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Aug bis Okt 10


Montag, 11. Oktober 2010:

Wie mit diesen vielen Glanzlichtern klar kommen? War Bremen schon toll, übertroffen aber durch Jena an diesem Sonntag. Beim Besuch der Gruppe aus Jena im letzten November fiel das Projekt zum ersten Mal. In höchsten Tönen wurde es von den Kolleginnen von dort gelobt und in welchen Farben nicht ausgemalt? Bei meinem Besuch in Jena im April haben wir es festgeklopft: Wir konnten mit zehn Schülerinnen und Schülern am Tanzworkshop der Young Americans (YA), gemeinsam mit Schülern aus Albanien und Litauen teilnehmen. Das Interesse war sehr groß, Tränen flossen bei den Nicht-Ausgelosten. Ich selbst düste nach den 580 Kilometern nach Norden am letzten Wochenende dieses Mal deren 400 nach Osten. Schon bei der Ankunft liefen die Unsrigen freudig auf mich zu, nahmen mich in den Arm, ließen sich abklatschen - welch ein Empfang! Gewusel, Hektik, Spannung, eben Vor-Konzert-Stimmung. Mein Amtsbruder stellte mir noch vor Beginn den Europa-Manager der YA vor und gleich stellten wir fest: Wir können miteinander. Seltsam, wie man das immer nach so wenigen kurzen Augenblicken einschätzen kann bzw. spürt.

Im Theater nennt man es "die Klingel", die anzeigt: gleich geht es los. Glückwünsche und beruhigende Worte auf Aussagen wie: "Ach Herr Dumont...ich bin so wahnsinnig aufgeregt!" "Dann wird es gut!", erwiderte ich. Und so war es.

Die Dramaturgie des Abends sah vor, dass die YA zunächst ihre 60 Minuten dauernde eigene Show präsentierten. Nein, ich bin weder ein Tanzbegeisterter, noch ein Musical-Fan, weder sagt mir The American Way Of Life zu, noch bin ich ein häufiger Konzertbesucher. Aber was da 60 Minuten über die Bühne ging, begeisterte mich. Musik aus verschiedenen Generationen, vom Swing und Stepptanz bis zu den Beatles und Michael Jackson, vorgetragen mit einer Bewegungsvielfalt und irre vielen kurzen Kostümwechseln, immer den Eiundruck vermittelnd: Das läuft ab wie ein Band, perfekt und professionell - und doch spielte es sich genau vor meinen Augen statt. Es will nicht viel heißen, aber so etwas habe ich noch nicht live erlebt. Und da sollen nun unsere Kids im zweiten Teil mitmachen? Wie kann das sein? Es konnte sein. Mit einer Zugewandtheit, einem bedingungslosen Vertrauen führten die YA unsere Kids dahin, vor einigen Hundert Besuchern zu reden, zu tanzen und zu singen (!). Kinder, die sonst die große Rolle übernehmen, traten in den Hintergrund, die eher stilleren, zurückgezogeneren traten ins Rampenlicht, YA und IGS-Schüler waren nur bei den eigenen, weil bekannt, zu unterscheiden. Hätte ich es selbst nicht erlebt, ich müsste an Zauberei glauben. Nein, die Schilderungen im Vorfeld waren nicht übertrieben. Nach zwei Tagen Probe lagen sich die Schülerinnen und Schüler beim Abschied mit den YA weinend in den Armen, wollten nicht voneinander lassen, wildfremde Amerikaner waren binnen kurzer Zeit so vertraut geworden, durch gemeinsame Erfahrung so dicht an- und ineinander berührt, dass ich nur so staunte (und bereute, nicht dazu zu gehören). Mit einer Perfektion an Teamgeist und Organisation war das Equipment der 49 YA in kürzester Zeit im LKW verstaut, jeder kannte die Handgriffe, wusste wo anzupacken war...insgesamt ein Erlebnis erster Güte.

Wie so oft schon, die wichtigen Dinge laufen "nach der Party" in der Küche ab. Bei gutem (Pfälzer) Rotwein saßen noch sechs bis acht Nachtschwärmer in der Mensa der IGS Grete Unrein zusammen, teilten die letzten Bouletten und das letzte Brot miteinander. Jener Europamanager saß neben mir und wir besprachen eindringlich (und auch auf dieser Ebene chemisch stimmig) die hinter dem ganzen Unternehmen stehende Philosophie. Die Workshop-Teilnehmer erleben vordergründig die Probe und Aufführung einer Show, an der sie wie Gleichgesinnte von professionell geschulten Absolventen eines College bei Los Angeles betreut und ermuntert werden. Das zu erleben, als wertgeschätzter Laie dazu zu gehören, ist schon ein Erlebnis an sich. Darunter aber öffnet dieses Tun die Herzen für ein Miteinander in Toleranz und ein Angenommen sein, das durch den körperlichen Tanz, durch die emotionale Musik und das soziale der Gruppe ganzheitlicher nicht sein kann. "Und Georg, das gelingt weltweit!" Immer drei Gruppen sind zu Tourneen unterwegs, eine in den USA, eine in Japan und eine in Europa. Sie führen diese Workshops, spätestens jetzt passt das Wort nicht mehr, also eher diese Tage authentischer Humanität nicht nur an Schulen durch. Sie fahren bewusst nach Erfurt, nach Winnenden und an die Rütli-Schule in Berlin und befrieden diese Schulen. Sie brechen in Jugendvollzugsanstalten damit die Knast-Hierarchien auf, nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht europäisch mit den Gedanken der Aufklärung unter dem Arm, kopflastig mit "abgetrenntem" Bauch, sondern als Gruppe in gemeinsamem Tanz, singend und fröhlich, aber durchschlagend, weil sie nicht belehren sondern erleben lassen. Da spielt es keine Rolle, ob einer Christ oder Muslim ist, da spielen die paar Kilo zu viel keine Rolle, wenn eine Melodie nicht sauber kommt, ist es egal, weil das Erleben viel stärker ist als der Fehler. Aber wie gesagt: Hier dies sind Worte, meiner ratio entsprungen, geschult im verbalen Ausdruck, dort ist es das erspürte, ungeschulte, unverfälschte Erleben, das auf einer Ebene Wahrgenommene, die wir Abendländer so gänzlich verkümmern ließen, über Jahrhunderte hinweg. "Und hinterher kann doch keiner mehr sagen: Ich lehne dich ab, weil du Moslem oder sonst was bist." Und wer glaubt, es könne ein Show-Effekt dahinter stehen, der sehe in die Gesichter, in die Augen der Kinder nach der Veranstaltung. Nein, so äußern sich keine aufgesetzten Allüren, diese Blicke, diese Tränen sind echt, weil sie Ausdruck eines, vielleicht bisher nie erlebten Angenommen-Seins sind. Dieses Gefühl wird bereichern, wird bleiben, vielleicht nur mit einem Gefühl: So wie ich es hier erlebt habe, müsste es immer sein. (Und vielleicht, ich wage mal diesen Gedanken, waren es genau solche Augenblicke, solche Erlebnisse, diese Wahrhaftigkeit, die Menschen im Umgang mit Jesus von Nazareth erspürt hatten. Nicht als Anspruch, als Erfahrung und als Glück. Dass dies dann Berge versetzt, liegt dann auf der offenen Hand).

Ein glücklicher Umstand: Ich konnte das nächtliche Gespräch beim Frühstück fortsetzen und vertiefen, denn wir beide waren im selben Hotel untergebracht. Am Ende umarmten sich zum Abschied zwei Männer in Jena. Zwölf Stunden zuvor waren sie sich gegenseitig vorgestellt worden als Fremde, jeder als Vertreter einer Aufgabe. Der eine managt eine Truppe für Europa, der andere eine weit entfernte Schule. Aber sie haben sich gegenseitig einen Blick ins Innere erlaubt. "Georg, wenn du willst, kommen wir nächstes Jahr an deine Schule." Ja, ich will!

 

Donnerstag, 07. Oktober 2010:

Es ist soweit: Die neuen Nawi-Räume sind funktionsfähig und abgenommen. Zwar wurden viele kleinere Dinge bemängelt und müssen nachgearbeitet werden, aber ein weiterer Schritt der "Baugeschichte" ist getan. Zwar bleiben die Decken wegen des Einbaus einer Lautsprecheranlage ("Das ist Standard bei Schulen des Kreises!") bis in die Weihnachtsferien hinein offen, aber die letzten Räume, auch der für Darstellendes Spiel/Musik und Bildende Kunst, sollen bis nach den Herbstferien grundgereinigt und einsetzbar sein. "Kommet zu Hauf, Psalter und Harfe wacht auf!" kann da das Lied der Stunde nur lauten. Der Zeitverzug spielt nun keine Rolle mehr, nach den Ferien kehrt für gut drei Jahre "Bauruhe" ein, dann geht es mit der Oberstufe weiter. Jetzt erst mal genießen.

