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Feb bis Mai 2011


Dienstag, 24. Mai 2011:

Gestern Abend ging der Elternabend Cyber-Mobbing in Deidesheim über die Bühne, quasi der Abschluss des Thementages auch für die Eltern. Morgens gab es bei den Kids manche Träne, weil das Thema tagesaktuell ist. Während wir früher die Auseinandersetzung Angesicht zu Angesicht führten (besser waren wir sicherlich nicht), genügt es heute fernab des Gegners/der Gegnerin die Tasten zu bedienen und Schmerz, Leid und Herabsetzung für alle lesbar abzusetzen. Und was ich bisher gelesen habe ist oft derart unter der Gürtellinie und unflätig mit Worten versetzt, die wohl keine Familie durchgehen lassen würde. Schade also, dass der Elternabend so dünn besucht war!

Heute nun meine erste iMedia, die größte Lehrkräftefortbildung in Sachen Medien. Individuell Lernen war das Oberthema und wir waren geldane, unseren Projektunterricht als Möglichkeit des individuellen Lernens vorzustellen. Recht altbacken erschien mir unser Thema bei Infoshops wie: "e-learning", "digitale Schultasche", "eXploreIT", "e-Twinning" und "Lernen mit Moodle". Na wenigstens kannte ich die Begriffe dieses Infoshops: "Google, Surfen, Wikipedia" - bin also doch nicht ganz weit zurück oder blöd. Ich Jedenfalls besuchte einen Vortrag "Individuelle Lernwege - Neues aus der Hirnforschung". Neu war für mich die Aussage, der Unterricht solle Neues an den Anfang stellen und dann erst auf das Vertraute der letzten Stunde und die Wiederholung setzen, denn das Gehirn schalte bei Neuem einen Gang höher und wäre dann für die so wichtige Wiederholung des ALten auf Touren. Aha! Behalten habe ich auch den Satz: "Stumpfsinn ist der Feind des Lernens!".

Ansonsten war aber gar nicht viel Zeit. Ein weiterer Infoshop, in den ich wollte, war dermaßen überlaufen, dass ich, wäre ich drin geblieben, die Tür nicht mehr hätte schließen können. Also suchte ich die Stände verschiedener Firmen auf, knüpfte neue Kontakte, bestärkte alte und traf eine ganze Menge Bekannte aus meiner Schulzeit, Schulleiter, KopllegInnen, auch am Stand der AQS verweilte ich, bei dem einen oder anderen Verlag, bestellte ein Buch, nahm drei Hefte für das Betriebsprakrikum auf drei Niveaus mit, kurz: Wir müssen da nächsten Jahr ausschwärmen, um das Angebot einigermaßen ausnutzen zu können. Zu zweit ist es nur stückhafte Hektik.

 

Freitag, 20. Mai 2011:

Eigentlich sollte "unsere" MdL aus Deidesheim zum Gespräch kommen. Terminstau - neuer Termin. Dennoch versuchten wir auch so uns dem gestellten Thema zu nähern: Wie können wir die Schülerinnen und Schüler unserer Schule gesünder ernähren. Ideen, Pläne, Vorhaben. Wir werden es erleben, was davon umsetzbar ist.

Gestern war noch der Informationsabend zur äußeren Fachleistungsdifferenzierung (Welch ein Wortmonstrum). Nach vielen Diskussionen und nun fast einem Jahr Erfahrung fiel mir der Vortrag anhand einer Präsentation recht leicht. Leider waren recht wenige Eltern der Sechser da. Das kann ja viel bedeuten. EIne Idee: Die Eltern sind gut informiert, warum sollten sich auch solche Inhalte nicht mal von Mund zu Mund verbreiten? Eine andere, nicht so schöne, wäre mangelndes Interesse ("Ist mir alles viel zu theoretisch!"). Noch eine: Durch die reichhaltige Information zu Beginn der Anmeldung ist vieles inzwischen klarer als das Jahr zuvor. Wäre ja auch schön. Die anwesenden Eltern erschienen mir mit manchen Fragen sehr abschlussbezogen. Immer mit der Ruhe, liebe Eltern, wir sind mit euren Kindern erst in Klasse sechs und der erste mögliche ABbschluss liegt noch Jahre entfernt!

 

Mittwoch, 18. Mai 2011:

Die ersten Lehrproben unserer Referendarinnen, wenn auch noch unbenotet. Ich habe es schon an mancher Stelle geäußert, dass diese Art der Ausbildung für manche so hart ist, dass ich dazu neige von einer Traumatisierung zu sprechen. Egal, ob ich zu einem Unterrichtsbesuch komme, ob die AQS uns besucht, ob eine/r aus seinem eigenen Referendariat erzählt: Diese Art des Schaulaufens, die sich anschließende Beurteilung und ist alles andere als lernfördernd. Obwohl die heutigen Besprechungen sicher nicht zum Trauma taugen, Aufregung war in allen Zellen zu bemerken. Noch etwas fiel mir auf: Was eine lange und breite Erfahrung wert ist. Meine eigene Lernzeit in Sachen Unterricht liegt lange zurück und ohne zusätzliche Ausbildung in Sachen Didaktik und Methodik ist da eine Kompetenz nur durch Tun und Erfahrung gewachsen. Keine Angst vor großen Tieren, geht alle, die ihr dieser Tage eure erste Lehrproben durchstehen (?) müsst, mit meiner Gewissheit auf den schönsten, vielfältigsten und menschlich reichhaltigsten Beruf zu.Wenn ihr denn nur mit Kindern klarkommt, sie liebt, sie bewundert, sie wertschätzt - aber das wurde heute leider nicht besprochen.

 

Montag, 16. Mai 2011:

Kaffee beim Verbandsbürgermeister in Wachenheim - fast schon eine sentimentale Gedenkstunde. Rückblicke auf den Start unserer Schule, das erste Jahr mit einem Jahrgang, den kurzen Wegen zwischen unmittelbarem Schulträger und uns...ein einfach schönes Jahr, das sich so nicht wiederholen kann. Es würde sicher auch langweilig mit der Zeit, denn es ist ja auch aufregend zu wachsen, Babys sind halt goldig!

Die erste der Sechserklassen ist heut auf Klassenfahrt. Macht es gut, erlebt was, wachst zusammen und vor allem: passt auf euch auf und kommt mir alle gesund wieder!

 

Freitag, 13. Mai 2011:

Da findet ein Elternabend zum Wahlpflichtangebot statt, Schülerinnen und Schüler aus Jahrgang 5 konnten heute in verschiedenen WPF hospitieren - eine Aktion, deren Organisation mir als Stufenleiter immer zufiel - und heuer kriege ich nichts mit, bin mit anderem beschäftigt, fahre hin und her zwischen Deidesheim und Wachenheim und weiß: Das läuft alles. Was soll ich nun mehr gewichten: gelungene Teamarbeit, tolle Mitstreiter, die ihre Eigenverantwortung ernst nehmen, die gewachsene Schule, der ich immer mehr vom Boden entrückt vorstehe? Vermutlich komme ich nicht drum herum, alle drei Gedanken zu denken und zu notieren.

 

Mittwoch, 11. Mai 2011:

Probleme mit dem Netz, dem Browser, dem Programm, was weiß ich - zwei Wochen Pause im Tagebuch. Also trage ich nun, da alles wieder weltweit netzt, einige Einträge rückwirkend ein.

SMS aus München, wir haben eine erfolgreiche Teilnahme als dritte Urkunde beim History-Award erzielt, aber keine Platzierung. Nummerisch entspricht das einem Platz zwischen 11 und 13. Uns war von vornerherein klar, dass unser diesjähriger Beitrag nicht vorne landen wird. Dennoch gewichte ich es als Erfolg. Und, was viel wichtiger ist: Für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wird diese Fahrt nach München und die Begegnung mit Obamas Schwester ein lebenslang erinnertes Erlebnis bleiben - und ist mit Schule verknüpft!

 

Dienstag, 10. Mai 2011:

Gespräche, die die Anwesenheit des Schulleiters verlangen, die gibt es dann doch. Und dennoch glaube ich nicht an meine Rolle darin. Sind wir immer noch so amtsgläubig oder hierarchisch strukturiert? Verkenne ich meine Aufgabe? Jedenfalls waren meine Beiträge in insgesamt drei Gesprächen gestern und heute doch nicht dadurch bedeutungsschwer, weil sie der Schulleiter vorgetragen hat, oder? Sei's drum, ich habe meine Rolle erfüllt und die Themen voran gebracht.

