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Okt bis Dez 10

 

Mittwoch, 22. Dezember 2010:

Letzte Schultage haben es immer in sich, der heutige setzte noch einen drauf. Zunächst die Wogen glätten wegen meiner Rudertätigkeit, dann die kleinen Geschenke an zwei Standorten austeilen, "auf ein Schlückchen" mit der RS+ zusammen sitzen - da vergehen vier Stunden im Minutentakt und dennoch bleibt das Gefühl, nicht alles erledigt zu haben. Nun aber ist erstmal Luft. Auch ich will oder muss den Akku aufladen, will die Zeit nutzen, "die Schule" aus dem Kopf zu bekommen und die Tage, in denen sich Zeit und Ewigkeit, Himmel und Erde begegnen. Schließlich feiern wir mit der Geburt Jesu mythisch diese Vereinigung aller Gegensätze, für drei Tage im Jahr träumen wir von der Überwindung dieses unendlichen Abstandes von oben und unten, von Erfülltsein und Leere, formulieren wir die Erfüllung einer Ganzheit, die wir im Alltag und im Leben so schmerzlich vermissen. Morgen kann ich auch die Weihnachtspost für das Kollegium fertig machen. Ich verschenke Gedanken zum Labyrinth in der Kathedrale von Chartres mit seinem kurven- und lehrreichen Weg in die (eigene) Mitte, in der alles stimmt, die unser Ziel sein muss für ein erfülltes Leben, verbunden mit der Aufgabe, auch bei noch so vielen Umwegen und Schleifen, nie aufzugeben.

 

Dienstag, 21. Dezember 2010:

Das gab es auch noch nie: Bereits vor dem Frühstück klingelte das Telefon dreimal: Alle wollten wissen, ob schulfrei sei, die Schulen rundum gäben auf den Homepages den Unterrichtsausfall bekannt. Nein, wir machen normal Unterricht. Die Busse fahren doch. Ich sehe keinen Grund, den Unterricht komplett ausfallen zu lassen. Ich ließ kein Aber zu und siehe da: Von den über dreihundert Schülerinnen und Schüler haben wetterbedingt nur fünfzehn gefehlt - ergo: richtig entschieden. Das versuchte ich auch den Dutzenden Nachfragerinnen und Nachfragern zu verdeutlichen. Klar ist es nicht einfach, wenn die Schwester oder der Bruder zu Hause noch ausschlafen, weil sie auf einer anderen Schule sind. Da müssen wir jetzt durch und mir geht es gut, so entschieden zu haben.

Am Morgen dann eine falsche Einschätzung meinerseits: Es ging um einen Elternbrief wegen des Deutsch-Lernservers im Jahrgang 6. Im Teamraum, "zwischen Tür und Angel" angesprochen, ob dieser Brief so rauskönne, entschied ich auf die Schnelle nach drei Ergänzungen mit "Ja". Ich hatte schon ein mulmiges Bauchgefühl, weil mir notwendige Absprachen fehlten. Ich war aber wohl nicht stark genug, "Nein" zu sagen oder wollte es allen recht machen. Wie auch immer. Ein Anruf des Schulelternbeirates brachte die Notwendigkeit, morgen "zurück zu rudern". Wie kann ich solches im neuen Jahr vermeiden? Mal wieder zeigte sich: Kommunikation ist ein hohes Gut, aber zwei Standorte mit drei Teams erschweren diese. Um so wichtiger werden Strukturen sein, die wir uns, oder die ich mir, schaffen muss. Wenn schon an zwei Standorten, dann nicht noch zwischen den Stühlen.

Sehr schön, spontan und locker war das Treffen mit dem Kollegium der Grundschule zum Jahresausklang. Was sich da in den gut zwei Jahren entwickelt hat an Wertschätzung und Kollegialität ist wunderbar und macht die Arbeit lustvoll und einfach. Danke!

 

Montag, 20. Dezember 2010:

Darauf hatte ich das ganze Halbjahr gewartet: Standortwechsel im Winter mit Schnee und Eis. Es war heute trotz dichtem Schneetrei´ben aber kein größeres Problem. Ich fuhr ja auch nicht direkt in die Schule, nur nach Deidesheim, um, fernab vom Schulbetrieb, in einem Cafè ein persönliches Gespräch zu führen. Und prompt war es problematisch: Um 12.30 Uhr klingelte das Handy: "Die Busse fahren wegen des Schnees nicht mehr. Was sollen wir tun?" Wenn die Busse nicht mehr fahren, dann können die Kids jetzt um 13 Uhr sicher besser die Heimfahrt organisieren als um 16 Uhr, wenn es schon langsam dunkel wird, so mein Gedankengang. Also: Ganztagesbetrieb fällt aus, Schulschluss nach der sechsten Stunde. Die Tutoren sollen aber sicherstellen, dass alle Kinder nach Hause kommen. So lautete meine etwas einsame Entscheidung. Schnell dem zweiten Standort Bescheid sagen, für die gilt das ja auch. Hmm, war das jetzt richtig? Ich rief gegen halb zwei nochmal an, ob auch wirklich alle heimkommen konnten oder ob es eine Notgruppe gab. Nein, bei allen ging es glatt, die Eltern waren informiert worden.

Abends dann wieder Telefon. Einige Schulen haben den Unterricht für morgen abgesagt. Wie sieht es bei uns aus? Einen kompletten freien Unterrichtstag noch dranhängen? Abwägen zwischen Schulpflicht und Schülergesundheit. Ein Anruf beim Bisunternehmer: "Ob die Busse fahren, weiß ich erst morgen früh.Im Moment taut es, sieht so aus, als führen wir." Also noch eine Entscheidung: normaler Unterrichtstag. Etwas seltsam war mir schon zumute bei diesem Schritt vom Wohnzimmer aus. Aber die Fakten zogen die Waagschale ja runter.

Freitag, 17. Dezember 2010:

So, die Vorbereitungsbögen für die Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche sind verteilt, ich hatte sie gestern aus der Druckerei abgeholt. Bei der Menge ist Kopieren nicht die erste Wahl. Immer wieder treffe ich auch Tutorinnen und Tutoren in den Teamräumen an, die am Telefon letzte (?) Terminabsprachen treffen. Eine spannende erste Runde steht da im Januar allen Familien bevor. Ich wünsche euch dabei die Tiefe, die Effizienz, das Vertrauen, das wir uns bei der Planung der Gespräche versprochen haben.