Heute fuhr unsere Truppe von 11 Schülerinnen und Schülern mit zwei Kolleginnen nach Jena, um an einem dreitägigen Tanzworkshop der Young Americans teilzunehmen. Große Erwartungen werden gehegt, Vorfreude macht aufgeregt und Spannung macht sich breit. Das Tolle an dem diesjährigen Workshop, es ist bereits der fünfte für die IGS Grete Unrein, ist die Teilnahme von Schülergruppen aus Albanien und Litauen - welch eine Europäisierung für uns "aus der Provinz" bzw. aus der Metropolregion, wie man es nimmt. Am Sonntag starte ich auch nach Jena, die Abschlussveranstaltung möchte ich miterleben. Da nehme ich auch den Titel "Schulleiter on Tour" hin, denn der zweite Sonntag ist auswärts der Schule gewidmet, eine weitere Fahrt nicht eben mal um die Ecke.

 

Mittwoch, 06. Oktober 2010:

Der zweite Abendtermin in Folge: Gestern an der Grundschule in Lambrecht für alle Eltern "aus dem Tal" unter dem Titel: Welche Schule für mein Kind. Inzwischen ist die IGS Deidesheim/Wachenheim ja kein Exot mehr. Ich hatte das Gefühl, dass wir in der regionalen Schullandschaft angekommen sind und nicht nur das. Uns eilt ein guter Ruf voraus. Das tut gut und gibt Kraft für das weitere Bestreben. Heute nun alle Informationen für die Eltern des fünften Jahrganges darüber, wie wir die differenzierte Leistungsmessung angehen wollen. Inzwischen bin ich in dem Thema so zu Hause, dass ich ihn immer wieder mit Humor und Bemerkungen "würzen" kann, so jedenfalls die Rückmeldung. Ich glaube auch, dass die Notwendigkeit und die Ausgestaltung des Themas angenommen wurde, weil deutlich wird, dass wir eine leistungsorientierte Schule sind, die sich aber den Besonderheiten jedes einzelnen Kindes individuell nähern will. Das geht mit der vorgestellten Inhalt. Vielleicht geht diese Info ja auch über die verschiedensten Kanäle "ins Land hinaus", denn mich erreichte eine erneute Einladung an eine IGS, als Referent dieses Thema vorzustellen. Mache ich doch gerne und je mehr IGSn dies umsetzen, desto besser, gerechter und kindgemäßer. Bereits als Stufenleiter war ich in dieser Sache unterwegs, aber nie war es so leicht, das Thema zu behandeln, wie jetzt, nachdem die neue Übergreifende Schulordnung in Kraft ist. Individuelle Förderung, Berücksichtigung individueller Lernfortschritte und die individuellen Lernvoraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten haben nun Gesetzescharakter. Der "spleenige Touch", der den IGSn nachgesagt wurde, ist nun schriftlich gefordert - von allen Schularten!

 

Montag, 04. Oktober 2010:

Der letzte Akt: den Sprinter - den Namen hatte er sich bei der Rückfahrt redlich verdient - am Vormittag abgeben. Alles klar, keine Delle, sauber gemacht hatte ich ihn auch noch, Material in der Schule verstaut. Nur das privat erstandene Barrique-Fass steht noch etwas fremd bei uns am Hauseingang, es wird seinen Platz und seine Verwendung noch finden müssen.

Unter weiter gehts! Hatte sich bei mir der Adrenalinspiegel in der Nacht nur sehr langsam gesenkt, die Eindrücke waren zu vielfältig, ging es heute gleich weiter: Ein Kaffee-Imbiss-Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen der Realschule plus in deidesheim. Keine Schranken waren wahrzunehmen und es gab auch Zusagen: Wir sind jetzt eine Schule. Folgerichtig werden wir auch neue Räume nicht allein nutzen sondern für alle öffnen. Und doch: Die Bilder vom Wochenende drängen sich immer wieder in den Vordergrund und der fehlende Schlaf tat sein übriges für einen recht kurzen Tag.

 

Freitag, 01.  bis Sonntag, 03. Oktober 2010, 20 Jahre deutsche Einheit in Bremen:

Um es vorweg zu sagen: Bremen war eine Reise wert, von Depression bis Euphorie alles drin. Doch langsam, schön der Reihe nach.

Das Unternehmen Bremen begann für mich mit dem Abholen des Miet-Sprinters in Neustadt. Überraschung: Ich wurde mit Namen begrüßt. Geschäftsstrategie oder Kundenfreundlichkeit? Nein, ein Vater arbeitet in der Autovermietung. Also: Guter Start. Über Deidesheim, wo ich die beiden Schülerinnen abholte, ging es nach Wachenheim zum Einladen. Das eigens privat erstandene Barrique-Fass, das Modell der Grenzanlage vom zweiten Thementag, ein ganzer Packen Plakate, zum Teil schon mehrmals benötigt und natürlich der Jenaturm. Erschien mir das Auto zunächst recht geräumig, war es dann doch recht knapp, denn die fünf Teile des Modells konnten ja nicht gestapelt werden, sondern benötigten den Löwenanteil der Stellfläche, dazu Tapeziertische, vier Stühle (ja, ja, ich kenne die schmerzenden Füße bei Ausstellungen, weil man sich nicht setzen konnte). Und dann auf nach Bremen. Freitagnachmittag durchs Ruhrgebiet - das konnte nicht gut gehen. Letztendlich standen wir in drei Staus, was der Stimmung zunächst keinen Abbruch tat. Die beiden Schülerinnen flochten noch die schwarz-rot-gelbe Girlande, fertigten ca. 300 Karten an (Der "rote Faden durch die Ausstellung mit schriftlichen Hinweisen und Erklärungen, was da alles zu sehen ist) - aber es wurde später und später. Schnell war klar, dass wir die geplante Ankunftszeit um 18 Uhr nicht halten können. Die größte Angst dabei: Was wird aus dem versprochenen Abendessen? Im Dunkeln im Hafengebiet einer Großstadt ein einziges Zelt suchen, eine Aufgabe für besondere Scouts. Wir fuhren mehrmals um das Gelände herum, das zwar klar an den himmelwärts leuchtenden Scheinwerfern zu sehen war, das aber einfach keine Einfahrt ermöglichte. Schließlich standen wir direkt davor. Müde, abgekämpft betraten wir das Zelt: Depression! Das soll alles sein? Ein leeres, kaltes Zelt? Völlig kahl? Sind wir etwa die ersten? Ein munterer und für alles offener Projektmanager sprang gut gelaunt um uns herum und regelte auch noch die versprochenen belegten Brötchen. Auf dem Gelände hatte das tägliche Treiben eher einer Ausgestorbenheit Platz gemacht, es war ja auch schon nach halb zehn - und wir mussten ja noch den kompletten Stand bestücken. Also, Ärmel hoch.

Unserem Stand lag folgende Idee zu Grunde: Auf der linken Seite das Barrique-Fass, dem Symbol für die Weinstraße, startete die Girlande in den Nationalfarben über die einzelnen Tafeln unseres Projektes: erster Thementag 2008 - Jahrgangsfahrt nach Eisenberg - erster Kontakt zur IGS Grete Unrein in Jena - zweiter Thementag mit Gastschülern aus Jena - Abschließen der Schulpartnerschaft im April - nächstes gemeinsames Projekt: Teilnahme am workshop mit den Young Americans noch im Oktober - Ende der Girlande am Jenaturm-Modell auf der rechten Seite, welche damit die beiden Standorte verbindet, umschlingt, vereinigt. Nur: Die vier bestellten Stellwände waren nur zur Hälfte da und dazu noch hochkant, so dass der Stand neu sortiert, die Plakate zum Teil umgestaltet werden mussten, abends, feuchtkalt und müde - eine Aufgabe, deren Begeisterung deutliche Grenzen erfuhr. Gegen 0 Uhr stand dann aber letztlich eine improvisierte Präsentation. Jetzt mussten wir nur noch den Weg in die 20 Km entfernte Jugendherberge in Worpswede finden und dort mussten noch die Schlüssel im zugänglichen Nachttresor liegen und der Code stimmen. Aber alles klappte und gegen 1 Uhr war dieser Tag geschafft.

