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Juni 2013

 

Freitag, 28 Juni 2013:

Mir stellten sich heute Morgen in der katholischen Kirche die Fragen: Welchen „Sitz im Leben“ nimmt dieser Abschlussgottesdienst bei den Abschlussschüler/-innen wohl ein? Welche Fürbitte, welche Formulierung, welche Aussage durchdringt sie wirklich im Inneren? Trifft diese Stunde ihr Leben an diesem Abschnitt? Oder ist es lediglich eine schöne Tradition, auch bei einem Schulabschluss innezuhalten und kirchlichen Raum und Atmosphäre zu nutzen? Als ich dann manche Schüler/-innen erlebte, wie ernst sie ihren Beitrag nahmen, mit welchem Nachdruck auch Texte vorgetragen wurden, neigte ich dazu, meine Skepsis hinten an zu stellen. Ganz verschwunden ist sie freilich nicht. Ich jedenfalls genoss diese Stunde, konnte auch kontemplativ versinken und Abschied nehmen.

Allerdings verfügte ich nicht über genügend Zeit zur inneren Ruhe, denn ich musste nach Wachenheim zum letzten Assembly des Schuljahres und damit auch zum letzten Mal in dieser Zusammensetzung mit den derzeitigen Fünfern und Sechsern. Bilder von der Brunnengestaltung auf dem Schulhof zeigten mir erneut: Wo Menschen anpacken, verändert sich auch etwas. Seit Jahren lief ich an dem früher sprudelnden Brunnen vorüber, die verblasste Bemalung kündete stets von besseren Zeiten. Nun ist er neu gestaltet als Blumenbeet, ein wunderbar anzuschauender Blickfang im Schulhof. Danke euch fleißigen Helfer/-innen! Eine letzte Musikstunde bei den Fünfern und dann wieder zurück nach Deidesheim – „Schulleiter on the road“!

„Gell, heute Abend nehmen Sie mich aber auch in den Arm!“ Zitat einer Zehntklässlerin – bin ich als Mensch doch bei einigen Schülerinnen der Realschule plus angekommen! Auf meinen Stichwortzettel, auf den ich doch nicht verzichten wollte, notierte ich vor allem den Dank an den heute zu verabschiedenden Jahrgang. Diese Schüler/-innen hatten den Baudreck und –lärm ertragen müssen, als von der IGS noch kein Mensch anwesend war. Dieser Jahrgang erlebte die Baustelle in Deidesheim bei laufendem Unterricht – die IGS kam erst mit den Siebtklässlern, als (fast) alles fertig gestellt war. Und dafür, dass ihre Schule heute nun ihre Pforten schließt (mit all den Unannehmlichkeiten einer auslaufenden Schule), können diese Jugendlichen auch nichts. Diese Wertschätzung sollte auf jeden Fall in meinem Beitrag vorkommen. Auch mein Stolz auf alle, dass heute Abend eine gemeinsame Abschlussfeier stattfinden konnte. Nein, das ist nicht selbstverständlich und bis auf (für mich) kleinere Querelen, die an allen Schulen vorkommen können, verlief die Ablösung in meinen Augen ohne größere Schwierigkeiten. Ich weiß von einer Schule in ähnlicher Situation, bei welcher der Schulhof geteilt wurde, damit die einen nicht mit den anderen in Berührung kamen. (Später sollte ich hören, dass mir wohl nicht alles zu Ohren gekommen sei! Sei es drum!). Das von Schüler/-innen beider Schulen gestaltete Programm hatte eine Weltreise als roten Faden: Lieder, Tänze, Szenen aus verschiedenen Ländern kamen auf der Bühne zur Aufführung. Als besonders gelungen empfand ich (typisch Deutschlehrer!) den Beitrag zu Italien: Eine Szene aus „Romeo und Julia“. Vom angedeuteten Balkon auf einer Stehleiter säuselte Julia ihre Sehnsucht im Originaltext herab, während unten Romeo in breitem Pfälzisch antwortete. Echt witzig!

Zu den gewünschten Umarmungen kam es dann doch öfter, als von mir erahnt, für mich wichtige Augenblicke als Indiz für ein doch gelungenes Jahr, zumal in der Moderation der Satz vorkam vom Schulleiter, „mit dem wir nicht wirklich was zu tun hatten“! Immerhin, auch das ein Hinweis auf ein hie und da gelungenes Jahr, wurde meine Vorliebe für Schokolade in einem Quiz erfragt!

Nach fünf Jahren Aufbau war dies meine erste Abschlussfeier als (doppelter) Schulleiter. Im Grunde war mir die inhaltliche Choreografie bekannt: Moderation, thematische Vorführungen auf der Bühne, Gruß- und Dankesworte, Rosen für die Abgänger, Preisverleihungen usw. Dennoch war der Abend auch ganz neu und ich entzog mich zwischen dem Ende des Programms und dem Aufräumen in einen stillen Winkel hinter der Stadthalle: Die Atmosphäre und meine Gefühle an diesem Abend wollte ich nicht nur im Getümmel erleben. Auch diesen wichtigen Augenblick wollte ich allein mit mir selbst „begehen“.

Nun hat also dieser dritte Band von „Schulleiters Tagebuch“ seinen Namen zu Recht: „Die ersten Abschlüsse“. Und ich selbst einen Job weniger. Ab morgen bin ich wieder singulärer Schulleiter der IGS. Eine schnell zusammen gestellte Lehrkräfte-Truppe brachte in einer  konzertierten Aktion zwei Autos voll mit Tonanlagen-Krams in die Schule zurück. Die Idee des anschließenden Einkehrens schlug ich allerdings aus: nach diesem ereignisreichen Tag hatte ich dazu keine Kraft mehr.

