Diese Seite drucken

Nov bis Dez 11

Donnerstag, 22. Dezember 2011:

Ein leeres und stilles Schulgebäude hier. Ungestört kann ich meine Weihnachtspost fertig machen. Seit einigen Wochen trage ich Zeilen von Rilke mit mir herum, auch Formulierungen für eine inhaltliche Verbindung zu Weihnachten sind längst fertig im Kopf. Heute habe ich Raum, um alles "rauszulassen" und zu versenden. Einige für die Schule Arbeitende erhalten sie als Mail, ans Kollegium versende ich sie in Papierform per Post. Das muss sein, auch wenn es jährlich mehr werden. So wünsche auch allen, die diese Zeilen lesen oder auch nicht lesen eine vor allem besinnliche Weihnachtszeit. Bisher nichts Neues aus Trier.


Mittwoch, 21. Dezember 2011:

Einer der wenigen Tage, an denen ich direkt von zu Hause nach Deidesheim fuhr. Zum Jahresschluss war dort ein Assembly für 7/8 geplant. Die Vorbereitungsgruppe hatte einiges auf dem Programm, sogar Weihnachten und Einbeziehung des Plenums waren dabei. Es ist schon eine bewundernswerte Sache: Wo andere über Pubertät und Disziplinschwierigkeiten gerade in diesen Jahrgängen reden, schaffen es bei uns die Kids ein Assembly selbstständig vorzubereiten und durchzuführen. Vom Lokalen Aktionsplan gegen rechts wurde den Courage-Scouts gedankt und diese auch allen vorgestellt. Auch hier vernehme ich freudig (und stolz), dass die Ausbildung dazu an unserer Schule eine besondere war. Die Scouts hatten auch schon einen ersten Einsatz: Auf dem Schulgelände waren Dutzende Aufkleber mit rechtem Inhalt geklebt worden. Mit Mitschülern entfernt, nach Mainz weitergemeldet und dadurch alle sensibel gemacht, dass dieser Dreck keine weitere Verbreitung findet. Ja, das war zum Jahresschluss nochmal ein sehr schönes Erlebnis, da macht das Schulleiter sein doch einfach Spaß. Das meldete ich der Versammlung, hoffentlich deutlich, zurück. Und wieder meine Oma im Hinterkopf: "Bäume wachsen nicht in den Himmel". Auf den Computern in der Bibliothek wurden pornografische Seiten aufgerufen (Wieso geht denn das überghaupt?). Gleich in den Ferien Abhilfe durch Sperren schaffen. Durch den letztjährigen Einbruch mussten neue Geräte angeschafft werden, so dass die "alten Sperren" nicht mehr wirkten. Und - eigentlich wollte ich schon auf dem Weg nach Wachenheim sein - ein Anruf aus Trier. Vertragsprobleme. Wenn die nicht gelöst werden, fehlen uns ab Januar 17 Stunden. Unnötige Hektik zum Jahresende und Arbeit für die Ferien.


Dienstag, 20. Dezember 2011:

Ein Tag, der die Ferien schon irgendwie einleitete. Nach meinen beide Musikstunden fand ein Interview-Gespräch mit Schülerinnen und Schülern zu den YA statt. Besonders die Aussagen von Schülerseite waren der Autorin wichtig. Es war beeindruckend, wie die Kinder ihre Sicht des Workshops darlegten, selbstbewusst, redegewandt und feinfühlig. Wenn dies in dem Artikel "rüberkommt", wäre das eine prima Werbung für die YA. Ganz besonders freuten mich die lobenden Worte über unsere Schule: "Auf den Fluren erkennt man beim Reinkommen die Atmosphäre einer Schule - und die stimmt bei euch."

Am Nachmittag dann eine Dienstbesprechung zum Jahresschluss, mehr der Atmosphäre geschuldet als wichtigen Informationen. Gleichzeitig auch die Verabschiedung unserer Schulsozialarbeiterin in den Mutterschutz und die Vorstellung der neuen. Diesen glücklichen Umstand, dass bei der Verabschiedung bereits eine Nachfolgerin dabei ist, habe ich bisher noch nie erlebt. Guten Start auch von hier aus!


Montag, 19. Dezember 2011:

So könnte, so sollte es immer sein: ein ungeplanter Aufenthalt im Teamraum in Deidesheim ergab ein gutes und notwendiges Gespräch - ungeplant, einfach weil ich da war. Dabei konnten wir gleich auch Bedürfnisse und Erwartungen klären. Eigentlich ein völlig normaler Vorgang, aber in einer Schule an zwei Standorten verzögert und zu selten möglich. Manchmal habe ich die Vorstellung eines großen Netzes quer durch Forst, in welchem viele unserer Informationen, ein gerüttelt Maß an Zeit und eine gute Portion Atmosphäre hängen geblieben sind. Was dagegen tun, wo ich doch subjektiv den Eindruck habe, an beiden Standorten verwurzelt zu sein? Vielleicht ist es an der Zeit, für jedes Team eine Anwesenheitspause einzurichten. Aber wo soll ich diese abknapsen? Ich will mir aber darüber Gedanken machen.


Freitag, 16. Dezember 2011:

Stellte der Nahverkehr nicht etwa vor einem Jahr den Dienst wegen Schneefall ein? Heute war es der Sturm, der kommen sollte. Gegen halbelf machte es die Runde: Züge und Busse fahren nicht mehr, die Strecke Kaiserslautern-Neustadt sei schon wegen entwurzelter Bäume gesperrt. Also hieß das für uns: 441 Schülerinnen und Schüler iregndwie heimschaffen lassen. Klassenräume sahen aus wie Telefonzentralen, viele Kids hatten das Handy am Ohr, um den eigenen Nachhauseweg oder gar Fahrgemainschaften zu organisieren. Letzte Meldung an mich war: Alle Schülerinnen und Schüler kommen nach Haus!

Für das "Rockin Chrischtkinnelfeschd" öffneten wir den Schulhof als Parkplatz, der Deidesheimer Weihnachtsmarkt belegt eh schon alle Plätze bis zur Schule, ließ ich mir sagen. Unsere Parkplatzwächter sollten nur die schulnahen Besucher auf den Hof lassen. Also besorgte ich noch beim Bauhof, ja wie heißen die? Schutzwesten mit Leuchtstreifen zur Sicherheit. Das war aber nur mein Anteil und die Vorbereitung. Was in der Mensa dann ablief war einfach nur entzückend und nicht nur wegen der Erstmaligkeit einmalig. Die DS-Gruppe mit ihrem Stück "Schneegestöber" machte klar: DS ist keine Theater-AG! Was da an Pointensicherheit, Kreativität und Genauigkeit der Bewegungen über die Bühne ging, beeindruckte nicht nur mich. Auch dem selbstverfassten Stück: "Panik an Woinachde" der Pfälzisch AG konnte ich ertsmals beiwohnen. Am Tag der offenen Tür fand ich wegen Gesprächsbedarf nicht den Weg zu einer der Aufführungen. Wie bewegend ist es doch immer wieder,  die Kids einmal in anderen Zusammenhängen ganz neu zu erleben: pfiffig, ideenreich, lustig und mit Spaß und Stolz bei der Sache. Auch die Stompgruppe, die wegen Krankheit der Lehrkraft ganz auf sich allein gestellt war, klasse! Und erst die Band! Was ist aus den zarten Tönen des Anfangs für ein Rock und ein Groove (?) entstanden. Die Eltern, alle irgendwie Woodstock erinnernd, wie sie sich da rhythmisch schwankend und klatschend einfügten, eine tolle Stimmung! Der Besuch war etwas dünn, vielleicht hat der (dann doch ausgebliebene) Sturm etwas abgeschreckt. Aber alle waren sich sicher: Das war ein Anfang und sollte Tradition werden. Alla hopp dann!

