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Feb bis März 2013

 

Dienstag, 19. März 2013:

Letzter Schultag vor den Osterferien und nochmal Anspannung, weil verschiedene Termine und Gespräche anstanden. So wurde es nichts mit dem Artikel, den ich für eine Zeitschrift fertigschreiben wollte. Ich mailte ihn dann einfach als Vor-Version in die Redaktionskonferenz mit dem Hinweis, was ich noch formulieren will und der Bitte, der Rückmeldung. Die Osterferien lassen sicher etwas Zeit, dass ich mich damit nochmal auseinandersetzen kann. Letzter Tag vor den Osterferien ist auch ein Termin aus der Schulordnung, wenn es um Anträge zum freiwilligen Zurücktreten geht. Auch das machte sich heute bemerkbar. Diese sind aber, der Begriff scheint das zu implizieren, kein Selbstläufer. Auch diese Möglichkeit der Schullaufbahn ist an enge Bedingungen geknüpft und eröffnet nicht einfach ein: Dann mach ich‘s halt nochmal! Parken aus Unlust geht eben nicht! Standortwechsel (im Grunde schon innerhalb der Ferien) zu einer weiteren Klassenkonferenz. Und wieder zurück an den Schreibtisch. Einiges ist da liegen geblieben, so dass mein alter Hinweis, stets schmunzelnd vorgetragen (Nein, keine Ferien, nur unterrichtsfreie Zeit.) nochmal zu Ehren kam. Das Schulgebäude war so leise, dass ich das Aufschlagen der Regentropfen am Fenster hören konnte. Alla dann, sagt wohl der Pfälzer, ich wünsche euch allen erholsame Ferien! Wenn wir uns wiedersehen, geht es „um die Wurst“. Dann stehen die ersten Abschlüsse vor der Tür – für die IGS ein wichtiges Etappenziel!

 

Montag, 18. März 2013:

Eigentlich sollte die Schule heute wieder voll sein, die Praktika zweier Jahrgänge sind abgeschlossen. Dennoch war der Schulhof heute Morgen noch leerer als die letzten beiden Wochen. Streik im öffentlichen Nahverkehr! Einige trudelten später ein, einige ließen sich von Eltern bringen, einige ließen sich entschuldigen. Dieser „plätschernde Montag“ sei zunächst mal allen gegönnt. Problematisch ist es nur, wenn angesagte Klassenarbeiten geschrieben werden sollten, die sich jetzt wieder verschieben und dadurch für mehr Hektik sorgen.

Der wichtigste Punkt heute war das Auswahlgespräch für die schulscharfe Stelle ab Sommer. Personalrat, Elternvertreter und Schulleitung führten ein vorher durch Fragen strukturiertes Gespräch. Wir sind in der glücklichen Lage, eine solche Stelle ausschreiben zu können. Sie war auch ziemlich festgelegt: gymnasiales Lehramt musste vom Land sein, Physik ist großer Bedarf an der Schule. Prima, dass zumindest einer der Bewerber/-innen zugelassen wurde. Wenn es gut läuft, wäre damit ein Grundstein für das neue Fünferteam gelegt.

 

Freitag, 15. März 2013:

Natürlich wiesen wir auch im heutigen Fünferassembly auf die Papstwahl hin. Die medienerprobten Kinder waren gut informiert, so dass wir das Pessach-Fest thematisieren konnten. Anders als in den vergangenen Jahren hatten wir die Zutaten dabei, Kräuter, Eier und Matzen, „feierten“ es aber nicht nach. Dafür baute eine Kollegin einen Schreittanz ein, den wir im Rund des Kunstsaales miteinander einübten und uns an den Händen haltend, „aufführten“.

Wichtig war das heutige Datum unter anderem wegen des elektronischen Gliederungsplans, der heute, nachdem sie dem Personalrat eröffnet wurden, pünktlich zur Schulaufsicht „hochgeladen“ werden musste. Und noch eine Besonderheit: Zwei interaktive Tafeln, als Geschenk einer Bank, wurden heute in den „alten“ naturwissenschaftlichen Sälen montiert. Mögen sie den Unterricht „modern“ unterstützen, aber nicht frontal dominieren. Untergebracht habe ich auch noch zwei Gespräche mit Kolleg/-innen und die Vorbereitung eines „schulscharfen“ Einstellungsgesprächs am Montag. Daneben kündigt sich noch eine weitere „Aktion“ in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim an. Bis sie in trockenen Tüchern ist, will ich aber nur ankündigen und noch beschreiben. Schule soll ja spannend bleiben.

 

Mittwoch, 13. März 2013:

„Habemus papam!“ Nach fünf Wahlgängen entwich dem Schornstein weißer Rauch, wieder überraschend schnell und wieder läuteten bei uns zu ungewohnter Zeit die Kirchenglocken. Schnell zum Fernsehen! Aber die Bekanntgabe des Ergebnisses zog sich hin. Und dann ein Knaller: Der neue, weitgehend unbekannte Papst wählte sich den Namen Franziskus I. Ungewöhnlich viel Zeit verstrich, bis er sich auf der Mittel-Loggia zeigte. Zumindest drei erste Auftritte von „frisch“ gewählten Päpsten erinnere ich. Als segnende Siegerposen möchte ich die Gesten der beiden letzten bezeichnen. Wie zurückhaltend die heutige. Er stand einfach da und schaute auf den Petersplatz hinunter. Auch auf den samtenen Schulterumhang mit weißem Fellbesatz (Nerz?) verzichtete er. Wie wir Katholiken eben sind: Ist das bereits ein programmatisches Zeichen? So wenig Pomp wie möglich? Dieser erstmals gewählte Papst-Name weckt Erwartungen. Wer allerdings, für mich wenig nachvollziehbar, nach dem gemeinsamen (!) „Vater unser“ ein „Gegrüßet seist du Maria“ betet, der wird theologisch wohl eher keine neuen Inhalte setzen wollen. Aber ein „Anwalt der Armen“, der in Argentinien Not und Elend der Menschen vor Augen hatte, wird uns gut tun. Die zurückhaltende bis demütige Art jedenfalls lässt die Wahl des Namens durchaus als programmatisch erscheinen. Das gefällt mir, denn zu Franz von Assisi spinnen sich auch ein paar biografische Fäden. Er galt in meiner aktiven Zeit der Jugendarbeit als glaubhaftes und „die andere Kirche“ vertretendes Vorbild. Armut und ein von innen heraus demütiger Zugang zur Schöpfung galten als nachahmenswert. Auch eher kirchenfremden Menschen der Friedensbewegung in den Achtzigern galt Franziskus‘ Haltung modern und vorbildhaft. Bekannt sind mir auch die Verse aus Rilkes Stundenbuch:

 

                   „..Denn er war keiner von den immer Müdern,      

                   die freudeloser werden nach und nach,

                   mit kleinen Blumen wie mit kleinen Brüdern

                   ging er den Wiesenrand entlang und sprach.

                   Und sprach von sich und wie er sich verwende

                   So dass es allen eine Freude sei;

                   und seines heißen Herzens war kein Ende

                   und kein Geringes ging daran vorbei…“

 

Dieser Zugang zum angeblich Minderen gefiel uns, der Blick auf das Kleine, die Beachtung des ansonsten Nicht-Beachteten, der schließlich im bekannten „Sonnengesang“ zum Ausdruck kommt und dort in der Natur viele Geschwister erkennt. Und diese, aus der eigenen Tiefe entstammende Verbeugung vor allem Seienden zur Ehre Gottes ist mir haften geblieben.