Zwei denkwürdige Gespräche heute: das eine am Telefon über den Umgang damit, wie sehr die Arbeit an unserer Schule beansprucht und wie es gilt, sich individuell vor vorzeitigem Verschleiß zu wappnen. Das andere in meinem nun  fertig gestellten Büro in Deidesheim. Die wunderschöne Wandmalerei der Kunst AG (sicherlich künftig als "Deidesheimer Fresko" berühmt) ist nun durch meine Bildergalerie ergänzt: der typografisch gestaltete Text "Vor dem Gesetz" von Franz Kafka, das Alphabet der guten Schule von Otto Herz mit einer persönlichen Widmung, die Seidenmalerei meiner ehemaligen Schulleiterin zur Ernennung zum Stufenleiter und die Karikatur über differenziertes Arbeiten. Mich stets an die Aufgabe erinnernd, welche den Aufbau einer neuen IGS bedeutet, nicht nachlassend, eine gute Schule zu werden, die Gelegenheit nicht "vor dem Gesetz" zu verharren, sondern die Chance zu ergreifen und einzutreten, den pädagogischen Ort, von wo ich soviel Orientierung erfahren habe - so schaute ich diese Bilder bei dem zweiten Gespräch heute an und sah in ihnen urplötzlich den eben beschriebenen Zusammenhang. Keines ist neu, das eine schmückt meine Dienstzimmer schon seit dreizehn Jahren - und doch erkannte ich die Linie darin erst heute, wo ich sie zum ersten Mal in dieser Reihe über der Wandmalerei sah. Wie mag ich das einschätzen: unaufmerksames Gespräch (den Eindruck hatten wir beide als Gesprächspartner nicht), oder weihnachtlich geprägte Offenheit für besondere Botschaften? Nein, ganz ohne Esoterik ist es die Verknüpfung einer Biografie mit einer neuen Aufgabe, die ich gut meistern will. Vielen Dank jedenfalls an die Kunst AG für den Entwurf und dessen Umsetzung. Die schrecklich weiße Wand ist zur orientierenden Bande geworden.

Und noch einmal habe ich heute gestaunt: Ich sah Federzeichnungen aus dem Wahlpflichtfach Bildende Kunst. Gotisches Fenstermaßwerk und den Brunnen im ehemaligen Zisterzienserkloster Maulbronn. Donnerwetter, habe ich da gestaunt, was unsere Schülerinnen und Schüler unter fachlich kompetenter Anleitung in solch filigraner Weise aufs Papier bringen. Ich denke, dass ich das nie hinbekäme. Lob und Anerkennung!

 

Donnerstag, 16. Dezember 2010:

Heute musste ich ran: Das ganze Team Susi Saumagen weg, Kollegen krank, also springt auch der Schulleiter für Vertretungen ein. Ich habe in einer Sechserklasse zwei Religionsstunden gemacht und den Menschenrechtstag nochmal besprochen und es hat sich bestätigt: Kinder- und Menschenrechte sind durch den Thementag fest verankert - ein Erfolg also!

Durch einen Artikel im Amtsblatt und ein Gespräch angeregt, ein Nachtrag: Längst kann ich nicht mehr alles miterleben, was bei uns an der Schule geschieht. Zwar wusste ich von der AG "Generationen im Gespräch" in Kooperation mit dem Wachenheimer Seniorenstift. Kinder gehen im Ganztagesbereich dorthin und essen zunächst gemeinsam mit den Bewohnern, machen dann zusammen ihre Aufgaben und spielen anschließend etwas oder unterhalten sich. Gegenseitig íst jeder bereichert an solchen Nachmittagen. Im Rahmen der Wachenheimer Sternstunden fand, fast unbemerkt, vor acht Tagen der Start dieser Aktion statt, verknüpft mit einer Weihnachtsfeier für die Heimbewohner. Nun ist Weihnachten immer ein emotionales Ereignis, diese gemeinsame Feier im Seniorenstift insbesondere. Da melden sich ganz viele Kindheitserinnerungen, da ist Licht, Freude, Atmosphäre, da stehen Fenster und Türen zum Gefühl weit offen. Weit entfernt vom Anlass, dass Gott sich unmittelbar einmischt und in Person seines Sohnes in die Welt kommt, die unendliche Distanz zwischen Himmlischem und Irdischem aufhebt, sich Zeit und Ewigkeit berühren, hat sich das eine Weihnachts-Geschenk-Stimmungsindustrie zunutze gemacht. Geht einmal die Weihnachtsmärkte unter diesem Blickwinkel ab, gekonnt wird eben diese emotionale Schicht freigelegt und bedient. Und deswegen ist so ein Nachmittag wie der im Seniorenstift ganz wichtig und schön, weil er fernab vom Kommerz Weihnachten an seinen Ursprung heranführt. "Wo Jesus nicht in euren Herzen geboren wird, da ist er nicht auf die Welt gekommen." - ein Satz, dessen Urheber ich nicht erinnere, aber der mir seit Jahren im Kopf ist, seit jenen Heilig Abenden in Saarbrücken. Als Student, der Weihnachts-Unehrlichkeit verdrossen ("Da begehen die Christen in den feinsten Stoffen und Pelzmänteln die Armut des auf die Welt gekommenen Gottes."), feierte ich mehrere Jahre mit der Caritas-Gruppe unserer Pfarrei im Heim für Obdachlose Heilig Abend. Wir deckten den Tisch festlich, bedienten die, die sonst auf der Straße lebten und beschenkten sie mit kleinen Nützlichkeiten wie etwa einem Kamm, Rasierzeug, einer neuen Zahnbürste oder ein Paar Socken. Natürlich spielte nach dem Essen die Gitarre ihre Rolle und wir haben auch gesungen. Nicht immer rein, vereinte sich manch raue Stimme mit süßlich klingenden Weihnachtsliedern. Wenn dann bei der Strophe "In den Herzen ist warm, still schweigt Kummer und Harm." die Tränen dieser mit vielen Wassern gewaschenen und an hartes Leben gewohnten (in der Regel) Männer sich ihren Weg aus den Augen suchten, dann war Weihnachten so schön wie heute mit den leuchtenden Augen meines kleinen Sohnes. Lange und manch ausführliche Geschichte ließ den Respekt vor diesen Menschen wachsen, jeder hatte sein eigenes Schicksal, seinen eigenen Weg, seinen Grund für das Leben auf der Straße. Unerträglich wurde mir daher auch der Begriff "Penner" und bis heute weise ich ihn, wo immer er verwndet wird, mit der Erinnerung an diese Abende scharf zurück. Von Aktionen und Hilfestellungen über diesen Abend hinaus ließen sich die Bewohner allerdings nicht begeistern, zu sehr haderten sie mit ihrem Schicksal, als dass sie sich ins "bewohnte, sesshafte Leben" zurück führen lassen wollten. Zum Respekt gehörte auch, sie ihr Leben leben zu lassen. Einen festen Platz in mir haben sie bis heute.

 

Dienstag, 14. Dezember 2010:

Die vier fünften Klassen starten heute ihre erlebnispädagogischen Tage im Martin-Butzer-Haus. Ich wünsche euch schöne Tage, die euch selbst und die Gemeinschaft stärken. Der Wetterbericht sagt Schnee voraus, da werdet ihr zusätzlich was erleben.

