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Juli 2014

 

Freitag, 25. Juli 2014:

Letzter Schultag und noch immer die offene Frage: Wer wird im nächsten Schuljahr hier sein? Das betrifft nicht nur das Kollegium, sondern auch Schüler/-innen. Zum Beispiel kam heute die Nachricht bei uns an: Eine unserer Schülerinnen, welche die Übergangsbedingungen in die Oberstufe nicht erfüllt hatte, hat als einzige die Aufnahmeprüfung bestanden. Glückwunsch, das ist eine Leistung! Damit ist die Aufnahme in die MSS abgeschlossen, alle Plätze sind besetzt. Wer hätte das gedacht! 

Die neue Anordnung des Sekretariates beschäftigt uns in hohem Maß. Die zusätzliche Sekretärin benötigt einen Arbeitsplatz, der erst geschaffen werden muss. Die Einrichtung des neuen Sekretariates soll aber nicht nur kurzfristig bestehen, sondern ist (je nach Architektenvotum) auf die längere Strecke geplant. Mit den Hausmeistern überlegten wir, wann die vorhandenen Möbel umgeräumt werden können. Wer kann den Umbau des in der Wand verankerten Tresors in die Hand nehmen? Gibt es zu dem vorhandenen Schreibtisch älterer Bauart überhaupt noch einen passenden? Von welcher Firma? Da wir alle keine „Innenarchitekten“ und keine Raumausstatter sind, suchten wir uns professionelle Unterstützung, die uns am Montag beraten wird. Das professionelle Fachwissen und die reichhaltige Erfahrung erleichtert  uns die Aufgabe und wird den alltäglichen Abläufen gut tun.

Zusätzlich endet mit dem heutigen Tag das Schuljahr 2013/2014 und ebenfalls dieser Band von Schulleiters Tagebuch. Also ist Rückblick zu halten.

Drei wichtige Punkte scheinen mir am Ende dieses sechsten Schuljahres der IGS bemerkenswert zu sein. Zum einen haben wir mit vielen Menschen das Konzept und die Organisation für die Oberstufe gestemmt. Wir sind damit so weit fortgeschritten, dass es am ersten Schultag mit der elften Klasse losgehen kann. Für mich wird besonders spannend sein, wie unsere eigenen Schüler/-innen im Vergleich mit den immerhin besten Abgänger/-innen der Realschulen plus die erhöhten Anforderungen werden meistern können. Diese Erfahrung könnte sich nochmals auf das Konzept der Sekundarstufe I auswirken. Die Bauplanung hat mit wegweisenden Ideen begonnen, an deren Ende vermutlich ein fast neues Schulgebäude stehen wird.

An die Überarbeitung des pädagogischen Konzeptes sind wir bereits herangegangen: Eine größere, extern unterstützte Konzept- und Steuergruppe hat sich dieses Arbeitsfeld bereits abgesteckt und (hoffentlich) mit vielen Kolleg/-innen auf den Weg gemacht. Eine faszinierende, aber auch langwierige Wegstrecke müssen wir da bewältigen.

Neu im vergangenen Schuljahr war das „Schärfen des Schulprofils“ auch auf anderen Ebenen: Mit der überaus erfolgreichen Skifreizeit scheint sich ein sportlicher Aspekt zu entwickeln. Im musischen Bereich konnten wieder Erfahrungen mit den „Young Americans“ gemacht werden. Die startende Bandklasse als Folge der 1stClassRock AG und der Bandstarter AG wird diesen Aspekt weiterführen. Ein Kurs im Darstellenden Spiel hat erstmals ein Theaterstück der Öffentlichkeit vorgestellt. In den musischen Bereich gehört auch der erste Landespreis mit einer Umsetzung aus bildender Kunst. Im naturwissenschaftlichen Bereich blicken wir auf einen erfolgreichen Thementag „Nachhaltigkeit“ zurück und wiederum eine Gruppe aus dem Wahlpflichtbereich Mathematik-Naturwissenschaften hat einen bundesweiten ersten Platz erzielt. Verschiedene Schüler des Wahlpflichtfaches Französisch haben DELF-Diplome in Französisch erfolgreich abgelegt.

