ bezeichnet, also die Frage: Worin ist das Modell eingebettet? Auf welcher Basis baut es auf? Die Lösungsstrategie kann nun aus zwei unterschiedlichen Richtungen bestehen: Die Frage ließe sich von oben nach unten bearbeiten, oder umgekehrt von unten nach oben. Wir waren uns unschlüssig, welcher Weg der zielführendere ist. In die Entscheidung, auf welchem Weg wir diese Frage weiterbearbeiten, wollen wir das Kollegium einbinden und dann die entsprechenden Ebenen konkretisieren. Eine gute Klausur, die Klarheit schaffte und durch welche sich weitere Schritte abzeichnen.

 

Montag, 27. März 2017:

Nach den Abiturprüfungen tat heute ein unspektakulärer Tag gut. Zwar fanden einige Gesprächspartner den Weg in mein Büro, aber besonders fordernd waren die Gespräche nicht, eher einzuordnen in die Ablage: „Alltag“. In der Pause durfte ich einer Kollegin zum 25-jährigen Dienstjubiläum die Grüße der Ministerin für die der Allgemeinheit geleisteten Dienste überbringen und die dazugehörige Urkunde überreichen. Unser beider Weg begann in Oggersheim an der IGS Ernst Bloch, bevor ich von dort nach Mutterstadt wechselte. Zur Planung unserer IGS setzten wir den Weg seither gemeinsam fort – klingt banal und einfältig und kommt mir dennoch in den Sinn: Wie die Zeit vergeht! 

In der Schulleitungsrunde tagten wir nach einem gemeinsamen Start mit tagesaktuellen Fragen erstmals (?) arbeitsteilig. Die Stufenleitungen machten sich Gedanken zu den Aufgaben der Teamsprecher, der andere Teil suchte Formulierungen und Inhalte für die anstehende Dienstvereinbarung, so dass wir heute gleich mit zwei Ergebnissen aufwarten können.

 

Freitag, 24. März 2017:

In der Tageszeitung las ich, dass in einem benachbartene Gymnasium 120 Abiturienten die Prüfungen erfolgreich abgeschlossen haben, allein acht davon mit einem Notenschnitt von 1,0. Das ist schon enorm und macht den Unterschied zur IGS deutlich. Bei uns absolvierten 53 Schüler/-innen das Abitur. Mich interessierte eine genauere Analyse aus „unserem Haus“. Dazu musste ich die Schülerakten unserer Abiturient/-innen durchforsten, denn aus dem ersten Anmledeverfahren liegt zwar das Protokoll des Aufnahmeverfahrens vor, nicht aber die Einzelheiten der Kinder. Das Ergebnis dieser Recherche ist selbst für mich erstaunlich:  von den 31 Prüflingen, die aus unserer Sekundarstufe I „hochgewachsen“ sind, waren 16 in den Lostöpfen zwei und drei einsortiert, sprich: hatten keine Empfehlung für das Gymnasium. Nimmt man die 22 Schüler hinzu, die nach zehnten Klasse der Realschule plus zu uns stießen, bei denen nach der vierten Klasse das Gymnasium ja auch nicht die erste Wahl darstellte, dann haben 38 Abiturienten von 53 das Abitur erreicht, bei denen das zum Wechsel in die fünfte Klasse zumindest nicht abzusehen war. Ich denke: Genau das ist unser Klientel, genau wegen dieser Schülergruppe gibt es die IGS und so verwundert es auch nicht, dass das beste Abitur bei uns mit einem Schnitt von 1,6 erzielt wurde. Für die ganz starke Leistungsspitze ist auch nach Klasse vier das Gymnasium die erste Wahl. Sie lernen dort erfolgreich und bringen an der für sie geeigneten Schulform sehr gute Leistungen. Unsere pädagogische Arbeit richtet sich eher an die, denen der „glatte“ Weg über das Gymnasium nicht möglich war. Und dies ist in einem beeindruckenden Maß gelungen, wie mir scheint. 

