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Februar 2014

 

Freitag, 28. Februar 2014:

Eine wunderbare Musikstunde erlebte ich gestern – der Cup-Song greift um sich und begeistert. Faszinierend, wie ein einzelnes Lied oder ein Film oder ein Thema immer wieder plötzlich Kreise und in den Bann zieht.

Für die diesjährige Landesdirektorenkonferenz tauchte plötzlich ein zusätzliches Thema auf: die differenzierte Leistungsmessung. Bei der so stark angewachsenen Zahl von Gesamtschulen im Lande müssen die Vorgaben juristisch sauberer und einheitlicher gehandhabt werden. Also machte ich mich heute auf den Weg nach Mainz zu einer Vorabsprache für einen Workshop. Das Thema „klebt“ an mir seit ich in Mutterstadt an einer Regelung mitarbeitete. Gut immerhin, dass sich das Thema nun so verbreitet hat, dass „offiziell“ nach Regelungen gesucht wird.

 

Dienstag, 25. Februar  2013:

„Wandertag aller Klassen“ steht heute im Schulkalender. Beunruhigend für mich deshalb, weil ich bei weitem nicht wusste, wo unsere 24 Klassen heute unterwegs waren. Beruhigend aber auch deshalb, weil die Schulstruktur so gewachsen ist, dass trotzdem alles organisiert ist. Lob an die Tutoren und Stufenleitungen!  So konnte ich mich, schon wieder unter Zeitdruck, in Ruhe (?) dem Zwischenbericht für den Trialog-Wettbewerb machen. Gut in diesem Zusammenhang, dass das Telefon nicht annähernd so oft klingelte wie an einem regulären Schultag.

Bereits gestern stieß ich bei drei der die Skifreizeit begleitenden Kolleg/-innen auf leuchtende Augen und ausschließlich positive Rückmeldungen. Von diszipliniertem Gemeinschaftsverhalten, von Kameradschaft und Zusammenwachsen und sportlichem Abenteuer war die Rede. Rundum: eine gelungene Fahrt. Zum Ausdruck kommt diese Einschätzung auch in vier E-Mails, die von Eltern erhielt. Solche direkten Rückmeldungen erhielt ich bisher nur zu den „Young Americans“. Auch von daher müssen diese fünf Tage, ich schreibe mal: sensationell gewesen sein:

 

„Lieber Herr Dumont,

Auch im Namen meiner Tochter möchte ich mich bedanken, dass Sie diese Skifreizeit möglich gemacht haben. Sie war ganz begeistert und auch ihre Freundinnen schwärmen seit Tagen von nichts anderem. Ich denke die Kinder haben auf dieser Freizeit viel gewonnen, sowohl sozial als auch in ihrer Selbstständigkeit. Schön war es auch das es Klassenübergreifend war.Wir fänden es Super wenn dies im nächsten Jahr wieder angeboten wird.“

„Hallo Herr Dumont,

unsere Tochter war im Februar an der Skifreizeit der IGS beteiligt und strahlt noch immer, wenn das Gespräch darauf kommt. Diese Woche war ein ganz tolle Erfahrung für die Jugendlichen, sie sind glücklich und ausgepowert zurückgekommen. Als blutige Anfängerin hat sie tolle Fortschritte gemacht und wurde angemessen herausgefordert.

Die Teilnehmer machen kräftig Werbung bei den Klassenkameraden und hoffen, dass diese Aktion fortgeführt werden kann. Dadurch dass die Gruppe altersgemischt war, konnten Kontakte zu Mitschülern aus anderen Klassenstufen geknüpft werden. Im Hinblick auf den klassenübergreifenden Zusammenhalt der Schüler ist das sicher eine ganz tolle Sache. Alles in Allem eine gelungene Veranstaltung.“

