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Mai 2013

 

Mittwoch, 29. Mai 2013:

Bei Lichte betrachtet, betrifft mich der neue Rahmenlehrplan für das Fach Gesellschaftslehre nicht unmittelbar. Auf der anderen Seite habe ich dieses Fach elf Jahre an meiner ehemaligen Schule unterrichtet und geliebt. Wenn dann schon mal die Schulleiter zur Einführung eines neuen Rahmenplans eingeladen werden, wollte ich auch daran teilnehmen. Und siehe: Es war gut so. Ich bin seinerzeit mehr in das Fach hineingestolpert, unterrichtete es fachfremd, aber mit Leidenschaft. Heute hörte ich in einem grundlegenden Referat, wie es in den siebziger Jahren entstanden ist. Heute mag man darüber staunen, weil die Zeichen der Zeit gegenläufig zu sein scheinen, aber die Forderung nach interdisziplinärem Arbeiten in den Gesellschaftswissenschaften wurde von den Universitäten und gymnasialen Fachgruppen aufgestellt. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Einzeldisziplinen mit ihren Lösungsansätzen die anstehenden und kommenden Probleme nicht mehr werden lösen können. Daher ist ein integrativer Ansatz notwendig, auch und bereits schon in der Schule. Das ist natürlich Wasser auf meine Mühle gegossen. Die IGSn arbeiten schon vier Dekaden mit diesem Ansatz, den Realschulen plus ist es aktuell freigestellt, sich für das integrative Fach Gesellschaftslehre zu entscheiden. In diesem Fall scheint die Wissenschaft und die Politik weiter zu sein als manche Schule und mancher Kollege. Auch heute kam immer wieder mal auf, wie wichtig das jeweilige Fach doch sei. Eine Geschichtskollegin forderte gar, auf eine chronologische Behandlung aller historischen Epochen nicht zu verzichten, weil diese doch wie ein roter Faden zur Orientierung gelten könne. Was erinnere ich von meinem Geschichtsunterricht? Erhalten hat sich der Spruch: „333 bei Issos Keilerei“, ich vermute aber mehr des Reimes wegen. Was es damit auf sich hatte, musste ich später erst nachschlagen. Ansonsten begleitete mich beim Begriff der „Französischen Revolution“ lange ein ungutes Gefühl, weil ich nicht verstanden hatte, wie die Revolutionäre kurze Zeit darauf selbst zur Gewaltherrschaft griffen. Ansonsten Auswendiglernen von Jahreszahlen, die ich fast alle längst vergessen habe. Orientierung aufgrund einer Fachwissenschaft? Bei mir jedenfalls Fehlanzeige. Es ist das überkommene Bild der Wichtigkeit von Detailwissen der einzelnen Fachschaften, welches doch von allen Seiten aufgehoben wird hinsichtlich eines selbstgesteuerten und handlungsorientierten Lernens. In diesen Rahmen gestellt, ist der neue Lehrplan aktuell und progressiv. Er schreibt Themen und auch Methoden vor, ist grundlegend kompetenzorientiert und lässt den Fachkonferenzen an den Schulen Entscheidungsräume. Die heute auch geäußerte Forderung nach mehr Verbindlichkeit fühlt sich für mich an, als wolle man sich vor den vorhandenen Freiräumen, die Verantwortung und eigene Visionen fordern, drücken. Lieber klein in klein vorgeschriebene Verpflichtungen umsetzen? Nein, liebe Kolleg/-innen, da seid ihr in meinen Augen in einer falschen Epoche hängen geblieben, historisch, wissenschaftlich oder biografisch, das will ich nicht entscheiden. Ich fühle mich wohl dabei, in einem und für ein Bundesland arbeiten zu können, das mir eigene Verantwortung überträgt, das moderne Rahmenpläne erstellt und dabei didaktisch wie neurowissenschaftlich Erkenntnisse aufgreift. Mit dieser Erkenntnis fuhr ich nach Hause – wieder einmal ist sie an die Tagungsstätte in Ingelheim geknüpft, einem Ort, an dem schon so viel für die Schule und für mich selbst vermittelt wurde und wo ich so viel erlebt habe, dass ich ihn zu meinem wichtigsten „außerschulischen Lernort“ küren möchte.

