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Juni 2012


Freitag, 29. Juni 2012:

Ich habe es geschafft! Alles, was ich noch tun musste in diesem Schuljahr, ging heute über die Ziellinie. Auch die fünf dienstlichen Beurteilungen sind geschrieben. Ich erwähne sie eigens, weil sie mir lange „auf dem Magen lagen“. Nicht, dass mir das Schreiben an sich schwer fiele, immerhin habe ich in meinem Schulleiterdasein schon deren 17 verfasst und also etwas Übung. Aber diese spezielle Beschäftigung braucht Ruhe und auch Muse, sonst kommen mir die Formulierungen nicht in die Tasten. Das erlebte ich dieses Mal besonders, fielen sie doch in eine Zeit, die durch eine hohe Dichte an anderen, zusätzlichen Terminen zu verfassen waren und an eine Aus-Zeit in der Schule nicht zu denken war. Aber: Geschafft ist geschafft. Die Kolleg/-innen hatten dafür den Zeugnis-Stress zu verarbeiten, mit dem ich in diesem Jahr nur nebenbei beschäftigt war.

Zeugnisausgabe – ein ganz besonderer Tag im Schuljahr. Ich habe schon darüber geschrieben und wiederhole es nicht. Am Nachmittag, als ich wegen unseres Kindergeburtstages im Wald auf die Kindertruppe wartete, die Spur war gelegt, aber die Kinder noch nicht da, hörte ich ein Mädchen auf einem nahen Balkon über ihr Zeugnis reden: „Hätte ich in dieser einen Klassenarbeit einen Punkt mehr erhalten, hätte dies meine Deutschnote auf eine eins gehoben und ich hätte dann einen Schnitt von 1,34.“ Ein kurzer Schnipsel, am Waldrand, zufällig gehört und doch geeignet dazu, die Unsinnigkeit von Notengebung zu untermauern!

Nun ist also das Schuljahr zu Ende. Den Elternbrief des Fördervereins brachte ich heute auch noch unter die Kinder. Er bittet um Mithilfe am Weinstraßentag und strahlt schon auf das nächste Schuljahr aus. Ebenso werden die Rollbanner mit den Jahrgangslogos, die ich heute noch erhielt, die neuen Fünftklässler an ihrem ersten Tag bei uns begrüßen. Zunächst aber mein Wunsch: Erholt euch alle gut ohne die Beanspruchung der Schule. Kommt gesund und mit neuem Tatendrang nach den Ferien wieder und lasst uns dann das fünfte Jahr der IGS Deidesheim/Wachenheim starten mit all seinen Anforderungen. Ich werde dieser Tage in Ruhe einen Rückblick wagen.

 

Donnerstag, 28. Juni 2012:

Ich habe bisher ganz verschwiegen, dass in Wachenheim die Schule wieder eingerüstet ist. Wir bekommen eine große Voltaik-Anlage auf das Dach. Aufgrund auslaufender Zuschüsse muss diese am ersten Juli am Netz angeschlossen sein. Hektik also allenthalben, bis die 420 Platten „sturmsicher“ auf den Dachziegeln montiert sind. Vielleicht habe ich mich so an den Anblick von Baustellen gewöhnt, dass dies gar nicht groß ins Gewicht fällt. Leitern, Stangen und Gerüste im Pausenhof – ein Abenteuerspielplatz für die Pausen? Nein, alles lief bisher problemlos.

Die Umzugskisten der Susis sind weitgehend gepackt und durch eine konzertierte Aktion von Hausmeister, Kreisauto und Jahrgangsteam fast schon komplett in Deidesheim angekommen. Prima Aktion!