Am Nachmittag traf sich die "SchLuL"-Steuergruppe. Habe ich das schon erwähnt: SchLuL steht für das Schulentwicklungsprojekt "Schulische Lern- und Lebenswelten". Als ersten Punkt haben wir heute die Wahl der neuen Schülersprecher geplant - das wird eine besondere Veranstaltung werden. Ich halte aber weitere Informationen erstmal  zurück, passend zur Weihnachtszeit, die so manches noch in der Verpackung verwahrt...

Der Schulkanon erklang heute nun zum zweiten Mal in seiner zusätzlichen Version. Eine Schülerin und ihre Mutter hatten eine Strophe getextet, die ich letzte Woche im 5/6-er Assembly und heute in Deidesheim bei den Trixi gesungen habe. Es freut mich immer wieder, wie sangesfreudig wir sind. Da ist ein Text an der interaktiven Tafel eingeblendet, kurzes Vorspiel auf der Gitarre und dann direkt eingestimmt. Toll! Der Text zum Menschenrechtstag lautet:

Jeder hat das Recht zu leben,

ganz egal, wie er es mag.

Frieden, Freiheit soll es geben,

überall und jeden Tag.

Fair und frei, wir sind dabei.

Arm oder reich, alle sind gleich.

Eine schöne Ergänzung. Wer weiß, wie viele Versionen wir in einigen Jahren zur Verfügung haben...

Die Idee, das Assembly zu einer mehr und mehr in Schülerhänden liegenden Veranstaltung zu entwickeln, nahm heute schon Gestalt an: Eine Schülerin gab das Ruhezeichen, die SV kürte den Deidesheimer Schüler des Monats und erläuterte die Wahl der neuen Schülervertretung im Januar. Das war heute ein hoffnungsvoller Anfang. Die Trixis als Pionierjahrgang - ein Jahrgang für sich!

 

Montag, 13. Dezember 2010:

Gehe durchs Haus und siehe, was da am Freitag alles entstanden ist: verschiedenste Exponate aus den Arbeitsgruppen, inhaltliche Plakate, die Zeitung der "Rasenden Reporter"...ein toller Tag, die Arbeit und der Einsatz haben sich gelohnt. Durchaus beabsichtigt, wenn auch nicht planbar und deshalb um so erfreulicher, die Rückmeldung eines Schülers: "Wir haben gut mit Schülern aus der Realschule Plus zusammen gearbeitet und guten Kontakt bekommen". Schnell noch einen Artikel für die Amtsblätter raus, damit diese Kooperation von drei Schulen nach außen dringt. Dies erscheint mir beispielhaft in Zeiten der Diskussionen und der Schulreform. Der Tag enthält auch in dieser RIchtung die Botschaft: Wo Kinder und Jugendliche in solcher Weise arbeiten, spielt die Schulart keine Rolle. Sie überwinden im und anhand des gemeinsamen Tuns alltägliche Grenzen, jenseits aller Schulstrukturen und sollten darin Vorbild auch für uns Erwachsene sein, die wir uns doch auch gerne in Schulgruppen, mehr oder weniger abgrenzend, einteilen und unser Lehrerbild aus dieser Sicht heraus definieren. Erneut wurde deutlich, dass der Name der Initiative "Eine Schule für alle Kinder - Für längeres gemeinsames Lernen" in der Praxis funktioniert und dennoch individuelles Umgehen mit allen möglich ist. Das Schreckgespenst der Einheitsschule, das eben wieder, auch als Begriff, durch die Lande schwebt, ist und bleibt ein politisch und ideologisch motivierter Papiertiger. Welch ein Glück, dass wir hier anderes erleben.

 

Freitag, 10. Dezember 2010:

Geplant war eigentlich nur unser Thementag im ersten Halbjahr zum Tag der Menschenrechte. Während der Planung wuchs dieses Ereignis zum dem, was heute umgesetzt worden ist: Ein Tag, an dem in drei Schulen und auch Schularten gemeinsam mit allen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften an zwei Standorten auf den verschiedensten Wegen am Thema gearbeitet wurde. Fast 40 workshops arbeiteten dabei eine beeindruckende Breite mannigfaltiger Zugangswege auf, von der Collage, übers  Handpuppenspiel und Marionettenbau, über Karten- und Rollenspiel, über ein Blindencafè und über Trommeln und Rap texten, über Filme zu Todesstrafe und Hunger in der Welt und...und... bis hin zu der Sprühaktion an der Außenwand am Standort Deidesheim, die jetzt für alle sichtbar den Schriftzug trägt: "Vielfalt tut gut". Ich startete zeitgleich mit dem Standort Wachenheim in Deidesheim den Tag mit der Begrüßung, schnupperte hier und da hinein, lernte die "rasenden Reporter" kennen, fuhr dann nach Wachenheim, blickte mit der Presse da und dort hin und begleitete Schülerinnen und Schüler zum Pressegespräch, bis der Tag mit einem Luftballonwettbewerb ("Wir tragen die Menschenrechte in die Welt") endete. Welch ein Unternehmen!

Dank, Freude und Bewunderung für alle, die heute aktiv waren, für diesen wirklich großartigen Tag, der auch zeigte, dass Kooperation möglich und sinnvoll ist. Und es sei hier noch einmal notiert: Das ist Unterricht! Besser, differenzierter, lebensnaher und handlungsorientierter kann er doch nicht sein als heute. Kleingläubig erscheinen mir die Kritiker, die meinen, dass dafür Fachunterricht "ausfällt". Meine Lieben, schaut genau hin, geht die Themen der Arbeitsgruppen inhaltlich durch, listet die Vielzahl von Sozialformen, Lernwegen und Medien auf und sagt mir dann, welch ein Fachunterricht eine solche Vielfalt bereithält. Nein, ich bleibe dabei: Das ist Schule vom Feinsten, das ist auf der Höhe der Zeit, das ist effektiv und nachhaltig, das ist Schulqualität, einmal im Halbjahr kann dies doch nur Gewinn sein und es kann nicht von Verlust an Fachunterricht gesprochen werden.

Dennoch, darauf müssen wir achten: Zwei solcher "Großveranstaltungen" innerhalb einer Woche (der Tag der offenen Tür liegt ja erst knapp eine Woche zurück) werden wir nicht leisten können. Mir ist danach, ein zweites Halbjahr der "kleinen Brötchen" auszurufen. Ich sehe, wie die Lehrkräfte belastet sind, wie das Jahr Energien verzehrt hat - dies werden wir auf Dauer so nicht durchhalten. Und wir müssen ja noch andere Dinge aufbauen, bis die Schule einen ersten Durchgang zum Abitur geführt hat. Doch heute ist ein Tag des besonderen Erlebnisses, des Dankes, des Erfülltseins, des Glückes, mit euch allen arbeiten zu dürfen.