 

Dienstag, 28. Mai 2013:

Die Tagesordnung des Gesamtteams war heute so angefüllt, dass ich ein Durchkommen schon vor der Sitzung nicht für sehr realistisch hielt. Ich stellte sie dennoch so auf, weil wir derzeit so viele konzeptionelle Themen zu besprechen haben, dass sie zumindest genannt werden sollten. Zum einen musste die MSS-Konzeptgruppe sich ein Votum einholen, dass die vorgeschlagenen Profile von allen unterstützt werden. Dies war wichtig, um daran weiterarbeiten zu können. Nicht, dass die komplette Arbeit am Ende keine Mehrheit findet. Zum ersten Mal fielen bei uns an der Schule offiziell Worte wie „Abitur-Prüfungsordnung“, „Leistungs- und Grundkurse“ und „Beifach“. Beeindruckt von der Kompliziertheit der Materie und den angedachten Lösungsvorschlägen für unsere Oberstufe fand das Gesamtkollegium sich in einem einstimmigen Votum wieder.

Beim Thema „Lernwerkstatt“ ging uns anschließend die Sachlichkeit verloren. Ich kann mir ausmalen, was der Anlass sein könnte. Genau vermag ich es aber nicht zu sagen. Die Lernwerkstatt entwickelte sich in Wachenheim bei den Jahrgängen 5 und 6. Es ist ein zusätzlicher Raum, der in einer Reihe von Stunden geöffnet und personell besetzt ist. Voraussetzung dafür ist, dass Unterricht in diesen Stunden mit offenen Formen gestaltet ist. Dann können alle Kinder sich aus der Klasse ausgliedern und im „fünften Klassenzimmer“, so ein anderer Begriff, der dafür in Umlauf ist, ihre Arbeiten verrichten, sei es Arbeit am Wochenplan, sei es der gerade laufenden Fachunterricht oder sogar weiter klärende Aufgaben bei Problemen, Kinder mit besonderem Förderbedarf können, ebenfalls unterstützt, an ihren Förderplänen arbeiten. Insgesamt erscheint mir dies als eine sehr gute Möglichkeit, inklusiv zu arbeiten. Immer, wenn ich in der Lernwerkstatt war, fand ich dort eine betriebsame, aber durchaus ruhige Arbeitsatmosphäre vor. Nun galt es heute zu besprechen: Wie soll es mit der Lernwerkstatt weitergehen? Ist es ein Modell nur für die Orientierungsstufe in Wachenheim? Kann und soll das Projekt Einzug in Deidesheim bei den höheren Klassen finden? Unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen kann dies geschehen? Natürlich hängt das auch an Stunden, Räumen und Ausstattung. Und genau an dieser Stelle ging es heute Mittag emotional her. Lösen konnten wir das Problem noch nicht. Ich werde versuchen, es zu versachlichen.

Ein weiteres Thema war das angedachte Förderkonzept und Vorschläge der Fachkonferenz „Fördern“. Noch ein Brocken, der viel mehr Zeit benötigt hätte. Inhalte wie Assembly in Deidesheim, Projektstunden blocken, Antrag aus dem Jahrgang 5, Skifreizeit blieben außen vor. Mal sehen, ob wir dies auf anderem Wege bearbeiten können.

Im Schulelternbeirat am Abend dann, fand die Profilierung der Oberstufe auch den dortigen Segen mit dem lobenden Hinweis, wie viele Gedanken sich das Kollegium hinsichtlich einer attraktiven Oberstufe mache. Zum ersten Mal wurde die geplante in konkreter gewordenen Ergebnissen Begrüßungsmappe vorgestellt, ein Ordner für die jeweiligen neuen Eltern, in welchem die verschiedensten Informationen enthalten sein sollen. Wir überlegten und verteilten Aufgaben, glichen Vorstellungen für den Druck der Ordner ab und brachten diesen auf den Weg. Er soll bereits für den neuen Jahrgang vorliegen.

Junge, Junge, ein heftiger Tag. Voll und leer zugleich kam ich zu Hause an und hoffte, dass die Nacht zur Regeneration ausreicht.  