Ja, die Gesamtkonferenz am Nachmittag musste noch sein, denn es gab noch ein paar Punkte zu beschließen, die das neue Schuljahr betreffen werden. Konzeptionell das Einführen eines zusätzlich möglichen, freiwilligen Wahlfachs. Wir einigten uns auf Spanisch als dritte Fremdsprache. Ebenso brachten wir noch Ergänzungen zum Methodenkonzept und zum Projektunterricht in trockene Tücher und einigten uns gemeinsam auf erste Termine im neuen Schuljahr. Ganz auf die Schnelle und formal mit Verbesserungsbedarf versehen, verabschiedeten wir zwei Zielvereinbarungen für den AQS-Prozess. Wir waren da erheblich in Zeitverzug und die Schulaufsicht hatte AQS, wir daher die Schulaufsicht im Nacken. Am Rande eines Auswahlverfahrens entstand dann die Idee auf Seiten der Schulaufsicht, das noch in diesem Schuljahr mit zwei Zielen noch auf den Weg zu bringen. Beide nun verabschiedeten Ziele standen sowieso auf der „To-Do-Liste“, weshalb sie also nicht mit dem Merkmal „Zielvereinbarung“ versehen? Das eine sieht vor, ein Konzept für die Entwicklung von unserem Assembly hin zu einer demokratischen Versammlung zu entwickeln. Alle in der Schule haben das Assembly in seiner jetzigen Form irgendwie angenommen, aber nie wurde es konzeptionell verankert. Auf den Standort Deidesheim kommt jetzt erstmalig ein Treffen mit drei Jahrgängen zu. Es bestehen aber bisher keine Absprachen darüber, wie das gehen kann und soll. Auch schon im SEB angefragt: Wir können wir das erfolgreiche Arbeiten und das Anliegen der Schule an neue Jahrgänge weitergeben? Schule und Kollegium haben inzwischen eine Größe erreicht, bei der die Vermittlung nicht mehr „einfach so“ verläuft, sondern konzeptionell verankert werden muss. Beide Arbeitsfelder haben wir heut nun beschlossen mit einer zeitlichen Vorgabe bis Sommer 2014. Warten wir mal ab, ob sich die beteiligten Gremien dahinter stellen und wie dieses konzeptionelle Arbeiten sich gestalten wird.

Schlusskonferenz heißt auch immer Abschied nehmen. Die beiden Referendarinnen verlassen uns mit einem Abschluss in der Tasche, eine davon verfügt über einen Vertrag, die andere harrt noch auf die Möglichkeiten des Endspurtes der Personalplanung. Ein freiwilliges soziales Jahr geht zu Ende, ein Kollege verlässt uns in den wohlverdienten Ruhestand, eine Integrationshelferin hat einen Platz als Referendarin erhalten. Auch das zeigt, dass wir uns aus der Anfangsphase der Schule in Richtung Schule auf dem Weg hin entwickeln. Den Begriff „normale Schule“ vermeide ich bewusst, denn der Weg des Aufbaus ist immer noch weit, das Konzept noch lange nicht ausgearbeitet („fertig“ wird es hoffentlich nie) und wir tragen noch so viele Aufgaben und Ideen in unseren Taschen und Köpfen, dass genug für die weiteren Jahre zu tun ist.

Nein, Feierabend hatte ich noch nicht. Die lange geplante und veröffentliche Veranstaltung innerhalb der Reihe „Forum Neue Bildung“ fand  noch statt. Ich sollte auch noch ins Podium. Es stellte sich aber heraus, dass es ein Treffen der kleineren Art werden sollte. Wir passten alle in den ehemaligen Filmsaal. Demokratisierung der Schule war das Thema, eingeführt mit einem Film über das Konzept der demokratischen Grundschule Landau-Süd, das unter anderem deswegen den Deutschen Schulpreis erhielt. Inhaltlich will ich hier keinen Verlauf referieren, nur noch eine Anfrage erwähnen, die an mich gestellt wurde: „Weshalb bewerben Sie sich eigentlich mit  Ihrer Schule nicht darum,  ‚Modellschule für Demokratieerziehung‘ zu werden?“ „Wir arbeiten lieber ohne dieses Prädikat, weil bei uns so viele Baustellen offen sind.“, war meine schnelle Antwort. Ich muss aber gestehen, dass sie aus dem Bauch heraus kam und mich den Abend über nicht losließ. Mal sehen!  