 

Mittwoch, 22. März 2017:

Eigentlich war ich für eine Prüfung in Chemie gleich morgens im ersten Block eingeteilt. Sie wurde aber abgemeldet, entweder wegen dem hoffnungslosen Unterfangen zu vieler notwendiger Punkte, oder das Abitur war bereits ohne diese Prüfung bestanden und eine Verbesserung des Durchschnittes außerhalb des Erreichbaren. Daher startete ich nach einer halben Stunde mit zwei Deutsch-Prüfungen. Natürlich Goethes Faust (Welches Abitur kommt schon ohne ihn aus?). Das zweite Thema, Peter Stamms Roman „Agnes“, war mir nur aus den Prüfungsunterlagen für den Prüfungsvorsitz her bekannt. Es handelt sich um die Geschichte einer Liebesbeziehung, in welcher der Ich-Erzähler auf die Bitte von Agnes hin, die Geschichte dieser Liebe erzählt. An dem Punkt, als die Geschichte sich der Gegenwart nähert und darüber hinaus geht, verkehrt sich das Verhältnis: die Fiktion bestimmt die Wirklichkeit. Das Buch steht bereits auf meiner Wunschliste zum Geburtstag, was einer Würdigung dieser Abiturprüfungen und ihrer Prüflinge gleichkommt. In jedem Jahr, in welchem ich Abiturprüfungen erlebt habe, ging von ihnen eine Wirkung mit „Folgen“ für mich aus. Seinerzeit in Mutterstadt wurde ich, sehr zu meiner Freude, auf Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ aufmerksam, als ich in damaligen Prüdungen Protokoll zu führen hatte. Selbst die acht Methmatikprüfungen des gestrigen Tages „arbeiten“ noch in mir. Von ihnen ging überraschend eine mir noch unverständliche Faszination aus. Weshalb  so spät? Weshalb blieb mir dies als Schüler so verschlossen? Ich folgte interessiert den Prüflingen, wie sie in Analysis Gleichungen ableiteten, Null- und Kreuzungspunkte errechneten; wie sie in Stochastik die Wahrscheinlichkeit von Gewinnen in einem Glücksspiel berechneten und wie sich diese Wahrscheinlichkeit bei anderen Bedingungen verändern würde; wie sich mittels einer Formel die Zuflussgeschwindigkeit des Wassers in einen Stausee berechnen lässt. Hätte ich seinerzeit nur eine ähnliche Anziehung empfunden, eine solch bezaubernde Ausstrahlung und den Reiz des logischen Aufbaus gespürt, mir wären bittere Augenblicke und lähmende Stunden erspart geblieben. Es mag Lernwissenschaftlern klar sein und Neurofachleute könnten es erklären, ich sortierte, über mein Gehirn staunend, am Ende der Prüfung die Unterlagen und brachte sie ins Rechenzentrum zur weiteren Verarbeitung. Auf meinem Programm standen noch eine Ethikprüfung zum Thema Utilitarismus, in katholischer Religion sollte die Vorstellung des Begriffes „Hölle“ nicht als Ort, sondern als eine „in Freiheit getroffene Entscheidung gegen Gott“ aus einem Text von Geshake herausgearbeitet und die Gottesbeweise von Thomas von Aquin mit den möglichen Kritikpunkten abgeleitet werden. Im dritten Block hatte ich Zeit, mir eine Prüfung in Geschichte mit den Themen „Bündnispolitik Bismarcks“ und „Geschichte der Bundesrepublik nach 1945“  anzuschauen.

Und dann war das erste Abitur an der Schule mit intensiven Eindrücken und bewundernswert vielen Augenblicken zumindest äußerlich abgeschlossen. In mir brodeln noch Gedanken, Bilder und Eindrücke, die sich wohl erst im Lauf der kommenden Zeit setzen und sortieren werden. Vor allem wird sich wohl erst im Austausch die Wirkung auf uns als Schule und innerhalb des Kollegiums herausstellen. Ich meine, wir sind durch das Meistern dieser riesigen Aufgabe zusammengewachsen und näher gekommen, die Diskussionen und Dissonanzen des Alltags traten in den Hintergrund. Ein weiteres galt es zu lernen: Das Abitur erhält man auch an einer Integrierten Gesamtschule nicht so nebenbei, denn nicht alle Prüflinge sind „durch“. Eine Aussage wie diese: „Ich schaffe das Abitur, ohne im letzten Jahr Hausaufgaben gemacht zu haben“, stellte sich auch bei uns als trügerisch heraus, denn am Ende fehlte die notwendige Punktzahl zum Bestehen.  Resümierend will ich ein Zitat aus meiner ehemaligen Schule auffrischen, denn es gilt immer noch und auch für uns: Durch das Abitur fällt man nicht am Tag der mündlichen Prüfung. Da hat die letzten Jahre schon etwas nicht gestimmt. Wer bis zum Schluss pokert, treibt sich selbst so in die Enge, dass eine Punktzhl notwendig wird, die man noch nie vorher erreicht hat. Wie soll sie dann ausgerechnet in  der mündlichen Prüfung erzielt werden? Insgesamt können wir mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein, es gibt vier Schüler/-innen mit der eins vor dem Komma, weitere 25 mit der zwei davor und 24 mit der drei. Für eine weitergehende Einschätzung sind alle Eindrücke noch zu frisch. Dennoch gehe ich mit ein wenig Stolz aus diesen beiden Tagen heraus. Auch diesen Gipfel haben wir als Schule gemeistert, Dank an alle, die aktuell und die letzten Jahre hinweg daran mitgewirkt haben. Glückwunsch an alle Abiturient/-innen zum höchsten Schulabschluss und denen, die es nicht geschafft haben, will ich sagen: Lasst nicht die Köpfe hängen, ihr seid nicht „an sich“ gescheitert, ihr habt lediglich die letzte Hürde dieses Mal gerissen. Umwege beinhalten aber oft das größere Potenzial zur Reifung!

