Diese Seite drucken

Aug bis Dez 08

 

Prolog

 

Wo hat das Ganze eigentlich angefangen? Beim Sammeln der ersten Zeitungsausschnitte 2006? Oder doch schon im Jahre 1998, als ich eine Informationsveranstaltung für die IGS der damaligen Initiative besuchte? Mit dem Bauchgefühl, nach 11 Jahren Stufenleiter und zwei kompletten Durchgängen für einen dritten keine Ideen mehr zu haben? Bei der konstituierenden Sitzung der erweiterten Planungsgruppe im Juni 2007? Vom ADD-Referenten hörte ich damals, dass es für mich nicht möglich sei, in der Planungsgruppe mitzuarbeiten, weil ich schon eine Funktionsstelle an der IGS Mutterstadt innehätte. Der schnellste Weg der Mitarbeit sei der, mich als Schulleiter zu bewerben. Das wollte ich aber doch gar nicht! Der Gedanke ließ mich dennoch nicht los, schließlich gab ich, nach langen Gesprächen auch in der Familie, meine Bewerbung im September 2007 ab.

Erster Schreck beim Treffen aller Bewerber für die IGSen Worms und Deidesheim/Wachenheim, ich hatte einige Mitbewerber, ernsthafte Konkurrenten darunter, die ich glaubte nicht "ausstechen" zu können. Überprüfung dann am 5. Dezember, Beurteilung und Beratung eines Fremdunterrichtes, Leitung einer Konferenz und Kolloquium. Alle drei Teile verliefen gut, die Konferenz am besten, auf das Kolloquium war ich mit einigen Ideen gut vorbereitet. Der nächste Schritt, die Planungsgruppe arbeitet keine vier Kilometer von hier entfernt und ich bekam nichts mit, das Benehmen mit dem Schulträger. Durch die komplizierte Trägerschaft schob sich der Termin bis Januar 2008 hinaus, dann der Auftritt in der Trägervertretung IGS vor etwa 20 Personen aus den VG-Räten und dem Kreistag. Die nächste Durststrecke folgte, anonym und incognito besuchte ich den Tag der offenen Tür und las von den guten Anmeldezahlen -dennoch lange Sendepause. Vor allem meine innere Spannung so lange aufrecht zu erhalten, war ein Problem, schließlich lagen sieben Monate seit dem Entschluss hinter mir. Wie sollte es nach den Sommerferien weitergehen? In Mutterstadt? Als Schulleiter in Wachenheim?

Am 26. April dann die erlösende Nachricht: Ich hatte das Bewerbungsverfahren erfolgreich bestanden, drei Wochen nun Schweigepflicht wegen eventueller Einsprüche, dann sollte ich die Urkunde bekommen. Heikel war daran, dass die Planungsgruppe eine Fortbildung an der IGS Mutterstadt zum Thema Binnendifferenzierung „gebucht" hatte. Es hieß: „Das sind doch deine Leute, das machst natürlich du, Georg!" Den ganzen Tag über durfte ich mich nicht versprechen, zumal ich von Seiten der ADD inoffiziell schon einen Vorschlag für die Tutorenpaare zugesteckt bekam. Besonders pikant war die Frage: „Wie würdest du denn den ersten Elternabend gestalten?" Ja nichts rauslassen, denn ich wusste ja schon, dass ich dabei sein werde.

Der nächste Akt waren drei Fortbildungstage in Speyer, natürlich stand ich auf der Teilnehmerliste und die Planungsgruppe hörte „die Nachtigall tapsen". Ich wurde herzlich begrüßt, der Raum war geschmückt mit den Transparenten, die für die Eröffnung schon gemalt waren, ich bekam den berühmten Steuerknüppel. Alles immer noch inoffiziell, dann am 20. Mai wurde ich in die ADD gerufen und bekam die Einweisung als kommissarischer Schulleiter. Vom ersten Tag an gleich die Last auf den Schultern: „Seit Ihre Bewerbung einging, beruhigte sich die Angst wegen des ungeliebten Doppelstandortes. Sie sind ja quasi gesamtschulisches Urgestein."

