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Aug/Sept 2018

 

Donnerstag, 20. September 2018:

Fast könnte es eine Fortsetzung der gestrigen Gedanken sein: Assembly der Jahrgänge 7 bis 13 – immer noch eine faszinierende Veranstaltung mit den über 400 Schüler/-innen in der Turnhalle, von der Schülervertretung organisiert und getragen. Sicherlich immer noch ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule. Ich hatte dieses Mal, nachdem durch „Personalwechsel“ zwei dieser Treffen ausfielen, darauf bestanden, in die Vorbereitung eingebunden zu sein. So kam eine Tagesordnung zustande, die aus den Punkten Projektwettbewerb, Wahlen zur Schülervertretung, Bekanntgabe der Sieger bei den Bundesjugendspielen mit Ausgeben der Urkunden, Bilder von der Madrid Fahrt und dem Film der Skifreizeit bestand. Kurz vor dem Ende stand zunächst ein Schüler der Oberstufe auf, dann zwei weitere und plötzlich löste sich das Assembly unvorhergesehen auf, weil immer mehr aufstanden und dem Ausgang zustrebten. Einzufangen war das nicht mehr. Mein Ärger darüber legte sich, als ich erfuhr, dass der erste Aufsteher nur aufs Klo musste. So kann es gehen.

Später dann in Wachenheim – die eine Musikklasse beschwerte (!) sich heftig über den Unterrichtsausfall wegen des Assemblys – eine bereits eingeübte Stunde: Das Lied „Der Herbst ist da“ mit selbst gebastelten Schellengabeln aus Kronkorken und einer Astgabel rhythmisch aufpeppen.

 

Mittwoch, 19. September 2018:

Der Termin des Tages war heute die offizielle Amtseinführung des Schulleiters eines benachbarten Gymnasiums. Volles Programm mit sieben Redebeiträgen und musikalischen Einlagen. Von der Schulaufsicht über den Landrat, dem Bürgermeister und schulischen Verantwortlichen war in der Aula alles geboten, was eine Kleinstadt an Prominenz zu bieten hat. Werden wir Schulleiter und unsere Bedeutung da nicht überschätzt? Bewirken die Stadtgärtner und Straßenkehrer nicht mehr für das Ansehen einer Stadt und das täglich? Ich habe es erneut genossen, dass dieser „Kelch“ seinerzeit an mir vorüberging. Eine neue Schule mit damals 118 Schüler/-innen und zehn Lehrkräften bot für eine solche Veranstaltung keine Größe und die Eröffnung einer neuen Schule und einer neuen Schulform stand 2008 mehr im Vordergrund als ein damaliger Realschulkonrektor. So hat es keine offizielle Amtseinführung gegeben. Alles Weitere fand später dann gewollt still und unbemerkt leise in einem der vielen Büros ohne Zuschauer statt. Es mag ja zutreffen, dass ein Schulleiter wesentliche Impulse setzt und den Weg, den eine Schule einschlägt, mit oder vielleicht auch stark beeinflusst, es mag auch sein, dass ein Kollegium, zumal ein solch großes, und eine Schülerschaft einen „Kopf“ und eine Orientierung benötigen, aber dieser „große Bahnhof“ ist meine Sache nicht. Demgegenüber dringt etwa eine kleine Szene beim letzten Besuch unseres Schulaufsichtsbeamten viel tiefer in mich ein. Er fragte eine Schülerin nach dem Weg ins Sekretariat. Sie könne ihn hinführen, war ihre Antwort. „Das brauchst du nicht. Schildere mit einfach den Weg, den finde ich dann schon.“ Nach der Wegbeschreibung: erst ein hochgestellter Daumen von offizieller Seite, dann folgte der der Schülerin und beide gingen lächelnd auseinander. Ein solch schöner Eindruck wird in mir bleiben, wird sich wach erhalten, weit über die Fülle der Worte der heutigen Reden hinaus, die ich schon nicht mehr wiederholen kann und die schon jetzt zu verblassen beginnen, obwohl sie von jeder/m Redner/-in sicher wohl überlegt und mit Bedeutung gesetzt wurden. Wenn ich hier jetzt so grübele, komme ich an einen grundsätzlicheren Punkt: Vielleicht benötigen wir Menschen die nach außen zelebrierte Gestaltung besonderer Ereignisse, kennt doch die Kirche neben der Eucharistiefeier an sich auch das Drei-Herren-Amt und gar noch das Pontifikalamt, damit sich „das Einfache“ vom „Besonderen“ abhebt. Müsste „das Besondere“ aber nicht aus sich heraus spürbar wahrgenommen werden? Besteht nicht die Gefahr, „das Besondere“ durch die äußere Form zu überdecken? Ja, könnte es nicht sogar geschehen, dass die äußere Gestaltung „das Besondere“ nur vorgaukelt? Der „Große Zapfenstreich“ etwa, das bedeutendste Ritual, das der Staat mit seiner Armee zu begehen weiß, wird bei jedem scheidenden Bundespräsidenten gegeben, unabhängig von Wirkung und Ansehen seiner Amtszeit.