 

Donnerstag, 15. Dezember 2011:

Ein schöner, ja man kann sagen Brauch, fand heute wieder seinen Weg in die Realität: vorweihnachtliches Gespräch in der Verbandsgemeinde Wachenheim. Gleichwohl nur noch Sitzgemeinde, nicht mehr Träger, ich werde noch immer zum Kaffee geladen, um dies und das zu besprechen, jenes auszutauschen, kenne ich die Räumlichkeiten und Personen noch aus den ersten Jahren als Träger mit stetes offenen Ohren für die IGS, einfach schön.

Im Assembly heute Morgen wieder Stolz auf unsere Schülerschaft: Ganz ohne Mitwirkung will die SV in Wachenheim, also Fünft- und Sechstklässler (!), den/die Schüler/in des Monats wieder beleben, nachdem er/sie fast in Vergessenheit geraten, zumindest aber zeitweise eingeschlafen  war. Und wieder steht ein Schulleiter daneben, der staunt, mit welcher Souverenität die Kinder vor versammelten Jahrgängen ins Mikrofon reden und Dinge organisieren, erklären, vorstellen. Klasse!

Bisher zwei Nachträge zu den diesjährigen SELG. Wenn ein Kind weinend den Raum verlässt und eine Mutter am Tag danach noch im Büro weint angesichts des Gesprächsverlaufs, dann ist die Grundlage und die Absicht völlig ins Gegensteil verkehrt worden. Heißt für mich: Nacharbeiten! Auf der anderen Seite die Aussage eines Kollegen: "Das SELG war für mich der pädagogisch dichteste Moment im bisherigen Schuljahr." So ist es gedacht, so soll es sein. Danke allen, die dieses Ziel zu erreichen versuchten.

Auch schön und zum wiederholten Male stattgefunden: Das Weihnachtskochen und -essen der beiden Kollegien. Da es aber der wiederholte Abendtermin war, musste ich absagen und mich als Kindsbetreuer betätigen. Sorry und hoffentlich hat es dennoch geschmeckt!


Mittwoch, 14. Dezember 2011:

So, heute gehts richtig rund mit den SELG - die Schülerschaft arbeitet zu Hause und hier in der Schule brummt es. Auf den Fluren sind immer Eltern und Kinder zu sehen, die auf ihren Gesprächstermin warten. Ansonsten unübliche Ruhe im Haus. Im fünften Jahrgang habe ich eine Mutter mit Tochter angesprochen. Ja, aufgeregt seien sie schon, es ist ja das erste Mal und sie wüssten ja nicht, was sie da erwartet. Ich hoffe, so entgegenete ich, dass ihr entspannt und erfüllt aus dem Gespräch herauskommt. Dazu ist es ja schließlich da!

Im Büro wollte ich natürlich viel "wegschaffen", aber das Telefon ließ es nicht zu. Immer wieder rufen schon Eltern an, die ihre Aufnahmemöglichkeiten mit mir persönlich besprechen wollen. Und wieder kündigen sich so viele einzelne Schicksale an, bei dene ich Eltern und Kindern gerne helfen würde. Aber das Aufnahmeverfahren wird wieder unerbittlich sein. Genauso klar werden wir es durchführen müssen wie in den letzten Jahren, wo doch die Neigung, die Angelegenheiten der Schulaufnahme zum Rechtsanwalt zu tragen, zunimmt. Als Pädagoge aus Leidenschaft steht mir da keine schöne Zeit bevor. Ich werde versuchen, sie professionell anzugehen, immerhin ist es ja schon "mein" viertes Aufnahmeverfahren, das wird wieder anstrengend, aber es wird schon.


Dienstag, 13. Dezember 2011:

Heute Nachmittag beginnen flächendeckend die SELG, den GTS-Betrieb wollten wir nicht noch einmal absagen, so dass eine gewisse Raum,not entstanden ist oder sagen wir besser: eine optimale Raumnutzung. Ich wünsche allen Beteiligtern nur das Beste und gute Gespräche auf AUgenhöhe.


Freitag, 09. Dezember 2011:

Die ganze Zeit stelle ich mir die Frage: Weshalb sind wir da nicht eher drauf gekommen? Im Rahmen von SchLuL befasste sich das erste Fortbildungsmodul mit dem Thema: Schülerpartizipation. Hoch angesiedelt, wollten wir diese darin umsetzen, dass das Assembly weiterentwickelt wird, vielleicht zu einem Schülerparlament. Das in Deidesheim wird ja schon weitgehend von siebener/achter Schülerinnen und Schülern vorbereitet und durchgeführt. Seit einiger Zeit stand bei einer Gruppe der SV das Thema Toiletten in Wachenheim im Vordergrund. Bis diese endlich richtig renoviert werden, haben sie Ideen gesammelt, wie diese geruchsreichen Räume verbessert werden können. Die Gruppe wandte sich an den Kreis als Schulträger, lud die zuständige Architektin zu einem Besuch ein und lobte nun einen Wettbewerb aus (der im Assembly vorgestellt wurde). Und nun erlebe ich heute, wie wiederum eine Gruppe sich dem Ganztag angenommen hat. Die Mensa und das miteinander Essen soll gemütlicher werden. Erster Schritt: Das U der Tische zugunsten von Tischgruppen familiärer gestalten. Diese wuden nun geschmückt: In BK wurden Vasen in Serviettentechnik gestaltet, Tannenzweige rein, ein paar Anhänger kommen noch dran, Tischdecken wird es geben...alles kleine Dinge mit großer Wirkung, von Schülerinnen und Schülern erdacht! Und damit noch nicht Schluss: Gefragt, was wünscht ihr euch für den Ablauf des Ganztages? Und schon wieder sprudeln die Ideen und Einfälle, die zum Teil einfach zu realisieren sind. Welch ein Glück, das miterleben zu können, welch eine Bereicherung, wenn die Schülerschaft so einbezogen wird. Und nochmal: Weshalb hatten wir diese Idee nicht früher und nicht selbst? Weil wir eben doch schon zu festgefahren sind in unseren Köpfen? Danke an dieses Kreativzentrum!

Da geht eine Woche zu Ende, die es mal wieder in sich hatte: Beginnen wir am erfolgreichen Tag der offenen Tür, weiter mit der gemeinsamen Teamsitzung in Wachenheim mit den Vereinbarungen über die Wochenplanarbeit und deren Erweiterung in den Vormittag hinein, die beiden Gespräche mit der ADD und dem Kreis mit Wirkungen für die Zukunft und dann die drei großen Bereiche, die die Schülerinnen und Schüler voranbringen...Mann, ist das ein Tempo, Mann, ist das toll und Frau, macht das Spaß. Das hält gedanklich jung, das bringt uns voran und das alles hält die Konzeptententwicklung am Köcheln. Nein, damit werden wir (hoffentlich) nie fertig.

Und heute Abend erhalte ich noch eine Mail, dass ein Artikel über die YA in der landesweiten Zeitung des Landeselternbeirates erscheinen soll. Die wird mehrfach an allen Schulen des Landes gelesen. Das wird hoffentlich dazu beitragen, die YA in die Fläche von Rheinland-Pfalz zu bringen und möglichst vielen Kids diese Erfahrungen ermöglichen. Eine fruchtbare Woche!!


Donnerstag, 08. Dezember 2011:

"Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet die zweite Kerze brennt!" Wie schön, dass dieses Strukturelement auch unser Assembly begleitet, meine Finger erinnern sich wohl im Schlaf an die Griffe auf den Saiten, der Text ist eingebrannt und jederzeit abrufbar. Um so schöner, wenn um die zweihundert Kinder darin einstimmen. Wie ist mir diese Stunde der Gemeinsamkeit am Donnerstagmorgen ans Herz gewachsen! Äußerlich lediglich eine Versammlung, nach innen, sowohl bei mir als auch in dir Schule ist es ein nicht wegzudenkendes, festes Element geworden.

