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Jan bis Feb 2016

 

Freitag, 26. Februar 2016;

Zwei sehr stimmungsvolle interreligiöse Schulfeiern zieren die letzten beiden Tage. Gestern für die Klassen sieben bis zehn in der katholischen Kirche in Deidesheim, heute in der evangelischen Kirche in Wachenheim. Durch verschiedene Gesangs- und Textbeiträge waren fast fünfzig Schüler/-innen bei Vorbereitung und Gestaltung aktiv – mein Part bestand lediglich in der Begrüßung und den Worten zum Ausklang. Ich dachte an die Beanspruchung bei den ersten Schulgottesdiensten zurück, in denen meine Gitarre das einzige Musikinstrument war. Herrlich, wie sich das alles entwickelt hat.

Thematisch drehte sich die Feier um das Thema „Heimat“. Ich leitete zum Thema hin, indem ich von den vielen Flüchtlinge ausging, die Flucht des Volkes Israel aus Ägypten ansprach, ebenfalls die Weihnachtsgeschichte, in der die heilige Familie vor Verfolgung fliehen musste und auch der Prophet Mohammed musste aus seiner Geburtsstadt Mekka nach Medina fliehen, weil ihm nachgestellt wurde. Damit war der trialogische Aspekt hergestellt und leicht auf die heutige Zeit und ihre täglichen Diskussionen zu beziehen. „Egal, ob sich jemand zum Christentum, zum Judentum, zum Islam oder zu keiner Religion bekennt, gleich welchen Geschlechts jemand ist oder welche Hautfarbe er trägt, ob er aus Mossul, Kabul oder Meckenheim kommt – alle zusammen und jeder einzelne ist als erstes…ein Mensch. Und die Würde des Menschen ist unantastbar, immer und überall“. So lautete der Grundgedanke meiner Begrüßung. Und jeder, der fliehen muss, muss seine Heimat verlassen. Wie in einem Trichter sammelte ich die Aspekte der Religionen und der Aktualität und landete beim Thema Heimat. Verschiedene Religions- und Ethikgruppen hatten sich Gedanken darüber gemacht, was für sie Heimat bedeutet. Ein wunderschönes Plakat möchte ich als Beispiel nennen: Es zeigte einen Kompass, der in allen Richtungen auf den Begriff „Heimat“ hindeutete. Gleich wohin wir gehen, wir verlassen Heimat und gehen auf eine neue zu. Dies thematisierte auch unser Gast der muslimischen Gemeinde. Sie kam vor Jahren aus der Türkei nach Deutschland und hat hier eine neue Heimat gefunden. Wenn sie aber in die Türkei reise und das Meer sehe, empfände sie ebenfalls: Hier bin ich zu Hause, genauso, wie wenn sie dann nach Bad Dürkheim zurückkomme. Eine weitere Frau hatten wir eingeladen. Sie floh im letzten Jahr aus Ägypten und nimmt seither an einem der ehrenamtlich durchgeführten Sprachkurse teil, die am Nachmittag bei uns in der Schule stattfinden. Sie war in ihrer Heimat überall als koptische Christin zu erkennen, weil sie kein Kopftuch tragen wollte. Sie erzählte, wie sie bedrängt und verfolgt wurde, dass sie um ihr Leben fürchten musste, weil radikalisierte und gewalttätige Salafisten ihr nachstellten. Achtzig Kirchen der koptischen Christen, die historisch lange vor den Muslimen in Ägypten angesiedelt waren, wurden angezündet und zerstört. Heute saßen die beiden Frauen nebeneinander, gemeinsam mit über 200 Jugendlichen und Kindern, sie hatten sich, da sie sich gestern bereits in Deidesheim kennen lernten, lächelnd begrüßt, die eine mit Kopftuch, die andere ohne, in der ehemaligen Simultankirche in Wachenheim, die derzeit eingerüstet ist und für die Zukunft renoviert wird. Welch ein kraftvoller Augenblick. So muss es sein, so könnte es auch weltweit umgesetzt werden, wenn nur nicht die Ideologie sondern die Menschen im Vordergrund stünden. Dementsprechend erklang es im Schlusslied:

               „Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen,

               und nur durch Gitter sehen wir uns an.

               Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis

               Und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst“:

Mögen die Schüler/-innen gestern in Deidesheim und heute in Wachenheim erfahren haben, dass alle die uns umgebenden Mauern zu den Menschen einreißbar sind. Vielleicht gelingt es ihnen ja, die Zukunft besser zu gestalten!  