So bleibt denn für mich aus dem „Heute“ als schöne Erinnerung die eine oder andere menschliche Begegnung und das eine oder andere kurze Gespräch am Rande, ein freudiger Blick, ein Lächeln.   

 

Mittwoch, 12. September 2018:

Es ist schon wieder soweit: Die Amtszeit des derzeitigen Schulelternbeirates läuft aus, eine Neuwahl steht an. Dazu wurden bereits an den Elternabenden Klassenelternsprecher/-innen und Wahldelegierte gewählt, die demnächst den sechsten Elternrat wählen werden. Es waren wieder zwei Jahre der vertrauensvollen Zusammenarbeit, die einige Punkte voranbrachten und die in gemeinsamer Verantwortung die Schule ein weiteres Stück des Weges begleiteten. Dank euch allen, die ihr diese Zeit ehrenamtlich für uns einbringt, danke für eure Geduld, eure Einwürfe, euer Mitdenken und für die Diskussionen, die stets auf Augenhöhe geführt wurden. Der neue Schulelternbeirat wird ein anderer sein. Einige Mitglieder wollen oder können nicht mehr kandidieren, so dass neue Gesichter gewählt werden. Das wird eine gute Mischung aus alt und neu und hoffentlich auch durch die Jahrgänge hindurch werden. Aber erst müssen wir die Wahl selbst gestalten. Da werden wieder über 80 Wahlberechtigte mit jeweils 15 Stimmen wählen dürfen. Bis das wieder ausgezählt sein wird…

 

Dienstag, 11. September 2018:

Es ist schon eigenartig, wie sich ein Datum eingraben kann und immer wieder erscheint, wenn es sich wiederholt: Noch immer stehen mir die Bilder des furchtbaren Anschlages auf die Türme des World Trade Centers vor Augen – sie waren vom ersten Anschauen müssen von einer archaischen Brutalität und – Gott die Dank! – seither nicht mehr so gesehen. Bereits ein Jahr danach schrieb Arnold Stadler:

„Als ich hörte, dass es sich um Menschen handelte, die auf diese Weise ins Paradies kommen wollten, dachte ich mir, wenn doch auf dieser Welt nur solche Menschen handelten, die nicht mit dem Paradies rechneten, sondern allein mit dieser Erde hier. Menschen oder auch nur Politiker wünschte ich mir, die, der Erde zuliebe, so handelten, als ob diese Welt die einzige wäre, die mit nichts anderem rechneten, und die in diesem Leben auf der Erde nichts Vorläufiges sähen, sondern etwas Einmaliges. Die also so handelten, als ob sie nicht auf ein Leben nach diesem Leben und auf eine Welt nach dieser Welt hofften, dachte ich als Katholik. Der Erde zuliebe, die ja im Prinzip von einem einzigen zerstört, nicht aber gerettet werden kann, auch wenn dies einer wollte. Dazu müsste schon einer Gott sein. Mit Gott aber sollte ein Mensch, der Politik machen muss, der rechnen muss, nicht rechnen.“ (Arnold Stadler, Tohuwabohu, Heiliges und Profanes, gelesen und wiedergelesen von Arnold Stadler nach dem 11. September 2001 und darüber hinaus, Köln 2002, S. 15).