Am Nachmittag noch ein Gespräch in großer Runde mit Jugend- und Sozialamt, der neuen Schulsozialarbeiterin über die kommende Arbeit mit erhöhter Stundenzahl und neuen Strukturen. Das wird nochmal hochinteressant, da wird einiges möglich.


Mittwoch, 07. Dezember 2011:

Premiere! Ich nahm an diesem Mittwoch, an dem ich keine Gespräche liegen und keinen Unterricht hatte, meinen Dienst am anderen Ort wahr, nämlich zu Hause. Ich stellte das Einvernehmen mit dem Schulleiter her und wurde mit ihm einig: Wenn man dienstliche Beurteilungen verfassen muss, bei denen ich am Stück Formulierungen und einfühlsam treffende Worte benötige, kann nicht das Telefon dauernd unterbrechen, das Klopfen an der Tür, die Post oder ein fehlendes Buch sich in den Vordergrund schieben. In solchen schulischen Büro-Hamsterrädern ist noch kein guter Text entstanden. Immerhin ist die auszuführende Vorlage ja sechs Seiten lang! Es hat in der Ruhe auch geklappt und gegen 11.30 Uhr konnte ich die fertige Beurteilung in Deidesheim kopieren, nochmal ein anderer Ort für den Dienst.

Gestern fand in Wachenheim eine gemeinsame Teamsitzung zum Thema Wochenplanarbeit statt. Wir hatten dieses Thema immer mal wieder auf Wiedervorlage, da eine Nachfrage "ohne Boden" beantwortet und dort mal eine Regelung zugelassen. Wenn wir jetzt zu einer Absprache in Wachenheim kommen, die dann weiter nach Deidesheim sich streckt, wäre das ein Riesenschritt  hin zum individualisierten Arbeiten, die Ideen dazu sprießen, erste Vereinbarungen sind getroffen - also ein gutes Stück Konzeptentwicklung, die mich jubeln lässt. Allen Ideengebern und Anstoßern ein gehöriges Lob und ein dickes Danke!

Ich halte mich mit Internem ja bei diesen Notizen sehr zurück, keine Namen, nichts, was direkt zuzuordnen wäre usw., aber gestern las ich ein Schild, das ich hier wedergeben will. Es ist einfach zu schön! Untereinander sind die Bezeichnungen der Teams wohl mit Vor- und Zuname zu lang, so dass sich lieb gemeinte Abkürzungen eingespielt haben. Es ist nicht die Rede vom Team Trixi Traube, sondern sie sind die Trixis. Die Konrads gibt es nicht, vielleicht ist der Begriff mit dem salischen Kaiser zu belegt oder die S-Endung nach dem dem D läuft nicht gut über die Lippen, so dass sich der Begriff Korken durchgesetzt hat, Susi Saumagen ist eh der längste, also bezeichnen wir Mitglieder dieses Teams als die Susis, Gustav Grumbeer ist wohl noch zu jung um eine Abkürzung zum Durchbruch verholfen zu haben. Gängig spielen sich aber die Grumbeeren langsam ein. Ist das nicht schön? Eigentlich wurde die Idee der Jahrgangsnamen ja für die Schülerinnen und Schüler geboren als kleiner Heimatbereich, als Identifikationsmöglichkeit, als ein zusätzliches Zuhause und nun fühlen sich auch die Lehrkräfte in und mit ihnen beheimatet und zugehörig und das noch in der liebevollen Koseform. Planen, vorhaben oder lenken lässt sich so etwas nicht, es entsteht einfach in und um uns, ist dann da und drückt ein Wohlgefühl und eine gute Atmosphäre aus. Das war jetzt aber nur die Einleitung für das erwähnte wunderbare Schild. Im gesamten schulischen Raum und überall dort, wo mit Moderationsformen gearbeitet wird, sind die rot umrandeten "Wölkchen" bekannt, die oft als Überschrift auf Pinnwänden ganz oben ein Thema angeben. Ein solches sah ich gestern im Vorbeigehen in einem Teamraum, an einem Stab befestigt, nicht zu übersehen, in die Höhe ragend. Es trug folgende Aufschrift: "Liebe Susis! Fröhlichen Nikolaus! Jeden Tag, wenn ich ins Teamzimmer komme und euch sehe, scheint für mich die Sonne!" IGS im Team-Kleingruppen-Modell - ein Traum! Bindung vor Bildung! Mensch vor Inhalt! Kein Kopf ohne Herz!


Montag, 05. Dezember 2011:

Nachwehen zum Tag der offenen Tür, da ist dies noch wegzuräumen, dort nochmal eine Stellwand an den Ursprungsort zu schieben, hier eine Kaffeetasse zu verstauen und: Wem immer ich begegne: DANKE zu sagen. In "meiner" Fünfer-Klasse fragte ich heute die Schülerinnen und Schüler, wie sie den Tag erlebt hatten. Da kamen schon Aussagen, sie hätten sich zum Teil gefühlt wie im Zoo, auch für das Remmidemmi hatten sie wenig Verständnis. Ich versuchte ihnen zu vermitteln, wie wichtig dieser Tag für die Schule ist, wie oft Eltern gerade den Eindruck von diesem Besuch schildern, der die Entscheidung zur Anmeldung letztendlich dingfest gemacht habe. Und ich konnte es nicht lassen: "An Aschermittwoch, wenn bei allen der Wecker klingelt, werdet ihr euch an den Samstag gerne erinnern."

Persönlich war ein schöner Gesprächstermin bei der Schulaufsicht aber weitaus gewichtiger. Es ging schon um Personalplanung für das neue Schulajahr. In drei/vier Fällen kamen wir schon einen Schritt weiter. Es tut einfach gut, unabhängig von den Inhalten, gegenseitige Wertschätzung zu verspüren, die Gespräche in eine angenehme Atmosphäre schieben. So war ich auch motiviert, in einer Behörde, die kaum Publikumsverkehr erlebt, kleine Schoko-Nikoläuse auf allen mir bekannten Tastaturen abzulegen, natürlich heimlich, während der Mittagspause. So also begann die Woche, ein guter Anfang.


Samstag, 03. Dezember 2012:

Der vierte Tag der offenen Tür mit meiner Beteiligung. Da lief schon so viel ohne mich, dass es eine Freude war. Die Grundstruktur behielten wir bei, aber keiner der Tage war wie der vorige, so auch dieser nicht. Erst einmal: Herzlichen Dank an alle, die einen Samstag für die Schule einbringen. Immer wieder bin ich stolz auf euch alle! Ganz viele Einzelheiten, für die ich zu Beginn der IGS DeiWa verantwortlich war, liefen ohne mich und fanden, vielleicht sogar besser, statt. Und also war er für mich nicht mehr nur anstrengend, sondern konnte mich auch genüsslich über die vielen positiven Rückmeldungen freuen. Neu waren drei Empfehlungen von Therapeuten (!) außerhalb (!) des Landkreises, die unsere Schule unbedingt den Eltern empfahlen. Wie bitte kommt das zustande? Will sagen: Wir ziehen Kreise, die ich nicht zu denken wage, erstaunt bleibe ich zurück.

Und doch habe ich nun am Abend schon neue Ideen für nächstes Jahr, muss mir nur rechtzeitig die Zeit nehmen, sie umzusetzen. Nicht unbedingt für diese Zielgruppe veranstaltet, aber in drei Fällen vorhanden: KollegInnen, die an einer Versetzung zu uns Interesse haben, schauten sich die Schule "im Original" an und suchten das Gespräch mit mir. Noch ein irrer Aspekt! Ja und dann die vielen und mich schier nicht loslassen wollenden Eltern mit vielen Fragen, mit Interesse an einem Gespräch mit dem Schulleiter und "Ach, wenn ich Sie gerade hier sehe...." oder "Eine Frage habe ich noch an Sie". Die Vielzahl verdrängt die Einzelheiten, umso wichtiger wird die authentische Präsenz im Augenblick. Insgesamt, zumindest an der überzähligen Zahl der Programmhefte abgelesen, waren es weniger Besucher als im letzten Jahr, aber was heißt das schon. So wird auch die neue Anmelderunde spannend.