 

Dienstag, 23. Februar 2016:

Mit der Übernahme einer achten Klasse in Deutsch habe ich meinen Erfahrungsschatz erweitern können. Wie in jedem Jahr finden im Februar/März die Vergleichsarbeiten VERA 8 statt. Nach genau festgelegten Regeln werden Testhefte innerhalb von 90 Minuten durchgearbeitet, die den Kompetenzstand von Schüler/-innen hinsichtlich der länderübergreifend verbindlichen Bildungsstandards untersuchen. Im Rahmen von VERA 8 werden einzelne ausgewählte Kompetenzbereiche in den Fächern Deutsch und Mathematik, sowie Englisch oder Französisch überprüft. Abwechselnd ist dabei ein Fach verpflichtend, die anderen können zusätzlich gewählt werden. Das ganze „Unternehmen“ bindet relativ viele Kräfte und ist daher nicht sehr beliebt. Die lockende Auskunft über den Leistungsstand der Jugendlichen bei bestimmten Kompetenzen ist in meinen Augen begrenzt. Allem, was standardisiert, bundesweit und ohne, dass die Schüler/-innen intrinsisch dazu motiviert sind, abgefragt wird, misstraue ich hinsichtlich der Aussagekraft bei Schüler/-innen, die ich doch am besten kenne. Was nützt mir der Vergleich mit einem Schüler einer anderen Klasse, was mit einem Durchschnittsschüler auf Landesebene, wo doch individuell begleiten soll? Dennoch gliederte ich mich heute ein, verlas die genaue Vorgehensweise, wies auf die verschiedenen Aufgabentypen hin, erläuterte den Schüler/-innen, dass wegen der Vergleichbarkeit erst nach vierzig Minuten von den Aufgaben zur Orthografie zu denen der Lesekompetenz gewechselt werden darf und beobachtete anschließend die Bearbeitung der Testhefte: einige machten sich gespannt und aufgeregt über die Hefte her, andere vermittelten stöhnend ihre Unlust, wieder andere machten sich darüber lustig, eine weitere Gruppe ging eher teilnahmslos an die ersten Aufgaben. Für uns Deutschlehrer ging es anschließend ans Korrigieren der Testhefte. Genauigkeit suggerierende Anweisungen, was als richtig und was als falsch zu werten sei, waren natürlich ebenfalls mitgeliefert worden. Dennoch blieb ein Spielraum übrig, den eine Lehrkraft so und eine andere so interpretierten konnte. Auch bei den Ankreuzaufgaben ergaben sich immer wieder Fragen nach der Bewertung. Objektivität ist eben keine Kategorie der Pädagogik, auch wenn die Ergebnisse mit tausenden von Häkchen als solches in eine Tabelle auf dem Vera-Portal eingegeben werden müssen und statistisch „objektiv“ ausgewertet  werden zu können. All meine kritischen Anmerkungen sollen aber erstmal ruhen, bis ich Ergebnisse werde abfragen können. Aber das wird noch einige Wochen dauern.

Nachmittags konnte ich Besuch von der Schulaufsicht zum Kaffee empfangen. Nie hätte ich gedacht, dass fast drei Stunden so kurzweilig vergehen können, weil zwei „alte Kempen“ der IGS-Landschaft zum gegenseitigen Austausch zusammen sitzen, herrlich und: Danke!

 

Freitag, 19. Februar 2016:

Wird die Leitung einer benachbarten Schule offiziell in ihr Amt eingeführt, so sind die Schulleiter/-innen der umliegenden Schule geladen. Bisher habe ich diese Veranstaltungen eher gemieden statt besucht, heute habe ich teilgenommen. Zum einen ist mir „die Neue“ persönlich bekannt, zum anderen liegt die Schule am Ort. Auf der anderen Seite war es wieder „ein Scheintermin“, denn der Arbeitsbeginn am neuen Wirkungsort liegt schon ein halbes Jahr zurück. Ich freute mich erneut, dass es einen solchen Anlass bei mir nicht gegeben hat und ich eher mit in die Schule hineingewachsen bin. Da ich von Anfang an dabei war, hat es niemand so recht wahrgenommen und die Beförderungen habe ich stets in im Stillen entgegengenommen.