 

Donnerstag, 27. Juni 2013:

Gestern stand ein Unterrichtsbesuch für eine dienstliche Beurteilung an. Angekündigt war ein pädagogisches Feuerwerk und wahrlich: ich erlebte eine berauschende Stunde, bunt an pädagogischen Einfällen, differenziert nach vielen Seiten und mit Gewinn für die Schüler/-innen. Beeindruckend war es mitzuerleben, wie souverän die Fünftklässler die geforderten Vierzeiler verfassten. Von Gedichten will ich selbst nicht reden, denn Lyrik ist ein Teil des Literaturtempels, der sehr viel mehr erfordert als Reimen. Dennoch begeisterte es mich, wie souverän die Schüler/-innen mit Fachbegriffen die Reimarten diskutierten und anwenden konnten. Klasse! Ein beglückendes Erlebnis zum nahen Schuljahresende!

Zu den ureigenen Aufgaben eines Schulleiters gehört es sicherlich nicht, eine Tonanlage in die Stadthalle zu transportieren. Dennoch trug ich dadurch heute meinen kleinen Teil zur morgigen Abschlussfeier bei, spürte und genoss die eigenartig spürbare Nervosität, die Aufregung am Vortag, das Gewusel von Schüler/-innen in festlichen oder indischen Gewändern, die durch Foyer und Festsaal huschten. Bin selbst richtig gespannt und voller Vorfreude – auch wenn ich noch keine rechte Zeit hatte, meine „Rede“ vorzubereiten. Mir wird da schon etwas einfallen.

In der zweiten Pause wohnte ich in Deidesheim den Siegerehrungen zu den Bundesjugendspielen bei – ein Anlass, den ich als Schüler nie mit einer Urkunde verließ. Heute erlebte ich wieder stolze und auch schüchterne Jugendliche, als sie ihre Urkunde oder Medaille überreicht bekamen.

Am Nachmittag brauste ein Sturm mit heftigen Regenschauern über Deidesheim hinweg, erwähnenswert nur deshalb, weil dadurch die Renovierungsbedürftigkeit des Bestandsbaues deutlich wurde: an fünf Stellen trat Wasser durch undichte Fenster, durch undichte Gebäudefugen und eine Tür ein. Da kommt schon  noch was auf den Schulträger zu!

 

 

Dienstag, 25. Juni 2013:

Als Vertretung kam ich heute in den Genuss einer Zeugniskonferenz der Fünftklässler. Zügig waren die „Zahlenspielereien“ abgeschlossen und die Pädagogik trat auf den Plan: Wie kann perspektivisch jenem Kind geholfen werden? Wo benötigt ein anderes Unterstützung? Brauchen wir externe Hilfe? Immer wieder empfinde ich diesen Teil als wunderbar und als eigentlichen pädagogischen Grund für diese Konferenzen. Und wunderbar auch, dass sich darüber ein Konsens bei uns immer wieder einstellt. Dennoch war es gelungen, den Zeitplan einzuhalten, so dass ich anschließend noch Zeit fand, mich zur Zeugniskonferenz der Neuntklässler einzufinden. Ganz andere Punkte standen dort auf der Tagesordnung: Abschlüsse und Einstufungen für Klasse 10. Wie groß doch die Runde der Lehrkräfte in dieser Stufe durch die Differenzierung geworden ist – sie füllte fast einen ganzen Klassensaal! Nochmal: 49 Schüler/-innen erfüllen die Niveaubedingungen für den Übergang nach Klasse 11. Das bedeutet nicht, dass alle dorthin gehen werden, aber es bedeutet immer mehr: Über das Zustandekommen unserer Oberstufe mache ich mir keine Sorgen!

Abschlusszeugnisse müssen vom Schulleiter unterschrieben werden. So schloss sich noch eine „Autogrammstunde“ meinerseits an. Was die späteren Empfänger dieser Zeugnisse einmal erinnern werden, wenn sie nach einigen Jahren ihre Zeugnisse zur Hand nehmen? Da hat ein „einjähriger“ Schulleiter unterschrieben, der nur durch die Umstände der IGS-Gründung zu dieser Funktion kam, ansonsten uns aber nicht von Klasse 5 an begleitet hat! Ein seltsames Gefühl beschlich mich beim Unterschreiben, denn wirklich gekannt habe ich diese Schüler/-innen nicht, habe nur  in diesem einen Jahr mit ihnen „gelebt“, ihr Großwerden habe ich nicht begleitet, weiß nur von einzelnen familiäre oder biografische Hintergründe – und doch bescheinige ich ihnen mit meiner Unterschrift einen mittleren Bildungsabschluss.  

Der lange Tag war aber noch nicht zu Ende: Zum Schuljahresende traf sich der Schulelternbeirat „meiner anderen“ Schule zum Abschlussessen. Eine schöne – ja fast schon Tradition, in der sich die gute Zusammenarbeit ausdrückt. Habt Dank für dieses Jahr der kritischen, aber stets wohlwollenden Begleitung! 

 

Montag, 24. Juni 2013:

Abschließende Zeugniskonferenz der Zehntklässler und damit die letzte der Realschule plus – große Freude herrschte darüber, dass es ein paar Schüler/-innen, bei denen ein Abschluss in Frage stand,  auf den letzten Drücker noch geschafft haben. Allerdings trifft dies nicht auf alle zu, zwei werden die Schule ohne Abschluss verlassen müssen. Dem gegenüber stehen aber über 20 mögliche Übergänge in die MSS. Na, da soll im nächsten Jahr unsere Oberstufe in Frage stehen? Ich gehe fest von der Errichtungsgenehmigung aus!