 

Donnerstag, 09. Dezember 2010:

Neben den vielen Anrufen, wie Kinder zu uns an die Schule kommen könnten und welche Chancen bei der Anmeldung zum neuen fünften Jahrgang bestünden, sind die Gespräche mit den Schwerpunkt-Grundschulen für mich immer ein besonderes Ereignis. Es geht darum, welche weiterführende Schule die Kinder mit besonderem Förderbedarf ab dem kommenden Schuljahr besuchen sollen. Kolleginnen und Kollegen aus vier Schulen sitzen am Tisch und überlegen, welche Schule für welches Kind die geeignete ist, Wohnortnähe und Förderbedarf, Entwicklung und Hintergründe spielen dabei eine Rolle. Ich erlebe diesen Austausch zum wiederholten Mal als pädagogischen Höhepunkt des Jahres, vergleichbar mit den Zeugniskonferenzen bei uns, in denen auch Noten eine Rolle spielen, aber der eigentliche Impetus vom wertschätzenden Gespräch über Schülerinnen und Schüler geprägt ist. Ein weiteres Puzzle-Teil werden, so hoffe und denke ich, werden künftig die Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche sein, die zum kommenden Zeugnis flächendeckend beginnen. Wenn sie annähernd so verlaufen wie das Treffen heute, wären wir pädagogisch in einem mehr sld grünen Bereich.

 

Mittwoch, 08. Dezember 2010:

Gesamtkonferenz gemeinsam mit dem Kollegium der Realschule plus zum Thema Krisensituationen an Schulen. Polizei und schulpsychologischer Dienst schilderten Notwendigkeiten und Erfahrungen. Dennoch kann man in solchen Situationen im Grunde nicht richtig entscheiden, immer kann es falsch sein und entscheiden muss die Schulleitung. Möge uns, möge mir das erspart bleiben.

Einige Bemerkungen möchte ich schmunzelnd festhalten. Zunächst die Vorgeschichte, Tagebuch als Bekenntnis: Ich trage gerne Krawatten. Schon in jungen Jahren musste ich Bemerkungen wie "Kulturstrick", "konservativer Knoten" oder "Halsabschneiderseide" entgegen treten, wollte ich doch nichts außer einer Vorliebe ausdrücken. Inzwischen hat sich diese Einordnung relativiert oder ich habe gelernt ihnen standzuhalten, wer weiß. Seit kurzer Zeit jedenfalls habe ich diese Gebinde der Dunkelheit des Schrankes entrissen und führe sie wieder hinaus ins Licht. Eigentlich, schulisch gesehen, ein kaum zu erwähnender Vorgang, wären da nicht die Reaktionen meiner Umwelt, die diese schmalen Stoffstreifen mit immer neuen Kommentaren wahrnehmen, sind doch einige Exemplare locker zwei Jahrzehnte alt und vielleicht in der Farbgebung etwas schrill. "Coole Krawatte", "geile Farben", "Neuer Schlips?", "Die sieht ja toll aus, ist die selbst gemacht?" sind zum Beispiel Worte aus Schülerinnenmund, "Aha, Schulleiter mit Krawatte - find ich irgendwie gut", "Hast du heute noch einen Termin?", "Die passt aber gut zu dem grauen Sakko", Beispiele aus dem Kreis des Kollegiums. Ich erinnere mich auch an eine Unterrichtsreihe als Junglehrer. Wir lasen "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller. Die Lektüre kam nicht so recht an und ich wollte sie aufpeppen. Also kam ich eines Tages mit dem Nadelstreifenanzug in den Unterricht. Zu Beginn jener Stunde wurde heftig auf Schülerseite diskutiert, was denn heute los sei, was das ausdrückt, ob dieses strenge Outfit überhaupt zu mir passe und was ich als Lehrkraft damit ausstrahlen wolle. Bis eine Schülerin aus der hinteren Reihe plötzlich laut die Erkenntnis in die Klasse rief: "Das hat mit dem Buch zu tun!" So schön, so spaßig, so liebenswert kann Schule sein

 

Montag, 06. Dezember 2010:

Das Personalkarusell dreht sich bereits mit Eile, halbe oder ganze Planstellen werden vergeben, Vertretungsverträge offenbar jetzt schon abgeschlossen. Dreimal wollte ich zugreifen - hups! Da waren sie schon versorgt. Seltsam eilig hat das andere Referat der ADD es dieses Jahr.

Im Schulhaus waren nur noch wenige Nachwirkungen vom Samstag zu sehen. Bemerkenswert, wie ein solches Großereignis so äußerlich so schnell verschwindet. Innerlich blieben mir manche Begegnungen, Anfragen und Stimmungen präsent. So schnell wie die Außenwelt kann ich innen nicht aufräumen, das Wochenende als Aufarbeitungstage.

Und noch ein Eindruck: Heute fand in Wachenheim der Vorlesewettbewerb statt, ein Ereignis, das ich als Deutsch-Fachlehrer und Stufenleiter als einschneidend erlebt habe. Dagegen weilte ich heute als Schulleiter ohne Deutschkurs zu Gesprächen in Deidesheim. Da entrichte ich Tribut an den zweiten Standort. Da mag inzwischen Vieles rund laufen, ich selbst habe noch keinen Rhythmus gefunden, bin täglich in beiden Büros, fahre zu beiden Schulleitungen und habe das Gefühl, nirgendwo richtig gewesen zu sein. Das muss ich in irgendeiner Weise ändern. Aber wer weiß schon, wie das gehen soll.Ein frühes Buch, das mein Vater vor Jahrzehnten gelesen hat, kommt mir in den Sinn: "Wanderer zwischen zwei Welten".

Die Kunst AG war am Samstag fleißig und hat die weiße Wand im Deidesheimer Büro fertig gestellt, farbig und im Stile von Hundertwasser gibt sie sich und mir die Ehre. Ganz prima, mit welcher Kreativität und mit welchem Einsatz die Truppe da gewirkt hat. Vielleicht hilft mir diese Wandgestaltung innerlich anzukommen und den Raum immer mehr als "mein" Büro zu empfinden.

 

Samstag, 04. Dezember 2010:

Welch eine Freude, mit solch fleißigen Helferinnen und Helfern einen Tag der offenen Tür zu gestalten. Vieles läuft schon routinemäßig ab, dennoch war ich erstaunt, dass man der Schule gegen 15 Uhr nicht mehr angesehen hat, was da heute alles los war. Viel Lob, viele Nachfragen, auch einige zähe Versuche, die IGS als Schulform klein zu reden. Aber holla, so einfach geht das mit mir nicht, dafür bin ich zu lange im Geschäft. Und "mein" Referent der Schulaufsicht sprach mir "durchaus missionarischen Eifer" zu und meinte dies positiv. Also: Der vierte Tag der offenen Tür, wenn man den ersten 2007 noch ohne Klassen hinzuzählt, wird der Schule gut tun. Und dann, ihr lieben Kolleginnen und Kollegen, wer in der ohnehin hektischen Zeit einen solchen Tag hinlegen kann, der verdient Respekt und Dank. Reichlich soll beides heute bei euch ankommen.