Vormittags Methodentraining zum Thema Kommunikation. Die Rückmeldungen klangen positiv, wenngleich das geplante Programm mal wieder zu umfangreich erschein. Aber bitte, das sind idealisierte Vorbereitungen, die stehen und auch als Maximalprogramm zu verstehen sind. Je nach Kurs oder Klasse abspeckbar. Gespräch mit dem neuen Personalrat über Vertretungsregeln in vertrauensvoller  oder Zusammenarbeit.Das ist gut und für die Schule wichtig. Ein erstes Ergbenis kann sich sehen lassen, denke ich. Wir bleiben dran. Mittags Gesamtteam und Fachkonferenzen. Von den vier großen Packen im Nacken konnte ich heute schon zwei durch erste Schritte leichter machen. Tut gut und Erfolg verschafft Luft.

Kurzes Winken nur am Bahnhof: Verabschieden der Gruppe zum History Award nach München.

 

Sonntag, 08. Mai 2011:

Wie seit drei Jahren war die IGS am Kräutermarkt in Wachenheim durch den Förderverein vertreten. Das ist kein Termin für zusätzliche Einnahmen, eher ein Präsent-Sein in Wachenheim. Dank euch allen, die heute in der Sonne ausharrten.

Erste Rückmeldungen auf dem Markt über die Frankreichfahrt. Vielfältiges Programm und alles gut verlaufen. Leider wurden die möglichen Kontakte zu französischen Jugendlichen nicht immer durch Kontaktfreude genutzt. Aber ich mit dreizehn Jahren...in Frankreich...mit mir fremden Menschen...viel geredet hätte ich, glaube ich zumindest, auch nicht. Trotzdem hoffe ich, dass dies ein Anfang war, der wie die kleinen Pflanzen, die wir heute am Kräutermarkt gepflanzt haben, weiter wachsen und irgendwann Früchte tragen.

 

 

Freitag, 06. Mai 2011:

Schade, ein mich interessierender Termin musste an mir vorüber gehen: In der ehemaligen Synagoge in Deidesheim besuchte eine Schülergruppe ein Theaterstück. Es handelt vom Schicksal zweier Familien während des Dritten Reiches, die blieb in Deutschland, die andere wanderte aus.  Diese Thematik an diesem Ort - Gänsehaut. Äußerungen von Schülerinnen und Schüler zufolge war dieser Besuch gut gewählt und er ging wohl auch unter die Haut. Sag' ich doch immer: Das ist mehr als Unterricht!

Heute kommt auch die Gruppe aus Frankreich zurück. Bin auf die Rückmeldungen von dort gespannt.

 

 

Donnerstag, 05. Mai 2011:

Im Assembly heute erklang das Taize-Halleluja noch eher zaghaft, dabei ist es doch eher als Reißer bekannt. Das kann aber verschiedenen Ursachen haben. Eine könnte die erste Runde "IGS sucht den Superstar" sein - ein Wunsch der Schülerinnen und Schüler: Durch Präsentation eines Talentes, der Vorführung einer Gruppe will eine Jury am Ende eine/n Gewinner/in ermitteln. Für mich selbst nicht unbedingt ein erträumter Inhalt für das Assembly, auf der anderen Seite können wir nicht Schülerpartizipation großschreiben wollen und an ihren Wünschen und Bedürfnissen vorbei ein Assembly kreieren wollen. Und solange keine "Generation Casting" heranwächst und weitere Inhalte dazukommen, ist das doch in Ordnung. Es zeigt ja auch, wie die Kids sich selbst organisieren können, denn wieder hat keine Lehrkraft "die Finger drin".

Auf der anderen Seite schwappt diese Woche soviel über mich ein, dass ich an Momente herankomme, wo ich nicht mehr an Bewältigung glaube. Alles aufzuzählen käme Gejammer gleich. Aber die Wochen bis zu den Ferien werden noch hammerhart (übrigens nicht nur für mich, dessen bin ich mir durchaus bewusst). Spannend, weil noch ganz weit offen, ist die Personalplanung für den neuen Jahrgang. Erst zaghafte Abbilder eines kommenden Teams scheinen noch ganz durchsichtig am Horizont. Neben einigen an feste Termine gebundene Aufgaben (und daher nicht aufschiebbar) ist dies sicher die aufregendste Frage, denn im Aufbau stellt sich ja immer die Frage, ob wir unser Arbeiten an ein neues, unbelecktes Team überzeugend weitergeben können, so dass es übernommen und weitergetragen wird. Schauen wir mal, bisher hat sich die Kombination aus meinen Bauchgefühl und dem guten Willen von Seiten der ADD ja bewährt (und vielleicht wächst mit dem Umfang des einen auch das Gefühl in ihm).

 

Mittwoch, 04. Mai 2011:

AQS-Einsatz in einer Grundschule, Gespräch mit einem Schulleiter aus Ludwigshafen. Er stöhnte und meinte, wie mühsam es doch sei, in einem eingefahrenen Kollegium Qualitätsentwicklung zu betreiben, diese Aufgabe zerreibe ihn immer mehr. Welch ein über sein Kollegium glücklicher Schulleiter konnte ihm von seiner Schule im Aufbau berichten...

Wie immer fing es unscheinbar und winzig an: Der Heimatverein wollte die Schule in Wachenheim für einen Vortrag über Philipp Fauth nutzen, ich glaube, es war im November. Als "Gastgeber" nahm ich natürlich auch teil, zumal es in Bad Dürkheim eine Straße dieses Namens gibt und ich überhaupt nichts über den Namensgeber wusste. Der Vortrag (eines Saarländers!) war begeisternd und ich empfand das Unwissen als Mangel. Kurz danach erzählte ich einem Kollegen davon und fragte, ob dies nicht ein Thema für eine Forscher AG sein könnte. Dieder Tage las ich dann in einer Mail, dass wir, eben mit dem Ergebnis dieser Forscher AG, wieder zur Preisverleihung des History Awards nach München eingeladen sind. Gibt es das? Zum dritten Mal in Folge sind wir unter den ersten 10 Plätzen? Noch immer erinnere ich die Begeisterung in den Gesichtern der Schülerinnen und Schüler, die von der letzten Preisverleihung aus Hamburg kamen und Shiva Cosima Hagen die Hand geschüttelt hatten. Nun fahren wieder sieben Kids mit und sicher wird es für sie wieder ein bleibendes Erlebnis werden, völlig unabhängig von der Platzierung. Toll, klasse! Ich freue mich riesig für uns uns euch! Am Montag fuhr ja auch eine erste Gruppe zu einem Austausch ins französische Cuisery. Auch das zeigt, wie wir ständig wachsen (und gedeihen).

Auch die gestrige Vorstandssitzung des Fördervereins-Vorstandes zeigte gewachsene Professionalität: Gleich vier "Einsätze" planten wir mit einer Ruhe, Erfahrung und Gelassenheit, die wohl ihresgleichen sucht - einfach, weil wir auf drei Jahre Arbeit zurückblicken können und stets die Erfahrung gemacht haben: Es hat geklappt. Was soll dieses Mal schon schief gehen.

 

 

 

Montag, 02. Mai 2011:

Da war wieder, so ein viel zu kurzer erster Schultag. Der heutige war besonders kurzweilig durch die vielen kleinen Zeitfresser, die heute an meinem Wohlbefinden nagten. Mit etwas Erschrecken überblickte ich heute erst die Termine bis zum Juni - ich hatte es tunlichst vermieden, den Terminkalender während der Ferien auch nur einmal hervorzuholen - die gesamte Schultasche aus Schweinsleder hatte ich zwei Wochen lang ignoriert. Heute dann das Erwachen! Aber wie jedes Jahr seit 1992 werde ich dann am ersten Ferientag sagen können: Na also, es war doch zu schaffen!

 

 

 

 

Freitag, 15. April 2011:

Ich glaube, wir sind alle reif für die Osterferien. Ein letztes Gläschen Sekt nach der vierten Stunde mit dem Kollegium - ein kleines Dankeschön für den Weg bis hierhin. Und dann wurde das Schulgebäude ganz schnell leer und kann nun zwei Wochen ruhen, bevor der Schuljahresendstrerss beginnt, so kurz, wie, zumindest in meiner Erinnerung, noch nie, denn an Fronleichnam ist Schluss! Also, tanken für den Endspurt!

 

 

 

 

Mittwoch, 13. April 2011:

Mit dem heutigen Elternabned zu Mathematik 7 haben wir hoffentlich etwas zur Klärung und zur Versachlichung beigetragen, zumindest haben wir verschiedene Gerüchte und Mutmaßungen zurechtrücken können. Freilich stehen weitere Gespräche an und ein Fokus wird auf darauf gerichtet sein müssen. Aber immerhin, der Anfang ist gemacht.