Aber es gibt auch einen weiteren, älteren Faden, der sich bis vor meine Geburt spinnt. Als wir nach dem Tod meines Vaters dessen Papiere ordneten, fanden wir ein uns unbekanntes Schreiben der Franziskaner aus Blieskastel aus dem Jahr 1952. Ich gab es seinerzeit einer Lateinkollegin an meiner Schule mit der Bitte, es uns zu übersetzen:

„Albert Dumont macht mit seinem Freund eine fromme Pilgerfahrt nach Rom und zu den Franziskanerreliquien Italiens. Er ist Zögling unseres dritten Ordens und hat sich bestens um unsere Franziskanerjugend verdient gemacht. Allen, bei denen es gelingen wird, ihm auf seiner Reise zu begegnen, empfehle ich ihn ganz besonders und bitte sie, ihn wohlwollend aufzunehmen und ihn zu unterstützen.“

Dass mein Vater sich zu den Franziskanern hingezogen fühlte und oft bei ihnen in Blieskastel weilte, war uns bekannt. Dass er „Zögling des dritten Ordens“ war, einer „Vorauswahl später in den Orden Eintretender“, war selbst meiner Mutter neu. Schließlich gestaltete er für sich einen anderen Lebensweg, doch rückblickend blieben ihm franziskanische Werte sein Leben lang eine wichtige Orientierung. Glaubhaft und von innen heraus zu wirken und zu leben, eine aus dieser Stärke sich speisende Demut in Übereinstimmung mit sich selbst, die Belanglosigkeit von äußeren Statussymbolen und das Geringschätzen aller Äußerlichkeiten blieben ihm ein steter Halt. Damit übereinstimmend, verwundert es auch nicht, dass der Roman „Das einfache Leben“ von Ernst Wiechert eines seiner Lieblingsbücher war. Darin sucht ein Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg in zurückgezogener, einfacher Arbeit an einem See einen neuen Sinn im Leben, um dieses „nicht zuzubringen wie ein Geschwätz“. Freilich hätte er sich, darüber schmunzelnd, später nicht mehr auf eine „fromme Pilgerfahrt“ zu irgendwelchen Reliquien aufgemacht, aber mein jüngerer Bruder erhielt noch 1960, nachdem die beiden Großväternamen vergeben waren, den Zweitnamen Franziskus. Weiter ist ein Vortrag von ihm erhalten geblieben. Mein Vater führte für die beim Deutschen Jugendherbergswerk eingesetzten Zivildienstleistenden Einführungs- und Fortbildungsseminare durch. In jenem Vortrag verband er den aktuellen Friedensdienst mit den Inhalten des Sonnengesangs. Wer vermag auszuschließen, dass diese grundsätzlichen Haltungen nicht irgendwie auch in mein Leben hineinwirken. Dies im Herzen tragend, fuhr ich während eines Urlaubs in Umbrien an einem Tag allein nach Assisi. Ich wollte den Ort „einatmen“, von dem der eine oder andere Zugang auch meines Lebens ausging. So wie die Basilika an den Hang „geklebt“ ist, empfand ich hinter den ganzen devotionalen Umtrieben solcher Orte Assisi durchaus als eine spirituelle Stätte. Die stille Stunde, die ich dort, versunken in seine Bedeutung und in mich, in der Kirchenbank saß, ist noch heute in mir wohltuend wach und präsent.

Also, mein lieber Franziskus I., ich wünsche mir ein Pontifikat, von dem es einmal heißen wird: Es war schon von Anfang an in seiner Namensgebung grundgelegt worden.

 

Dienstag, 12. März 2013:

Da sind die Kardinäle wieder in die Sixtinische Kapelle zum Konklave eingezogen, von der Welt (und damit äußeren Einflüssen) enthoben. Ich empfinde das immer als historisches Relikt, das es sonst nirgendwo mehr gibt und daher auf mich, trotz aller Kritik, eine Faszination ausübt. Überhaupt ist die Geschichte des Konklaves für mich spannend wie ein Krimi. Weil 1268 das bisher längste bekannte Konklave in über zwei Jahren und neun Monaten keine Entscheidung brachte, wurde den Kardinälen die Nahrung gekürzt. Aber erst nachdem die wutentbrannte Bevölkerung begann, das Gebäude vom Dach her einzureißen, einigte man sich im September auf Papst Gregor X. Immerhin stand der Herbst mit kühlem Regen vor der Tür.  Mit dieser Erfahrung bekannt, wurden später die Kardinäle gar eingemauert, um unnötig lange Konklave zu vermeiden. Welche Papstwahl es genau war, weiß ich nicht mehr – immerhin erlebe ich die sechste Papstwahl. Aber ich habe noch die Fernsehbilder vor Augen, als der Zugang zum Gebäude – nicht wie heute mit einer Holztür verschlossen wurde – sondern tatsächlich der Zugang vermauert wurde. Was sich in Kirchengeschichten nicht alles für Vorkommnisse nachlesen lassen: Wahlgebäude wurden in Brand gesteckt, um eine schnellere Wahl hervor zu bringen, von Abreisen ganzer Kardinalsgruppen wird berichtet, die erst eine Mehrheit ermöglichten usw. Mit nur wenigen Stunden ging das Konklave von 1503 in die Geschichte ein. Auch der umstrittene Pius XII. wurde in einem der kürzesten Versammlungen innerhalb eines Tages gewählt.

Und heute nun zogen die 115 Kardinäle wieder „aus der Welt“, sofern sie nicht älter als 80 Jahre alt sind. Man wird sie erst wieder sehen, wenn der 266. Papst gewählt ist. Auch die Zählung ist natürlich ein spannendes Kapitel. Natürlich behauptet die Kirche eine durchgängige Linie von Petrus an, aber wer vermag die Anfänge der Kirche schon mit Sicherheit zu behaupten. Und also blickt „die Welt“ gespannt auf Rom. Jede Wahl ist mit hohen, ja mit überzogenen Erwartungen verknüpft: Wird endlich das Thema Zölibat angegangen? Weitere Themen sind sicherlich: Ökumene, Moralvorstellungen, Frauenordination…immer werden gleich so viele genannt, dass kaum ein Mensch in der Lage ist, diese zu lösen. Selbst das von dem als Übergangspapst titulierten Johannes XXIII. einberufene Konzil stößt 50 Jahren in seiner Umsetzung an Grenzen. 

 

Montag, 11.März 2013:

Seit heute ist das Schulgebäude in Deidesheim noch leerer, weil auch die „Trixi Trauben“ ihr einwöchiges Praktikum begonnen haben. Da passt doch ein Besuch von außerhalb. Das seit dem Netzwerktreffen der „Modellschulen für Partizipation und Demokratie“ in Vallendar im letzten Oktober stand das Entwicklungsgespräch an, fiel aus, wurde verschoben, bis es heute nun endlich stattfand. Zunächst galt es, die Schule und ihr Wirken zu diesem Thema einmal zu entfalten – und das ist eine ganze Menge, wenn man es unter diesem Fokus einmal betrachtet. Anschließend überlegten wir, welche Unterstützung wir von anderen Netzwerk-Schulen einholen können, um das Fernziel erreichen zu können: Die Weiterentwicklung des Assemblys zum Schulparlament. Das ist so ein spannender Weg und deshalb freue ich mich auf ihn. Erste Überlegungen sind heute dazu auf den Weg gebracht worden. Auch das nächste Netzwerktreffen soll in Deidesheim stattfinden. Es geht voran.