Was dann folgte war Hektik. Auf der einen Seite Zeugniskonferenzen des neunten Jahrgangs in Mutterstadt vorbereiten, den eigenen Jahrgang verabschieden und doch schon zwischen dort und Deidesheim/Wachenheim hin- und herfahren, manchmal rasen, um Termine wahrzunehmen („Wo soll der Beamer im Kunstraum installiert werden? Können Sie heute noch vorbeikommen? Der Architekt ist dann auch da!"). Oft stand ich auf Parkplätzen und hatte im Auto quasi mein Büro eingerichtet, telefonierte nie zuvor so oft mit dem Handy, noch die Sommerferien hindurch. Durch die späte Erenennung hatte sich viel angestaut, was jetzt in Kürze „vom neuen Schulleiter" in die Gänge gebracht werden musste. Rückblickend staunt man immer, wie das alles möglich war - es hat Dank vieler Hände und Köpfe auch alles funktioniert.

 

Montag, 04. August 2008:

 

Es ist soweit: Die neue IGS Deidesheim/Wachenheim ist gestartet! Alle 117 Schülerinnen und Schüler versammelten sich mit den Eltern und Gästen zur Eröffnung um 9.00 Uhr in der Stadthalle in Wachenheim. Richtig festlich war allen zumute. Einige Reden wurden gehalten, schließlich waren doch alle Politiker etwas stolz, nach all den Wirren und Diskussionen die neue Schule nun eröffnen zu können. Symbolisch gab es zwischendrin Musik von einem Schüler-Eltern-Lehrer-Trio - Beispiel einer ersten Zusammenarbeit. Auch der Kanon „Jeder kann was prima machen" erklang, eher schüchtern, aber dennoch hörbar. Ergreifend dann das Bild, als alle Fünftklässler auf der Bühne standen, von den Tutoren beim Namen gerufen. Es riss mich zu dem Satz hin: „Hier steht sie erstmals auf der Bühne, die gesamte IGS Deidesheim/Wachenheim!" Nach dem Auszug der Klassen in die Schule, wo erstes Kennen lernen auf dem Programm stand, war es etwas ruhig in der Halle, der viele Kuchen lenkte dann etwas ab. Später dann ab 12 Uhr das Pflanzen der von VG Bürgermeister Kittelberger gestifteten Kaiserlinde und der schöne Moment des Luftballonwettbewerbs. Insgesamt ein runder Start. Der Anfang ist gemacht!

 

Donnerstag, 7. August 2008:

 

Die Integrationstage sind gut verlaufen. Dienstag: Wir lernen die Schule kennen; Mittwoch: Wir lernen Wachenheim kennen und heute: Wir lernen die Umgebung kennen, Wanderung nach Deidesheim und dann Grillen mit Eltern auf dem Sportgelände. Wir scheinen tolle und engagierte Eltern zu haben, das macht richtig Laune für die neue Schule. Prima gelaufen alles, Danke! Auch die Tutoren erzählen positive Stimmungen aus den Klassen .

 

Donnerstag, 14. August 2008:

 

So, jetzt bin ich auch als Schulleiter mit Büro installiert. Zwei gebrauchte Tische aus der VG, ein Schreibtisch aus dem Keller, mein Kafka-Text an der Wand und die Bilder mit den alten Teams. Sie hängen an den Stellwänden, mit denen ich das künftige Klassenzimmer provisorisch etwas abgetrennt habe. Alle haben ihren Anteil daran, dass ich so geworden bin, also sollen sie mich auch begleiten: Mein erstes Team an der IGS Ernst-Bloch, die beiden Teams "Bernhard Bumerang" und "Rudi Ratze" und mein Schulleitungsteam aus der IGS Mutterstadt.

