Diese Seite drucken

Drehbuch

Für das Drehbuch waren verantwortlich Katharina Paragliola und Frank Laska.

 

Theaterstück: „DDR-Live" (3 Akte)

Orte der Handlungen: POS Arthur Becker in Leipzig-Plagwitz und Gerichtssaal des Reichsgerichts Leipzig

  1. Szene: Telefongespräch von Ost nach West
  2. Szene: Unterricht an der POS Arthur Becker
  3. Szene: Gerichtssaal - Verurteilung des Genossen Schulleiters

Aufbau und Durchführung der einzelnen Spielszenen

1. Szene: Schulleiter Georg Dumont (POS Arthur Becker, Leipzig-Plagwitz) telefoniert mit seiner westdeutschen Kollegin Katharina Paragliola (Deidesheim)

Orte: Schulleiterzimmer (der Schulleiter geht davon aus, dass seine Schule wanzenfrei ist und Diensttelefone von der Stasi nicht abgehört werden), Katharinas Wohnzimmer, Ministerium der Staatssicherheit - Abt.: Abhörwesen, Leipzig)

Personen: Georg (Schulleiter), Katharina (Freundin aus dem Westen), Rainer (Hauptmann Langohr), Tonja (Sekretärin von Langohr, Dienst an der Schreibmaschine)

Raumgestaltung: drei Zimmer mit Stuhl und Tisch / jeweils getrennt von einer blauen Stellwand (Publikum sieht alle drei Räume ->Katharinas Zimmer sieht besonders gemütlich aus)

Handlung: Georg ruft Katharina an (er flüstert / nach einem Gespräch übers Wetter bittet er sie, Lieder von ihrer Kirchengemeinde mitzubringen), das Gespräch wird von Herrn Langohr auf einem Tonband aufgenommen und von Tonja mit der Schreibmaschine übertragen (Dienstnachricht an Minister Mielke, Berlin ->Leipzig wartet auf Anweisung aus Berlin)

Pause: ca. 5 min (Vorbereitung der 2. Spielszene / S. notieren sich ihre Eindrücke / Was ist passiert?)

2. Szene: Unterricht an der POS „Arthur Becker"

Ort: Klassenzimmer der 5b (Musikunterricht mit Georg)

Personen: Georg (Schulleiter u. Musiklehrer), Schüler u. a. Jennifer (5c) in der Funktion des Gruppenratsvorsitzenden, Rainer (Hauptmann Langohr), Tonja (Polizistin), Ulrike (Ersatzlehrerin), Katharina (Besucher aus dem Westen)

Raumgestaltung: DDR-Schulzimmer (Fahnen u. Honeckerbild an der Wand, 5 Tische u. Stühle quer zum Publikum einschl. Lehrertisch)

Handlung:

Georg: „Achtung!" (S. stehen auf)

Jennifer (meldet mit Pioniergruß): „Herr Dumont, die Klasse 5b ist zum Musikunterricht bereit. Es fehlen Markus und Steffi."

Georg: „Setzen!" (S. setzen sich)

Georg: „Welche Lieder kennt ihr, die unsere Heimat zum Inhalt haben?"

Schüler: „An der Saale hellem Strande", „Rennsteiglied" usw.

Georg: „Unsere sozialistische Heimat, die DDR, wird besonders gewürdigt durch das Lied „Unsere Heimat" (Lied von CD)

Georg: „Nicht nur in der DDR leben Menschen, die deutsch sprechen, sondern auch in unserem Nachbarland der Bundesrepublik Deutschland. Ich möchte euch Frau Paragliola aus Deidesheim vorstellen. Sie kommt aus der BRD. Frau Paragliola ist eine gute Freundin von mir und hat euch etwas mitgebracht."

Katharina begrüßt die Schüler und verteilt Süßigkeiten Schüler sind ganz begeistert von den bunten Süßigkeiten (Anm.: In der DDR waren die Süßigkeiten nicht so farbenfroh verpackt)

Georg: „Frau Paragliola hat euch auch ein neues Lied für den Musikunterricht mitgebacht.

Es ist von der Sängerin „Nena" und heißt „99 Luftballons". 