 

Dienstag, 21. März 2017:

Seit langem stand fest: Der Tag wird mit einer Dienstbesprechung für alle beginnen. Das erste Abitur wird traditionell durch einen Vertreter der Schulaufsicht begleitet. Zuvor war ich noch schnell im nahegelegenen Markt einkaufen: Milch, Kaffee und Kekse sollten über diese angespannten Tage hinweg nicht zur Neige gehen. Kurzes Treffen in meinem Büro und dann Abmarsch in die Mensa. Beim Eintreten dachte ich, welch herrlicher Blick in die Garderoben des Kollegiums ermöglicht dieser Tag, denn die Gewandungen der meisten Kolleg/-innen unterschieden sich deutlich von denen des Alltags – besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen. Nach einer kurzen Begrüßung durch mich übernham unser Referent der Schulaufsicht die Leitung mit einerseits warmen, aber auch hinweisenden Worten hinsichtlich der mündlichen Prüfungen. Sie sollen nicht als enger „Frage-Antwort-Wechsel“ stattfinden, es handelt sich um ein Prüfungsgespräch mit offenen Impulsen. Es geht um den Prüfling, nicht um den Prüfer; auf Fachsprache achten, aber nicht auf ausbleibende Begriffe bohrend beharren, wenn sie gerade nicht präsent sind, das könne die Prüflinge völlig aus der Bahn werfen; der Redeanteil der Prüflinge sollte bei weitem höher liegen als der der Prüfer; niemand wegen eines Punktes durchfallen lassen; als Beisitzer und Besucher auch mimisch keinerlei Hinweise geben usw.

Und dann ging es in die ersten Prüfungen und der Titel dieses Bandes von „Schulleiters Tagebuch“ – „Der Weg zum Abitur“ bog auf die Ziellinie ein. Die ersten Schüler/-innen trudelten ein, der Raum der Anmeldung war bereits besetzt, der Vorbereitungsraum kam zu seiner Bestimmung und ich traf sie wieder an, diese mir bekannte und von mir geliebte besondere Mischung aus knisternder Anspannung und gedämpfter Ruhe im Haus, so als würde eine frische Schneedecke alle Geräusche dämpfen und verschlucken – eben diese ganz spezielle Atmosphäre, wie ich sie nur vom mündlichen Abitur her kenne und die wohl auch sonst nirgendwo so anzutreffen ist. Die anwesenden Kolleg/-innen verteilten sich nach zwanzig Minuten als Zuschauer in die ersten Prüfungen, die Vorsitzenden der jeweiligen Prüfungen holten aus dem Rechenzentrum die „grünen Mappen“ ab, mit Hinweisen auf den jeweiligen Stand des Prüflings: Ist die anstehende Prüfung entscheidend zum Bestehen des Abiturs? Wie viele Punkte müssen erreicht werden, um sie noch bestehen zu können? Sind weitere Prüfungen bereits angemeldet? Je nachdem können diese Informationen in höchstem Maße entscheidend sein und die Prüfung in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Den ersten „Block“ konnte ich noch „unbeteiligt“ und beobachtend verstreichen lassen, ab dem zweiten Block war ich in den erwähnten acht Mathematikprüfungen als Vorsitzender eingeteilt. Rechtzeitig vor Beginn holte ich mir, nachdem ich bei zwei Prüfungen die Rolle des Besuchers einnahm, die Unterlagen für „meine“ Prüfungen aus dem Rechenzentrum ab, vernahm bereits erste Ergebnisse, die flugs in den Computer eingegeben wurden, wodurch sich die jeweils neue Situation der Prüflinge errechnete. Unterwegs begegnete ich immer wieder Prüflingen, die von ihren „Begleitern“ nach der 20-minütigen Vorbereitung in den Prüfungsraum geleitet wurden – gemäßigten Schrittes, Ruhe im Haus, Sturm in den Köpfen.