Die letzte Klassenfahrt der Neuntklässler ist nun auch abgeschlossen, sie kehrten heute gut gelüftet vom Segeltörn auf dem Ijsselmeer zurück in die Schule. Erinnerungen, Bilder, Begriffe füllten sich bei mir mit Bildern meiner Klassenfahrt 2001: Kajüte, Skipper, Dusche, Städtenamen – ganz wach ist  auch noch der ernste Gesichtsausdruck unseres damaligen Skippers am Abend des elften Septembers. Er rief mich in seine Skipper-Kajüte, der Fernseher lief und ich sah die Bilder des Anschlags auf das World Trade Center in New York. Den holländischen Kommentar konnte ich nur erahnen – und schon klingelten die Mobiltelefone. Besorgte und aufgebrachte Eltern riefen an, schilderten die ungewisse Lage, fragten an, ob wir die Fahrt nicht abbrechen wollten, denn niemand wusste an dem damaligen Abend, was dieses Wahnsinns-Attentat für Folgen haben würde. Bewegend war auch der Halt mit den Schweigeminuten am nächsten Tag: An einer Schleuse lagen mehrere Segelboote hatten sich abgesprochen, lagen nun vor Anker, alle Segler standen auf Deck, so auch wir, und schwiegen. Dennoch – oder vielleicht auch gerade deswegen – blieb mir dieser Segeltörn als eine der beeindruckendsten Klassenfahrten in Erinnerung.

Doch zurück ins Heute: Auch die IGS vergibt bald die ersten Abschlusszeugnisse. Diese müssen aber zuerst einmal formatiert werden. Kurzer Anruf an meiner alten Schule: „Könnt ihr mir eure/unsere Formulare zumailen?“ Schnell waren diese dann auf die IGS Deidesheim/Wachenheim angepasst – ein weiterer Schritt im Aufbau!

 

Freitag, 21. Juni 2013:

Heute erhielt ich die fortgeschrittene Version des Programms der Abschlussfeier in schriftlicher Form. Gleich tauchten Bilder und Stimmungen meiner bisher erlebten Feiern, hauptsächlich der meiner ehemaligen Schulen auf. In elf Jahren als Stufenleiter sammelte sich da eine erkleckliche Anzahl an. Es sind diese Stunden eben reichhaltig mit erinnerungsfähigen Momenten ausgestattet – konstruktivistisch geschrieben: Viele Momente der gemeinsamen Beziehung zwischen Lehrkräften und Schüler/-innen sind so stark, dass sie in den Windungen des Gehirns als dauerhaft speicherwürdig eingestuft werden. Freilich sind meine Bindungen an die Jugendlichen als Schulleiter dieses Mal wesentlich geringer und damit auch das emotionale „Mitgehen“ ein anderes. Ich vermute aber, dass die Feier mit anderen Vorzeichen dennoch für mich zu einem einschneidenden Erlebnis werden wird. Bis es soweit kommt, sind aber noch jede Menge Einzelheiten zu erledigen und zu organisieren. Auch als Schulleiter konnte (und wollte?) ich nicht verhindern, dass ich mitten drin dabei bin. Auch was die erreichten Abschlüsse angeht, ist noch Bewegung drin. Die Zeugniskonferenzen der Realschule plus Klasse 10 und IGS Klasse 9 finden erst in der kommenden Woche statt. Erst dann werden die Würfel gefallen sein.

Ebenfalls konnte ich heute im Assembly in die zweite Feier, die am Ende eines Schuljahres in die Planung geht, hineinschnuppern: Die Begrüßungsfeier des neuen Jahrgangs. Mehr spontan als geplant führten einige jetzige Fünftklässler Teile ihrer Programmnummern vor. Ein Junge vollbrachte mir unbekannte und erquickliche Übungen mit dem Diabolo, Einzel- und Gruppentänze wurden aufs Parkett gelegt…und wieder einmal faszinierten mich Kreativität, Ungezwungenheit, Begeisterung und Spontaneität dieser Kinder. Es war herrlich anzuschauen!

Der Blick auf das Kollegium im nächsten Jahr wurde heute nochmal stark beeinträchtigt: Eine Kollegin, die zu uns versetzt werden wird, ist erst mal für lange Zeit krank. Das setzt Vertragsgeschichten erneut in Gang, bisher mit offenem Ausgang und aus heutiger Sicht mit erheblichen Auswirkungen auf die Unterrichtsverteilung. Gut, dass ich darin noch nicht zu weit fortgeschritten bin, die investierte Energie wäre in den „Sphären des Hinfälligen“ verpufft. Jetzt gilt es, ab Montag neu zu planen.

Vor zwei oder drei Jahren ging schon einmal eine Nachfrage bei uns ein. Auch damals stieß ein Besucher unserer Homepage auf ein Lied. Aus Nürnberg wurde ich damals angeschrieben, ob ich die Noten dazu hätte. Dieses Mal kam die Anfrage gleichen Inhalts aus Köln. Ein Lied, eine Homepage, ein flüchtiger Kontakt und nun werden auch in dieser rheinischen Domstadt bald die Worte erklingen: „Gestern, heute und morgen bin ich geborgen in deiner Hand“.

 

 

Donnerstag, 20. Juni 2013:

Gäste von weit her an der IGS: etwa 15 Lehrkräfte aus Nürnberg weilten heute zur Hospitation am Standort in Deidesheim. Über das Programm „Pädagogische Schulentwicklung“ kam der Kontakt zu dem Studienseminar zustande. Die fränkischen Kolleg/-innen weilen zwei Tage zur Fortbildung in der Pfalz und wollten in eine Schule hineinschnuppern, welche dieses Methodenkonzept umsetzt – bewusst nicht in Schaustunden, sondern die Auswirkungen im Alltag wollten sie erleben. Natürlich ging das nicht zu Ende ohne ein auswertendes Gespräch mit dem Schulleiter. Fast neige ich dazu zu schreiben: das Übliche, bekannte Fragen nach dem „Wie?“ und Warum?“. Immer wieder wird mir dann deutlich, welchen Einfluss eine Schule im Aufbau mit dem entsprechenden Kollegium ausübt, über welche günstigen Bedingungen wir verfügen, unter denen ein solches Konzept wachsen kann. Die abschließende Beurteilung, die mich sehr freute, lautete: „Am meisten beeindruckt hat uns die offene Atmosphäre an Ihrer Schule, der freundliche Umgang der Lehrkräfte mit den Schüler/-innen. Das spürt man einfach und zeigt sich auch an den offen stehenden Türen zu den Klassenzimmern.“ Nun ist das ja eine Rückmeldung, die ich schon des Öfteren erhielt, aber sie hält sich, hat anscheinend Bestand und wurde heute von völlig fremden Besuchern wahrgenommen und geäußert, die nur knapp drei Stunden bei uns weilten. Noch wichtiger ist sie deshalb, weil uns täglich dort arbeitenden Lehrkräften dies vielleicht „normal“ vorkommt, aber sie scheint etwas Auffallendes zu sein. Sie sollte uns manchmal „betriebsblinden“, unter dem Alltag der vielen Arbeit oft stöhnenden Kolleg/-innen ein Mutmacher sein. Eine solche Atmosphäre ist nicht plan- oder zielgerichtet herstellbar, sie wächst im Umgang aller miteinander und über längere Zeit hinweg, sie hängt von vielen einzelnen Faktoren ab, die zusammenwirken müssen. Sie ist kaum mess- oder evaluierbar und daher ist sie ein so wertvolles Gut.

Der heutige Tag sollte noch eins draufsetzen: Am Nachmittag tagte die Konzeptgruppe „Oberstufe“. Wir hatten den Vertreter der Schulaufsicht eingeladen, der alle derzeitigen Oberstufen-Konzeptgruppen an IGSn (ich glaube, er nannte die Zahl 19) besucht und unterstützt. Wir überarbeiteten mit seiner langjährigen Erfahrung als MSS-Leiter und Referent noch einmal die Schwerpunkte, er nannte uns „Lieblingskombinationen“, die aus seinem Erleben häufig gewählt wurden und er machte uns auf „Fallstricke“ aufmerksam, die sich in unserem Vorschlag befinden. Er gab uns Tipps und Hinweise zum Weiterarbeiten, so dass ich zum einen eine fruchtbare Sitzung erleben durfte, zum anderen entstand bei uns das Gefühl eines „guten Weges“. Und was sagte dieser, zum ersten Mal bei uns weilende Referent auf dem Weg zum Auto? „Du hast da ja eine muntere Truppe beisammen. Mich hat vor allem die Atmosphäre beeindruckt, in der ihr zusammen arbeitet!“

Kann ein einzelner Tag mehr Mut machen? Hatte dieser Tag nicht das Zeug dazu, über Konflikte und Ärger hinweg zu tragen? Können Begegnungen (auch mit zum Teil völlig fremden Menschen) eines solchen Tages reichhaltiger ausfallen? Beeindruckt, erfüllt und dankbar lasse ich ihn nun langsam zu Ende gehen und versuche dennoch, ihn schreibend zu konservieren.

 

Mittwoch, 19. Juni 2013:

Wohl noch nie war ich so beliebt wie heute um fünf nach acht. Angesichts der Temperaturen, welche aus der Sahara durch ein Hoch zu uns transportiert wurden, gab es heute zum ersten Mal hitzefrei ab der vierten Stunde. Ein grenzenloser Jubel erfüllte den Standort in Deidesheim nach meiner Durchsage. Auch als ich in Wachenheim zu meinen Musikstunden ankam, dankten mir Schüler/-innen schon auf dem Hof. Eine ganze Reihe von Schulen um uns herum hatten gestern schon frei gegeben oder Kurzstunden durchgeführt. Da staut sich dann schon ein Druck über die eigene Schule auf, der sich heute wohl in diesem Jubel entlud. Mit dieser heftigen Freude hatte ich nicht gerechnet. Freilich gilt eine solche Regelung, die inzwischen an die einzelne Schule delegiert wurde, nicht für Lehrkräfte. Ich selbst saß mit einigen Kolleg/-innen bis kurz nach vier in Wachenheim und ließen den Schweiß nur so rinnen. Das zweite Auswahlverfahren für die Stufenleiterstelle stand heute Nachmittag an – da konnte es so heiß sein, wie es wollte, da mussten wir eben durch.    

 

Dienstag, 18. Juni 2013:

Tag der Bundesjugendspiele auf den Sportplätzen der Standorte – und das bei über 30 Grad Celsius. Die Ausdauerläufe über 800 und 1000 Meter ließen wir einfach unter den Tisch fallen. Hitze ist ebenfalls höhere Gewalt wie Gewitter und Hagel.