 

Mittwoch, 22. Mai 2013:

Feiertage, Krankheit und zeitliche Beanspruchung ließen ein Loch in der Chronologie entstehen. Ich werde die Zeit nachtragen. Mit der Familie traten wir einen Kurztrip ins Elbsandsteingebirge an. Schon auf der Autobahn klingelte das Handy, die Schulaufsicht wollte drei Dinge klären. Außerdem nahm ich mein Laptop mit: Eine Dienstliche Beurteilung war terminiert und musste geschrieben werden. Da blieb nichts anderes übrig, als sie während dieser Reise irgendwie formuliert zu bekommen. Am Tag nach der Rückkehr schloss sich das erste Überprüfungsverfahren zur Besetzung der Stufenleiterstelle 5/6 an. Nicht, dass mich dies besonders anspannt, dazu habe ich in meiner Zeit als Schulleiter schon zu viele miterleben können. Dennoch ist es ein besonderer Termin und gewährt den Einblick in unsere Weise der Zusammenarbeit, in die Atmosphäre an der Schule und unser Schulaufsichtsbeamte weilt bei uns. Am Rande solcher Termine entsteht Zeit, für manch dienstliches Wort und menschliche Begegnung. So erfuhr ich erste Informationen über die Personalplanung für das nächste Schuljahr. Sie ist bereits weit fortgeschritten, da wird es wenig Luft für Veränderungen geben – und ein erstes Bild des neuen Jahrgangsteams entsteht in Konturen. Wenn wir das alles so verwirklichen können, werden wir als Schule insgesamt gut versorgt sein. Eine wichtige Botschaft steckt im Detail: Es werden zwei Kolleg/-innen zu uns stoßen, die mit dem Lehramt für Gymnasien abgeschlossen haben. So langsam nähern wir uns der Quote an Gymnasiallehrkräften, die zum Start in Klasse 11 vorgeschrieben sind.

Hinsichtlich der Oberstufe stehen wir unter Termindruck, so dass zwei weitere Treffen der Konzeptgruppe stattfanden. Inzwischen zeichnen sich Schwerpunkte ab, die wir, ausgehend vom Konzept der Sekundarstufe I weiterführen wollen. Die „Mainzer Studienstufe“ (MSS) ermöglicht in der aktuellen Version zunächst einmal 31 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von Fächern, Leistungs- und Grundkursen. Dabei müssen natürlich immer die Bereiche: Mathematik-Naturwissenschaften, Sprachen, Gesellschaftswissenschaften, künstlerischer Bereich und „freie“ zusätzliche Fächer (Sport, Religion/Ethik) belegt und in der Abiturprüfung abgedeckt sein. Nimmt man etwa den Bereich der Gesellschaftswissenschaften in den Blick, ergibt sich dort zusätzlich die Wahlmöglichkeit zwischen Geografie, Geschichte und Sozialkunde. Insgesamt, so meine ich einen Tüftler erinnern zu können, der alle Möglichkeiten einmal zusammengestellt hat, ergeben sich um die 70 Variationen, das Abitur erreichen zu können. All diese Varianten kann natürlich selbst ein großes Gymnasium nicht anbieten, so dass immer der Zwang zur Auswahl besteht. Eine recht kleine Oberstufe an IGSn schränkt diese Wahl natürlich zusätzlich ein. So entstand die Idee, in der Oberstufe ausgewählte Schwerpunkte anzubieten, die dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch zustande kommen. Gehen wir mal erfahrungsgemäß von 75 Schüler/-innen aus, so könnten wir drei so genannte Profile anbieten, die verschiedene Leistungs- und Grundkurse verpflichtend voraussetzen. Hinzu kommt, dass durch diese gleichen Kurse so etwas wie Profilklassen entstehen, die feststehende Lerngruppen bilden, weil Kurse und Fächer von allen belegt worden sind. Stellt man ihnen einen Stammkursleiter dazu, könnten wir in vielen Stunden feste Lernbeziehungen bilden. Ich erinnere an die Aussage: Keine Bildung ohne Bindung – und schon hätten wir ein wichtiges Konzeptmerkmal in der Oberstufe weitergeführt und die Aussage: „Die IGS ist eine Schule von Klasse 5 bis 13“ wäre an diesem Punkt erfüllt. Hinzu kommt, dass wir mit den Schwerpunkten versuchen werden, die Wahlpflichtfächer von 6 bis 10 weiterzuführen, auch dies eine Verbindung zur Sekundarstufe I. Festgelegte Profile ermöglichen durch geplante gemeinsame Stunden auch fächerübergreifendes Arbeiten. Das macht sich alles ganz gut und ich habe das Gefühl, dass in dieser Konzeptgruppe Gutes entsteht. Um voran zu kommen (wir können diese Konzeptarbeit nicht mehr nur zusätzlich leisten), nahm sich die Gruppe auch einen Wandertag vor, um weiter zu arbeiten. Alle Klassen waren unterwegs, zum Teil ersetzten wir die Tutor/-innen mit anderen Kräften, damit Interessierte für die Konzeptgruppe frei wurden. Meine Befürchtung, dass wir die Schwerpunkte zu breit anbieten, musste ich zerstreuen lassen. Ein versierter Berater der Schulaufsicht warf einen Blick über unsere bisherige Arbeit. Er entdeckte sofort „Knackpunkte“, also Kombinationsmöglichkeiten, die erfahrungsgemäß nicht gewählt werden. Er wird an der nächsten Konzeptgruppensitzung teilnehmen und uns dies in Kleinarbeit erläutern. Insgesamt lobte er aber die Ergebnisse. Genau das sei der richtige Weg.

