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Feb 2017

 

Freitag, 24. Februar 2017:

Die Mottowoche der Dreizehner geht zu Ende. Heute kam eine Reihe von Schüler/-innen geschminkt und närrisch gekleidet zur Schule. Thema war am Mittwoch: „Rentner“. Auf alt geschminkte, mit Kissen als Bäuche hervorgezauberte ältere Menschen mit ergrauten Haaren schleppten sich, sichtlich angestrengt, hinkend oder mit gekrümmten Beinen durchs Haus, sogar einen Rollator habe ich entdeckt. Eine selbsternannte Abordnung erschien bei mir und fragte wegen eines Bingo-Spiels für alle Jahrgänge mittels Durchsage durch die Sprechanlage nach. Mir erschien das recht witzig zu sein und gab meinen Segen dazu. Zu Beginn der fünften Stunde sollten die zuvor verteilten Spielscheine ausgefüllt werden. Dass ich dabei eine „letzte Stunde der Übung vor einer Klassenarbeit“, das Projekt „Gewaltprävention“ der Neuntklässler mit der Polizei und andere Inhalte durchkreuzte, war mir zum einen nicht klar, empfand ich aber zum anderen als nicht als gravierend, wenn auch die zehn genehmigten Minuten sich schliießlich zu zwanzig (oder mehr?) addierten, bis ein Gewinner feststand.

Die Arbeit am Lernzirkel zum Sprachwandel musste ich heute unterbrechen, da wir  auch auf eine Klassenarbeit zugehen, die vorbereitet werden will. Es freute mich, dass ich Bedauern hervorrief. Insgesamt bin ich erfüllt davon, wie die Klasse selbstständig an den Stationen arbeitet. Die, die immer mitarbeiten, sind eh „voll bei der Sache“, aber diese Art des Arbeitens spricht aktuell auch diejenigen an, die sich sonst eher bedeckt halten. Da wird in den verschieden alten DUDEN hin- und hergeblättert, da werden Rätsel zur Jugendsprache gelöst, da werden Texte untersucht, dialektale Lehnwörter aus dem Französischen besprochen…und, fast nebenbei, eine ganze Menge über die lebendige Veränderung von Sprache gelernt. Faszinierend!

Eine Formulierung noch aus der Zeitschrift „Gemeinsam lernen“. Ein Text befasst sich mit den Erfahrungen einer Anglistikstudentin, die ein Semester in England verbrachte. Ihr Artikel „Herausforderung Umdenken“ (ebd.S.26–30) orientiert sich hauptsächlich daran, wie die inkulsive Schule umgesetzt ist. Darin formuliert sie ein herrliches „Motto“, das Inklusion sehr schön und prägnant ausdrückt: „Keiner ist anders, niemand ist gleich, alles ganz normal“.   

Im Raum der Schulbuchausleihe stapelten sich immer noch die grauen Plastikkisten, in denen die Wörterbücher und Atlanten speziell zum Abitur angeliefert wurden. Ich hatte zugesagt, sie in die Bad Dürkheimer Filiale der liefernden Buchhandlung zu bringen. Heute sollte es geschehen, nachdem ich auf der Bank in Wachenheim verschiedene Überweisungen in Auftrag gab und mit der Sekratärin die finanziellen Dinge auf den aktuellsten Stand gebracht hatte. Zwei Sechserklassen feierten heute verkleidet Fasching. Verschiedene Schüler/-innen aus meinen ehemaligen „Musikklassen“ stürmten auf dem Hof auf mich zu, ließen mich ihr Kostüm erraten und freuten sich, dass Schule heute etwas „verrückt daherkommen konnte“. In der Buchhandlung entdeckte ich noch ein kleines Bändchen „Mit Feuereifer und Herzenslust – Wie Martin Luther die deutsche Sprache prägte“. Wen wird es wundern, dass es beim Verlassen der Ladenräume in meiner Jackentasche hattte. Dabei arbeite ich mich gerade durch ein weiteres Buch durch: „Lerndialog statt Noten – Neue Formen der Leistungsbeurteilung“ von Felix Winter. Gleich im, ersten Kapitel stieß ich auf einen Zusammenhang, den ich in mich aufnehmen muss. Auch ich sprach immer wieder von „Leistungsmessung“. Dazu Winter:

„Den Ausdruck ‚Leistungsmessung‘ vermeide ich gänzlich, weil die Leistungen, die im Bereich der Schule erbracht werden, im eigentlichen Sinne des Begriffs nie gemessen, sondern immer eingeschätzt werden. Die Leistung eines Motors zum Beispiel kann man messen, nicht aber die Leistung, die ein Lernender erbringt, wenn er eine mathematische Aufgabe löst, einen Aufsatz schreibt, ein Lernplakat vorstellt oder ein Projekt entwickelt“ (ebd.S. 21).

Damit ist in meinen Augen ein Grundproblem im Schulalltag angesprochen. Noten werden durchaus so angewendet, als seien sie „gemessen“, als gäbe es ein dafür skaliertes und objektives Messgerät, wo doch jeder weiß, dass es auf das Fehler-Noten-Verhältnis ankommt, wofür es keine allgemeingültige Skala für Leistung gibt. Je nach Absprache in einer Fachkonferenz oder nach eigener Einschätzung gibt es für das eine Ergebnis mehr, für ein anderes weniger Punkte. Selbst bei der Korrektur der Abituraufgaben gab es Gespräche (bei einem war ich zugegen) über die Einschätzung von Bewertungen zwischen Erst- und Zweitkorrektor: Bei welcher Formulierung oder bei welchem Inhalt ist ein Punkt zu rechtfertigen und an welcher Stelle nicht mehr. Ist es nun vermessen oder ideologiebefrachtet, in dem Wort „Einschätzung“ das Verb „schätzen“ wiederzufinden? Jedenfalls suggeriert der Begriff „messen“ eine ganz andere Vorgehensweise. Wenn ich es richtig weiß, gibt es bei naturwissenschaftlichen Experimenten die Aufgabe, zunächst einmal ein eventuelles Versuchsergebnis zu schätzen, bevor es exakt gemessen und bestätigt wird.