 

Dienstag, 16. Februar 2016:

Seit drei Jahren gibt es bei uns den Praxistag. Schüler/-innen, die mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Berufsreife nach der neunten Klasse die Schule verlassen, können/sollen an einem Tag in der Woche Berufspraxis kennenlernen. Sie sind für diese Praxis für einen Tag in einem Ausbildungsbetrieb vom Unterricht freigestellt. Lange wurde seinerzeit darüber diskutiert, ob dies sinnvoll sei, ob dadurch nicht zu viele Inhalte der Abschlussklasse nicht vermittelt würden und ob dies nicht die Aussonderung einer Gruppe sei, was dem IGS-Grundsatz doch geradezu widerspricht. Meine Erfahrung bei uns: Nein, das ist eine sinnvolle Einrichtung! So mancher Ausbildungsvertrag ging daraus hervor, weil ein Betrieb eine/n Jugendliche/e kennen gelernt hat und zu dem Urteil kam: „Der/Die passt zu uns, unabhängig vom Schnitt im Abschlusszeugnis“. Wie schwer haben es gerade Abgänger/-innen mit der Berufsreife, sich in Betrieben interessant zu machen. Der Praxistag zeigt sie über eine „lange Strecke“ im Treiben eines Betriebes und nicht nur in der engen Zeit eines Vorstellungsgesprächs. „Stoff“ versäumt? Oft sind es ja gerade die schulmüden, die sich eh mit dem Lernen eher quälen. Die „Luftveränderung“ und das Schnuppern in der Arbeitswelt bewirkt da oft mehr als jeder „Stoff“! Zwar ist es eine Sonderstellung für Abgänger/-innen mit Berufsreife, aber sie ist im Sinne der individuellen Förderung nach meiner Erfahrung sinnvoll. Daher traf sich heute eine Gruppe von Verantwortlichen, um den Praxistag im Zuge der Berufsorientierung konzeptionell in klarere Strukturen zu gießen und externe Partner in diesem Projekt besser einzubinden. Es zeigte sich auch an dieser Baustelle: Das wird weitere Zeit benötigen. 

 

Donnerstag, 12. Februar 2016:

Erneut ein Bautermin in großer Runde, dieses Mal auch mit der Schulaufsicht. Zwar hat diese die grundsätzliche Umsetzung der Schulbaurichtlinie bereits durchgewunken, heute galt es vielmehr, die neue Planung mit jedem Quadratmeter für den Bauantrag begründen. Soweit ist alles in Ordnung. Derzeit ist der Rechnungshof aktiv und will geprüft haben, ob und wo es Leerstände im Ort gibt, die statt des Neubaus eventuell genutzt werden könnten, um Kosten zu sparen. Es zeigte sich, dass die Kreisverwaltung als Bauträger und das Architektenbüro gut gearbeitet haben, denn diese Anforderungen sind im Großen und Ganzen bereits durchgerechnet und erledigt. Jedem nachdenkenden Laien ist von vorneherein klar, dass ein leerstehender Supermarkt nur mit großem Aufwand in ein Schulgebäude umgebaut werden kann und dass eine dislozierte Schule mit bereits zwei Standorten keinen dritten erträgt. Aber das alles ist bereits begründet worden und hofft nun auf Anerkennung. Das könnte zuversichtlich stimmen, dennoch wird es zu einem Baubeginn im Jahr 2016 wohl nicht mehr reichen. Erneut ist Geduld angesagt. Mein Begriff vom „Container-Abitur“ scheint also Realität zu werden – natürlich ohne inhaltliche Einbußen. Dafür könnte es mit dem Deidesheimer Jugendtreff vorangehen. Die dortige Zeitplanung sieht vor, dass er im Juni im Anschluss an das Alla-hopp-Gelände fertig gestellt sein soll mit all den Synergieeffekten, die dann eine verstärkte Kooperation mit sich bringen kann. Immerhin: das diesjährige Zirkusprojekt, das wieder in den Sommerferien auf dem Schulgelände stattfinden soll, kann wie geplant laufen. Immerhin etwas. Und wieder habe ich meinen Einblick in die Welt der Abkürzungen und der Baubegriffe um einige wesentliche „Raritäten“ erweitern können: Betrachtungen zur Flächeneffizienz müssen für den Bauantrag vorgelegt werden, die NGF (Nettogrundfläche) ist genau im Verhältnis zur HNF (Hauptnutzungsfläche) einzuhalten. HNF werden mit einem anderen Faktor versehen wie die VF (Verkehrsflächen), Überhangflächen wiederum müssen eigens begründet sein, etwa durch die Struktur des Bestandsbaus. Der in Kubikmeter berechnete umbaute Raum unterliegt genauen Bestimmungen im Kostenrichtwert, in welchen die Lebenszyklus- und Baunutzungskosten einbezogen sein müssen, alles festgelegt im BKI (Baukostenindex). Alles klar?