An Weiberfsatnacht habe ich von einem "geheimnisvollen" Anruf berichtet, heute kann ich ihn aufklären: Damals wurde offiziell, dass die Besetzung der zweiten Stufenleitungsstelle beschlossene Sache ist, "unsere" Bewerberin wird die Stelle bekommen. Da galt es noch Widerspruchsfristen abzuwarten und das Geheimnis noch zu hüten. Dann gab es noch verschlungene Postwege und vielleicht auch Schreibtischstapel - sei's dru, ab heute ist Ernennung offiziell, die Empfangsbestätigung ist schon unterwegs nach Trier. Glückwunsch und auf eine gute weitere Zusammenarbeit. Jetzt ist die Schulleitungsrunde offiziell mit vier Funktionsstellen ausgestattet. Wie bei all diesen Stellen steht noch ein Jahr "kommissarisch" vor der Funktion, doch das ist reine Formsache, dem Beamtengesetz geschuldet.

 

 

 

 

Dienstag, 12. April 2011:

Hier wurde Bildungsreform sichtbar: Wo sich früher die wenigen Schulleiterinnen und Schulleiter eher in einem "Hinterzimmer" getroffen haben, war heute bei der Direktorenvereinigung der rheinland-pfälzischen IGSn in Osthofen 54 Schulen vertreten, welch eine Runde, gerade mal noch so ohne Mikrofon handhabbar. So schön dies aus Sicht der eines integrativen Schulsystems auch ist, wir müssen darauf hinarbeiten, dass auch das entsteht, was es ursprünglich war. Längst sind die Menschen, die eine IGS aufbauen sollen, selbst nicht darin "groß geworden". Also gilt es zu unterstützen und auch zu werben. Welch ein Brocken dies bedeuten könnte, wurde in den Diskussionen um die differenzierte Leistungsmessung heute deutlich, die durchaus nicht konsensual geführt wurden.

Anschließend von Osthofen nach Deidesheim zur Kuratoriumssitzung der Frank-Lyden-Stiftung. Mit dem Aufbau Ãºnserer IGS kommt dieser in der Unterstützung sozial nicht so stark ausgestatteter Schülerinnen und Schüler eine ganz neue Bestimmung zu. Ich werde dies im Auge behalten.

 

 

Montag, 11. April 2011:

Ein weiterer Baustein der Schulentwicklung wurde heute grundgelegt: Eine Konzeptgruppe traf sich mit einem externen Verterter der Arbeitsagentur und Eltern, um den wichtigen Abschnitt der Berufsorientierung vorzubereiten. In meiner Erfahrung in meiner alten Schule bricht dieses Thema immer wie ein Donnerhall auf alle ein. Eben hat Klasse 5 und sechs begonnen, in sieben beginnt die Differenzierung und plötzlich steht das große Thema Beruf auf dem Tablett, eben noch Kind und nun Berufsleben? Diesen Einschnitt zu gestalten mit vielen Informationen und Erfahrungen auszustatten, darum geht es. Stichworte werden sein: Stärken, Begabungen, Interessen, Berufsfelder und -bilder, Betriebsbesichtigungen, Praktika und einiges mehr. Wichtigstes Element ist mir, dass ein gut gewählter Beruf Lebensglück bedeuten kann und dies ist nicht vom erreichten Schulabschluss abhängig. Und: Ganz gleich welcher Abschluss erreicht wird (Ich schreibe dies auch als einer, der zunächst die Hauptschule durchlaufen hat!), gerade heute ist kein Weg eine abschließende Einbahnstraße. Möge es uns gelingen, diese Überzeugung zu leben und zu transportieren.

 

 

Donnerstag, 07. April 2011:

Wir hangeln uns so voran und verfügen als Schwerpunktschule über knapp drei Jahre Erfahrung. Es ist dies ein Zeitpunkt, dies alles in ein festeres Konzept zusammenfließen zu lassen. Inhaltlich, personell und organisatorische wollen wir da vorankommen. Das geschieht nicht so nebenbei und daher befassten sich eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen während eines Teilstudientages mit dieser Aufgabe.

Die Sechstklässler feierten heute Pessach nach. Die Eindrücke und Erfahrungen der beiden letzten Jahrgänge machen dies zu einem Bestandteil des Religionsunterrichtes. Nach dem Assembly, in dem Pessach als Vorbereitung für nächstes Jahr auch Thema war, besuchte ich die einzelnen Gruppen und fand bei allen eine feierliche Atmosphäre vor mit der Menorah, den Zutaten Matzen, Kräuter, Eier, Fruchtmus und zum Teil hatten die Schüleriienen und Schüler ihre selbst gestalteten Kippas auf.

 

 

Mittwoch, 06. April 2011:

Vor dem Schulbeginn wohin fahren, das hat es seit den so genannten Frühschichten vor Jahr(zehnt)en nicht mehr gegeben. Heute stand in der Zeitung, dass bei der Klosterruine Limburg Mauern des Vorgängerbaus freigelegt wurden. Kaiser Konrad II. hatte wohl hier seine Kindheit verbracht auf dem castellum lintburg. Für mich auch nach Jahren des Hierseins ein besonderer Ort, den ich von unsrem Garten aus sehe, wenn der Winter die Bäume entlaubt hat, ein Ort, den ich immer wieder besuche, mit Benjamin, allein oder auch beim Besuch des sommerlichen Biergartens. Hunderte von Fotos habe ich von diesem Gemäuer gemacht, bei allen möglichen Lichtverhältnissen, habe die Geschichte des Klosters nachgelesen, weiß um den welthistorischen Augenblick, als die Adventszeit nach vielen Wirren endgültig von einer Synode auf der Limburg auf vier Wochen festgelegt wurde und als für kurze Zeit die Reichsinsigniern, Reichsapfel, Krone und Zepter, hier aufbewahrt wurden. Da die nun freigelegten Mauerreste aus Konservierungsgründen heute wieder zugeschüttet werden sollten, blieb also nur der kurze Abstecher vor der Schule, um die Frühgeschichte der Anlage selbst in Augenschein nehmen zu können.

 

 

Montag, 04. April 2011:

Auch das gibt es bei uns: Die Polizei war hier wegen Sachbeschädigung einer Lichtkuppel auf der Überdachung und Filmen mit dem Handy auf der Toilette. Jede Schule ist "nur" ein Abbild der Gesellschaft, auch die unsere kein losgelöstes Paradies.

Genau wie vor zweieinhalb Jahren: Plötzlich steht die Feuerwehr mit vier Mann im Büro und sagt: "Wir lösen jetzt einen Feueralarm aus!" Anders damals weiß ich nun wo und wie das geht und ebenfalls hatten wir schon einen Probealarm in diesem Schuljahr durchgeführt und also war ich gar nicht aufgeregt. Alle Türen gehen auf, die Schülerinnen und Schüler gehen langsam und geordnet auf den Hof oder, die aus dem Anbau, auf den Sportplatz, stellen sich dort auf...innerhalb von drei Minuten war die Schule komplett geräumt. Lob der Feuerwehr: "Im Ernstfall träfe jetzt der erste Löschzug ein und die Schule ist schon geräumt. Optimal!"

Auch die Rückmeldungen von der SV-Tagung: optimal. "Da hat man mal gesehen, was die Kinder schon alles gelernt haben: von der Rednerkette, übers Strukturieren, Diskutieren, einfach klasse!" Auch inhaltlich sind die Kids vorangekommen und haben sich eine Reihe von Punkten vorgenommen, eigenständig und selbst verantwortet. Erste Sahne auch die Rückmeldung des Radwanderheims über Auftreten und Verhalten der IGS-Gruppe. Da ward ihr ein gutes Aushängeschild für uns. Danke und ich bin stolz auf euch!

Nachmittags eine wegen Krankheit reduzierte Schulleitungsrunde, naja, zu zweit kann man ja gar keine Runde bilden, eher eine Strecke, wenn ich aus Mathe richtig informiert bin. Aber inhaltlich haben dennoch eine Reihe von Punkten abgearbeiet. Resumee: Ein bunter Start in die Woche.