Dienstag, 30. November 2010:

Die Sitzung des Schulelternbeirates ist ausgefallen - nicht, dass ich nicht gerne dort wäre, aber bei den vielen Terminen tut ein zusätzlicher freier Abend gut. Es ist wieder die Zeit, die Schule vorzustellen, letzten Mittwoch in Deidesheim, letzten Donnerstag in der Stadthalle in Wachenheim. Viel Zuspruch, viel Interesse und leider auch "die einzige Schule, die für unser Kind in Frage kommt." Der Hinweis auf das Losverfahren - es wird nach diesen Tagen großen Interesses mit SIcherheit kommen - sind einige verwirrt. Sie hatten dies nicht einkalkuliert. Und wieder werden eine ganze Reihe enttäuscht sein - wie auch die knapp 40 Anrufer der letzten Zeit, die erfahren mussten, dass kein Platz bei uns ist. Klar ist das eigentlich ein Lob für die Schule, klar kann sich das ein Schulleiter nach zweieinhalb Jahren nur wünschen, aber wenn ich an die KInder denke, die weiter mit Unlust in ihre Schule gehen, jeden Morgen mit Bauchweh oder gar Erbrechen auf ihre schlechten Schulerfahrungen blicken müssen...da hätte ich wegen ihnen gerne Abhilfe geschaffen. Was kann schlimmer sein, als der tägliche Kampf um den Gang in die Schule? Und das oft ohne Perspektive? Mir zieht es dann am Telefon immer der Bauch zusammen, wenn ich von den Problemen höre, von den Tränen und der Unlust am Lernen, die schlechte Noten nach sich ziehen. Doch hätte sich das alles bei uns gelöst? Wer weiß das schon. Ich will ja auch nicht weinerlich sein und kenne die Schilderungen nur von einer Seite. Auf jeden Fall stellt sich bei der Anzahl von 40 Familien in fünften und sechsten Klassen innerhalb eines Landkreises die Frage nach dem Schulsystem, die Frage nach dem Umgang mi Kindern und die grundsätzlich menschliche Frage: Wo ist da die kindliche Neugier hin? Was läuft da schief, dass Kinder in dieser Zahl bei uns anrufen, um einen anderen Schulplatz zu finden? Haltet durch!


Montag, 29. November 2010:

Immer wieder ist es schön, von besonderen Erlebnissen und Eindrücken zu hören, jetzt, da ich kaum noch direkten Kontakt zu Klassen und Projekten habe. Innerhalb des Projektes "Umgang mit anderen" waren heute wieder Großeltern zu Besuch in einer Klasse. Folgende schöne Rückmeldung erhielt ich per Mail: "Es war wirklich ein ganz tolles Ereignis - Kinder, Großeltern und Tutoren waren begeistert. Die Großeltern haben ganz tolle, spannende Geschichten erzählt und die kids haben viele tolle Fragen gestellt - wir alle haben wirklich viel gelernt." Wunderschön und toll gemacht aber auch Glück und Dank an alle Beteiligten.


Donnerstag, 25. November 2010:

Zwei Abende hintereinander die Grundzüge der Integrierten Gesamtschule schildern zu können und gleichzeitig an Beispielen aufzeigen zu können, wie die IGS Dei/Wa (Dieses Kürzel spielt sich immer mehr ein) umzusetzen versucht - da kommt mir "mein" Referent der Schulaufsicht in den Sinn: "Herr Dumont, einen gewissen missionarischen Charakter kann man ihnen nicht absprechen." Fast bräuchte ich keine Powerpoint-Präsentation nicht mehr, sie dient nur noch der Veranschaulichung. Aber mein Vorteil, mein Plus, mein Fundament ist natürlich die tägliche Arbeit in der Schule und siebzehn Jahre IGS-Erfahrung. Wo sonst, als mitten drin, sollte ich da stehen? So gehen mir diese Abende leicht von der Hand, nicht mal die Achseln werden inzwischen feucht. Bleibt mir nur zu hoffen, dass diese meine bevorzugte Schulform mit ihren Vorteilen auch ankommt. Rückmeldungen spiegeln solches zurück. Dennoch, alle lieben Zuhörerinnen und Zuhörern, all ihr lieben Leserinnen und Leser, ich habe durchaus auch Gymnasien erlebt, an denen ich gerne Schüler gewesen wäre und an denen auch gute pädagogische Arbeit geleistet wird. Die Zeiten der ideologisch geprägten Schuldiskussionen sollten vorbei sein. Allen Eltern, die vor der wichtigen Frage stehen: Welche Schule für mein Kind, wünsche ich viel Fingerspitzengefühl, eine gute Beratungszeit in der Familie und - was die IGS betrifft - Losglück, denn darauf wird es bei uns wieder hinauslaufen.

 

Dienstag, 23. November 2010:

Gestern geschildert - heute nochmals erfahren: Die Steuergruppe des Projektes "Schulische Lern- und Lebenswelten" tagte heute und suchte nach Möglichkeiten, die Inhalte des ersten Moduls umzusetzen. Demokratisierung von Schule stand da an erster Stelle. Die Ideen sprühten und Spannung knisterte: Ob wir die Ideen so umsetzen werden können? Wir waren uns einig: Ja, wir schaffen das. Weiteres will ich hier mal noch nicht verraten. Ach, macht das alles Spaß, ach, tut das gut, in solchen Teams arbeiten zu können, ach, wie schön, gemeinsam Prozesse anstoßen zu können/wollen...

 

Mittwoch, 17. November 2010:

Noch eine frühe Erinnerung: Während meiner Überprüfung im Dezember 2007 wurde ich nach meinen Ideen für ein Qualitätsprogramm für die damals noch zu gründende Schule gefragt. Heute nun kam die Nachricht, dass die AQS (Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen) im Februar 2011 unsere Schule evaluieren will. Wir haben inzwischen ja ein (immer noch wachsendes) Konzept von knapp über 30 Seiten erarbeitet. Da ist mir nicht bange vor dem Besuch. Wir können unsere Arbeit von zweieinhalb Jahren sehen lassen. Da ist soviel Gutes entstanden, soviel pädagogisch Wertvolles umgesetzt worden, dass es eigentlich nur ein guter Besuch werden kann. Und dann kommen wir in eine Phase, in der nicht nur wir selbst überzeugt sind, sondern auch von außen genauer hingeschaut wird.

 

Dienstag, 16. November 2010:

Noch genau habe ich die Sitzung der Planungsgruppe im SInn, die über die Entscheidung, am Programm der Pädagogischen Schulentwicklung diskutierte und auch die SEB-Sitzung, die den Plan dann unterstützte. Nun ist es soweit: der dritte Studientag unter Beteiligung von drei Jahrgangsteams hat heute stattgefunden. Es erfüllt mich immer wieder mit großer Freude, wie sich alle darauf einlassen und mitarbeiten an der Absicht, das Gelernte und Erfahrene nun auch in die Klassen und Lerngruppen hinein zu tragen. Noch wichtiger ist die Nachricht, dass man unseren "Schülerinnen und Schülern anmerkt, dass sie methodisch geschult sind". Dann hat sich ja der Aufwand gelohnt und solche Rückmeldungen machen ja Mut, weiter zu machen.