Und, ach ja, in Deidesheim war ja auch komplett Unterricht mit einer Berufsbörse. Wieder habe ich nichts davon mitbekommen. Rückmeldungen verkündeten Positives. Na, dann gehe ich halt wieder mal "einbeinig" ins Wochenende, nochmals mit großem Dank im Herzen an alle, die diesen 3.12. so erfolgreich gestaltet haben.


Donnerstag, 01. Dezember 2011:

Welch ein Assembly! Thema war klar: Adventszeit, eingeleitet mit dem Lied: Wir sagen euich an den lieben Advent. Seit 30 Jahren begleitet mich dieses Lied zu dieser Jahreszeit. Schon bei den Frühschichten (ich habe darüber früher schon mal geschrieben) stand es immer auf dem Programm und mit einer brennenden Kerze werde ich dabei fast etwas sentimental. Die Worte über die Lichtsymbolik in der dunklen Jahreszeit kommen mir wie von selbst über die Lippen. Auch die Fünfer ließen sich heute wieder ansprechen. Mit zwei, drei schulinternen Problemen (ja, auch eines mit ausländerfeindlichem Hintergrund!) konnte ich, so erlebte ich es, Betroffenheit erzielen. So sehr mir das auch zu Herzen ging, so glaubhaft konnte ich wohl heute vermitteln: Nicht bei uns!! Rückmeldungen aus einer Gruppenarbeit zum Assembly kamen zur Sprache. Ich freute mich sehr über die Aussagen, dass es schön sei, dass wir dort immer singen. Und die Anspannung löste sich dann wieder bei der Weihnachtsbäckerei, die heute mit allen Synkopen, durch einen ganzen Jahrgang geklatscht, erklang. Tolles Gefühl und einfach freudig, wenn die Kinder mit begeisterten Gesichtern mitmachen.

Die Fahrt nach Deidesheim wurde heute mit den nun endlich fertigen Decken belohnt. Nach mehr als einem Jahr, nach 16 Monaten mit dunklen, offenen Decken mit vier Glühbirnen erscheint fast eine Sonnenbrille notwendig, so hell ist der Eindruck. Ein ganz anderes Gefühl kommt dabei auf.

Zurück in Wachenheim gestaltete ich die Info-Wand zu unserer Schulpartnerschaft mit der Grete Unrein in Jena neu. Immerhin ist diese ja schon über zwei Jahre alt, so dass es sich für Besucher am Tag der offenen Tür lohnt, die einzelnen Stationen, neu angeordnet und mit neuen Fotos der YA versehen, nachvollziehen zu können. Schöne Grüße dorthin, mit einem beeindruckenden Konzert "Rock gegen rechts" ist ja wohl deutlich geworden, wie bunt diese Stadt ist, die jüngst im Vordergrund stehenden Brauntöne geben die Stadt in keiner Weise wieder. Gut so! Die Chronik endet im April 2012, wenn die Grete Unrein Schule 100-jähriges Bestehen feiert. Jetzt ist das ausgehängt, also werden wir in irgendeiner Weise teilnehmen und hinfahren.


Dienstag, 29. November 2011:

Musik am Dienstag - in den letzten Wochen eher ein ungünstiger Termin, denn alle Unterrichtsbesuche und Dienstbesprechungen fielen auf diesen Wochentag, dann noch ein Feiertag dazu, so dass ich fast das Gefühl einer ersten Musikstunde hatte. Immerhin kam das Kranich-Falten gut an und ein Renner, der immer geht: "In der Weihnachtsbäckerei".

Mittags eine denkwürdige Dienstbesprechung deshlab, weil wir recht kontrovers über die Differenzierung in Klasse 10 diskutierten. Das wird noch ein spannender Prozess, bis wir da eine gemeinsame Lösung finden. Also: Es ist richtig, wir haben zu wenig Zeit zum Reden, zum Austausch, zur Kommunikation. Nur wie ändern? Der Alltag schlägt uns an zwei Standorten immer wieder ein Schnippchen. Ich habe noch keine zündende Idee, wie wir das ändern. Immerhin wurde mein Frust etwas gemildert durch eine positive Rückmeldung über meine Konferenzleitung. Vielleicht bleibt mir dieses Geschick ja erhalten und es gelingt weiterhin Gutes.

Abends noch Schulelternbeirat und schon wieder bin ich platt und immer noch angeschlagen. Wann soll sich bei dieser Dichte auch Erholung einstellen?


Montag, 28. November 2011:

Eigentlich zu früh und noch nicht auskuriert trat ich heute meinen Dienst wieder an. Zu wenig krank fürs Bett, aber im Grunde zu viel, um zu arbeiten. Aber der fünfte und also letzte Abendtermin in Sachen IGS-Vorstellung stand auf dem Programm - also Augen zu und durch! Und wieder ein anderer Abend, eine andere Atmosphäre, eine andere Offen-, oder eher Geschlossenheit. Immerhin: die Stimmbänder hielten durch, der Husten erst hinterher. Ob ich heute viele werben konnte, stelle ich mal hinten an. Also eher ein Pflichttermin.


Freitag, 25. November 2011:

Die Nase voll, der Hals kratzend, die Stimme irgendwo im Eimer - aber ansonsten ist der Kopf ja wach. Also nahm ich mir Zeit, das Buch von Wolfgang Bergmann "Lasst eure Kinder in Ruhe! Gegen den Förderwahn in der Erziehung", München 2011, fertig zu lesen. Ich fand darin einige Gedanken, die am Mittwoch noch gut in die Präsentation der IGS gepasst hätten. Aber schließlich hielt ich ja keine Vorlesung. Sie seien dennoch hier niedergeschrieben.

Das Buch richtet sich gegen die immer früher ansetzenden Fremdsprachenunterrichte und Förderprogramme im Kindergarten. Dagegen setzt er das freie Spiel, in dem sich Kinder die Welt zu eigen machen. Egal, ob ein Baustein von den verschiedensten Seiten betrachtet, betastet, gestapelt oder was auch sonst immer - das Kinde eignet sich die Welt an. Kein noch so motivierender (fremsbestimmter) Unterricht könne dies ersetzen oder leisten. Er führt diesen Gedanken über Seiten hinweg aus und setzt "Liebe statt Leistungsdruck" (S. 11). Nicht - und das übertrage ich locker auf schulisches Lernen - Pauken, Behalten, Wiedergeben schafft Bildung. ""Nichts davon! Kein Kind wird klüger dadurch. Aber von der Welt 'belehrt' zu werden mit Sinnen und Verstand, das öffnet die Seele!" (S.17). Vielen Schulen, einer ganzen Reihe von Erziehern und auch Lehrkräften aus meinem Bekanntenkreis, die immer noch meinen mit Drohungen, Druck und ANgst erziehen (oder unterrichten) zu können, sei folgender Satz notiert: "Wo nämlich Ängstlichkeit ist, da geht alles andere verloren, was an schönen Empfindungen und Einsichten schon erworben worden ist." (S.88). Und auch dies gehört dazu: "Es gibt gar kein sinnvolles Lernen und erst recht keine Bildung ohne Gemütskräfte. Bindung vor Bildung." (S. 90) - Ein Satz, der im schönsten Sinn unsere Doppeltutorenschaft von Klasse 5 bis 10 begründet und all die anderen Bindung stiftenden Aktionen. Im Grunde ist dies inzwischen keine Neuigkeit mehr, dennoch wird sie im Alltag der Schulen immer noch nicht umgesetzt. Ich könnte Seiten füllen mit den Äußerungen der einen Schulplatz suchenden Eltern, wie mit ihren Kindern umgegangen wird, ja auch 2011 noch, ja auch in Schulen unseres Landkreises und darüber hinaus. Dabei ist die Gehirnforschung in den letzten Jahren so populär geworden, dass ich sie gar nicht (schon wieder) erwähnen will. Aber ihre Erkenntnisse bleiben zu oft noch an den Schultoren hängen: "Mit jeder neuen Erfahrung, jeder Fantasie und jedem 'Handhaben' entstehen neue 'Verschaltungen seiner Gehirnareale'. Jede Verbindung knüpft noch mehr geistige Wachsamkeit, mehr krative Potenz - alles wird immer weiter voran getrieben, soweit die kindliche Intelligenz und Kreativität reicht. Und sie reicht. Und sie reicht immer bewundernswert weit." (S. 101). Und abschließend ein Zitat von der Bildungsforscherin Elsbeth Stern, das Bergmann selbst zitiert. Es ist Eltern ans Herz gelegt, der Zielpunkt gilt aber auch für die Schule: "Kuscheln, erzählen, vorlesen, sich Zeit nehmen. Emotionale Sicherheit und eine stabile Bindung gelten als Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Das Gehirn ist eben keine isolierte Lernmaschine, sondern ein Beziehungsorgan." (S. 131). Mögen wir alle nicht ruhen, Eltern, Familien, Erzieherinnen und Lehrkräfte, bis diese Erkenntnis als Allgemeingut umgesetzt ist und unseren Kindern ein Wachsen ermöglicht, das sie in die Lage versetzt, die Welt sich anzueignen und in diesem Sinne zu verändern. Was könnte Bildung anderes wollen!