Die anstehenden freien Faschingstage werden zu dieser und der weiteren Lektüre wieder einmal zu kurz sein, denn es steht auch als nächstes Thema im Deutschuntericht erneut der (Jugend-)Roman „Tschick“ auf dem Programm. Da mögen sich die Massen in den nächsten Tagen in Sälen und auf den Straßen mit „Alaaf“ und „Helau“ begeistern lassen, ich werde lesen.

 

Donnerstag, 23. Februar 2017:

Das heutige Datum wurde bereits vor Wochen vom Ministrium als der Nachschreibetermin für das schriftliche Abitur festgelegt. Das Procedere war das gleiche: Das Ministerium hatte eingereichte Arbeiten überprüft, dieses Mal kam die Auswahl per Fax (!) an die Schule und lagerte mit den Aufgaben im Tresor. Die Räume waren erneut gerichtet, Aufsichten eingeteilt – die ganze „Routine“ wie im Januar, heute allerdings lediglich für zwei Nachschreiber/-innen. Auch die Eröffnung wie gehabt. Durch einen Termin gleich um acht Uhr war ich aber nicht dabei, alles also wie gehabt, nur „eine Nummer kleiner“.

Angesagt hatte sich der aus unserem Wahlkreis in den Bundestag gewählte Politiker. Er hatte durch den Vorlesetag im Kindergarten Kontakt zu uns bekommen und wollte sich darüber informieren, wie sich die Arbeit mit den Kindern von Flüchtlingen vor Ort in der Praxis gestaltet. Als Vorbereitung hatte ein Kollege alles Material zusammengetragen, so dass daraus ein Konzept hervorlugte, das in der Praxis entstanden ist, „Learning by doing“. Zu dieser Zeit hatte meine Krawatte ihre Länge schon eingebüßt: Bereits vor acht Uhr griff die Sekretärin angesichts des „fetten Donnerstags“ zur Schere. Einige Minuen später entfuhr es einer Kollegin: „Was, schon ab? Mist! Wer war da schneller?“

Da konnte ich für den Nachmittag ohne „Krawattenängste“getrost nach Mainz fahren. Auf dem Weg zum Parkplatz sprach ich kurz den Vorarbeiter der Baufirma am Jugendtreff an. Die Außengestaltung nimmt langsam Formen an, eine s-förmige Abgrenzung wird die spätere Grünfläche von der asphaltierten Fläche trennen, eine erste Sitzbank ist bereits geliefert. Die Holzteile strahlen herrlich braun und sind noch nicht durch zwei Winter „ergraut“ wie die anderen Holzteile des allahopp!-Platzes. Ich erfuhr auch, dass der Betonklotz, der in der Ecke zum Parkplatz gegossen wurde und den ich als Fundament einer zusätzlichen Laterne vermutete, eine „E-Tankstelle“ zum Aufladen von E-Bikes tragen soll. „Der Aspahlat wird wohl Ende März geliefert!“. Parallel dazu sind die letzten Abdeckleisten an den Glasteilen des Aufbaus angebracht…Fortschritt hier also durch und durch, nur der Schulbau…

Im Ministerium hätte ich einen Tusch auf die Schulform IGS ausstoßen können. Das Treffen nannte sich „1. Besprechung des Redaktionsteams ‚Neue Lehrkräfte an IGS‘“. Als Vorbereitung dazu waren alle IGS-Schulleitungen in den regionalen Netzwerktreffen dazu aufgerufen worden, typische Merkmale für diese Schulform zu notieren und die dann an das Ministerium zu senden. Wer an der Formulierung und Erstellung der Broschüre mithelfen wollte, konnte heute nach Mainz kommen. Vertreter von fünfzehn (!) Leitungen von Gesamtschulen reisten an, das sind knapp ein Drittel aller existierenden IGSn – welch ein Zeichen, welch ein Engagement, welch ein Interesse! Wir fanden die von den regionalen Netzwerken eingereichten Themen und Stichworte bereits geclustert an Stellwänden vor. Im ersten Schritt sollte es darum gehen, sie mit einer Priorität zu versehen – Differenzierung in den einzelnen Ausprägungen, Heterogenität, Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche, verbale Beurteilungen, Feedbackkultur, Lernen im Projekt, fächerübergreifendes Lernen, Schwerpunktschule, Klassenrat u.a.m. fand sich da angepint. Über die Frage: „Was macht uns aus?“ sprudelten die Wortmeldungen nur so heraus, und schnell ging das Gespräch bis ins Mark der IGS. Beschränkung war also dringend gefordert, denn die Gesprächsbeiträge boten Stoff gut und gerne für ein mehrbändiges Werk. Der nächste Schritt – die eigentliche Textarbeit – soll jetzt in thematischen Arbeitsgruppen regional geleistet werden. Die Zeitvorgabe ist sehr eng begrenzt, denn die Broschüre soll bereits bis zur nächsten Einstellungsrunde im Sommer (nicht nur) für die neuen Lehrkräfte fertig sein!

Auf der Heimfahrt erreichte mich noch eine SMS, die Abitur-Nachprüfungen seien gut verlaufen. Ein Stau auf der Autobahn brachte die notwendige Zeit, diesen Tag mit (zu?) vielen Eindrücken „sacken“ zu lassen.  

 

Dienstag, 21. Februar 2013:

Heute erreichte mich die neue Ausgabe der Zeitschrift „Gemeinsam lernen, Zeitschrift für Schule, Pädagogik und Gesellschaft“ Nr.1/2017 – eine wahre Fundgrube. Als erstes fiel mir die Rezension eines Buches auf: „Lehrer fürs Leben“ nennt Wolfgang Geisler seinen Durchgang durch das Buch von Vincent Remy: „Un prof a changé ma vie“ (Ein Lehrer hat mein Leben verändert), das vermutlich nicht ins Deutsche übersetzt werden wird. Remy hat dafür prominente Franzosen zu deren Lehrkräften und den Einfluss auf ihr späteres Leben befragt (S.40-45). Er hat in dem Artikel herrliche Erfahrungen notiert, die einen Ausspruch von Henry Brooks-Adams konkret machen: „Ein Lehrer arbeitet für die Ewigkeit. Niemand kann sagen, wo sein Einfluss endet“. Eine Musikerin berichtet, dass sie von einer sympathischen Lehrerin Disziplin gelernt habe, die ihr beim Erlenen ihres Instrumentes später sehr geholfen habe; eine spätere Journalistin berichtet von einer eleganten Deutschlehrerin, deren Wahlspruch lautete: „Dichter findet man nicht in ihren Gräbern, sondern in ihren Büchern.“ (ebd.S.42), womit diese das lebhafte Interesse an Literatur und Sprache geweckt habe. Ja, ich erinnere mich an dieser Stelle erneut gerne an meinen Werklehrer in der Hauptschule, der mit seiner Anerkennung und seinem Lob für meine Holzwerkstücke den Wunsch, ein solcher Lehrer werden zu wollen, wie er einer war, in mich hineinpflanzte und der früh keimen sollte. Eine Jugendbuchautorin erinnert sich „…intensiv an die schöne Frau im Lederrock, die ‚viel geliebte Zauberin mit der verführerischen Stimme‘, die „…den unabweislichen Wunsch auslöste, ihr zu gefallen“ (ebd.S.43) – und auch damit kann ich aufwarten: Meine Englischlehrerin in der Berufsfachschule, jung und unkonventionell, mit bis in den Rücken herunterwallenden Haaren, die uns „halbstarke Jungstiere“, die wir damals waren, mit ihrem Augenaufschlag zu bändigen verstand. Es mag durchaus ein Zusammenhang zwischen dieser faszinierend schönen Frau und meiner stets guten Englischnote konstruiert werden. Weiter kann dieser biografische Schnipsel als Beispiel dafür gelten, wie ungeahnt wirksam und erfolgreich sich eine gute Schüler-Lehrer-Beziehung auswirken kann – und das habe ich als Vertretungslehrer nicht nur in der Grundschule erlebt, diese Erfahrung erstreckt sich bis in meine Oberstufenkurse an meiner ehemaligen Schule. Geisler formuliert als Resumee, dass den „Lehrer fürs Leben“ eine Grundhaltung der Anerkennung von Individualität auszeichne und die  „Einzigartigkeit, die sich in der Fähigkeit zeige, die Sache um die es gehe, persönlich zu verkörpern“ und weiter „[auch] den Lernenden das Gefühl der eigenen Einzigartigkeit zu geben.“ (ebd.S. 42). So gesehen sollten wir Lehrkräfte nie unbedarft in den Unterricht gehen, nie in schlichter Haltung mit unseren Inhalten den uns anvertrauten Lernenden gegenüber treten, sondern uns stets bewusst sein, dass wir mitunter daran mitwirken, Lebensentscheidungen zu beeinflussen, Lebenswege anzubahnen, zu ebnen oder auch zu verbauen.

Ein weiterer Artikel spricht mich an: „Professionalisierung für den Umgang mit Vielfalt“ von Andreas Jantowski und Andrea Bethge (ebd. S.32-38), in welchem es zwar in erster Linie um Fortbildungsimpulse und Lehrerbildung geht. Die Autoren zitieren darin einen Artikel zur Lehrergesundheit von K.Scheuch:

„Aus dem einst klassischen Lehrerberuf hat sich ein Kultur-, Gesellschafts- und Sozialberuf mit bürokratischen Tätigkeiten entwickelt. Er ist durch soziale und interaktive Emotionsarbeit gekennzeichnet und geht zugleich mit hohen Anforderungen sowie Mehrfachbelastungen einher. Das idealisierte Leitbild von Lehrkräften ist mit unterschiedlichen Rollen als Erzieher, Partner, Berater, Vermittler, Sozialarbeiter, professioneller Manager und politischer Aufklärer assoziiert“ (zit.nach: ebd.S.33)

Diese Umschreibung ist sicherlich zutreffend und ich nehme durchaus solcherart gestaltete Verschiebungen und Veränderungen auch während meiner Lehrerzeit wahr. Ja, die Familien haben sich in einer ebenfalls sich wandelnden Gesellschaft verändert, deren Kinder kommen mit anderen Voraussetzungen in die Schule, wegen mir auch mit mehr Leerstellen, was Verhalten, Erziehung und Kompetenzen anbelangt. Ich bin auch der Meinung, dass veränderte Rahmenbedingungen (etwa die Senkung der Klassenmesszahl) unseren Auftrag erleichtern würden. Gleichzeitig denke ich aber darüber nach, weshalb ich mir persönlich schwertue, die Entwicklung in einen Kontext der Lehrergesundheit zu stellen. Auch nach mehr als 25 Jahren im Beruf übe ich ihn gerne aus, freue mich im Grunde täglich auf die Kinder, Jugendlichen und Kolleg/-innen, habe immer noch nicht umgesetzte Ideen im Köcher und verspüre ausreichend Energie, sie auszuprobieren. Übe ich die oben genannten Rollen nicht intensiv genug aus? Lasse ich gar welche weg? Oder habe ich gegebenenfalls dem „einst klassischen Lehrerberuf“ nie entsprochen, weil es mir von Anfang an mehr um Menschen als um Inhalte ging bzw. die Inhalte nur insofern als relevant angesehen habe, als sie für die Menschen eine Lebens-Hilfe darstellen (Immerhin studierte ich Theologie und Germanistik)? Oder sollte sich das frühe „Tummeln“ in der katholischen Jugend mit ihren immer schon heterogenen Zusammensetzungen so ausgewirkt haben, dass ich in die Vielfalt als Normalzustand hineinwuchs und die eher homogen gebildeten Gruppen des Schulsystems als „Abweichung“ empfunden habe? Die oben genannten Rollen dachte ich immer auch mit und sie sind daher für mich auch nicht hinzugekommen, sondern von Beginn hat wesentlicher Bestandteil meiner Motivation für diesen Beruf. Wie auch immer, ich empfinde bis heute die Vertretungszeit in einer katholischen Mädchen-Realschule als die langweiligste Erfahrung auf meinem Weg, weil mich die Arbeit dort mit leicht zu vermittelnden Inhalten allein nicht ausfüllte, während zwei Jahre als pädagoischer Mitarbeiter in einer Hauptschule im sozialen Brennpunkt mehrere Ebenen der Persönlichkeit hervorlockten und auch beanspruchten. So ausgestattet, begleitete ich auch mehrere Vertretungsverträge in Grundschulen in und um Trier, bis mich dann eine Planstelle an die IGS brachte, die Schulform, in der diese zusätzlich zu den Inhalten geforderten Ebenen durch einen gesellschaftlichen Anspruch und einen individuellen Zugang zu jedem Kind zum Konzept erhoben wurden. Der Weg und das Gesamtpaket füllen mich seither dort aus. Pathetischer ausgedrückt: Überall, wo ich eingesetzt war, spielte die eine Grundlage, der eigentliche Ausgangspunkt und die beglückende Begleitung die größte Rolle: die Liebe zum Kind oder, um den Umfang zu komplettieren: von der Grundschule bis in die Oberstufe steht die Beziehung zum zeitweilig anvertrauten Mitmenschen im Mittelpunkt. Oder kurz von Wolfgang Bergmann formuliert: Keine Bildung ohne Bindung (vgl. „Deshalb IGS“, S. 199-204). Meine „Berufung zum Lehrer“ ruht auf dieser Haltung und so konnten bei mir auch Veränderungen und weitere Entwicklungen die Freude am Beruf nicht trüben.