Solche Gedanken kamen mir bei einem Unterrichtsbesuch heute, eine „Veranstaltung“, die neben aufmerksamen Beobachtungen auch Zeit zum Abschweifen in sich hat. Ganz anders dagegen die Gesamtkonferenz am Nachmittag, welche die volle Aufmerksamkeit verlangt. Aber, die derzeitige Stimmung im Kollegium ist eher von „ruhigem Schaffen“ geprägt als von konfliktträchtigen Diskussionen. Die neue Regelung der Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche musste beschlossen werden, nachdem sich eine Konzeptgruppe darüber Gedanken gemacht und die erarbeiteten Varianten in den Jahrgangsteams bereits vorgestellt hat. Ebenfalls stand das Differenzierungsmodell auf der Agenda. Hier ist die Vorarbeit noch nicht zu klaren Vorstellungen und Varianten gediehen – aber genau dieses Thema begleitet mich seit meinem ersten IGS-Tag 1992 in den unterschiedlichsten Konnotationen, da grenzte es an ein Wunder, wenn wir hierin schnelle Lösungen erarbeiten könnten, die auf Dauer ausgerichtet sein sollen. Projektunterricht, Fahrtenkonzept und anderes waren dann zusätzlich noch kleinere Themen, so dass wir die anberaumte Zeit um 30 Minuten unterschreiten konnten. Auch eine Besonderheit.

 

Donnerstag, 06. September 2018:

Wandertag der ganzen Schule – das bedeutet: Ruhe im Haus und Gelegenheit für das Schulleitungsteam, sich längeren Themen intensiver zu widmen, als es im Alltag möglich ist. Vor allem ging es heute um konzeptionelle Dinge, die derzeit in Arbeit oder angedacht sind und die Vorbereitung der Gesamtkonferenz nächste Woche. Das tat gut und um wieviel ruhiger, gelassener und entspannter kommen die großen Themen daher, wenn sie in vertrauter Runde besprochen worden sind. Da lässt sich auch das eine oder andere nach ausgiebigem Hin- und Herwenden besser verwerfen, weil „mehrere Augenpaare draufgeschaut“ haben.

 

Mittwoch, 05. September 2018:

Ein ungewöhnlicher Wochentag für die Sitzung des Fördervereins. Genauso ungewöhnlich der Sitzungsort: Wir saßen angesichts des schönen Spätsommerabends in der Sitzecke, hinten, beim Wachenheimer Schulhof, es war noch warm und es war noch hell. Bis alle Punkte abgearbeitet waren, dunkelte es schon merklich und das Protokoll konnte schließlich nur noch mit “Handy-Licht“ geschrieben werden. Ach, wie erfreuen mich diese Menschen immer wieder. Das ganze Jahr stehen sie mit Rat und vor allem mit Tat bereit, um für die Schule zu arbeiten und sie zu unterstützen. Da will mir der zögerliche Beitritt von Eltern und Kolleg/-innen in den Förderverein gar nicht recht in den Kopf… Also sei hier nochmals, erneut und immer wieder gedankt. Die derzeitige Amtszeit des Vorstandes geht im Oktober wieder zu Ende, Neuwahlen stehen an. Also: Kommet zuhauf!

 

Dienstag, 04. September 2018:

Nachdem die Vergabeproblematik bezüglich der Planungsbeauftragung zwischen dem Ministerium und der Kreisverwaltung geklärt werden konnte, wurde der Planungs-Stopp (vgl. Eintrag 28. April 2015) aufgehoben und ich fuhr zu einer Sitzung mit dem Titel: „Wiederaufnahme des Projektes IGS Deidesheim“. 1194 währte dieser Projektstopp, heute ein weiterer Startschuss mit den Themen: Objekt- und Tragwerksplanung, Bauphysik und Grünplanung, Kostenanpassung (Indexierung) und – was mich am meisten interessierte: Rahmenterminplan. Zwar wurden diese Punkte alle irgendwie angesprochen, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass es daneben einen versteckten Hauptnenner gab, der da „Kennenlernen der Personen“ lautete. Die über tausend Tage Stillstand haben zum Teil wechselnde Personen an den Tisch gespült, die sich bis heute fremd waren. Durch die verschiedenen Themen und Konstellationen schien es aber so, dass sich für den Schulleiter keine neuen Gesichter dazu gesellten. Hoffnung, Zuversicht und sich verfestigende Terminvorstellungen machen dem Zaudern Platz: in den Sommerferien 2019 soll es wirklich losgehen, so wie es bereits in der Zeitung stand. Jubel, Applaus und zartes Freudengeschrei, denn der Plan könnte meinen Traum, mein letztes Jahr im endgültigen Büro zu arbeiten, in die Tat umsetzen. Aber welches Bauvorhaben dieser Größe wurde schon innerhalb der Terminplanung fertig. Dennoch: es geht wieder los und das ist die wichtigste Botschaft.