Mittwoch, 23. November 2011:

...und ist doch so gekommen: Ich zählte heute meinen vierten Krankheitstag als Schulleiter, naja, für dreieinhalb Jahre durchaus eine positive Zahl. Das Problem war aber der große Informationsabend zum Konzept der IGS in der Stadthalle in Wachenheim. Ich habe doch extra zu diesem Anlass eine neue Präsentation gestaltet, die niemand auf die Schnelle übernehmen konnte, steckt ihr Gedankengang doch hauptsächlich in meinem Kopf. Also: Zusammenreißen und hin!

Fürstlich versorgt mit gehonigtem Erkältungstee und einer ganzen Schale mit Lutschbonbons (Merci, für diese Teamarbeit vom feinsten!), versuchte ich also, Hals, Stimmbänder und Nase in ihre Schranken zu verweisen.

Durch Erfahrungen und Rückmeldungen anderer Veranstaltungen erfuhr ich, dass die Wege zur und Informationen über die Hintergründe der Gesamtschule immer mehr in das Stadium des Nicht-mehr-Wissens geraten. Es besteht dabei die Gefahr, dass die IGS lediglich als Schule gesehen wird, in der es keine Versetzung bis Klasse 9 gibt und an der man alle Abschlüsse machen kann. Dabei ist sie so viel mehr! Das wollte ich vermitteln!

Vernor Munoz stand am Anfang mit einem Zitat, das ich ihm, dem UN-Beobachter, bei einem Vortrag 2006 in Mainz abgelauscht habe: "Deutschland versucht die Probleme der Zukunft mit einem Bildungssystem zu lösen, das 150 Jahre alt ist." und fügte zur Einstimmung nach einer Erläuterung des zwei(?)gliedrigen Schulwesens in Rheinland-Pfalz, noch drei Zitate hinzu:

"Einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Bildungserfolg ist die späte institutionelle Differenzierung". (Mc Kinsey, 01. 08. 2003)

"Das dreigliedrige Schulsystem ist im Kern ungerecht. Je früher sich Bildungskarrieren entscheiden, desto stärker fallen sozialer Status und familiärer Hintergrund ins Gewicht." (Zentrum für Hochschulentwicklung)

"Das in Deutschland bestehende Bildungssystem ist der verlängerte Arm der alten Ständegesellschaft." (G. Wegener, Direktor des sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche Deutschlands)

Dann versuchte ich eine philosophische Grundlage zu legen: Auf Immanuel Kant, der Aufklärer, auf dessen Schultern wir heute noch stehen, führte den Menschen aus einer Jahrhunderte währenden Abhängigkeit heraus. Der mittelalterlich abhängige und unfreie Mensch als Objekt eines herrschenden Fürsten, Herrn, Gottes, was auch immer, wird aufgerufen, sich mittels seines Verstandes selbst zu befreien, sich zu einem freien, selbstbestimmten Subjekt seiner selbst zu machen. Eine wahrhaft neue Zeit mit nicht zu überschätzenden Konsequenzen auf allen Ebenen. Mit Friedrich Fröbel, dem Begründer des Kindergartens, war der Übertrag auf Lernen und Bildung möglich: Bildung ist Aneignung von Welt, nicht Anhäufen von Wissen oder stures Nachplappern von auswendig Gelerntem - und das in einem fließend, erschaffenden Weg, bis der Bildungsgegenstand zu "meinem" geworden ist. Von dort aus ist der Schritt zu den Lerntheorien des Konstruktivismus kein eigentlicher mehr. Diese standen ja schon im Mittelpunkt eines Studientages im vergangenen Jahr. Wer meint, was wird da wieder für eine "Sau durchs Dorf getrieben" (wie etwa früher die Mengenlehre), der irrt. Denn die Hirn- und Lernforschung, Psychologie, Tiefenpsychologie und Lernwissenschaften bestätigen dies auf mehreren Ebenen mit den inzwischen bildgebenden Verfahren. Genau lässt sich die Hirnaktivität abbilden und beobachten und die ist eben am aktivsten, wenn der Lernende selbst seine Aufgabe, sein Problem zu lösen versucht, sich selbst seine eigene Welt baut. Jeder Lernende konstruiert seine individuelle Wirklichkeit, weil nur er entscheidet, was er von dem Gehörten, Gelesenen und Erlebten in diese Wirklichkeit einfügt. Der Lernende viel stärker als Problemlöser, die Lehrkraft als Lernbegleiter. Das alles versucht die IGS als Schulart und wir als konkrete Umsetzung in den Unterricht mit einfließen zu lassen, nehmen individuelle Lernwege ernster als jede mir bekannte andere Schulform, nicht als Ansatz einiger (motivierter) Lehrkräfte, sondern als in die Schulstruktur eingegossen. Ich denke da an den Klassenrat, das Methodentraining, das Programm Erwachsen werden, die SEG, auch das Assembly und noch einiges mehr. Alles zusammen genommen, ergibt ein ganzes Stück moderner Mensch, der geeignet ist, die Zukunft mit anderen bewältigen zu können. Das alles ist IGS als Schulform, das alles ist mit gängigem Frontalunterricht (allein), das alles ist mit Auswendiglernen von reproduzierbaren Inhalten nicht zu schaffen. Wie sagte ein leitender Referent der ADD vor kurzem bei einer Tasse Kaffee: "Die IGS entlässt andere Menschen!" Wohl wahr! Das als Hintergrund zu der komplizierten Wahl, vor der die Eltern der vierten Klassen jetzt stehen.

Danach entfaltete ich anhand der neuen Grafik unserer Konzeptinhalte, all das, was an unserer Schule umgesetzt wird, bzw. woran wir gerade (noch und immer weiter) arbeiten. Unterstützt wurde ich dabei von den beiden KollegInnen, so dass die Stimme, der Hals, die Nase, der Kopf durchhielten. Merci! Hat also geklappt, hat sich gelohnt und war gut so. Morgen gehe ich noch immer nicht zur Schule und die beiden heute Abend sagten mir zum Abschied: "Wir wollen dich auch am Freitag nicht in der Schule sehen!" Okay, ich halte mich dran.


Dienstag, 22. November 2011:

Wieder eine Lehrprobe, dieses Mal sogar benotet, mit gutem Ergebnis, Glückwunsch! Es ist eine sehr schöne Erfahrung, zu sehen, dass Arbeit, Einsatz und Willen zum Erfolg führen kann.