Alle Schüler der Klasse und auch die Schüler im Publikum singen das Lied gemeinsam (die Schüler kennen es bereits aus dem Musikunterricht)

Vor der Tür des Filmsaales ertönt ein Martinshorn (Polizei) - könnte man auch weglassen / ist ja unrealistisch, aber auch eindrücklich, da die Kinder die Stasi nicht kennen, aber den Ton einer Polizeisirene

Hauptmann Langohr und Polizistin Tonja klopfen höflich an der Tür zum Klassenzimmer an. Sie betreten zusammen mit Ulrike die Klasse. Die Klasse singt weiter. Hauptmann Langohr begrüßt die Schüler und sagt zu ihnen: „Ihr könnt aber schön singen! Wer hat euch denn das Lied beigebracht?

Schüler A: „Unser Lehrer, Herr Dumont und seine Freundin Frau Paragliola"

Hauptmann Langohr: „Wir möchten euren Lehrer und seinen Besuch jetzt mitnehmen und dafür bekommt ihr eine Ersatzlehrerin."

Ulrike stellt sich den Schülern als neue Musiklehrerin vor

Schüler B: „Wann kommt Herr Dumont wieder zurück?"

Hauptman Langohr: „Das wissen wir noch nicht, aber es wird schon nicht zu lange dauern."

Schüler C: „Wo gehen Herr Dumont und Frau Paragliola hin?"

Herr Langohr: „Sie fahren in den Urlaub! Alles Gute, Kinder und weiterhin viel Freude in der Schule."

Georg, Katharina, Tonja und Rainer verlassen das Klassenzimmer

Pause: ca. 5 min (Vorbereitung der dritten Spielszene / S. notieren sich ihre Eindrücke / Was ist passiert?)

3. Szene: Gerichtsverhandlung - Verurteilung des Genossen Schulleiters u. seiner Westkomplizin Frau Paragliola (auf Anordnung von Minister Milke, Ost-Berlin)

 Ort: Gerichtssaal (Reichsgericht Leipzig)

Personen: Richter (Frank), Angeklagte (Georg u. Katharina / Schulleiter u. Westbesucher), Tonja  (Saaldiener), Gäste (Eltern, Politiker, Schüler), Zeugen (Rainer als  Hauptmann u. Ulrike - neue Lehrerin), Verteidiger (Christiane), Staatsanwalt (Oliver)

Raumgestaltung: Gerichtssaal in U-Form

Handlung:

Alle Beteiligten an ihren Plätzen, reden leise miteinander. Richter (Frank) tritt mit Schöffen ein, alle erheben sich.

Frank: "Die Verhandlung ist eröffnet. Es steht an die Strafsache Dumont und Paragliola. Herr Staatsanwalt, sie haben das Wort."

Oliver: "Danke euer Ehren. Angeklagt sind Herr Georg Dumont, Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, Schulleiter der POS Arthur Becker in Leipzig-Plagwitz, wohnhaft in Leipzig Plagwitz, Karl Marx Straße 21, geboren am 2.April 1956. Ihm folgendes zur Last gelegt: republikfeindliches Verhalten; unter dem Deckmantel des Musikunterrichts versuchte Herr Dumont den Friedenswillen unserer Jugend auf schlimmste Art und Weise zu untergraben! Dies ist als massiver Angriff auf unsere Heimat zu werten. Des Weiteren Frau Katharina Paragliola, Bürgerin der BRD, Schulleiterin der Konrad Duden Realschule, wohnhaft in Deidesheim, Appengasse 1; Frau Paragliola wird das Gleiche vorgeworfen wie Herrn Dumont."

Katharina (aufgebracht): "Das glaub ich ja nicht! Das sind doch völlig haltlose Beschuldigungen! Ich verlange zum wiederholten mal Kontakt zur ständigen Vertretung der Bundesrepublik und einen westdeutschen Anwalt!"

Frank  (barsch, brüllend): "Frau Paragliola! Sie befinden sich in einem Gerichtssaal der Deutschen Demokratischen Republik! Sie haben gegen geltende Gesetze unseres Landes verstoßen! Sie haben hier erst mal keine Forderungen zu stellen! Halten sie sich gefälligst zurück. Wir sind hier nicht in der BRD! Bei uns übt man sich tunlichst in Zurückhaltung wenn man schon auf der Anklagebank gelandet ist! (zu Oliver gewandt) Herr Staatsanwalt, fahren sie bitte fort."

Oliver: "Danke euer Ehren. Ich habe nicht mehr hinzu zu fügen."

Frank (zu Christiane): "Frau Verteidigerin, möchten sich ihre Mandanten zur Sache äußern?"

Christiane  (etwas scheu): "Das möchten sie euer Ehren."