Bereits in der Pause zwischen Block eins und zwei suchte ich den Prüfungsraum zwei auf, in welchem ich den Vorsitzenden „gab“, einfach der Ruhe und des Einfindens wegen, bevor es losging. Begrüßen, Nachfragen, ob alles in Ordnung sei, Übergabe an die Prüferin, Einschalten der Uhr und dann aufmerksam die Prüfung verfolgen. In jeder Prüfung werden Aufgaben zu zwei Themen gestellt, die jeweils in zehn Minuten vorzutragen waren, alle drei Anforderungsbereiche enthaltend. Nachfragen oder „Anschieben“ durch den Prüfer, abschließend danken, alle Materialien einsammeln und den/die Protokollant/-in zum knappen Vortragen des Protokolls auffordern, den „Notenfindungsprozess“ aufmerksam begleiten, Note festlegen, Protokoll unterschreiben, alle Unterlagen tackern und zurück in die „grüne Mappe“ legen, die dann nach dem Block ins Rechenzentrum zurückgebracht werden musste. Diesen Prozess durchlief ich nun achtmal hintereinander.

In der Pause hatten wir uns mit dem Schulaufsichtsbeamten verabredet. Er wollte ein erstes Resümee ziehen und mit uns besprechen. Neben einigen organisatorischen Hinweisen (etwa: kürzere Zeit für den Notenfindungsprozess würde zu weniger „Nacherzählungen“ zugunsten von eindeutigeren Bewertungen durch die Protokollant/-innen führen), war die wichtigste Botschaft: Das Anforderungsniveau in den von ihm besuchten Prüfungen in Deutsch, Mathematik, Englisch und Biologie stimmte und war durchaus mit dem aus Gymnasien vergleichbar. Die für mich schönste Rückmeldung bezog sich darauf, wie alle Beteiligten (Schüler, Lehrkräfte, Prüfungskommissionen) miteinander umgingen, wertschätzend, freundlich, angenehm. Er habe eine durchaus auffallende und bemerkenswerte Atmosphäre an der Schule erlebt. Eine herrliche Rückmeldung, die ich aber gar nicht lange genießen konnte, denn ich musste im dritten Block zu den nächsten vier Mathematik-Prüfungen. Es wurde Abend, es wurde Morgen, der zweite Tag.

 

Montag, 20. März 2017:

An Astronauten erinnernde Menschen in weißen „Ganzköperanzügen“ entdeckte ich heute am Jugendtreff. Sie trugen große, weiße Platiksäcke mit der Aufschrift „Krebserregend“ aus den Containern. Was ist denn hier los? Da hilft nur Nachfragen: Die Überseecontainer waren mit isoliertem Boden bestellt, das heißt, dass auf dem Metallboden des ursprünglichen Zustands ein Zwischenboden aus Holz eingebaut wurde. Der dadurch entstehenden Zwischenraum ist mit Dämmmaterial, Glaswolle oder ähnliches, ausgefüllt. Nun standen die Container ja über mehrere Wochen offen da, noch ohne Fenster und Türen. Während dieser Zeit ist das Dämmmaterial nass geworden und musste nun rausgenommen werden. Dazu war es notwendig, aus dem Holzboden über hundert Quadate auszusägen, denn Elektrokabel und Heizungsrohre waren ja schon verlegt, so dass der Boden nicht einfach „rausgenommen“ werden konnte. Welch eine zusätzliche Arbeit…

Neben diesem Staunen verwunderte mich der Stapel an Prüfungsunterlagen für die mündlichen Abitur-Prüfungen. Er war höher als der zum Schriftlichen, weil viel mehr Text-, Bild- und Aufgabenmaterial kopiert und sortiert wurde. Das Sekretariat glich zeitweise einer Teamsitzung, so viele Lehrkräfte standen Schlange, um ihre Unterlagen mit Hinweisen abgeben und hinsichtlich der Anzahl, der Kopien und Folien erläutern zu können. Erneut stieß die Lagerkapazität des Tresors an seine Grenzen – er war ja auch nie für ein Abitur bemessen und stammt noch aus der „materialärmeren Zeit“ der Regionalen Schule. Mit etwas Geschick passten die Unterlagen nach einer ernuten Prüfung aber schließlich „gepresst“ hinein. Auch über der Schulleitungssitzung „schwebte“ das Abitur. Mehrheitlich ging die Zeit an das Herrichten der Prüfungsräume, für die ja eigens ein „Bestuhlungskonzept“ erarbeitet wurde. Die Prüflinge sollten gegenüber der Prüfungskommission sitzen, gleichzeitig seitlich eine Projektionsfläche nutzen können. Die weiteren Zuhörer sollten ihnen nicht „im Nacken“ sitzen, aber auch nicht ablenken. Da blieb nur noch die Seite gegenüber der Projektionsfläche, quasi neunzig Grad versetzt zu den Prüflingen – und das ganze in fünf Prüfungsräume. Sind genügend Taschenrechner da, auf denen alle Daten gelöscht sind? Hat jeder Prüfer einen Tacker, um anschließend alle Unterlagen im „Rechenzentrum“ abzugeben? Einzelheiten über Einzelheiten, aber eben alle wichtig für einen reibungslosen Ablauf. Und nun ist es also morgen soweit: die ersten mündlichen Abiturprüfungen der IGS Deidesheim/Wachenheim können starten – in der Hoffnung, an alles gedacht zu haben. Allen Prüflingen und der MSS-Leitung wünsche ich einen erholsamen Schlaf!