Das erwähnte Gespräch mit Lehrkräften und dem Vertreter der Uni Landau bezüglich der Studie zu Schwerpunktschulen fand heute ebenfalls statt. Ich hatte die verlangten vier Lehrkräfte zusammen bekommen und bunt gemischt: eine Fachlehrerin für Englisch, die verschiedene Gruppen mit beeinträchtigten Kindern unterrichtet, eine Vertreterin des Förderteams, zwei Tutor/-innen und gleichzeitig Stufenleitungen. Stichworte benötigte der Vertreter der Universität (selbst Förderlehrer an einer IGS) gar nicht. Nach seiner Einstiegsfrage ließen wir fünf ihm kaum eine Möglichkeit, dazwischen zu fragen, das Gespräch nahm, kompetent und aus unserer Erfahrung gespeist, über sechzig Minuten seinen ununterbrochenen Lauf. Ich glaube, wir brachten alle „Knackpunkte“ der Schwerpunktschule ein: personelle und räumliche Mangelverwaltung, zu wenig Unterstützung aus dem Ministerium, nach innen eine halbherzige konzeptionelle Planung, nach außen zu positive Darstellung, Unklarheit der Konzeption, etwa im Bereich der Förderschule und des Übergangs in das Berufsleben, „sonderpädagogische Überforderung“ und anderes mehr. Und das bei unserem grundsätzlichen Bekenntnis zur Schwerpunktschule und zum inklusiven Ansatz. Die damit verbundene Arbeit trägt das Kollegium mit nicht zu berechnender Zusatzarbeit. Wunderbare Beispiele aus der Praxis wurden angeführt, die das ganze „Unternehmen“ illustrierten: Der erste Kindergeburtstageines Kindes mit Downsyndrom, an dem „Regelkinder“ kamen, Zusammenleben in der Regelschule, Vielfalt der Professionen. Abschließend nach unseren Visionen gefragt, zeichnete ich das Bild unserer Schule nach, zu dem seit fünf Jahren die inzwischen knapp vierzig Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf fest und auch prägend dazugehören, ohne noch besonders aufzufallen. Das ist ein unbezahlbarer Verdienst für die Vision einer Gesellschaft, in der, wo immer dies möglich ist, nicht (mehr) in teuren sonderpädagogischen Einrichtungen Beeinträchtigte „ausgesondert“ werden, sondern fester und unverzichtbarer Bestandteil derselben sind. Eine solche inklusive Gesellschaft ist nicht zu erkaufen, nicht mit allem Geld der Welt. Und diesen, im doppelten Sinn des Wortes, unbezahlbaren Beitrag zu einer solchen Sozietät wird in einer inklusiv arbeitenden Schule grundgelegt, vorgelebt und erlebt. Wer ebenfalls davon träumt, darf daher an Schwerpunktschulen nicht knausern und knapsen, müsste schon allein um der Zukunft willen, einen „großen Wurf“ wagen, der nicht von (visionsarmen) Finanzpolitikern gestaltet werden darf. Vordergründig mag es um die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention gehen. Perspektivisch geht es um eine humane und demokratische Gesellschaft. Wer weiß, vielleicht trägt unser Gespräch heute dazu bei.

 

Samstag, 15. Juni 2013:

Dass ich der erste heute Morgen in der Schule sein würde, hatte ich nicht angestrebt. Als „Inhaber der Schlüsselgewalt“ der fünfte zu sein, geht aber auch noch durch. Zwei Stunden vor dem Start des Flohmarktes waren schon fast alle „Gelbhemden“ da, um zu arbeiten. An den eigens für den Förderverein gestalteten T-Shirts waren die Veranstalter den ganzen Tag über gut zu erkennen. Küchenbuffet aufbauen, Standplätze zuordnen, Tische aufbauen und die ersten Standanbieter einweisen. Der Schulhof füllte sich mit anliefernden Autos, ein seltenes Bild auf dem sonst der zu Fuß unterwegs seienden Schülerschaft vorbehaltenen Schulhof. Hier ein Tisch mit Büchern, dort ein Ständer mit Kleidungsstücken, daneben ein „richtiger Flohmarkttisch“ mit Sammeltassen aus dünnem Porzellan, „Krempel“ aus der Garage oder dem Keller und gar mit zwei Fahrrädern. Das ganze Bild ergab eine völlig neue, ungewohnte Sichtweise des Schulhofes. Was ausblieb waren zunächst die Kunden. Nur zögerlich trafen sie ein, niemand zählte sie, aber es hätten durchaus mehr sein können. So fanden auch die Bieter der Versteigerung auf wenigen Bänken Platz. Gemessen am verkauften Kuchen, den wenigen Würsten, die übrig waren, den Einnahmen an den Ständen (soweit ich sie auf Nachfrage erhielt) und der Zufriedenheit der Verkäufer am Ende, war es ein sehr guter Anfang. Ein Schulflohmarkt könnte sich mit der heutigen Erfahrung, den Verbesserungsideen (etwa: Werbung in facebook?) durchaus als eine feste Veranstaltung des Fördervereins etablieren. Ein Stand, der von zwei Schülern betreut wurde, nahm über 60 Euro ein. Das wird vielleicht ermuntern. Habt Dank, ihr „Gelbhemden“ für dieses erneute Engagement an einem Samstag, für die prima Atmosphäre, die ihr wieder hergezaubert habt. Ein Kompliment gebe ich gerne wieder, das im Kleinen eure Zuverlässigkeit und eure tolle Arbeit kennzeichnet. Es stammt vom Hausmeister, der mich im Vorfeld darum bat, auf die Sauberkeit des Schulhofes zu achten. Er könne nicht am Montagmorgen seine Arbeit mit der Kehrmaschine beginnen. Er kam aus anderem Anlass vorbei und staunte: „Das sieht aber gut aus, da liegt ja nichts rum. Prima!“ Ich kenne dieses Lob auch vom Hausmeister in Wachenheim, dersagte, dass er volles Vertrauen unserm Förderverein entgegenbringe: „Wenn die was organisieren, dann klappt’s!“ Und wenn jetzt noch etwas Geld für die Schule rausgesprungen ist, dann war dies ein Tag, den ich gerne mit Zeit, Anwesenheit und schönen Begegnungen unterstützt habe. Danke

 

Donnerstag, 13. Juni 2013:

Da scheint sich noch was tun zu können bei der Personalzuweisung. Dennoch planen wir schon mal das neue Fünferteam. Wenn niemand mehr dazu kommt, müssen wir uns personell ganz schön zur Decke strecken. Die Einladung für die zweitägige Fortbildung des neuen Teams ist jedenfalls raus. Bin mächtig gespannt darauf.

Am Abend der klärende Info-Abend zur Oberstufe. Über 100 Personen hatten sich dazu angemeldet, Schüler/-innen und Eltern. Einige darunter sehen wir zwar noch nicht in Klasse 11, aber heute fand ja keine Auswahl statt. Und wer sich informieren möchte, wie er/sie dahin kommt, soll sich ruhig anhören und prüfen, was für den Übergang notwendig ist.