 

Montag, 15. November 2010:

Nicht mal einen Brief habe ich heute hinbekommen. Würde ich bei allen Terminen und Gesprächen dieselbe Tür verwenden, ich hätte die Klinke heute nicht aus der Hand gegeben. Zunächst die Einladung in einen Klassenrat zum Thema Assembly. Ach, wie schön war die Erinnerung an meine eigenen Klassen im Stuhlkreis, Gesichter und Namen fielen mir ein, Situationen und Prozesse kamen mir in den Sinn - wie anders sind die Aufgaben eines Schulleiters! (Bin ich gerade auf dem Memo-Tripp?). Eine ehemalige Kollegin aus meiner Anfangszeit besuchte mich heute. Neben den "Arbeits"punkten schwelgten wir auch in Erinnerungen (wir waren über 12 Jahre gemeinsam an denselben Schulen), ausgelöst durch meine "Reliquienecke" im neuen Büro, wo Fotos von all meinen Teams hängen, in denen und für die ich da war. Jede einzelne Phase schnitzte an mir bis zum heutigen Stand. Im Schulträgerausschuss erfuhr ich dann nachmittags Einzelheiten aus dem Haushaltsplan. Ich fühle mich rundum wohl beim neuen Schulträger, nun sind auch eine Reihe von Anträgen genehmigt worden und die Gebäudesanierung an beiden Standorten wird in Angriff genommen, erst langsam, weil es zu viele Schulen gibt, die Bedarf haben (und in Containern muss bei uns keine Minute unterrichtet werden, an einer Schule ist dieses Provisorium nun schon mehrer Jahre alt. Klar, dass unsere Fenster da zurückstehen) - aber es geht ein Schwung von dieser Nachricht aus, der bis 2014 reicht, wenn es bei uns in die Oberstufe geht, ebenfalls in einem noch zu planenden und zu bauenden Anbau. Über allen Wipfeln ist Ruh? Ich glaube, nicht mal nach dem ersten Abitur - Schulentwicklung als immerwährender Prozess.

 

Freitag, 12. November 2010:

Eine verblasste, leicht verschmutzte Karte vom Ballonwettbewerb der Trixis am ersten Schultag in Deidesheim traf heute in einem Briefumschlag ein, die Absenderadresse auf der Karte gar nicht mehr zu lesen, durch Regen gelöscht oder von der Sonne verblasst. Sie wurde letzte Woche während eines Waldspaziergangs im schwäbischen Dachtel, in der Nähe von Stuttgart, gefunden. Anhand des noch sichtbaren Schullogos, der Homepage und der Liebenswürdigkeit der Finder erreichte sie mich heute mit den besten Wünschen für ein gutes Miteinander und für viele erfolgreiche Aktivitäten. Eine sehr nette Geste, liebe Menschen, unsere Homepage und der Charme einer verblassten Karte - ein Thema für das freie Schreiben (etwa: "Abenteuer am Luftballon" oder "Rückkehr nach Monaten im Wald") oder auch ein ergänzender Aspekt zur Medienschule.

Heute hielt ich dann auch die gerahmte Urkunde des Medienwettbewerbes von medien+bildung.com. Gesucht waren darin Beiträge zum innovativen Umgang mit (neuen) Medien. Wir haben das Konzept unserer Thementage Medien eingereicht und einen Förderpreis erhalten. Nun können wir am Thementag unentgeldlich einen Fachmann bekommen, der uns unterstützt. Wohin mit der Urkunde? Die Nische im Wachenheimer Büro, in der alle 8 (!) bisherigen Urkunden stehen, ist voll...

 

Donnerstag, 11. November 2010:

Angesichts der vielen Kolleginnen und Kollegen von damals riss es mich zu der Begrüßung hin: "Willkommen zu Hause!" - wo ich vor 18 Jahren begonnen habe, stecken immer noch so viele Wurzeln, ist immer noch der "Spatenstich zur Grundsteinlegung meines pädagogischen Hauses" spürbar. Als wären die 18 Jahre nicht gewesen und wie voll waren sie doch. Ich stufe das durchaus hoch ein, denn die Städte, in denen ich wohnte, Stuttgart und Saarbrücken voran, kommen mir bei Besuchen fremd vor, ihnen haftet das Gefühl des Überholten an, dort gehöre ich nicht mehr hin, auch zu den Menschen nicht. Eben dies blieb heute aus an der IGS Ernst Bloch in Oggersheim, wo sich die Direktorenvereinigung IGS traf, im Filmsaal, in welchem ich etwa als damaliger ÖPR-Vorsitzender heiße Diskussionen und Personalversammlungen erlebte und manch heftige Gesamtkonferenz, ja auch durchlitten habe. Anders dagegen heute, das Gespräch war weitgehend vom Konsens getragen, kontroverse Ansichten wertschätzend diskutiert. Wieder wurden zwei Funktionsträger ersetzt, weil die bisherigen demnächst in Pension gehen. Da waren sie wieder die 18 Jahre...

 

Mittwoch, 10. November 2010:

Der Kreis stellt eine zweistellige Millionenzahl in den Haushalt 2011 für seine Schulen ein, ein tolles Zeichen dafür, wie wichtig ihm die Schulen sind. Immerhin ist seine Situation nicht die eines Dagobert Ducks, ganz im Gegenteil. An vier Stellen bekommen auch die beiden Standorte was davon ab. Es geht weiter, nichts stagniert, aber Geduld ist dennoch angesagt. Ich will sie auch gerne weitervermitteln: Wo Schülerinnen und Schüler seit einigen Jahren wegen zu kleiner Gebäude in Containern unterrichtet werden, wo sie nicht unerhebliche Fußwege zum Mittagessen zurücklegen müssen, da trete ich gerne mit einigen matten Fenstern in den Hintergrund, zumal die Sanierung erkannt, aber kurzfristig nicht finanziert werden kann. Wenig hilfreich kommt hier eine Äußerung daher, dass ein Vater sein Kind "so nicht beschulen lassen will". Hinzu kommt, dass wir als Schule zusätzliche Anträge zur Ausstattung stellen konnten, die zusätzlich in den Haushalt eingebracht sind. Gab es schon mal Zeiten mit erfüllbaren Maximalforderungen? Wenn ja, gehören die aktuellen nicht dazu. Und gelernt wird dennoch.