Ein Artikel erfreute mich noch: „Bestehendes Schulsystem ohne Sitzenbleiben – Ein Widerspruch in sich“ (in: GEW – Zeitung Rheinland-Pfalz, Nr. 5/6 2013“, S. 3) geschrieben von Frieder Bechberger-Derscheidt. Zwar hatte ich im Laufe meines IGS-Daseins mehr mit seiner Frau zu tun, wir kennen uns aber seit Jahren. Er saß einmal in offizieller Mission des Ministeriums bei uns kaffeetrinkend in der Küche und wollte mich überzeugen, dass ich der Richtige sei, die Planungsgruppe einer neu zu gründenden IGS zu übernehmen. Damals hatte ich als Stufenleiter noch keinen Durchgang bis zu Ende begleitet und nicht das Gefühl, für eine solche Aufgabe über den „ausreichend breiten Erfahrungs-Rücken“ zu verfügen. Der Artikel, den er nun geschrieben hat, befasst sich mit dem Sitzenbleiben im derzeitigen deutschen Schulsystem, das, wie kaum sonst wo auf der Welt, Kinder sehr früh auf nicht gleichwertige Schulformen aufteilt. Dieses dreigliedrige Schulsystem, das Schüler/-innen allein nach Leistung sortiert,  „…braucht Instrumente der Auslese, der Trennung, der Abspaltung.“ (ebd.) Eine immer wieder aufkommende Diskussion über die Abschaffung des Sitzenbleibens (allein) ist daher eine Scheindiskussion, solange sie nicht das gegliederte Schulwesen mit in den Blick nimmt. Wenn also die zwangsweise Wiederholung keine geeignetes Instrument ist („…empirisch ist längst gesicherte Erkenntnis, dass Sitzenbleiben höchstens ausnahmsweise im Einzelfall, einen positiven pädagogischen Effekt haben kann.“ (ebd.), kann dieses innerhalb des Systems nicht abgeschafft werden. Das System als solches bedarf der Veränderung! Untermauert wird dies unter anderem durch meine eigene Schulbiografie. Ich musste seinerzeit die Klasse 11 wiederholen. Das hatte zwar den Effekt, im zweiten Durchgang, mit einer Note „mangelhaft“ weniger, versetzt zu werden. Insgesamt blieb ich aber der Schüler, der sich, da ich nur über eine unzureichende Arbeitshaltung verfügte, weiter bis zum Abitur „holpern“ musste. Ein integratives Schulsystem, das durch individuelle Förderung Schüler/-innen mitnimmt, benötigt das Sitzenbleiben nicht. „Es sind die IGSn, die über ihre Differenzierungspraxis Zwangswiederholungen überflüssig machen…seit ihrem Bestehen im Jahr 1973! Deren Praxis hat sich bewährt und ist nie in Frage gestellt worden…“ (ebd.) 40 Jahre positive Umsetzung und empirisch gefestigte Ergebnisse reichen nicht aus, um etwas zu ändern. Ist, seit es Gesamtschulen gibt, das Abendland ins Wanken gekommen? Unser Land durch „Nicht-Wisser“ abgerutscht, die Universitäten zusammengeschrumpft? Auch Gesamtschulen verfügen über die Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens und auch Abschlüsse werden nicht vergeben, wenn die Leistungen nicht ausreichen. Erst kürzlich habe ich in der Schule in drei solchen Fällen meine Ansicht geäußert, dass freiwilliges Wiederholen in meiner Erfahrung nicht den erwünschten Erfolg bringt. Bis ein/e Schüler/-in im neuen Jahrgang angekommen ist, in einer neuen Klasse, mit neuen Lehrkräften, mit eigener Atmosphäre, ist viel Zeit verstrichen. Die Noten würden in der Regel nicht oder nur kaum besser. Das Wiederholen setzt ja die veraltete Meinung voraus, man könne einfach dieselben Inhalte nochmals mitbekommen und dadurch bessere Leistungen erzielen. Nun sind aber Lerninhalte nicht deckungsgleich, der eine Jahrgang liest beispielsweise ein Drama von Schiller, der andere nähert sich dem klassischen Drama mit Lessing. Das deckt sich mit Bechbergers Ausführungen und bin ich froh, in einer integrativen Schulform arbeiten zu können. Nur: den zweiten, logisch anstehenden Schritt haben die IGSn bisher auch nicht gewagt: Den Verzicht auf Noten bis Klasse 8 (oder 9?). Länder, die sich in der Bildungsdiskussion der siebziger Jahre auf einen anderen, demokratischen, integrativen Weg gemacht haben, verfügen über mannigfaltige positive Erfahrungen und kämen nie auf die Idee, zur alten Praxis zurückzukehren. Aber bei uns ist diese Zeit dafür wohl noch nicht reif. Umso wichtiger, dass sich Meinungen und Texte wie der von Bechberger, immer wieder in der Öffentlichkeit finden, damit das Thema in der Diskussion bleibt und nicht versickert.