Das entschädigte mich etwas für ein Ärgernis aus der heutigen Tageszeitung. Von einem der Landratskandidaten war darin zu lesen. Zitiert wurde er auch zum Thema Schullandschaft, „…wo er sich gegen die ‚Gleichmacherei‘ durch zu viele ‚IGSn‘ aussprach.“ (DIE RHEINPFALZ, Bad Dürkheimer Zeitung, Nr.59). Okay, es ist wieder mal Wahlkampf. Und natürlich muss man die Integrierte Gesamtschule nicht gut finden. Aber wo befinden sich im Landkreis „zu viele IGSn“? Auf ganze zwei komme ich bei insgesamt neun weiterführenden Schulen. Aber bitte nicht aus Unkenntnis mit der alten „Stammtischparole“ der angeblichen „Gleichmacherei“ in Gesamtschulen. Bei der letzten Landtagswahl habe ich bereits ausführlich dargestellt, dass in keiner Schulform schon von der Struktur her so wenig „Gleichmacherei“ herrschen kann, wie in der IGS mit ihren heterogenen Lerngruppen. Das muss nun nicht jedem/r Bürger/-in bekannt sein, dazu ist das Schulsystem in den letzten Jahren zu sehr in Bewegung geraten. Aber von Politiker/-innen, die ein öffentliches Amt anstreben, in welchem auch Schulpolitik zu gestalten ist, erwarte ich nicht nur genaue Kenntnis, sondern auch Sachlichkeit und Zurückhaltung in der Wortwahl.

 

Sonntag, 10. März 2013:

Heute hätte ich mich dreiteilen können. Zum einen fand der jährlich Frühlingsempfang des Wachenheimer Bürgermeisters statt, den ich bisher immer besucht habe. Daneben stand auch in Deidesheim ein Termin an, der mich sehr interessiert hätte, weil er einfach historisch zu nennen ist: Seit 75 Jahren wurde in Deidesheim in der ehemaligen Synagoge ein Jüdischer Gottesdienst gefeiert. Es gibt Kontakte zur Jüdischen Gemeinde der Airbase in Ramstein. Der dortige Rabbi kam eigens nach Deidesheim. Ich konnte auch dort  nicht teilnehmen, da wir im Kindergarten das im Tagebuch bereits erwähnte Stabaus-Fest feierten und ich fest eingeplant war. Nun gut, immerhin war die Schule mit zwei Kolleg/-innen aus der Schulleitung gut vertreten. Wieder eine Vernetzung von ehemaliger Synagoge und Schule und daher ein gutes Zeichen. Es wird nicht die letzte Verknüpfung bleiben, so viel sei schon mal erwähnt.

Am Freitag bekam ich von einer Kollegin ein Buch ausgeliehen über Erziehung. Ich habe es schon halb gelesen. Auch dies wird wohl im Zusammenhang mit der IGS noch auftauchen, aber erst muss ich es mal ganz lesen und dann die Früchte daraus schreibend ernten.

 

Freitag, 08. März 2013:

Vor Jahren noch wurde der 8. März als Weltfrauentag begangen. Er hat meines Wissens dieses Gedenken nicht verloren und dennoch habe ich kaum etwas davon gehört. Aber: Ich habe es auch nicht im Assembly erwähnt. Bewusstseinsschwäche? Es standen eben die Verkündung des neuen Jahrgangslogos an und auch ein erster Eindruck über Talente, die einzelne Schüler/-innen von „Wilma Worschtkordel“ vorführten. Wie die Jahre davor werde ich das neue Logo erst am Elternabend der neuen fünften Klassen das Licht der Welt erblicken lassen. So lange muss die Spannung halten. Es sei denn, es macht ab heute die Runde in die Öffentlichkeit.

Am Nachmittag hatte ich zum regionalen IGS-Schulleitertreffen in die „Residenz der pfälzischen Weinprinzessin“ geladen. Austausch, Erfahrungen der umliegenden IGSn stand auf dem Programm, natürlich auch das diesjährige Aufnahmeverfahren. Hier in der Region herrscht da 2013 relative Ruhe, ich kenne aber auch anderes.

 

Montag, 04. März 2013:

Seit heute sind die Achtklässler für zwei Wochen in  ihrem jeweiligen Betriebspraktikum über die Region verteilt. Ich wünsche euch vielseitige Einblicke ins Berufsleben und Erfahrungen, die eure Perspektive bereichern können.

Eine sehr gute Idee, geäußert in einer der letzten Sitzungen des Fördervereins, wurde heute beschlossen: Die Schule führt im Juni einen Schulflohmarkt durch. Neu war mir dabei, dass diese Einrichtung durchaus nicht „auf unserem Mist“ gewachsen ist, sondern bereits an anderen Schulen und Kindergärten gang und gäbe ist. Das wird eine neue Veranstaltung werden und hoffentlich große Resonanz stoßen.

 

Freitag, 01. März 2013:

Ein mich stets hetzender Tag liegt hinter mir. Die Abstimmung über das neue Jahrgangslogo im Assembly ging gut über die Bühne. Alle meine Favoriten sind in die nächste Runde gewählt worden. Ich erläuterte der Versammlung, dass diese Wahl nicht unerheblich sei, die Jahrgangslogos gehören fest zur Schulgeschichte und sich über Jahre hinweg halten. So verlief auch die Auszählung in einer meiner Musikstunden mit großem Ernst unter der Verantwortung und Leitung der Standortsprecher. Schön, das so miterleben zu können. Die Teilnahme an einem Unterrichtsbesuch brachte zwar etwas Ruhe, weil ich auf nur „eine Sache“ konzentriert sein konnte, aber der Anlass ist natürlich auch mit einer gewissen Anspannung verbunden. Wir konnten große Fortschritte in der Entwicklung feststellen und so speicherte ich den zweiten Erfolg für diesen Tag. Er und die Woche waren aber noch nicht bewältigt. Die Sprechergruppe der IGS-Direktorenvereinigung, in die ich Ende letzten Jahres gewählt wurde, traf sich am Nachmittag in der IGS Osthofen. Nochmal das diesjährige Aufnahmeverfahren, Besuche des Rechnungshofes an Gesamtschulen, Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Gymnasialkolleg/-innen und weitere Treffen und Themen unserer Vereinigung standen auf der Tagesordnung. Mir tut dieser Blick über den Tellerrand immer gut. Er schärft den Blick für die eigene Schule und Arbeit, ordnet sie aber gleichzeitig in andere, größere Zusammenhänge ein.