 

Freitag, 18. März 2017:

Unaufhörlich wird es ernst mit dem mündlichen Abitur: Die Aufgaben für die einzelnen Prüflinge gehen im Sekratariat ein. Je nachdem, ob es sich um eine Einzel- oder Blockprüfung handelt, werden sie entsprechend kopiert und in Klarsichthüllen gepackt, diese sind dann wiederum unterschieden in „Päckchen“ für den Vorsitz, den Prüfer und den Protokollanten – sprich komplett mit Erwartungshorizonten und Anforderungsbereichen – und für die Prüflinge lediglich mit der Aufgabenstellung und den jeweiligen Texten und/oder dazugehörigen Materialien wie Wörterbuch, Bibel oder Overhaedfolie mit Permanent-Stift (die Unterlagen müssen zehn Jahre lang aufgehoben werden). Die eingereichten Aufgaben werden nochmals auf ihre Verwendbarkeit und Vollständigkeit hin kontrolliert…alles der Vergleichbarkeit und den gerechten Bedingungen geschuldet. Eigentlicher Abgabetermin ist erst der Montag, doch einige Kolleg/-innen wollen vielleicht den Packen an Arbeit nicht mit ins Wochenende nehmen.

Der Titel eines Liedes kommt mir dunkel und nicht greifbar in den Sinn, als ich die „Pflanzaktion am Jugendtreff“ beobachtete…irgendwas mit „Im Grundewald ist Holzauktion“ kommt darin vor. Die beschriebenen Flächen sind nun mit noch kleinen Büscheln bestückt, ein weiterer Baum ist gepflanzt, der Bauwagen, der Bau-Container und der dies umschließende Bauzaun (vgl.Eintrag vom 26. Januar 2017) sind bereits abtransportiert, die tiefen Fahrspuren, die der Bagger in die Erde gegraben hat und in denen sich die Niederschläge der vergangenen Tage sammelten, sind mit Sand aufgefüllt. Die Außenanlage scheint fertig, jetzt könnte es mit dem Innenausbau weitergehen, aber da tut sich noch nichts Wahrnehmbares.

Den Programmablauf der Abiturfeier dagegen habe ich heute erstmals gesehen. Darin steht die Abiturrede des Schulleiters als Eröffnung…hmm, dann muss ich sie nochmals umschreiben, damit sie an diese Stelle passt. Bei der Saalfastnacht muss immer ein „Eisbrecher“ am Anfang die Stimmung erzeugen…ob mir das gelingen wird?

Letzte Deutschstunde vor dem zweiwöchigen Betriebspraktikum der achten und neunten Klassen. Anteilsmäßig müsste ich vier Schüler/-innen besuchen, es waren aber nur noch drei übrig. Das Formular des Besuchsprotokolls habe ich schon mal studiert, damit ich bei den Besuchen in den Betrieben „in die Tiefe“ gehen kann. Gerne erinnere ich mich an die Besuche, als ich selbst noch Tutor war. Wo erhält man als „Rotstift-Halter“ (Zitat meines Vaters) schon Einblicke in die Abläufe einer Werkstatt für Landmaschinen, einer Bank, einer Schreinerei, eines Kindergartens, eines Fensterbauers, einer Autowerkstatt und einer Lackiererei? Als „Schulleiter ohne Klasse“ werde ich heuer Einblicke in eine „Agentur für Kommunikation“ und in die Abläufe eines Krankenhauses erhalten. Da kommen mir doch die Ausdrücke „Lernen an außerschulischen Orten“ und „Lernen durch Differenzerfahrung“ in den Sinn – spannend allenthalben!