Dieser (kurze) Überblick scheint mir die Breite des schulischen Angebots aufzuzeigen, in dem sich Schüler/-innen „tummeln“ können. Es ist auch ein Hinweis darauf, wie sehr sich Lehrkräfte mit besonderen Gaben einbringen und wie weit wir inzwischen fortgeschritten sind auf dem Weg zu einer vielseitig aufgebauten Schule.

 

Donnerstag, 24. Juli 2014:

Den zweiten Tag der Fortbildung konnte ich nur halb mitmachen, denn meine ehemalige Schulleiterin in Mutterstadt wurde heute verabschiedet. Gerne übernahm ich auch den Dank und die Grüße der Direktorenvereinigung. Mein umgetextetes Lied fand Gehör und stimmliche Unterstützung. Kein Wunder bei einer Rückmeldung wie dieser: „Das war ja fast wie früher, als du so oft mit uns gesungen hast!“ Schön, dass diese Erinnerung noch wach ist und dass ich darauf immer noch zurückgreifen kann. Immer näher rückt mit der heutigen ergreifenden Verabschiedung der Augenblick, ab dem ich der letzte der damals kleinen Familie im Dienst sein werde. Und auch das wurde mir heute noch einmal deutlich: Wieviel habe ich von den damaligen Begegnungen und der gemeinsamen Arbeit profitiert. Daraus erwächst für mich auch eine Verpflichtung des Weitergebens. Im September wird es wieder soweit sein. Eine der jungen IGSn hat mich zum Thema „differenzierte Leistungsmessung“ angefragt. Ich werde mich dabei an die Verabschiedung heute erinnern und sage hier: Danke!

 

Mittwoch, 23. Juli 2014:

Eine erste Begegnung mit dem neuen Fünferteam erhöht die Spannung bei der bisher jährlich stattfindenden, zweitägigen Fortbildung: „Wir werden ein Team und gestalten den neuen Jahrgang“. An unserer Schule findet sie nun schon zum siebten Mal statt. Neu in diesem Jahr ist, dass zwei Teammitglieder aus höheren Jahrgängen der Schule dabei sind und damit sicherlich dazu beitragen, Informationen an „die Neuen“ weiterzugeben. Bisher starteten immer völlig neue Jahrgangsteams. Ich denke, das wird eine große Stütze sein und damit die Arbeit erleichtern. Durch die Bedürfnisse der Oberstufe begründet, werden Neueinstellungen an IGSn nur mit gymnasialem Lehramt vorgenommen. Auch dieses Element sorgt für eine gute Mischung. Auch die „Tandembildung“ von jeweils zwei Tutor/-innen gelang mühelos. Alles spricht für einen gelungenen Anfang, wenngleich eine Planstelle noch aussteht und eine Kollegin „ohne Partner“ die Ferien beginnen muss. Das ist sicher keine leichte Situation. Sollte die Stelle im Laufe der Ferien besetzt werden, haben wir Kontakt vereinbart. Ich habe ein gutes Gefühl!

Der Vollständigkeit halber sei eigens erwähnt: In der Nacht zum Sonntag wurde das 16. Kind aus dem Kreis der Lehrerfamilien geboren. Welches Leben geht von diesem Kollegium aus!

 

Freitag, 18. Juli 2014:

Schon eine geraume Zeit versuchen wir mit den vorhandenen Daten (Personal, Stunden, Anrechnungsstunden…) eine stimmige Unterrichtsverteilung hinzubekommen. Zwar wurde die Zuweisung von Lehrkräften immer „dichter“, aber dennoch bleiben offene Lücken. Nach weiteren Stunden schickten wir die immer noch „löchrige“ Version ans Kollegium. Nur noch eine Woche Unterricht – da will jeder wissen, wie es im nächsten Jahr weiter geht. Allerdings vermag noch niemand zu sagen, wie hoch die Prozentzahl ist, mit die heute verschickte Version nach den Ferien wirklich umgesetzt werden wird. Fakt heute ist: das Fünferteam steht noch nicht und noch immer ist Bewegung in der Anmeldung zur Oberstufe.