Bereits heute fand ein erstes Gespräch hinsichtlich des Personals im kommenden  Schuljahr statt. Die Vertragslage ist nicht weniger kompliziert wie die Bauregularien – Auswüchse des föderalistischen Systems, das nicht nur verschiedenste Schulsysteme beherbergt, sondern auch komplizierte, nicht länderkompatible Vertragsklauseln. Da will mir scheinen, dass der Weg zum Wechsel des Bundeslandes als Beamter nicht viel durchsichtiger ist als eine Machetentrasse durch den Regenwald in Costa Rica.

 

Aschermittwoch, 10. Februar 2016:

Eigentlich begeht die ganze Schule heute den Ausgleichstag für den Tag der offenen Tür vom vergangenen November. Dennoch hatte ich mich im Büro verabredet. Da wir leider verschiedene Krankheitsfälle im Bereich der Oberstufe konstatieren müssen, entstanden Notwendigkeiten in der Unterrichtsverteilung. Dazu hatten wir vergangenen Freitag noch ein zusätzliches Schulleitungsteam anberaumt und haben Überlegungen angestellt, die wir heute auf ihre Umsetzung hin in der Ruhe des leeren und stillen Schulgebäudes überprüfen wollten. Der Blick musste dabei in die Zukunft hin gerichtet werden: Jetzt für erkrankte Kollegen Vertretungen einzusetzen, bedeutet unter Umständen, dass zu Beginn der Klasse 13 wieder ein neuer oder der bisherige in den Kurs zurückkehrt. Eine kontinuierliche Vorbereitung auf das Abitur ist da eher gefährdet. Also gilt es, jetzt längerfristige Lösungen zu finden, die bis zum Abitur im kommenden Jahr Bestand haben können.

 

Donnerstag, 04. Februar 2016:

Das Losverfahren ist durchgeführt und der neue Jahrgang steht vorläufig. Vorläufig deshalb, weil die Erfahrung zeigt, dass auch Plätze zurückgegeben werden, wenn die Anmeldung an den Gymnasien begonnen hat. Die Tatsache, dass schnell das Protokoll des Aufnahmeausschusses an die Schulaufsicht und ans Ministerium zu schicken ist, zusätzlich eine Tabelle mit der Anzahl aufgenommener Schüler/-innen aus den jeweiligen Ortschaften eingefordert wird, zeigt, dass der Blick auf die Aufnahme sich immer mehr verdichtet. Befürchten tue ich nichts, denn unsere Aufnahme war all die Jahre über „wasserdicht“, juristisch war nichts auszusetzen. Da der Aufnahmeausschuss in gleicher Weise vorgegangen ist, dürfte sich das in diesem Jahr nicht anders darstellen. Dann kann das Faschingswochenende ja ruhig kommen. Ich werde es unter anderem mit einer kleinen Lektüre verbringen, die ich dieser Tage geschenkt bekam: „Einführung in das systemische Schulmanagement“ von Peter Herrmann (Heidelberg 2014). Bin sehr gespannt, denn ich wurde bereits mit einem Zitat daraus konfrontiert, das mich sehr nachdenklich stimmte und dessen Beachtung mir bereits „innerlich“ Luft verschaffte, weil es die grundsättiche Sichtweise zu verändern hilft:

„Probleme sind somit für viele Schulleiter das alltägliche Geschenk zur Aktivierung ihrer eigenen Lösungspotenziale. Schulleiter sind gut beraten, diese Rolle für sich zu akzeptieren und nicht darauf zu hoffen, dass die Probleme irgendwann einmal ein Ende nehmen“ (ebd.S.56).

Da kommt das verlängerte Faschingswochenende gerade richtig.

 

Mittwoch, 03. Februar 2016:

Die veränderte Unterrichtsverteilung hat mir nach sieben Jahren wieder eine Deutschklasse gebracht. Nach der zweiten Stunde kann ich bereits resümieren: Ich kann es noch. Mann, hat das Spaß gemacht. Gleich führte ich meine (alten) Wochenplanregeln ein, mit denen ich vor Jahren gute Erfahrungen gemacht hatte. Gleichzeitig las ich mich in die anstehende Lektüre ein: „Das Jahr der Wölfe“ von Willi Fährmann, die Schilderung einer Familiengeschichte, die am Ende des zweiten Weltkrieges die Flucht aus Ostpreußen antreten musste. Da sind auf alle Fälle Bezüge zur Gegenwart möglich und fällig.