„Hallo, Herr Dumont,

Ich bedanke mich ganz herzlich dafür, dass dieser Event an der IGS DeiWa möglich wurde und schon im ersten Anlauf richtig gut gelungen ist. Das war super organisiert und umgesetzt und die ersten Bilder sind auch schon auf der homepage…. . Es ist sicher nicht ganz selbstverständlich auf ein  solches Engagement seitens einer  Schule und ihren Lehrern  zu treffen.“  

„Lieber Herr Dumont,

als mein Sohn von der Skifahrt nach Hause kam strahlte er über das ganze Gesicht. Er war schlichtweg begeistert. Nicht einmal das etwas widrige Wetter hatte seine Stimmung getrübt. Die gemeinschaftliche Veranstaltung mit teilweise älteren Mitschülern, die etwas andere Sicht auf die Lehrer sind Erfahrungen von denen die Kinder sicher auch für den normalen Schulalltag profitieren. Man hat neue Bekanntschaften geschlossen, man kennt auf dem Schulhof plötzlich andere Kinder und man hat darüber hinaus gelernt, dass solche Ereignisse verdient werden müssen.Für mich ist dies ein tolles Beispiel für den Zusammenhang  von Motivation und Erfolg.“ 

Gelesen und verstanden: Wir hatten bereits am Montag im Schulleitungsteam einen weiteren Termin gesucht. Die Frage bleibt derweil: Wann ist die Hütte noch zu bekommen.

 

Donnerstag, 20. Februar 2014:

Der neue Stundenplan erfreut „die Wachenheimer“, denn ich bin an drei Tagen mit Musik und Assembly dort. Da die Musikstunden in beiden Klassen in den ersten beiden Stunden liegen, muss die Mensa für die Deidesheimer Schüler/-innen an zwei Tagen geschlossen bleiben. Das wird sie treffen und auch mir tut es leid, hat sich diese Regelung doch wunderbar bewährt. Heute hatte ich ein ganz starkes „Anfangsgefühl“: Als erster im Wachenheimer Büro zu beginnen, dort, wo ich Jahre saß und jeden Tag genau so begonnen habe. Das klingt schon fast nach „historischen Zeiten“, dabei sind es nicht einmal volle sechs Jahre. Aber genau so habe ich es heute Morgen empfunden. Was ist seit diesem Anfang an beiden Standorten nicht alles geschehen und gewachsen…Dazu passt auch endlich die Erwähnung der Baustelle in Wachenheim. Lange gab es immer wieder Initiativen von Schüler-, Eltern- und Schulseite wegen der über vierzig Jahre alten Toilettenanlage. Seit den Weihnachtsferien wird darin gearbeitet. Die alten Anlagen sind schon draußen, drinnen wird heftig gewerkelt, die neuen Fliesen sind schon ausgewählt und seit letzter Woche ähnelt die Jungenabteilung einem „Freiluft-Örtchen“. Die alten Fenster zwischen Mauerwerk und Decke sind entfernt, die neuen natürlich noch nicht eingebaut. Wenn alles gut läuft, soll nach den Osterferien ein völlig neues Bedürfnis-Gefühl in neuen Toiletten möglich sein. So ganz traue ich angesichts meiner bisherigen Bau-Erfahrungen dem Terminplan noch nicht. Gerne lasse ich mich aber überraschen.

Willst du erleben, was „das Leben“ an modischen Trends und Entwicklungen aktuell auf die Beine stellt erleben, dann geh in die Schule. Dies macht für mich immer noch einen wesentlichen Teil der „Faszination Schule“ aus. Heute erlebte ich das wieder in Musik in einer sechsten Klasse. Derzeitiger Renner bei einigen ist das Lied „When I’m gone“, besser: Die Vortragsweise, bei der in einem bestimmten Rhythmus mit Händeklatschen ein Plastikbecher weitergegeben wird. Daher ist das Lied auch als Cup-Song bekannt. Nur kurz nachgefragt, meldete sich gleich eine ganze Reihe von Schülerinnen, die nicht nur den Text singen konnten, sondern faszinierend fit den Rhythmus an einem flugs besetzten Tisch vorführen konnten. Woher sie die Becher so schnell nahmen, habe ich dabei gar nicht mitbekommen. Einfach klasse! Ich hatte die Idee, diesen Song so vorzubereiten, dass wir ihn in die Eröffnungsfeier der neuen Fünfer im August in das Programm aufnehmen können. Schauen wir mal!