Die Arbeit an der Unterrichtsversorgung zog sich noch eine gute Strecke in den Nachmittag hinein. Schnell heim, wieder viel zu kurz Vater sein, schnell noch geduscht und dann wieder los zur Entlassfeier. Es ist dies zwar die zweite Feier, bei der Schüler/-innen der IGS entlassen werden. Doch erstmals diejenige, welche Abschlüsse in Klasse 9 und 10 der IGS verleiht und insofern eine Besonderheit.

Die Zahl der Abschlussfeiern, bei denen ich als allein verantwortlicher Stufenleiter die Verantwortung trug, habe ich nicht parat. Mein Anteil bei der unsrigen heute beschränkte sich in der Vorbereitung auf das Buchen der Stadthalle im vergangenen Sommer und dem Unterschreiben des Sicherheitsprotokolls heute Abend. Klar, die Rede des Schulleiters durfte nicht fehlen, aber vom Programm waren mir lediglich Stichworte bekannt und also fuhr ich angespannt nach Deidesheim!

Beim ersten Blick in die Halle fiel mir das gleich große Modell der „Trixi Traube“ auf. Wunderbar kräftig hob es sich vom schwarzen Bühnenhintergrund ab. Da waren so viele kreative Menschen beteiligt…der Abend konnte nur gut werden. Für meine Rede hatte ich nur einige Stichworte im Kopf. Ich wollte ohne Manuskript oder Stichwortkarten nur das sagen, was in diesem Augenblick am Rednerpult an Worten und Gedanken aus mir herausdrängte. Ich selbst hatte mehrere Reden gehalten, in denen ich mich auf ein kluges Zitat eines berühmten Menschen stützte. Aber auch bei mir stellte ich fest, dass diese nicht nachhaltig wirken. Gemäß der Erkenntnis: „Wer nichts zu sagen hat, soll auch keine Rede halten“ ging ich auf die Bühne und legte los, wollte testen, ob und was ich zu sagen habe. Es schloss sich ein mehr humorvoller Dialog mit der Stufenleiterin an und in der Pause sagte ein Vater zu mir: „Es ist herrlich, dass auch Sie sich nicht ganz so ernst nehmen und diese Lockerheit in den Abend hineingetragen haben.“ Treffer!

Dann folgte ein wunderschönes Programm der beiden Jahrgänge, bestehend aus Musik, Tanz, Sketchen und audiovisuellen Bestandteilen, gekonnt moderiert von zwei Schülern. Vor allem die Fotos der damaligen Fünftklässler, die heute als gut gekleidete junge Erwachsene agierten, zeigten in meinen Tränendrüsen Wirkung. Nach der Ausgabe der Zeugnisse und dem Schlusslied standen die beiden Jahrgänge auf der Bühne, viele ließen ihre Tränen ungehindert fließen, sie lagen sich in den Armen, nahmen Abschied, trösteten sich ob des Schmerzes, den ein zu Ende gegangener Abschnitt eben mit sich bringt, der allerdings in diesem Augenblick verdichtet und daher heftig zu spüren ist. Ich sah ein Bild von über hundert Schüler/-innen auf der Bühne, sah, wie herzlich, wie wertschätzend, wie liebevoll sie diesen Moment begingen. Ein Anblick, der mich zutiefst berührte und den ich nicht konservieren muss, weil er, dicht wie er nun mal war, wie von selbst bleiben wird. Er führte allen, die es so sehen wollten, vor Augen, was bei diesen Jugendlichen in sechs Jahren gewachsen ist, lässt erahnen, welche Wegstrecke am heutigen Abend ihr Ziel erreichte und – auch das vermittelte mir dieser Eindruck – was die Schule mit allen Beteiligten, neben all den schulischen Leistungen, an Menschlichkeit bewirkt hat. Einfach nur herrlich! Danke an euch alle. Ihr habt mich heute Abend tief im Innern, dort, wo nur die wichtigsten und schönsten Dinge liegen, berührt! „Herr Dumont, auf diese Schule können Sie stolz sein!“, sagte einer der Gäste zum Abschied. Wohl wahr!