Die diesjährige Anmelderunde für Jahrgang5 ist abgeschlossen. Die Anzahl von Anmeldungen ist etwas gesunken, aber das Profil insgesamt lässt einen guten und gemischten Jahrgang zu, das Interesse an der Bandklasse ist sehr hoch, auch dort wird gelost werden müssen. Die etwas niedrigere Anmeldezahl wird mir die kommende Woche erleichtern, da weniger Kinder bei der Aufnahme keine Berücksichtigung finden werden und damit das Telefon seltener klingeln wird. Soweit ist also alles für das neunte Jahr unserer Schule im grünen Bereich.

 

Dienstag, 02. Februar 2016:

Seit geraumer Zeit ist die Entscheidung ja gefallen: Die Zusammenlegung der Standorte ist zumindest für einige Jahre hinausgeschoben – jedenfalls in eine Zeit, in der ich nicht mehr Schulleiter sein werde. Allerdings soll durch die jetzt anstehende Erweiterung eine spätere Zusammenlegung nicht „verbaut“ werden. Diese Überlegungen führten zu einer neuen Planung des Schulgebäudes in Deidesheim. Zum Beispiel wird ein verändertes Gebäude neu errichtet, dafür wird die „Brücke“ zwischen Fach- und Klassentrakt lediglich als Glasübergang konstruiert. Das wiederum hat zur Folge, dass die komplette Verwaltung mit allen Räumen als eigene Einheit neu errichtet wird. Als Folge davon ergibt sich die Möglichkeit, die Verwaltung in den „üblichen Hasenställen“ mit einem Flur zu planen oder mehr in einer „offenen Bürolandschaft“ mit viel Transparenz. Allerdings sind gegen eine (ungewohnte) Offenheit mit allzu viel Glas sofort Widerstände oder Bedenken wahrzunehmen. Um die Möglichkeiten hierzu etwas konkreter abzustecken, fanden sich Vertreter des Architektenbüros heute zu einem Gespräch mit den Betroffenen der Verwaltung und Schulleitung ein. Mit Beispielfotos und anderswo realisierten Versionen war dann doch schnell ein Konsens gefunden. Einige Details – hier ein Fenster versetzt, dort eine Tür wegen vergrößerter Stellfläche – und schon tauchte bei mir in Gedanken ein künftiges Bild des Gebäudeteils auf. Wie lange ich in jenem sechsten – endgültigen – Büro noch arbeiten werde, steht allerdings noch aus. Das ist eben auch ein IGS-Leben: Die meiste Zeit meiner Arbeit werde ich bei Pensionsantritt in Schulen verbracht haben, an denen irgendwo gebaut wurde. Kaum war die IGS Mutterstadt „fertig“, „zog“ ich in das nächste Provisorium weiter. Es könnte auch gleichzeitig eine Metapher sein: Das ganze (Berufs-)Leben ist eine immer währende Baustelle. Die „fertigen“ Schulen „durften“ andere genießen.

 

Freitag, 29. Januar 2016:

Letzter Schultag im ersten Halbjahr, verbunden mit der Zeugnisausgabe. Trotz Ausfällen und einer konzertierten Aktion haben wir es geschafft, die Zeugnisse rechtzeitig (und zentral) ausdrucken zu können. Eine schöne gemeinsame Leistung des Schulleitungsteams. Auch der Stundenplan ist in einer Version fertig, die wir heute ausgeben konnten. Da werden wohl noch Feinheiten korrigiert werden, aber er ist pünktlich fertig geworden. Und, mir besonders wichtig, wirklich alle Änderungen an der Unterrichtsverteilung haben wir mit den Kolleg/-innen absprechen können.

Zeugnisse wurden heute an allen Schulen aller Schularten aufgegeben. Verbunden ist damit, dass morgen das diesjährige Anmeldeverfahren startet. Gleichwohl ich es zum wiederholten Mal erlebe, empfinde ich eine freudige Anspannung: Freude darüber, dass im Vorfeld so viel Interesse an unserer Schule bekundet wurde, Anspannung, weil von diesem Termin die Arbeit der nächsten mindestens sechs Jahre sich vorzeichnet: Wie viele Kinder werden mit welchen Leistungen und aus welchen Familien angemeldet und welche Konsequenzen entstehen dadurch für die Arbeit mit dem neuen Jahrgang. Über die Anzahl der Anmeldungen hege ich zwar keine Befürchtungen, sehr wohl aber darüber, ob die Klassen danach ausreichend heterogen gebildet werden können.