 

Donnerstag, 21. August 2008:

 

So kann es gehen: Wir waren uns von den drei Schulleitungen unsicher, wann wir einen geeigneten Termin für einen Probealarm festlegen sollen, zumal durch den Anbau drei Klassenzimmer und eventuell neue Fluchtwege erst festgelegt werden müssten...da standen heute plötzlich vier Männer von der Feuerwehr in meinem Büro und sagten, sie wollten einen Probealarm durchführen. Ich haspelte etwas daher von Neubau, neuer Schule, von vielen Unwägbarkeiten und man müsste das verschieben usw. Doch die Wehrmänner ließen nicht ab: "Wenns jetzt brennen würde, müssten sie ja auch raus!" Ich wusste nicht mal, wo der Alarm auszulösen ist. Keine "alter Hase" greifbar. Wie wird das wohl ausgehen!? Einer der Männer wusste von einem Schlüssel für den Alarmkasten im Kopierraum, na also geht doch und in drei Minuten war die Schule geräumt. Uff!

 

Mittwoch, 27. August 2008:

 

Erster Elternabend. Ich ging durch alle Klassen, stellte mich nochmals vor und versuchte Atmosphäre zu schnuppern. Fast durchgängig schon jetzt hohe AKzeptanz und Zufriedenheit. Ein Vater sprach von einer Katastrophe, die wir herbeigeührt hätten: Sein Sohn freue sich schon sonntags darauf, dass er am nächsten Tag wieder in die Schule dürfe. Prima, das freut mich und das hört sich gut an!

 

Montag, 01. September 2008:

 

Um 17 Uhr tagte die SPD-Kreistagsfraktion in der Schule. Sie wollte natürlich sehen, was da neues entstanden ist und was sie da mit erkämpft hat. Buchung des Raumes inklusive Führung durch den Anbau mit dem Schulleiter. An solche Termine, an solche "Gut-Wetter-machen-Veranstaltungen" werde ich mich gewöhnen müssen.

 

Freitag, 05. September 2008:

 

Unser erster Auftritt in der Öffentlichkeit: Wir nahmen mit allen vier Klassen am easi-Tag im Schulzentrum in Bad Dürkheim teil. Ja, die IGS gehört jetzt zur Schullandschaft im Landkreis Bad Dürkheim dazu!

 

Mittwoch, 24. September 2009:

 

Aufnahme und Begrüßung im Schulträgerausschuss des Landkreises im großen Sitzungssaal. Abends Wahl eines Schulelternbeirates. Es waren wenig Eltern anwesend, aber wir konnten wählen. Schön war die Geste, die Stellvertreter immer mit einzuladen und eine Klassenelternvertreterin aus der nicht vertretenen Klasse zusätzlich zu berufen. Das stockt das Dreiergremium auf, führt aber auch zu mehr Meinungs- und Vertretungsvielfalt. Ich habe ein gutes Gefühl bezüglich der Zusammenarbeit. So langsam werden wir auch strukturell eine richtige Schule!

 

Dienstag, 25.November 2008:

 

Die neueste Auswertung unserer Homepage wurde uns von Gerda Link übermittelt. Danach wurde unsere Seite im November von 2528 Besuchern angeklickt. Das setzt die stetige Steigerung fort: von den 671 im September über 2423 im Oktober. Von verschiedensten Seiten erhalten wir auch mündlich die Rückmeldung: tolle Seite, sehr informativ und bunt. Die bisher schönste Rückmeldung stammt von einer Kollegin der IGS Stromberg: "Bemerkenswert ist, dass überall fröhliche selbstbewusste Kinder zu sehen sind". Das macht Mut und gibt Kraft für die Weiterarbeit.

 

Mittwoch, 26. November 2008:

 

