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Juni bis Juli 2016

 

Freitag, 15. Juli 2016:

Genaugenommen handelte es sich heute schon um einen Ferientermin, denn das Unterrichtsende vor den Sommerferien war auf elf Uhr terminiert. Bei der Termindichte der letzten beiden Wochen mit zwei aufzufangenden erkrankten Schulleitungsmitgliedern fand sich aber kein anderer Termin für die obligatorischen Beratungsgespräche mit den Studienreferendaren als der um 13 Uhr. Auch für sie hatten eigentlich die Ferien da bereits begonnen. Wie heißt es im Buch „Heut‘ gehen wir Bärenjagd“: Da können wir nicht drüber, da können wir nicht drunter, da müssen wir mittendurch! Dann, aber dann war auch das achte Jahr der IGS Deidesheim/Wachenheim geschafft. Danke euch allen, die es auf allen Seiten mitgestemmt haben. Ihr alle habt nun eine Auszeit redlich verdient. Erholt euch gut, tankt auf, sammelt neue Kräfte, denn das kommende Schuljahr bringt uns alle an ein seit Jahren angestrebtes Ziel – das erste Abitur!

 

Donnerstag, 14. Juli 2016:

Die Fortbildung „Wir werden ein Team“ für neue und erfahrene Kolleg/-innen verlief gut. Nicht nur inhaltlich mussten wir sie an die neue Situation anpassen, durch Krankheit mussten wir uns auch personell „strecken“. Zusätzliche Stressfaktoren verursachten zwischendrin die Zeugnisse wegen nicht formatierter Vorlagen und auch noch die zeitaufwändige Lösung eines Konfliktes, so dass ich zwischen Wachenheim und Deidesheim in wahrsten Sinne hin- und herpendelte. Aber alles (?) ist geschafft und fand ein gutes Ende. Ach so, neue Vertretungsverträge und die Personalplanung rutschten auch noch hinein. Bei den Vertretungen zeichnet sich das bekannte Problem ab: Sie sind zeitlich befristet und ergeben nicht die Stundenzahl einer vollen Stelle. Das heißt so viel wie: Sie sind nicht unbedingt attraktiv. Hinzu kommt, dass die in Frage kommenden Kolleg/-innen in der Nähe wohnen müssen, denn niemand kommt für zwölf Stunden mehrmals wöchentlich aus Mainz angefahren. Da wird noch Feinabstimmung notwendig sein.

 

Dienstag, 12. Juli 2016:

„Lass dich mal bei den Bundesjugendspielen in Wachenheim blicken!“ – vor einiger Zeit schon nahm diese Anregung entgegen und so fuhr ich heute Morgen ins Stadion „Am Alten Galgen“. Dort fand ich bereits eine schöne Stimmung vor, sah schon Schüler/-innen zum Wettlauf bereit an den Startblöcken und vor der Sprunggrube aufgestellt. Ganz hinten, weit weg von mir (Mein Gott, wie groß ist so ein Sportplatz!) versuchten einige Mädchen sich nicht im Sprungseil zu verheddern – irgendwie haben sie das besser in ihrem Bewegungsapparat als die Jungen, warum auch immer! Ich besuchte im weiten Rund alle Riegen, wurde fast überall sehr freundlich, fast mit Jubel begrüßt und machte mich dann nach knapp eineinhalb Stunden auf den Weg nach Deidesheim. Im Auto dachte ich an die Straßenbezeichnung, die durchaus dafür stehen kann, dass die Zeiten der heute mit Kopfschütteln, Unverständnis und Grauen wahrgenommenen Methoden des so genannten „Islamischen Staates“ auch bei uns noch gar nicht so lange verstrichen sind! Wie lange und mühevoll war der Weg von den feudalen Galgen zu einer demokratischen Verfassung!

Im dortigen Tresor hatte sich weiteres Bargeld angesammelt, das ich auf die Bank bringen musste. Den exakten Erstkontakt zur Schülervertretung weiß ich gar nicht. Jedenfalls organisierte diese für die „Aktion gegen den Hunger“ in Berlin einen Spendenlauf für die ganze Schule. Jede/r Schüler/in sollte sich Sponsoren suchen, die pro festgelegter Runde einen Betrag spenden. Zuvor, so war es zumindest geplant, sollten sich alle Klassen mit dem Thema Hunger befassen, wozu eine Handreichung für die Tutoren verschickt wurde. Darin waren unter anderem Ursachen von weltweitem Hunger erläutert, etwa Hunger aufgrund von Krieg, aufgrund von Korruption, aufgrund von Naturkatastrophen und auch Epidemien. Die „Aktion gegen den Hunger“ blickt auf 35 Jahre Erfahrung zurück und hat seither nach eigenen Angaben 37 Millionen Menschen in 47 Ländern erreicht. Mit diesen Informationen war sicherlich ein hoher Motivationsgrad erreicht, jedenfalls fand sich eine große Anzahl von Sponsoren. Letztendlich kam ein Betrag von über 20.000 Euro zusammen – niemand hatte eine solch hohe Summe auch nur in Erwägung gezogen – Wahnsinn! Nun ging es noch darum, die ausbezahlten Sponsorengelder zu sammeln. Da es am Standort in Wachenheim erneut einen Einbruchsversuch gab und keiner der Schultresore für eine solche Summe versichert ist, mussten wir fast täglich zu Bank. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn ausgerechnet ein Spendenbetrag einem Diebstahl anheimfallen würde!