 

Donnerstag, 28. Februar 2013:

Bei einem unerwarteten Glockenläuten im Jahr 1963 sagte meine Großmutter: „Der Papst ist gestorben!“ Es handelte sich um Johannes XXIII., der in seinen knapp fünf Jahre dauernden Pontifikat die Kirche umkrempelte. Nach seiner Namenswahl, so erzählt die Familiengeschichte weiter, sagte jene Großmutter auch: „Ach Gott! Was für ein Allerweltsname!“. Seit heute Abend 20 Uhr ist die Kirche wieder ohne Oberhaupt. In meiner Stadt läuteten die Glocken. Zum ersten Mal in der Neuzeit trat ein Papst aus Alters- und/oder Gesundheitsgründen zurück. Kein schlechtes Signal. Und womit befassen sich Kirchenjuristen: „Wie kann man diesen Mann nun ansprechen?“ Na, wenn es sonst keine Probleme in der Kirche gibt…

 

Mittwoch, 27. Februar 2013:

Dieser Mittwoch hatte eine Überraschung im Gepäck: Wegen Krankheit der geplanten Referentin fuhr ich als Vertretung in die Gesamtkonferenz meiner ehemaligen Schule. Das Kollegium überlegt, die Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche einzuführen. Da konnte ich natürlich prächtig aus dem Nähkästchen plaudern. Hintergrund, Praxis und unsere Erfahrung konnte ich ohne große Vorbereitung darstellen. Die Überraschung lag aber in meinem unerwarteten Auftritt. Einige meiner ehemaligen Kolleg/-innen sah ich zwischenzeitlich immer mal wieder. Für andere war es das erste Wiedersehen seit nunmehr knapp fünf Jahren. Und vor allem war es mein erster Besuch in offizieller Funktion. Noch immer fühle ich mich in dem Raum zu Hause, zu viele Konferenzen und Veranstaltungen habe ich dort erlebt, als dass er mir fremd werden könnte. Ein regelrechtes „Bad in der Menge“ stellten die Minuten vor der Konferenz dar. Wie freudig wurde ich begrüßt, wie oft gedrückt und mit wie vielen lieben Worten bedacht…es war einfach nur schön! Mal abwarten, ob ich auch inhaltlich überzeugend war. Einige nickende Köpfe und nach oben gerichtete Daumen scheinen darauf hinzudeuten – nicht, was die Entscheidung des Kollegiums anbelangt, sondern dass ich einige mit meiner Darstellung erreicht habe. Ich verabschiedete mich mit den Worten: „Zu euch komme ich immer gerne wieder. Ich habe bei und mit euch so viel gelernt…dass ich noch über Jahre hin kommen werde, um einen Teil davon zurückgeben zu können.“

 

Montag, 25. Februar 2013:

Die beiden Lehrkräfte, welche die Gruppe nach Jena begleitet haben, berichteten heute im Schulleitungsteam über Möglichkeiten, wie die Schulpartnerschaft weiterhin umgesetzt und verstärkt werden könnte. In Jena haben sie mit Menschen der Grete Unrein zusammen gesessen und Vorschläge erarbeitet. Prima Ideen sind dabei ans Tageslicht gehoben worden. Von gemeinsamen Sportveranstaltungen, „normalem“ Schüleraustausch mit Unterrichtsteilnahme bis zu Treffen der Lehrkräfte zu gegenseitigem Austausch über pädagogische Themen war alles dabei. Von unserer Seite waren nun schon acht Kolleg/-innen in Jena, haben die Offenheit erlebt und die Gastfreundschaft genossen. Ohne Ausnahme kehrten sie bereichert zurück. Das ist eine recht breites Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Auch eine Dreierpartnerschaft mit der IGS Gießen Ost wurde nicht ausgeschlossen. Na prima, ich bin für alles bereit! Schauen wir mal, was weiter entsteht.

 

Dienstag, 26. Februar 2013:

Die eigene Schule sah mich heute nur kurz, denn ich weilte ganztägig in Sitzungen mit der Schulaufsicht. Ab neun Uhr trafen sich zunächst die Schulleiter, welche vom „Teams Mitte“ der Schulaufsicht betreut werden. Ja, auch in dieser Behörde hat sich das Arbeiten in Teams bewährt. Zwei Referenten und die Sachbearbeiterin waren dabei und sorgten unter der Hand dafür, dass Menschen mit Namen und Gesichtern hinter allen Vorgängen stecken. Neben der offiziellen Tagesordnung kann daher viel geregelt und sich beim Pausenkaffee atmosphärisch locker begegnet werden. Inzwischen kenne ich ja auch alle beteiligten Schulleiter der Gymnasien, kann sie zuordnen und sogar manche Äußerung schmunzelnd einordnen. Da der Tagungsort eine Schule unseres Schulträgers ist und dort schon das mehrfach erwähnte Bauvorhaben sich gerade in der Schlussphase befindet, konnte ich erneut feststellen: Unser Schulträger will baulich gute Schulen und setzt dafür nicht unerhebliche Mittel frei. Da mache ich mir grundsätzlich über unseren nächsten Bauabschnitt keine Sorgen. Ob eine „voll technisierte“ Licht- und Lüftungsanlage darin enthalten sein muss, will sich mir noch nicht erschließen. „Wundern Sie sich nicht“, begrüßte uns der gastgebende Schulleiter, „wenn zur Pausenzeit das Licht ausgeht und sich die Fenster öffnen. Hier im Neubau ist das alles aus energetischen Gründen automatisch geregelt.“ Wenn ich mir die Lüftungsanlage und die Beschattung in unserer Schule anschaue und erlebe, werde ich wohl noch länger ein Anhänger der manuellen Anwendung bleiben. Wenn die Jalousien mittels eines Schlüssels von jeder Lehrkraft individuell geregelt werden können, setzt das mehr Verantwortung voraus, klar. Aber eine voll automatisierte Anlage halte ich in einem Schulgebäude für sehr anfällig. Und was bringt es, wenn ein/e Kolleg/-in gerade die interaktive Tafel einsetzt und die Verdunklung hochgefahren wird, weil der Wind, automatisch gemessen, zu stark weht? Oder in unserem Fall: Es findet eine Sitzung statt, deren Verlauf sich nicht an den Stunden-Rhythmus der Schule hält und mitten drin geht das Licht aus und die Fenster öffnen sich, weil im Alltag der Schule gerade Pause ist. Es ist aber heute gerade nicht geschehen, weil der Hausmeister die gesamte Anlage ausgeschaltet hatte. Begründung: Durch einen technischen Fehler standen die Fenster die ganze Nacht über offen. Eine feine Bau-Satire.

Inhaltlich erlebte ich mal wieder die Widerlegung von Vorurteilen: Ein zweistündiger Vortrag über Schulrecht stand auf der Einladung. Das kann ja heiter werden, dachte ich im Vorfeld. Erstens war es genau das, denn der Referent verstand es, juristische Feinheiten mit Praxisbeispielen zu würzen. In einer realen Schulleiter-Ermahnung wurde etwa diese begründet mit „nicht gymnasialem Verhalten“. Zweitens war es für mich zum ersten Mal eine hilfreiche Einführung. So kann ich nun auch meine zögerliche Haltung hinsichtlich schriftlicher Ordnungsmaßnahmen auch juristisch begründen: „Schulrecht ist kein Strafrecht“, war einer der meinen Blick weitenden Sätze heute. Alles, was wir tun, unterliegt dem Verwaltungsrecht und alles, was wir tun, sind Verwaltungsakte, von der einzelnen Note bis hin zu umfangreicheren Maßnahmen. Juristerei ist keine Pädagogik, sie folgt klaren Erfordernissen. Daher verlangt etwa die Übergreifende Schulordnung vor jeder Ordnungsmaßnahme die Ausschöpfung aller erzieherischen Mittel und eine klare Dokumentation. Die Anwendung dieser Verwaltungsakte dient ausschließlich der Erziehung. Für Strafen sind andere Stellen zuständig. Das werde ich in einer Dienstbesprechung einmal so thematisieren müssen, damit wir die Schulordnung in diesem Sinn anwenden und wir gleichzeitig den Erfordernissen auch juristisch standhalten können. Ich kenne diesen Blickwinkel aus den Widerspruchsverfahren bei der jährlich wiederkehrenden Aufnahme, er muss auch im sonstigen Schulalltag trotz oder wegen aller Pädagogik Einzug halten. In erster Linie aber nicht mit einem „strafenden Augenmerk“, sondern als Diener der Erziehung.  