 

Dienstag, 15. Juli 2014:

Ja, das ist Eigenleben von Schüler/-innen, das ist pulsierendes Leben, das ist Fantasie und Gemeinschaft: Die Zehner, die „Trixis“, der erste Jahrgang hat eine Mottowoche ausgerufen. Jeden Tag kleiden sie sich gemäß einem Thema. Gestern war das Motto „Streber“ und ich sah Schüler mit karierten Krawatten, kurzen Hosen mit Kniestrümpfen, Mädchen mit Zöpfen und ungewohnten Röcken…das war schon herrlich. Heute nun stand das Outfit unter dem Motto „business“. Feiner Zwirn, Nadelstreifen, schicke Kostüme, hohe Absätze in Seidenstrümpfen…was für ein herrliches Theater. Hinzu kam heute der erste Schulstreich. Bereits im Vorfeld war eine Delegation aus dem Zehnerjahrgang bei mir, um die Details abzusprechen. Fast waren sie überrascht, dass ich ihrem Wunsch durchaus offen gegenüberstand, sie mussten da nicht viel werbende Worte machen. Seit ich im Schuldienst bin habe ich jährlich solche Schulstreiche der Abgänger erlebt, mal phantasievolle, mal langweilige, auch randalierende waren dabei, aber grundsätzlich gehört das irgendwie zu jedem Abschlussjahrgang. Nun war also die IGS Deidesheim/Wachenheim erstmals an der Reihe: Gestern traf sich eine Truppe mit dem Hausmeister und räumte alle Klassenzimmer aus. Das Mobiliar wurde anschließend mit Kabelbindern zu einer unlösbaren „Skulptur“ verbunden, die Treppenhäuser mit Absperrband dicht gemacht. Die Abgänger saßen dann im Stuhlkreis auf dem Hof in ihrem „Business-Outfit“ und hatten ihren Spaß daran, wie die einzelnen Klassen ihre Zimmer „zurückerobern“ mussten. Das ganze bei einer entspannten Atmosphäre und mit Musik untermalt – ein schöner Tag also. Morgen ist der „Geschlechtertausch“ das Motto: Jungen kommen als Mädchen, Mädchen als Jungen angezogen…bin schon mächtig gespannt, welche Eindrücke sich mir dann eröffnen dank dieses Jahrgangs.

Wohl ein letztes Treffen mit dem Architektur-Büro, dem Schulträger und der Schulaufsicht in meinem „Oval-Office“. Nach den Ferien werde ich einige Quadratmeter weniger zur Verfügung haben, aber immer noch die dem Schulleiter in der Schulbaurichtlinie ausgewiesene Zahl. Ob die Runde von heute dort hineinpassen würde...? Vermutlich nicht mehr. Die Verantwortlichen befassten sich erneut mit den zu bauenden und damit zuschussfähigen Räumen. Zwei erste Modelle aus Styropor traten den Weg aus Mainz an und ermöglichten uns einen ersten Eindruck davon, wie die Schule einmal aussehen könnte. Beide fanden zunächst meine Zustimmung, denn die Aufstockung, die mir schon so oft Kopfzerbrechen bereitet hatte, war nur in einem der Modelle umgesetzt. Sie ist darin aber nicht mehr auf dem Klassentrakt geplant sondern auf dem Fachtrakt. Das hebt die Kompaktheit des Gebäudes und behindert auch nicht die Umsetzung „meines“ pädagogischen Bau-Konzeptes. Beide Modelle sehen vor, den Verwaltungstrakt „aufzuständern“, also auf Pfeilern ruhen zu lassen. Das bedeutet, dass der Hauptzustrom in die Schule, vom Sportplatz kommend, realisiert werden und den freien Blick in das gesamte Schulgelände öffnen soll. Bisher wirkt der Querbau wie ein Riegel. Die Verwaltung würde die beiden Trakte dann quasi als Brücke miteinander verbinden. Auch die vollständige Sanierung des Bestandsbaues war Gesprächsthema. Will heißen: Wenn ich gesund bleibe (Einige der IGS-Direktoren ist derzeit ernsthaft erkrankt), werde ich eine im Grunde neue Schule erleben. Bis es soweit sein wird, werden wir allerdings etwa vier Jahre in der Baustelle unterrichten…Erst danach, auch das erste Abitur in Deidesheim wird bis dahin abgelegt sein, werden wir in ruhigeres und endgültigeres „Fahrwasser“ kommen. Ich rechne zusätzlich noch mit vielen „Stromschnellen“, „Stauwehren“ und „abrutschenden Ufern“…