Eine Besonderheit war heute noch ein Gespräch mit einer Familie, die im kommenden Jahr aus Mumbay zurückkehrt und bereits jetzt, während eines Heimaturlaubs einen Schulplatz klarmachen wollte. Der nahe gelegene Chemiekonzern schickt laufend Mitarbeiter ins Ausland, die irgendwann auch zurückkehren. Deren Kinder besuchen einheimische oder auch deutsche Schulen vor Ort, deren Zeugnisse für eine Zuordnung ins deutsche Schulsystem nicht immer aussagekräftig sind. Der erste Weg führt daher immer die IGS, da sie alle Schullaufbahnen anbietet. Im kommenden Schuljahr kehren allein drei Kinder aus Brasilien aus dem gleichen Grund zurück. Der Zufall wollte es dabei, dass sich eines in Klasse 5, eines in die Oberstufe anmelden konnte, so dass nur ein Schulplatz in der Sekundarstufe benötigt wurde. Deidesheim im Gespräch von Indien, über die Philippinen bis Brasilien!

 

Freitag, 08. Juli 2016:

Sollte ich ein komplettes Schuljahr nicht mehr durchstehen? Schon im letzten Jahr verschlug es mich um diese Zeit krank ins Bett. Dieses Mal waren es nur „Fieberattacken“, die sich nach drei Tagen wieder verflüchtigt haben. Dennoch: Es ist Zeugniszeit und ich sollte doch die Konferenzen der Jahrgänge fünf und sechs vertretungshalber übernehmen. Nun musste die Vertretung vertreten werden. Aber das Team stand wie eine eins, alles verlief bestens! Danke!

Gestern bereits meldete sich die Tageszeitung für einen Bericht über die Entlassfeier, die erstmals die Jahrgänge neun, zehn und zwölf umfassen, denn wer erfolgreich die Schule nach Klasse zwölf verlässt, verfügt automatisch über den schulischen Teil der Fachhochschulreife. Auch wenn diese Schüler/-innen gehen, weil sie befürchten, das Abitur nicht zu schaffen, wollen wir ihnen angemessen die Zeugnisse überreichen und feierlich entlassen, Abschluss ist Abschluss! Die Zeitungsredaktionen schaffen es angesichts der Vielzahl von Schulen, die zurzeit Entlassfeiern durchführen, nicht zu jeder Feier. Daher will die Redaktion die Namen der Preisträger und „die Rede des Schulleiters“ vorab bekommen, um daraus dann einen Artikel zu verfassen. Lediglich der Fotograf kommt für eine kurze Zeitspanne vorbei, um die Preisträger in einem Gruppenbild abzulichten. Und wieder schrieb ich der Zeitung zurück, dass für mich eine Rede eine Rede ist und keine „Schreibe“, ich daher also über keine fertige Rede verfüge. Ich hätte mir zwar einige inhaltliche Gedanken gemacht, aber nur die, die zum Zeitpunkt der Rede „in mir“ sind, werden vorkommen. Was in diesen Minuten nicht präsent ist, kann auch nicht ins Mikrofon gesprochen werden, weil es vermutlich doch nicht so wichtig ist, sonst wäre „es da“. Insofern ist es immer noch eine freie Rede, auf alle Fälle denke ich, dass sie in jedem Fall authentischer wirkt als eine vorformulierte und nur noch abgelesene Ansprache. Natürlich ist diese Vorgehensweise jedes Mal ein Wagnis, das, wenn es schief geht, aber zumindest ehrlich war. Dazu würde ich auch stehen. Viele halten das immer wieder für mutig. Aber auf der einen Seite musste ich schon viel zu oft langweiligen und abgelesenen Reden lauschen (oder eben auch nicht), auf der anderen habe ich „mit mir“ da nur gute Erfahrungen gemacht. War es Erich Kästner oder Kurt Tucholsky, von einem der beiden habe ich Satz verinnerlicht: „Wer nichts zu sagen hat, soll auch keine Rede halten!“ Da ich der (überheblichen?) Meinung bin, zu einem solchen Anlass etwas zu sagen zu haben, vertraue ich weiter auf diese Vorgehensweise. Und siehe da, ein Vater meldete mir zurück: „Du hast mir mit deiner Rede so voll und ganz aus dem Herzen gesprochen!“