Nachmittags fand nach einem fließenden Übergang im gleichen Raum noch das „Netzwerktreffen der IGS-Schulleiter“ mit der Schulaufsicht statt. Auch hier kam keine Langeweile auf. Wenn es etwa um die gesunkene Zahl der Anmeldungen geht, wenn es um die juristisch verzwickte Aufnahmeverfahren geht, wenn es um die anstehende auch längerfristig ins Auge gefasste Personalplanung geht, ist jede/r von uns „ganz Ohr“.

Mit der Sitzung des Schulelternbeirates am Abend habe ich heute meine Fähigkeit zum Sitzen grandios unter Beweis gestellt, ohne bleibende Schäden davon zu tragen, jedenfalls fiel ich schmerzfrei aber müde am späten Abend in die Kissen.

 

Freitag, 22. Februar 2013:

Der Termin mit dem Bürgermeister aus Haßloch wurde bereits morgens auf dem Hof abgesagt. Er wollte schon im letzten Jahr die Preisträger des Wettbewerbs der Metropolregion einladen. Damals wurde er von ihm kurzfristig abgesagt. Heute nun sollte er nachgeholt werden. Peinlich, der Termin war gestern! Verpasst! Hmm, schnell anrufen, um alles zu erklären. Ein Schüler hatte der letzten E-Mail den falschen Termin entnommen. So engagiert unsere Kids auch sind, so toll sie überall auftreten – ganz eigenverantwortlich können sie noch nicht agieren, ein klein wenig Betreuung was die Genauigkeiten angeht, benötigen sie noch. Innerschulisch ist das auch kein Problem, aber wenn es nach draußen geht, müssen wir sie besser begleiten. Die Schule „steht nicht gut da“, wenn andere Preisträger da sind und die IGS fehlt. Ich konnte das am Telefon heute aber wieder gerade biegen, es wird einen neuen Termin geben. Dumm für mich war nur: Ich hatte wegen dieses Termins das regionale Treffen der IGS-Schulleiter, das heute in Deidesheim stattfinden sollte, abgesagt. Allah hopp, dennoch kein Weltuntergang!

Heute war Abgabetermin für die Vorschläge des nächsten Jahrgangslogos. Man lese und staune: Es wurden 73 (in Worten dreiundsiebzig!) Vorschläge eingereicht – welch ein Ausbund an Kreativität und Wortspielerei. Die Begeisterung und das Staunen darüber nimmt in mir kein Ende. Da sage nochmal eine/r etwas von „kindhafter Spielerei“ oder „unnötigem Gedöns“. Da haben sich so viele wie bisher noch nie beteiligt, tolle Vorschläge gemacht und eingereicht. Diese Kinder leben darin, identifizieren sich mit ihrem eigenen Jahrgangslogo und wollen teilhaben an dem neuen. Einfach klasse! Hinzu kommt, dass ich unter den 73 Vorschlägen für mich keinen Favorit ausmachen konnte. Es sind so viele tolle Vorschläge dabei – ich selbst fände Ideen für mindestens fünf neue Jahrgänge. Ich überlege mir schon, wie wir diese Vielzahl oder vielleicht auch nur eine Auswahl, öffentlich machen können. Einfach um diese Kreativität zu dokumentieren. Nächste Woche werden im Assembly zehn ausgewählte in die nächste Runde geschickt.

 

Donnerstag, 21. Februar 2013:

Der Hauptpunkt heute: die Fachkonferenz Fördern tagte. Immer wieder, wenn es einen neuen Stundenplan gibt, stoßen wir an Grenzen. In welcher Stunde kann welche Lehrkraft in welchem Fach welches Kind mit besonderem Förderbedarf unterstützen. Der Stundenplan an sich ist bei unserem differenzierten Konzept schon fast nicht mehr möglich. Wir sprachen heute ein Vorgehen ab, welches die gesamte Problematik in den Blick nimmt. Daraus soll eine Tischvorlage zur Abstimmung in einer Gesamtkonferenz werden, die dann bereits zum nächsten neuen Schuljahr greifen soll. Wir formulierten auch unsere Zielvorstellung in diesem Bereich: In jedem Team soll es (einmal) eine Förderlehrkraft geben. Zusätzlich sollte eine Regellehrkraft des Teams langfristig unterstützen. Durch die in den Blick genommene, längere „Laufzeit“ denken wir gleichzeitig an zusätzliche Qualifizierung dieser Unterstützung. Wohlgemerkt: das ist eine Zielvorstellung. Es wird jetzt unter anderem an mir liegen, dieses Ziel mit einer entsprechenden Personalausstattung auch zu erreichen. Da ist einiges an Diskussion, Überzeugung und langem Atem notwendig. Aber nur so können wir das geforderte Ziel einer Inklusion erreichen. Alles andere wäre Makulatur und Augenwischerei. Wenn Inklusion politisch, gesellschaftlich und pädagogisch gewollt ist, muss auch die personelle Ausstattung stimmen. Ehrgeizige Vorhaben zum Nulltarif kann es da nicht geben. Und eine Aussage, wie ich sie letztens hörte: „Wir in Rheinland-Pfalz sind da bundesweit gesehen schon sehr weit“ kann sich doch nur der auf die Fahnen schreiben, der auch die Rahmenbedingungen installiert. So nebenbei zusätzlich mitmachen lässt sich ein solches Konzept nicht.

 

Dienstag, 19. Februar 2013:

Unser Wochentag der Teamsitzungen. Ich wurde heute ins „Pionierteam“ geladen, welches sich immer noch durch „zum ersten Mal“ auszeichnet. Derzeit steht die Abschlussfeier an. Anscheinend gibt es Nachfragen zu der Form. Ich vertrat meine (begründete) Vorstellung, dass es nur eine Feier geben könne. Freilich ist es mit unseren neunten Klassen die erste Entlass Feier für die IGS und bezieht daraus eine besondere Erwartung. Auf der anderen Seite ist es die letzte Entlass Feier für die Realschule plus, auch das ein besonderer Anlass. Seit Jahren teilen wir das gleiche Schulgebäude, in diesem Jahr teilen sich beide Schulen sogar den Schulleiter und so manches (Lehrkräfte werden hier und da eingesetzt, interreligiöse Feier, Jugendkongress, Verabschiedungen…) haben wir doch schon gemeinsam veranstaltet. Zudem stelle man sich vor: Zwei Zehner-Klassen feiern Abschied in der (längst für eine gemeinsame Feier gebuchten) Stadthalle – sie würden sich darin verlieren. Und das bei einer letzten Veranstaltung einer vor der IGS bestehenden Schulart. Nein, ich kann zwei getrennten Feiern keinen positiven Aspekt abgewinnen. Alle aufkommenden Fragen waren für mich untergeordneter Art und mit ein wenig Bereitschaft auf allen Seiten zu beantworten. Mir schwebt eine Feier vor, die so etwas wie eine Staffel-Übergabe darstellt: Die Vorgängerschule schließt ihre Pforten und gibt den Stab an die Nachfolgerin weiter. Was hat dieser Schulstandort nicht alles miterlebt: von der Grund- und Hauptschule zu Beginn über die Regionale Schule als Ganztagsschule und die Realschule plus bis nun hin zur Integrierten Gesamtschule. Das stellt eine Entwicklung dar, die auf der einen Seite lebendig erscheint, weil sie offen für Neuerungen war. Auf der anderen Seite wird sie wohl auch für Unruhe gesorgt haben, denn kaum war eine Neuerung in ruhigeres Fahrwasser gekommen, stand schon der nächste Schritt an. Einiges spricht nun dafür, dass mit der IGS ein länger anhaltendes Stadium erreicht ist, denn sie wird einmal die bisher die bisher größte Anzahl an Schülerinnen und Schüler beherbergen und alle Abschlüsse ermöglichen. Aber wer mag das schon fundiert beurteilen. An diesem Scheidepunkt also darf doch nicht die Frage nach zwei getrennten Entlass Feiern aufkommen, weil hier eine Diskussion der Programmgestaltung aufkommt und dort eine auf die eigene Schulart zentrierte Engführung herrscht. Ich werde den Fortgang sorgfältig betreuen.