Die „Skifahrer“ sind aus Steibis zurück. Mit Freude las ich folgende Rückmeldung:

„Wir sind mit 48 gesunden, müden, aber überglücklichen Schülern und Lehrern zurückgekommen. Es war wieder ein voller Erfolg, alle Komplett-Anfänger haben sowohl die Talabfahrt, als auch die schwarze Piste geschafft. Alle Jahrgänge und Klassen waren bunt gemischt und es war einfach nur traumhaft. Viel Lob vom Hüttenwirt für die vorbildliche Gruppe und auch der Wettergott hat es nur gut mit uns gemeint. Also alles wieder ein Riesenerlebnis und ein großer Erfolg!!!“

Da kann ich doch nur dankbar, erfreut und ein bisschen stolz auf die Schüler/-innen und Lehrkräfte ins Wochenende gehen!

 

Mittwoch, 15. März 2017:

Sollte der Asphalt nicht erst Ende März geliefert werden? Bereits am Morgen blinkte es orange um den Jugendtreff, ein Baustellenfahrzeug stand quer (!) auf den Parkplätzen. Da wird heute was geschehen! Im Laufe des Vormittags stieg mir Teergeruch in die Nase. Die bisher „erdigen“ Flächen wurden im Lauf des Tages mit  einer schwarzen Asphaltdecke belegt. Sieht etwas trist aus, aber ich erinnere mich genau an diesen Anblick vor etwa zwei Jahren auf dem allahopp!-Platz. Erst später wurde der helle „Körnchenbelag“ draufgeklebt. Wegen dieses Klebers aber sind bestimmte Temperaturen notwendig. So freue ich mich ab heute auf den „Tag der Erhellung“.

Glück, wem Glück gebührt! Wer beim Schulleiter Deutsch hat, der „darf“ auch mal im Büro nachschreiben. „Hier war ich ja noch nie?“, entfuhr es einer Schülerin. „Na, dann wird es ja mal Zeit!“, antwortete ich. Gibt es das? Ich dachte alle würden diesen Raum kennen, da doch die Tür so oft, wie es eben geht, offensteht – die gefühlte Wahrnehmung stimmt eben nicht immer mit der Realität überein.

Ich musste zu einem „Kurzbesuch“ nach Wachenheim, Vertretung, verursacht durch Krankheit. „Guten Tag, Herr Dumont, wie immer mit schöner Krawatte!“, Worte, mit denen ich in der Mensa begrüßt wurde. Das Gastspiel reichte aber nur für einige Unterschriften unter Zahlungsanweisungen, nicht für weitere Komplimente, denn um 14 Uhr hatte ich einen Gesprächstermin in Deidesheim, im „Nachschreiberbüro“. Die „Teermaschine“ draußen wurde gerade gesäubert und die Wege nochmal mit Wasser und einer Rüttelmaschine  „nachgeglättet“. Ich konnte den Vorarbeiter nochmals in ein Gespräch verwickeln. Die drei erwähnten Spiralfedern werden die allahopp!-Bank tragen. Sie wurde zu Beginn des ganzen Projektes an verschiedenen Stellen in der Verbandsgemeinde aufgestellt. Sie stand auch für einige Wochen bei uns auf dem Schulhof (vgl. Eintrag vom 14. November 2014). Derzeit steht sie demontiert noch im Bauhof und soll dann am Jugendtreff einen endgültigen Platz finden. Und die Sache mit dem Belag konnte ich auch noch klären. Auf den nun aufgetragenen und glatt gewalzten Asphalt wird lediglich ein Kleber aus Epoxidharz dünn aufgetragen, auf den quasi das kleinkörnige Granulat gestreut wird. Ebenfalls dann festgewalzt, ensteht ein offenporiger Belag in der uns bekannten hellen Farbe – lebenslanges Lernen eben.

 

Dienstag, 14. März 2017:

„Ach so, dafür ist das gedacht!“ – ich fragte mich seit Tagen, weshalb die geschwungene Abgrenzung zu der eh harmonisch gebogen angelegten Grünfläche am künftigen Juegndtreff notwendig ist, die allerdings tagelang brach lag. Heute konnte ich beobachten, wie in das betonierte Fundament drei starke Spiralfedern montiert wurden – also ein weiteres „Bewegungsgerät“. Dann ist diese Frage ja schon mal geklärt. Andere harren noch auf eine Entscheidung, etwa: Wie müssen sich die „Prüfungspäckchen“ für die Prüflinge von denen der Prüfer und Vorsitzenden unterscheiden? Wo werden sie gesammelt und von wem wann abgeholt? Wo sind sie am Prüfungstag am besten abzuholen? Ist es nicht günstiger, die Papiere nicht zu tackern, sondern mit einer Büroklammer zusammenzuheften, weil sie dadurch für die Prüflinge besser zu handhaben sind? Dem Volksmund sei Ehre und Dank: Der Teufel steckt im Detail!