Nach der Ankunft am Samstagmorgen ein Schreck zur Morgenstunde: Fast alle Plakate waren entweder durch die Feuchtigkeit runtergefallen oder gewellt, feuchtkalt war es immer noch, das Gelände um das Zelt in Nebel gehüllt. Das kann ja heiter werden. Aber eine Event-Agentur heißt so, weil sie über  viele Hände und flinke Füße verfügt. Ein Logistik-Manager, ein eigens für solche spontanen und nicht vorhersehbaren Besorgungen verantwortlich, wurde informiert und nach einer Stunde war ein Heizgebläse im Zelt, das die Fotos und Plakate glättete, Wärme und auch etwas Stimmung ins Zelt blies. Drum herum, jetzt im Hellen sichtbar, die Anlage der Ländermeile, gut durchdacht, überall dampfte und roch es nach Wurstmarkt und Thüringer Bratwürsten. Wir hatten viel Zeit zum Bummeln, abwechselnd liefen wir los, denn das Zelt "Deutschland macht Schule" fand niemand, weil es in der zweiten Reihe stand. Die Jenaer Delegation sollte sich auch verspäten - Bauarbeiten bei der Bahn verursachten den gleichen Effekt wie bei uns das Ruhrgebiet: zwei Stunden Verspätung! Am Nachmittag der erste Höhepunkt: Ein Mann aus der Staatskanzlei in Mainz suchte uns auf, um für den morgigen Besuch des Ministerpräsidenten alles zu "checken". Super, dann kommt er ja wirklich! Wir verlegten dann recht eigenmächtig den Zelteingang Richtung Laufwege - und siehe da: Die Sonne brach durch und die ersten Besucher kamen ins Zelt. Wäre es so geblieben, hätten wir die ganze Anstrengung für sage und schreibe acht Besucher unternommen. Aber unsere Projektleiterin vertröstete uns immer wieder auf einen fulminanten Sonntag, "Da werden Hunderttausende nach Bremen kommen und es ist ein sonniger Sonntag vorhergesagt." So blieb Zeit beim Zelt der Bundesregierung, dem der Länder, dem des Bundesrates vorbei zu schauen, sich zu informieren, da zu schnuppern, dort ein Heft, ein Plakat eine Information abzugreifen. Ganz ähnlich der Frankfurter Buchmesse, der ich wegen Bremen dieses Jahr fernbleiben musste. Ganz herzlich und so, als hätten wir uns gestern erst verabschiedet, war die Begrüßung der beiden aus der Grete Unrein. Jetzt konnte es richtig losgehen - aber die Besucher blieben noch fern. Ein verregneter Besuch der Bremer Innenstadt, Rathaus, Bremer Stadtmusikanten, ließ den Entschluss reifen, mit der Straßenbahn aufs Festgelände zurück zu fahren - immerhin trat dort heute Nena vor 40.000 Zuhörern auf. Ausgerechnet Nena, die in meinem fachfremden Musikunterricht so fulminant einschlug und auch im Theaterstück des ersten Thementages vorkam. Trotz ständigen Nieselregens ein Erlebnis und irgendwie passend. Kein Lied hatte mein erstes Jahr Musik so geprägt wie die "99 Luftballons". Dennoch warteten wir das Konzertende nicht ab, Kälte und Feuchtigkeit zogen von unten die Beine hoch und suchte dann den ganzen Körper auf. Morgen soll es ja warm werden.

Ein Adrenalin-Sonntag sollte folgen. Mit dem Musikumzug von der Bremer Innenstadt auf das Festgelände kamen nicht nur die erwarteten Hunderttausend sondern auch die Sonne. Die Plakate hatten wir erneut am Morgen aufgehängt und nun steppte der Bär. Immer mehr Menschen strömten auch in unser Zelt, es gab Lesungen und Infotafeln und Begegnungen am laufenden Band. Unser Modell der Grenzanlage entwickelte sich immer mehr zum Hingucker, der die Menschen ins Zelt lockte. Ganz wunderbar: Immer mehr Famlien kamen zu uns, Eltern erklärten ihren Kindern, wie die Grenz zwischen den beiden deutschen Staaten ausgesehen hatte, unser Modell als optische Hilfe. Auch andere blieben stehen und kamen über das Modell mit uns Gespräch: Etwa ein älterer Herr, der über die Grenze geflohen war und sagte: "Genau so hat sie ausgesehen." und eine Träne entrann seinen Augen. Skurril und bewegend auch, wie ein türkischer Vater seinen beiden Kindern die Grenze auf Türkisch erklärte, drei Asiaten, die sich hinterfragend an uns wandten...und unvermittelt steht der Mann aus der Staatskanzlei neben mir: "Alles klar? In zehn Minuten bringe ich den Ministerpräsidenten hier her." - sprachs und war wieder weg. Aufregung im Zelt. "Dann machen wir doch jetztt mit den beiden Schulleitern aus Deidesheim und Jena schon mal ein Interview, dann kann der Ministerpräsident gerade dazu stoßen." So der Medienmensch im Zelt. Schnell noch ein paar Ecken mit Utensilien abdecken...ist am Stand alles klar? Und dann ging es rasend schnell. Ein paar Fragen an den MP (so die kurze Sprachregelung der Event-Agentur, Zeit ist Geld), ein Foto mit allen am Stand...ein schneller aber ein Höhepunkt. Die Jenaer Kollegin und mein Amtsbruder machten sich auf den Weg zum Bahnhof und hofften auf wenige Baustellen, am Stand ging es weiter mit Besuchern und Sonnenschein und guter Laune...der Sonntag riss alles raus. Vergessen die Kälte vom Freitag, überwunden die den Plakaten und Fotos zusetzende Feuchtigkeit, verdrängt die Leere vom Samstag, es lief nur noch ein sonniges Fest in guter Laune. Spannend war noch, wie wir wegkommen würden, denn die Zufahrt auf das Festgelände war auch für Aussteller erst ab 22.30 Uhr möglich, aber wir mussten doch noch in die Pfalz. Geschickt parkten wir aber schon morgens strategisch gut. Noch bevor der offizielle Schluss (19 Uhr) gekommen war, räumten wir, als letzte im Zelt, den Stand ab, so dass wir zur Schlusszeit schon gepackt losfahren konnten. Ein "heißer Ritt" über freie Autobahnen ermöglichte die Heimkehr knapp vor der Tageswende. "Deutschland feiert in Bremen" - so stand es auf Hunderten von Fahnen, die tagsüber ausgegeben wurden - und wir waren dabei!

 

Donnerstag, 30. September 2010:

Die Vorbereitung für Bremen läuft auf Hochtouren. Heute habe ich noch einige Fotos drucken lassen, damit der Stand aktuell ist. Das Modell des Jenaer Büroturms ist heute nochmal in Richtung Originalgetreue verbessert worden - das kann nur gut werden, ein Abenteuer steht bevor!

 

Dienstag, 28. September 2010:

Nochmal: Huch, zwei Jahre sind schon um? Damit endete auch die Amtszeit des ersten Vorstandes des Förderverein, die korrekte Bezeichnung lautet Verein der Freunde und Förderer der IGS Deidesheim/Wachenheim . Eine Mitgliederversammlung hatte heute die Aufgabe, den bisherigen Vorstand nach dem Rechenschaftsbericht und der Kassenprüfung zu entlasten. Ganz kompakt zu hören, was innerhalb der ersten beiden Jahre des Vereins alles gestemmt wurde, ruft immer wieder mein Erstaunen hervor. Da finden sich Eltern unserer Schülerinnen und Schüler zusammen, die ehrenamtlich, unter großem Aufwand an privater Zeit, stets im Sinne der Schule arbeiten. Dank, euch allen! Diese Arbeit, diesen Einsatz kann ich nicht hoch genug bewerten und es ist nach wie vor ein Aushängeschild der Schule. Wo Eltern in diesem Maß aktiv sind, dort muss man sich wohl fühlen, dort muss Zufriedenheit mit der Schule Raum greifen. Klasse! Was in diesen zwei Jahren alles erarbeitet wurde, lässt sich zwar in einem Kassenbericht beziffern, aber es ist doch wesentlich mehr, was da zwischen den Zahlen steckt! Lasst uns im zweiten und erwiterten Vorstand nicht nachlassen, stützen wir uns gegenseitig, rufen wir immer wieder neu zur Mitgliedschaft auf und - das ist mir besonders wichtig - lasst uns weiterhin menschlich so angenehm zusammen arbeiten. Neben der ganzen Arbeit: Weil wir uns so gut verstanden haben, machte es auch noch Spaß! Viel Erfolg, auf weitere zwei Jahre!

 

Samstag, 24. September 2010:

Das Wort Bedarfe gibt es laut Duden wirklich und zwar als Plural von Bedarf, istr allerdings aus einer Fachsprache entnommen.

Hatte letzte Nacht einen deutlichen Traum: Es ging um eine Abfahrt, der Bus stand schon vor der Tür. Ich solle meine Sachen rausbringen, damit die Gepäckfächer geschlossen werden könnten. Ich dachte, gut, dann bringe ich meine Tasche raus,  fand dann aber in meinem Zimmer noch dies und das und hier noch was und dort noch was und wurde einfach nicht fertig. Ich verfiel in Hektik, weil doch alle nun auf mich warteten. Am Ende lief ich, die Sachen lose in der Hand zum Bus, das Kabel des Foto-Ladegerätes schleifte hinter mir auf dem Boden.