 

Mittwoch, 27. Juni 2012:

Für mich geblockt für den zweiten Tag der Teamfortbildung. Aufgrund der Termindichte auf meiner Seite stellten wir den Ablauf einfach um: Gestern liefen die Punkte: Was ist das Konzept der neuen Schule? Wie verläuft die erste Woche? Was ist sonst noch wichtig? Heute nun der fast schon klassische Teil, jedenfalls fand er so zum fünften Mal statt: Die neue Schule gerafft im Kanon „Jeder kann was prima machen“ – ich erlebte ein sangesfreudiges Team. Dnn der Dreischritt: Vom Ich über das Du zum Team. Partnerinterview: Mit wem haben wir es hier denn zu tun? Welche Stärken habe, welche Schwächen bringen die einzelnen Kolleg/-innen mit? Eine erste Teamaufgabe mit den anschließenden Fragen: Worauf freue ich mich in der Arbeit in einem Team? Was befürchte ich in der Arbeit in und mit einem Team? Was möchte ich gemeinsam für die Teamarbeit festlegen? Ich erlebte eine gute und fundierte Atmosphäre, auch das Herauskristallisieren der vier Tutorentandems, immer ein kniffliger Punkt, verlief besonders gut, weil wir neuen Personen im Team haben werden. Überraschend einigte sich das Team schnell darauf, keine/n „übrig zu lassen“, sondern ein Tutoren-Trio zu bilden. Klasse! Ein erster Eindruck über Arbeitsweise der „Wilmas“. Auch die Überraschung mit dem „Hochzeitsessen“ (mit Worschtkordel gebundene Bratwürste und Kartoffeln an in den Klassenfarben gedeckten Tischen für die Tutorenpaare und das –trio)  gelang. Ein toller und für die Schule wichtiger Tag! Zwischendrin kam mir immer wieder der IGS-Tag in den Sinn, an dem wir diese Arbeit zur Teamfindung und-entwicklung vorstellten. Mit dem theoretischen Hintergrund versehen, erlebte ich diese beiden Tage nochmal ganz neu – und empfand, dass diese stimmig und gut aufgebaut sind.

Am Rande erlebte ich das übliche Gewusel des Aufräumens und der Umzugsvorbereitungen. Nicht erlebt habe ich den Elternabend zum Thema Praxistag. Wir werden diesen Tag, an eine Reihe von Schulen schon eine feste Institution, für unsere Berufsreifen einführen. Er sieht einen festen Tag vor, an welchem die Schüler/-innen in einem Ausbildungsbetrieb arbeiten, um Kontakte zum und Erfahrungen mit dem Berufsleben sammeln zu können.  Nicht alle Angeschriebenen waren da, aber auch er verlief gut. Das wird nochmal ein ganz neuen Merkmal unserer Schule – und für mich persönlich, denn an meinen ehemaligen Gesamtschulen gab es diese neue Einrichtung noch nicht. Gespannt warte ich nun auf deren Umsetzung bei uns. Das Lernen hört auch für mich nicht auf, sage ich ja immer wieder.

 

Dienstag, 26. Juni 2012:

Ein ganz wichtiger Termin heute: Ich habe offiziell die Mitführung der Realschule plus als Schulleiter derselben übertragen bekommen. Die Referentin aus dem Referat 35 der Schulaufsicht ist eigens dazu nach Deidesheim gekommen, um mich dem anwesenden Kollegium mit der Schulleitung zu beauftragen. „Sie bleiben eine eigenständige Schule, wenn organisatorisch auch einiges zusammengefasst wird.“ – ein wichtiger Satz für alle Fälle. Ich werde mich bemühen, die beiden Zehnerklassen nicht nur „mitzuführen“, sondern als Schulleiter auch präsent und verantwortlich ansprechbar zu sein. Einen weiteren Satz hörte ich heute, der mich -  ja, auch mit etwas Stolz erfüllte: „Die Zusammenarbeit der letzten vier Jahre und das Installieren der einen und das Auslaufen der anderen Schule verlief um einiges harmonischer als befürchtet und vor allem als einer der vorherigen Übergänge.“ Das war von Anfang an meine Absicht. Von der Schulaufsicht hörte dies ich als Erwartung schon vor vier Jahren: „Sie mit ihrer außergewöhnlichen kommunikativen Kompetenz werden das sicher hinbekommen.“ Mit dem heutigen Satz könnte das als „erfüllt“ bezeichnet werden. Auch die Personalplanung der RS+, die ja jetzt auch „mein Ding“ ist, scheint abgeschlossen zu sein.