Nachmittags dann das Thema der Steuergruppe zur Qualitätsarbeit life erlebt: Wie schaffen wir es, neue Teams, welche die Entwicklung zu diesem pädagogischen Konzept nicht miterleben konnten, so zu integrieren, dass es weiterhin so umgesetzt wird, wie es die anderen Jahrgänge geplant haben. Heute nun im Fünferteam stand das Thema SELG auf der Tagesordnung. Diese stehen ja bald an und die Tutorinnen und Tutoren sollten alle Fragen vorher noch klären können.

Und dann spürte ich während eines Besuches noch im Sechserteam, wo es um die Umsetzung des Dalton-Planes ging, die Nase, den Rachen, den Kopf...Jetzt krank werden, wäre ganz schlecht...


Montag, 21. November 2011:

Seit (gefühlt) langer Zeit mal wieder eine komplette Schulleitungsrunde. Krankheit, Fortbildung und andere Termine hatten uns nicht komplett sein lassen. Heute nun wieder zu viert - das wird hoffentlich kein Zusatnd auf Dauer sien.


Samstag, 19. November 2011:

Ich besuchte heute den schon legendären Adventsmarkt in meiner ehemaligen Schule in Mutterstadt. Beim Betreten des Schulhofs: Verwunderung! Drei Häuser sind außen energetisch abgedämmt worden, die graue Waschbetonfassade einer farbigen gewichen. War ich eineinhalb Jahre nicht mehr hier? Das gibt es doch gar nicht und ist doch wahr. Ich gönnte mir extra den Luxus ohne Familie zu kommen, das schafft Zeit für ungestörte Gespräche. Und das war einfach nur schön. Nun bin ich ja schon dreieinhalb Jahre weg und was habe ich in dieser Zeit nicht alles erlebt und gelernt. Um so schöner ist es zu erleben, dass Gespräche mit einigen Kolleginnen und Kollegen genau dort fortgeführt werden können, wo sie scheinbar vor langer Zeit geendet haben, so als wäre ich mal gestern von dort aus ins Wochenende gegangen. Auch ehemalige Schülerinnen und Schüler konnte ich herzhaft in den Arm nehmen, ein Gefühlsbad erster Güte. Da spüre ich noch meine Wurzeln, die dünnen Gefäße (Kapillare?) transportieren ja immer noch Nahrung in den Baum nach Wachenheim und Deidesheim. Es ist ein anderer Baum geworden und ja noch lange im Werden und Wachsen begriffen, aber den Samen oder den Dünger oder was auch immer habe ich von dort und in mir mitgebracht. Und doch ist auch deutlich: Ich bin weitergezogen und habe neue Wurzeln geschlagen, gehöre nun woanders hin und es geht mir gut an dem neuen Platz. Ich kenne das Gefühl der Wehmut, den melancholischen Schmerz, wenn etwas Vergangenes wieder auftaucht ("Ach, war das schön. Schade, dass es nicht mehr so ist!"). Aber so war es heute nicht, eher eine kraftvolle Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte, mit einem guten Packen zusätzlicher Erfahrung (und Reife?), den ich eben an dieser Stätte so nicht hätte erwerben können. Einige Zeit werde ich dieses Gefühl, diese Erinnerung noch in dem erstandenen Adventskranz weiterleben lassen können. Ich freu mich drauf.


Donnerstag, 17. November 2011:

Wieder einmal ein Fünfer-Asselmbly vom Feinsten, weil es ohne Mühe einen Bogen geschlagen hat von den aktuellen Vorkommnissen um die Morde von rechts direkt in die Schule hinein. Die Kinder waren einigermaßen informiert über Vorkommnisse, wir klärten dann noch den Unterschied zwischen Nazis und Neo-Nazis, redeten über verbotene Symbole und sangen unseren Kanon mit dem Text des Menschenrechtstag. Sogar die Ausbildung unserer zehn Courage-Scouts war schon zu ihnen vorgedrungen, auch der Pate im Projekt Schule ohne Rassismus, Larry Hawthorne, war einigen ein Begriff. Das macht richtig Spaß, wie sich auch bei uns inzwischen Informationen der älteren Jahrgänge an die jüngeren verbreiten. Nachmittags in Deidesheim durfte ich selbst erleben, mit welchem Schwung und mit Interesse unsere Courage-Scouts sich ausbilden ließen. Der Raum erwckte den Eindruck eines richtigen Seminarraums mit Flip-Chart, Moderationskarten, den berühmten "Wölkchen" für die Überschriften, toll. Und in der Runde unsere Achter, die offen, selbstbewusst und gekonnt (mit Ich-Botschaften) die Fortbildung gestalteten. Thema war die 45-Minuten-Einheit, mit welcher sie nun in der kommenden Zeit in alle Klassen gehen werden und "Strategien gegen rechts" kundtun und für Courage eintreten werden. Donnerwetter - ich war beeindruckt und ging mit einem guten Gefühl wieder zurück ins Büro. Auch wie sie ihren Ausbildern dankten - mit selbst gestalteten Karten und einem Brückensymbol (das ich als kurzer Besucher aber nicht einordnen konnte, das aber während des Seminars eine Rolle gespielt hatte) - an solchen Stellen liebe ich die Arbeit in der Schule besonders, weil Früchte zu erleben sind, weil deutlich wird, wie viel die Kids neben dem Stoff in sich aufnehmen.

Abends dann noch die dritte von den fünf Abendveranstaltungen für Eltern der Viertklässler - die größte in der Aula des ansässigen Gymnasiums mit nahezu 300 Eltern. In Gesprächen hinterher hatte ich den Eindruck, das, was eine IGS ausmacht, "rübergebracht" zu haben. Will mal noch gar nicht an die kommende Anmelderunde im Januar denken.


Mittwoch, 16. November 2011:

Spinnt der Wecker? Es ist doch erst 5.15 Uhr. Ach nein, heute steht ja wieder ein AQS-Einsatz an. Da ich erst eine Realschule Plus mitevaluiert habe, suchte ich mir diesen Termin aus (oder fiel die Entscheidung doch wegen einer meiner Lieblings-Teamleiterinn?), um bei den Schularten auch in etwa ausgeglichen zu sein. Bisher war ich an vier Grundschulen, drei IGSn, vier Gymnasien und nun auch an zwei Realschulen Plus. Und wieder fuhr ich heim und hatte einen Blick über den Tellerrand erhalten, Anregungen bekommen, Unterricht erlebt und von einem Leitfaden gestützte Gespräche geführt - gerne fuhr ich am Nachmittag zurück in die Pfalz. Durch die vielen Fahrten in jüngster Zeit zu den verschiedenen Dienstbesprechungen und zum Gesamtschultag über die A 63 sah ich neue Windräder wachsen, zunächst die Fundamente, dann den langsamen Etagenaufbau. Gespannt war ich auf das Zwischen- oder schon Endergebnis (?) der Bauarbeiten. Aber der Nebel verschluckte alles.

Vorbei war der Tag ja noch nicht: Die Steuergruppe unseres AQS-Besuches stand ja in Deidesheim noch an. Besser hätte es nicht geplant werden können: Ich erlebte eine tolle Sitzung in Sachen Team- und Zusammenarbeit, einfach nur klasse! Danke euch Steuermenschen für diese zwei Stunden. Ich hoffe, ich habe nicht allzu müde gewirkt.

 

Dienstag, 15. November 2011:

Wandertag für alle Klassen, wo strömten die 16 Klassen nicht überall hin. Die IGS ist heute in Museen, Sportstätten und Wäldern fast in der gesamten Kurpfalz vertreten. Für mich heißt das: Schreibtischarbeit und Gespräche in Ruhe. Bereits um 7.30 Uhr zollte der Doppelstandort seinen Tribut: Um die zehn Schülerinnen und Schüler werden heute und morgen als Scouts im Projekt Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage ausgebildet. Die Trainer fuhren Wachenheim an, die künftigen Scouts warteten in Deidesheim.