Inhaltlich ging ich, in Anlehnung an die Böll-Projekttage, die in mir immer noch anhalten (dazu in den Sommerferien mehr), von einem Ausspruch von Bölls Mutter aus, die nach dem Erreichen des Abiturs und nach Abbruch einer Buchhändlerlehre über ihren Sohn gesagt haben soll: „Was soll aus dem Jungen bloß werden?“ Daraus entnehme erneut die Ansicht: Wichtig ist nicht, welchen Schulabschluss ein Jugendlicher erzielt, wichtig ist, was er daraus macht! Ein Schulabschluss ist also in erster Linie kein abschließendes Faktum im Sinne eines Fertig-Seins, sondern eher ein Anfang im Sinne der Frage: Was fange ich ab heute damit an?

Der zweite Gedanke bezog sich auf die Zukunft aller. Heinrich Böll verkehrte in einem Interview den Satz „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ in seine Erfahrung: „Nicht für das Leben lernten wir, sondern für den Tod“, weil ganze Abiturjahrgänge in den Krieg geschickt wurden, aus dem die meisten nicht zurückkamen. Nichts lässt sich mit dem Zweiten Weltkrieg vergleichen und doch kommt mir der Gedanke, dass die nun Entlassenen die Aufgabe haben, Zukunft zu gestalten. Ihnen ist es möglich und ihnen wird dies auferlegt. Zu dieser Zeit nehme ich zusätzlich Dinge wahr, die bei mir zumindest ein mulmiges Gefühl hinterlassen:

-   Freiheit, Demokratie und die unabhängige Justiz werden derzeit in einigen Ländern   in autokratischer Manier eingeschränkt;

-   bar jeder Vernunft werden wieder nationale Grenzen betont und mit Stacheldraht versehen;

-   Aus egoistischen Ängsten vor Einflussverlust wird beschlossen, aus der Europäischen Gemeinschaft auszutreten;

-   Inhumanes, menschenverachtendes und rassistisches Gedankengut, das ich als gesellschaftlich für überwunden hielt, erhält wachsenden Zulauf und zieht sogar wieder in Landesparlamente ein;

-   Terror kehrt mit unvorstellbaren, mittelalterlichen Methoden bis zu uns zurück;

-   Gleichzeitig treten Klimaveränderung und die Kluft zwischen Arm und Reich in die zweite Reihe.

Daraus erwachsen immense Aufgaben, die mir schwerfallen, einfach an die nächste Generation zu vererben, weil meine Generation nicht aufmerksam genug war. Eine Hoffnung trage dennoch in mir: Absolventen einer IGS als Schwerpunktschule mögen gelernt haben: Individualität in Vielfalt ist ein unverzichtbarer Wert an sich. Lösungen aller Konflikte können nur entstehen oder erarbeitet werden, wo niemand ausgegrenzt wird, keiner ausgeschlossen ist und wo Integration und Inklusion im Alltag und damit vor allem in den Köpfen verwirklicht werden. An dieser Hoffnung halte ich fest und ziehe daraus die Kraft für die tägliche Arbeit in und für diese Schule, bis mir jemand etwas anderes nahelegt. Das wollte ich unseren Schulabgängern mitgeben - gewiss kein unerhebliches Paket, das der „abhebenden Feierlaune“ einen nachdenklichen Aspekt hinzufügen und damit, bei aller Freude über die erzielten Abschlüsse, den Abend durch Ernsthaftigkeit „auf die Füße“ stellen sollte.

 

Freitag, 31. Juni 2016:

Derzeit plagt uns noch die Unterrichtsverteilung für das kommende Schuljahr. Da sind noch Kurse und Fachstunden unbesetzt, noch nicht alle Kolleginnen und Kollegen sind gemäß ihrem Deputat eingesetzt, können aber die fehlenden Fachstunden nicht übernehmen, weil sie in diesen Fächern nicht über die Unterrichtserlaubnis verfügen. Also „weiterbasteln“ – so nennen wir das intern. Ebenfalls schon für das kommende Schuljahr wichtig: Die jährliche Fortbildung mit dem Titel: „Wir werden ein Team“ für die neuen und von Jahrgang zehn neu beginnenden Kolleginnen und Kollegen. Bisher gestalteten sich diese Tage ähnlich, weil jedes Jahr neue Lehrkräfte zu uns stießen, für die wir auch immer die Schule vorstellten. Das kommende neue Fünferteam allerdings besteht zum größten Teil aus Tutoren, die das Konzept schon kennen, die wenigen neuen übernehmen die Stammkursleitung in der neuen elften Jahrgangsstufe. Heißt: Wir müssen die bekannten Wege dieser Fortbildung verlassen und neue Pfade suchen. Auch dies stand heute auf dem Terminplan. Und  nun: Sei gegrüßt, Wochenende!

