Diese Seite drucken

Juli bis Aug 2015

Sommerferien 2015:

Die erste Woche der Sommerferien stand noch ganz unter der Überschrift: „Unterrichtsverteilung“. Erneut haben wir nicht komplette „Mann- und Frauschaft“ zusammen, so dass immer noch Lücken für offene Vertretungsstellen bleiben. Mit welcher Fächerkombination werden sie dann wirklich da sein? Wir benötigen Englisch/Biologie. Aber das gibt die Liste, die ich von der Schulaufsicht erhalten habe, nicht her. Aber: Ich stieß bei der Durchsicht auf eine Kollegin, die sich schon mal persönlich vorgestellt hat. Da ich eine Mobilnummer vorfand, rief ich sie kurzerhand an. Huch, ich wurde mit einem Strand in Spanien verbunden. Nach einigem Hin und Her stimmte die Schulaufsicht zu, sie könne nun doch zu uns kommen. Was gilt die mündliche Zusage? Inzwischen glaube ich einem Personalvorgang erst, wenn der Vertrag da und unterschrieben ist. Das wird sich bis nach meinem privaten Urlaub hinziehen.

Die letzten beiden Wochen, einen der beiden Verträge durfte ich ausfertigen, gingen wir mit einer „Leerstelle“ an den Stundenplan. Da wird nochmals deutlich, wie groß wir inzwischen geworden sind. Wieder ist die Tabelle mit der Unterrichtsverteilung um einen Jahrgang gewachsen. Wann kommen jetzt eigentlich die drei Container für den neuen Jahrgang? Nein, vom Bau gibt es nichts Neues. Sitzung erst in der „zweiten Jahreszeit der Kreisstadt“, also: nach dem Wurstmarkt. In der vorletzten Ferienwoche kamen sie dann, die Container, die bisher an einer anderen Schule standen. Eine Firma aus den neuen Bundesländern (Sind sie das noch nach 26 Jahren?), kam mit fünf LKWs angereist. Beim Aufstellen auf unserem bisherigen Lehrerparkplatz blieben immer wieder Passanten und Anwohner stehen. Durch die Medien und deren Berichterstattung ist der Begriff „Container“ eindeutig mit den Flüchtlingen und Asylbegehrenden neu belegt worden. Offensichtlich lässt der Anblick dieser Bauteile sofort einrasten: „Kommen jetzt hier Asylanten her?“, lautete nur ein besorgte Nachfrage. Sie waren so zahlreich, dass sich die Kreisverwaltung veranlasst sah, eigens Schilder an die Fenster zu hängen: „Hier handelt es sich um provisorische Klassenzimmer der IGS Deidesheim/Wachenheim“. Aufgebaut waren sie zwar in der vorletzten Woche der Ferien, aber jetzt fehlen noch Wasser- und Stromanschlüsse. Außerdem müssen die Leeren Container innen noch fertig ausgebaut werden (Isolierung, Bodenanschlussstücke, T-Leisten u.a.m.). Dann erst erfolgt die Endreinigung. Für die Möblierung wird es wohl erster Schultag werden. Die Tische sind in der Hausmeistergarage seit Juni gelagert, Stühle zum Teil ebenfalls, andere nehmen wir aus unserem Bestand und für einen Container sind neue bestellt. Die kommen aber auch nicht rechtzeitig. Ebenfalls bestellt sind Laptop und Telefon für den Direktorstellvertreter, den ich am Ende der Ferien in sein Amt einführen durfte. Personell ist damit das Schulleitungsteam mit allen Funktionsstellen komplett und ich verspreche mir von dieser letzten Ernennung eine spürbare Entlastung. Nun kann Vieles auf zwei Schultern verteilt und können Arbeitsgebiete abgesprochen werden. Beim ersten Treffen war es ein ganz neues Gefühl. Zu acht versuchen wir nun, die Schule weiter voran zu bringen. Wenigstens dieser personelle Teil des Aufbaus ist abgeschlossen. Mein Büro stößt allerdings klar an räumliche Grenzen, wir sitzen alle auf ausrangierten, privaten oder auf der Bandsäge entrissenen Möbeln. Auch das wird hoffentlich mal vorüber gehen. Bis dahin „quetschen“ wir uns um den ovalen Besprechungstisch, der zwar Platz für acht Kaffeetassen lässt, aber daneben für acht Unterlagen oder Kalender keinen Raum erübrigt. Und wehe, eine/r vom hinteren Ende des Zimmers will noch etwas holen. Das hat immenses Stühle rücken zur Folge. Aber auch da müssen wir noch durch. Ich würde es genießen, ein (letztes?) Jahr in dem fertig gestellten Schulgebäude zu verbringen. Aber noch ist Wurstmarkt…