Sofort kommen natürlich Fragen auf: Wie viele Container benötigen wir zusätzlich? Wo könnte das Abitur 2020 und 20121 stattfinden? Wo ist nochmals Anpassung notwendig? Was ist letztendlich mit der „Wanne“, in welcher das Schulgebäude wegen des ursprünglich trockengelegten Feuchtgebietes steht und welche nicht dicht sein soll? Usw. Schauen wir mal…

 

Freitag, 31. August 2018:

Was Stunden und Tage mit Arbeit füllt, ist dann mit einem einzigen Mausklick auf den Bildungsserver hochgeladen: der Gliederungsplan, der jetzt sein Eigenleben entwickeln wird und nur noch von den Referenten der Schulaufsicht verändert, plausibilisiert werden kann, alles zu Ehren der Ministerin, die dann wieder verlautbaren kann: „Die Unterrichtsversorgung ist so gut wie seit Jahren nicht mehr!“, was bei uns ja auch nicht falsch ist, insgesamt aber hinkt.

Auch die Statistik für das Statistische Landesamt wurde dank einiger Überstunden rechtzeitig fertig. Was im Gliederungsplan nur nackte Zahlen sind, ist dort mit Namen kombiniert, damit, wie es heißt, „kein Schüler doppelt gezählt wird“. Ergab sich zu früheren Zeiten durchaus der Reiz, durch das Mitführen von so genannten Karteileichen (da fallen mir wirklich die kleinen Pappkarten aus dem Katalog der meiner damaligen Universitätsbibliothek ein, in der Mitte mit einem Loch versehen und damit auf einer Messingstange hin- und herschiebbar) die Statistik, „nur ein bisschen“ freilich, zugunsten der Lehrerzuweisung „etwas zu kneten“. Im digitalen Zeitalter und dessen Vernetzung unmöglich.

Noch ein solches Wer kündigt sich: das landesweit und für alle Schulen verbindliche zentrale Schülerverwaltungsprogramm, das in Kürze eingeführt werden soll. Vorgezogene Informationsveranstaltungen gab es bereits, nun konnten, sollten, mussten wir uns bereits für eine zweitägige Schulung anmelden: ein Fachmann der Datenverarbeitung, zwei Sekretärinnen und der Schulleiter. Meine Befürchtungen – gerade nach der jüngsten Umstellung auf das neue Betriebssystem auf unseren Verwaltungscomputern und deren Probleme – lassen sich bei der Menge an Daten gut und gerne in ein Daten-Inferno verführen. Aber Kinderkrankheiten seien bereits überwunden, das System laufe schon zur Probe – und gut.

Diese Tätigkeiten machemeinen Unterricht immer wieder zur reinen Freude. Da schneien keine unangekündigten Besuche herein, da klingelt kein Telefon, da steht niemand überraschend vor der Tür – da spüre ich meine Berufung für diesen Beruf. Immer noch kommen die jetzigen Sechstklässler in Wachenheim über den Hof zu mir gerannt, freudig und mit der sehnsüchtigen Frage: Wann haben wir sie wieder im Unterricht? Da kommt ein beeinträchtigtes Mädchen auf mich zu, das in dem einen Jahr eine enorme Entwicklung vollzogen hat, kommt und umfasst mit ihren kleinen Armen kaum meinen Bauch und fragt, wie es mir geht. Gelingt Inklusion doch? Oder die „neuen“ Fünftklässler protestieren, weil gestern Musik ausfiel, sie hätten sich so darauf gefreut. Das gibt Kraft, die ganzen Verwaltungsberge zu besteigen. Wohl wahr: Kinder sind ein unbeschreibliches Glück!