 

Freitag, 17. Februar 2017:

Mein erster Eindruck heute Morgen: Das Böll-Projekt um die Erzählung „Die schwarzen Schafe“ geht weiter. Auf der südlich gelegenen Weide hinter der Schule springen die im Winter geborenen Lämmer umher und freuen sich munter ihres Daseins. Zwei davon sind schwarz! In jeder Familie und Generation gibt es nach der Böll-Geschichte, schwarze Schafe.

Umtriebig geht es auch um den künftigen Jugendtreff zu. Da wird der Boden umgewälzt, abgegraben, neu aufgeschüttet und verdichtet, Kabel (für die Außenbeleuchtung?) und Kanäle gezogen. Der Februar kommt für die Eröffnung wohl nicht mehr in Frage, aber es geht sichtbar voran. Ganz anders gestaltet sich das Vorhaben der „Baustelle Schule“. Ein Anruf heute ergab Abstimmungs- und Verfahrensprobleme auf höherer Ebene: Inwieweit müssen oder können die neuen Vergaberichtlinien, die inzwischen (!) zu beachten sind, bei „unserer“ Baustelle greifen. Höhere Ebenen heißt konkret: Die Verzögerung hängt derzeit nicht beim Schulträger als Bauherr, sondern ein Landesministerium diskutiert mit der Schulaufsicht in Trier – keine schönen Aussichten…Vielleicht kommt ja doch eine Idee zum Tragen: ein weiterer Band „Schulleiters Tagebuch 5, 2017 bis ?“ mit dem Titel „Die Baustelle“.

Gestern Nachmittag traf sich das Netzwerk „Mitte“ auf der Ebene der MSS-Leitungen bei uns. Da entstehen schöne Kooperationen und Unterstützungen. Der Tagungsort „Deidesheim“ ist ebenfalls „groß“ geworden – immerhin hat er das erste schriftliche Abitur erlebt! Derzeit gehen die ersten Aufgabenpakete durch die Zweitkorrektoren ein. Wo verwahren? Nach Abschluss aller Prüfungen können die Abiturient/-innen Einsicht in ihre Arbeiten nehmen, die dann zehn Jahre aufgehoben werden müssen. Aber noch ist absolutes Stillschweigen über Ergebnisse zu wahren. Am kommenden Dienstag wird es dann die Zeugniskonferenz Jahrgang 13 geben und nach einer weiteren Spanne die Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Von diesen wiederum hängen ja die mündlichen Prüfungen ab. Daher darf aus Gründen der gleichen Bedingungen für alle und der für alle gleichen Vorbereitungszeit keine Aussage zu früh raus. Einen Tag vor der Zeit waren heute die Aufgabenstellungen für die beiden Nachprüfungen fertig. Sie gingen bereits zur Prüfung und Auswahl ans Ministerium.  

Im gestrigen Schulelternbeirat nahm das Thema „Differenzierung“ ebenfalls nach dem Bericht aus der Gesamtkonferenz einen breiten Raum ein. Geschildert wurden einmal mehr konkrete Beispiele und die Undurchsichtigkeit bzw. Vielfalt der derzeitigen Regelungen. Dabei wurde das Differenzierungsmodell der heterogenen Gruppen durchaus als Grund für die Anmeldung gerade an unsere Schule genannt, gleichzeitig wurde natürlich auch der Anspruch nach höherem Niveau für einen Übergang in die Oberstufe formuliert. Die gleiche Spanne an Auffassungen also bei den Elternvertretern, wie sie auf Seiten der Schülerschaft und auch vom Kollegium formuliert wurde. Welch ein Prozess steht da an! Ein kleines Puzzleteil dazu erlebte ich am Vormittag in einem Gespräch mit einer Kollegin. Sie hat, an einer anderen IGS arbeitend, aus privaten Gründen einen Versetzungsantrag zu uns gestellt. Wie selbstverständlich berichtete sie von einer Dreier(!)-Differenzierung ab Klasse 7 nach dem Modell der äußeren Fachleistungsdifferenzierung. Gleichzeitig aber auch von der Unzufriedenheit damit. Ich nannte diese „Überkreuzdiskussionen“ auch in der Gesamtkonferenz: Diejenigen IGSn mit äußerer Fachleistungsdifferenzierung diskutieren einen Wechsel zu heterogenen Lerngruppen, diejenigen mit innerer Differenzierung wollen zur äußeren wechseln. Wiederum eine andere IGS hat die Differenzierung in leistungshomogene Gruppen in den naturwissenschaftlichen Fächern, die wir (notgedrungen (?) aus fachlichen Gründen) beschlossen haben, gerade wieder aufgelöst. Nein, es gibt bei diesem Thema keine einfachen Antworten und daher kann die Antwort für mich nur im Ursprung liegen: Die IGS wollte eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem sein (vgl. dazu: „Deshalb IGS“, S. 16-25). Aber eben dieses gegliederte Bildungswesen spukt dauerhaft und zählebig in unseren Köpfen, als sei es gottgegeben, alternativlos oder zwingend aus der Evolution hervorgegangen. Ist es aber doch nicht! Wir müssen als IGS jenseits dieses Dogmas eine moderne Schule gestalten. Die Einführung einer wie auch immer organisierten Gliedrigkeit in die IGS hinein birgt nicht zu überwindende Probleme. Wir müssen alle, Gesellschaft, Politik, Bildung begreifen: Die Dreigliedrigkeit ist nie pädagogisch begründet worden, sie ist historisch entstanden, nach dem Zweiten Weltkrieg, gegen Bestrebungen für ein horizontales Schulsystem, durch die „schnelle“ Gründung der Bundesländer und deren Kulturhoheit restauriert worden und als solches ein singuläres Problem allein des deutschen Bildungssystems! Da müssen wir ran, dann lösen sich viele Fragen. 