 

Mittwoch, 29. Juni 2016:

Und da waren es drei: Ich besuchte heute den Leistungskurs Geschichte im elften Jahrgang und fand eine „herrliche Truppe“ vor, von der Anzahl her überschaubar, das Arbeitsverhalten sehr angenehm und auffallend gut, wie ich mir das für einen Leistungskurs der Oberstufe wünsche. Da funktionierte der Wechsel der Sozialform bestens, in den arbeitsteiligen Gruppen wurden die Auswirkungen des Machtanspruchs des Sonnenkönigs auf unterschiedliche Bereiche treffend erarbeitet und anschließend für alle die Ergebnisse präsentiert. Eine runde Stunde eben, deren Ende ich in die zweite der Doppelstunden hinein aus Interesse verlängerte.

 

Freitag, 24. Juli 2016: 

Die Woche endete dann fulminant, grandios und mit einem besonderen Event. Das Projekt „R-IGS-ling“ (siehe Eintrag am 13. April 2016) fand seinen Weg in die Öffentlichkeit, denn die Spendenübergabe wollten wir im Hof der Winzergenossenschaft werbewirksam zelebrieren. Zunächst spielte zur Einstimmung die Bandklasse des sechsten Jahrgangs, die den Vormittag mit Aufbau und Proben zugebracht hatte – ein begleitender wenn auch nicht gewünschter Effekt dabei war so manche Rötung angesichts der heißen Sonne. Zwischen den Begrüßungsworten spielte dann abwechselnd noch die Bandstarter AG, nach der symbolischen Scheckübergabe kamen dann die Schüler/-innen der Weinbau AG zu Wort und berichteten durchaus von der Freude an der Arbeit, die bei Wind und Wetter zu verrichten war, zum Teil bei minus sechs Grad (Dies an einem Tag geschrieben, an dem mich viele Stimmen mit dem Wort „hitzefrei“ erreichten).  Bevor das Programm mit weiteren Liedern der Schüler/-innen ausklang, war Rolf Stahlhofen so etwas wie der schillernde Stargast, der dem Nachmittag eine besondere Prägung verlieh. Sicherlich der Höhepunkt war erklommen, als er – immerhin Mitglied der überregional bekannten Band „Söhne Mannheims“ - zum Mitsingen einlud und mit den Kindern der Bandklasse eine Session veranstaltete. Wieder einmal eine brillante Veranstaltung der Schule mit Schüler/-innen und für die Schüler/-innen. Sehr gelungen war auch, dass der Donner und der Regen solange gewartet hatte, bis die gesamte Anlage wieder in der trockenen Halle des Winzervereins verstaut war. Bleibt zu hoffen, dass der R-IGS-ling den Weg über die Theke zu ausreichend vielen Käufern findet.

 

Donnerstag, 23. Juni 2016:

Den ersten Elternabendim Mai 2008 im Blick, fand heute bereits der neunte dieser Art statt. Ebenfalls erblickte heute das neunte Jahrgangslogo, „Rike Riesling“ das Licht der Welt und, ebenfalls zum neunten Mal, erklang der Schulkanon, von Eltern gesungen, in der Stadthalle. Zunächst, auch das immer wiederkehrend, verlegenes Lächeln bei meiner Ankündigung, dass wir gleich gemeinsam singen werden, die zaghaften Stimmen beim Aufwärmen und Lockermachen des Zwerchfells mit den „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“anschließend das Einüben, die Aufmunterung von den 60 erklungenen Prozent auf den Modus mit 100% überzugehen und schließlich erklang, wie seit neun Jahren zu diesem Anlass, „Jeder kann was prima machen“ im Kanon. Allerdings musste ich die Gitarre erneut nachstimmen, denn die hohen Temperaturen in der Stadthalle bleiben bei den Saiten nicht ohne Auswirkung, diesie dehnen sich nach Belieben aus und entlassen dem Resonanzkörper daher Akkorde, die schauerlich klingen. Es erstaunt mich jährlich neu, dass dies funktioniert und sich Eltern dafür öffnen. Der Rest barg keine Überraschungen, denn die Schule konkret und die Integrationstage im Besonderen vorzustellen, den Schulelternbeirat und den Förderverein einzubeziehen, all das läuft fast professionell ab – immerhin war fast das komplette Schulleitungsteam anwesend, auch eine Würdigung dieses ersten Anlasses für den neuen Jahrgang. Im kommenden Jahr machen wir also die Dekade voll, bis dahin wird hoffentlich die Baustelle eingerichtet sein!