Ansonsten gaben sich die Gesprächsteilnehmer heute wieder einmal die „Klinke in die Hand“. Eine Kollegin stellte sich vor, weil sie bis zu den Sommerferien für irgendwie gestaltete Vertretungen zur Verfügung steht, der Gliederungsplan – heute bis zwölf Uhr hochzuladen – war noch mit dem Personalrat zu besprechen, die Schülervertretung bat um ein Gespräch wegen Regelungen für den Sweatshirt-Verkauf und einem zusätzlichen Assembly, und…und… Unsere Skifahrer tun mir etwas leid: Erste Fotos, die uns erreichten, zeigen weite Grünflächen mit weißen Flecken, so dass eher „Wiesen-Ski“ angesagt ist. Ich drücke euch ganz fest die Daumen für kurzfristige Niederschläge!

 

 

Montag, 13. März 2017:

 

Immer wieder habe ich an dieser Stelle schon über den Gliederungsplan geschrieben. Momentan ist prognostisch der vorläufige für das kommende Schuljahr zu bearbeiten, der dann Grundlage für die endgültige Personalplanung sein wird. Im Grunde könnte ich anstimmen: „Alle Jahre wieder“. Damit verbunden ist ebenfalls eine ganz spezielle Anspannung, denn Stunden, die jetzt im März nicht aufgeführt sind, werden im kommenden Schuljahr nicht vergeben. Und trotz der sich jährlich wiederholdenden Aufgabe, ist diese Gesamtaufstellung ein „Monsterwerk“. Die letzten beiden Gliederungspläne waren zwar fehlerfrei und „große Klöpse“ hatten wir noch nie zu verkraften, dennoch sind immer ein paar Neuigkeiten zu beachten und Zahlen anders zu erheben. Neu ist dieses Mal: Wir bieten in der kommenden elften Klasse zwei Spanisch-Anfängerkurse an! Diese Regelung ist so neu, dass es dafür noch gar kein vorausgefülltes Feld gibt. Da steht nur Französisch oder Latein. Aber immerhin gibt es ein unbezeichntes Feld. Die Praxis ist mal wieder schneller als das Formular! Wir stellten die Zahlen zuvor anhand der Anmeldebögen für die Oberstufe fest, natürlich in dem Bewusstsein, dass es sich um vorläufige Angaben handelt. Die errechneten Zahlen ergeben aber ein klares Bild für drei Kurse im kommenden elften Jahrgang in der Fremdsprache. Bei zwei Spanisch- und einem Französisch-Kurs bleibt die Zahl drei erhalten, da gibt es kaum etwas zu „spielen“. Das war ja eine Bedingung dafür, dass wir mit Spanisch beginnen dürfen: Es gibt keine zusätzlichen Stunden – brauchen wir auch nicht.

 

Neu war heute auch die erste Examenslehrprobe für das Lehramt an Gymnasien bei uns als Ausbildungsschule. Selbstredend ist das „Chefsache“. Ich machte mich also früher von der Schulleitungssitzung auf den Weg in die Sporthalle, traf auf aufgeregte Schüler/-innen und einen angespannten Prüfling. „Er tigert!“, nannte das die Vertreterin des Studienseminars. Zur Besprechung lud ich anschließend in mein Büro ein. Dort herrscht schon mal räumlich eine andere Atmosphäre als in einem großen Klassenzimmer. Besonders schön daran war, dass in der Besprechung der Stunde eines meiner Bilder an der Wand mit einbezogen wurde. Wie schön ist das denn? Die abschließende Notenfindung erinnerte mich stark an das, was uns beim mündlichen Abitur „blühen“ wird: Zunächst eine Annäherung an den Notenbereich, dann langsames Vortasten zu den konkreten Punktzahlen, bei einer Differenz eine Begründung für die eine oder die andere Punktzahl und schließlich die Einigung. Wenn das so einvernehmlich läuft wie heute, fällt beim Abitur für den Prüfungsvorsitzenden kaum Arbeit an. Lediglich bei nicht überbrückbaren Unterschieden muss er ein Ergebnis festlegen, was sicherlich nicht die Regel sein wird. Einen ersten Einblick über die einzelnen Rollen erhielten wir heute anhand des Prüfungsplans für nächste Woche. Oje, was würde mein ehemaliger Mathematiklehrer wohl sagen, wenn er erführe, dass ausgerechnet sein ehemaliges Sorgenkind in acht Mathematikprüfungen den Vorsitz innehat?