 

Mittwoch, 15. Februar 2017:

Wenn eine Gesamtkonferenz am nächsten Tag noch in vieler Munde ist, war es eine bedeutsame. So gesehen, war es gestern eine solche. Zunächst dachte ich, der Beschluss, Spanisch als zweite Fremdsprache in der Oberstufe einzuführen, wäre der Meilenstein. Nach langjährigem Bohren auf verschiedenen Ebenen hat das Land nach ausgiebiger Anhörung der Verbände und Gewerkschaften vergangene Woche den Weg frei gemacht. Zunächst nur an einigen Schulen, denn drei Bedingungen müssen zum Start erfüllt sein: Es gibt keine zusätzlichen Stunden dafür, es müssen bereits mindestens zwei Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für Spanisch an der Schule sein und die Einführung muss mit der Schulaufsicht abgestimmt sein. Alle drei liegen bei uns vor und wir dürfen starten! Das ist für unsere Oberstufe zunächst einmal ein Alleinstellungsmerkmal und wird uns guttun. Wann und welche Schulen in nächster Zeit nachziehen, bleibt erst mal offen.

Aber der Spanischbeschluss spielte in den Rückmeldungen heute kaum eine Rolle. Es war vielmehr das Thema Fachleistungsdifferenzierung, das im Lauf des Tages immer wieder erwähnt wurde. Schon seit längerer Zeit tauchte dies immer wieder auf, wurde diskutiert, wurde unser Modell beklagt und kam in Fachkonferenzen vor. Meinen eigenen Standpunkt habe ich des Öfteren bereits ausführlich bekundet und er ist auch im Buch „Deshalb IGS“ (S.39 bis 62) nachzulesen. Daher will ihn hier nicht erneut niederschreiben. Jedenfalls kam das Schulleitungsteam zu der Auffassung, dass wir dieses Thema nicht länger unbearbeitet lassen können. Allerdings waren wir uns auch einig darüber, dass kein „Schnellschuss“ „aus der Hüfte“ eine tragfähige und von allen gelebte Lösung bringen wird. Als ersten Schritt wollten wir uns daher in Art eines „Hammelsprungs“ aufstellen anhand der Frage: Von welcher Auffassung aus starte ich in einen Diskussionsprozess? Zuvor hatte ich die derzeitige „Klein- und Großwetterlage“ skizziert. Von der Planungsgruppe aus über die ersten beiden Teams mit Hospitationen an anderen IGSn führte der Weg zum ersten Beschluss, den wir als 3-3-60 bezeichneten: Differenzierung auf zwei Niveaus bei denen aus zwei Klassen drei heterogene Lerngruppen gebildet und die von drei Lehrkräften unterrichtet werden (siehe Einträge vom 11. März und 6. Mai 2010). Der Beschluss, als Bezugsgröße die Klasse zu definieren erfolgte im Jahr 2012 mit der Maßgabe, die Hälfte der Stunden in halben Klassen zu organisieren. Verschiedene spätere Beschlüsse führten nun zu einer Situation, dass das ursprüngliche Vorhaben hier verändert wurde, da aufgelöst ist und dort nicht mehr greift. Eingebettet ist diese schulische Diskussion in eine landesweit stattfindende Debatte auf der Ebene der Direktoren, ebenfalls in den Netzwerken auf verschiedenen Ebenen und schließlich wird derzeit an einer Veränderung der Übergreifenden Schulordnung gearbeitet, in welcher das Thema Differenzierung und Abschlüsse ebenfalls eine Neuregelung erfahren soll. Die Aufstellung des Kollegiums gestern nun ergab eine durchaus größere Gruppe bei der äußeren Fachleistungsdifferenzierung, bei der inneren Differenzierung in heterogenen Lerngruppen fand sich die kleinere Gruppe. Diese Spanne müssen wir nun in einem Prozess zusammen führen zu einem von allen getragenen Modell. Zwei Äußerungen von heute spiegeln diese Reichweite, von Spaltung will ich nach wie vor nicht reden: „Gut, dass wir das endlich mit allen diskutieren!“ bis: „Hoffentlich bleibt es am Ende ‚unsere‘ Schule“. Das werden nochmal hochinteressante Debatten und ein spannender Prozess werden. Wie sagte ein Referent in einem Vortrag auf dem Gesamtschultag in Sprendlingen 2012: „Die Differenzierung ist der Lackmustest der IGS.“ (siehe Eintrag vom 27. März 2012). Wohlan denn!   


Dienstag, 14. Februar 2017:

Die Phase mit den derzeitigen Aufgaben kenne ich zur Genüge: Zeit der Widersprüche, Nachfragen, Telefonate mit den Eltern, deren Kinder im Losverfahren kein Glück hatten. Allein den Unterschied dieser Formulierung mit den immer wieder, fast vorwurfsvoll verwendeten Worten: „Sie haben mein Kind nicht genommen!“ oder noch krasser: „Sie haben mein Kind ja abgelehnt!“, ist mir bei jeder Nachfrage wichtig, denn wir lehnen kein Kind ab! Es ist eine Notwendigkeit der auf vier Klassen festgelegten Verteilung ohne Aussagekraft über das jeweilige Kind!  Auch die Juristin der Schulaufsicht habe ich vorab schon mal kontaktiert. Fehler durch einen Pädagogen im juristischen Verfahren will ich, wenn es irgendwie möglich ist, vermeiden. Sprich: Keine Tage, die man sich wünscht!