Während der letzten Monate gab es an der IGS immer wieder unzufriedene Rückmeldungen bezüglich des Mittagessens. Um eine Anlaufstelle für dieses Thema zu schaffen, gründete die IGS einen von Eltern gebildeten Essensausschuss. Um bei der Essenskritik nicht auf Einzelaussagen angewiesen zu sein, wurde eine Umfrage bei Eltern und Schülern durchführt. Die Ergebnisse von Seiten der IGS-Familien fielen zum überwiegenden Teil negativ aus. Da die Essensversorgung aber ganz in den Händen des Schulträgers liegt und drei Schulen (Grundschule Wachenheim und Regionale Schule in Wachenheim und Deidesheim) beteiligt sind, wurde zur weiteren Klärung ein gemeinsamer Gesprächstermin mit allen Betroffenen und der Firma Sander bei der VG Wachenheim vereinbart. Es stellte sich dabei heraus, dass die Kritik am Mittagessen hauptsächlich von Schülern und Eltern der IGS geübt wurde.Das Gespräch mündete in dem Ergebnis, dass Firma Sander zu einem noch zu vereinbarenden Termin das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern suchen wird, um die geäußerte Kritik konkretisieren zu können. "Eine Äußerung wie: 'Die Soßen schmecken nicht' hilft uns nicht weiter.", so der Vertreter der Firma Sander. Es wurde sogar angeboten, dass Schülerinnen und Schüler einmal selbst einen Speiseplan erstellen können, um die Problematik und die Hintergründe besser kennen zu lernen.

 

Mittwoch, 26. November 2008:

 

Um die 200 Eltern hatten sich in der Stadthalle in Wachenheim eingefunden, um zu erfahren, was eine Integrierte Gesamtschule im allgemeinen ist und welche Schwerpunkte sich die IGS Deidesheim/Wachenheim gesetzt hat. Zunächst stellte Schulleiter Georg Dumont anhand einer ausführlichen Präsentation das Konzept der IGS vor, Frau Morsch als Förderlehrerin erläuterte dann das Konzept der Schwerpunktschule. Im Anschluss daran war die Möglichkeit gegeben, in den vier Saalecken noch offene Fragen zu klären. Hierzu standen zusätzlich Frau Konstanze Straube (Lehhrerin der IGS) und Mitglieder des Schulelternbeirates zur Verfügung.

 

Mittwoch, 26. November 2008:

 

Während der letzten Monate gab es an der IGS immer wieder unzufriedene Rückmeldungen bezüglich des Mittagessens. Um eine Anlaufstelle für dieses Thema zu schaffen, gründete die IGS einen von Eltern gebildeten Essensausschuss. Um bei der Essenskritik nicht auf Einzelaussagen angewiesen zu sein, wurde eine Umfrage bei Eltern und Schülern durchführt. Die Ergebnisse von Seiten der IGS-Familien fielen zum überwiegenden Teil negativ aus. Da die Essensversorgung aber ganz in den Händen des Schulträgers liegt und drei Schulen (Grundschule Wachenheim und Regionale Schule in Wachenheim und Deidesheim) beteiligt sind, wurde zur weiteren Klärung ein gemeinsamer Gesprächstermin mit allen Betroffenen und der Firma Sander bei der VG Wachenheim vereinbart. Es stellte sich dabei heraus, dass die Kritik am Mittagessen hauptsächlich von Schülern und Eltern der IGS geübt wurde. Das Gespräch mündete in dem Ergebnis, dass Firma Sander zu einem noch zu vereinbarenden Termin das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern suchen wird, um die geäußerte Kritik konkretisieren zu können. "Eine Äußerung wie: 'Die Soßen schmecken nicht' hilft uns nicht weiter.", so der Vertreter der Firma Sander. Es wurde sogar angeboten, dass Schülerinnen und Schüler einmal selbst einen Speiseplan erstellen können, um die Problematik und die Hintergründe besser kennen zu lernen.

 

Freitag, 28. November 2008:

 

Am heutigen Morgen wurden zwei Schüler der IGS auf dem Weg vom Bahnhof Wachenheim zur Schule angehalten. Zwei Männer in einem dunklen Auto versuchten, die beiden ins Auto zu locken bzw. zu zerren. Geistesgegenwärtig rannte einer der Schüler weg, der andere klingelte bei einem, ihm durch Spielfreundschaften bekannten Familie. Die Schulleitung der IGS informierte sofort die Polizeiinspektion Bad Dürkheim über den Vorfall und bat zu den entsprechenden Zeiten um Polizeipräsenz am Bahnhof. Zusätzlich gelang es, Beamtinnen der Polizeiinspektion Neustadt zu gewinnen, die bereits am kommenden Montag und Mittwoch in jeweils zwei Klassen eine Einheit zur Prävention durchführen werden.