 

Donnerstag, 23. September 2010:

Wieder einmal haben mich die beiden Standorte nicht gesehen, denn ich weilte in Ingelheim bei der jährlich stattfindenden ganztägigen Dienstbesprechung aller Schulleiterinnen und Schulleiter der rheinland-pfälzischen Integrierten Gesamtschulen. Das besondere daran waren sicherlich zwei Dinge: Zum einen erlebten wir zum ersten Mal die um 17 weitere IGSn gestiegene Anzahl mit ihren Schulleitungen, zum anderen nahm sich die Ministerin die Zeit, zu dieser so stark vergrößerten Gruppe zu kommen. Auch dies macht deutlich, dass die IGS als Regelschule in Rheinland-Pfalz angekommen ist und das Interesse besteht ja weiterhin. Aus dem ehemaligen "Familientreffen" ist eine Tagung geworden, mit allen Vor- und Nachteilen. Die Zeit, in der mir alle Schulleitungen persönlich bekannt waren, ist vorbei (oder auch nur unterbrochen - denn mindestens fünf neue sind mir aus meinem "Vorleben" bekannt, zwei weitere, die mich für einen Studientag "gebucht" haben, habe ich heute kennen gelernt.). So schön as Erlebnis heute war, so positiv die bildungspolitische Veränderung ist, die stark gewachsene Zahl macht es um so mehr erforderlich daran zu arbeiten, dass überall dort, wo IGS draufsteht, auch IGS drin ist (ein älteres Zitat der Ministerin). Und an dieser Stelle kommt auf die "alten" Schulleitungen ein gehöriger Anteil an Verantwortung zu. Durch die Bereitschaft zu Gesprächen und Hospitationen, durch das Annehmen von Einladungen zu Studientagen will ich gerne dazu beitragen. Aber es uns auch in diesem vergrößerten Gremium darum gehen, stolz und selbstbewusst zu fühlen: Wir sind IGS. Und das geht nur, wenn es auch nach innen jeweils stimmt, auch in Deidesheim/Wachenheim.

 

Mittwoch, 22. September 2010:

Jetzt geht es gerade aber voran: Die Böden auf der Ostseite liegen und die Medienflügel hängen zum Teil schon -  da kann ich mir fast schon naturwissenschaftlichen Unterricht vorstellen. Die beiden vorübergehend musischen Räume (nach dem dritten Bauabschnitt werden da auch die Naturwissenschaften einziehen) liegen im Rennen etwas zurück. Aber deren Einrichtung ist ja auch vergleichbar einfach und schnell zu realisieren. Bei solchen feststellbaren Fortschritten macht die Baustelle ja wieder Spaß. Wenn jetzt noch entschieden wird, wer die Rauchklappen in den Lüftungskanälen finanziert, könnte diese endlich auch in Betrieb genommen werden. Allen "Neubauler" ging es dann besser und demnächst steht ja auch an, ob die alte Heizungsanlage wirklich über genügend Kapazität verfügt, den Neubau mit zu erwärmen. Das sehe ich nicht, das spüre ich zur Zeit nicht - da tun die täglich sichtbaren Fortschritte im Fachtrakt gut.

 

Dienstag, 21. September 2010:

Nachdem das Bedürfnis der einzelnen Teams entstand, mehr gemeinsam zu machen, um sich zu sehen und auszutauschen, findet alle zwei Wochen ein so genanntes Gesamtteam abwechselnd an den beiden Standorten statt, eingeleitet durch ein kleines Mittagessen (jeder bringt mit, was er selbst essen würde). Heute trafen wir uns als solches zum ersten Mal in Deidesheim. Das Gesamtteam soll eigentlich nur 30 Minuten dauern, das haut bei den vielen Punkten einfach nicht hin, so dass die Fachkonferenzen verspätet begannen. Mal sehen, wie sich diese Einrichtunben auf Dauer einspielen und bewähren.

Bewährt und auch eingespielt hat sich der Förderverein. Seid zwei Jahren engagieren sich Eltern in hohem Maße für die Schule, ist immer da, wenn er gebraucht wird und ist immer bereit, die Schule und ihre Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Heute traf sich zum letzten Mal der erste Vorstand, nächste Woche wird in einer Mitgliederversammlung neu gewählt. Wir bereiteten heute Abend den Rechenschaftsbericht vor. Die Mitgliederzahl in den einzelnen Jahrgängen ist unterschiedlich, Tendenz sinkend. Da müssen wir durch Werbung und Gespräche gegensteuern, vor allem bei neuen Jahrgängen müssen wir deutlich machen: Ohne diesen Förderverein wäre die Schule arm dran, ganz viele Aktivitäten könnten nur verdünnt wenn überhaupt stattfinden. Also, liebe Leserinnen und Leser: Werbt, redet und habt immer einen Aufnahmeantrag in der Tasche! Daher heute und an dieser Stelle: Danke allen, die sich in den zwei zurückliegenden Jahren aktiv oder passiv im Verein engagiert haben. Die eingebrachte Stundenzahl der Aktiven für die Schule ist sicherlich dreistellig. Es ist im Einzelnen kaum zu beschreiben, wie glücklich ein Schulleiter ist, wenn über solche Eltern verfügt, die sich so einbringen. Danke, Merci und Grazie. In türkischer Sprache kann ichs nur phonetisch ableiten: Teschekür ederim!

 

Montag, 20. September 2010:

Hoppla, drei Mal wechselte ich heute den Standort. Das wird hoffentlich die Ausnahme bleiben. Zwar kostet es gar nicht soviel Zeit und es hat durchaus auch positive Seiten, da es im Auto nicht an der klopfen kann und kein Telefon klingelt, aber ich bin doch innerlich zerrissen. Irgendwo anzukommen schafft ja auch Ruhe, immer auf dem Sprung zu sein und neu ankommen zu müssen, kostet Kraft ohne die Anstrengung zu bemerken.

Der Grund für die Wechsel waren die Baubegehungen mit dem neuen Schulträger. Der Landkreis hatte ja angekündigt, alle Schulen, die neu in seiner Trägerschaft sich befinden, anzuschauen und Bedarfe (irgendwie ein neues Wort, das mir in letzter Zeit ständig begegnet, nun verwende ich es auch mal mit im Nacken sich sträubenden Haaren. Ich müsste mal nachschauen, ob es der neue Duden als Plural von Bedarf kennt!) festzustellen. Die gute Nachricht ist: Sowohl die Erneuerung der Fenster als auch die Toilettenanlagen werden als dringend sanierungsbedürftig gesehen. Nur: Neue Fenster ohne energetischen Schutz auch der Wände und Mauern ist Unfug und das kostet Geld. Aber der Kreis wird es angehen, nicht direkt morgen, aber grundsätzlich. Zunächst soll eine Prioritätenliste aller "neuen" Schulen aufgestellt werden, die dann nach und nach abgebaut wird. Schaun wir mal. Interessant sind solche Begehungen mit Fachleuten, weil es immer was Neues zu lernen gibt. Zum Beispiel: Innenliegende Regenrinnen genehmigt der Kreis nicht mehr, da eventuelle Schwachstellen enorme Folgekosten nach sich ziehen. Oder: Beim Fertigstellen des Außengeländes in Deidesheim sind Bodenbeschaffenheit gleich so zu gestalten, dass ein Hubsteiger ans Gebäude heranfahren kann. Die riesigen fest stehenden Scheiben sind ja nur von außen zu reinigen (!). Es war auch beruhigend festzustellen, dass für verschiedene Probleme, die nicht so viel Geld kosten, schnelle, und unbürokratische Lösungen gefunden wurden. Noch eine gute Nachricht: Im neuen Fachtrakt werden die (blauen) Böden gelegt, der Estrich ist trocken genug, auch die Einrichtung (Schränke, Anschlüsse, so genannte "Medienflügel" an den Decken) ist geliefert und werden nun eingebaut. Und wieder ein Schritt voran!

Psalm 118: "Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden." Für das Modell des Jenaer Büroturms am Stand in Bremen haben wir heute die metallene Verkleidung zum Guss für Betonsäulen von der Baustelle genommen und der Hausmeister hat es gleich auf eine Holzplatte befestigt. Immer die Augen auf!

 

Freitag, 17. September 2010:

Dringender Handlungsbedarf schrieb ich gestern - heute Morgen setzte ich mich gleich dran und konnte einige Kritikpunkte entschärfen bzw. korrigieren. Dann fuhr ich zu einer Veranstaltung der besonderen Art, für mich zumindest: Meine erste IGS, die Ernst-Bloch in Oggersheim (dem "Kosenamen" IGSLO, wie es heute mehrmals angesprochen wurde, konnte ich damals schon nicht viel entnehmen), feierte ihr 30-jähriges Bestehen. Das ist an sich schon berührend, wenn die damals erst dritte IGS in Rheinland-Pfalz, die als wissenschaftlich begleitetes Modell und erste Team-Kleingruppen-Schule an den Start ging, nun schon dreißig Jahre alt wird. Hinzu kommt der Blickwinkel des Schulleiters einer "zwei"-jährigen IGS im Aufbau. Einen gewissen Neid konnte ich nicht verdrängen, Neid über die seit langem erprobten und klaren (oder auch starr eingefahrenen?) Strukturen, über das tolle Außengelände mit viel Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, den verpflichtenden Ganztagesbetrieb, die verschiedenen Musikgruppen und Orchester, das schon vierjährige Schulparlament und...und...Es gab tatsächlich Augenblicke, da fand ich die 30 Jahre als verlockender als den uns noch bevorstehenden Aufbau mit all seinem Schwung und den Unwägbarkeiten. Auf einer dritten Ebene befand ich mich, als ich anschließend mit vielen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen gesprochen habe. Eine ganze Reihe davon kenne ich ja noch. Auf der einen Seite fühlte ich mich 17 Jahre zurück versetzt, als ich in Oggersheim meinen beruflichen Weg begann und nun die mich damals begleitenden Personen wieder traf. Auf der anderen Seite erschreckte mich die Vorstellung, so lange an einer Schule zu sein, es gibt sogar noch welche, die die dreißig Jahre voll mitgemacht haben, auch jung gebliebene. Ich selbst hatte das Gefühl: Ja, das war dein Anfang, hier stecken deine Wurzeln, hier hast du gelernt, was Gesamtschule will und was es heißt, im Team zu arbeiten. Das Gebäude strahlt für mich immer noch Wärme und Vertrautheit aus. Nur: Wie viele weiteren Entwicklungen, sowohl schulisch als auch persönlich brachten mich erst nach dieser fünfjährigen Tätigkeit weiter? Ich kann sie sowieso nicht übersehen, will sie ja auch keinesfalls missen: Elf Jahre Stufenleiter mit unzählbaren Eindrücken und Erfahrungen und auch schon die zwei Jahre hier. Nein, der Neid verlor sich dann doch in Glück über meinen weiteren Weg bis zum heutigen Tag. Ich hörte ja auch von vielen vergleichbaren Erfahrungen aus der Anfangszeit: der Start in einer Baustelle, die ersten, fast autarken Teams, die Unsicherheit des Anfangs...all die Erfahrungen kenne ich ja ganz aktuell. Und als in den kleinen Gesprächen mit dem Sektglas in der Hand auch die kontroverse Innensicht der Kolleginnen und Kollegen zum Vorschein kam, fühlte ich mich an meine gestrige Stimmung erinnert. Eine bewegende Veranstaltung, für mich mit Besonderheiten des ehemaligen Gegenwärtigen.