Da wirkt pädagogisches Tun wunderbar ausgleichend: Durch eine Werbe-E-Mail eines Verlages wurde ich auf Materialien aufmerksam. Dabei wurde auch auf Martin Luthers Bibelübersetzung und sein Beitrag zur deutschen Sprache hingewiesen. Nach kurzer Recherche erstellte ich gleich eine weitere Station, die inzwischen 27. für den derzeit erfolgreich „laufenden“ Lernzirkel in Jahrgang 9. Zunächst geht es darum, dass die Schüler/-innen Wortneuschöpfungen Luthers aus zwei Nomen erläutern sollen, etwa: „Lückenbüßer“, „Lästermaul“, „Gewissensbisse“. Daneben waren noch heute gängige Redewendungen notiert, die ich nie und nimmer Martin Luther zugeordnet hätte:

    • auf Herz und Nieren prüfen (Psalm 7,10)
    • die Hände in Unschuld waschen (Psalm 26,6)
    • auf keinen grünen Zweig kommen (Hiob 15,32)
    • ein Wolf im Schafspelz sein (Matthäus 7,15)
    • wie Schuppen von den Augen fallen (Apostelgeschichte 9,18)
    • etwas hüten wie seinen Augapfel (Psalm 17,8)
    • mit seinen Pfunden wuchern (Lukas 19,11)

 

Herzstück der Station ist aber ein Textausschnitt aus dem Sendbrief über das Übersetzen von Texten. Zunächst gilt es, Luthers Prinzip darzustellen, denn darin steckt „Sprachwandel pur“. Anschließend soll die Grenze dieser Art der Übersetzung gefunden und formuliert werden, denn auch „dem Volk aufs Maul zu schauen“ birgt die Gefahr von Missverständnissen, Undeutlichkeiten und Fehlformulierungen. Er soll im Original auch hier einen Eindruck vermitteln:

[…] man mus nicht die buchstaben inn der lateinischen sprachen fragen / wie man sol Deutsch reden / wie diese esel thun / sondern / man mus die mutter jhm hause / die kinder auff der gassen / den gemeinen man auff dem marckt fragen / vnd denselbigen auff des maul sehen / wie sie reden / vnd darnach dolmetzschen / so verstehen sie es den / vnd mercken / das man deutsch mit jn redet […] Als wenn Christus spricht / Ex abundantia cordis os loquitur. Wenn ich den Eseln sol folgen / die werden mir die buchstaben furlegen / vund also dolmetzschen / Auß dem vberflus des hertzen redet der mund, Sage mir/ Ist das deutsch geredt? Welcher deutscher verstehet solchs? Was ist vberflus des hertzen für ein ding? Das kann kein deutscher sagen / […] sondern also redet  / die mutter ym haus vund der gemeine man / Wes das hertz vol ist / gehet der mund vber / daz heist gut deutsch geredt […]Aus: Martin Luther, Ein Sendbrief vom Dolmetschen. http://www.zeno.org/Literatur/M/Luther,+Martin/Traktate

Selbstredend fügte ich auch einen Cartoon ein. Er zeigt eine Szene in einem Baumarkt. Ein offensichtlicher Heimwerker sagt vor einem Plakat zum Lutherjahr am Regal mit Akkuschraubern zum Anschlag der 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche: „Heute hätte er sicher gespaxt, nicht gehämmert!“ Bin gespannt, wer diese Station wählt und wie sie bearbeitet wird. Aber selbst wenn niemand sich „darüber hermacht“, der Spaß, den ich beim und mit dem Erstellen empfand, bleibt mir unabhängig davon erhalten.

Außerdem war heute so etwas wie der „erste Frühlingstag“: die Sonne schien vom blauen Himmel und das Thermometer stieg auf gefühlte 18 Grad. Zum ersten Mal und wie auf Kommando füllte sich der allahopp!-Platz mit Dutzenden Familien. Da wurden bereits Decken ausgebreitet, überall auf den Bänken standen die modernen Trinkflaschen für Kleinkinder, Mütter saßen daneben, plauderten, ihre Kinder an der Felswand oder bei den Geräten beobachtend und auch in mir machte sich Freude breit angesichts dieses friedlichen Bildes – typisches allahopp!-Wetter eben, das ich allerdings nicht lange genießen konnte. Wir hatten zur Gesamtkonferenz mit wichtigen Inhalten geladen.

 

 Freitag, 10. Februar 2017:

Bereits bei meinem ersten Inkognito-Besuch der Schule im Jahr 2007, als zur Werbung für die neue Schule ein Tag der offenen Tür für die IGS durchgeführt wurde, von mir als Bewerber auf die Schulleiterstelle noch niemand wusste, dachte ich: Da müssen aber erst mal neue Möbel her! Für einen Jahrgang in Wachenheim konnte ich das im zweiten Jahr umsetzen, das beantragte Geld für den zweiten Jahrgang musste dann später in die digitale Vernetzung der beiden Standorte investiert werden. Nur ein Drängen des Stufenleiters und der Abschluss des Haushaltsjahres 2016 brachten dieses Vorhaben wieder aufs Tapet. Und heute war es soweit: die noch flugs vor Weihnachten bestellten Möbel für vier Klassen wurden heute geliefert. Die Ansage lautete: „Im Laufe des Vormittags“. Seit gestern wusste ich, dass eine andere Schule im Landkreis 25 unserer dann ausrangierten Tische geordert hatte. Diese werden um 8 Uhr von einem LKW abgeholt. Aha! Schnell organisierten wir Ausweichräume und erstellten einen Plan, welche Klasse wann und wohin soll, damit die besten der alten Tische bereits ausgeräumt werden konnten, der Unterricht aber planmäßig weiterlaufen konnte. Ein Strich durch die gesamte Planung machte aber die Lieferung der neuen Möbel: Um halb acht standen sie im LKW bereits auf dem Schulgelände. Da half erneut nur Improvisation! Zwei Hausmeister kümmerten sich Schüler/-innen um die alten Tische, Ketten von Schüler/-innen trugen ihre alten Möbel auf den Hof, während die Lieferfirma die neuen, nach Klassenfarben sortierten Möbel ins Schulhaus verbrachte. Da ich in Deidesheim selbst Unterricht zu halten hatte, den ich nicht vertreten lassen wollte (nach wie vor hoher Krankheitsstand!), bekam ich von all dem nichts mit. Nur per Mobiltelefon erhielt ich päckchenweise die Informationen. Dann aber, um halb zehn („Was so schnell?“) die Nachricht: „Alles perfekt! Wir sind fertig!“

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, die Neuerwerbungen persönlich in Augenschein zu nehmen. Ich dachte, ich sähe noch den großen Berg an ausrangierten Tischen und Stühlen, doch nach bereits zwei abgelieferten LKW-Ladungen auf dem Wertstoffhof, konnte ich nur noch die dritte mit den restlichen Stühlen und Lehrerpulten in Augenschein nehmen, die aber auch schon fast aufgeladen waren. Dann der Blick in die Klassenräume…wunderbar! Wie diese neuen Möbel den Gesamteindruck sofort und nachhaltig verändern, natürlich bedingt durch die in den einzelnen Klassenfarben ausgeführten Gestelle…und überhaupt, die Einzeltische geben insgesamt mehr Raum frei. Da kann ich nur hoffen, dass sie auch verstärkt zu Gruppenarbeit genutzt werden…Im Sekretariat unterschrieb ich noch die Auszahlungsanweisungen für verschiedene Rechnungen, denn die Sekretärin, derzeit ja eh nur eine Vertretung, hatte die Arbeit bereits mit dem Wochenende getauscht.