 

Freitag, 28. November 2008:

 

In der zweiten Stunden traf sich heute die KSV (Klassensprecherversammlung) mit Frau Paragliola, um über das Programm "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu sprechen. Das Kollegium der IGS würde es begrüßen, wenn sich unsere Schule daran beteiligen würde. In erster Linie muss das aber von Seiten der Schülerinnen und Schüler initiiert und getragen werden. Als ersten Schritt haben die Klassensprecher/innen nun die Aufgabe, sich eingehender über das Programm zu informieren und am kommenden Freitag darüber zu berichten.

 

Montag, 1. Dezember 2008:

 

Heute startete für zwei Klassen die Stunden die Einheit "Kinder stark machen" durch Frau Mayer (Polizei Neustadt). Zunächst wurde in Rollenspielen versucht, die Situation des Vermistwerdens zu verdeutlichen, in der zweiten Stunde wurde konkret durch eine Judotrainerin angeleitet gezeigt, wie sich Schülerinnen und Schüler bei Übergriffen von Erwachsenen wehren können.

 

Dienstag, 2. Dezember 2008:

 

Schulfrei für die Schülerinnen und Schüler, ganztägige Fortbildung für das Kollegium. Mit dem Halbjahreszeugnis im Januar wird es an der IGS erstmals eine verbale Beurteilung anstatt der Kopfnoten für Verhalten und Mitarbeit geben. Auch für eine Reihe von Lehrkräften wird dies die erste VB sein. Es galt daher an diesem Tag, sich mit Form, Inhalt und Entstehungsprozess vertraut zu machen. Des Weiteren wurden die Schwerpunkte für die erste VB im Team diskutiert und vereinbart. Als Teamschule ist es von großer Bedeutung, wie das Team der Lehrkräfte miteinander arbeitet, miteinander kommuniziert und sich selbst als funktionierendes Team versteht. Zwei Schulentwicklungsmoderatoren des IfB Boppard arbeiteten am Nachmittag mit dem Jahrgangsteam 5 an diesem Prozess. In abwechselnden Gruppenarbeits- und Plenumsphasen reflektierten die 12 Lehrkräfte Arbeit, Beziehung und Umgang in dieser Gruppe, getreu dem Motto: Die Arbeit in einer Teamschule ist nur so gut, wie sich das, und später die Teams als solche wahrnehmen. Auch von daher gesehen war dieser Studientag für die Schulentwicklung der IGS Deidesheim/Wachenheim ein wichtiger und tief greifender Baustein.

 

Mittwoch, 3. Dezember 2008:

 

"Wieso haben wir kein Deutsch? Sie sind doch da?". Freilich, aber der Schulleiter musste sich heute Gästen der IGS widmen. Rund 20 Ratsmitglieder aus den Verbandsgemeinden Hillesheim und Oberkyll (Eifel) wollten sich speziell in der IGS Deidesheim/Wachenheim über die Planung, Errichtung und Organisation einer IGS mit Doppelstandort informieren. In beiden VGs ist die Gründung einer IGS beschlossene Sache, aber wie geht es jetzt weiter? Was ist in der Planung wichtig? Wie kann man Klippen umfahren? Was kann, was muss die Politik bei der Gründung beachten? Welche Schwerpunkte hat sich unsere IGS gesetzt? Wie organisieren wir den Doppelstandort? Solche und viele weitere Fragen wurden in dem über zweistündigen Gespräch gestellt und von Verbandsbürgermeisterin Marion Magin und Schulleiter Georg Dumont aus ihrer jeweiligen Erfahrung beantwortet. Die Abschiedsworte machten deutlich, dass es gelungen ist, den Gästen weiter Mut zu machen, denn viele Fragen seien ermunternd beantwortet worden. Das waren doch vier Vertretungsstunden in Deutsch wert, oder?