Zwei sehr schöne Mails noch von heute. Die Mediathek in Nürnberg (!) schrieb mir, ob ich ihnen das Lied "Gestern, heute und morgen" zusenden könnte, sie hätten davon auf der Homepage gelesen und wollten es in einem Schulgottesdienst singen. Natürlich habe ich ihnen zusätzlich unsere Bewegungen dazu notiert und erhielt prompt dankend begeisterte Antwort. Und dann noch eine Mail. Eine Familie aus der fünften Klasse ließ sich durch unseren Kanon inspirieren und hat weitere Strophen dazu getextet. Toll, oder? Was kann man mehr wollen, als dass unsere Lieder weiterleben, inspirieren und mit uns wachsen? Im ersten Jahr sang ich den Kanon, ganz frisch für den ersten Elternabend getextet, im zweiten Jahr entdeckte ein Schüler, dass man das "We-Will-Rock-You"-Klatschen drunter legen kann und nun kommen neue Strophen hinzu. Ist dies nicht auch ein Zeichen dafür, dass es den Alltag durchdringt? Ich wäre froh und glücklich darüber.

 

Donnerstag, 16. September 2010:

Der nächste Schritt ist gemacht: Eigentlich zwei, wegen Krankheit dann doch nur ein Schüler aus Jahrgang 7 hat mit Bildern aus Deidesheim vom zweiten Standort erzählt und zwar im Assembly der Fünfer und Sechser. Kategorie: standortverknüpfendes Element. Ein weiterer Höhepunkt heute: Wir haben im Assembly die Namen der Schülerinnen und Schüler bekannt gegeben, die mit zu den Young Americans nach Jena fahren können. Aus den ganzen Bewerbungen haben sich schließlich fünf herauskristallisiert. Ich habe keine Tränen erlebt, offensichtlich stieß die Auswahl auf Akzeptanz.

Am Nachmittag für mich eine große Ernüchterung: Da erlebe ich das Assembly mit all den positiven Punkten, da bereite ich die Fahrt nach Bremen vor, die Fahrt nach Jena nimmt Formen an, Kolleginnen hospitieren und äußern sich positiv über uns...und am Nachmittag höre ich, an wie vielen Punkten des Ganztagesbetriebes es hakt und brennt. Ich will doch keinesfalls eine Schule nach außen darstellen, bei der innen nicht stimmt! Dass der Nachmittagsbereich noch schlechter angelaufen ist wie im vergangenen Jahr, obwohl wir schon vor den Ferien begonnen hatten (um genau das nun doch Eingetretene zu verhindern oder zu verbessern), das wusste ich bereits. Dass Stimmung aber so am Boden ist und auf wie viele Einzelpunkte sie sich bezieht, dieses Ausmaß war mir nicht bewusst. Zum eigentlichen Thema, der Überlegung, feste Ganztagesklassen einzurichten, kamen wir gar nicht. Da besteht dringender Handlungsbedarf.

 

Dienstag, 14- September 2010:

Für die meisten Menschen hier in der Region der Abend des ersten Wurstmarkt-Feuerwerkes, für uns die Neuwahl des Schulelternbeirates. Wieder zeigt sich die gewachsene Schule, den jetzt abdankenden SEB haben wir noch per Urwahl gewählt, ab acht Klassen wählen Wahlvertreter. Da wir seit diesem Jahr über deren zwölf verfügen, waren 48 Wahlberechtigte aufgefordert zu wählen, immerhin 47 davon waren da. Zunächst ein kurzer Rückblick auf zwei Jahre gemeinsame Arbeit und: Dank! Nie hatte ich das Gefühl, die Elternschaft will andere Dinge als die Schule. Von daher kam nie, wie ich es immer mal wieder von anderen Schulen höre, eine Gegnerschaft zwischen Schule und Elternschaft auf. Mein Eindruck ist, in den zwei Jahren eine wertschätzende Atmosphäre und das "Ziehen an einem Strang" erlebt zu haben. So habe ich es mir gewünscht und bin daher glücklich.

Mittags habe ich mich um ein Weinfass gekümmert. Die Idee ist, an dem Stand in Bremen (20. Wiederkehr der Vereinigung der beiden deutschen Staaten) ein Weinfass für die Region unserer Schule auf der linken Seite mit dem runden Jenaer Büroturm, ein wenn nicht das Wahrzeichen Jenas, auf der rechten Seite zu verbinden, dazwischen auf Schautafeln unser Projekt dazustellen. Gut, das Fass ist organisiert (es handelt sich um ein ausgedientes 200 Liter fassendes Barrique-Fass), der Turm muss noch in Bildende Kunst gebaut werden.

 

Montag, 13. September 2010:

Der leere Zirkusplatz, das Sägemehl der Manege kündet noch von den Artisten und Tieren, von den Clowns, hier noch eine Wagenspur, im Gelände sind noch die Spuren der Rechen zu sehen, der Zirkusplatz muss sauber verlassen werden, irgendwie eine mir bekannte Chiffre...Wim Wenders Film "Der Himmel über Berlin" und Alexandras Lied  "Zigeunerjunge" kommen mir in den Sinn, denn das Mädchen aus dem Zirkus, zwei Tage hat sie unsere Schule besucht, ist weitergezogen...

Doch zu Romantik und Sentimentalität ist (leider) keine Zeit, die neuen Wege gilt es zu ebnen mit dem jetzigen Schulträger. Und der Kreis ist natürlich um einige Personen und Sachbearbeiterinnen reicher als die etwas kleineren Verbandsgemeinden. Größere Struktur, andere Menschen, neue Formen und Formulare.

 

Freitag, 10. September 2010:

Drei kurze Dinge von heute: Ich habe die nächsten vier Bananenkisten in meinem neuen Büro ausgeräumt, nächste Woche will ich endgültig einziehen. "Zu Hause" fühle ich mich darin noch nicht, aber das wird über drei/vier Jahre ja wachsen können. Schön waren heute die Schafe vor dem Fenster zu erleben, die mit ihrem "Mäh" den Eindruck einer Idylle erweckten. Erschrockene und mitfühlende Kinder aus der 7c kamen aufgeregt auf mich zu. Das eine Schaf müsse tot sein, es läge den ganzen Morgen schon mit seltsam ausgestreckten Beinen da, ohne sich zu bewegen. Hmm, mein Blick nach draußen nach Schulschluss zeigte, dass die Aufregung umsonst war. An der Stelle lag zumindest kein Schaf mehr.

Der Gliederungsplan, ein Excel-Dokument von besonderer Güte und Größe, musste heute fertig an die Schulaufsicht geschickt werden (heute sagt man: im Portal hochgeladen werden). Da steckt viel Kleinarbeit drin, bis alle Zahlen, Stunden, Entlastungen, alle Personalnummern und Deputate usw. stimmen. Wir haben es geschafft und gegen 14 Uhr den Button "Gliederungsplan hochladen" gedrückt. Uff!

Der dritte Punkt war das Ballsportfest des 7. Jahrgangs der IGS und des achten Jahrgangs der RS+. Auch dies zog fast unbemerkt an mir vorüber. Als ich hörte, dass die Siegerehrung schon lief machte ich mich auf den Weg - da waren schon alle weg! Schade! Dennoch zeigt es den Willen und die Wichtigkeit, dass beide Schularten MITeinander einen Standort gemeinsam gestalten. Die Gesänge auf dem Weg zum Bahnhof "So sehn Sieger aus!" zeigt wie im letzten Jahr: Den gemischten Mannschaften war es egal, von welcher Schulart sie kamen, wichtig war das WIR. So soll es sein.