In den Vorstand des Fördervereins unserer Schule wurde vor einiger Zeit ein neuer Vorschlag hineingetragen: Einen Schulflohmarkt durchzuführen. Geringe Standgebühr, dafür einen Kuchen spenden, der vom Förderverein mit Kaffee für die Vereinskasse verkauft wird. Prima Idee! Die Vorbereitungen laufen derzeit an, gespickt mit weiteren Angeboten, etwa eine Auktion mit einem dafür ausgebildeten Auktionator. Da zeigt sich wieder, wie kreativ sich diese Eltern zum Wohl der Schule einsetzen. Auch ein neuer Flyer ist in Arbeit, der an alle Eltern der Schule verteilt werden soll, damit die Arbeit und die Information über den Verein noch mehr in die Breite geht. Nochmals kann ich formulieren: „Ohne den Förderverein wäre die Schule nicht das, was sie ist.“ Allein die Anträge zur Unterstützung von Schulfahrten, die bei mir im Laufe des Schuljahres eingingen und die ausnahmslos bewilligt werden konnten, zeigt die grandiose Unterstützung. Kein/e Schüler/-in musste aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben. Einfach klasse! Danke an euch, immer wieder!

Und da war noch die erste „Geißbock-Wurst“ meines Lebens. Die Hintergründe und die Tradition der Deidesheimer Geißbock-Versteigerung waren mir wohl bekannt. Als ein Zehntklässler mich zu einer Geißbock-Wurst einlud, staunte ich nicht schlecht. Tatsächlich ist eine eigens für diesen Tag kreierte Wurst nur an dem jeweiligen Pfingstdienstag erhältlich. Vom Aussehen und vom Geschmack her erinnerte sie mich an eine bayrische Weißwurst, allerdings mit etwas gröberem Füllsel. Alle Zehntklässler saßen im Essraum zusammen und genossen diese lukullische Besonderheit – und ich wurde dazu eingeladen! Wieder habe ich dazu gelernt. Danke! 