 

Freitag, 5. Dezember 2008:

 

Vor dem Unterricht stand auf dem Pult der 5a ein großer Teller mit Äpfeln, Mandarinen und Süßigkeiten, später erreichte uns auch noch ein Paket mit Nürnberger Lebkuchen. Offensichtlich ist die IGS Deidesheim/Wachenheim im himmlischen Adressbuch verzeichnet

 

Dienstag, 9. Dezember 2008:

 

Zum zweiten Halbjahr wird sich unser Nachmittagsbereich verändern, einige Kurse fallen weg, andere kommen dazu. Nachdem wir die Möglichkeit von Musik unter Dach und Fach bringen konnten, meldete sich heute ein "pensionierter Handwerks-Alleskönner", er wird im zweiten Halbjahr eine AG "Modelleisenbahn" im Modulbau anbieten. Toll! Samstag, 6.12.2008 Bereits gestern wurde unser Film "BRD/DDR - Die Trennung ist überwunden" im Offenen Kanal Neustadt ausgestrahlt, aber er wirkt nach- 78 Minuten IGS im Fernsehen, das kann sich sehen lassen. Viele der Eindrücke des Eventtages wurden nochmals vor Augen geführt, Gefühle wurden erneut spürbar und das Bewusstsein gestärkt: Der Tag war eine runde und gelungene Sache. Dank auch an das ZDF, das uns die Originalausschnitte aus einer logo-Nachrichtensendung zur Verfügung stellte. Der Anfang für weitere Filmideen ist gemacht...

 

Donnerstag, 11. Dezember 2008:

 

Bei der Versammlung des Jahrgangs, die sich donnerstags um 8 Uhr zu Beginn der Religions- und Ethikstunden eingespielt hat, konnten wir heute die Stille "spüren". Weil es in der letzten Woche so unruhig war, hatte Pfarrer Storck die Idee, zunächst alle vor dem Filmsaal in Ruhe aufstellen zu lassen und dann still, nur beim Kerzenschein des Adventskranzes, einzuziehen. Direkt anschließend erklang: "Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet die zweite Kerze brennt...". Tolle und atmosphärisch dichte Minuten!

Der Tag setzte noch eins drauf: Innerhalb des Projektes Umgang mit anderen besuchten uns Bewohner des Seniorenheims in Wachenheim. Schön zu sehen, wie bewegt die Menschen waren, nocheinmal die Schulbank drücken und das Gespräch zwischen den Generationen erleben zu können. In der Klasse 5b dann ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Man kennt aus manchen Büchern und Filmen Menschen, die während der Nazi-Diktatur selbstlos und unter großer Gefahr jüdische Mitbürger versteckt und damit gerettet haben. Mit Frau Pfau war heute nun eine Zeitzeugin bei uns an der Schule, die mit ihrem, inzwischen verstorbenen Mann, gegen Ende des Krieges jüdische Familien aus Bad Dürkheim in einem Gartenhaus im Wald versteckt hatten. Selbst für mich als gestandenen Mann war diese Begegnung einzigartig, Geschichte lebte auf einmal auf, weil sich ein Faden, der lange vor meiner Geburt gezwirnt wurde, nun direkt bis ins Heute hineinzog. Durch den bewundernden Händedruck mit Frau Pfau hat die Geschichte mir die Hand gegeben. Spätestens jetzt, so erlebte ich die Anwesenheit dieser Heldin, ist der Anspruch, Jugendliche vor solchem Irrwitz zu warnen, als Auftrag und Verpflichtung angekommen.

Da die Einträge immer persönlicher werden, habe ich heute die Rubrik "Aktuelles" in "Schulleiters Tagebuch" umbenannt.

 

Samstag, 13. Dezember 2008:

 

Der Tag der offenen Tür wurde mit Spannung erwartet, ist er doch eine erste Abstimmung mit den Füßen, was die Akzeptanz unserer Schule anbelangt. Eine Reihe von mündlichen Hinweisen über die IGS als eine gute Schule waren bei uns eingegangen, nun also konnten wir live erleben, wie das Interesse sich gestaltet. Und es war überwältigend. Nimmt man die Zahl der ausgelegten Programme zum Maßstab, waren weit über 300 Menschen da und haben sich von unserer Schule einen Eindruck verschafft. In allen Gesprächen und Äußerungen wurde die Schule, ihr Konzept und das Engagement aller gelobt bis überschwänglich als "einzig mögliche Schule für unser Kind" gerühmt. Ein weiterer Hinweis, dass der Start gelungen ist und sich die neue IGS gut im Rennen hält. Allen aus der Schulgemeinschaft, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräften, Eltern (ganz gleich ob als Spender, im SEB oder im Verein der Freunde und Förderer) ein herzliches und anerkennendes Lob und Dankeschön! Ohne den Einsatz jedes einzelnen wäre dieser Tag nicht das geworden, was er war.