Als ersten Punkt hatten wir geplant, dass wir über die Errichtung der Oberstufe informieren. Da wurden ja einige Zweifel angemeldet, Anrufe getätigt und sich gar schriftlich an die Schulaufsicht gewandt. Das größte „Gewicht“ bringt dazu sicherlich der Schulleiter ein. Also berichtete ich, was von allen Seiten getan wurde bzw. wie sich die Entwicklung darstellt. Unsere Schule muss nicht um die Oberstufe kämpfen. Der Schulträger, die Schulaufsicht und auch das Land haben uns von vorneherein als Schule von Klasse 5 bis 13 konzipiert, geplant und genehmigt. Ich kenne IGSn, die mussten da viel „ackern“, um in einer Stadt mit einer Reihe von Gymnasien noch eine zusätzliche Oberstufe errichten zu dürfen. Aber wie gesagt: Bei uns ist das Thema durch. Ich verdeutlichte dies unter anderem mit einem Architekturentwurf aus dem Jahr 2009, in dem die Oberstufe bereits mitgeplant ist. Die Hürde zur wirklichen Errichtungsgenehmigung sind eben die ominösen 50 angemeldeten Schüler/-innen. Mit einem großen Anteil an „Eigengewächsen“, mit fünf Realschulen plus und fünf weiteren Gymnasien in unserem unmittelbaren Umfeld, sehe ich da wirklich kein Problem. Dennoch: Die Hürde steht und muss genommen werden. Ich zitierte auch eine E-Mail der Schulaufsicht, in der diese Zuversicht ebenfalls steht: „…Dabei sehe ich momentan keine Gefahr, dass die Mindestzahl von 50 Schülerinnen und Schülern nicht erreicht werden kann.“ Mit einer weiteren Folie meiner Präsentation führte ich die Ziele der Mainzer Studienstufe an, die in der gleichnamigen Broschüre des Ministeriums enthalten sind (S.5):

- Sicherung einer breiten Grundbildung

- Anleitung zu selbstständigem Arbeiten

- Entwicklung der Gesprächsfähigkeit

- Beiträge zur Persönlichkeitsentwicklung

- Hinführung zu wissenschaftlichem Arbeiten

- Entwicklung der Fähigkeit zu reflektierten Wertungen und Entscheidungen

Liest sich das nicht in einer ganzen Reihe von Punkten als Ziele unserer Schule bereits in der Sekundarstufe I? Begriffe wie „selbstständiges Arbeiten“, „Gesprächsfähigkeit“, „Persönlichkeitsentwicklung“, „reflektierte Wertungen und Entscheidungen“ spielen im Klassenrat, im zweistündigen Fach Projekt, bei Thementagen, in Schüler-Eltern-Lehrer-Gesprächen, im Fach Erwachsen werden, im Assembly doch eine tragende Rolle. Eine „breite Grundbildung“, deren „Breite“ ja erst noch zu definieren ist, vermittelt doch all der Fachunterricht. Und auch in der IGS Deidesheim/Wachenheim erreichen doch nur „unsere Besten“ die Mainzer Studienstufe ab Klasse 11. Gerne nochmal und immer wieder: Ja, unsere Schüler/-innen sind gut vorbereitet für die Oberstufe. Abfragbares Detailwissen ist dazu nun mal nicht in der traditionellen Denkweise und persönlichen Erlebensart notwendig. Und sollten Details für eine bestimmte Aufgabe fehlen, haben unsere Absolventen der zehnten Klasse Arbeits- und Lerntechniken zuhauf gelernt, sich diese Details in kurzer Zeit anzueignen. Ich vermute, dass diese Zweifel sich in Diskussionen nicht beruhigen lassen, gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass sich die Fähigkeit, eine Oberstufe zu besuchen, nicht weiter an „durchgenommenen Kapiteln“ etwa im Englisch- oder Geschichtsbuch festmacht.

Ein fast noch dickerer Brocken war heute Abend aber die Einführung in die Organisation der Oberstufe. Ich selbst hatte das nicht an einem Abend verstanden. Die Vielzahl an möglichen Kombinationen, Lernbereichen und Belegungsbedingungen sind ein zu weites Feld, um an einem Info-Abend durchdrungen zu werden. Es war eben eine Einführung in dieses Tabellen- und Regelwerk. Die anschließende Abfrage bei den anwesenden Schüler/-innen wird uns dennoch einen Hinweis auf die von uns bisher angedachten Schwerpunkte und deren „Beliebtheit“ liefern. Wie angeregt Eltern, Kolleg/-innen und Schüler/-innen da in Gesprächen verwickelt waren, hat sich mir mit Freude erschlossen. Ein Abend also, der in seiner Wichtigkeit, seiner Informationsdichte, in seiner Klärung und Perspektive eine eigene Dynamik hervorgebracht hat. Ich war richtig ergriffen, das miterleben zu dürfen. Danke allen, die im Vorfeld konzeptionell und diskutierend daran mitgearbeitet haben.