 

 

Freitag, 01. April 2011:

Was mit einer unabhängig aufgekommenen  Idee zweier Institutionen begann, entwickelte sich heute für mich zu einem weiteren Höhepunkt der IGS-Geschichte. Nach mehreren Jahren der Vorbereitung und der Werbung durch den Freundeskreis der ehemaligen Synagoge und dem Heimatverein, beschloss der Stadtrat an dem Projekt Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig teilzunehmen. Vor den Häusern ehemaliger jüdischer Mitbürger werden in Form von Pflastersteinen kleine Tafeln in den Boden eingelassen, auf denen Namen, Daten und Schicksal der unter den Nationalsozialisten verfolgten Juden steht. Den Entrechteten und Ermordeten wenigstens ihren Namen zurückzugeben, an sie zu erinnern, im Alltag über sie zu stolpern - das sind die Grundzüge des Projektes. Unabhängig von diesen Überlegungen der Stadt Deidesheim entstand in den Reihen der IGS die Idee, innerhalb des Projektes Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage eine Stolperstein-Aktion durchzuführen. Auf Nachfrage erhielten wir die Nachricht, dass dies bereits auf dem Weg sei. Vertreter des Stadtrates und der Schule waren sich schnell einig, das Projekt gemeinsam durchzuführen. Jugendliche sollten an den einzelnen Häusern eine kurze Biografie der ehemaligen Deidesheimer vortragen, auch um die nachfolgende Generation in  das bleibende Gedenken einzubinden. Zehn Schülerinnen und Schüler unserer Schule und der Realschule Plus waren schnell gefunden, die dann heute in Aktion traten. Zunächst wurde in den einleitenden Informationen der beiden Vereinsvertreter klar, dass es sich um Bürgerinnen und Bürger mitten aus der Stadt handelte, die zum Beispiel bei der Gründung von Vereinen mitwirkten und auch Ämter in der Stadt übernahmen. Sie waren also voll integriert und wohnten mitten in der Stadt, wohnten nicht abseits im eigenen Viertel. Kein Wunder also, dass das erste Haus, an dem zwei Stolpersteine verlegt wurden, damals wie heute direkt am Marktplatz steht. Während diese Informationen vorgetragen wurden, fuhren Autos und Traktoren vorbei und sorgten für den Lärm des Alltags - Erinnerung mitten drin, ohne Absperrung, ohne Ruhe der Besonderheit, ohne abgeschotteten Festakt. Gleichzeitig der Künstler: In vorbereitete Aushebungen  verlegte er, während "über ihm" die Schicksale vorgetragen wurden, die neuen Steine mit den Messingplättchen, klopfte hier einen ins Lot, da noch eine Kelle Mörtel, dort noch ein Schuss Wasser aus dem Kanister, bürstete die Steine sauber...Erinnerung und Gedenken auch als Werk der Hände, vernehmbar aber nicht dominierend, nicht etwas daher machend, sondern in der kargen Aufmerksamkeit. Neun Steine wurden so am Marktplatz, in der Heumarktstraße und in der Weinstarße verlegt. Über sie ist ein Gedenken, unscheinbar aber auf Dauer, möglich. Zumindest sind die Namen zurückgekehrt nach Deidesheim, nicht, wie ich in einem Artikel las, als Schlusssteine, denn heute begann die dauernde Mahnung im Alltag. Ganz dicht und beißend wurde es für mich, als ein Kinderreim vorgetragen wurde, den damals die Deidesheimer Kinder über einen jüdischen Kaufmann durch die Gassen riefen und der heute von einem Zeitzeugen, der ihn damals als Kind noch kannte, von hinten hineinrufend ergänzt wurde: "Der ... ist ein Judd, der macht uns all kaputt." Eiskalt verspürte ich den Schauer im Nacken, da war ein Moment lang die Geschichte gegenwärtig, nicht als Film, nicht als Buch, lebendig, da war nichts vorbei oder damals geschehen, da ragte das Grauen in das Heute hinein und stellte ein Band her zwischen mir und den damaligen Ereignissen.

Eigentlich haben wir mit dem Besuch des jüdischen Friedhofs in Wachenheim, mit dem Gedenken am Tag für die Opfer des Holocaust, mit dem Zug der Erinnerung, mit dem Besuch von Zeitzeugen in der Schule, mit der Veranstaltung in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim, dem Menschenrechtstag und dem Besuch der Gedenkstätte in Neustadt, dem Projekt Schule ohne Rassismus und der heutigen Teilnahme beim Verlegen der Stolpersteine immer wieder mit dem Thema Nationalsozialismus konfrontiert. Heute verspüre ich das Drängen, es noch öfter zu tun und unterliege vielleicht der Gefahr, es durch zu häufiges Erwähnen zu verflachen. Helft alle mit eurem Gespür, dass wir dieses Grauen wachhalten ohne, dass es zu einem weghörenden "Schon wieder!" führt.

 

Donnerstag, 31. März 2011:

Das Jubilate Deo aus Taize erklang heute auch bei den Fünfern im Assembly. Und wieder hörte ich es anschließend auf dem Flur erklingen. Nochmal ein Treffer. Was kann einem Lied, einer Melodie, einem Gesang besseres passieren, als in den Alltag hinein zu erklingen! Nach Film, Fotos und Information haben die Susis, mit nur wenigen Gegenstimmen, das Rucksackprojekt mit Mary's Meals durchzuführen. Mir war es wichtig, das nicht vorzustellen und aufzudrücken, sondern per Handzeichen Zustimmung der Kids zu erhalten. Damit hat es einen anderen "Sitz", als wenn die Schule ein Unternehmen "durchdrückt" - Assembly auf dem Weg zur Jahrgangsversammlung.

Eine beeindruckende Zeit auch heute wieder im Seniorenstift. Mit kleinen Hilfsmitteln brachte uns die Pfarrerin nahe, wie sich das Leben älterer Menschen verändert: Schreibe mal deinen Namen mit dicken Handschuhen, schaue durch eine Brille, die nicht für deine Augen bestimmt ist und schon ist eine Ahnung durch Erleben da, was es heißt älter zu werden, was es heißt, im gewohnten Alltag nicht mehr alles wie gewohnt hin zu bekommen. Tolle Sache.

 

Dienstag, 29. März 2011:

Wie ist das schön, morgens durch die sonnendurchflutete Weinstraße zur Schule zu fahren, wenn links und rechts die Mandelbäume blühen und in Wachenheim mich die Verkehrsinseln mit der Blüte von Hyazinthen und Osterglocken begrüßen...

Die Schülervertretung fuhr heute zu ihrer dreitägigen Klausur in ein Radwanderheim, auch sie benötigen unbedingt mal Zeit am Stück, um Inhalte und Strukturen zu schaffen. Für mich gehören solche Tage selbstverständlich zum Schulalltag und daher werte ich sie insgesamt auch nicht als Unterrichtsausfall. Das werden Unterrichtsstunden und Inhalte sein, die jedem Einzelnen und auch der Schule weiterhelfen werden. Also, nutzt sie, wachst zusammen und bringt gute Ideen mit!

Die zurück gebliebenen Lehrkräfte versammelten sich heute zur Gesamtkonferenz. Zunächst eine kleine Einstimmung mit Baustellenschildern - erstaunlich, wie viele verschiedene Variationen ich im Netz gefunden habe. Das Kollegium beschloss deren drei noch in diesem Schuljahr voranzutreiben: Es wird sich eine Konzeptgruppe Fördern bilden, die unser Förderkonzept zunächst kritisch unter die Lupe nehmen wird, um es dann zu verbesern, auszubauen oder zu schaffen (?). Mir wurde mindestens dreimal das einer anderen IGS vorgestellt, das in meinen Augen aus vielen bekannten Begriffen besteht, aber dem Inklusionsgedanken durch viel Hohlraum hinter den Begriffen nicht sehr nahe kommt. Da wünsche ich mir eines aus unserer Schule, das Theorie und Praxis besser verzahnt und "Butter bei die Fische" mengt. Weiter steht die Berufsorientierung, das WPF-Konzept und (immer noch) das Ganztageskonzept auf dem Programm - dabei sind schon bald Osterferien...Also, Ärmel hoch.

 

Montag, 28. März 2011:

Heute erlebte ich zwei Mathematikstunden mit - juhu, das Bruchrechnen klappt noch. Es ist ungemein interessant, in "fremde" Fächer hinein zu "riechen", zu sehen, wie es Ähnlichkeiten gibt und wo Unterschiede. Machte mir jedenfalls richtig Spaß.

