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Gesellschaftslehre aktuell

Aktuelles aus dem GL-Unterricht (Klasse 10 d):

Um wesentliche Aspekte der Globalisierung zu erarbeiten, haben sich die Schülerinnen und Schüler der 10d beispielhaft mit dem Produktionsweg einer Jeans auseinandergesetzt. Im Zuge dessen entstand folgender Artikel:

 

Von der Baumwolle bis zur fertigen Jeans

Wollen wir wetten, dass deine Jeans schon mehr gereist ist als du selbst?

Was? Das glaubst du nicht?

Dann pass mal auf!

Die Baumwolle für deine Hosen wird zuerst gepflückt und verpackt, das geschieht zum Beispiel in Kasachstan. Bei diesem ersten Schritt werden 5 000 Liter Wasser verbraucht und die Jeans kostet bis jetzt 13,02 €. Als nächstes wird die Baumwolle  3500 Kilometer weiter in der Türkei zu Garn gesponnen, das kostet pro Jeans gerademal 0,70 €, verbraucht aber 491 Liter Wasser. 11 500 Kilometer weiter wird in Taiwan mit 109 Liter Wasser und weiteren 1,35 € der Stoff gewebt. 

Nachdem in Polen für 2,13 € und mit 5029 Liter Wasser die blaue Farbe hergestellt wurde,  wird in Tunesien, 3800 Kilometer entfernt, der Stoff gefärbt. Das verbraucht 1039 Liter Wasser uns kostet nur 1,50 €, bis jetzt kostet die Jeans 18,88 €, hat 30 500 Kilometer zurückgelegt und hat 7 168 Liter Wasser verbracht, dabei ist gerademal der Stoff zur Verarbeitung bereit.

Anschließend wird im 2 000 Kilometer entfernten Bulgarien, der Stoff mit 322 Liter Wasser und einer Kostenbemühung von 4,12 € veredelt. In der  Schweiz und in Italien werden für insgesamt 0,17 € Futter, Nieten und Reisverschluss hergestellt. 

Fertig gemacht wird sie in Xintang, die Stadt liegt bei Honkong in China und ist vom letzten Stopp rund 3200km entfernt.Xintang ist eine Stadt in der Region Guangdong in der Volksrepublik China. Sie ist der wichtigste Standort für die Jeansproduktion. Hier wird der Stoff veredelt. Er wird gebleicht, gefärbt, mit Bimssteinen gewaschen und geschrumpft, damit er nicht mehr so stark einlaufen kann. In den Nähereien näht jeder Arbeiten eine Teil der Jeans und sie wird dann am Ende zusammengefügt und danach werden sie gewaschen und bekommen den Feinschliff. Eine Billige Jeans in Deutschland kostet zwischen 10 und 20 Euro. Aber wie ist das möglich? Diese Preise werden dadurch möglich gemacht, weil die Firmen in Xintang sich nicht für die Gesundheit ihrer Arbeiter interessieren. Ein Arbeiter in einer dieser Fabriken bekommt durchschnittlich 100 bis 200 Euro im Monat bei 12-16 Stunden am Tag und einer sieben Tagewoche ohne Urlaub. Dazu kommt noch, dass die Arbeiter keine Schutzkleidung bekommen und mit krebserregenden Chemikalien wie Nonylphenolethoxylate, Weichmacher und andere Schadstoffe in Berührung kommen. Die Arbeiter in Xintang werden schon als die blauen Menschen bezeichnet, da sich die giftigen Farbstoffe der Jeans so in ihrer Haut festgesetzt haben, dass man sie nicht mehr abwaschen kann. Die meisten der Arbeiter verlassen die Fabrik, am Ende ihres Lebens, als Körperliche Wracks und Sterben an Krebs. Der Großteil der Arbeiter lebt auf winzigen Lebensräumen und es ist nicht möglich, dass sie ein normales Familienleben führen können. Aber nicht nur die Arbeiter haben darunter zu leiden, sondern auch die Bauern in der Umgebung, da die Fabriken ihr Abwasser in die Flüsse ableiten, aus denen die Bauern das Wasser für ihre Pflanzen nehmen. Noch vor einigen Jahren war das Gebiet um die Stadt sehr fruchtbar, aber mittlerweile können die Bauern ihre Felder nicht mehr bewirtschaften da die Pflanzen durch das vergiftete Wasser kaputt gegangen sind. Selbst Fair-Trade-Jeans und Jeans mit der Aufschrift „Made in Italy” kommen zum größten Teil aus China. Wir können also kaum umweltbewusst Jeans kaufen, denn das Prinzip der Wirtschaft ist nun mal mit allen Mitteln so viel Profit wie möglich zu erwirtschaften.

Die Jeans wird genäht, das kostet nur 0,54 € verbraucht aber auch 46 Liter Wasser. Im von China 14000 Kilometer entfernten Frankreich bekommen mit 441 Liter Wasser die Jeans ihren Charakteristischen „Stonewash“ Effekt, pro Jeans macht das 0,77 € aus.

In Deutschland, nur 1 000 Kilometer weiter, wird die Jeans die einen Herstellungswert von 24,48 € hat, für ca. 50,00 € oder mehr  angeboten.

Die Jeans hat während ihrer Reise ca. 60 000 Kilometer Strecke zurückgelegt und 8 000 Liter Wasser verbraucht.

Doch die Reise endet nicht in unserem Kleiderschrank. Denn, wenn unsere Jeans abgetragen ist, werfen  viele  diese nicht weg,  sondern bringen sie im günstigsten Fall in die Altkleidersammlung. Von dort aus werden die Kleider nach Afrika, Südamerika und Asien gebracht, da sich die meisten Menschen in Entwicklungsländern keine neue Kleidung leisten können.

 

von Alanna Braun, Marie Gabert, Christoph Thiel (10d)