 

Dienstag, 18. Februar 2013:

Es heißt eigentlich „Vierteljahresgespräch“, aber mit dem Personalrat fand sich partout kein früherer Termin, so dass es seit dem letzten dann eher als ein „Halbjahresgespräch“ bezeichnet werden kann. Wir haben hauptsächlich organisatorische Regelungen in vertrauensvoller Atmosphäre besprochen. Rückgeschlossen auf die Situation der Schule insgesamt, kann dies ja nur heißen: Es sind keine „größeren Anliegen oder Probleme“ benannt worden. Als Schulleiter geht davon eine gewisse Beruhigung aus, denn „die Schule“ scheint „zu laufen“.

Anders dagegen am Nachmittag im Gesamtteam. Nach mehreren Klagen über erhebliche Belastungen auch wegen des pädagogischen Konzeptes der Schule, versprach im Dezember bereits, ohne Tabus dieses zu überprüfen. Dies sollte nicht im Plenum geschehen, sondern in Kleingruppen. Es ist beim Gesamtteam nicht anders als im Unterricht: Die Redeanteile einzelner sind bei Gruppenarbeit um ein Vielfaches höher und der Austausch ein gewichtigerer. Gruppen tagten zu Themen wie Ganztagesbetrieb, Differenzierungskonzept, Assembly, Methodentage, Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche und offene Unterrichtsformen. Die Ergebnisse zeigten, dass wir an einigen Themen arbeiten sollten. Der Zeitpunkt ist ebenfalls der richtige: Mit der zehnten Klasse haben wir einen kompletten Durchgang geschafft. Da ist eine Revision sinnvoll.

Die ersten Fotos erreichten uns „von der Piste“, mit dem Smartphone versandt. Moderne Zeiten!  

 

Montag, 17. Februar 2013:

Gerne hätte ich am Bus die erste Truppe der IGS zur Skifahrt verabschiedet. Das ist, dank eifriger Sportlehrer, ein völlig neues, zusätzliches Angebot der Schule, das zahlreich angenommen wurde. Während meiner eigenen, etwas untypisch verlaufenen Schulbildung hatte ich drei mal zwei Wochen Skifahrten mitmachen können und weiß, wie beeindruckend dies sein kann. Meine damalige Schule hatte immer die „Plose-Hütte“, 2400 Meter über  Brixen gelegen, gebucht. Der letzte Lift fuhr um 17.30 hoch, dann war Einsamkeit hoch oben geboten. An einem der notwendigen Apres-Ski-Abende auf der Hütte fiel der Satz meines damaligen Deutschlehrers: „Die Gitarre hat Sie aus der Anonymität der Gruppe geholt!“ Was haben wir da nicht alles gespielt, gesungen, aber auch gelesen. Diese insgesamt sechs Wochen Skifahrt konnten aber nicht bewirken, dass diese Sportart mein Leben bereicherte. Als ich dann später immer wieder „abgefahrene“, „verödete“ und abgeholzte Skipisten im Sommer sah, reifte der Entschluss, das Skifahren „abzuhaken“. Trotzdem wünsche ich euch allen: „Ski Heil!“ Bei den aktuellen und prominenten Ski-Unfällen kann mein Wunsch weiter nur lauten: „Passt auf euch, eure Knochen und Gehirne auf! Kommt gesund zurück!“

Die Anmeldung zur Oberstufe ist abgeschlossen. Eine nicht geglaubte Zahl von Anmeldungen liegt vor. Ich habe heute die Anmeldezahl an die Schulaufsicht geschickt, die entsprechenden Protokolle und Unterlagen dazu gelegt und die Errichtungsverfügung beantragt! Wenn diese dann erfolgt ist, kann es konkret losgehen: Ausschreibung für den Anbau, Planungen mit dem dann gefundenen und ausgewählten Architekten und Konkretisierung der dann räumlich auszubauenden Schule. Eine gewisse freudige Anspannung kann ich nicht verleugnen. Da kommt nochmal einiges auf uns zu!  