 

Freitag, 10. März 2017:

Noch laufen die letzten Vorbereitungen für das mündliche Abitur: die Oberprimaner mussten bis heute ihre gewünschten mündlichen Prüfungen anmelden. Zum einen sind dies in der Regel festliegende vierte Prüfungsfächer, zum anderen noch freiwillige Prüfungen, mittels deren man die noch notwendigen Punkte zum Bestehen des Abiturs oder zusätzliche Punkte zur Verbesserung des Abiturschnittes sammeln kann. Nun folgt die nicht einfache Aufgabe, aus den ganzen Meldungen einen Prüfungsplan zu erstellen, in denen Räume, Fächer, so genannte Blockprüfungen und Abläufe so festgelegt werden, dass die beiden Tage machbar gestaltet werden können. Der Begriff „Blockprüfungen“ meint, dass mehrere (drei bis vier) Prüfungen mit denselben Aufgaben hintereinanderliegen. Das bedeutet: Es müssen weniger Aufgaben konzipiert werden und aufeinanderfolgende Prüfungen sind besser vergleichbar, allederings ist der organisatorische Aufwand größer, denn die Prüflinge dürfen sich im Vorbereitungsraum und auf den Wegen nicht begegnen. Zu meinem Glück gibt es dazu Menschen, die sich der Erstellung des Prüfungsplanes annehmen. Ich habe heute noch die restlichen Ergebnisse aus dem schriftlichen Abitur in Englisch, fein säuberlich getrennt nach Punkten für das Hörverstehen, das Leseverstehen und den schriftlichen Aufgabenteile, im geforderten Portal eingetragen. Auch der vorläufige Gliederungsplan beanspruchte mich noch – am Dienstag ist der Termin zum Hochladen, Portale und Interneteingaben, die der Pädagogik vorausgehen…

Ich selbst blickte schon etwas weiter voraus: Im September kommen die „Young Americans“ zum vierten Mal nach Wachenheim. Eine erste finanzielle Unterstützung ist bereits unter Dach und Fach. Heute ging es um erste Planungen für das gemeinsame Mittagessen. Dazu kam ein Caterer ins Büro und wir besprachen Möglichkeiten und Kosten. Entschieden wird erst nach einem schriftlichen Angebot.

„Mir gefällt, wie du mit Menschen umgehst, daher möchte ich einen Rat von dir“ – so sprach mich eine Kollegin heute an. Ich versuchte, stimmig zu antworten, griff in die Erfahrungskiste und erweiterte eventuelle Handlungsmöglichkeiten. Nun hoffe ich mal, dass ich die erwartete Hilfestellung geben konnte.

Schade, ich habe eine CD mit fünf Videoaufnahemen vom Projekttag „Pop macht Schule“ erhalten und kann sie nicht öffnen bzw. laufen die Aufnahmen weder an verschiedenen Computern noch auf dem DVD-Player – da muss ich meine neugierige Freude wohl bis nächste Woche aufschieben. Ebenfalls erreichte mich ein Buch, das die Popakademiker mitgebracht haben: „Pop macht Schule. Neue Wege zur Vermittlung von Popmusik“ vom Leiter der Popakademie Axel Schwarz (Mainz 2015). Darin sind Hintergründe, Konzeption und Methoden des Projektes formuliert. „Die Idee, Popkünstler in die Schulen zu schicken, um dort mit den Jufendlichen gemeinsam Musik zu komponieren, zu texten, zu arrangieren und vor Publikum aufzuführen, ist die Grundlage, auf der das Konzept Pop macht Schule […] basiert“ (ebd. S.5). Was hier theoretisch formuliert ist, hat bei uns eins zu eins stattgefunden, wie ich aus den Äußerungen der Schüler/-innen heraushörte. Auch die Umschreibungen „Unterricht auf Augenhöhe“, „niedrigschwellige Angebote“ und „Wegweiser für Integration“ (vgl. ebd. S.7) empfinde ich als umgesetzt, denn: „Das Konzept führt die Schüler in eine ihnen naheliegende und vertraute künstlerische Welt“ (ebd.). Während der Pausenaufsicht nannten mir unsere Schüler wie selbstverständlich die Liedtitel, die sowohl vorgespielt, als auch gemeinsam arrangiert und weiterentwickelt wurden. Da sie nicht innerhalb „meiner Lebenswelt“ liegen, habe ich sie mir nicht merken können. Dass solch ein Tag in der Schule nicht als „Unterrichtsausfall“ gezählt werden kan