 

Montag, 14. Juli 2014:

Der Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft erstreckt sich selbstverständlich in den „Vormittag danach“ in alle Ecken und Klassenzimmer. Einer ganzen Reihe aufgedrehter (und wegen Müdigkeit übermüdeter) Schüler/-innen begegnete ich da heute Morgen. Schon beim Betreten des Schulhofes schallte mir der freudige Ruf entgegen: „Herr Dumont, wir sind Weltmeister!“ Es ist herrlich mitzuerleben, wie die Begeisterung anspornt, sich in Trikots und nochmals gesteigerter Farbgestaltung in den Gesichtern Ausdruck verleiht. Und dennoch ein klares Nein auf die Frage: „Können wir deshalb nicht frei bekommen?“ Ich erinnere mich noch gut an den Sommer 1969: Wegen der nächtlichen Übertragung der ersten Mondlandung bekamen wir seinerzeit tatsächlich schulfrei, aber das war ja doch eine ganz andere Dimension als der Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft. Ihr Lieben, da müssen wir heute durch. Eine gewisse Sympathie für diesen Vorschlag empfand angesichts meiner schweren Augen in der Sitzung des Schulleitungsteams am Nachmittag.

 

Sonntag, 13. Juli 2014:

Zum ersten Mal führte die Gruppe eines Wahlpflichtfaches Darstellendes Spiel ein Stück öffentlich vor. Quasi als Abschlussarbeit wollten die Neuntklässler ihr Können auf die Bühne bringen, denn im kommenden Schuljahr wird sich die Gruppe durch verschiedene Schulabgänger dezimieren. Dafür haben sie sich ein Stück ausgewählt, das ihr ganzes Können abrief: eine Adaption des Romans „Ich knall euch alle ab!“ von  Morton Rhue. Es geht darin um einen Schüler, der über eine lange Strecke in der Schule drangsaliert und gemobbt wird. Am Ende besorgt er sich eine Waffe und erschießt einen Schüler, andere verletzt er. Wie geht die Schule, wie die Schülerschaft damit um? Wie wird die Entwicklung dahin aufgearbeitet? Auf einer geteilten Bühne wurde das „Vorher“ und „Nachher“ dargestellt. Die Aufführung war derart eindringlich und hat sich tief in mich hineingefressen. Die bedrückende, mich nicht loslassende Frage wich nicht von meinem geistigen Auge: Wie ist das bei uns an der Schule? Wirklich entspannt haben mich Antworten einzelner Darsteller/-innen, mit denen ich nach der Aufführung ins Gespräch kam, nicht. Eine Idee, mit diesem Stück durch Aufführungen in verschiedenen Klassen und Jahrgängen das Thema Mobbing und Gewalt als Schulgemeinschaft zum Thema zu machen, lässt sich angesichts des fortgeschrittenen Schuljahres nicht mehr verwirklichen. Aus dem Auge verlieren will ich sie dennoch nicht. Bleibt darüber hinaus ein dickes Lob und ein nicht weniger eindrückliches DANKE für eure Arbeit, euren Einsatz und euren Mut!

 

Donnerstag, 10. Juli: 

Als hätte die Familie gewusst, dass ich heute als Referent zu einer Fortbildung des „Institutes für Schulleitungsfortbildung“ eingeladen wurde. Bereits vor einigen Wochen erhielt ich dazu eine E-Mail mit dem Betreff: „Brauchen dringend deine Hilfe!“. Die Veranstaltung war Ende des vergangenen Jahres schon einmal für Schulleitungen geplant: „Voraussetzungen gelingender Elternarbeit“. Sie ist damals wegen mangelnder Teilnahme nicht zustande gekommen. In dieser Runde wurde sie über die „Elektronische Post für Schulleitungen“ angekündigt. Knapp vierzig Schulleiter der verschiedenen Schulformen hatten sich angemeldet. Ich sollte unser Modell der SELG vorstellen. Und genau dazu erreichte mich letzte Woche passend und wie bestellt folgende E-Mail:

„Lieber Herr Dumont,

wir waren letzte Woche mit unserer Tochter beim SELG-Gespräch, welches uns nachhaltig beeindruckt hat. Unsere Tochter fühlt sich sehr wohl und wird auch von den Lehrkräften unterstützt. Ganz herzliches Dankeschön gehört den beiden Tutorinnen. Die beiden haben es in herausragender Weise geschafft, aus dem Haufen eine wunderbare Klasse zu formen.“

Anders als bisher und von den SchLuL-Tagungen lernend, wollte ich, dass Schüler/-innen unsere SELG vorstellen, denn sie können am authentischsten davon berichten. Zwei Zehntklässler/-innen hatten eine Kollegin und ich ins Auge gefasst, einer fuhr schließlich mit. So konnten wir im Team als Schulleiter den Weg zu unserem Konzept schildern, die Kollegin, die gleichzeitig auch Mutter an unserer Schule ist, unter anderem die Elternsicht einbringen und der Schüler in seiner unnachahmlichen und humorvollen Art die Sichtweise eines „Betroffenen“ liefern. Bereits sein Satz zum Einstieg: „Also, es gibt nichts Besseres als die SELG!“, munterte die Zuhörerschaft auf, das Eis war in kürzester Zeit gebrochen. Wir konnten zu dritt einige Skepsis zerstreuen und vor allem viel Neugier wecken. Das Schöne an diesem Arbeitskreis: Wir stellten nicht nur ein Konzept vor, sondern es entstand ein lebhaftes Gespräch, in welches unser Schüler immer wieder eingeflochten wurde. Klasse war das! Ein richtiger Volltreffer! Danke, euch beiden Unterstützern!

Die Veranstaltung fand im Pädagogischen Landesinstitut statt und ähnelte einer Wiedersehensfeier für mich: Referenten aus dem Netzwerk der Demokratieschulen traf ich wieder, zwei weitere IGS-Schulleiter und zwei mir bekannte Schulpsychologen begrüßten mich mit einer freundlichen Umarmung…ich fühlte mich fast „wie dahoam“.

Wie schon so oft: Die Personalplanung am Vormittag spannte mich heftig ein, der Nachmittag lieferte viele Eindrücke und Gespräche – eigentlich genug für einen Tag. Abends hatten wir aber die Eltern der neuen Fünftklässler eingeladen, um die ersten Tage an der IGS und Organisatorisches zu klären. Und natürlich: Ich wollte wieder den Schulkanon singen! Alles klappte gut und so erblickte auch „Pia Pilz“ das Licht der Welt, das Jahrgangs-Logo, das wiederum aus einem Schülerwettbewerb hervorgegangen ist.

Nach den vielen Informationen und dem Gesang trafen sich die Eltern der Bandklasse erstmals in dem kleinen Nebenraum der Stadthalle. Ich konnte es gar nicht fassen: Ja, es gibt sie! Heute habe ich bereits die Eltern gesehen, deren Kinder ab kommendem Schuljahr in Bands spielen werden! Ein Glücksgefühl, dass wir dieses „Unternehmen“ hinbekommen haben, zusätzlich, „fast nebenbei“, quasi zu dritt – und nun wird die Bandklasse also starten!

 

Mittwoch, 09. Juli 2014:

Ein bisschen voran geht es nun doch. Die vier „neuen“ waren heute hier. Alles gerade „fertig gewordene“ Lehramtsanwärter. Und alle vier kommen wirklich fest zu uns. Aufgrund der Vorgabe des Landes kommen bei IGSn mit beginnender Oberstufe nur Lehrkräfte mit gymnasialem Lehramt für eine Neueinstellung in Frage. So wurden die vier auch ausgewählt, während die Realschullehrer/-innen leer ausgehen, obwohl ich mich stark für sie machte. Aber was soll ein „kleiner Schulleiter“ gegen eine Landesverordnung schon ausrichten? Schade, ich hatte Vorschläge parat, die an Gesamtschulen entweder ausgebildet wurden oder sich bereits bewährt haben. Wird wohl leider nichts werden, ihr Lieben. Natürlich bringen neue und zugleich junge Lehrkräfte auch „frischen Wind“, neue Ideen und viel Anfangsengagement mit. Spaß bereitet diese Aussicht auf die gemeinsame Arbeit bei uns. Und daher baut sich in mir eine freudige Anspannung auf.