Pünktlich zur Dienstbesprechung war mit den letzten Verträgen das Kollegium komplett. Ich will nicht schon wieder das erste Jahr heraufbeschwören, als wir mit zehn Kolleginnen anfingen. Das neueste Kollegiumsfoto zeigt über 75 Kolleg/-innen und einige sind nicht mit drauf, die drei jungen Mütter in Mutterschutz fehlten, ergo kommen wir auf über achtzig Lehrkräfte. Zählen wir die FSJ-lerin dazu, die Anerkennungspraktikantin, die Schulsozialarbeiterin, die beiden PES-Kräfte und die Integrationshelfer/-innen…wir reichen an die Zahl hundert heran. Selbstredend haben wir auch hierfür keinen passenden Raum und drücken uns irgendwie in die Mensa. Aber es ist dennoch ein erhebendes Gefühl, die Schule so gewachsen zu sehen. Das Foto macht den Aufbau „greifbar“, was sich sonst auf zwei Standorte, Klassenzimmer und Container verteilt. Es sei einmal festgehalten: Die Schule ist auf 24 Klassen und sechs Oberstufenprofile angewachsen – und seit 2010 ist kein Quadratmeter zusätzlich gebaut worden!

 

Freitag, 24. Juli 2015:

Das Schuljahr 2014/2015 ist geschafft – letzter Schultag heute, Ferienstimmung allenthalben. Da uns etwa zehn Kolleg/-innen verlassen, die uns zum Teil mit Vertretungsverträgen unterstützt haben, zum Teil versetzt wurden, zum Teil anderen Beschäftigungen nachgehen werden, habe ich zum Abschluss zu einer Verabschiedung eingeladen. So kurz die Zeit bei uns im Einzelfall auch gewesen sein mag, auch für die Schüler/-innen mögen bleibende Eindrücke in diesem Abschnitt entstanden, vielleicht auch durch die menschliche Begegnung ein Stück Halt gewachsen sein, Anlass genug also für eine würdigende Verabschiedung. Statt der obligatorischen Flasche Sekt konnte ich in diesem Jahr auch ein besonderes Geschenk überreichen: Mit dem Buch „Deshalb IGS“ verfüge ich zum einen über eine sehr persönliche Gabe mit „viel Georg“ drin, zum anderen kann es durchaus eine Anregung zum Nachdenken sein, wie Schule und vor allem die IGS verstanden werden kann – ein Geschenk also, das an die Zeit bei uns erinnert, das aber seine Fäden im Beruf und im persönlichen Werden weiterspinnen kann.

 

Mittwoch, 22. Juli 2015:

Vermutlich wird es immer noch nicht die letzte Berührung mit der inzwischen ausgelaufenen Realschule plus sein, aber heute durfte ich als Schulleiter der Nachfolgeschule vier Kolleg/-innen der Realschule plus in den Ruhestand versetzen. Sie werden personaltechnisch bei uns geführt und daher auch bei uns verabschiedet. Natürlich ist dies ein Anlass, der nicht nur auf die Schnelle im Büro mit der Übergabe der Urkunde stattfinden soll. Wer ein Berufsleben für eine Schule engagiert war, soll in einer wertschätzenden Form verabschiedet werden. Wir hatten alle eingeladen, die mit den Kolleg/-innen gearbeitet haben, reichten bei Brezeln Sekt und ich hatte mir das eine oder andere Wort überlegt, wie ich die Arbeit würdigen konnte. So kam das ehemalige Lehrerzimmer, das wir wegen der Teamräume und bei der Größe des Kollegiums nicht als solches nutzen können, nochmal in den Genuss des Mittelpunktes, geschmückt mit Menschen, die seinerzeit hier aus- und eingingen. Schöne Augenblicke und denkwürdige Minuten.

 

Dienstag, 21. Juli 2015:

Bin zwar erst den zweiten Tag zurück im Dienst, aber die zweitägige Fortbildung für die neuen Lehrkräfte ist ein Muss. Zum ersten Mal führten wir diese in zwei Gruppen durch. Die Fortbildung heißt ja: „Wir werden ein Team – Vorbereitung eines fünften Jahrgangs“ und bisher war diese Gruppe mit dem neuen Fünferteam identisch. Erstmals kommen aber fünf Lehrkräfte neu hinzu, die nicht im Fünferteam sein werden. Eine Versetzung aus eigenem Wunsch, die Wahl zum Verbandsbürgermeister und die Besetzung der Stelle des stellvertretenden Schulleiters und der zusätzliche Oberstufenjahrgang sind die Grundlage für einen „reichhaltigen Zugang“. Zum anderen kommen aus dem Jahrgang zehn Kolleg/-innen wieder „runter“ nach fünf. Aus dieser Situation entstand die Idee, Teile mit allen gemeinsam durchzuführen, in anderen Phasen das neue Fünferteam sich alleine „finden zu lassen“. Mein Part dabei war der Zeltaufbau mit verbundenen Augen für die Nicht-Fünfer, um daraus Eindrücke, Regeln und Vorhaben der Arbeit im Team zu thematisieren. Obwohl ich ja nicht mit einem künftigen Team arbeitete, werden alle Teilnehmer Bestandteil bestehender Jahrgangsteams. Am zweiten der beiden Tage lernten sie die Oberstufe und ihre jeweiligen Co-Tutoren kennen. So erlebte ich erstmals nicht das neue Fünferteam, ließ mir aber ausführlich berichten, wie die Fortbildung verlief. Ein erstes Resümee kann lauten: Das neue Schuljahr kann kommen, wir sind vorbereitet. Aber: Immer noch sind zwei Stellen zugesagt und warten auf ihre Personen. Eine befindet sich noch im Auslandschuldienst, eine andere muss neu besetzt werden, da die betreffende Kollegin sich noch in Elternzeit befindet. Gute Aussichten also, aber noch nicht komplett. Auf alle Fälle werden die 12 neuen Kolleg/-innen mit ihrem frischen Wind, ihrem Engagement des Anfangs und ihren jungen Jahren bereichern.