 

Mittwoch, 22. Juni 2016:

Die Vielseitigkeit des Medientages in Wachenheim war heute ein Thema in den beiden Assemblys. Schüler/-innen erzählten etwa von ihren Erlebnissen und Erfahrungen im Rundfunkstudio, bei der Nutzung der Handys und davon, wieviel Zurückhaltung es bedarf, wenn man Fotos verschickt oder ins Netz lädt. Die Krönung war sicherlich der Film, der am Medientag entstand und einige filmische Tricks in sich vereinigte. Großen Beifall gab es für die Preisträger im Mathematik Känguruh-Wettbewerb, wenngleich die „großen Preise“ ausblieben. Aber vielleicht war es eine motivierende Werbung für den Wettbewerb im kommenden Jahr. Aus der immerwährenden Eile heraus, hatte ich nur zur Ukulele gegriffen. Aus einer meiner Musikklassen hörte ich. „Juhu! Er hat die Ukulele dabei!“. Wunderbar! Ein Folgetermin unmittelbar zum Zeitpunkt des zweiten Assemblys, das der sechsten Klassen, bedingte, dass ich nach dem Singen von „Jeder kann was prima machen“ zurück nach Deidesheim fahren musste. Da es mit dem gleichen Inhalt geplant war, konnte ich dies verschmerzen und zum Singen war ich ja noch dabei.

 

Sonntag, 19. Juni 2016:

Die drei bisher in Verantwortung des Fördervereins veranstalteten Flohmärkte litten vor allem unter Publikumsmangel. Wenn die Menschen nicht zu uns kommen, gehen wir eben zu den Menschen – so die Idee, den diesjährigen Markt an den Tag zu legen, wenn ich Wachenheim durch die Jubiläumsveranstaltungen die Menschen da sein werden, zumal der Festumzug direkt am Hortgebäude entlangführen sollte. Guter Dinge startete das ganze Unternehmen, die Stimmung war voller Erwartung, sogar das Wetter spielte mit (Der Bolzplatz, auf dem die Stände in der ursprünglichen Planung stehen sollten, stand durch den anhaltenden, heftigen Regen komplett unter Wasser). Unsere Rechnung ging aber letztendlich nicht auf, die „Laufkundschaft“ stellte sich auch heuer an neuem Platz nicht ein, der Verdienst stand in keinem Verhältnis zum Aufwand. Der meiste Kuchen wurde an eine „Guggnmusi“ verkauft. Eigentlich wollte nur ein Musiker die Toilette bei uns nutzen, als er aber das Kuchenangebot, die Möglichkeit des Kaffees und die Würstchen erblickte, lotste die etwa zwanzig Musiker per Handy in die Mensa – ein unerwarteter Besuch und wenigstens eine kleine „Spülung“ in die Kassen.

Der lange geplante und fantasievolle Festumzug bescherte mir eine schöne Erfahrung. Die Schule sagte frühzeitig ihre Teilnahme ab, da in Zeugniszeiten zu Schuljahresende ein solches Projekt nur schwer zu stemmen ist. Dem Umzug wollte ich dennoch als Zuschauer und als winkender Schulleiter Würdigung bezeugen. Ich hatte dabei unterschätzt, dass zwar die Schule nicht am Umzug beteiligt ist, aber sehr wohl Schülerinnen und Schüler. Aus vielen beteiligten Gruppen erschallte ein mir zuwinkendes: „Hallo, Herr Dumont!“ entgegen. Klar, unsere Schüler/-innen verfügen über ein ausgeprägtes Leben außerhalb der Schule und sind in verschiedenen Vereinen und Gruppen engagiert – und die zogen heute, fast alle vereint, in fröhlicher Laune eines Festumzuges die Friedelsheimer Straße entlang. Eine Mutter neben mir kommentierte die vielen Grüße aus dem Zug: „Na, Sie sind aber bekannt hier!“ Ich konnte nur mit einem bewegten Schmunzeln antworten, weil ich, das nicht erahnend, selbst davon überrascht wurde.