In Deidesheim fand heute eine Fortbildung an den interaktiven Tafeln statt. Auch das hochinteressant, wenngleich wir aufpassen müssen, damit nicht den Frontalunterricht hintenrum wieder zu stärken. Und ein weiterer wichtiger Aspekt: Wir sind Schwerpunktschule. Wo ist das Feld für diese Kinder? Dennoch eine gelungene Sache. Zum einen wurde die Ausstattung gelobt, weil sie genau den richtigen Ansatz verfolgt: Es nützt in der Regel nichts, wenn eine interaktive Tafel in einem PC-Raum "verkümmert". Wenn sie ohne großen Aufwand verfügbar sind, werden sie genutzt. Genau das war ja das Anliegen beim Anbau. Eine weitere Überraschung war die Frage eines der drei Referenten vom Landesmedienzentrum: Haben Sie die Kolleginnen und Kollegen verpflichtet, an dieser Fortbildung teilzunehmen? Hä? Nein, die sind alle aus Interesse und freiwillig hier und das seien nicht mal alle. Wir haben noch genug für eine zweite Runde. Erstaunen, Freude und Lob. Gebe ich doch gerne weiter!

Was war noch los heute? Heftige Diskussionen wegen des Wahlausgangs, zwei weitere Praktikantinnen begannen heute ihr Orientierendes Praktikum, zwei Anfragen wegen einer gewünschten Hospitation in unseren differenzierten Lerngruppen, und dies noch und das noch, was nicht alles hier Dauer finden muss. Rundum ein voller und ein guter Tag! Wäre da nicht noch das Warten auf einen bestimmten Brief, der sich immer wieder hinauszögert...

 

 

Freitag, 25. März 2011:

Ja, das war ein Assembly nach meinem Geschmack. Zunächst glaubte ich nicht daran, dass wir das Jubilate Deo hinbekommen. Und siehe da: Nicht das Vorspielen auf You tube vermochte das Lied zu transportieren, erst die Gitarre und das stückweise einüben, auch des lateinischen Textes: Jubilate Deo omnis terra. Servite Domino in laetitia. Alleluja, alleluja, in laetitia. Okay, das saß dann und der Jahrgang bekam es ohne mich hin. Ich kündigte an, dass wir das versetzte Singen des Kanons auf das nächste Mal verschieben würden (Ich war einfach zu feige, es heute noch durchzudrücken), da kam der Wunsch aus der Versammlung heraus. Der Jahrgang begann, ich setzte nachträglich ein - und schon füllte sich der Raum mit dieser speziellen Stimmung. Fast möchte ich sagen, dass die Gesänge aus Taizé archaische Strukturen haben, denn immer wieder habe ich erlebt, wie ansteckend sie sind, wie leicht sie mitzusingen sind und wie schnell Stimmung entsteht. Toll, das wird mich für weitere Lieder aus dem Heft ermuntern. Nun stehen Kelch und Kreuz auf der Fensterbank im Deidesheimer Büro, neben der Menora und neben der Kerze, die am Holocaust-Gedenktag immer brennt und einigen Exponaten aus dem Unterricht - eine würdige Reihe hat sich da angesammelt, allesamt machen die Gegenstände auch mich aus, stehen für einen meiner Entwicklungsschritte vom Pfarrjugend- hin zum Schulleiter.

 

 

Donnerstag, 24. März 2011:

Der Tag begann mit dem Assembly 5/6 - zentraler Punkt heute: Wir als Schwerpunktschule. Zumindest verbal haben die beiden Jahrgänge das Thema internalisiert und berichteten auch von schönen Ereignissen und vom gemeinsamen Lernen. Ich denke, ab und zu muss das auftauchen, um präsent zu bleiben: Wir nehmen Kinder mit besonderem Förderbedarf nicht nur hin, sondern bewusst wollen wir gemeinsam mit ihnen an der Schule sein. Zum Abschluss erklang "Für Elise" - Elemente von Schülerinnen und Schülern, Vorstufe zum Stufenversammlung und zum Schulparlament? Noch ein weiter Weg. Ich hörte auch heute von Inhalten aus dem zweiten Fortbildungsmodul von SchLuL, auch darin wird immer wieder deutlich: WIr stehen am Anfang eines Weges, dessen Ende noch lange nicht in SIcht ist, nein, eigentlich darf der Weg gar nicht zu Ende gehen, Schulentwicklung ist durchgehendes Prinzip und darf nicht irgendwann abgeschlossen sein.

Schulscharfes Auswahlverfahren am Nachmittag. Es galt verschiedene Bewerber zu befragen und eine (auch hier juristisch haltbare) Entscheidung zu treffen. Zwei Lehrkräfte werden wir vorschlagen, denen ein Stellenangebot unterbreitet werden soll. Schön ist es, wenn ein Gremium einhellig übereinstimmt. Bei solch wichtigen Entscheidungen ist schnell mal Aspekt vergessen, auch da tut Teamarbeit gut. Wir denken, für die Schule gut entschieden zu haben.

Am Abend dann Rückgriff in die eigene Biografie: Die Schule erhielt ein Schreiben des Bistums in Speyer, das die Teilnhame an einer Fahrt nach Taizé ermöglicht. Wir wollen dies morgen im Assembly bei den Trixis thematisieren. Ich kramte meinen Keramik-Kelch und mein altes Taizé-Kreuz aus, es soll morgen das Thema gegenständlich repräsentieren. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich diese aus Burgund mitgebracht haben. Ein älteres Liederheft "40 Gesänge aus Taizé" stammt von 1987 - also muss es wohl Mitte der Siebziger gewesen sein, als ich selbst einige Male die Atmosphäre, die Spiritualität und die Kontemplation in dieser Communauté miterlebte. Besonders aufmerksam verfolgte ich 2005 die Entwicklung: Frere Roger, der Begründer, wurde von einem geistig verwirrten Menschen erstochen. Zum Nachfolger als Prior wurde schon länger Frere Alois gehandelt. Und mit ihm verbindet mich ganz viel. Ende der Sechziger Jahre, katholische Pfarrei St. Nikolaus in Stuttgart, der Pfarrjugendleiter hieß damals Alois Löser. Er spielte hervorragend Gitarre, ich bewunderte ihn, der damals schon Unterricht in klassischer Gitarre genoss, und ich schaute mir von ihm unter anderem das Stück Jeux interdies ab. Ich kannte noch keine Noten, also adaptierte ich bei jedem Treffen mit ihm weitere Griffe, bis ich erst die Melodie, dann das ganze Stück selbst spielen konnte, natürlich nicht so flüssig und sauber wie Alois, aber immerhin. Er sollte nicht nur mein Gitarrenmentor werden, der mich vom Geschrummel auf der "Pfadfinder-Gitarre" ins klassische Spiel einführte, ich folgte ihm 1972, unsicher, zu jung und unerfahren, als Pfarrjugendleiter nach. Unser damaliger Kaplan war kurz darauf in Taizé als Bruder eingetreten, Alois sollte bald folgen - und nun ist er Prior dort. Ich wusste das natürlich, aber erst heute drängte sich dieser biografische Schnipsel wieder in den Vordergrund. In technischen Zeiten suchte ich für das Assembly das Lied Jubilate Deo und traf auf ein Interview mit Frere Alois. Manchmal staune ich darüber, wie mich meine Biografie immer wieder einholt. Wo stecken nicht alles Prägungen - immerhin nutze ich die Gitarre bis heute und das Stück Jeux interdits haben meine Finger bis heute im Gedächtnis...

 

Dienstag, 22. März 2011:

Heute verweilte ich an meiner 18. IGS in Rheinland-Pfalz, bei der rasanten Entwicklung wird der Prozentsatz derer, die ich durch eigenen Besuch kenne, aber immer geringer. Neben dem Thema, ich hatte es ja schon letzte Woche geschrieben, ist es immer wieder hoch interessant, wie eine Schule "nach innen so tickt". Schon beim Gehen durch das Gebäude fällt dies und das auf, ah, das machen sie auch, oder: das ist mal interessant. Und dann die Atmosphäre im Kollegium, eher mit dem Bauch erspürbar als mi dem Kopf (der ist ja auch mit dem Thema beschäftigt). "Wie macht ihr dies? Wie geht ihr das an? Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?..." - Fragen, die ganz nebenbei auf dem Flur, beim Kaffee oder beim Gang zum Essen eine Rolle spielen und weswegen ich solche Tage liebe - der Blick über den eigenen Horizont, neuer Saft und nicht nur im eigenen schmoren. Ach ja, das Thema differenzierte Leistungsmessung haben wir gemeinsam auch angeschoben. Neben der Theorie (vor allem die Gesetzeslage) konnte ich viel von unserer Praxis berichten. Es wird doch weitergehen und ist als Konzeptmerkmal beabsichtigt. Ein erfolgreicher Tag von daher gesehen, aber mir fällt es dann zunehmend schwer, die Augen bei der Rückfahrt offen zu halten. Wie meine Tasche bin eben auch in die Jahre gekommen, aber so lange die Nähte noch nicht brüchig werden...