 

Donnerstag, 09. September 2010:

Eine Kirche voller Jugendlicher, das hat selbst Wachenheim wohl selten erlebt. Der Jahrgang 7 reiste direkt an, die Wegstrecke und Kirche kennen sie ja, die 5-er und 6-er liefen von der Schule nach St. Georg. Bedenklich unruhig war es zunächst bis alle ihren Platz hatten, die Empore aus Holz rumpelte natürlich, die Combo spielte noch schnell einmal alles durch und dann ging es los - und tatsächlich: Die 334 Schülerinnen und Schüler reagierten auf das Ruhezeichen und wurden still. Immer wieder habe ich mir diese Situation vorgestellt: alle Jahrgänge vereint, beide Standorte sind da, eine Schule eben, wie das andere wie selbstverständlich erleben können. Und: Auf einer Bank am Rande sitzt ein Schulleiter, ohne Gitarre, ohne Mitarbeit bei der Vorbereitung und ohne Aufgabe. So soll es ja sein, ein Bild für Teamarbeit: Mit ins Leben rufen, einüben und dann sich zurückziehen und loslassen, sich neuen Aufgaben zuwenden. All das ging mir zusätzlich durch den Kopf und in der Hektik und Anspannung der letzten Wochen genoss ich diese kontemplative Stunde ganz intensiv. Eine historische Stunde? Das wäre etwas hochgegriffen, denn vermutlich wurde diese gemeinsame Stunde aller gar nicht für so bedeutend empfunden wie für mich, aber der Langstreckenläufer im Stadion würde sagen: Wieder eine Runde geschafft.

Hinterher in Deidesheim dann kritische Überlegungen, ob der zeitliche Aufwand sich lohne (eine Klasse erreichte Deidesheim erst gegen halb elf Uhr!). Als Start in einen gemeinsamen Themen- oder Wandertag würde sich besser rechnen, nicht aber als gemeinsame Einzelstunde. Da werden wir weiter dranbleiben.

Tagsüber dann verschiedene Telefonate durchs Land wegen des Ganztagesbetriebes: Von Neustadt über Mainz nach Koblenz und Boppard und schließlich doch wieder bei der Schulaufsicht in Neustadt gelandet - aber es zeichnet sich eine Lösung ab.

Elternabend aller zwölf Klassen am Abend (In einem Aufsatz würde ich: Wortwahl! an den Rand schreiben!) - ich tingelte durch die Fünferabende, um die neuen Eltern auch nochmal als Schulleiter willkommen zu heißen und die Eindrücke miterleben zu können. Es ist doch schön, es zeigt die gute Arbeit der Tutoren und gibt einfach Kraft, wenn Eltern vom Start ihrer Kinder in der neuen Schule erzählen. "Zum ersten Mal erlebe ich, dass mein Kind gerne zur Schule geht." Wenn das nach drei Wochen kein Kompliment ist und diese Aussage war keine einzelne, sondern kam in ähnlicher weise vermehrt vor. Wunderbar! Nochmal und immer wieder: Danke allen, die für diese Kinder da sind und durch ihre Arbeit solche Empfindungen ermöglichen!

 

Mittwoch, 08. September 2010:

Zitat des Tages: "Georg, du wirktest gestern richtig gestresst, du warst doch bisher unser ruhender Pol!" Gut wahrgenommen, denn es ist in diesen Tagen soviel los, dass ich immer ins Hintertreffen gerate. Und - insoweit wäre es ja eine positive Entwicklung meiner selbst - es gelingt mir anscheinend nicht mehr immer, alles in mir zu verstecken, oder positiv: Mir gelingt es besser, Dinge auch zu zeigen. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich eh nicht, denn Vertreterinnen aus zwei IGS-Planungsgruppen waren heute zu Gast, zum einen zur Hospitation, zum anderen zum langen Austausch mit einem Schulleiter, der "es gerade hinter sich hat". Das war dann nicht nur zeitraubend, es war auch bestätigend: Gerafft zu schildern, was wir in zwei Jahren alles auf die Beine gestellt haben, auf neugierig aufsaugende Ohren zu stoßen und pädagogisch zu diskutieren, das macht Spaß, das gelingt mir ganz gut und so bekam ich es auch rückgemeldet: "Georg, dieses Treffen war für uns unheimlich bereichernd." Kein Wunder, schmunzele ich eben in mich hinein, wir haben ja auch zu dritt unseren Kanon gesungen! Mehr als Haftnotiz und in der Tragweite erst später erinnert: Ich erhielt einen Anruf, ob ich als Referent bei einer anderen IGS einen Studientag zur differenzierten Leistungsmessung gestalten könne, ich sei der Schule als Spezialist genannt worden. Es ist ja erst im zweiten Halbjahr, ich sagte zu und heute Abend denke ich, warum tust du dir das auch noch an und ausgerechnet an einem Tag wie heute? Doch ich trage das Gefühl der Dankbarkeit in mir. Auch ich stehe nur da, wo ich durch vielerlei Unterstützung hingekommen bin. Das will, das muss ich doch in irgendeiner Weise auch weitergeben, weitertragen und - da es immer noch, auch an IGSen, Neuland ist, dazu beitragen, dass dieses Thema in die Breite geht. Ich traf auch noch die Architekten, mehr zufällig. Auch sie leiden unter Termindruck: Der Estrich im Fachraumtrakt weist immer noch zuviel Feuchtigkeit auf. In zwei Wochen und nur dann müssen die Möbel geliefert werden, und der Boden muss bis dahin gelegt sein. Wie das gehen soll? In dem einer die Verantwortung übernimmt. Er ist aber noch nicht gefunden. In einem neuen Diff-Raum haben wir ja schon Blasen unter dem neuen Boden, verursacht vermutlich durch zuviel Feuchtigkeit. Und im Untergeschoss in Wachenheim zeigen sich ebenfalls im Diff- und im Teamraum Feuchtigkeitsschäden. Dabei, man lese es nach, ist diese Baustelle erst ein Jahr bewältigt. Beim Ganztagesbetrieb sind wir einen kleinen Schritt weiter, aber noch immer nicht bei einer Lösung und was wird aus dem Vertrag der Schulsozialarbeiterin, der nur bis Ende des Jahres gilt...und so neigt sich ein Tag seinem Ende entgegen, der in seinem Hin und Her an Ereignissen, in seinem Auf und Ab an Gefühlen und in seinem noch eins und noch eins mal wieder kaum zu übertreffen war. Und doch suche ich gleich glücklich das Bett auf, denn morgen geht erstmal ein Traum in Erfüllung, der mir seit meiner Überprüfung im Dezember 2007 vor Augen steht: Ich sollte im Kolloquium meine Ideen schildern, die ich für eine Schule mit zwei Standorten habe. Schon damals sagte ich, dass man Möglichkeiten entwickeln müsse, beide Standorte, so oft es geht, miteinander zu verzahnen. Morgen wird dazu erstmals der Grundstein gelegt: Zum Jahresanfangsgottesdienst kommen die Trixi Trauben "zurück" nach Wachenheim, dann werden beide Standorte und drei Jahrgänge vereint sein, wir werden uns zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung als eine Schule erleben...

 

Dienstag, 07. September 2010:

Erstes Siebener-Assembly, ein einziges Krafttanken! Das ist Dank, das ist Bestätigung! In der Mensa in Deidesheim versammelte sich der Jahrgang, ungewohnter Raum, ungewohnte Sitzordnung, aber ich spürte deutlich, wie die beiden Jahre dieser Wochenversammlung geprägt haben. Der Kanon - ein Selbstläufer, die notwendigen Organisationsfragen - schnell gelöst, genügend Freiwillige, die den Raum herrichten und auch wieder aufräumen, großes Interesse an den Fahrten nach Jena und Bremen, einfach wunderbar. Mittags in der Fachkonferenz Religion-Ethik die Frage: Wie sollen, wie können wir das Assembly weiter organisieren, da wir doch nur eine Wochenstunde Religion/Ethik haben? Wir einigten uns auf einen dreiwöchigen Rhythmus, durch verschiedenen Fächer rollierend und mit mehr inhaltlicher Verantwortung auf Seiten der Schülerschaft. Gutes Bauchgefühl: Auf der bisherigen Grundlage können die Abstände ruhig größer werden, das Assembly wird auch mit zwei Standorten und drei Jahrgängen überleben.

Ärger in Wachenheim, Aufsichten laufen nicht rund, wir müssen Unterrichtszeiten genauer einhalten, das erste Gesamtteam gab Gelegenheit alles anzusprechen. Der Ganztagesbetrieb ist durch irgendwelche Fehler (wir wissen noch nicht genau, welche) nur bis zu den Herbstferien finanziell gesichert. Das schafft zusätzlich Aufregung zu allem anderen. Mal sehen, wie wir das geradebiegen. Und noch eine staatstragende Aufgabe: Ich durfte eine weitere Beförderung vornehmen, ich erlebe es dann doch immer stärker, als ich es erwarte, es ist eben mehr als nur das Aushändigen einer Urkunde. Wenn man bedenkt, dass diese Stelle kurz nach der Schulleiterstelle 2008 ausgeschrieben war...ein langer Weg!