 

Freitag, 17. Juni 2016:

Die Krankheit der einen wird zum Glück für eine andere: Ich war direkt am Telefon, als eine Schülerin anrief. Sie sei von der Klassenfahrt frühzeitig heimgefahren, weil sie gemobbt würde und das schon seit der fünften Klasse. Welche Möglichkeiten habe sie, sofort die Schule zu wechseln, sie könne einfach nicht mehr. Ein solcher Anruf berührt gleich fünf verschiedene Ebenen und kann daher – zusätzlich an einem Freitag – nicht mit einer schnellen Lösung aufwarten. Dennoch wollte ich direkt und unmittelbar „Linderung“ bewirken, auf keinen Fall bagatellisieren und für das bevorstehende Wochenende mit ersten Schritten die Angst verringern, denn am Montag wäre sie zunächst einmal wieder der Klasse „ausgesetzt“. Daher bot ich ihr meine „breiten Schulleiter-Schultern“ an und wir vereinbarten gleich am Telefon die nächsten Schritte der Unterstützung. Ein erstes Gespräch mit der Stufenleitung führte mich bereits tiefer in die persönliche „Historie“, ihre Besonderheiten und bisherigen Hilfsangebote ein, weitere konkrete Schritte, noch über das Wochenende hinweg, werden die Angst zusätzlich lindern helfen, so dass ich das  Mädchen durch sofortige Angebote stärken konnte, die Tränen versiegten bereits am Telefon und das Wochenende wird ruhiger verlaufen können. Wie in allen menschlich verzwickten Situationen wird erst ein längerer Prozess abhelfen, ein Weg, der an Wurzeln heranreicht, den das Mädchen selbst mitgehen muss, den viele begleiten müssen, aus welchem aber, wenn er denn glücklich in Gang kommt, alle gestärkt hervorgehen können.

 

Dienstag, 14. Juni 2016:

Unterrichtsbeginn und Pausen nehme ich in meinem im Übergang und damit mitten drin sich befindenden Büro mit einem jeweils typischen und gewohnten Geräuschpegel wahr. Gerade diese Wahrnehmung bleibt diese Woche aus, zumindest gestaltet sie sich signifikant anders, weil sich die Jahrgänge 7, 9 und 12 auf Klassenfahrten aufgemacht haben. Die geografische Ausbreitung erstreckt sich dabei von eher regionaler Nähe (etwa Homburg im Saarland) in Jahrgang 7, deutschlandweit über den Bodensee, über das Ijsselmeeer nach Holland hinein (Jahrgang 9), bis nach Europa bei den Studienfahrten der Zwölftklässler, die auf Malta und im nördlichen Italien inhaltlich ihren jeweiligen Profilfächern nachgehen. Dennoch bietet auch das heimatliche Schulgebäude „Ausflüge“ in ungewohnte Gefilde: In Wachenheim beschäftigten sich heute die Schüler/-innen in vielfältiger Weise mit dem Thema Medien, wobei die Palette vom Besuch eines Rundfunkstudios, über Printmedien und das Thema Handy und Cybermobbing bis hin zur Produktion von Filmen mit allen möglichen Tricks reichte. Am Standort Deidesheim stellten knapp 30 externe Firmen und Vertreter eine ganze Vielfalt von Berufen vor, geschehen mit Stellwänden und Infoständen bis hin zu von Schüler/-innen zu verrichtenden praktischen Übungen beim (früher hieß das so) Schreiner, Maurer und Elektriker. Im Bereich „Restaurant und Hotel“ konnten Tische richtig und, fachlich angeleitet, eingedeckt werden und vieles andere mehr. Eine Hoch-Zeit und ein Muss im Schulalltag einer Schule, die alle Abschlüsse anbietet. Die Vorbereitung und Durchführung dieses Tages ist über Jahre hin gewachsen, reicht aber dennoch in jedem Jahr an eine koordinatorische Meisterleistung heran. Freudig nehme ich die Äußerungen der Betriebe auf, die durchgehend ein Lob für unsere interessierte und gut vorbereitete Schülerschaft enthalten. Alle fügten die Bereitschaft hinzu, im kommenden Jahr gerne wiederzukommen.

Ich selbst plagte mich parallel mit den Anträgen für das Schulbudget des kommenden Haushaltsjahres herum. Im Gegensatz zum Freitag betreffen diese alle „beweglichen“ Angelegenheiten, weil sie nicht „gebaut“ sind, darunter alle Verwaltungs-, Veranstaltungs- und Unterhaltskosten sowie, das ist immer der spürbarste „Batzen“, die Lehr- und Unterrichtsmittel – alle Posten genau berechnet nach Schüler- und Klassenanzahl nach dem Mayen-Koblenzer Modell. Will heißen: Viele Zahlen errechnen und in Tabellen eintragen, Zusatzanträge formulieren und vor allem: Keine Fehler machen!  