Post - das übliche, mit viel Werbung, Rechnungen und - huch - ein Brief der Ministerin an den Schulleiter: "Rückmeldung zu den Young Americans" war in der Betreffzeile zu lesen.  Da er außergewöhnlich ist, möchte ich hier einige Zeilen zitieren:

"...Es hat mich gefreut und beeindruckt, wie begeistert die Schülerinnen und Schüler Ihrer Schule an dem Angebot der Young Americans teilgenommen haben. Ich bin mir sicher, das Wochenende wird für die Kinder und Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Neben der Musik, neben dem Trubel, neben den vielen tollen und außergewöhnlichen Eindrücken...wird diese Veranstaltung für das Gefühl der Selbstwirksamkeit der Schülerinnen und Schüler und für die Schulgemeinde bleibende Wirkung haben.

Ich finde es beachtlich, wie sehr Ihnen und Ihren Mitstreiterinnen und -streitern an einer veränderten Kultur des Miteinanders und einer die Schülerinnen und Schüler in jeder Hinsicht stark machenden Schule gelegen ist. In diese Grundhaltung und in diese Bemühungen passt sich die Veranstaltung mit den Young Americans sehr gut ein...

Ich weiß, mit welch hohem Aufwand Sie und Ihr Kollegium am Profil Ihrer noch recht jungen Schule arbeiten. Auch das Wochenende mit den Young Americans ist ein Zeitchen für eine bereits jetzt sehr gut funktionierende Schulgemeinschaft. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen und Ihnen, Ihrem Kollegium und Ihrer Elternschaft herzlich gratulieren und Danke sagen für Ihr tolles Engagement."

Na, das gibt doch Kraft, das liest sich doch mit Freude, das macht doch Mut fürs Weiterarbeiten, das ist doch mal eine überraschende und schöne Post, eine Würdigung all dessen, was bei uns so los ist und das von höchster Stelle.


Montag, 14. November 2011:

In wieder einer Klasse fliegen die Kraniche im Keil als Mobile. Darunter singt sich das Lied einfach anders. Die gefalteten Kraniche kamen heute angemalt, gestaltet und zum Teil mit (zusätzlichen) "Jungvögeln" zurück in die Schule - ein Zeichen dafür, wie sehr das Lied und das Falten angekommen ist. Wünsche mir dies auch unbedingt für den Inhalt. Ich bleibe dran.

Mein erstes Vierteljahresgespräch mit dem Personalrat, eine lange Liste mit Tagesordnungspunkten. Nicht alle haben wir geschafft, aber wir unterhielten uns in einer Atmosphäre der Wertschätzung, einer, die nicht kritisierend bemängelt sondern perspektivisch verbessert und insofern das Personalvertretungsgesetz umsetzt, das eine vertrauensvolle Zusammenarbeit einfordert. Hat Spaß gemacht mit euch, Danke!


Donnerstag, 10. November 2011:

"Ich weiß noch gut, als du beim Pizza-Essen 2008 zum ersten Mal von einem Assembly erzählt hast, das du während eines Australienaustausches kennen gelernt hast. Und nun ist das daraus geworden." Ja, erstaunlich. Diesen ersten Anfang hatte ich gar nicht mehr "auf dem Schirm", aber das heutige Assembly mag diese Erinnerung erlauben. Zum einen zwei ganz wichtige Themen: Reichpogromnacht und Mauerfall. Ja, auch für die Fünft- und Sechstklässler Themen, an die sie (erstmals und vielleicht nur in hinführender Form) herangeführt werden sollen. Und siehe da: Die Eröffnung der neuen Speyerer Synagoge gestern, 73 Jahre nach der Pogromnacht, hat eine Schülerin mitbekommen und konnte sie genau da einordnen. Welch ein Augenblick! Auch der Mauerfall, wir verfügen ja erlaubter Weise über einen Film der ZDF-Kindernachrichten "logo", konnten wir nah und mit unserer Schulgeschichte schildern. Zu diesen Themen passten die Kraniche mit ihrer eher gedämpften Melodie in Moll auch besser als die mitreißenden Lieder, die wir sonst singen. Damit nicht genug. Innerhalb der "SV-Talente-Aktion" - immer wieder meldeten sich MitschülerInnen und führten ein Talent vor, mit dem Keyboard, gesungen oder was auch immer - gaben mir zwei Schüler schon letzte Woche eine CD für das Assembly ab. Als die Musik ertönte, zogen sie Jacken aus: die T-Shirts der YA tauchten auf und dann tanzten die beiden Jungs unter Gejohle und Beifall den beiden Jahrgängen vor. Das muss ich in die USA mailen: Hier haben die YA ihr Ziel erreicht: Vertrauen und Mut zu und in die eigene Kreativität zu finden über die "Werkzeuge" (tools) Muisk und Tanz. Welch eine Spanne haben die Kids da heute geleistet, von der (unfassbaren) Geschichte des Nazi-Terrors, über die jüngere freudige Geschichte, metaphernmäßiges Singen ("die Stärkeren loben die Schwächeren") im Lied über die Kraniche, bis hin zur Weiterführung des Tanzworkshops mit dem Nachweis: Er hat gewirkt. Und das alles in 45 Minuten, in einem zu kleinen BK-Saal in Wachenheim. Welch ein Geschenk!

     

Mittwoch, 09. November 2011:

Immer und immer wieder die Erfahrung des zerrissenen Schulleiters. Die Standorte wägen ab, wie oft ich zu sehen, zu greifen, präsent bin. Immer dort, wo ich gerade bin, egal ob in Wachenheim oder in Deidesheim, ich werde gesucht, angehalten, gefragt. Auch aus der Personalversammlung wurde mir das als wichtiger Punkt genannt. Auch nach eineinhalb Jahren zweiter Standort, da habe ich immer noch keine Lösung gefunden. Dienstlich, für Entscheidungen, für den Ablauf ist ja alles geregelt, das kann es nicht sein.  "Beziehungs-Pädagogik" auch für Lehrkräfte ist da so ein Begriff. Da scheine ich sowohl ein persönliches als auch eine dienstliches Gewicht zu haben, das ich unterschätze. Oder habe ich da ein anderes Verständnis? Ich sage es mal so: Ich sehe "meinen Chef" alle paar Monate, in meine Arbeit kann ihn nicht mit einbeziehen. Innerhalb einer Schulgemeinschaft scheinen da andere Mechanismen zu greifen. Kenne ich sie nicht? Will ich nicht der sein, an dem so vieles hängt? Verkenne ich meine Rolle? Keine Antwort taucht aus meinem Inneren auf. Also: weiter suchen!


Dienstag, 08. November 2011:

Zwei Unterrichtsbesuche bei den Lehramtsanwärterinnen schafften mir etwas Ruhe. Bei den Besuchten geht der Adrenalinspiegel sicher in die Höhe - ich selbst genieße inzwischen diese Stunden, denn kein Telefon klingelt, keiner klopft an die Tür, mein Handy ist aus und ich kann mich auf eine Sache ungestört konzentrieren. Herrlich!

Am Nachmittag der nächste Außentermin: regionale Dienstbesprechung der umliegenden Gymnasien und IGSn in Alzey. Viele Informationen, einige Zahlen, eine ganze Reihe von Hinweisen.  Die erstaunlichste Zahl war für mich die 34.  Klar, jedermann weiß, dass es eine ganze Reihe von IGS-Neugründungen gegeben hat, auch dass es in Rheinland-Pfalz jetzt 54 IGSn gibt, aber die Gegenüberstellung für den Bereich Neustadt hat mich überrascht: Die ADD-Außenstelle betreut 69 Gymnasien und eben 34 Integrierte Gesamtschulen. Das ist ganz knapp die Hälfte!! Eine tolle Entwicklung, die uns hier wohl glücklich machen kann. Auf Landesebene sieht das natürlich ganz anders aus, vor allem im Bereich Trier kann man immer noch von einer Diaspora reden was die Gesamtschulen angeht. Wie schön, in einem Landesteil wirken zu können, der sicherlich auch Anstoßer, Entwicklungshelfer und Akzeptanz-Berater in Sachen IGS sein kann, muss und soll.