Noch ein erstes Mal: Der um die neuen Schulen in Trägerschaft des Kreises erweiterter Schulträgerausschuss tagte heute, auch wegen Baumaßnahmen nebenan in einem Sitzungssaal der benachbarten Bank. Es ging hauptsächlich um Haushaltsfragen, nicht gerade spektakulär, aber im Alltag dann doch wichtig.

 

Montag, 06. September 2010:

Historisches Ereignis? Naja, jedenfalls die erste Schulleitungsrunde in meinem künftigen Büro. Meine zwei roten Regale, ein alter Kiefern-Küchentisch aus Privatbeständen, vier verschiedene Stühle, kahle Wände - so sieht derzeit mein Büro in Deidesheim aus. Das Telefon klingelt, doch nach wenigen Sekunden bricht das Gespräch ab, ich mache mehrmals heute diese Erfahrung...da ist also noch viel zu tun. Ich bleibe ja immerhin dieses Mal für drei bzw. vier Jahre hier, da kommt es auf ein paar Tage zu Beginn vielleicht nicht an. Berührt bin ich immer wieder in Deidesheim, wenn mich Schülerinnen und Schüler aus dem Trixi Traube Jahrgang sehen, freudestrahlend auf mich zukommen und mich begrüßen wie nach langem Auslandsaufenthalt. Heute hat mich gar ein Junge umarmt. Es klingt seltsam, aber das ist eben auch meine Schule!

 

Freitag, 03. September 2010:

Ich schwanke zwischen Hermann Hesse und Janusz Korczak. "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" schrieb ersterer im Gedicht "Stufen",  "und jeder Anfang ist eine schmerzhafte Anstrengung", schrieb Korczak im Tagebuch. Fotos aus der AG mit dem Bürgerspital, bei der Schülerinnen und Schüler von uns bereits zum Mittagessen dorthin gehen, mit den Senioren essen, Hausaufgaben machen und anschließend gemeinsamen Ideen nachgehen, haben mich beeindruckt. Aus den Fotos strahlt diese Besonderheit, dieses Aufeinander zugehen und eine gegenseitige Wertschätzung - ein Angebot, bei dem ich nur zauberhaft mit Zunge schnalzen kann. Toll! Auf der anderen Seite noch immer so viele Hemmnisse und Einzelfragen zum Thema Baustelle und zweiter Standort, es will sich einfach keine breite Spur einstellen, immer wieder Hindernisse, neue, einzelne Steine. Aber: Solange es beide Seiten gibt, so lange es ein Assembly wie gestern gibt, wird Hesse die Oberhand behalten.

 

Donnerstag, 02. September 2010:

Unser Schulaufsichtsbeamter beantwortete eine Email von mir. Ich schrieb ihm von der Hektik, von den vielen Aufgaben, die im Moment vor uns stehen, dass  es Tage gäbe, an denen man verrückt werden könne, weil jede beantwortete Frage, jedes bearbeitete Problem(chen) zwei neu nach sich zöge. Er gab mir die dienstliche Anweisung, dies nicht zu tun! Schade, ich hätte mich unter einer "Narrenkappe" im Moment nicht unwohl gefühlt. Also weitertreten im Hamsterrad.

Meine erstes Assembly ohne den Pionierjahrgang fand heute statt, es war, als hätten die beiden Folgejahrgänge noch nie was anderes gemacht. Nach den ersten Gitarrentönen stellte sich, wie von Zauberhand bewirkt, Ruhe ein, das "Laudato si" erscholl frisch und rhythmisch gestrafft, Schülerinnen und Schüler frei sprechend am Mikrofon...mit ein bisschen Pflege kann das eigentlich nicht mehr untergehn. Bremen und Jena machen Fortschritte, allein 29 Interessierte aus dem sechsten Jahrgang meldeten sich für das Projekt mit den "Young Americans" - das wird wieder eine heiße Auslosung werden, wenn am Dienstag noch der Jahrgang Trixi Traube dazu kommt.

Also, es geht es doch auch voran. Die Abwasserkanäle in Deidesheim werden vor der Winterpause noch von Wurzeln befreit, im künftigen Büro habe ich meine Regale aufgebaut (mit kräftiger Unterstützung einiger Schüler: Danke!), hier in Wachenheim habe ich einige Umzugskartons gepackt (konsequent eine Anmerkung umgesetzt: "Was du jetzt ein Jahr lang nicht gebraucht hast, kannst du getrost wegwerfen". Es wurden drei Kartons Papier!), nein, keine Stagnation, aber all die vielen offenen Kleinigkeiten lassen den Fortschritt manchmal kaum wahrnehmbar erscheinen. Tolles Gespräch über unser Fahrtenkonzept mit dem uns betreuenden Erlebnispädagogen, sowohl konkret Anstehendes als auch Visionen füllten das Büro, weite Rückgriffe in unsere beiden Biografien, da stimmte nicht nur die Chemie, auch parallele Erfahrungen und Eindrücke beflügelten unser Gespräch - und vor allem das zweimalige herzhaft befreiende Lachen. Das gab mir mal wieder Kraft  und führte eine ganze Reihe von Ansätzen meiner Berufsauffassung auf biografische Situationen zurück. Vielleicht tut sich ja mal Zeit auf, das näher zu beschreiben

 

Mittwoch, 01. September 2010:

Erneut ein im Schuljahr sehr früher AQS-Einsatz, wieder eine einzügige Grundschule. Hätte nicht so schnell auf den letztwöchigen folgen müssen, denn in der eigenen Schule "brennt" ja auch die Hütte. 1001 Fragen stellen sich in den Raum, 1001 Punkte auf der To-Do-Liste machen eigentlich die Anwesenheit der sowieso dezimierten Schulleitung notwendig. War halt nicht zu ändern. Interessant war es trotzdem, für einen, der von einer weiterbildenden Schule kommt, innerhalb einer Woche zwei so unterschiedlichen Grundschulen von innen zu erleben. Dieselbe Stadt, dieselbe Schulart und doch riesige Unterschiede. Will sagen: Die Menschen, die Charaktere, ihre Ideen und ihr spezieller Umgang mit Kindern macht eine Schule aus, lange vor einem ausgefeilten Konzept und einem intensiven Qualitätsmanagement verantworten wir Lehrkräfte, welcher Atem auf den Fluren, welcher Geist in den Klassen und welche Stimmung im Kollegium herrscht. Bei aller Methodenkonzeption, bei allen Anstrengungen in der Unterrichtsentwicklung und Evaluationsinstrumenten, bei dem auch bei uns lauten Ruf nach renovierten Schulen und der Wichtigkeit einer Schulleitung (Ich greife mal auf Korczak zurück): Die Achtung vor dem Kind muss in den Gängen und Räumen zu spüren sein. Einmal mehr habe ich es heute erlebt. Bleiben wir also dran!

 

Dienstag, 31. August 2010.

Wegen Krankheit meine erste Teamsitzung bei den Susi Saumagen. Der Anfang scheint gelungen zu sein, die Stimmung ist gut. Erste Berichte und Eindrücke aus den vier Klassen lassen mich das Hohelied der IGS anstimmen: Wir haben intensiv berichtet und weitere Vorgehensweisen für Schülerinnen und Schüler im Team beraten. Ich hoffe, das macht uns weiterhin aus: sowohl Arbeit im Team als auch die pädagogische Begleitung sowohl der Schülerinnen und Schüler als auch der Kolleginnen und Kollegen. Sprich: Ein Nachmittag, an dem ein zufriedener und glücklicher Schulleiter nach Hause fuhr.

 

Montag, 30. August 2010:

Regen ist für den Standort Deidesheim nicht ganz so günstig: Am Freitag durch ein Fenster, heute nun stand der Schulhof unter Wasser. "Jaja, das ist hier so, die Abflussrohre sind wohl durch den Baum dahinten durchwurzelt. Vermutlich muss man den Abfluss aufgraben und dafür war bisher kein Geld da." Da könnten wir vielleicht im Winter eine Eishockey-AG anbieten? Nein, im Ernst, da müssen wir ran! Mit Schülern habe ich meine beiden Regale eines skandinavischen Möbelhauses aufgebaut. Nun verfüge ich also schon über einen alten Schreibtisch, einen vor der Bandsäge geretteten Konferenztisch und meine beiden neuen (roten!) Regale. Eine integrative Büroausstattung.

Sechs junge Menschen im Lehramtsstudium haben heute ihre Praktika bei uns begonnen. Die wichtigste Aufgabe, die ich ihnen stellte, war: Beobachtet euch, hört in euch hinein, spürt Zweifeln nach, ob ihr mit Kindern in Kontakt kommt, ob euch die Arbeit anstrengt, ob ihr innerlich klar kommt. Das ist das wichtigste, was ihr innerhalb dieses Praktikums klären könnt. Didaktik und Methodik sind erlern- und studierbar, den Zug zu Kindern muss man mitbringen. Dann ist dieser Beruf mit der schönste, den man sich vorstellen kann, wenn dieser eine Punkt fehlt, kann er aber zur Hölle werden, in der man jeden Tag steht. DIe vielen Frühpensionierungen scheinen mir das Vorkommen des zweiten Falles zu bezeugen. Schönes Arbeiten bei uns!