 

Montag, 18. Februar 2013:

Das Assembly liegt im zweiten Halbjahr auf dem Freitag – ein seltsames, ein gewöhnungsbedürftiges Montags-Gefühl. Gleichwohl lag das Assembly doch nicht durchgehend am Wochenanfang, und doch hat es sich so eingeprägt. Der Termin am Freitag ist aber als Wochenschluss auch nicht schlecht. Vielleicht ergeben sich ja einmal inhaltliche Punkte, mit denen wir über die vergangene Woche nachdenken können.

 

Freitag, 15. Februar 2013:

Früher waren der Bürgermeister, der Pastor, der Apotheker und der Schulmeister die Honoratioren der Stadt und der Kern des Stammtisches im „Dorfkrug“. Vielleicht stammt die Idee, den Schulleiter zum Empfang der Stadt einzuladen, aus dieser Zeit. Gestern nahm ich erstmals am „Valentins-Empfang“ der Stadt Deidesheim teil. „Am 14. Februar 1395 erhielt Deidesheim von König Wenzel von Böhmen auf dem Hradschin zu Prag die Stadtrechte.“ So umriss die Einladung diesen Anlass. Zunächst schien mir das nur ein Pflichttermin zu sein, dann aber stellte sich die Veranstaltung als positiv für die Schule heraus und damit auch die sinnvolle Teilnahme des Schulleiters. Zum einen ist Kontaktpflege ein wichtiger Bestandteil der Außenwirkung der Schule, zum anderen ergeben sich daraus immer wieder schnelle und unbürokratische Auswirkungen für die Schule selbst. Geladen war unter anderem ein E-Gitarrenbauer aus Deidesheim, der Instrumente mit künstlerischem Anspruch baut. Seit vergangenem Oktober ist eines seiner Unikate in der Instrumentenabteilung des Metropolitan-Museums Of Art in New York zu bestaunen. Zudem erfuhr ich: „Sting“ und „Prince“ spielen auf E-Gitarren aus Deidesheim. Natürlich war dies neu für mich und natürlich kam mir sofort in den Sinn: Das wäre doch was für die 1stClassRock-Schüler/-innen. Eine Besuchsmöglichkeit wurde mir sofort zugesagt. Auch in Richtung jüdischer Friedhof gelangen Kontakte, die neue Informationen enthielten und Auswirkungen für die Schule entwickeln können. Weitere Gespräche ermöglichten Kontakte zum Sportverein, zum Synagogenverein und auch eine eventuelle Finanzierung für den Praxistag könnte auf den Weg gebracht werden. Dies allein würde schon für einen gelungenen Termin ausreichen. Hinzu kamen aber noch kurze Gespräche am Rande, welche die durchweg Rückmeldungen über die positive Gestaltung und Entwicklung der Schule und die Zufriedenheit auf Seiten von Eltern und ihrer Kinder ausdrückten. Zudem konnte ich auch noch mit einer Olympia-Teilnehmerin reden, die letzten Sommer in London gar den sechsten Platz im Turnen erzielte. Neu war für mich auch, dass die derzeitige „Pfälzische Weinprinzessin“ aus Deidesheim stammt. Auch sie und ihr „Gefolge gaben mit ihren „gekrönten Häuptern“ der Veranstaltung ein besonderes Gepräge. Die vorletzte ihrer Zunft, die gestern als Unterstützung mitgekommen war, kannte ich gar aus meiner Mutterstadter Zeit. Sie ist seither das einzige „gekrönte Haupt“, das meinem Religionsunterricht in der Oberstufe beiwohnte. Alles in allem also war die Veranstaltung gestern wesentlich reichhaltiger als erwartet und wenn, dann ein letztlich schöner Pflichttermin.

Heute wurde ich wieder durch den Terminkalender getaktet. Dazu kam,  immer wieder gehört das ja zum Glück dazu, Unterricht. In einer der beiden Klasse konnten wir Vorführungen privat erlernter Musikinstrumente lauschen, darunter sogar einer Geige. In der anderen leitete ich die erste Gruppenarbeit an. Und wieder machte das Spaß „wie am ersten Tag“ – es tut gut, das immer wieder zu erfahren, immer wieder zu merken: Du hast den richtigen Beruf gewählt und, bei allem Schulleiter-Abstand: Du kannst es noch.

 

Aschermittwoch, 13. Februar 2013:

Dem Tag der offenen Tür sei Dank, wegen ihm können wir heute den Ausgleichstag „nehmen“. Das Aufnahmeverfahren sendet seine Nachwehen an die Schule. Natürlich meldet sich eine ganze Reihe von enttäuschten Eltern bei uns, auch die ersten schriftlichen Widersprüche gingen ein. Dennoch erlebe ich nicht den Druck der letzten Jahre. Vielleicht liegt das auch an der geringeren Zahl von Kindern, die keinen Platz gefunden haben. Zu diesem Thema gehören aber auch die sich freuenden Eltern und Kinder, immerhin sind das ja etwa zwei Drittel der Angemeldeten. Eine schöne und mich dennoch erschreckende Mail einer Mutter erreichte mich. In Auszügen sei sie zitiert;

„Sehr geehrter Herr Dumont,soeben habe ich die Zusage für die Aufnahme meines Sohnes in der kommenden fünften Klasse aus dem Briefkasten gezogen!!! Juhu!... Ich bin überzeugt vom Konzept der IGS und denke, dass es für meinen Sohn die hundertprozentig richtige Entscheidung war (auch wenn seine Klassenlehrerin sagt, er MÜSSE ans Gymnasium, er würde sich in der IGS zu Tode langweilen, gggggrrrrrr)  ... Beeindruckt hat mich (und vor allem meinen Sohn) bei der Anmeldung, dass er im Vordergrund stand und gefragt wurde, warum er an diese Schule will! ...“

Ich kenne die Klassenlehrerin nicht, aber vermutlich war sie noch nicht bei uns an der Schule. Vermutlich kennt sie auch das Konzept der Schule nicht. Das sind so Aussagen, die uns das Leben schwer machen, denn wie sollen wir ihnen begegnen? Sie stehen wohl nicht auf einem Boden von Tatsachen oder eigenen Erfahrungen. Daher halte ich sie für ideologisch motiviert. Da wird irgendwo beraten und wenn Eltern nicht „stark“ genug sind, gehen sie dieser Beratung „auf den Leim“. Ich gehöre nicht zu der Gruppe, welche die IGS als allein seligmachende Schule ansieht. Ich bin aber sehr wohl vom Ansatz, Konzept und vor allem von der konkreten Ausführung an unserer Schule überzeugt. Nun habe ich einmal schriftlich erhalten, was mündlich in Dutzenden von Aussagen in den letzten Jahren bei mir angekommen ist. Erneut sei es auch an dieser Stelle betont: Die IGS ist eine Schule für alle (!) Kinder. Immer wieder erreichen mich Probleme von Schüler/-innen aus den verschiedenen Jahrgängen. Das Thema Langeweile war bisher nicht dabei.