 

Montag, 15. Dezember 2008:

 

Im Schulhaus wurden die letzten Spuren des Tages der offenen Tür aufgeräumt, Nachlese in einer Reihe von Gesprächen machen deutlich: In den Köpfen ist der Tag nicht so schnell wegzuräumen. Eine Aussage bleibt bei mir besonders hängen: "Viele Eltern fragten nicht nach dem Konzept, das kannten sie von anderer Stelle. Lediglich die Frage: Wie bekomme ich unser Kind an diese Schule war bestimmend." Da wird uns eine mächtige Anmelderunde ins Haus stehen.

Im Teamraum hängen viele Weihnachtsgrüße von befreundeten Schulen oder unterstützenden Institutionen. Heute gingen nun unsere 30 Grüße auf die Post als Karte mit einer Glasmalerei aus Frank Laskas Promotionsarbeit. Der Text soll auch unsere Schulgemeinschaft anregen und sei daher hier angefügt: "Vielleicht liegt das Geheimnis von Weihnachten in der ubiquitären Sehnsucht, dass eben nicht innerer oder äußerer Reichtum über den Wert eines Menschen entscheidet. Mit dieser Hoffnung wünscht die Schulgemeinschaft ein vor allem besinnliches Weihnachtsfest und dankt allen, die zum bisherigen Gelingen unserer Schule beigetragen haben."

In der 5./6. Stunde dann ein Gespräch mit Catering Sander, der für das Mittagessen zuständig ist. Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, ihre Kritik und ihre Wünsche zu äußern. Es stellte sich heraus, dass es natürlich eine unlösbare Absicht wäre, es allen recht zu machen. "Das Chili war zu scharf gewürzt", so die Essgewohnheiten des einen, "Nein, nein. Es hätte noch schärfer sein können", so ein anderer. Alle Anwesenden konnten auch auf Menus verweisen , die gut geschmeckt hatten. Diese wurden notiert und sollen nun öfter im Plan auftauchen. Zusätzliche Salz- und Pfefferstreuer sollen individuelle Würzwünsche ermöglichen, es wird auch mal Pizza-Salami geben. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass mit diesem Gespräch mehr Ruhe in die Essendiskussionen einkehren kann.

Und noch nicht genug: Am Abend war das Kollegium der IGS beim fast schon traditionellen Adventskochen und -essen der Regionalen Schule eingeladen. Neben den vorzüglichen Gaumenfreuden sättigte mich die Einsicht: Immer da, wo Menschen zusammen kommen, miteinander reden und gemeinsam essen, geschieht Annäherung, ereignet sich ein Miteinander, verschwindet Trennendes. Vielen Dank dafür, wir sind auf dem richtigen Weg!

 

Donnerstag, 18. Dezember 2008:

 

Die vier Klassen besuchten heute gemeinsam das Bürgerspital in Wachenheim, um innerhalb des Projekts Umgang mit anderen für jede Station eine kleine weihnachtliche Feier zu gestalten. Jede Klasse hatte dazu musikalische Beiträge eingeübt und Gedichttexte vorbereitet. War die Atmosphäre schon allein dadurch prickelnd, wurde sie rührend, als Tamara auf der blauen Station das Lied Alle Jahre wieder auf ihrer Blockflöte spielte. Nach kurzer Zeit hörten wir eine Bewohnerin mitsummen, dann eine zweite, eine dritte sang die Strophe leise mit, die Schülerinnen und Schüler stimmten mit ein und bei der dritten Strophe sangen alle mit - ungeplant, ungeprobt, aus dem Moment heraus entstanden. Einen besseren Hinweis darauf, dass der Besuch erfolgreich war, kann es nicht geben.