 

Mittwoch, 27. Januar 2016:

Nicht oft aber immer mal wieder finden zwei Assemblys an einem Tag statt, so heute bei den „Bulli Burgs“ und „Pia Pilzen“. Bei beiden Treffen stand ein von Schüler/-innen vorbereiteter und organisierter Talentwettbewerb statt. Immer wieder ein Schmankerl! Ebenfalls starteten wir den Logo-Wettbewerb „Wie soll der neue Jahrgang heißen?“. Wir hätten noch aus den vergangenen Jahren ausreichend schöne und lustige Vorschläge. Aber deswegen den jährlichen Wettbewerb canceln? Nein, jedes Jahr kommt dabei soviel Kreativität, soviel Freude und Spaß auf, dass wir nicht darauf verzichten sollten. Und außerdem: betrachtet man sich die bisherige kurze Schulgeschichte, so sind die ersten beiden Jahrgangslogos auf der einen Seite bereits historisch, auf der anderen jährlich eine Erfahrung der so wichtigen Selbstwirksamkeit der Schüler/-innen, an dieser „historischen Dimension“ mitarbeiten, mitgestalten und mit entscheiden zu können. Wohlan denn, ich wünsche euch viel Freude beim Überlegen, Zeichnen und Namen finden!

 

Freitag, 22. Januar 2016:

Die Woche der Zeugniskonferenzen ist abgeschlossen. Bei einigen war ich als Fachlehrer dabei, andere besuchte ich aus Interesse. Insgesamt setzt sich der Trend fort, diese Treffen möglichst mit pädagogischen Fragen in den Blick zu nehmen, wenngleich (immer noch) Kommastellen errechnet werden, die die eine oder andere Note herleiten sollen. Dazu habe ich schon genug ausgeführt.

In den Konferenzen der Oberstufe zeigten sich bereits jetzt eine erkleckliche Summe von Unterkursen. Erschreckt hat mich das nicht, denn dass alle unsere Elft- und Zwölftklässler bis zum Abitur erfolgreich arbeiten würden, war zum einen aus den Erfahrungen anderer (IGS-) Oberstufen nicht zu erwarten. Zum anderen wies auch mein eigener Weg durch die Oberstufe Unterkurse aus, was nach der Schule nirgendwo mehr eine Rolle spielte. Also von daher mal grünes Licht und alle, die glauben, unsere Oberstufe erfülle nicht ihre Aufgabe, seien beruhigt.

Die benachbarte Universität hat angerufen. Nochmal das Thema Inklusion. Dieses Mal nicht mit den Konzepten der Schule sondern in den Augen der Schüler/-innen. Das könnte ein interessantes Abfragen werden. Weit in den Nachmittag schob sich ein Termin mit der Schulaufsicht, nochmal hinsichtlich eines Nachteilsausgleichs beim Abitur. Die Linie wird wohl heißen: Hilfen, wo es geht, aber keine inhaltlichen Abstriche. Das bedarf noch weiterer „oberster Klärung“.

 

Mittwoch, 20. Januar 2016:

Derzeit ist die Auswahl für Vertretungslehrkräfte schwierig: Finden sich auf den mir zur Verfügung gestellten Listen überhaupt Bewerber/-innen in der gesuchten Fächerkombination, wohnen sie für einen Vertretungsvertrag entweder zu weit weg oder sie sind bereits irgendwo anders kurzfristig untergekommen. Eine Lösung in der Not stellen hierbei die Bewerber/-innen mit dem ersten Staatsexamen dar, die auf eine Referendarstelle warten, weil sie zum aktuellen Termin nicht berücksichtigt werden konnten. Ein solcher hat sich heute vorgestellt. Wir hatten beide ein gutes Gefühl, so dass es jetzt um den Vertrag geht, der über eine bestimmte Stundenzahl abgeschlossen werden muss. Eine erste Lücke kann damit gefüllt werden. Es kann nur eine vorläufige Lösung sein, denn mit dem Blick auf die Oberstufe und das erste Abitur im kommenden Frühjahr kann ein häufiger Lehrerwechsel nicht gut sein. Auf der anderen Seite können wir „nur mit den Frauen tanzen, die da sind“.  

 

Montag, 18. Januar 2016:

Die digitale Noteneingabe ist angelaufen, Tausende von Noten werden bei den Stufenleitungen gesammelt und in Zeugnislisten übertragen. Wenn einer den Ziffernnoten so skeptisch gegenübersteht wie ich, ist dies nicht nur ein beeindruckender Vorgang. Dennoch wird darin an einem Punkt deutlich,  was alles gearbeitet wurde. Ich schreibe bewusst „Arbeiten“, denn Lernen lässt sich auf diese Weise nach wie vor nicht messen.

