Diese Seite drucken

Generationen im Gespräch

Tunnelbauer zu Gast an der IGS

Prof. Peter Lücker berichtet vom Tunnelbau in Berlin im Jahre 1964

Als Fortsetzung des Themas "20 Jahre Mauerfall" lud die AG "Generationen im Gespräch" den in Grünstadt wohnenden Professor Peter Lücker ein. Um den in der DDR lebenden Menschen den Weg nach dem Mauerbau in den Westen zu ermöglichen, wurden zahlreiche Tunnel heimlich gebaut. Einer der Bekanntesten war der nachträglich so benannte "Tunnel 57", der im Jahre 1964 Ecke Bernauer/Strelitzer Straße in Berlin gegraben wurde. Einer, der dabei war, ist Peter Lücker.

 

Als junger Mann nahm er mit etwa 30 jungen Menschen die Gefahr des Tunnelbaus auf sich. In monatelanger Arbeit gruben sie sich unter der Mauer in den abgesperrten Ostteil Berlins durch. Peter Lücker berichtete den Fünft- und Sechstklässlern anschaulich, welche Anstrengungen, welche Gefahren und welche Vorbereitungen getroffen werden mussten, um das Projekt zu verwirklichen.

Zunächst wurde auf West-Berliner Seite ein Schacht 12 Meter in die Tiefe gegraben, um danach einen Stollen waagrecht und später ansteigend in die Erde zu treiben, der nach 145 Metern exakt in ein ausgedientes Toilettenhäuschen im Hinterhof eines Hauses auf der Ostseite mündete. Eine Reihe von Fotografien veranschaulichten die spannend erzählten Erinnerungen Lückers und vermittelte den Teilnehmern eine Idee davon, welche Arbeit geleistet und welche Schwierigkeiten dabei überwunden werden mussten.

In einfach gezimmerten Holzkisten musste der Aushub mit eigens herbeigeschafften Winden aus dem Stollen geschafft werden. Damit die Menge an Sand und Erde wegzuschaffen war, durfte der Tunnel nur 90 cm hoch sein. Am 3. Oktober 1964 war der Durchbruch geschafft, die ersten von insgesamt 57 DDR-Bürgern erreichten durch den Tunnel die Freiheit. Bitter nach der monatelangen Schufterei war, dass das ganze Unternehmen bereits am 2. Tag verraten wurde. Die Zahl der Geflüchteten gab dem Tunnel dennoch seínen Namen.

Ein von einem weiteren Zeitzeugen fesselnd erzählter Abschnitt deutscher Geschichte. Nach dem Vortrag beantwortete Peter Lücker noch viele Fragen, die sich den Schülerinnen und Schülern stellten. So ist es gedacht: Geschichte zum Anfassen in die Gegenwart der Schüler hineingezogen.