Montag, 07. November 2011:

Bereits gestern haben sich zwei Autos nach Thüringen aufgemacht, nein, dieses Ma nicht nach Jena, sondern an ein Gymnasium in Neuburg. Auf der letzten SchLuL-Fortbildung hat diese Schule das Arbeiten nach dem so genannten Dalton-Plan vorgestellt, eine sinnvolle und weiter führende Möglichkeit für unseren Projektunterricht. Wesentlicher Punkt dabei ist das fächerübergreifende Arbeiten. Es ist schon immer wieder faszinierend für einen Schulleiter, ein solch innovatives und engagiertes Kollegium an der Schule zu haben, die noch einen halben Sonntag draufsatteln, um eine Schule zu besuchen. Bin gespannt, was sie mitbringen werden.

In der ersten meiner Fünfer-Musikklassen habe ich heute begonnen die Papier-Kraniche zu falten. Aus dem zweiten Jahr IGS habe ich das Bild der Mobile noch vor Augen, wie die im Keil fliegenden Kraniche lange Zeit die Klassenzimmer schmückten, dann geriet sowohl das Lied als auch der Inhalt etwas in Vergessenheit. Jetzt werden sie sie wieder da sein.


Freitag, 04. November 2011:

Die dritte Stufenleiterstelle ist im aktuellen Amtsblatt ausgeschrieben. Heute meldete sich bereits eine Interessentin. Wird auf der einen Seite spannend, auf der anderen Seite kenne ich das Verfahren ja. Ein besonderer Aspekt für mich persönlich: Es war auch die Stufenleitung 9/10, für die ich mich damals in Mutterstadt bewarb. Kenne ich ab dann den Rest? Wohl kaum, in DeiWa laufen die Uhren etwas anders.

Um 12 Uhr musste ich auf den Hof. In Gesellschaftslehre war zu einer Präsentation zum Thema Sonderkultur: Weinbau ein Vollernter auf den Hof fahren. Und wirklich, das "Monstrum", das ich immer mit ängstlichen Befürchtungen auf den Straßen sehe, konnten wir heute ganz in Ruhe und von einer Schülerin erläutert, ganz in Ruhe in Augenschein nehmen. Ich sage mal: Das ist auch IGS: einfallsreiche Schülerschaft, geübt im Präsentieren...ein Erlebnis.


Donnerstag, 03. November 2011:

Ein denkwürdiges Assembly, denn ich habe heute mit den Fünftklässlern das Lied von den Kranichen eingeübt und besprochen. Schön, wie sie den Inhalt auf die IGS übertragen, auch als Schwerpunktschule. Wie schon mal geschrieben: Das muss immer mal wieder auftauchen, damit wir alle da weiter reinwachsen.


Mittwoch, 02. November 2011:

Den ganzen Tag über weilte ich in Ingelheim bei der Dienstbesprechung der IGS-Schuleiterinnen und Schulleiter. Ausgerechnet ich wurde gefragt, ob ich eine Arbeitsgruppe moderieren könne zu dem Thema: gelingende Steuergruppenarbeit. Hmm, mal was anderes als meine sonstigen Themen. Zumal wir an der Schule zwar Arbeitsgruppen haben, die aber nicht von einer Steuergruppe organisiert werden, sondern thematisch und eigenständig arbeiten. Etwas Theorie mit einigen Eckpunkten als Anregung in die Gruppe gegeben und dann Austausch von Meinungen und Erfahrungen. Das gelang alles ganz prima. Spannend war wieder die Erfahrung, dass keine IGS so ist wie diue andere. Da kamen alte Flaggschiffe, über 30 Jahre auf dem Schulbuckel, mit neu gegründeten ins Gespräch, da diskutierten vierzügige mit sechszügigen miteinander und tauschten "fertige" mit welche im Aufbau ihre Erfahrungen aus. Tolle, offene Atmosphäre. Bei welcher anderen Schulart wäre dies so unkompliziert, effektiv und offen möglich! Auch die Themen im Plenum interessierten und gaben Anregungen mit auf den Weg: Praxistag, Dienstliche Beurteilungen und auch wieder: differenzierte Leistungsmessung! Da tut sich auf oberster Ebene etwas mit unserem Anliegen. Das Thema an sich war ja gar nicht im Kreuzfeuer der Kritik, die Dokumentation und die vermeintliche (vorgezogene) äußere Differenzierung, bzw. die Gefahr dazu, waren das Problem. Offenheit allenthalben, eventuell neue Formulierungen. Und mein altes, sentimentales Lied ist zu singen: Wie schön, all die Menschen wiederzusehen, die meinen Weg begleitet haben, wie schön, mit den Neuen sich auszutauschen und zu sehen: Die IGS wird sich weiter entwickeln. Auch politische Würdigung, wenn sich zwar die Ministerin entschuldigen ließ, aber die poilitischen Eckpunkte von einer Staatssekretärin kundgetan und erläutert werden. Ebenso eine wertschätzende Fragerunde bei guter Atmosphäre - Mann, was habe nicht für (ideologisch geprägte) "Kampftagungen" erlebt. Wie anders, wie angenehm, wie - ja, ich schreibe es - vorbildlich heutzutage die Diskussionen!

Am Abend dann noch der Elternabend 8 zur Berufsorientierung mit Informationen zu den Abschlüssen. Hätte heute nicht auch noch sein müssen, aber da lasse ich mich in die Pflicht nehmen, denn Schulleiters Mund tut wichtiges kund und baut vielen Fragen und Zweifeln vor. Noch eines für heute Abend und immer: Nein! Nein! Nein! Der Abschluss der Berufsreife ist KEINE Einbahnstraße, wie ein Referent vorhin sagte. Da arbeiten wir mit allen Mitteln dafür, dass diejenigen, die auf dem Grundniveau arbeiten und eventuell mit der Berufsreife die Schule verlassen, nicht mit hängendem Kopf als Verlierer durch die Gänge streifen - und da sagt ein Referent an einem Elternabend was von Einbahnstraße. Mir ist ein/e Schüler/in lieber, die mit Mut und Kraft die Berufsreife erlangt, einen Beruf wählt, der ihn/sie ausfüllt, als Schülerinnen und Schüler durch die zehnte Klasse schieben zu müssen, die überhaupt keine Lust auf Schule haben, die sich schwer tun, die sich Tag um Tag in die Schule quälen, um dann doch nicht den erhofften guten Abschluss nach Klasse zehn zu erreichen. Beispiele könnte ich viele nennen, solche, die in ihrem Beruf zufriedene Zeitgenossen wurden, weil sie etwas gelernt haben, was in der Schule nicht zu lernen war, auch solche, die über das berufsbildende Schulwesen durch ihre Stärken und handwerklichen Talente zu guten Schülerinnen und Schülern wurden, weil das fachspezifische Lernen ihnen sehr viel näher lag als das allgemeinbildende. Sollte ich denn den eigenen Bruder, der ein begnadeter Schreiner war, so abqualifizieren? Und auch er verblieb nicht "in einer Sackgasse", sah sich um, machte weiter und ist seinen Weg geangen. Und ich kenne zumindest einen Schulleiter, der auch zunächst den Hauptschulabschluss machen musste, weil es zu dieser Zeit damals zu mehr nicht reichte. Einbahnstraße? Sackgasse? Lasst euch nicht ins Boxhorn jagen! Und dann falle ich wieder ins Bett, der Tag zu voll, prall gefüllt mit Eindrücken und Begegnungen, bis zur Oberkante aufgefüllt sinke ins Kopfkissen und eh ich es verstehe und nochmal was umwälzen kann, klingelt schon der Wecker. Ich war ruckzuck eingeschlafen!