  

Donnerstag, 13. Februar:

Noch läuft die Anmeldung zur Oberstufe, die notwendige Zahl ist bereits deutlich überschritten, gleichzeitig trifft sich die Konzeptgruppe, um die Integrationsphase nach dem Start in Klasse 11 vorzubereiten. Durch unsere Profiloberstufe bilden wir zwar keine Klassen sondern so genannte Stammkurse. Drei an der Zahl werden es sein, die in einer Reihe von Stunden gemeinsam lernen werden. Sie werden aus Schüler/-innen „aus dem Haus“ und externen gebildet. Da gilt es erstmal Teambildung zu schaffen, eine Integrationsfahrt nach Heidelberg ist bereits gebucht. Noch offen allerdings ist das Programm: Was stärkt neue Gemeinschaften besser, ein Tag im Hochseilgarten oder eine Kanufahrt? Wie kann die Studien- und Berufsberatung aussehen? In welcher Klassenstufe ist sie besser angesiedelt? Fragen, die wir heute diskutierten, aber nicht entschieden haben.

 

Mittwoch, 12. Februar 2013:

Ich genieße es jedes Mal neu, wenn Schüler/-innen mit leibhaftigen Autoren zusammentreffen. Bücher erhalten dadurch ein ganz neues Gewicht, wenn sie von Menschen vorgelesen werden, die sie geschrieben haben. Trotz vollem Terminkalender gelang es mir, wenigstens kurz reinzuschnuppern. Wenn es sich dann noch, wie heute Morgen geschehen, einstellt, dass Autoren durch Offenheit, Geschick und Authentizität unmittelbaren Kontakt zu den Jugendlichen knüpfen können, dann ist es wieder einmal gelungen, Schule von einer sinnvollen anderen Seite mit (bleibenden?) Eindrücken zu bestücken. Mehr gezogen als gewollt, musste ich aber mein Büro ansteuern. Eine intensive Telefonzeit schloss sich an. Eltern von Kindern, die im Losverfahren kein Glück hatten, meldeten sich. Ich könnte die Worte der vergangenen Jahre hier wiederholen, denn die Enttäuschungen am anderen Ende der Leitung stellt sich im selben Maß ein, wie all die Jahre zuvor. Wieder hörte ich von schlimmen Schicksalen, die ich durch einen Schulplatz an der „Wunschschule“ nicht abmildern kann, spüre auch im Bauch ein Gefühl, das ich professionell übergehen muss, versuche immer wieder emphatisch zu beraten und meine dennoch erahnen zu können, was sich in den Kinderherzen abspielt. So war denn wieder die weite Spanne vorhanden: Glück bei der Autorenlesung und Gram nach den Telefonaten.

 

Montag, 10. Februar 2013:

Das eine Anmeldeverfahren für Jahrgang fünf ist abgeschlossen, das Protokoll noch nicht geschrieben, da beginnt für uns heuer schon das nächste: Erstmals nehmen wir Schüler/-innen in die Oberstufe auf. Ab heute können sich Schüler/-innen mit der durch das Halbjahreszeugnis erwarteten Empfehlung zum Besuch der Oberstufe bei uns anmelden. Heute Morgen um acht Uhr stand im Flur in Deidesheim eine Schlange von Anmeldewilligen. Bereits jetzt ist klar: Die Oberstufe wird kommen, die magische Zahl von 50 Anmeldungen, welcher die Errichtungsverfügung bedarf, ist bereits überschritten. Lange haben wir auf diese Feststellung hingearbeitet. Es wird im Aufbau der Schule der letzte Abschnitt sein. Dann geht’s es also endlich auch mit den weiteren Baumaßnahmen weiter, an deren Ende das Gebäude „aufgebaut“ sein wird. Die jetzigen Planungen und Vorhaben zeichnen bereits ab: Die Schule wird dann nicht mehr zu erkennen sein. Ab Sommer wird wieder ein Countdown starten, der bis zum ersten Abitur.  Ich bin mir aber ebenso sicher: langweilig wird es auch danach nicht werden…