 

Mittwoch, 29. August 2018:

An einer Fehlmeldung dokterte ich die letzten drei Tage in freien Minuten herum, sie war einfach nicht wegzubekommen. „Du musst denken wie der Computer!“, hörte ich meinen ehemaligen stellvertretenden Schulleiter sagen. Dennoch gelang es mir nicht, dir rote Fehlermeldung zu negieren. Schließlich griff ich zum Telefon, selbst wenn es peinlich werden sollte, weil ich eine grundlegende Eingabe seit zehn Jahren falsch machte, ich wollte den Plan fehlerfrei abliefern. Gemeinsam mit der Schulaufsicht fanden wir den Fehler, er lag nicht in meinem Feld – der Leitfaden war schlichtweg falsch formuliert. Zwei gegengerechnete Zahlen – und schon war der Eintrag schwarz. Bald darauf erhielt ich eine E-Mail an alle Schulleitungen: „Aufgrund der Rückmeldung aus einer Schule weise ich darauf hin…“ – ein Anruf aus Deidesheim mit landesweiten Folgen, schön!

Da konnte ich doch ganz gelassen einen Unterrichtsbesuch in einem Englisch Leistungskurs antreten (Weitere Lebenszeitverbeamtungen stehen an). Die Schüler/-innen holten mich ganz schnell auf den Boden der Tatsachen: Eigentlich hielt ich mich im Fach Englisch für gar nicht so schlecht, aber was dieser Leistungskurs an Vokabeln und Kommunikation (Diskussion des Themas als Talkshow auf Englisch!) intus hatte – erste Sahne, würde ich mal sagen. Das ergibt doch reichhaltig Stoff für eine Dienstliche Beurteilung.

 

Freitag, 24. August 2018:

Im Moment steht der neue Elternbrief zum Schuljahresbeginn immer wieder auf den verschiedenen Bildschirmen. Zwar stehen darin immer wiederkehrende Informationen, doch gerade das verlockt zum Kopieren. Unversehens haben sich dann doch Fehler eingeschlichen, oder es stimmen die Verben nicht, weil das Singular des letzten Jahres nun in den Plural gerutscht ist, oder…oder… Dabei soll der Brief innerhalb der ersten beiden Wochen rausgehen…

Zwei Pakete, so umfassend ist dann doch die Lieferung der neuen Übergreifenden Schulordnung, die jede/r Kolleg/-in jetzt als Heft besitzt. Möge sie ausführlich gelesen und beachtet werden! Auch eine erste „Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit“ konnte ich vornehmen, Dienstliche Beurteilung, Amtsarztbericht und alle weiteren Unterlagen waren rechtzeitig bei der Schulaufsicht und die dadurch ausgelösten Schreiben mit Urkunde an der Schule angekommen – gerne wird dieser umfassende Vorgang unterschätzt in einem durchbürokratisierten Staatsdienst. Im großen Briefumschlag immerhin auch der letzte ausstehende Vertrag für eine Kollegin in Teilzeit, ab Montag sind wir dann also komplett. Den diesjährigen Gliederungsplan habe ich mit ins Wochenende genommen. Diese Konzentration fordernde Kleinstarbeit, bis die über 1500 Lehrerwochenstunden, mit allen Anrechnungs- und Entlastungsstunden verknüpft und auf knapp 80 Kollegen verteilt in die richtigen Spalten und Zeilen getippt und zusätzlich die vorgehaltenen oder ins kommende Schuljahr verschobenen Stunden verrechnet, eingetragen und nochmals kontrolliert sind – das alles erfordert Ruhe und gelingt mir im Alltag der Schule nicht, wenn das Telefon nicht ab gestöpselt und die Tür nicht verschlossen ist. Also: weekend-Homeoffice. Schönen Sonntag also!

 

Dienstag, 21. August 2018:

Das Team „Susi Spargel“ ist zu seinem erlebnispädagogischen Training, das zugleich die Vorbereitung für die Integrationsfahrt ist, in Bad Dürkheims Martin-Butzer-Haus. Das bedeutet wie in jedem Jahr, dass die fünften Klassen gestern zu Hause arbeiteten und heute mit einem „Doppelassembly“ starten, quasi mit dem Titel: „Der ganze Jahrgang und der Schulleiter“. Die beiden Stunden vergingen dann doch wie im Flug und ich konnte das Vorbereitete gar nicht alles unter bringen. Natürlich steht eine Erläuterung dieser Veranstaltung auf der Tagesordnung, selbstredend auch der Schulkanon. Neu in diesem Jahr hatte ich eine Bilderstrecke der letzten zehn Jahre vorbereitet. Die Idee dahinter: Vom Projekt „Schule ohne Rassismus“ über die einzelnen Bauphasen und Höhepunkte bis zur am ersten Schultag gepflanzten Kaiserlinde sollen die neuen Schüler/-innen einige Hintergründe ihrer neuen Schule erfahren. Geplant war dann, dass jede Klasse unter der Leitung eines Polizisten eine ernsthafte Belehrung in Sachen „Verhalten am Bahnhof“, parallel zu einer Aktion mit der Patenklasse, erhalten soll. Indes: Der Polizist blieb aus, ein Fehler in der Terminplanung hatte sich eingeschlichen. Spontan und versiert wie unsere Kolleg/-innen sind, sprangen sie ein, verlängerten die Patenaktion, picknickten im Schatten hinter dem Gebäude oder beaufsichtigten das Spielen im Schulhof. Wohl derjenigen Schule, die über solche Profis verfügt.

 

Freitag, 17. August 2018:

Haushaltstreffen mit dem Schulträger – klar, dass es darum gehen muss, wo kann bei den vielen Begehrlichkeiten in fünfstelliger Höhe gespart werden, schließlich sitzt auch der Kreisverwaltung der Rechnungshof im Nacken. Wir haben aber eine tragbare Lösung gefunden und ich hörte heute: In den nächsten Sommerferien wird der erste Teil des Bestandsbaues abgerissen werden. Soll es wirklich so kommen? Anscheinend sind im Hintergrund bereits Vorgänge für die zusätzlichen Container angelaufen und, nach dem langen Projektstopp, ist ein erstes Bautreffen anberaumt…

Mir selbst machen die vielen neuen Namen zu schaffen. Zum ersten Mal unterrichte ich alle vier Fünferklassen in Musik. Alle habe ich diese Woche bereits erleben können und jetzt hat für mich das Schuljahr begonnen, denn ich bin im Herzen Pädagoge und habe diesen Beruf wegen der faszinierenden Arbeit mit den Kindern angestrebt, nicht wegen Servern, Bauplanung oder Statistikterminen. Und so erlebe ich mich und diese Stunden: Es gelingt mir immer noch, recht zügig Kontakt und Spaß in die Stunden zu bringen, es wird gesungen und gelacht, gelesen und geschrieben, in Gruppen gearbeitet und präsentiert – und in mir spüre ich den pädagogischen Elan, der in den 26 Jahren nicht erlahmt ist. Dieses Gefühl nehme ich mit ins Wochenende und lasse die mannigfaltigen „Managerthemen“ einfach über Sonntag in der Schule.

 

Dienstag, 14. August 2018:

Immer noch herrscht Unklarheit in einer Personalangelegenheit, noch immer fehlt ein weiterer Vertag, die Hitze macht allen zu schaffen, selbst der neue Server, der am Ende der Ferien eingebaut wurde, muss eigens gekühlt werden, denn Kurzstunden kann es für ihn nicht geben, welch ein Sommer! Ansonsten genießen alle die Stunden, die, auf 30 Minuten gekürzt, alle stattfinden und doch ist früher Schule aus, der Nachmittag kann also irgendwo im Wasser, im Schatten oder sonst wo verbracht werden – insofern man Schüler/-in ist.

Zum Glück fand der Fototermin für die neuen Schüler/-innen recht früh statt, so konnten sich die neuen Fünft- und Elftklässler, die bereits von ihrer Integrationsfahrt zurück sind, noch nicht verschwitzt ablichten lassen.

 

Dienstag, 05. August 2018:

Wenn eingespielte Mechanismen außer Kraft gesetzt werden, kommt schon mal Hektik auf. Wer denkt da an die vielen Einzelheiten, die sonst unter der Decke schlummern, aber dennoch wirken. So oder so ähnlich habe ich die Aufnahmefeier des neuen Jahrgangs heute erlebt. Über die Jahre hin sind viele Handgriffe und Einzelheiten eingespielt abgelaufen, heute musste an alle wieder gedacht werden und doch war es eine gelungene Feier: Die Bandklasse holte sich den verdienten Applaus ab, meine zwei Musikklassen brachten Marc Forsters „Sowieso“ und Nenas „99 Luftballons“ prima auf die Bühne und das neue Lehrerteam kochte seine Spargelsuppe farbig und mit viel Einfühlungsvermögen. Begonnen hatte ich meine Begrüßung wieder schweigend: Ich ging, bereits die weißen Handschuhe tragend, auf die Bühne, fand einen bunten Koffer, aus dem ich fragend eine große, bunte Fliege herauszerrte, eine rote Perücke über den Kopf zog, die passende Clownsnase auf die Nase setzte und schließlich die Ukulele hervorholte. Die inzwischen sechsten Klassen, denen das Vorspiel und der Ablauf des Schulkanons bestens bekannt war, stimmten ein – und erst dann begann ich meine „verbale“ Begrüßung mit den Worten: „Wenn Lernen stattfinden soll, muss Schule Spaß machen“. Der Luftballonwettbewerb fand dann nicht auf dem Schulgelände statt, sondern auf dem benachbarten Sportplatz, in dessen vier Ecken sich die neuen Klassen zurückgezogen hatten. Ihre Klassenzimmer hatten sie an diesem Dienstag noch nicht gesehen. Trotz allem eine sehr schöne Feier, zu der mich prompt eine erste E-Mail erreichte:

„Hallo Herr Georg Dumont,

der erste Schultag war wirklich ein tolles Erlebnis für GROẞ und KLEIN. So einen herzlichen und schönen Empfang hatten wir nicht in der Grundschule. Ein ganz dickes Lob an Sie, das Kollegium und natürlich den Darstellern.“

Prima, wenn sich die ganze Anstrengung gelohnt hat und auch, freilich mit der Rechnung, schrieb mir der Winzerexpress:

„Guten Tag, Herr Dumont,

anbei die Rechnung. Ich habe Ihnen 2 x Fahrten – anstatt 4 Fahrten berechnet. Ihre Schüler waren sehr freundlich, haben sich korrekt verhalten und bedankten sich bei mir – fand ich super toll. Es hat mir somit viel Freude bereitet die jungen Menschen zu fahren und der Spaßfaktor war den Sonderpreis  wert.“

Da ist ja resümierend kein weiteres Wort nötig, Zufriedenheit, Glück, etwas Stolz und ein wohliges Gefühl nimmt Besitz von mir…

 

Freitag, 03. August 2018:

Wie in all den Jahren zuvor: es entfacht sich eine Freude und eine lockere, muntere Stimmung in der Mensa, wenn das Kollegium sich erstmals trifft. Zwar sind wir noch nicht komplett, zwei Personalentscheidungen fielen so spät in den Sommerferien, dass die entsprechenden Verträge nicht rechtzeitig hier waren. Vorstellen konnte ich auch zwei Neuzugänge: Wir verfügen in diesem Schuljahr wieder über eine Stelle mit einer Schulsozialarbeiterin und am Standort Wachenheim begann bereits am Mittwoch die neue Sekretärin. Schließlich befüllte ich dann doch wieder neuen kleine Schultüten…

Problematisch stellte sich heraus, dass die Begrüßungsfeier der neuen Fünftklässler in der Schwabenbachhalle in Friedelsheim stattfinden musste. Immer montags wird die Halle mit der Technik für die Bandklasse bestückt und letzte Proben für das Programm versuchen, die in sechs Wochen Sommerferien in den Hintergrund gerückten Einzelheiten wieder ins Rampenlicht zu holen. Nur: Wie kommen die drei Klassen nach Friedelsheim? Eine Strecke schaffen sie – trotz der derzeitigen Hitze – fußläufig, doch noch mal ein Weg in der prallen Sonne der Mittagszeit zurück? Ich bemühte mich um Busse – Fehlanzeige. Mit einem großen Loch hinsichtlich des Transportes fuhr ich ins Wochenende und sah uns schon mit Lehrerautos pendeln, da musste ich auf dem Nachhauseweg den von einem Planwagen gezogenen „Winzerexpress“ überholen. Das wäre doch der Gag. Tatsächlich gelang es mir, noch am Nachmittag alles klarzumachen. Das wird ein Spaß werden, wenn die angekündigten Busse durch den Planwagen ersetzt werden. Zwar bleiben die Tische mit den Vertiefungen für die „Schoppengläser“ leer, doch wer von den Sechstklässlern wird schon eine Planwagenfahrt erlebt haben. Schule macht’s möglich!