 

Freitag, 10. Juni 2016:

„Wohin bewegt sich der Metallstab innerhalb dieses Magnetfeldes, wenn die Stromrichtung umgekehrt wird?“ Soviel verstand ich als Aufgabenstellung in einer Unterrichtsstunde im Leistungskurs Physik. Wie kompliziert sich das Problem ausweiten und sich dann auf die grafische Darstellung auswirken werden kann, erfuhr ich bei einem Unterrichtsbesuch, den ich innerhalb des Anfertigens einer ausführlichen dienstlichen Beurteilung für die „Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit“ erleben durfte. Deren drei muss ich, da terminlich fixiert, noch vor den Sommerferien verfassen. Daher werde ich noch Besuche in Musik und in Deutsch erleben, die mich jeweils für kurze Zeit in die sitzend begleitende Schülerperspektive versetzen wird. Wie schnell 45 Minuten vergehen können und dann von einem völlig anderen Fach mit den jeweiligen Fragestellungen abgelöst werden (also den ganzen Unfug der 45-minütigen Taktung des Vormittags) erlebte ich heute besonders stark, denn es standen bei mir zwei Besuche von extern an. Zum einen den jährlichen Rundgang durchs Haus, um für den Bauhaushalt 2017 die notwendigen Reparaturarbeiten und den Baubedarf (darunter fällt alles, was im Hause „unbeweglich“ ist) zu ermitteln, heute am Standort Deidesheim. Zu dem zweiten, mit angenehmer Spannung in mir erwarteten Termin, schaute die neue Kollegin zum Kennenlernen vorbei.aus unbeweglich i Als wichtigste Bemerkung speicherte ich ab. „Ich glaube, an dieser Schule werde ich das finden, was ich während des Referendariats im Gymnasium immer vermisst habe“. Darin drückt sich eine schöne Erwartung aus, der ich natürlich nachkommen möchte, aber auch eine Grundübereinstimmung als Voraussetzung für berufliche Zufriedenheit und das Gefühl einer persönlichen Erfüllung in und durch die Arbeit. Zumindest ist es ein völlig anderer Zugang als der, der bei der Ankündigung einer weiteren Stellungbesetzung geäußert wurde: „Die Kollegin kenne ich. Sie wird hier so leiden wie ich“ – keine Äußerung, die ein unbeschwertes Wochenende einläuten kann.

 

Dienstag, 07. Juni 2016:

Zeiten kommen und gehen, Gelegenheiten stellen sich ein, können ergriffen werden oder bleiben liegen, Aufgaben schimmern leuchtend, verblassen dann und immer vergeht dabei die Zeit und stets begleitet zunehmendes Älterwerden den Weg. Eine sehr verallgemeinernde Aufzählung von Binsenwahrheiten, die ich vielleicht lediglich dafür benötige, um einen Entschluss in mir zu legitimieren oder zu festigen. Die Direktorenvereinigung von IGS-Schulleiter/-innen will sich neu strukturieren und dabei die „Netzwerke“ (wie ich diesen Begriff hasse!), die von den Schulaufsichten gebildet wurden, auch auf dieser Ebene abbilden. Sprich: Wir organisieren uns in Regionalkonferenzen mit jeweils einer/m Sprecher/in, die dann wiederum den Landesvorstand bilden, der seinerseits wiederum einer/n Landessprecher/in wählt. Dazu ist erstmals eine Satzung ausgearbeitet worden, die wir heute in den südlichen Regionalkonferenzen besprochen haben. Als es um die neuen Sprecher ging und ich einer der bisherigen Sprecher „im Süden“ war, entließ ich einen vorher bereits gefassten Beschluss in die Öffentlichkeit: „Ich stehe für dieses Amt nicht zur Verfügung.“ Die Gründe für diesen Entschluss sind vielfältig, bedürften einer genaueren Ableitung und Begründung, für deren Formulierung ich hier nicht den Platz einräumen mag. Nach Jahren des Engagements auf dieser verantwortlichen Ebene reihe ich mich als „einfaches“ Mitglied in die Vereinigung ein – und fühle mich wohl dabei. Durch Mitarbeit bei Veranstaltungen kann ja durchaus weiterhin, wenn dies überhaupt gewünscht wird, an meinen Erfahrungen und Standpunkten partizipiert werden. Die „Sprecher-Ebene“ aber wird nicht mehr die meinige sein.