Ich will noch einen Zusatz zur Teamschule notieren. Aus dem Eintrag der letzten Woche ist sicherlich deutlich geworden, dass diese Form der Zusammenarbeit die Person einer Lehrkraft stärker mit in die Arbeit mit einbezieht, als das bei den „klassischen Einzelkämpfern“ der Fall ist. Das mag nicht jedermanns oder jederfraus Sache sein, zugegeben. Aber es ist auf alle Fälle die bessere Art pädagogischer Arbeit. Heraus aus der Rolle des von oben herab Belehrenden, hinein in die Rolle der Person. Natürlich hat jede Person ihre Stärken, wie sie auch ihre Schwächen hat. Beides ist in einem Team von Gleichgesinnten besser aufgehoben. An den Stärken können dann alle teilhaben und die Schwächen können besser abgefedert werden – das kommt allen Beteiligten zu Gute (und vermindert die Gefahr allzu skurriler Geschichten, wie sie jeder aus der eigenen Schulzeit zu erzählen weiß). Wie sollte es auch eine pädagogische Arbeit ohne Persönlichkeiten geben können? Die kürzeste (und für mich beste) Aussage darüber, was Erziehung ist, stammt von Wolfgang Bergmann: „Erziehung ist Vorbild und Liebe!“ Mehr bedarf es nicht, aber auch nicht weniger. Das Team-Kleingruppen-Modell erleichtert beides: Es kann die Lehrenden besser in die Vorbildfunktion „hineinführen“, weil auch der erziehende Mensch mit seinen Vielfältigkeiten zur Sprache und zur Reflexion kommt. Und mit dieser Erfahrung des Eingebunden Seins in ein Team Gleichgesinnter kann er/sie sich selbst besser annehmen und damit auch für die Kinder den Blick milde öffnen. Und damit bin ich nicht weit entfernt vom christlichen Grundsatz: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Aus vorderster Reihe der Schulaufsicht zitierte ich bereits früher den Satz: „Die IGS entlässt andere Schüler!“ Aus dem Ministerium brachte ich vergangene Woche die Ergänzung mit: „…und formt andere Lehrkräfte!“ Wie sollte es auch anders sein, da wir immer und überall Menschen begegnen und nicht Rollen. Und auch klar, dass eine Rolle einzig und allein dann „ausgefüllt“ ist, wenn sie von der Person abgedeckt ist. Auch von dieser Seite gefragt: Kann da an irgendeiner Stelle Langeweile aufkommen?

 

Freitag, 08. Februar 2013:

„Denk dran: Es ist Weiberfastnacht. Zieh eine alte Krawatte an!“, bemerkte die Sekretärin am Telefon. Ich war gestern auf dem Weg nach Mainz zu einem Gespräch im Ministerium. Einige Narren fielen mir in der Stadt schon auf, aber keine wollte mir ans Halsgebinde. Dabei hatte ich sie doch eigens für heute auf einem Flohmarkt billig erstanden. Gut, dann habe ich für nächstes Jahr bereits eine im Schrank!

Am Mittwoch nach dem 1stClassRock fragte eine Schülerin, wann ich weiter Tagebuch schreiben würde. An dieser Stelle macht sich mein überfüllter Schulalltag bemerkbar. Bin ich erst mal zu Hause, fordert auch die Familie ihr Anrecht auf mich ein. Abends bin ich derzeit einfach zu kaputt, um noch schreiben zu wollen. Die freien Narrentage ermöglichen dies nun.

Halbjahreswechsel heißt auch: Klassenwechsel in Musik und Assembly am Freitag. Vier Musikstunden in den beiden neuen Klassen habe ich schon erlebt, schön, lustig und mit Singen voll. „Sie sind aber ein lustiger Direktor!“, erhielt ich als einen Kommentar. Schön und hoffentlich motiviert euch das zur Musik. Das Assembly war heute mehr eines der spontanen Art. Aufgrund der Termindichte reiste ich zu spät aus Deidesheim an, so dass die Fastnachtsfeier der Fünftklässler ins Assembly einfloss. Aber auch Berichte der Jenafahrer an den versammelten Jahrgang fanden Gehör und das Singen läuft eh fast immer wie von selbst. Und trotz aller Narretei: Sie waren zu beruhigen. Das fasziniert mich immer wieder und da mich nun alle Fünferklassen kennen, konnte ich in allen vier Klassen die Ruhe im Assembly ansprechen. Auch die zusätzlichen Hocker aus Deidesheim mögen ihren Anteil daran haben.  

Und wieder ist eine Woche vorüber und ich weiß nicht, wohin sie mir zerronnen ist. Vor Terminen und Gesprächen laufe ich gerade über, sie beginnen zum Teil schon vor acht und dennoch habe ich nicht alles geschafft. Hinzu kommen derzeit einige Konflikte, die es zu lösen gilt, die aber nicht kurzfristig zu lösen sind. Und so hoffe ich während der fünf schulfreien Tage auf Ruhe und Entspannung.

 

Dienstag, 05. Februar 2013:

Wegen der in letzter Minute zustande gekommenen Personalversorgung ist auch der neue Stundenplan mit heißer Nadel unter Hochdruck entstanden. Er ist noch nicht in allen Fällen als gelungen zu bezeichnen, vielleicht lässt sich durch Nachkorrektur von Hand die eine oder andere Unzulänglichkeit noch beheben. Insgesamt sind wir aber an einem Punkt angelangt, an welchem der Computer nach stundenlangem Rechnen zu dem Ergebnis kommt: „Habe keine Lösung gefunden!“ Inzwischen sind die beeinflussenden Faktoren so zahlreich, dass wir langsam überlegen müssen: Wo ist das Konzept zu ambitioniert? Welchen Preis sind wir, etwa beim Stundenplan, bereit dafür zu zahlen? Grundsätzlich lehne ich mich an das Markusevangelium an (Mk 2,27): Das Konzept ist für den Menschen da, nicht der Mensch für das Konzept. Was nicht geht, müssen wir korrigieren. Was nützen pädagogische Ideen, wenn sie nicht umsetzbar sind, selbst bei einem Kollegium, das bis in die Haarspitzen engagiert ist? Auch hier ist Nacharbeit notwendig. Noch immer ist nicht einmal die Sekundarstufe I komplett ausgebaut!