 

Donnerstag, 06. Februar 2014:

Die Anmelderunde für den neuen Fünferjahrgang ist abgeschlossen. Im sechsten Jahr in Folge meldeten mehr Eltern ihre Kinder an, als wir Plätze haben. Die Anmeldezahl 2014 liegt wieder etwas höher als im letzten Jahr, dennoch ist der „Druck“ auf die Schule nicht mehr so hoch wie er schon war. Das ist eine sehr befriedigende und beruhigende Entwicklung, denn trotz der insgesamt gesunkenen Anmeldezahl (demografische Entwicklung der Schülerzahlen und nicht mehr mögliche Doppelanmeldungen) ist das Profil bei uns erfreulich. Wir haben auch im ersten Topf des Losverfahrens, dort wo die leistungsstarken Schüler/-innen versammelt sind, genügend Anmeldungen. Die „komplette“ Bandbreite von begabt bis beeinträchtigt können wir damit aufrecht erhalten, ohne die, so argumentierte ich immer wieder, eine Integrierte Gesamtschule nicht „funktionieren“ kann.

Am Nachmittag tagte auf Einladung des Kreises der Schulträgerausschuss zu Fragen, Hinweisen und Entwicklungen der Haushalte. Auch hier kann ich trotz Sparzwang und kommunalem Finanzausgleich auf eine ausgewogene Zukunft blicken: Wir können keine teuren Wolkenkuckucksheime bauen, aber Schule angemessen gestalten.

 

Dienstag, 04. Februar 2014:

Irgendwann letzten Herbst wurde ich angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Prüfungsvorsitzender die Abschlussprüfungen in der Ausbildung für die Lehrerlaubnis im Fach Darstellendes Spiel unterstützen zu können. Hmm, was qualifiziert mich denn dazu? Nun haben Prüfungsvorsitzende keine inhaltlichen Aufgaben. Sie stehen quasi übergeordnet darüber und schauen auf die formale Richtigkeit einer Prüfung, können aber im Fall der Uneinigkeit von Prüfer und Protokollant eine Note festsetzen. Bei den genannten Prüfungen geht es aber lediglich um „bestanden“. Daher sagte ich zu. Und prompt kam, früher als erwartet, die Einladung für heute. Fünf Prüfungen fanden „unter meinem Vorsitz“ statt, wiederum begleitet durch einen Schulaufsichtsbeamten. Alle Kandidat/-innen gingen mit einer Unterrichtserlaubnis, ich selbst bereichert aus den Prüfungen hervor, denn es waren im Grunde Lehrstunden für das Fach Darstellendes Spiel. Immer wieder betone ich bei Nachfragen, dass dieses Fach, aus dem englischsprachigen Raum kommend, wo es drama heißt, weit mehr ist als eine Theater-AG, dass es um Persönlichkeitsbildung geht, dass Schüler/-innen nicht mimisch-spielend begabt sein müssen, dass es nicht darum geht, in erster Linie ein Stück gekonnt aufzuführen. Die Grundlage steckt in dem Satz: Schüler/-innen sollen nicht kognitiv verstehen, wie es ist, auf einem Stuhl zu sitzen. Sie sollen es nachspürend und selbstkörperlich spielend, erfahren. Wie sitzt man im Wartezimmer beim Zahnarzt, wenn eine (schmerzhafte?) Behandlung bevorsteht? Wie sitzt man im Kino bei einem spannenden Film? Wie bei einer Komödie? Lässt sich das Sitzen am Bahnhof anders darstellen als das Sitzen in der Schule oder zu Hause auf dem Fernsehsessel? Dazu benötigt man Empathie und genaues Nachspüren im eigenen Körper. Hat man erst die einzelnen Elemente der An- und Entspannung, der einzelnen Körper- und Gesichtspartien gespürt, sind sie als Instrumente auch in andere Lebensbereiche zu übertragen. Dies könnte zum Beispiel Auswirkungen die Körpersprache und –haltung bei einem Bewerbungsgespräch haben. Also: genau spüren, exaktes Hinschauen und Spielen. Apropos: In den Prüfungen wurden auch verschiedene Theaterkonzepte thematisiert. Etwa das von Stanislawski, der eine Einheit von Rolle und Schauspieler fordert. Jedes dargestellte Gefühl muss der Schauspieler selbst empfinden und durchleben. Stanislawskis größte Kritik, so erfuhr ich, lautete daher: „Du hast es gespielt, aber ich glaube es dir das nicht!“ Genau entgegengesetzt will Brecht die strikte Trennung. Er baute schon in die Stücke selbst Verfremdungseffekte ein, um ja keine Identität zwischen Rolle und Schauspieler aufkommen zu lassen.