 

Mittwoch, 12. Juni 2013:

Hausarbeitstag für die Schüler/-innen wegen der flächendeckenden Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche, hohe Gesprächsdichte auf Seiten der Lehrkräfte. Für den Schulleiter ein Tag mit viel „Luft“, Zeit mich an die Unterrichtsverteilung zu machen, eine Puzzle-Aufgabe mit über 1000 Einzelteilen. Daher reichte es heute nur für die Vorarbeiten. Außerdem ist die Personalplanung bisher nur „eigentlich“ abgeschlossen. So lange das neue Fünferteam nicht steht, können einige Veränderungen eintreten, die das ganze „Werk“ beeinflussen. Beispiel: Wird der Kollege X mit dem Mangelfach Y nun zu uns versetzt? Wenn ja, kann er Y in der Lerngruppe Z übernehmen. Wenn nicht, müsste Kollegin A das machen und wäre dafür zwei Stunden weniger in ihrer Klasse, was bedeutet, dass das dort entstandene Loch im Fach B von Kollegin C übernommen werden müsste, die aber wiederum ihr Deputat im kommenden Schuljahr um vier Stunden reduziert und keine Stunden mehr frei hat. Sie könnte aber ihre zweistündige Arbeitsgemeinschaft im Ganztagsbetrieb „aufgeben“. Das dort entstandene Loch müssten wir dann mit einer Honorarkraft abdecken. Das bedeutet Absprache und Kommunikation und gleicht eher einem langsamen Prozess als einem punktuellen Arbeiten. Er hat zumindest heute begonnen.

Zwei weitere Punkte waren heute noch dran, weil sie in einem leeren Schulhaus besser zu erledigen sind. Vier neue Urkunden schmücken seit heute den Flur. Das ist nur deshalb erwähnenswert, weil sie von Leistungen einzelner Schüler/-innen bzw. Gruppen berichten, die bei einem Wettbewerb erfolgreich waren. Nicht die Schule mit konzeptionellen Besonderheiten (etwa beim „literacy media award“) wurde geehrt, sondern Einzelleistungen oder solche kleiner Gruppen. Ein erster Landespreis ist dabei vom Europäischen Wettbewerb „Ich habe Rechte – du hast Rechte“. Durch die Galerieaufhängung war es möglich, die vier neuen unterzubringen, ohne größere „Umhängarbeiten“ leisten zu müssen. Da sind inzwischen zwei beeindruckende Wände entstanden…und Platz ist noch vorhanden.

Des Weiteren eignet sich ein fast leeres Schulgebäude besonders gut für Raumbegehungen. Mit dem vierten Jahrgang, der nach den Sommerferien einzieht, wird es langsam eng in Deidesheim. Da die betreuende Grundschule noch in Räumen den Ganztagsbetrieb anbietet, sind im kommenden Jahr alle Räume genutzt. Die Frage heute: Wo ziehen die „Gustav Grumbeeren“ ein? Über vier zusammenhängende Räume um den Teamraum herum verfügen wir derzeit nicht. So wird erstmals für eine Übergangszeit ein Jahrgang auf zwei Etagen untergebracht sein. Das entspricht architektonisch nicht meiner Vorstellung von Team-Kleingruppen-Modell. Ich hoffe aber, dass wir dieser nach dem nächsten Bauabschnitt näher kommen. Solange zumindest müssen wir uns behelfen. Und es sei nochmal geschrieben: Wo die Kassen leer sind, bestimmt nicht in erster Linie die Pädagogik die Baumaßnahmen. Schauen wir mal. Eine Lösung jedenfalls haben wir gefunden, eine vorläufige. Allerdings müssen dazu noch Möbel her, gebraucht aus anderen, kleiner werdenden Schulen des Landkreises oder gar neue. Wer soll das bezahlen…vielleicht Kosten des dritten Bauabschnittes aus dem Budget vorfinanzieren? Irgendwie kriegen wir da was hin.

 

Montag, 10. Juni 2013:

Gleich zwei Telefonate mit der Uni Koblenz-Landau hatte ich heute zu führen. Das Ministerium hat eine Studie zur Schwerpunktschule in Auftrag gegeben, wir sind ausgewählt worden (Warum schon wieder wir?), um konkrete Arbeitsbedingungen und Konzepte zu erläutern. Eine Online-Befragung hatte ich schon ausgeführt, jetzt soll ein Gespräch mit Lehrkräften und mir folgen. Ich will das in diesen hektischen Zeiten noch unterbringen, denn vom Ergebnis der Studie könnten sich notwendige Verbesserungen ableiten. Wer weiß. Der zweite Anruf bezog sich auf die Masterarbeit einer Studentin. Und wieder Deidesheim/Wachenheim? „Naja, Sie machen ja bei der Studie mit. Wir sollen auf diese Schulen zurückgreifen.“ Nun gut, es geht dabei um ein Elterngespräch, das ist leichter zu organisieren.

Die Einladungen zu unserer Abschlussfeier sind heute noch entstanden. Zum Glück verfüge ich über einige Fotos unserer Schulstandorte, so dass wir uns nur über die grafische Gestaltung klar werden mussten. Betrachte ich mir den neuen Flyer des Fördervereins, der letzten Donnerstag den neuen Fünfer-Eltern ausgeteilt wurde, dann kommt unsere Einladung auf „einfacheren“ Füßen daher. Aber was geschieht mit Einladungen, die ich erhalte? Ich entnehme die Informationen, ganz gleich, ob sie auf Hochglanz- oder mattem Papier gedruckt sind – und dann landen sie doch im Altpapier. Also kein unnötiger Aufwand und keine zusätzlichen Kosten hervorrufen. Die Listen der Empfänger nochmals durchgehen – nur eine Lücke galt es darin noch zu schließen, so dass die Post heute rausging. Auch sonst zieht sich der Kreis der Vorbereitungen langsam zu. Technik, Requisiten, Proben und all das Drumherum ist schon im Stadium der    Realität. Heute kam auch die Urkunde der Ministerin für „besonderen Einsatz“. Nur eine? Wir sind zwei Schulen. Schnell noch eine für die IGS anfordern. Zum ersten Mal  entlässt auch diese „neue“ Schule Schüler/-innen. Wir müssen wohl erst  noch in den Verteiler aufgenommen werden. Die Vergabe der Buchpreise müssen wir selbst organisieren. Der Sponsor der Realschule plus wird auch die IGS weiter betreuen, so dass die Finanzierung bereits gesichert ist. Die „Kategorien“ und die entsprechenden Schüler/-innen müssen die Zeugniskonferenzen noch auswählen. Für die Absolventen der Realschule plus bleibt es bei der bisherigen Form der Abschlusszeugnisse, für die IGS müssen wir diese noch finden. Eine ganz neue Erfahrung für mich als Schulleiter zweier entlassenden Schulen. Bisher kannte ich nur die exekutive Erlebnisseite als Stufenleiter.   