 

Frank: "Dann bitteschön."

Georg: "Euer Ehren, ich kann nur wiederholen was ich bereits in den Vernehmungen gesagt habe. Ich hatte nie auch nur im geringsten nieder Absichten. Das wohl meiner Schüler stand und steht für mich IMMER an erster Stelle."

Frank: "Nun ja, man wird sehen. Frau Paragliola?"

Katharina: "Ohne einen westdeutschen Anwalt sag ich hier gar nichts mehr. Das Ganze hier ist doch völliger Quatsch."

Frank (zynisch): "Ach ja, die Westdeutschen. Es ist ja schon lange bekannt, dass ihr euch für etwas Besseres haltet. (zum „Saaldiener") Es wird Zeit, dass wir hier endlich voran kommen. Bitte den Zeugen Langohr."

Tonja (holt Rainer rein): "Der Zeuge Langohr."

Frank: "Herr Langohr, bei ihnen als langjähriger, republiktreuer Mitarbeiter der Volkspolizei und der Staatsicherheit denke ich, dass wir uns das Übliche Bla, bla, bla sparen können. Kommen wir doch einfach direkt zur Sache. Was können sie uns interessantes berichten?"

Rainer: "Das habe ich in der Tat euer Ehren. Grundsätzlich muß man sagen, dass uns zu allen Anklagepunkten hieb- und stichfeste Beweise vorliegen. Wir haben hier die schriftlichen Aussagen von Kollegen, Schülern und Eltern aus Dumonts Umfeld. Außerdem möchte ich ihnen gerne Mitschnitte von Telefonaten zwischen den beiden Angeklagten vorlegen, die ganz eindeutig den Vorwurf der Republikfeindlichkeit belegen. Auch habe ich hier eine Reihe von Photos von konspirativen Treffen zwischen den beiden. Und nicht zuletzt kann ich habe ich hier meine eigenen Beobachtungen die die Genossin Lauscher bezeugen kann festgehalten. Wenn ich ihnen die Beweismittel vorlegen dürfte Genosse Richter."

Frank: "Bitte Genosse Langohr!"

Rainer: tritt zu Frank und Christiane und legt Beweise vor. Frank fordert Christiane und Rainer auf vor zu kommen. Gemeinsam betrachtet man die Beweise.

Frank und Christiane flüstern kurz miteinander.

Frank: "Genosse Langohr, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Es ist doch immer wieder schön, zu sehen mit wie viel Engagement die Genossen von der Volkspolizei und der Staatssicherheit Ihre Aufgaben ausführen. (zu den beiden Angeklagten) Und sie beide sind doch wohl nicht wirklich so naiv zu glauben, dass uns Ihre Aktivitäten entgehen. Nichts bleibt in unserer Republik dem Auge des Staates verborgen. Das sollten sie sich vielleicht einmal merken. Ich denke es sollte wohl keine weiteren Fragen mehr geben? (Blick zu Rainer und Christiane, beide schütteln den Kopf) Gut, dann bitte ich um die Plädoyers. Wir haben heute schließlich noch wichtigeres zu tun.

Rainer (steht auf): "Genosse Richter, Ankeglagte, Genossin Verteidigerin, die von Genossen Langohr vorgelegten Beweise lassen wohl keinen Zweifel an der Schuld der beiden Angeklagten. Alle, aber auch ALLE Anklagepunkte können belegt werden! Daher kann ich mich kurz fassen und für beide die Höchststrafe fordern." (setzt sich)

 

Frank (zu Christiane): "Genossin Verteidigerin?"

Christiane (leiser): "Genosse Richter, Genosse Staatsanwalt, angesichts der vorgelegten Beweislast bleibt mir eigentlich nur übrig um ein mildes Urteil zu bitten. Mehr kann ich nicht sagen."

Frank: "Vielen Dank. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück."

 

Frank und Christiane verlassen kurz den Raum. Die Anderen fangen an leise miteinander zu reden. Mimik beachten!!

Frank und Christiane kommen zurück.

Frank: "Bitte erheben sie sich für die Urteilsverkündung." (hier hält Frank ein saftige Rede und verurteilt Georg zu 15 Jahren Haft und Katharina zu fünf Jahren) Anschl. gibt er Georg und Katharina das Wort.

Katharina: "Wie ich schon mehrfach sagte. Ich verlange einen westdeutschen Anwalt. Dieses Urteil akzeptiere ich in keiner Weise."