 

 

Sonntag, 20. März 2011:

Ein Sonntag, der seinem Namen alle Ehre machte und so richtig fühlbar mit dem Frühjahrsempfang des Bürgermeisters begann. Noch immer, trotz zweitem Standort und Schulträgerwechsel, wohnhaft in der Stadt nebenan, fühle ich mich dort wie zu Hause. Die Vorbereitung und die ersten beiden Jahre sowohl der IGS als auch meine als Schulleiter, waren eben eine ganz besondere Zeit und da fühlte ich mich in Wachenheim und seinen (verantwortlichen) Menschen sehr wohl. Was heute eher geschäftsmäßig läuft, war am Anfang eben viel stärker an Personen und den Umgang mit ihnen geknüpft. Die Schule läuft inzwischen gut und kam daher auch in der einen oder anderen Bemerkung auf dem Parkett, aber auch in einer Rede vor. Nicht nur heute Morgen und nicht nur in Wahlkampfzeiten, auch sonst immer mal wieder und in vielen Zusammenhängen taucht der Begriff der Nachhaltigkeit auf. Heute fiel mir ein Beispiel zur Erläuterung ein. Ich saß in der Küche, hatte mir extra starken Zwirn gekauft und nähte meine Schultasche. Am Freitag hob ich sie vom Pult hoch und stellte fest: Die untere Naht war über eine Länge von Zweidritteln aufgerissen, der alte Zwirn brüchig und spröde. Noch passte zwar kein DIN A4-Ordner durch. Wenn überhaupt, hatte ich bisdahin also nur Kleinigkeiten durch die offen klaffende Naht verloren. Die Perforierung der Originalnaht hinterließ in gleichmäßigem Abstand die alten Einstichlöcher, die ich ohne große Nähkünste nutzen konnte - das kann ich selbst, dachte ich mir. Wer näht schon kurzfristig eine Ledertasche.

Ich begann im Sommer 85 in Saabrücken mein Referendariat. Von meinem ersten Gehalt kaufte ich mir diese helle Schweinsledertasche, ein lange gehegter Wunsch, der ob der Finazknappheit der Studentenzeit bis dato nicht zu erfüllen war. Ich habe beim Nähen überlegt, dass es seither keinen Tag, keine (Unterrichts-)Stunde gab, in denen diese Tasche mich nicht begleitet hatte und das seit nunmehr 26 Jahren. Vor etwa 10 Jahren brachte ich sie einmal zum damals noch arbeitenden Schuster, der sie mit dem Ausruf: "Endlich mal wieder richtiges Leder zum Nähen!" mit leuchtenden Augen in Empfang nahm. Jetzt also ich, mit Nadel und Zwirn, im 26. Jahr. Wenn sie mir damals auch teuer vorkam, abschreibungsmäßig würde eh niemand mehr darüber reden, jetzt, da sie wieder (doppelt mit Zwiefachnaht) hergestellt ist, wird sie mir vermutlich bis zur Pensionierung dienen können und dann wohl immer noch nicht kapputt sein, denn ich habe sie frisch eingefettet und poliert - sie sieht immer noch gut aus. Wieviele Kunststoffranzen mit Marken und Motiven verschiedener Modewellen hat sie kommen und gehen sehen - meine Schweinsledertasche hat Bestand. Auch habe ich in gleicher Zeit etwa zehn Autos unfallfrei bis "hintenhin" gefahren, der TÜV hatte uns jedes Mal getrennt - nicht so diese Tasche. Für einen EInsatz, der etwas höher lag als "normal" - 26 Jahre Ruhe, bleibend, stabil, nachhaltig eben. Auch Bildungsinhalte erfordern vielleicht etwas Einsatz, bleiben dann aber erhalten, das Einmaleins, Vokabeln (wenn sie immer mal wieder verwendet werden, wie meine Tasche möglichst täglich), Klammerregeln in Mathematik und vieles mehr. Einmal stach ich mir dann doch in die Finger und über dem kleinen Nadelloch bildete sich ein winziger Blutstropfen. Nachhaltigkeit gibt es eben nicht ohne persönlichen Einsatz und kann auch schon mal wehtun. Das Ergebnis und die Zeit machen das aber wett.

 

 

Donnerstag, 17. März 2011:

Während meines Referendariats ereignete sich die Atomkatastrophe in Tschernobyl. Im Seminar diskutierten wir, dass eine solche Katastrophe wichtiger ist als alle Lerninhalte. Auf alle Fälle sollte das auch im Unterricht thema sein. Heute machte das Erdbeben, den Tsunami und die Atomkatastrophe in Japan im Fünferassembly zum Thema. Die Kinder sollten einfach nur die Möglichkeit erhalten, darüber zu reden, eventuell ihre Ängste davor äußern zu können. Ich kann mich an keines der Assemblys erinnern, in welchem die Wortmeldungen so reichhaltig waren, das Mikrophon machte die Runde und schließlich waren die 45 Minuten um, bevor alle Wortmeldungen abgearbeitet waren. Auf seine Weise eine ganz besondere Zusammenkunft - vielleicht auch, weil die Fünfer zum ersten Mal im Filmsaal zusammen kamen, dem Ort, wo das Assembly entstanden ist. Im üblichen BK-Saal fand zu gleicher Zeit der Känguruh-Mathematikwettbewerb statt. Rückblickend kann ich festhalten, dass die Kids sehr gut informiert waren, sie verbesserten sich gegenseitig bei ihren Aussagen oder sie ergänzten sich bei Ungenauigkeiten. Toll, prima und ein Erlebnis. Auch auf der Gefühlsseite, denn neben dem großen Wissensdurst spürte ich auch die heikle Betroffenheit, die doch bei den meisten bedrückte Stimmung, auch wenn keine/r konkrete Angst äußerte.

Das angewachsene Kollegium hat sich nach längeren Anlaufschwierigkeiten einen Örtlichen Personalrat (ÖPR) gewählt, der nun aus drei Mitgliedern besteht. Nach der konstituierenden Sitzung nun heute das erste Treffen mit dem Vorsitzenden. Der vorläufige Gliederungsplan, in dem alle Planungsdaten für das kommende Schuljahr stehen, von Anrechnungs- und Entlastungsstunden bis hin zur Personalplanung. Gut, wenn bereits bei der ersten Sitzung die gewünschte eine offene, vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre herrscht. Ich denke, dieser neu gestaltete Part der Zusammenarbeit wird fruchtbar sein.

Es erreichte mich noch eine Email, ob eine vage Zusage, dass wir an der iMedia (die zentrale Fortbildungsveranstaltung des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz für Lehrkräfte aller Schulen) im Mai das differenzierte Arbeiten in Projekten, das wir an der Schule praktizieren, vorstellen können. Huch, das hatte ich ganz vergessen. Aber ja, ich stehe dazu und viel Arbeit kommt bei der Zusammenstellung eh nicht auf. Gleichzeitig können wir dort auch als Medienkompetenzschule unsere Anwesenheit damit abdecken. Teilnehmen wollte ich eh, nun also mindestens zu zweit und auch noch aktiv.  Telefonisch habe ich den kommenden Dienstag noch abgesprochen. Eine neue IGS in Mainz will in die differenzierte Leistungsmessung einsteigen. "Könntest du uns innerhalb eines Studientages in das Thema einführen und euere Praxis vorstellen?" Weil ich gute IGSn will, spüre ich auch die Verpflichtung, die Unterstützung, die ich erhalten habe (Ich kam ja nicht als "Gesamtschul-Urgestein", wie es vor kurzem wieder hieß) auf die Welt. Von ganz vielen habe ich auf meinem Weg profitiert, tue das ja jetzt noch und will das auch gerne weitergeben. Und je mehr Gesamtschulen sich mit der differenzierten Leistungsmessung vertraut machen und sie umsetzen, desto besser. (Hoffentlich ist der Wahlkampf hier im Lande bald zu Ende, damit es mich nicht immer wieder zu Seitenhieben lockt: Ich spreche sehr wohl von LEISTUNGS-Messung, nicht von "Knet-und-Bastel-Schulen"!).