 

Donnerstag, 09. Februar 2017:

Na, da kündigt sich ein weiterer Höhepunkt im Schuljahr an; oder: Was eine Ausschreibung alles bewirken kann. Im Dezember erreichte mich eine E-Mail der Popakademie Mannheim, in welcher zur Bewerbung für das seit 2005 laufende Projekt „Pop macht Schule“ geworben wird. Darin hieß es unter anderem:

„Wir möchten Sie einladen, bei der 12. Runde „Pop macht Schule“ mitzuwirken.

Gesucht werden Klassen aus der Metropolregion Rhein-Neckar, die sich im Februar-März 2017 für jeweils einen Tag coachen lassen wollen. Dazu gehören Instrumentalunterricht für Anfänger, Bandcoaching für existierende Schulbands, Gesang sowie gemeinsames Texten in Zusammenarbeit mit Dozenten und Studierenden der Popakademie. In jeder Schule werden die Ergebnisse bei einem kleinen Konzert am Ende des Schultages präsentiert.“

Nun hat die „Pop-Akademie“ einen guten Klang in meinen Ohren, da wir seit über zwei Jahren kooperieren und die drei Bandklassen nur gemeinsam stemmen konnten. Zusätzlich erhielt ein Absolvent derselben seit Schuljahresbeginn einen regulären Vertretungsvertrag und unterstützt damit den Musikunterricht. Die erwähnte E-Mail leitete ich an die Fachschaft Musik weiter, verfolgte aber nicht deren Fortgang, bis sie sich schließlich in meinem Alltag unter der Ablage: „Nicht mehr als präsent“ einsortierte. Heute nun kam eine Musikkollegin auf mich zu. Sie hatte sich mit unserer Schule mit Hinweis auf die Bandklassen und die Schulband beworben und…eine Zusage erhalten. Auf der Liste der acht teilnehmenden Schulen des Projektes in 2017 steht also die IGS Deidesheim/Wachenheim. Ich bin begeistert! Weiter las ich über die Ziele und Absichten: 

„Schon frühzeitig sollen die Sinne der teilnehmenden Schüler/-innen für den kreativen Umgang mit Popularmusik geschärft werden, denn: Gemeinsames Musizieren fördert die Kreativität und das eigene ästhetische Urteilsvermögen sowie Geduld, Kompromissfähigkeit und Zuverlässigkeit. […] In jeder Schule werden die Ergebnisse bei einem kleinen Konzert und Ende Mai beim großen Abschlusskonzert in der Alten Feuerwache in Mannheim präsentiert.“

Das klingt richtig gut – jetzt geht es ans Organisieren. Natürlich benötigt dieses Projekt ausreichend Räume…man könnte die Klassen im Wachenheimer Obergeschoss auf andere Räume verteilen…notfalls könnte eine Klasse für diesen Tag nach Deidesheim umziehen…das Konzert zum Abschluss könnte in der Gymnastikhalle stattfinden…usw. Ach Gott, der Termin passt mir gar nicht, weil ich ausgerechnet an diesem Tag zu einer Dienstbesprechung mit der Schulaufsicht muss…so was aber auch! Aber vielleicht schaffe ich es, wenigstens zum Abschluss zurück zu sein. Wäre schon bitter, wenn ich gar nichts mitbekäme…

 

Mittwoch, 08. Februar 2017:

Die „kleinen Bagger“, die auf engstem Raum eine 360-Grad-Wendung mit kleinem Wendekreis hinbekommen, sind da und bewegen die Erde um den Jugendtreff. Was sie da genau bewerkstelligen, erschließt sich mir noch nicht, denn Schotter- und Grundhügel werden, zumindest in meiner Wahrnehmung, hin- und hergefahren. Bleibt zu beobachten, was daraus entsteht.

Die Zeit der Widersprüche und Rückmeldungen bei nicht ausgelosten Kindern für Jahrgang fünf ist in vollem Gange. Oh, wie ich euch verstehen kann, aber ändern kann ich nichts. So bleiben mir nur Worte des Trostes. Inzwischen mache ich auch keine Hoffnungen mehr hinsichtlich eventuell zurückgegebener Plätze, denn im vergangenen Jahr war es nur ein einziger. So sammeln wir zunächst die schriftlich eingereichten Widersprüche und schauen peinlich darauf, dass formal alles seine Richtigkeit hat. Inzwischen habe ich auch zwei Meldungen per E-Mail erhalten. Das ist neu, dass mir Eltern direkt schreiben. Die Frist zum Einlegen eines Widerspruchs liegt bei vier Wochen. Das wird also noch eine Zeit dauern.

Der Krankenstand hat sich heute zumindest nicht erhöht, denn es sind keine „Neuerkrankungen“ eingegangen. Andere wurden allerdings auf die ganze Woche hin verlängert. Vielleicht haben wir den Höhepunkt überschritten. Ich würde es allen Beteiligten wünschen.

 

Montag, 06. Februar 2017:

Kalendarisch begann das zweite Halbjahr natürlich bereits letzten Mittwoch. Durch die beiden Methodentage und den dann folgenden Freitag haben wir beschlossen, dass der neue Stundenplan erst ab heute gilt. Das Besondere daran ist: Die vier neuen Container, die eigentlich bereits seit den Sommerferien benötigt und geplant waren, können nun benutzt werden und sind in den neuen Plan aufgenommen. Letzte Woche konnten die neuen Schließzylinder eingebaut werden, damit die Container genauso benutzt werden können, wie jedes Klassenzimmer auch. Heute kommen noch die „kreidelosen“ Whiteboards und letzte Leisten werden ausgetauscht und dann ist die Raumenge des ersten Halbjahres vorüber. Wie hieß es am Beginn der Sommerferien: „Das werden Sie doch sicher meistern!“ Logisch, was bleibt auch anderes übrig!