Mittwoch, 08. Mai 2013:

Zufall, Angst, Unsicherheit? Die zweite Mutter innerhalb von zwei Wochen, die fragt: „Sind unsere Schüler/-innen reif für die Oberstufe? Wissen sie genug? Und kommt sie überhaupt?“ Wie hier schon mehrfach ausgeführt kann es sich heute bei dem Begriff „Bildung“ nicht mehr um Wissen handeln. Seit 40 Jahren, nämlich seit 1973!, wird an IGSn das Abitur vergeben. Mir ist weder bekannt geworden, dass Gesamtschüler an Universitäten und Fachhochschulen zuhauf scheitern, noch, dass aus dem Gymnasium abgegangene Studenten sich besonders hervortun, weil „dort ja noch richtig gelernt“ wird. Also, meine Lieben, lasst uns das in Ruhe angehen. Beide Mütter übrigens räumten ein, dass ihre Kinder im Vergleich zu Nachbarkinder mit Lust in die Schule gehen und selbstständig arbeiten. Dass sie selbst recherchieren und mit Mitschüler/-innen oft zusammen lernen. Da ist doch eine Kompetenz vermittelt worden, die auf keinem Zeugnis steht, die mir aber wichtiger erscheint, als noch ein Vokabeltest um das Kapitel abzuschließen. Denn das ist schon klar: Wenn ich in die Oberstufe kommen will, muss ich Methoden und Wege kennengelernt haben, eventuelle Lücken, die sich bei einem aktuellen Thema auftun, selbstständig zu schließen. Das ist bitte schön wertvoller, als eben diese Lücke in Klasse 8 geschlossen bekommen und den Inhalt wieder vergessen zu haben.

Auch bei der nächsten Frage bin ich gelassen: Ja, unsere Oberstufe wird es geben. Das ist derzeit schwer vorstellbar: Kein Kran, kein Bauzaun, kein Bagger – nein, das Schulgebäude wird (wieder) nicht rechtzeitig fertig sein. Das hat aber auch nie jemand behauptet (wenngleich ich es mir gewünscht habe). Aber die Regelungen des Landes sind nun mal so, dass die Oberstufe zuerst genehmigt werden muss, bis sie bezuschusst wird. Für die Genehmigung braucht es den Nachweis von 51 Anmeldungen – und den kann ich frühestens im Februar 2014 erbringen. Bevor der Schulträger aber keinen Zuschuss zugesagt bekommen hat, wird er mit seinen leeren Kassen nicht zu bauen beginnen. Verrückt, aber wahr. Auf der anderen Seite ist vom Land bereits die Stelle des MSS-Leiters ausgeschrieben, der Kreis ist an Vorüberlegungen dran, gute Schüler/-innen aus Realschulen plus bis in die Rheinebene rufen an, ob sie bei uns die Oberstufe machen können. Das alles kommt also doch nahe an die 100%ige Zusage, oder? Bei den 54 IGSn im Land hat es eh nur bei einer einzigen im ersten Anlauf nicht geklappt. Da sind aber interne Fehler gemacht worden und ist schon 20 Jahre her.

Mit zwei Klassensprechern begleitete ich die Friedenstaube zurück zum Bürgermeister. Sie wird über die anstehenden Feiertage der französischen Gastgruppe übergeben.   

 

Dienstag, 07. Mai 2013:

Den Tag hatte ich komplett geblockt: Drei „Unterrichtsbesuche plus“ standen auf dem Programm. Dieser Begriff ersetzt die „benoteten Lehrproben“ früherer Zeit. Mit den jeweiligen Besprechungen war der sechsstündige Tag ausgefüllt. Für Sekretariatsaufgaben blieben nur die Pausen, für diejenigen eines Schulleiters nur den Nachmittag. Resümee: Es macht einfach Freude, bei einer eventuellen Nachfolge-Generation von Lehrkräften dabei zu sein und zu sehen, mit welcher Freude, mit welchem Engagement und mit welchen Ideen Unterricht, durchaus unterschiedlich, gestaltet wird. Ich wohnte in jüngster Zeit heute der zweiten Sportstunde bei. Wie sehr unterschieden sich diese von meinem eigenen Sportunterricht! Da verzeichne ich auch didaktisch einen großen Fortschritt. Auch der Anteil an eigenständigem Arbeiten mit einem ausgeprägtem kommunikativem Handeln, den ich heute beobachten konnte, freute mich. Beim Netzwerktreffen gestern sagte ich einem Verantwortlichen: „Was ich heute bei den vertretenen Netzwerkschulen erfahren konnte und auch beim Projekt „Schulische Lern- und Lebenswelten“ erlebt habe…da passiert doch ganz schön viel in der Schullandschaft in Rheinland-Pfalz!“ Die Antwort relativierte mein Gefühl etwas: „Nimm mal nur die Zahl der Netzwerkschulen: das sind 44. Zähle die 16 „SchLuL“-Schulen dazu und von mir aus noch die IGSn, die neue Inhalte umsetzen wollen, dann kommst du nicht weit über die hundert. Auch andere Schulen, die nicht im Fokus stehen, müssten als unbekannte Größen hinzugezählt werden…Aber in Rheinland-Pfalz gibt es um die 1600 Schulen! Da bleibt immer noch viel zu tun!“ Das mag sein. Aber die Gewissheit, dass wir dabei sind, tat mir in letzter Zeit mehrfach gut: Die Beobachtungen der Mitarbeiter des jüdischen Museums, die Gesprächsrunden um den Wettbewerb „Trialogisches Lernen“, verschiedene Unterrichtsbesuche, die Lehrproben heute und am Freitag sind schon wieder Schüler/-innen von uns in der ehemaligen Synagoge bei der Ausstellungseröffnung zu Hans Scholl dabei…Bei uns ist ganz schön was los!