 

Donnerstag, 06. Juni 2013:

Der Elternabend für die neuen Fünferklassen ist die erste Begegnung mit der neuen Elternschaft. Und natürlich auch die Gelegenheit, die Stadthalle in Wachenheim mit Gesang zu füllen. Traditionell stimmte ich unseren Schulkanon mit allen Eltern an. Wenn ich das ankündige schaue ich zunächst in zweifelnde Gesichter, auch in lächelnde und erschrockene. Und doch erklingt das Lied dann im Wechselgesang, weil sich die Eltern darauf einlassen. Immer wieder wunderbar! Danke, euch neuen Eltern, dass ihr auch in diesem Jahr mitgemacht habt. Ebenfalls seit Jahren erprobt: Die „Geburt“ des neuen Jahrgangslogo. Es steht ja schon länger mit Namen fest, schulintern war es sicherlich schon bekannt – nun ist es offiziell bereits das sechste. Ich erinnere mich noch genau an „Trixi Traube“ als erstes Jahrgangsmaskottchen. Allein stand sie bei der Tagung der Planungsgruppe in Speyer da. Es war damals nicht abzusehen, dass diese, pädagogisch motivierte „Spielerei“ auch an unserer Schule auf längere Sicht „einschlagen“ wird. Aber es ist gelungen und „Kalle Keschde“ setzt die Reihe fort. Prima!

Gestern ging auch der Info-Abend zur Differenzierung über die Bühne. Wie ich hörte erfolgreich. Das ist mir wichtig, weil dieser Punkt der IGS-Merkmale ein ganz wesentlicher ist und weil unser Differenzierungsmodell auch von künftigen Jahrgängen akzeptiert werden muss. Das setzt voraus, dass man die Hintergründe versteht und die Absichten erkennt. Das scheint gestern gelungen zu sein. Immer wieder ist dieser Abend auch der Ort für Fragen nach der grundsätzlichen Arbeitsweise. Werden die Schüler/-innen auf diesem Weg für eine Oberstufe genügend vorbereitet? Aber ja, davon bin ich überzeugt und 40 Jahre Gesamtschule in Rheinland-Pfalz zeigen dies doch auch. Allerdings: Man muss sich, um zu dieser Überzeugung zu gelangen, mit dem Lernen, mit den Neurowissenschaften, mit den didaktisch-pädagogischen Ansätzen beschäftigen. Nicht die eigene Schulzeit und deren Erleben und die daraus sich ableitenden Vorstellungen oder Erwartungen können als Maßstab für heutigen Unterricht, auch in einer Oberstufe, dienen, sondern gesicherte Erkenntnisse. Mir will scheinen, dass sich regelmäßige Tagebuchleser zu diesem Thema auf einer fundiert informierten Seite befinden. Meine Erfahrung ist zusätzlich, dass solche Fragen zum einen uns weiterhin begleiten werden, zum anderen aber nach einem ersten Abiturjahrgang leiser und seltener werden. 

Neben dem Thema „Oberstufe“, das sich derzeit immer wieder in den Vordergrund drängt, laufen natürlich ebenfalls die Mechanismen zu den Abschlüssen und Versetzungen in Klasse 10. Unser Modell der Differenzierung verlangt dazu eine Neueinstufung in fast allen Fächern. Auch das will vorher genau durchgesprochen sein, damit auch die Prognosen und damit die Zielvereinbarungen der Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche aufeinander abgestimmt sind. Die Vorbereitung der gemeinsamen Abschlussfeier der Neunt- und Zehntklässler läuft auf Hochtouren, Proben werden anberaumt, Besprechungen finden statt, Programmpunkte verändert, Preise überlegt, Einladungskarten und -listen erstellt und dies noch und jenes noch. Eine einschneidende „Epoche“ ist schulisch da derzeit im Gange, zu deren Gestaltung und an deren Gelingen viele Hände und Köpfe tätig sind. Was muss in diesem Schuljahres-Endspurt noch alles geleistet werden…und wie in jedem Jahr wird es klappen, auch wenn ich derzeit  kaum daran glauben kann. Also: Ärmel hoch!

 

Dienstag, 04. Juni 2013:

Liegt es am nahenden Schuljahresende? Auf alle Fälle mehren sich wieder die Nachfragen hinsichtlich eines Schulplatzes bei uns. Ich muss immer das gleiche sagen: Wir sind auf Vierzügigkeit festgelegt und haben derzeit keinen Platz – und lasse reihenweise Eltern und Kinder mit ihren Problemen allein. Auf der anderen Seite: Es gibt andere Schulen, die vielleicht nicht die erste Wahl sind, aber es gibt sie. Und ein Wechsel in die Oberstufe ist in der Klasse 11 ja möglich. Bleibt dran!

Gleichzeitig rufen immer noch Eltern an, wie sich der neue fünfte Jahrgang gestaltet. „Hat sich wirklich nichts ergeben, damit mein Kind noch einen Platz bekommen kann?“ Aber die Aufnahme ist abgeschlossen, diese Woche findet der erste Elternabend statt, dieser „Sack ist jetzt ebenfalls zugebunden“.

Daneben zusätzlich Anrufe wegen eines Schulplatzes in Klasse 10 mit der Absicht in 11 zu gehen -  Argumente für alle Zweifler an der Oberstufe – wir werden die notwendige Zahl erreichen.