 

Dienstag, 09. November 2010:

Direkt bei der Ankunft spürte ich ein Gefühl: "Ja, hier bin ich zu Hause!" Ich war als Referent nach Bingen geladen, um bei einer Fortbildung für Schulleitungen der in diesem Schuljahr gestarteten IGSn mitzuwirken. Die Tagungsstätte liegt auf dem Rochusberg und wird von den Kreuzschwestern im Stile der Hildegard von Bingen geleitet. Schon das Außengelände mit einem Kräutergarten im SInne der Heiligen strahlte eine Ruhe aus und als das Foyer betrat, Ausstellungsstücke, Hinweise zu Hildegard von Bingen, jahreszeitliche Dekoration und eine große Insatllation zum "Weg durch die Stille" sah, kamen all die christlichen Tagungsstätten mir in den SInn, die ich in großer Auswahl kenne. Kein mir bekanntes statliches oder in Trägerschaft anderer privaten Stiftungen befindliches Zentrum kann diese Atmosphäre ausstrahlen. Weit über einen Raum mit Bestuhlung hinaus erlebte ich immer wieder die Mauern als Botschaft und befinden sich diese auch noch in sehr alten Gemäuern, ist der Eindruck perfekt. WIe aus einem vorigen Leben entstammend erlebte ich das heute, weil ich in keiner Weise darauf vorbereitet war. Viele Tagungen in ehemaligen Klöstern, Bistums- und Exerzitienhäuser liegen auf meinem Werdegang, schöne, tiefe, spirituelle Eindrücke und Erfahrungen sind an solche Häuser geknüpft, aber auch enge, einsame und bedrückende. Und all das strömt binnen Sekunden auf mich ein, war wieder da und ließ mich die Tagung über nicht mehr los. Bei den Inhalten und Fragen an mich wurde mir deutlich: Wir gehören schon nicht mehr zu den "Neuen", viele Fragen und Aufgaben sind schon gelöst und umgesetzt. Und bei der Situation an mancher der diesjährig startenden IGSn im Schulverbund mit auslaufenden Schulen bin ich froh über den unsrigen. Er ermöglichte viel Spielraum, viele neue Ideen und der Doppelstandort ist im Moment nicht das vorrangige Problem. Erfahrene Stimmen von heute aber mahnten: Das werdet ihr so wie in diesem Jahr nicht durchhalten. Schauen wir mal...

 

Freitag, 05. November 2010:

Einer der Anrufe gestern kam von einem Journalisten, der Artikel über Schulen für das Ganztagesportal schreibt. Er sei auf uns gestoßen und würde gerne ein Telefon-Interview mit mir durchführen. Wir haben uns auf heute halb zehn verabredet. Nach über einer Stunde glühte mir das Ohr und bin sehr gespannt, was daraus wird. Ich konnte ja nur meine eigene Sicht der Schule schildern. Diese ist sicher eine verengte und besondere. Man wird sehen müssen, ob ich mich hier zu weit aus dem Fenster gelehnt habe oder dort eine verengte Sicht eingebracht habe. Und der ganze Text wird verfasst, ohne dass der Redakteur eine Minute an der Schule war und sich durch eigene Eindrücke bereichert hätte. Aber das ist wohl der Preis für Online-Arbeiten: Es geht vom eigenen Arbeitsplatz aus (in diesem Falle: Dortmund!), ist rasch recherchiert und dann schnell veröffentlicht. Und das ist dann weltweit zu lesen.

 

Donnerstag, 04. November 2010:

Zwei Tage nicht in der Schule, da bleibt viel liegen. Vierzehn einzelne Punkte hatte ich mir heute auf einem "To-Do-Zettel" notiert, geschafft habe ich fünf. Und immer wieder Anrufe von zum Teil verzweifelten Eltern wegen eines Schulwechsels zu uns - und ich kann doch nichts für sie tun, weil wir keinen Platz haben. Ich versuche einfühlsam zu sein und weil ich eben auch helfen will, suchen wir oft am Telefon nach Alternativen. Diese Gespräche geraten dann leicht in eine pädagogische Beratung und nehmen Zeit in Anspruch. Aber die will ich mir nehmen, kann ich mir als Vater die Not vorstellen, die da in den Familien herrscht. Durch einzelne Rückmeldungen oder Dank-Mails weiß ich, dass dies den Eltern gut tut und oft schon weiter hilft. Erschrocken bin ich über die Aussage einer Mutter: "Sehen Sie, so hat noch niemand mit mir über mein Kind gesprochen und Sie kennen es nicht einmal. Der gute Ruf Ihrer Schule ist also begründet." Unabhängig davon, ob die Aussage so zutrifft, wenn diese Mutter dieses Gefühl hat, ist es schlimm genug. Aber bitte, ihr lieben Kollegen im Lande, das ist doch eigentlich die Aufgabe jeder Schule: das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen, wertschätzend und pädagogisch Perspektiven zu suchen und aufzuzeigen. Das sollte der Normalfall sein und dürfte nicht den Ruf einer Schule befördern!

Nachmittags dann die Gesamtkonferenz der Realschule Plus in Deidesheim. Sie beschloss einstimmig die Teilnahme am Thementag im Dezember. Toll, klasse! Jetzt gestalten also drei Schulen diesen Tag (Die Grundschule in Wachenheim hatte dies ja schon zugesagt). Besser kann es nicht sein. Ich freue mich sehr!

 

Mittwoch, 03. November 2010:

Ein weiterer Einsatz als AQS-Koreferent stand auf dem Plan, nach drei Grundschulen nun mal wieder ein Gymnasium. Ich hatte in insgesamt 13 Stunden Einblick zu nehmen, das Team als Ganzes sah 104 Stunden. Da ist schon eine Aussage darüber zu treffen, wie an dieser Schule gearbeitet wird. Mit einem Wort: anders! Wir haben fast ausschließlich gleichschrittigen, lehrerzentrierten Frontalunterricht gesehen, der in der Hauptsache kognitive Ziele beinhaltete. Dabei ist die Übergreifende Schulordnung von 2009 für alle Schulformen verbindlich und beinhaltet die Forderungen nach selbsttätigem, differenziertem Unterricht und eine Vielzahl an Lern- und Arbeitsformen mit individualisierten Lernprozessen (!). Fast könnte man meinen, die ÜSchO sei in manchem Postfach liegen geblieben. Ich will nicht angeben, auch bei uns muss diese Veränderung des Blickwinkels vom Lehren zum Lernen weiter voran gebracht werden. Aber im Vergleich zu der heutigen Schule haben wir da schon ganz schön viel erreicht. Erleichterung und Dank!

 

Dienstag, 02. November 2010:

Was am Freitag freiwillig und "undienstlich" nur mit den Schulleitungen der Gesamtschulen stattfand, stand heute mit der ADD als Pflicht auf dem Kalender: Die halbjährlich stattfindende Schulleiter-Dienstbesprechung der Gymnasien und IGSn. Heuer in Hassloch, wo auch gerade gebaut wird. Eine Mensa soll es werden und die Container sollen nun weg. Will sagen: Wenn ich  höre wo überall im Schulbereich an-, neu- und umgebaut wird (am Freitag erfuhr ich, dass fast an allen IGSn irgendwie Baumaßnahmen stattfinden), dann ist unsere Situation fast normal und auf alle Fälle nicht beklagenswert. Und ein weiterer Punkt, der vielleicht nur in dieser Zusammenschau sichtbar wirdt: Es wird für Bildung, zumindest für ihre Stätten, viel getan. Ob es ausreichend ist und ob dadurch alle sich wohlfühlen, ist damit nicht beantwortet, auch nicht, ob es ausreicht. Aber die immer wieder vernehmbare Klage ist dennoch zu relativieren.