In unserem pädagogischen Konzept steht die Absicht, dass die IGS die regionalen Gegebenheiten durch Öffnung von Schule in die Kommune hinein nutzen will. Betrachten wir nun die ersten vier Monate, so haben die Integrationstage Wachenheim und Deidesheim einbezogen, der Sportunterricht hat im Sommer im benachbarten Freibad stattgefunden, für den Eröffnungsgottesdienst nutzen wir die katholische Kirche nebenan, im Projekt Umgang mit anderen arbeiteten wir mit dem Seniorenspital Wachenheim zusammen, der Eventtag zum Mauerfall führte kommunale Politiker in die Schule, ein Film über den Tag wurde im Offenen Kanal Neustadt erarbeitet und gesendet, einzelne AGs waren schon bei verschiedenen Weingütern und auf dem Hundesportplatz, der Museumstag führte nach Mannheim und Speyer, der Wandertag in den Kurpfalzpark, die Villa rustica, ...Chapeau, Kollegium!

 

Freitag, 19. Dezember 2008:

 

Letzter Schultag, erste Weihnachtsferien der IGS Deidesheim/Wachenheim. So kenne ich diesen Tag: Bei manchen Durststrecken und manchem Zweifel, dem einen oder anderen Konflikt - dieser Tag ist auch für Lehrkräfte ein Tag der kleinen Ernte. Der Tisch im Teamraum füllt sich nach der Rückkehr der Tutoren aus ihren Klassen mit Geschenken und anerkennenden Weihnachtsgrüßen. Es ist unterm Strich, am Ende eines Jahres eben doch nicht so, dass die Arbeit der Lehrer/innen, die es ja so als Gruppe eh nicht gibt, nicht wertgeschätzt wird. Neu ist für mich die Erfahrung, als Schulleiter und somit Nicht-Tutor, ein Stück daneben zu stehen. Auch ich habe dankende Geschenke erhalten, das ist es nicht. Was fehlt ist die Feier, die Stimmung, die Aufregung, die Anspannung in (m)einer Klasse in der letzten Stunde vor Weihnachten. Gerade an diesem Schnittpunkt des Jahres empfand ich immer die größte Nähe zu den Schülerinnen und Schülern. Ich gehe aus dem fast leeren Gebäude Richtung Parkplatz, ein wohliges Gefühl im Bauch: Wir haben viel geschafft während dieser ersten Monate. Dankbarkeit und Lust auf Ruhe erfüllen mich auf dem Nachhauseweg.

 

Montag, 22. Dezember 2008:

 

Am Schreibtisch in der Schule sitzend, genieße ich die Stille und die Ruhe, die das Gebäude heute ausstrahlt. Kein Lärm, keine hektischen Aktivitäten, keine Geräusche, nachhaltig an einer Aufgabe verweilen können - so ist das eben während der Ferien - auf der anderen Seite ist dies gerade ein Manko. Kinderlärm und ihr Lachen ist Leben, auch Kindergeschrei mindert das nicht - Schule ist daher heute auch ein leeres Gehäuse, Stein ohne Leben. Gleichwohl lerne ich hier Leben, denn zu ihm gehört unbedingt die Stille, die wir im Schulalltag so oft entbehren, auch die Kinder bekommen das viel zu selten mit. Von Blaise Pascal nenne ich gerne den Gedanken, "dass das ganze Unglück der Menschen aus einer einzigen Ursache kommt: nicht ruhig und allein in einem Zimmer bleiben zu können." Kaum können wir der Macht standhalten, die uns mit immer neuen und schier unendlich scheinenden Möglichkeiten verlocken will, Zeit zu zerstreuen als hätten wir beliebig davon zur Verfügung, als könnten wir den Streuer immer wieder auffüllen. Not tut hingegen nicht Zeitvertreib sondern so etwas wie Zeitverdichtung, Zeitsammlung, Zeitnutzung, Zeitehrung.