 

 

Mittwoch, 16. März 2011:

Was für ein strammer und vielseitiger Tag war das heute. Zunächst besuchte uns eine knapp 20-köpfige Delegation der Internationalen Gesamtschule in Heidelberg. Wieder von irgendwoher haben sie gehört, bei uns würde gute Arbeit geleistet. Sie selbst wollen sich aus dem Stadium, in 5 und 6 integrierte Klassen zu haben, herausentwickeln und aufbauen. Immer wieder tut es gut, den Blick von außen auf unsere Schule mitzubekommen. Der heutige war sehr positiv. "Was wir von der Theorie kennen, haben wir heute beeindruckend in der Praxis gesehen." Für mich zusätzlich interessant: Von der Arbeit in einem Bundesland zu hören, das keine IGS-Gründungen genehmigt und die bestehenden sieben Modelle "kaputt reglementiert". Was bei uns als normal gilt, etwa die Differenzierungsform als Schule innerhalb eines Rahmens gestalten zu können, kommt hinter dem Fluss einer Utopie gleich. Das schärft den Blick auf unsere Situation, gibt nochmal Kraft, diese Möglichkeiten auch im Sinne unserer Schülerinnen und Schüler dankbar zu nutzen. Wer weiß was ich dazu nach dem 27. März schreiben muss?

Zum ersten Mal (schon wieder!) nahm ich als Ausbildungsleiter an einem Unterrichtsbesuch bei einer unserer Referendarinnen teil. Die sich anschließende Besprechung der Stunde war für mich lehrreich, auch nochmal darin, wie Unterricht als geplantes Geschehen analysiert wird. Dennoch erschreckte mich der Grundansatz von 45 geplanten Minuten, als fast technokratisches Abklopfen von Unterrichtsschritten und Erreichen von Lernzielen.  So wichtig das sein mag und vielleicht hat es ja auch mir geholfen, bis heute im Unterricht zurecht zu kommen. Dennoch erlebe ich von heute aus gesehen einen wichtigen Bestandteil, der in meiner eigenen Ausbildung zu kurz gekommen ist, als tragende Säule, die ich mir selbst aufbauen musste: Es sind 45 Minuten Interaktion mit Kindern, leider nur 45 Minuten der Begegnung und eine Dreiviertelstunde des Miteinanders. Der Gedanke: Ich habe etwas parat, das ich studiert habe, und suche nun die geschickteste und ausgefeilteste Möglichkeit, es anderen "beizubringen", beinhaltet doch immer auch ein oben und ein unten, ein Ich-weiß-es-und-du-noch-nicht. Drängt das Unterricht und Schule nicht in ein Machtgefälle? In eine überhebliche Antworthaltung, wo vielleicht noch gar keine Frage ist? Was ist das für eine Konstruktion? Soll ein Einstieg eine Frage geschickt aufkommen lassen, nur weil ich bereits die Antwort habe?  Nein, das ist keine Gleichmacherei, es ist der Anspruch auf respektvolle Begegnung auf Augenhöhe, die immer auch mich selbst neugierig machen muss und in der ich auch als Lehrkraft, als Ausbilder und als Schulleiter nie die Grundhaltung des Lernenden verlassen darf. Demut der Frage statt Arroganz des Wissens schafft Vorbilder und gute Autorität, nach denen sich Kinder dann wie von selbst strecken. Und dann ist Unterricht ein zutiefst humanes Geschehen, das Spaß macht und bereichert.

 

Sonntag, 13. März 2011:

Deutsch, Erweiterungskurs, IGS Ernst Bloch, etwa im Oktober 1992: Wir lasen "Die letzten Kinder von Schewenborn" von Gudrun Pausewang. Das Jugendbuch schildert die Situation einer Gruppe von Kindern nach einem Atomschlag, wir befanden uns damals noch mitten im kalten Krieg. Ich kannte das Buch nicht, las es an einem Wochenende durch, war tief bewegt, denn es ist derart eindrucksvoll und nah geschrieben, dass es mich schauderte und bis in die Nacht verfolgte. Einige Schüler sagten damals auch, das Buch sei so bedrückend, so aussichtslos, weil man doch wisse, dass die Kinder nicht überleben werden, dass sie es nicht zu Ende lesen wollten. Warum schreibe ich das? Weil mir die Strimmung der tristen Aussichtslosigkeit, des Unvermeidlichen und des Entsetzens bei den Bildern aus Japan angesichts der dortigen Katastrophe wieder urplötzlich präsent waren. Auch das Nicht-wahr-haben-wollen, das eigentliche Schon-wissen,  das Klammern an letzte Hoffnuingen, wider besseren Wissens...all das ist dort beschrieben, war in mir vergraben und ist wieder da. Also ein im Nachhinein noch besseres Buch, wenn über diese Zeit Stimmungen bleibend konserviert hat. Das alles ist so schrecklich, geht mir nahe und ist vor allem bei Bildern mit Kindern so schmerzhaft. Der Mensch als lernendes Wesen? Der Mensch mit dem am besten funktionierenden Denkapparat?  Der Mensch als das anpassungsfähigste Wesen? Ich melde Zweifel an!

 

 

Donnerstag, 10. März 2011:

Meine zwei donnerstäglichen 'A's: Assembly und AG verliefen schön ohne besonders zu sein. Und eben deshalb sind sie erwähnenswert. Heute hat das Jahrgangslogo der neuen Fünfer das Licht der Welt erblickt. Zunächst hatten ja die jetzigen Fünfer aus den 32 Vorschlägen ein Bestenliste von zehn Vorschlägen gewählt. Diese zehn wurden von einer Jury aus Schülerinnen, Kolleginnen und dem Schulleiter begutachtet und das Siegerlogo gemeinsam ausgewählt. Jetzt warten alle Leserinnen und Leser sicher drauf, aber ich möchte es noch zurückhalten bis zum Elternabend am 26. Mai. In Deidesheim fand sich noch ein fristgerecht eingereichter Widerspruch gegen die Ablehnung im Losverfahren - der 34. Also wurde nicht nur die bisherige Anmeldezahl getoppt, auch die Zahl der Widersprüche war nie so hoch. Zwar sehe ich das sportlich, dennoch wird die hohe Zahl Zeit beanspruchen. Und einige Eltern haben jetzt schon nachgefragt, wie und wann ein endgültiger Bescheid käme. Ihr Lieben, das wird noch dauern, leider.

Heute habe ich die nächsten Praktikanten offiziell begrüßt. Derer dreizehn  sind es wohl inzwischen, die zwei bzw. drei Wochen an unserer Schule hoffentlich die wichtigste Erfahrung von allen machen: Ja, ich spüre, dass mir die Kinder am Herzen liegen und ich mit ihnen umgehen kann. Alles weitere ist Studieninhalt der Didaktik und Methodik, also erlenbar. Das pädagogische Feuer aber muss innen lodern und kann nicht gelehrt und auch nicht geprüft werden. Naja, vielleicht kann man sich doch anstecken lassen, aber dann muss das Holz da sein. Macht es auf alle Fälle gut bei uns!

 

Aschermittwoch, 09. März 2011:

Ein freier Tag, den wir uns durch den Tag der offenen Tür erarbeitet haben - ein verzögerter Ausgleichstag, aber ich genieße ihn. Berichte über den politischne Aschermittwoch verursachen Ärger in mir. Aussagen wie "Einheitsschule", "Rückkehr (!) zur Leistungsschule", "Nicht allen das Gleiche, sondern jedem das Beste" deuten an, dass sich Menschen, die derzeit Wahlkampfreden halten, entweder nicht darin auskennen, was Schule 2011 bedeutet oder aufgrund einer politischen Ausrichtung und eines verqueren Menschenbildes nicht auskennen wollen. Der Gipfel dann der Satz: "Es reicht nicht, wenn Kinder ihren Namen tanzen können." Kann ein Mensch, der solche Sätze von sich gibt, der die Arbeit Tausender Lehrerinnen und Lehrer abqualifiziert, ernsthaft politische Verantwortung übernehmen? Welche Aufffassung von Gesellschaft steckt hinter solchen Aussagen? Welche Grundeinstellung zum Leben und zum Menschen selbst? Ich wandle Markus 2,27 um: Die Schule ist für die Kinder da, nicht die Kinder für die Schule!