Inhaltlich war interessant, dass wir hier im Land in die dritte Phase der Reform der Lehrerausbildung kommen und dass ab Februar die so genannten Fachpraktika an den Ausbildungsschulen beginnen. Auch hier war die der Überblick erhellend: Die heutigen Lehramtskandidaten haben durch die Reform sechs Praktika an Schulen absolviert und müssten dadurch viel besser für eine Selbstreflexion in der Lage sein, ob sie für diesen Beruf "geschaffen" sind. Abzuwarten bleibt, ob diese Vermehrung der Praxiseindrücke auch dazu führt, dass Studierende, die die Eignung nicht feststellen, einen anderen Beruf anstreben oder dennoch die Ausbildung weiter absolvieren. Im Gesamtteam am Nachmittag hörte ich dann, dass auch im Sekundarbereich I die Fachpraktika beginnen, also auch bei uns.

Zwei KollegInnen stellten im Gesamtteam die Arbeit der Young Americans vor. Fast einstimmig beschlossen wir, diese im September 2011 nach Deidesheim zu holen. Gedanklich habe ich für diesen Fall längst mit Fragen der Vorbereitung begonnen: Schaffen wir diese Aufgabe? Wie viele werden teilnehmen? Welche Halle ist am geeignetsten? Wo sind Sponsoren aufzutreiben? Werden sich die Verbandsgemeinden beteiligen? Fest steht ab heute: Wir gehen es an. Super!

 

Freitag, 29. Oktober 2010:

Seit dieser Woche ziert ein Schild meine Bürotür, das ich vor zwei Jahren schon geschenkt bekam. Nun habe ich ja wieder ein eigenes Zimmer und die Bezeichnung stimmt jetzt auch. Sie lautet auf gut Pfälzisch: "De Diräkdor". Zwar klebt es nicht recht und fällt alle zwei Tage wieder runter, aber es ist angekommen. Mehrmals schallt aus dem Munde der Schülerschaft mir entgegen: "Ah, de Diräkdor", "Tach, Herr Diräkdor" oder "do kommt jo de Diräkdor". Ein Stück Pappe lässt neue und humorvolle Atmosphäre einziehen.

Nachmittags noch das regionale Treffen der Schulleiter der IGSn. Das waren mal drei (gefühlt gehörte ich irgendwie dazu), mit uns wurden es fünf. Heute waren wir von neun Schulen da, Speyer, Frankenthal, Edigheim und Grünstadt sind hinzugekommen. Der familiäre Charakter ist nur noch knapp gewahrt und anders als bisher immer: Ich kenne nicht mehr alle. Es wird sich zeigen, wie die "Alten" die "Neuen" vertragen, wie diese sich einfinden in den Kreis, in dem ja immerhin eine ganze Reihe von Personen noch in der "Gesamtschul-Ursuppe" geschwommen sind. Auch hier gilt: mit- und voneinander lernen.

 

Donnerstag, 28. Oktober 2010:

Heute konnte die IGS im neuen Gebäude Gastgeber spielen: Das Referat 37 der Schulaufsicht lief zu ihrer alljährlichen Klausurtagung dieses mal in Deidesheim ein. Von vielen Schulbesuchen kenne ich das Gefühl der Fremdheit an unbekannten Schulen. Die Atmosphäre ähnelt sich überall, aber den richtigen Raum zu finden gestaltet sich mitunter schwer. So sollte es bei uns nicht sein. Die Gäste wurden von unseren Schultaxis begrüßt und nach oben geleitet. Wo so viel gesprochen wird wie bei solchen Tagungen, da entbehrte ich oft eine kulinarischen Ablenkung. Klar, dass bei uns Kaffee, Tee, Brötchen und Kuchen in ausreichendem Maß vorhanden sein sollte. Dank einiger Helferinnen gelang dies auch vorzüglich. Die Gastfreundlichkeit und die Atmosphäre der Schule habe, so unser Referent, das Renommee der Schule weiter befördert. Na bitte, kleiner Aufwand wegen eigener Erfahrung und ungeahnte Wirkung.

Abends tagte dann noch der neu gewählte Schulelternbeirat. Wilde Gerüchte über die beiden Klassenzimmer im Altbau konnten wir vor Ort doch als solche und als übertrieben einstufen. Da scheint wieder eine Konstellation zusammen zu sein (so neu ist sie ja nicht), mit der wir zum Wohle der Schule gut arbeiten können. Die beiden letzten Jahre ist es ja gelungen, durch menschliche Wertschätzung und inhaltliche Sachlichkeit keine Grabenkämpfe zwischen Elternschaft und Schule aufkommen zu lassen. Leider höre ich immer wieder von solchen Fällen. Hilfreich kann dies ja nicht sein. Also, Dank euch allen und auf gute zwei Jahre!

 

Mittwoch, 27. Oktober 2010:

Beinahe einen Termin verpasst, Lob für die Menschen um mich herum, die mich dran erinnert haben. Die Polizeidirektion aus Hassloch machte ihre Aufwartung. Jetzt im neuen Gebäude mit zwei Schularten und Klassen von sieben bis zehn ist ein weiterer Schritt zu einer "normalen" und vergrößerten Schule vollzogen. Da gilt es, auch für Situationen gewappnet zu sein, die den eigentlichen Schulalltag sprengen. Also muss auch für uns ein Krisenplan her, der nun erarbeitet wird.

 

Dienstag, 26. Oktober 2010:

"SchLuL" wird eine Abkürzung sein, die ab jetzt vielleicht öfter auftaucht. Sie meint das Schulentwicklungsprojekt "Schulische Lern- und Lebenswelten" - das kann ich ja nicht immer ausschreiben! Also, heute traf sich nach dem ersten Fortbildungsmodul zur Demokratisierung von Schule, so etwas wie eine Steuergruppe. Als erstes Arbeitsfeld hat sich die Mitarbeit von Schülerinnen und Schülern herausgeschält. Was ist bei uns schon vorhanden? Was müsste hinzukommen? Wo können wir anknüpfen? Das waren so Fragen, die uns heute bewegten. Dabei ist uns eine Menge eingefallen, worüber es künftig zu berichten gilt. Aber erst mal abwarten.

 

Montag, 25. Oktober 2010:

Erste Schultage...wie oft habe ich dies schon geschrieben. Nicht nur das frühe Aufstehen muss wieder in die Reihe kommen, auch Krankheitsfälle vertreten, alle begrüßt werden. Immerhin: Nach den beiden Treffen zur Bauabnahme während der Ferien konnte ich froh gestimmt sein: Die Nawi-Räume sind fertig, ebenfalls der kombinierte DS/Musik-Raum und Bildende Kunst kann eine neue Heimat finden. Tolle Sache. Die Decken bleiben ja noch offen wegen der Lautsprecheranlage, so bleibt uns ein Rest an Baustelle ja noch erhalten.