Heute Morgen, der Bus nach Jena suchte bei meiner Ankunft schon einen geeigneten Parkplatz, konnte ich noch kurz den Mathe-Olympioniken und den Kulturschaffenden meine Wünsche mit auf die Reise geben. Dann musste ich ins Büro – die ersten Gesprächstermine begannen bereits um acht Uhr. Es gibt inzwischen Tage, da schaffe ich es erst gegen Mittag den Arbeits-PC anzuschalten, weil vorher jede Minute ausgefüllt ist. Letzten Montag stellte ich meinen und sicher auch den Schulrekord mit fünf (!) Standortwechseln an einem Tag auf – gut, den letzten verursachte ich selbst, weil ich in Wachenheim einen Ordner vergessen hatte.

Ansonsten hat sich das Schulleitungsteam heute außerhalb der Schule zu einer Klausur getroffen. Bei nunmehr fünf Mitgliedern sind die Aufgaben von der Funktion her anders zu ordnen. Da wir immer noch nicht vollständig sind, gehört das Ordnen und Zuweisen von Provisorien nach wie vor zum Alltag. Dennoch hat uns der Tag im protestantischen Pfarrhaus ohne Telefon und Störung gut getan. Das Ergebnis muss nun in den Praxistest.

 

Sonntag, 03. Februar 2013:

 

Einer Einladung zum 60. Geburtstag und den Einstand in die passive Phase der Altersteilzeit, so die Wortwahl des Amtsschimmels, einer Kollegin meiner ehemaligen Schule folgend, traf ich gestern eine ganze Reihe von ehemaligen Kolleg/-innen. Wir arbeiteten damals in einem Team zusammen und sind inzwischen auch an verschiedenen Schulen verstreut. Wie eng und persönlich geprägt diese Zusammenarbeit war, zeigte mir die schöne Erfahrung, in den meisten Fällen das Gespräch und die Vertrautheit genau dort fortsetzen zu können, wo sich vor Jahren unsere Wege trennten. Ein mich sehr freuender Satz aus dem wortreichen Abend sei hier zitiert, weil er mein Wirken wie kein anderer wiedergibt: „Seit du nicht mehr an der Schule bist, singt niemand mehr mit uns. Bei mancher Konferenz seither dachte ich, sie wäre mit Sicherheit anders verlaufen, wenn der Schorsch vorher mit uns gesungen hätte.“ Zu Ehren der Jubilarin wurden auch „Die Kraniche fliegen im Keil“ von ihren Töchtern angestimmt, steht dieses Lied doch ganz oben auf ihrer Hitliste. Natürlich erntete ich später große Freude, als ich sagte, dass dieses Lied jede/r Schüler/in meiner Schule singen könne.

 

Auch vergangenen Freitag ging es um Teamarbeit. Die derzeit beiden Schulpsychologen weilten in meinem „oval Office“ zum Vorgespräch. Alle Teams an unserer Schule haben Tage der Teamentwicklung erlebt. Das nun auf fünf Menschen angewachsene Schulleitungsteam entbehrt diese Erfahrung und will sie nachholen. Da auch hier ernsthaft und persönlich gearbeitet werden soll, wollen wir uns Unterstützung von außen holen. Dieses Vorhaben, ich sehe es schon vor mir, wird bei einigen Schulleiter/-innen Erstaunen hervorrufen. „Als Schulleiter muss man sich doch über den Dingen befinden und nicht auf er Ebene eines Teams!“, so hörte ich schon mal einen reden. Aber eine Schule im Team-Kleingruppen-Modell erstreckt sich für mich eben auch auf das Schulleitungsteam. Dabei ist doch nicht nur die pädagogische Arbeit in den Jahrgängen derart vielfältig geworden. Nur ein Team aus Lehrkräften und weiteren Professionen, das immer wieder neue Aspekte und andere Sichtweisen einbringen kann, wird diese Arbeit in meinen Augen verantwortlich im Sinne des individuellen Zugangs leisten können. Keine Einzelperson, so pädagogisch ambitioniert und begabt sie auch immer sein mag, kann die heutige pädagogisch notwendige Arbeit leisten. Diese Vielfalt der Zugänge erstreckt sich auch auf die Aufgaben eines Schulleitungsteams, zumindest dann, wenn man Schule nicht „von oben herab“ leiten will. Hinzu kommt: Was wir für die Jahrgangsteams anbahnen und erwarten, muss sich doch, wenn wir glaubhaft sein wollen, auch auf das Team der Schulleitung erstrecken. In jedem Team geht es darum, Prozesse (persönliche und teaminterne) wahrzunehmen  und zu reflektieren, denn sie spielen eine wichtige Rolle in der täglichen Zusammenarbeit. Und immer dort, wo Menschen miteinander arbeiten, gibt es Schwächen und Stärken, Unterstützer und Unterstützte. Das miteinander an- und abzusprechen, dafür sensibel zu sein und auch diese persönlichen Aspekte jedes Menschen mit in die Arbeit einzubeziehen, ist Aufgabe eines jeden gut arbeitenden Teams. Auch hier passt das Schullied: „Jeder kann was prima machen!“ Gestern zeichnete ein gutes Vorgespräch die Klausur vor. Im Laufe meiner Jahre war ich Teilnehmer von mindestens vier so genannten Supervisionsgruppen. Innerschulisch war die erste, für mich als Junglehrer, für alle Kolleg/-innen geöffnet und erstreckte sich über mehrere Jahrgänge. Wir arbeiteten mit der Methode der kollegialen Fallberatung. Die Mitglieder der Gruppe stellten zu Beginn jeder Sitzung jeweils ein Problem aus ihrer Arbeit mit Schüler/-innen oder Kolleg/-innen vor. Selbstredend waren alle Teilnehmer/-innen auf Verschwiegenheit ausgerichtet. Ohne diesen Schutzraum hätte sich wohl niemand geöffnet. Die Gruppe entschied, welches davon beim aktuellen Treffen bearbeitet werden sollte. Die Supervisoren schlugen passende Methoden vor und die Gruppe der Kolleg/-innen versuchte gemeinsam für das benannte Problem Lösungen zu finden. Nicht selten traten dabei Aspekte auf, die in der Person der jeweiligen Lehrkraft ruhten und da sie in der Gruppe „freigeschaufelt“ wurden, waren diese Sitzungen oft sehr intensiv – aber ungemein hilfreich - auch für meine eigene Person, meine Verfasstheit und dafür, wie ich mich selbst als Lehrer und als Mensch verstehen lernen sollte. An meiner zweiten IGS gelang es gar, diese ehrliche, offene und dichte Arbeit auf ein einzelnes Team zu übertragen. Etwa alle sechs Wochen trafen wir uns zu einer Sitzung, davon ausgehend, dass diese zusätzlich eingebrachte Zeit sinnvoll in der pädagogischen Arbeit zurückgegeben würde. Da die Beteiligten in dieser Gruppe nicht mehr aus dem Gesamtkollegium stammte sondern täglich miteinander arbeitete, war diese Team-Supervision noch ertragreicher für den Alltag. Gerne blicke ich auf diese Erfahrungen zurück und habe aus ihr doch wesentlich mein Verständnis des Team-Kleingruppen-Modells entwickelt. Gleichwohl ist es bisher nicht gelungen, dies nach Deidesheim/Wachenheim zu tragen. Der Aufbau unserer Schule ist allerdings intensiv genug und ein solch reichhaltiges Mehr an Einsatz auch nicht leistbar. Wir müssen mit unseren Kräften haushalten.