 

Sonntag, 29. August 2010:

Weinstraßentag 2010 - unser Förderverein ist dabei. Tolle Sache, dass sich über 30 Helferinnen und Helfer fanden, die den ganzen Tag unseren Stand betreuten. Das Wetter ließ einige Wünsche offen, zum Beispiel eine von oben trockene Heimfahrt bei mir selbst. Nicht genug, dass ich durchgeschwitzt war, muss es auch noch regnen. Die verschiedenen Steigungen zwischen Forst und Bad Dürkheim sind mit dem Auto irgendwie leichter zu überwinden. Sei's drum, Glücklich die Schule, die über solche helfenden Hände verfügt. Danke euch allen für den sonntäglichen Einsatz.

 

Freitag, 26. August 2010:

Die Nacht war stürmisch - die Fenster, nein, nur eines davon im Neubau, hielt dem Regen nicht stand - Pfützen auf dem neuen Boden! Hmm, da muss wohl ein klein wenig nachgearbeitet werden. Nach Blasen nun auch noch Pfützen - nicht gravierend, wenn's dabei bleibt!

Mit der neuen Schulkamera habe ich vom Standort Wachenheim ein erstes Panoramabild gemacht. Tolle Sache (siehe Neuigkeiten). Es schmückt nun als Hintergrundbild meinen PC. Dies und das war noch und so viel - aber jetzt ist erst mal Wochenende. Draußen sind die dunklen Wolken weitergezogen, die Sonne traut sich hervor. Soll mal dableiben übers Wochenende und dann in die neue Woche hineinleuchten.

 

Donnerstag, 26. August 2010:

AQS-Einsatz in Kaiserslautern, es galt eine kleine Grundschule im sozialen Brennpunkt zu evaluieren. Tolle Arbeit wird dort geleistet, die mit Unterricht weniger, mit Erziehung mehr zu tun hat. Ich sah tagsüber einen Jungen, der etwa fünf Meter hinter seiner Mutter herging und seinen Teddy eng an sich drückte. Die Mutter würdigte ihn keines Blickes. Später sah ich ihn auf dem Schulhof auf dem Boden sitzen, allein und immer noch den Teddy fest an sich gedrückt, nicht weinend, aber starr vor sich auf den Boden blicken - Warum hat mich dieses Bild so unendlich traurig gestimmt und mich heute lange beherrscht.?

Allen, die heute Geburtstag haben, die herzlichsten Glückwünsche. Mögen sich viele Wünsche im neuen Lebensjahr verwirklichen.

 

Mittwoch, 25. August 2010:

Aha, so geht das jetzt mit den Rechnungen und der Post. Beim ersten Gespräch mit dem Landkreis zu Verwaltungsfragen haben wir, nach den Baufragen, schon die zweite Kurve genommen. So langsam wird die Bahn der neuen Trägerschaft klarer sichtbar. Wann werden wir in die Zielgerade einbiegen? Nur Geduld!

In Deidesheim war ich Zeuge und Mittäter, als wir kurzerhand kleine Kästchen für die Computer der interaktiven Tafeln entwarfen. Mein Bruder nannte mich vor dreißig Jahren schon: Studentenschreiner! Heute lief mir die Formulierung über die Lippen: Eine neue Schule aufzubauen, ist eine reizvolle Aufgabe. Jeden neuen Jahrgang aufzunehmen, ist eine schöne Aufgabe. Einen zweiten Standort zu eröffnen, ist ein weiterer Job. Eine Baustelle bei laufendem Betrieb zu betreuen, strengt auch an. Der Übergang an einen neuen Schulträger birgt zusätzlich einige spannende Momente. Nur alles auf einmal artet dann in Stress aus. Also kann die Devise nur lauten: Immer mit der Ruhe. Was sich jetzt noch nicht gefunden hat, stellt sich später ein, kommen wird es auf jeden Fall. Und siehe: Ich bin noch nicht verrückt geworden, schlafe nach wie vor gut und jeden Tag geht es ein Stück voran - und genau so erklomm ich manchem Gipfel in den Bergen. Hätte ich den Berg von unten betrachtet - ich wäre des Öfteren nicht losgelaufen. Doch Schritt vor Schritt setzend, auf jeden Tritt konzentriert achtend, die Wegstrecke Wegstrecke sein lassend,  stand ich irgendwann unterm Gipfelkreuz. Und der momentane Anstieg wird noch dauern, also Luft behalten für den Gipfelsturm, nicht verausgaben, dann wird es schon.

 

Dienstag, 24. August 2010:

Puhh, das Archiv ist zwischengelagert! Nach vielem Hin und Her hat mein Reli-Kurs 7 Hand angelegt und das gesamte Archiv zwischengelagert, denn im künftigen, dreijährigen, immer noch provisorischen Zwischenlager ist noch kein Boden drin. So organisieren wir uns durch die Wochen, bis der zweite Bauabschnitt vollendet sein wird. Nach wie vor lautet die Peilung: Herbstferien. Aber dann Ruhe? Vermutlich nicht, denn im ersten Diff.-Raum hat der Bodenbelag schon Blasen geschlagen. Doch zu schnell verlegt? Das erste OG, in das die Trixi Trauben eingezogen sind, ist aber blasenfrei. Nein, in den Bestands-Klassenzimmern (so der bau-herrliche Ausdruck) befindet sich kein Schimmel. Scheiben, Rahmen und Kitt sind eben vierzig Jahre alt. Ja, der neue Schulträger weiß um den Zustand, hat auch Besserung zugesagt. Die beschlossene Vorgehensweise ist diese: Alle Schulen, für die der Kreis nun die Trägerschaft übernommen hat (vier an der Zahl) erhalten demnächst Besuch von einer Inspektionsgruppe. Diese erstellt dann eine Prioritätenliste von notwendigen Aufgaben und wird diese dann nach und nach abbauen. Also Abhilfe ja, aber nicht alles kann gleich gemacht werden, was sich über Jahre hin angestaut hat.

Abends letzte Sitzung unseres ersten Schulelternbeirates. Ja, die Legislatur ist schon um, am 14.9 wird neu gewählt. Wir tagten in der letzten Sitzung zum ersten Mal in Deidesheim. Im Dunkeln tasteten wir uns aus dem Gebäude, weil der Schulleiter nicht wusste, wo sich die Lichtschalter befinden. Hust, hust!

Ihr Lieben, habt tausend Dank für die beiden Jahre der Zusammenarbeit. Habt Dank für das Vertrauen und euer Engagement, für die menschlich angenehme Atmosphäre und auch für euren Humor. Wenn ich mich recht entsinne, haben wir in jeder Sitzung, egal welche Punkte auch anstanden, immer auch gelacht. Das ist so wichtig und hat unserer Zusammenarbeit gut getan. In dieser Zusammensetzung werden wir uns nicht mehr treffen. Da ist die Schule noch so jung und mit dem zweiten Standort beginnt jeden Tag etwas Neues und doch heißt es auch schon: Abschied nehmen. Wir verlieren uns ja nicht aus den Augen und eine Wiederwahl ist ja möglich. Dennoch beschleicht mich etwas Wehmut, denn auf eure Unterstützung war Verlass, ihr habt mir und der Schule stets den Rücken gestärkt. Merci!

 

Freitag, 20. August 2010:

Ein Schulleiter an zwei Standorten mit drei Jahrgängen, das Eins-zwei-drei dieser Woche. Viel Lob, viele Komplimente und Dankesworte heute beim Grillen mit den Susi Saumagen. Wie kann ich das multiplizieren? Schon in dieser Woche wurde bereits wieder unterstrichen: Was hier an der IGS Deidesheim/Wachenheim "abgeht", ist nicht die Arbeit eines Schulleiters. Wer hat diese Woche nicht alles mitgestaltet: Das Kollegium, das sich nicht durch den unfertigen Bau deprimieren lässt, die Schülerschaft mit ihrer munteren und beherzten Art sich wohl zu fühlen, und immer wieder neu und einzigartig: die vielen helfenden Eltern! Das ist klasse! Das baut auf! Das gibt Kraft. Danke euch allen, immer wieder. Ernst gemeint und gefühlt, ohne Abnützungserscheinungen soll es ankommen. Im ersten Jahr fühlte ich da und dort etwas gestaltet zu haben. Inzwischen geschieht so viel, was ich gar nicht mehr, oder nur am Rande miterlebe, aber es findet statt. Lob und Ergebnis der Teamarbeit. Im Büro sitzend, wissend, dass sich ab 12 Uhr der neue Jahrgang am Sportplatz einfindet, dann hinkommend und - alles ist geregelt: Die vier Klassen waren nach Deidesheim gewandert und sind mit dem Zug zurück gekommen, die Eltern sind da, der Grill ist schon geheizt, Getränke sind organisiert, selbst der Abbau der Sitzgarnituren ist schon organisiert - von all dem habe ich nichts mitbekommen, habe keinen Anteil dran und keinen