 

Montag, 06. Mai 2013:

Wenn es an Tagen sowieso brummt, ist es zusätzlich mit Stress verbunden, wenn die Nahtstelle des Sekretariats auch noch krankheitsbedingt unbesetzt ist. Aber heute war es so: Ganztägig fand das Netzwerktreffen für die „Modellschulen für Partizipation und Demokratie – Gruppe Süd“ bei uns an der Schule statt. Ebenfalls krankheitsbedingt geschwächt und dienstlich zusätzlich belastet: die beiden Zuständigen bei uns an der Schule. Ein Teil des Tages oblag aber ohnehin mir. Aber der Reihe nach. Mit unserem „schuleigenen Caterer“ waren belegte Brötchen, Kaffee und Getränke abgesprochen, das lief bestens und zur Freude der uns besuchenden acht Schulen. Nach der Begrüßung ist es ein schöner Brauch, dass sich die gastgebende Schule konzeptionell und hinsichtlich der partizipatorischen Projekte vorstellen darf. Dazu überarbeitete ich eine Präsentation, die ich zu einem anderen Anlass bereits erstellt hatte. Obwohl erst ein Jahr alt, war sie in einigen Punkten bereits überholt. An anderen Punkten gefiel sie mir nicht mehr, oder ich verfügte inzwischen über aussagekräftigere Fotos. Nach diesem Tagesordnungspunkt führte eine Kollegin durchs Haus, so dass etwas Luft für mich entstand, Schulleitung und Sekretärin „spielen“ zu können. Anschließend stellten zwei Modellschulen ihre geplanten oder bereits sich in der Umsetzung befindlichen Projekte vor. „Neustrukturierung der SV“ war das eine, das andere lässt sich zusammenfassen unter: „Was ist eine demokratische Unterrichtsstruktur?“ Beides übrigens vorgetragen von Gesamtschulen. Aber wie immer sind es nicht allein die Inhalte, die bei solchen Treffen „über die Rampe“ kommen. Der Hauptertrag sind für mich die Kontakte, die geknüpft oder verstärkt werden. Lange hatte ich aber die Zeit dafür nicht – das Schulleitungsteam wollte auch noch an „seinem Schulleiter“ teilhaben, denn einige Punkte standen zur Entscheidung an. Durch die reichhaltige Versorgung werde ich morgen kein Pausenbrot benötigen, einige köstlich belegte Brötchen warten im Kühlschrank auf den Verzehr durch mich.

 

Freitag, 03. Mai 2013:

Unverhofft stand heute ein Vater im  Sekretariat: „Ich komme einfach mal vorbei, um die Chancen zu erhöhen, dass meine Tochter zu Ihnen wechseln kann.“ Kann ich verstehen, dennoch komme ich durch das „unverhofft“ immer wieder in Zeitnöte, zumal eine andere „hoffende“ Mutter danach einen Termin ausgemacht hatte. Wieder zwei Gespräche, in welchen ich so wenig Hoffnung machen konnte, die wieder in eine persönliche Beratung mündeten. Immer stärker entwickeln sich diese Nachfragen nach einem Schulplatz hin zu einer perspektivischen Beratung. Ich will ja auch gerne Eltern hilfreich zur Seite stehen, ihnen zumindest alternative Wege, ausgehend vom jeweiligen Kind, aufzeigen. „Ich habe von einer Bekannten gehört, wie gut ihr ein Gespräch mit Ihnen getan hat. Nun habe ich es auch selbst erlebt. Herzlichen Dank dafür!“ Natürlich tut das gut, aber genauso natürlich nimmt das viel Zeit in Anspruch. An Tagen wie heute, an denen ich nicht in das Methodentraining eingespannt bin, kann ich sie mir auch nehmen. Zufällig war auch Zeit für ein erneutes Telefoninterview, dieses Mal zum Thema „entgeltliche Schulbuchausleihe“. Während eines unvorbereiteten Anrufs kann ich aber doch nicht die ganze Vielfalt dieses Themas an einer IGS im Aufbau an zwei Standorten ausbreiten. Wie aber soll eine fundierte Aussage in der Zeitung stehen, wenn nicht wenigstens die wichtigsten Faktoren benannt sind. Da verstreicht dann locker noch einmal eine halbe Stunde. Und dann setzt auch noch die Friedenstaube der Verbandsgemeinde „zur Landung an“. Aus Anlass des 65. Jahrestages der Menschenrechtsproklamation ließ die Frank-Lyden-Stiftung auf Anregung des Stadtbürgermeisters eine in Bronze gegossene Taube anfertigen. Diese soll die Erinnerung an die Menschenrechte durch verschiedene Institutionen weitertragen. So war sie bereits in den Kindergärten der Verbandsgemeinde und ging von der Grundschule aus an deren Partnerschule im Elsass. Von zwei Schülern der Grundschule wurde sie nun heute, in Begleitung des Rektors und dem Bürgermeister, zu uns weitergereicht. Sie steht nun in der Vitrine im Eingangsbereich. Sie erinnert nun, für alle Schüler/-innen sichtbar, an die Menschenrechte, bevor sie in der nächsten Woche den Weg in die Bretagne aufnimmt, um in der französischen Partnergemeinde ihr Anliegen verdeutlicht. Ein sehr schöner Gedanke, an dessen Umsetzung wir heute mit einbezogen wurden. Meine alltäglichen Schulleiteraufgaben rutschten allerdings wieder in den Nachmittag hinein…

 

Mittwoch, 01. Mai 2013:

Das sind die Vorteile des Medienzeitalters: Vorschläge für Veränderungen des Exposés und Ergänzungen zum Didaktischen Raster kommen per E-Mail zurück und können gleich berücksichtigt werden. Während ich Pfeile veränderte, Grobkompetenzen hinzufügte und Stichworte nochmals optisch hervorhob, entstand das Gefühl: Was eigentlich nur noch fehlt ist ein „Kompetenzraster interreligiösen Lernens“. Eine Tabelle dazu fand ich im religionspädagogischen Heft, in welchem unser Artikel zur interreligiösen Feier veröffentlicht wurde. Nach all den Gesprächen über das Exposé war diese dann schnell auf unser Projekt neu gefüllt. In mir drin spürte ich ein wohliges, „sattes“ Gefühl: Ja, diese beiden Ergänzungen stellen unseren Wettbewerbsbeitrag auf ein solides und didaktisch eingeordnetes Fundament und verleihen ihm eine ganz neue „Wucht“. So kann er morgen weggeschickt werden und ich kann mich voll und ganz dahinter stellen. Mit welchem Spaß mir diese Arbeit vom Kopf in die Tastatur ging, zeigt auch nochmal meine eigene „Verortung“: Wenn schon nicht Didaktischer Leiter werden konnte, so bin ich zumindest ein Schulleiter mit großem Hang zur Didaktik. Kann ja auch nur von Vorteil sein.

Morgen, ein weiterer Meilenstein, finden die Methodentage in allen Jahrgängen statt. Damit ist das Methodenkonzept von Klasse fünf bis neun erstellt und erprobt. Erstmals kommt darin für die neunten Klassen das Thema „kooperative Präsentation“ in die Praxis. Dass die „unteren“ Jahrgangsteams bereits Verbesserungen und Anpassungen vorgenommen haben, zeigt, dass dieses Methodenkonzept lebt und weiter wächst. Eine grundlegende Revision nach Klasse 10 ist vielleicht gar nicht notwendig, weil eine prozessbegleitende schon stattgefunden hat.