Den neuen Stundenplan konnten heute siebzehn Kolleg/-.innen gar nicht umsetzen, denn wir müssen dieser Tage einen sehr hohen Krankenstand meistern. Die Grippewelle hat die Schule erreicht. Nicht nur die siebzehn Lehrkräfte sind betroffen, heute Morgen waren auch über 50 (!) Krankmeldungen von Schüler/-innen auf dem Anrufbeantworter. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir in dieser Situation nicht alle Stunden sinnvoll vertreten können. Also fällt derzeit wahrnehmbar auch Unterricht aus.

Vor meinem Büro, „im Hinterhof“, tut sich seit heute wieder was: Erste Bauzäune haben ein Karree abgesteckt, erste Bauwerkzeuge sind dort schon gelagert, morgen kommen die kleinen Bagger und die beiden Bau-Container, denn es geht mit dem Jugendtreff weiter. Und bei unserer Baumaßnahme herrscht immer noch Stille, so, als sei ein Nachrichtenstopp verhängt. Ich gehe aber davon aus, dass ich einer der ersten bin, der eventuelle Neuigkeiten erfährt…  

 

Freitag, 03. Februar 2017:

Das Anmeldeverfahren für Klasse fünf ist abgeschlossen, ebenfalls das Losverfahren, das wir gestern durchführten. Bei beidem nutzten wir eine Excel-Tabelle, die der Organisationsleiter im Jahre 2009 erstellt hat und die wohl wegweisend war, denn immer noch macht sie das ganze Verfahren handhabbar. Mit ihr werden durch Formeln und Übertragungshinweise verschiedene Tabellen gebildet: natürlich die Daten der angemeldeten Kinder, davon leiten sich automatisch ab die Herkunft nach Orten (die ich für die Schulaufsicht und das Ministerium benötige), eine Tabelle mit den Zahlen der angemeldeten, später auch der aufgenommenen Kinder und ganz wichtig: der Zufallsgenerator, der den Schüler/-innen zufällige und mehrstellige Ziffern zuordnet, nach denen wir schließlich das Losverfahren durchführen. Eine nachhaltige Arbeit also, die nach wie vor mit den vielen Formeln, Bezügen und Zirkelschlüssen eine sehr hilfreiche Stütze ist. Wie in den vergangenen Jahren ist sie ebenfalls die Grundlage für das Aufnahmeprotokoll, das ich bereits heute digital an die juristische Abteilung der Schulaufsicht geschickt habe. Zuvor habe ich nochmal alle Zahlen kreuz und quer und diagonal durchgesehen, damit alles stimmt. Zusätzlich galt es, eine Ergebnistabelle auszufüllen und an die Schulaufsicht und die oberste Schulaufsicht, sprich: Bildungsministerium, und an den Schulträger zu schicken. In Zeiten, in denen nicht mehr alle Gesamtschulen ihren neuen Jahrgang „voll bekommen“, erhielt ich gleich zwei Rückmeldungen. Aus Mainz hörte ich am Telefon: „Glückwunsch, ihr steht ja gut da!“ und eine Mail vom Schulträger lautete (mit einem mich schmunzeln lassenden Possessivpronomen):  

„Hallo Herr Dumont, vielen Dank für die Informationen. Ich freue mich, dass unsere IGS Deidesheim Wachenheim so gut angenommen wird.“

Wenn alles gut geht und die Sekretärin nicht zu oft unterbrochen wird, dann gehen die Zu- und Absagen heute noch auf die Post und dann beginnt wieder die Zeit der Telefonate und schriftlich eingereichten Widersprüche. Da wir nur 65% der Anmeldungen aufnehmen konnten, könnte sich hierbei die Anzahl ebenso erhöhen wie die Zahl der Anmeldungen. Gleichzeitig melden sich derzeit in Deidesheim Schüler/-innen von anderen Schulen, hauptsächlich natürlich Absolventen der Realschulen plus, für unsere Oberstufe an. Nach zögerlichen Anfängen bewegen wir uns auch dort auf eine „gesunde“ Anmeldezahl zu und könnten inzwischen den erfahrungsgemäß eintretenden Schwund bis zum ersten Schultag durch Nachrücker gut auffangen. Für die Oberstufe sind ja immer noch Doppel- und Dreifachanmeldungen möglich. Die „Offiziellen“ haben den Eltern lediglich die Doppelanmeldung in Jahrgang 5 genommen, die für die Oberstufe feiert nach wie vor fröhliche Urständ. 

 

Mittwoch, 01. Februar 2017:

Für mich ein „normaler“ Arbeitstag, für die Kollegin, die heute ihren Schuldienst aufnahm, ein Einschnitt: Immerhin vereidigte ich sie heute mit der künftigen Verpflichtung, den Gesetzen und der Verfassung des Landes Rheinland-Pfalz gemäß zu agieren. Verbunden damit ist zugleich die Beförderung zur Studienrätin und zur Beamtin auf Probe. Dazu fuhr ich eigens nach Wachenheim, wo wir sie in Jahrgang sechs in ihrer künftigen Klasse einsetzten. Ohne den amtlichen Vorspann, der ja lediglich ein paar Minuten dauert, dürften wir sie keinen Fuß in die Klasse setzen lassen. Eigentlich eine Forderung, die mir anfangs überzogen vorkam, aber man stelle sich nur vor: Sie stolpert auf der Treppe, stößt mit dem Kopf an das Geländer oder fällt auf eine der Steinstufen. Es kommt zu einer Gehirnblutung und bleibenden Schäden…ich käme in „Teufels Küche“, weil sie über keine Versicherung verfügte. So aber war sie mit vollem Schutz des Beamtentums tätig.

Ich blieb im Anschluss daran gleich in Wachenheim, denn ab neun Uhr starteten die letzten Stunden der diesjährigen Anmeldung für die neue fünfte Klasse.