Ein besonderer Termin fand sich heute in meinem Terminkalender, von dem ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Fünf Schüler aus dem Wahlpflichtfach Mathematik/Naturwissenschaften saßen schließlich um meinen Tisch versammelt. Sie hatten von einem bundesweiten Wettbewerb erfahren und wollen mit einem Projekt daran teilnehmen, wie wir an der Schule den Wasserverbrauch senken können. Einige Ideen durchwirken bereits ihre Gedanken. Ich habe sie ermuntert weiterzudenken und auf die vorhandene Zisterne im hinteren Bereich hingewiesen. Vielleicht ließe sie sich in die Planungen einbeziehen. Ich war wieder einmal von unseren Schülern beeindruckt. Einfach nur klasse, wie sie sich Gedanken machen, wie sie sich engagieren und zusätzlich Ideen entwickeln. Schon in der Körperhaltung am Tisch und den sprudelnden Worten vermutete ich das, was für das Lernen unverzichtbar ist: intrinsische Motivation. Genau an diesen Punkt müssten die Lernenden immer kommen: Sie wollen von sich aus etwas erarbeiten. Und genau dann findet Lernen in Reinkultur statt. So habe denn heute wieder die Spanne erlebt: von der inhaltsarmen Ziffernnote bis zum intrinsischen Lernen.  

 

Freitag, 15. Januar 2016:

Auch der heutige Anlass ist mir seit Jahren bekannt, erst nannten wir ihn „Übergabegespräche“, jetzt heißt er „Übergabekonferenz“. Es treffen sich die Vertreter der einzelnen Grundschulen, die Schwerpunktschulen sind, mit den entsprechenden weiterführenden Schwerpunktschulen. Allerdings trafen wir auf denselben Vorgang: zu viele der Eltern wollen ihre Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf bei uns anmelden, in einer Zahl, die wir nicht bewältigen können und die außerhalb aller inklusiven Konzepte steht. Auf der einen Seite sagt das viel Positives über unsere Arbeit aus und muss jeden Schulleiter erfreuen. Auf der anderen Seite kann eben diese erfolgreiche Arbeit nur mit den angemessenen Rahmenbedingungen fortgeführt werden und die sind natürlich auch an die Anzahl der Kinder geknüpft. So standen wir vor der Quadratur des Kreises und doch muss eine Lösung her.

 

Mittwoch, 13. Januar 2016:

Der heutige SELG-Tag, an dem die Schüler/-.innen zu Hause arbeiten und die Eltern in der Schule sind, verlief wie in den letzten Jahren ruhig und mit der ganz speziellen Atmosphäre eines solchen Tages. Einige Eltern begegneten mir mit zufriedenen Erfahrungen, einige durfte ich mir selbst in Gesprächen einholen. Ein guter Tag also mit ausreichend Zeit für den Schreibtisch.

 

Dienstag, 12. Januar 2016:

Am ersten Schultag im neuen Jahr gestern, eröffnete ich die beiden Dienstlichen Beurteilungen, deren Ausformulierung ein Produkt der Weihnachtsferien ist. Nach den entscheidenden Unterschriften verschickten wir sie gleich. Einer termingerechten Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit steht also nichts mehr im Wege. Im Wege stehen uns allerdings Krankheiten im Schulleitungsteam, so dass wir sehr dezimiert und daher nur kurz tagten. Im Vordergrund stehen derzeit die Zeugnisse und die (Stunden-) Planung für das zweite Halbjahr.

Der heutige Tag brachte gleich zu Jahresbeginn einen besonderen Termin: Die neuen Ausbildungsschulen für Referendare mit gymnasialem Lehramt waren ins Studienseminar eingeladen, um die Arbeit, den Ablauf und die Erwartungen der kommenden Monate vorgestellt zu bekommen. Für unsere Schule ist das ein weiterer Schritt zur ausgebauten Schule, die nun auch Ausbildungsschule für das gymnasiale Lehramt ist. Ich empfand schon eine gewisse Anspannung, die Vorfreude allerdings überwiegte, denn drei Kollegen (alle sind männlich) in den Beruf zu führen, ist eine lohnende und reizvolle Aufgabe, auf die ich mich auch als Schulleiter freue. Parallel fand die fachdidaktische Prüfung innerhalb der Wechselprüfung einer Kollegin statt. Mit erhobenem Daumen in unsere Richtung zeigend, erschien der Seminarleiter kurz danach in unserem Raum – erfolgreich!