Die Prüflinge, die alle das Stück von Urs Widmers „Top Dogs“ auf DVD gesehen hatten, sollten sich zu den theaterästhetischen Umsetzungen äußern. Alle wurden auch mit einem Zitat von Heiner Müller konfrontiert: „Das Theater hat nur eine Chance, wenn es sich als Instrument der Verlangsamung gegen die allgemeine Beschleunigung des Lebens, der Information, der Wahrnehmung versteht. Theater ist Steinzeit, aber es kann sehen lehren.“ Wie würden Sie den Besuch des Theaterstückes mit Ihrer DS-Gruppe vorbereiten? Wie es nachbereiten? Wie passt das Zitat von Müller auf das Stück?

Eine weitere grundsätzliche Frage lautete: Wie kommt Bedeutung auf die Bühne? Durch Spieler, Requisiten, Ton, Licht und Kulisse – alles kann zum Bedeutungsträger werden. Ein auf der Bühne zufällig vergessener Stuhl kann ein Stück verändern. Nur schweigend in einem schwarz abgedunkelten Raum zu sitzen (Welches Sitzen?) kann eine Handlung sein und Bedeutung haben.     

Eine Antwort zum Theater habe ich mir noch notiert: „Gutes Theater hinterlässt mehr Fragen als es Antworten gibt.“ Ergänzend gehört wohl dazu: Aber die Auseinandersetzung der Fragenden mit dem Stück kann gemeinsam in der Haltung des Fragens eine Antwort konstruieren, nicht die Antwort in einem Stück ist das Ziel sondern die durch das Stück ausgelösten Fragen für sich selbst.

Alles in allem ein ungemein bereichernder Nachmittag durch quasi einen Nebenjob. Gerne bot ich an, auch zukünftig die Prüfungen zu begleiten. Und ich war beglückt, dass wir bisher in jedem Jahrgang ein Wahlpflichtfach Darstellendes Spiel einrichten konnten.

 

Montag, 03. Februar 2014:

Der erste Tag in diesem Jahr mit vier Standortwechseln. Ich begann, wie jeden Tag seit einiger Zeit, mit der Öffnung der Mensa in Deidesheim. Das hat sich gut eingespielt. Es herrscht eine morgendliche Ruhe, die man durchaus noch als „Phase des Wachwerdens“ betiteln könnte. Einige Schüler/-innen lesen sich nochmal etwas durch in Büchern oder Heften, andere unterhalten sich, wieder andere lesen sogar Bücher, seien sie in Deutsch als Lektüre aufgegeben oder seien es private Lektüren und: Ich lerne fast täglich etwas Neues. Vor einiger Zeit erfuhr ich beispielsweise, was eine „Bürette“ ist. Einige Zehntklässler/-innen suchen regelmäßig Kontakt zu mir, der Pionierjahrgang eben, dem natürlich auch ich durch das intensive erste Jahr besonders verbunden bin. Mir scheint, ich habe da bald eine Flasche Wein gewonnen, denn mit einem Hausmeister habe ich eine Wette laufen, dass diese Möglichkeit des „Aufwärmens in der kalten Jahreszeit“ mit einer tip-top verlassenen Mensa endet. Der Beweis ist, so glaube ich, nach mehreren Wochen erbracht.