Der Alltag wird derzeit geprägt von der Unterrichtsverteilung für das kommende Schuljahr, ein jährlich wiederkehrendes Meisterpuzzle mit über tausend Teilen. Der schöne Aspekt in diesem Jahr ist der, dass wir diese Aufgabe auf neu hinzugekommene „didaktische Schultern“ verteilen können und daher (?) auch früh, noch im alten Schuljahr, bei weniger werdenden Neueinstellungen beginnen können. Neu ist außerdem der Jahrgang 13, der letzte im Aufbau. Schon wirft das erste Abitur seine Ausläufer zu uns in die Planung und dann…ja dann sind wir komplett „ausgebaut“, wir werden dann über alle Jahrgänge verfügen und zum Kollegium werden nur noch hie und da wegen persönlicher Gründe Veränderungen eintreten. „Ruhiger“ wird es erstmal dennoch nicht werden, das Abitur will zunächst das erste Mal organisiert und inhaltlich gefüllt sein und das große, herausfordernde Thema Bau steht mit noch kaum abwägbaren Einschnitten steht immer noch vor der Tür und will bewältigt werden.    

 

Montag, 06. Juni 2016:

Ein schöner Wochenbeginn, wenn das Haus weitgehend leer ist, auf den Fluren lediglich einzelne Familien auf ihr SELG warten. Sie machen mir durch die Bank einen entspannten Eindruck, lächeln, grüßen mich freundlich, antworten auf meine Fragen locker und ohne ängstlich zu sein. Prima!

Und noch eine schöne Nachricht an diesem Tag: Wir können eine zusätzliche Planstelle besetzen. Wenn wir die Fächerkombination gebrauchen können, gäbe es gleich einen Besetzungsvorschlag. Wenn es geht, will ich zugreifen, aber erst kam noch der Filter Unterrichtsverteilung! Ein Hin- und Herschieben von Überlegungen, welches Fach wir mit welchen Kolleg/-innen besetzen können, ohne unsere „Leitlinien“ (Kontinuität, Jahrgangseinsatz, Minimieren des Pendelns zwischen Wachenheim und Deidesheim…) folgte und dann meldete ich das Interesse an. Und prompt kam schon ein Anruf und wir haben für Freitag einen Vorstellungstermin ausgemacht. Enorme Erfahrung, wie schnell sich die Personalplanung mitunter gestalten kann!

 

Donnerstag, 02. Juni 2016:

Zu den schönsten Aufgaben eines Schulleiters gehört die Mitteilung an Kolleg/-innen, dass sie eine Planstelle erhalten. Im aktuellen Fall betraf das gleich zwei Lehrkräfte, die schon seit längerer Zeit an der Schule sind. Dass es jetzt endlich geklappt hat, löste einen herrlichen Jubel mit freudestrahlenden Gesichtern aus, der schließlich in Umarmungen und Luftsprüngen mündete. Einfach herrlich! Ich sauge diese Momente tief in mich hinein, denn sie entschädigen ja für so manchen Konflikt und ich will das Gefühl dann zum Ausgleich immer parat haben. Für den Bedarf an Lehrerwochenstunden für die neuen Jahrgänge 5 und 13 hat dies allerdings noch keine Auswirkung, denn die Kolleg/-innen waren ja bereits da, aber Planstelle ist Planstelle. Glückwunsch, ihr beiden!

Ein Schreck beim Frühstück: In der Zeitung las ich, dass die Kriminalstatistik 2015 veröffentlicht wurde. Ich kann es kaum fassen, aber darin wird die Zahl von 130 getöteten Kindern genannt, davon 38 (!) durch Totschlagsdelikte, 85 waren unter drei Jahre alt (RHEINPFALZ, Nr.126 vom 2. Juni 2016). Und diese erschreckende Information beim Frühstück!  Zusätzlich der Hinweis, dass dies nur die aktenkundigen Zahlen sind. Die Polizei ginge von einer sehr viel höheren Dunkelziffer aus. Alltägliche  Misshandlungen und Gewaltakte kämen noch dazu. Welch ein Wahnsinn! Und just heute hörte ich Radio Klaus Hoffmann:

„Jedes Kind braucht einen Engel,
der es beschützt und der es hält,
jedes Kind braucht einen Engel,
der es auffängt, wenn es fällt“
 

Zufälligkeiten? Ist uns jeden Tag diese Verantwortung klar? Auch täglich können Lehrer Engeln oder Teufeln ähneln, mir wird richtig übel in der Magengegend, wenn ich daran denke. Die Zahlen stammen nicht aus einem Land, in dem Krieg herrscht, sie kommen nicht durch irregeleiteten Terror zustande, sie schildern den Alltag unserer Zivilgesellschaft. Ist die Vorsilbe „zivil“ da noch angebracht?