 

Freitag, 17. Juli 2015:

Eine Woche Krankheit hat mich zu Hause gebunden. Sehr wohl sucht man sich für Krankheiten keine Zeiten aus, aber die vergangene Woche war so ziemlich die ungünstigste im ganzen Schuljahr. Die interne Personalplanung auf andere als auf die Schulleiterschultern zu verlagern, ist bitter, birgt vermutlich mehr Konflikte und dennoch mussten wir alle da durch. Immer wieder erhielt ich am Telefon oder per Mail Zwischenstände oder sollte Fragen beantworten, so dass ich dennoch ein bisschen „mitmischen“ konnte. Ein Ersatz war dies freilich nicht. Allen ein herzliches Dankeschön, die diese Woche meinen Job erledigt haben. Heute nun hielt es mich natürlich nicht zu Hause, denn wenn zwei Jahrgänge entlassen werden und dies in Feier geschieht, würde ich mich notfalls auf der Bahre hintragen lassen. Also stellte ich die Schwächung durch Krankheit hinten an und fuhr in die Stadthalle nach Deidesheim. Allerdings gelang es mir nur, den ersten Teil der Feier zu erleben. Ich baute dann doch schnell ab und musste dem zweiten fernbleiben. Aber dieser erste Teil hatte es bereits in sich und ich war wieder einmal unendlich stolz darüber, was unsere Kids und unsere Lehrkräfte da auf die Bühne brachten. Das wird, so bin ich sicher, die weitere Genesung befördern!

 

Mittwoch, 08. Juli 2015:

Das vorerst letzte Examen eines/r Lehramtsanwärters/in, das bei uns abgelegt wurde. Im kommenden Jahr werden nicht alle Ausbildungsschulen wegen der gesunkenen Zahl an Bewerber/-innen eben solche erhalten. Bereits jetzt ist klar, dass unsere Schule pausieren wird. Vielleicht liegt das mangelnde Interesse an den schlechten Einstellungschancen. Zunächst müssen immer zuerst die Kolleg/-innen im Dienst versorgt werden, bevor Neueinstellungen vorgenommen werden. Viele IGSn gehen auf die Oberstufe zu, so dass dort zunächst nur noch mit gymnasialem Lehramt eingestellt wird. Eine Reihe von Realschulen plus sind Verbundschulen, die nun, zusammengefasst, erst die eigenen Lehrkräfte versorgen müssen. Mag auch sein, dass die sinkende Schülerzahl einen Anteil daran hat. Fest steht auch, dass bisher keine Kollegin bei uns eine Stelle erhalten hat. Das ist insofern bedauerlich, weil eben diese die Gesamtschule kennen, Erfahrungen mitbringen und eben nicht an einer ihnen fremden Schulart beginnen würden. So werden an unserer Schule wieder junge Kolleg/-innen beginnen, für die IGS zunächst fremd ist. Was ich aber bisher an Gesprächen geführt habe, stets stieß ich auf Offenheit und Neugier.

 

Donnerstag, 02. Juli 2015:

Die ersten drei neuen Lehrkräfte saßen heute in meinem Büro. Als ich ihnen die Grundzüge unserer Schule vorstellte, sah ich in offene und interessierte Augen. Ich denke, auch an den Studienseminaren für Gymnasien sollte unsere Schulform intensiver (oder überhaupt?) vorgestellt werden, schließlich verfügt diese Schulform in den nächsten Jahren über die größten Einstellungschancen. Mit den heutigen jedenfalls stellt sich ein freudiger Blick auf das neue Schuljahr ein.

Die Steuergruppe tagte gestern noch und versuchte, aus der Kartenabfrage Themen für das kommende Schuljahr herauszufiltern. So recht entstand kein Bild, wo wir weitermachen sollen. Eine diffuse oder allgemeine Unzufriedenheit kann man auch mit der profiliertesten Gruppe nicht bearbeiten. Die Dienstbesprechung am Ende der Ferien soll hier nochmals für Klarheit sorgen.