 

Dienstag, 08. Juli 2014:

Die Personalplanung für das kommende Schuljahr läuft auf Hochtouren. Da werden Schülerzahlen mit Anrechnungsstunden verrechnet, da werden Fächer hin- und hergewendet, Stellenangebote von der Schulaufsicht versandt, bei Zusagen gleich mit eingerechnet und bei allen Eingaben überprüft: Stehen uns noch Stunden zu oder sind wir – bei einzuplanender Soll-Ist-Differenz von knapp 3% - ausreichend ausgestattet? Ich vermute, das wird sich bis zu einem endgültigen Ergebnis noch etwas hinziehen. Wenn es nur schneller geht als im letzten Jahr, als sich die Feinplanung bis in die Ferien hineinzog.

Ganz anders sieht die Situation bei den PES-Kräften aus. PES steht dabei für „Projekt erweiterter Selbständigkeit von Schulen“, das es uns erlaubt, in gewissem Umfang Lehrkräfte (auch ohne zweites Staatsexamen) einzustellen, um kurzfristigen Unterrichtsausfall zu minimieren. Allerdings dürfen diese Kräfte nicht auf Dauer bei uns arbeiten, sonst würde sich ein unbefristeter Vertrag daraus ableiten. Unsere derzeitigen PES-Kräfte stehen an diesem Scheidepunkt und müssen mindestens sechs Monate pausieren. Kürzlich haben sich zwei neue vorgestellt, mit denen ich heute die Verträge unterzeichnen konnte. Na wenigstens hier ist bereits alles in trockenen Tüchern.

Eine bisher singuläre Woche seit dem Schulstart hat heute begonnen. Aufgrund der immensen Überstunden, die auch durch die Vorbereitung auf die Oberstufe entstanden sind, werde ich diese Woche in Deidesheim ohne Sekretärin auskommen müssen. Das Sekretariat bleibt zu, dafür steht meine Tür offen, ich gebe Kühl-Akkus aus, mache Telefondienst, schaue schon mal die Post durch und arbeite die „Wiedervorlagen“ ab. Und doch keine Frage: Es wird viel liegen bleiben!

 

Freitag, 04. Juli 2013:

Die gute Nachricht gestern: Wir erhalten die kommenden beiden Jahre jeweils zehn zusätzliche Sekretärinnen-Stunden. Der Aufbau der Oberstufe und ein neues WIBERA-Gutachten, welches die Zahl der Stunden für Schulsekretariate neu berechnet hat, liegen als Begründung vor. Das wird uns sehr gut tun und hoffentlich die Arbeit erleichtern, auf alle Fälle aber die Öffnung des Sekretariates in Deidesheim vergrößern. Allerdings heißt das auch: Ich muss aus meinem vierten Büro, meinem inzwischen geliebten „Oval-Office“ wieder aus- und in das kleinere (Noch)-Sekretariat einziehen. Dafür nehmen wir die Quadratmeterzahl der Schulbaurichtlinie vorweg, denn mein jetziges Büro entspricht in etwa der des vorgesehenen Geschäftszimmers. Der Blick auf den schönen und oft beruhigenden Haardtrand bleibt erhalten. Dennoch setzt diese Nachricht Folgegedanken in Gang: Welche Schränke ziehen um? Wo sollen sie stehen? Welches ist der geschickteste Weg, wenn man in das künftige Sekretariat kommt? Wie stehen die Schreibtische am günstigsten? Welche IT- und welche Stromanschlüsse müssen daher an welche Stelle verlegt werden? Wann kann das in den Ferien alles erledigt werden? Plötzliche und unerwartete zusätzliche Planungshektik. Aber gut für die Schule.

Viel zukünftiger ist aber die Nachricht: Das 15. Kind im Kolleg/-innen-Kreis seit Gründung der IGS hat heute Nacht das Licht der Welt erblickt. Alles Gute in deinem Leben, aber erstmals einen guten Start in dasselbe. Möge es dich bereichern und die Probleme der Welt, die zurzeit allenthalben wieder aufbrechen, reduzieren!