Viel Zeit blieb mir nicht für Büroarbeit, denn um 8.30 Uhr besuchte eine Ethikgruppe aus Jahrgang 6 die Moschee in Bad Dürkheim. Nach allem, was ich in letzter Zeit über den Islam gelesen habe, war dies die Möglichkeit, Teile des Gelesenen auch selbst zu erfahren. Ich habe mich als Schulleiter quasi selbst eingeladen…Es waren herrliche eineinhalb Stunden. Zunächst wurden wir im Aufenthaltsraum mit Tee und Sesamgebäck ganz herzlich begrüßt. Erste Fragen zu Gebetszeiten und Riten wurden bereits dort gestellt und als Antworten auf das mitgebrachte Arbeitsblatt eingetragen. Nach einem kurzen Einblick in den Raum der Koranschule stiegen wir das Treppenhaus hoch, wo sich wegen des alten „Weinstraßenhauses“ der eigentliche Gebetsraum befindet. Dem Erstaunen der Lerngruppe darüber, dass alle die Schuhe ausziehen mussten, folgte der Blick in den „Waschraum“, in welchem die ritualisierte Waschung stattfindet: Hände bis zu den Ellenbogen, Ohren, Nacken und Füße werden mit Wasser gesäubert, um rein den Gebetsraum zu betreten. In katholischen Kirchen ist ein Rest einer solchen ritualisierten Reinigung erhalten: Mit Betreten der Kirche bekreuzigen sich die Besucher mit Weihwasser. Auch dies ist eigentlich kein „Händewaschen“ sondern eine ritualisierte Reinigung. Zunächst ging es im Gebetsraum darum, den Raum in uns aufzunehmen: Teppich, Kanzel, erhöhter Platz für den Muezzin und den Imam, am Rande hingen überall die Gebetsschnüre mit den Perlen. Beeindruckend war das Singen des Imam, der für uns das Morgengebet betete – der gesamte Orient tauchte während der Minuten mit der völlig fremden Sprache und der eigenwilligen Melodik in mir auf. Beeindruckt saßen oder knieten wir „gen Mekka“ auf dem reichlich strukturierten Teppichboden, der für jeden Betenden weniger als einen Quadratmeter vorsieht. Als Geschenk für die Schule erhielt ich einen in Leder gebundenen Koran. Herrlich! Leider musste ich früher los, denn in Wachenheim warteten bereits die anmeldewilligen Eltern für die neuen fünften Klassen.

Auch hier wieder die zeitliche Begrenzung: Ich hatte mich mit der Förderkonferenz verabredet, um die Förderstunden in den neuen Stundenplan einzuarbeiten. Das ist immer eine knifflige Arbeit, bis alles sitzt und auch das kann nur vorläufig sein. Ausdehnen konnte ich das auch nicht, denn in Wachenheim ging ja die Anmeldung weiter. Puh!

Einer Mail an mich hing ein schönes Postskriptum bei, das mich so freute, dass ich es hier dokumentieren will, weil es mich so erfreut hat: „Ist schön zu sehen, wie die Kids dich umarmen und du so nah für sie bist“. Ja, ich genieße die Unmittelbarkeit, mit der Schüler/-innen mir begegnen und ich ihnen wiederum begegnen kann. Da hat sich etwas aus meiner alten Tutorenzeit erhalten. Ein herrlicher Beruf!