 

Weihnachtsferien 2016:

Wie hat dieses Jahr nur begonnen! Unvorstellbare und nicht für möglich gehaltene Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht bringen in der Frage der Flüchtlinge eine schrecklich einseitige Wendung. Zum Glück kippt dadurch die Stimmung derzeit (noch) nicht. Jetzt nicht wieder Schubladen auf und Flüchtlinge rein! Ein weiterer Einschnitt in den Ferien: Über 40 vollstreckte Todesstrafen in Saudi-Arabien. Dieser sunnitische Staat richtet schiitische Abweichler hin – ein Konflikt, der bereits seit den Anfängen des Islam besteht, weil die Nachfolge Mohammeds nicht geregelt war (siehe Eintrag vom 5. März 2014). Saudi-Arabien gilt dennoch als strategischer Partner des Westens. Es interessiert bei Waffen- und Ölgeschäften wenig, dass eben dieser monarchistisch strukturierte Staat den Wahabismus durchsetzen will, eine streng an den Anfängen orientierte Richtung des Islam, der mit Menschenrechten kaum in Verbindung zu bringen ist. Ein skurriles Beispiel: Da Frauen keine Kamele reiten und führen durften, ist ihnen heute das Autofahren verboten! Es interessiert auch wenig, dass der sogenannte „islamische Staat“ durchaus von dort aus sowohl finanzielle als auch ideologische Unterstützung erfahren haben soll. So tritt denn eine recht verlogene Diskussion auf den Plan. Wie segensreich dagegen ein Buch, das unter unserem Weihnachtsbaum lag, das inzwischen schon zwei weitere zur Lektüre nach sich zog, geschrieben von Navid Kermani, der als Sohn von iranischen Eltern, die vor Jahrzehnten aus dem Iran nach Deutschland geflohen waren. In Deutschland geboren, aufgewachsen, studiert und promoviert, ist er als Muslim aufgewachsen und hat 2015 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen bekommen. Er fasziniert mich durch seine vielseitigen Blickwinkel sowohl auf das Christentum („Ungläubiges Staunen“, erschienen 2015), auf die kritische Innenseite des Islam („Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime“, erschienen in 5. Auflage 2015) und auf die Literaturgeschichte zwischen Orient und Okzident („Zwischen Koran und Kafka“, erschienen 2015). Ebenfalls hat er bedeutende Reden gehalten, so etwa die zum 65-jährigen Bestehen des Grundgesetzes im Berliner Reichstag, die in Köln nach dem Pariser Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und auch die letztjährige Rede in der Frankfurter Paulskirche. Ich empfinde speziell diese Reden als Glanzstücke in einer Zeit, die so häufig vom Nachsprechen der von Ghostwritern verfassten Worte und Gedanken geprägt ist. Hier hat einer was zu sagen, weil er, auch aus biografischen Gründen heraus, etwas zu sagen hat und dabei so grundlegend demütig und zugleich Hintergründigkeit fordernd, gelehrt nachdenklich und zwischen den Kulturen wandelnd, daherkommt. Da existieren keine Schubladen, in welche die einen oder anderen gesteckt werden, da werden freilich Konflikte benannt und Lösungen angemahnt, die aber den Menschen und seine Würde im Blick haben und nicht dumpfe, wirre Thesen formulieren, da werden auch und gerade Zusammenhänge zwischen den Religionen, Geistesgeschichten und Staaten beleuchtet, die sonst oft in der Scheinheiligkeit untergehen. Und wieder gehen wir auf eine Landtagswahl zu, zwar erst in drei Monaten, aber ich lese bereits jetzt erneut von Schubfächern, die mir so bitter aufstoßen: Das Niveau der Abiturprüfungen sei so sehr gesenkt worden, dass immer mehr das Abitur ablegen (könnten);  die Realschule plus sei eine „Realschule minus“ geworden, weil die Hauptschule zwar abgeschafft sei, aber es die (!) Hauptschüler (!) noch immer gebe. Wie hältst du es mit der Schulordnung, in der die individuelle Förderung eines jeden Kindes festgeschrieben ist? Wie hältst du es mit dem Aussondern der einen von den anderen auf Kosten der einen? Weshalb diese Trennung statt der integrativen Beschulung, um den Weg in eine fundierte demokratische Gesellschaft der Vielfalt zu ebnen, die doch bereits existiert? Stehen die – sicherlich nicht immer meine Zustimmung findenden aber immerhin noch fortschrittlichen – Entwicklungen im Bildungswesen zugunsten eines Rückschrittes in Frage? Und damit bin ich wieder bei der Schule angekommen, deren Unterrichtszeit in 2016 morgen beginnt. Ich wünsche allen Beteiligten, dass es eine erfolgreiche Zeit wird und - wer hätte die Dringlichkeit meines zweiten Wunsches vor einiger Zeit erahnt – dass es eine friedliche Zeit wird.