Und: Wir haben am Nachmittag die Klassen der neuen Fünfer eingeteilt. Zwar habe ich noch immer keine Informationen über die zugeteilten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten, aber der am Donnerstag kommende Elternabend duldet keinen Aufschub mehr. Eine ebenfalls gute Nachricht: Die Bandklasse wird kommen. Wieder werden wir Kinder unglücklich machen, denn die Zahl der Anmeldungen war wiederum um einiges höher als die vorhandenen Plätze. Immerhin bewirkte dies, dass wir auch diese Klasse nach den vorhandenen Regeln nach Heterogenität, Geschlecht, Leistungsziffer und Religion zusammenstellen konnten. Damit ist auch die Bandklasse in dieser Hinsicht eine „ganz normale“ Klasse. Das war ein eindrucksvoller Weg: Von den ersten Ansätzen einer Schulband über die 1stClassRock-AG und der Band-Starter-AG zur jetzt beginnenden Bandklasse. Da steckt viel Vorbereitung drin. Schön, dass ich diesen Weg auch aktiv begleiten konnte. Umso freudiger stimmt mich nun der Start dieses besonderen Projektes, welches das Schulprofil erneut schärfen wird. 

 

Dienstag, 01. Juli 2013:

Wenn das Wetter stimmt, sind die Bundesjugendspiele in meinem Erleben immer ein Fest: Alle Schüler/-innen sind da, mehr oder weniger motiviert, (fast) alle Kolleg/-innen tummeln sich an Sprunggruben und Laufbahnen, die 800 Meter Läufe führen zu einer besonderen, unterstützenden und anfeuernden Atmosphäre – und wenn dann ein etwas zurückgefallener Läufer in die Kurve vor der Zielgerade einbiegt, Schüler/-innen ihn am Rande zum Durchhalten anstacheln, dann ist es einfach nur schön, dabei zu sein. Und genau so war es heute. Herrlich, wenn dann parallel die Ergebnisse berechnet und die Urkunden ausgefüllt werden, die Medaillen und Pokale unter den Jubelrufen überreicht werden, dann drängt sich ein Gefühl der Schulgemeinschaft in mir nach vorne und Bitterkeit wegen der beiden Standorte wird spürbar. Wir sollten überlegen, ob wir die Spiele nicht auf einer Sportanlage hinbekommen…

Mittags tagte die Steuergruppe „Konzeptentwicklung“ zum zweiten Mal. Zu Beginn suchten wir eine Struktur, um arbeitsfähig zu sein und um gleichzeitig alle Interessenten einzubeziehen. Ergo bildeten wir ein Organisationsteam, dem fünf Mitglieder angehören, die die Arbeitstreffen vorbereiten. „Drum herum“ gesellt sich die Konzeptgruppe aus allen, die da waren (knapp 15 Mitglieder), sie sich später zu einzelnen Arbeitskreisen treffen und die offen sind für die Unterstützung von außen. Dort soll die gesamte inhaltliche Arbeit geleistet werden. Um herauszufinden, welche Themen am ehesten notwendig sind, stimmten wir „mit den Füßen“ ab, das heißt, wir stellten uns zu Karten auf dem Boden, die einen Begriff des Konzeptes enthielten. In drei Gruppen ging es dann an die inhaltliche Arbeit. Ich selbst gesellte mich zum Stichwort „Differenzierung“. Es erstaunte mich, welche Auffassungen hierzu transportiert wurden, sich festgesetzt haben und welche Empfindungen im Raume schweben. Da haben wir die letzten Jahre wohl schlecht kommuniziert und genau deshalb ist diese Arbeit so essentiell notwendig.

Ich bemerke darin immer wieder, wie voll ich mit didaktischen Themen bin und wie ich (fast in Predigermanier) aus dem Stand loslegen kann. Diese Art von Arbeit treibt mich an, hält mich fest und macht mir Spaß. Kommt dann noch das Gefühl dazu: „Das wird unserer Schule gut tun“, dann komme ich erfüllt nach Hause und weiß: Das war ein so wertvoller Tag!