Mehr zufällig gesellte ich mich letzte Woche noch zur Runde der Deutsch-Lehrkräfte in Jahrgang 7 und sagte zu, meine Materialien zur Ballade nochmal zu durchforsten. Meine Wochenpläne, meine Texte, Unterrichtsergebnisse aus meiner alten siebten Klasse...Mann, ist das lange her. Aber beim Thema Ballade scheine ich heiß zu laufen. Jedenfalls mailte mir eine Kollegin zurück: "Fast könnte man meinen, du vermisst das Unterrichten?" Ich muss sagen: Ja, natürlich. Wegen dieser und solcher Inhalte habe ich schließlich studiert und war immer der Meinung, daraus Lebens-Hilfe anbieten zu können. Seien es Kurzgeschichten, Novellen, Balladen, auch Dramen wie "Die Räuber" - stets war es mir wichtig, nicht nur die literaturwissenschaftliche Seite zu beleuchten. Solche Texte im Unterricht heute vorzustellen, macht nur Sinn, wenn die Kids heute daraus etwas für sich ziehen. Sie sind nicht nur gut, weil es kunstvoll gestaltete Texte sind, sondern weil sie Lebensfragen auch für die Gegenwart stellen. Insofern vermisse ich das wirklich. Elias Canetti schrieb einmal (Ich glaube im ersten Band seiner Aurobiografie "Die gerettete Zunge") über einen Lehrer, den er vor allen anderen in Erinnerung behielt. Dieser habe im Grunde nichts anderes getan, als die Schüler an dem teilhaben zu lassen, von dem er selbst ergriffen war. Inhalte waren nicht per se wert, weitergegeben zu werden, sie waren authentisch an den Weitergebenden geknüpft, ein Glücksfall von Unterricht und immer mein Bestreben, da so nahe wie möglich heranzukommen. Schau, was dir der Inhalt sagt und gebe dies weiter, dann ist es mit deiner Person verknüpft. Prüfe, weil es mir wichtig geworden ist, ob dies auch für dich der Fall sein kann. Nicht die Wissenschaft entscheidet darüber, ob ein Gedicht es wert ist, gelesen zu werden, sondern der Mensch, der von seinem Zugang dazu erzählt. Und das vermisse ich sehr wohl. Aber es kamen ja andere Aufgaben hinzu, die ich, wenn es gut läuft, nach diesem Schema zu bewältigen versuche. Und: Unter den momentanen zeitlichen Belastungen wäre ein Unterricht wie damals zu den Balladen gar nicht möglich. Dazu bedarf es Zeit und Raum, sich selbst darauf einzulassen. So freue ich mich an der Erinnerung und trage nicht nur die Balladen noch heute in mir.

 

 

Donnerstag, 03. März 2011:

"Endlich habe ich einen Chef, dem ich an Altweiberfastnacht die Krawatte abschneiden kann. Seit Jahren warte schon darauf!" - gesprochen etwa im November des letzten Jahres von einer Klollegin mit leuchtenden Augen. Und: ausgerechnet heute war sie krank. Das rettete meine Krawatte aber nicht. Drei Sechserschülerinnen tauchten urplötzlich vor dem Fünferassembly auf. "Huch, was macht ihr denn hier? Heute sind nur die Fünfer dran!" Da bltzten schon die Scheren und die Augen. Schön aufgeteilt haben sich die drei diese Aufgabe. Da eine Krawatte ja kein Leintuch ist, mussten die drei Einzelschnitte zart geführt werden, damit allen Dreien ein Stück Stoff (Seide immerhin!) zum Zertrennen blieb. Das abgetrennte Stück wanderte als Trophäe von Hand zu Hand und verschwand. Einige Fünfer glaubten, wenn man ihren entsetzten Blicken folgen würde, an unbedachte Körperverletzung. Somit war ein zusätzliches Thema für das Assembly gefunden.

Dann benötigte ich Sitzfleisch. Ich schaffte es nicht mehr um 9.15 Uhr pünktlich nach Frankenthal zu kommen, dort fand nämlich die regionale Dienstbesprechung der Schulleiter statt. Weniger Zeit verging durch die Fahrt, die Parkplatzsuche an zwei benachbarten Gymnasien mit über 2500 Schülerinnen und Schülern führte mich soweit von der Schule weg, dass der sich anschließende Fußweg die eh schon zerronnene Zeit zusätzlich vermehrte - und das alles mit abgeschnittener Krawatte. Stirnrunzeln oder Lächeln waren die häufigsten Reaktionen. Auch beim verspäteten Eintreten spielte das waagrecht abgetrennte, nun viel zu hoch endende Stoffstück die Hauptrolle. Die sonst sich im Bunde der Krawattenträger befindlichen Oberstudiendirektoren - sie alle trugen heute ihre Kragen offen und stichelten über meinen "Mut" (?). Die Dienstbesprechung zog sich dann hin mit weniger pädagogischen als vielmehr administrativen Themen und angesichts der noch lange nicht abgearbeiteten Tagesordnung, rief ich zu fortgeschrittener Zeit in der Schule an und sagte meine AG ab. Nie und nimmer, so dachte ich, hätte ich pünktlich zurück sein können. Als ich dann wirklich zum Auto lief, waren Mittagspause und Lernzeit schon um, die AG-Zeit schon reichlich angebrochen. Sorry, ihr Lieben, hoffentlich hat euch die Nachricht noch rechtzeitig erreicht. Abzusehen war das nicht. Es wird mir eine Lehre sein.

Einen ganz erfreulichen Anruf erhielt ich dann noch zu Hause. Er bleibt nun mit dem Datum der Weiberfastnacht 2011 verbunden. Zu gegebener Zeit werde ich darüber schreiben.

 

Mittwoch, 02. März 2011:

Auch von gestern will noch einige Dinge nachtragen. Die (Teil?)-Lieferung der Nawi-Ausstattung ist angekündigt. Nun ja, seit den Herbstferien sind die Räume fertig und werdengenutzt. Bisher entweder mit Improvisationen oder mit der Ausstattung, die durch die RS+ schon da ist. Jetzt ist es März! Der SEB, der gestern Abend noch in Deidesheim tagte, stellte es auch fest: Die vier (!) nackten Glühbirnen hängen noch einsam glimmend von den seit Sommer unberührten Decken. Drei Generationen von Frauen meiner Familie sagten immer schon: Was als Provisorium geht ist oft von Dauer. Das der Naturwissenschaften zumindest scheint nun dem Ende entgegen zu gehen.

Seit 1. Februar tummeln sich zwei Referendarinnen in unserem Personalpool. Da ein Ausbildungsleiter mit Lehramt Realschule gesucht wurde, übernahm ich diese Aufgabe. Nach schleppendem Anfang und verschiedenen Seminarterminen heute nun das erste Treffen, bei dem wir Themen, Termine und Vorgehensweise festgelegt haben. Über Arbeit konnte ich mich bisher schon nicht beklagen, aber dieser Teil macht auch Spaß. Irgendwie, so hatte ich heute einmal das Gefühl, sind die Jahre unmerklich vergangen und ich gelte schon als "alter Hase", fällt mir doch zu jedem Thema ganz viel ein, was aus der Praxis stammt. Auch meine eigene Referendarzeit ist noch wach in mir. Vielleicht auch, weil sie eine gute Zeit war. Von meinem Deutsch-Fachleiter habe ich derart viel gelernt, das sich bis heute erhalten hat. Auch die von mir so bezeichnete Traumatisierung aller Referndare durch Lehrproben und Unterrichtsbesuche blieb bei mir aus. Irgendwie störte mich die Anwesenheit fremder Menschen im Unterricht nicht und meistens hatte ich das Gefühl, dass ich souverän vorbereitet bin. Wenn es irgendwie gelingen kann, dies bei den unsrigen Referendarinnen zu wiederholen, wäre ich sehr glücklich. Meinen Teil will ich gerne dazu beitragen.

Die "Baggerschaufel" Split, die seit einigen Tagen schon neben dem Gerätehaus der Garten AG ausgeleert wurde, ist inzwischen verteilt, das Haus wurde vom wieder herbeigefahrenen Radlagerauf drei Balken an seinem endgültigen Platz gehievt - fertig. NAtürlich nur der "Rohbau", denn die Inneneinrichtung fehlt noch ganz und einen schützenden Anstrich wird das Holz auch noch bekommen müssen.

 

Dienstag, 01. März 2011:

Ist doch schön, wenn es neben den jährlich wiederkehrenden Gedenktagen einmalige Jubiläen zu begehen sind. So wird die Wochenzeitung DIE ZEIT 65 Jahre. Schön auch, dass dazu immer wieder neue Ideen aufkommen, wie solche Wiederkehr von Gründungsjahren ausgeschmückt wird. Im Falle der ZEIT heißt das: zwei Ausgaben mit herausragenden Artikeln, die seit dem Start im Jahre 1946 erschienen sind. Klangvolle Namen sind unter den Autoren, die mir im und nach dem Studium immer wieder begegnent sind, etwa Heinrich Böll, Peter Rühmkorf, Günter Grass, Luise Rinser, Hans Magnus Enzensberger und andere. Warum dieser Hinweis in Schulleiters Tagebuch? Weil eben ein Artikel aus dem Jahr 1964 die beginnende Bildu