Und weiter ging es zum nächsten Termin: Die drei Jugendtreffs der umliegenden Gemeinden trafen sich mir der Schulsozialarbeiterin, um die Möglichkeiten einer Kooperation abzustecken. Als Ganztagsschule „bedienen“ wir ja zum Teil dieselben Jugendlichen, da ist eine Verknüpfung oder eine Zusammenarbeit durchaus sinnvoll. Eine ganze Reihe von Ideen wurden da geäußert und ein erstes gemeinsames Angebot wurde schon konkret formuliert. Zu Beginn des neuen Schuljahres wird für die Jahrgänge 7 bis 9 in Deidesheim eine Zukunftswerkstatt angeboten. Die Jugendlichen selbst sollen formulieren, welche Angebote sie sich wünschen, um danach zu sehen, welche können in Kooperation angeboten realisiert werden. Wenn das so laufen wird, wie es gedacht ist, profitieren alle davon: Die Jugendlichen arbeiten an einem attraktiven Angebot für sich selbst mit, die Jugendtreffs sind mit im Boot und arbeiten weiter mit ihrem Klientel zusammen, ohne dass eine Konkurrenz Platz greift und wir als IGS können das GTS-Angebot interessanter gestalten. Sollte das gelingen…was für ein Wurf!

Am Nachmittag, zurück in Wachenheim, die ersten Eindrücke für mich in Bezug auf das Team „Wilma Worschtkordel“: Die zweitägige Fortbildung startete am Morgen ohne mich, nun stieß ich hinzu und atmete die erste Atmosphäre ein. In diesem Jahr kannte ich nicht alle durch Vorgespräche – umso gespannter war ich auf diese Begegnung.

Und weiter ging es an diesem Nachmittag noch mit dem „Halli Galli Sommer-Rocking Fescht“. Kleine Bühne, Tischgarnituren, Schulband, Pfälzisch AG, Larry Hawthorne, unserem Paten in Sachen Schule mit Courage…ein buntes Programm und viel Stimmung. Freilich, der Besuch hätte höher sein können, aber wir wollten die Veranstaltung ja bewusst freiwillig halten. In der solch termin- und arbeitsreichen Zeit sollte es ein kleines, gemütliches Angebot sein. Allen, die es ermöglicht haben, mein persönlicher Dank und meine Anerkennung für diese Stunden. Wie das „Rocking-Chrischtkinnelsfescht“ im Dezember soll es ein kleiner Anfang sein, der wachsen können soll – und hoffentlich auch wird. Ausgelaugt kam ich zu Hause an, darauf hoffend, dass die Kraft für die letzten drei Tage noch ausreichen wird.

 

Und da erreichte uns noch eine sehr schöne Mail. Schüler/-innen des achten Jahrgangs hatten am Wettbewerb der Metropolregion Rhein-Neckaar zum Thema „Heimat neu erfahren: Frische Tourismus Ideen für die Region“ teilgenommen. Ihr Beitrag war ein komplett selbst entworfenes Brettspiel , worin Frage- und Antwortkarten sowie Aktionskarten eine Rolle spielen, die auf originelle und kreative Weise eine Sicht der Jugendlichen auf die Metropolregion wiederspiegeln. Die Kids brachten ihren Beitrag persönlich in Mannheim vorbei. Und daraufhin kam diese Mail: „…herzlichen Glückwunsch zu Ihren Schülern – wenn die immer so „gut drauf“ sind, haben Sie (neben der Arbeit) auch viel Freude.“

 

 

Montag, 25. Juni 2012:

Der diesjährige Meiden-Thementag ging heute wieder über die Bühne. Wir sahen zu Beginn darin eine Möglichkeit, die beiden Standorte (gedanklich) zu verzahnen nach dem Motto: „Eine Schule – ein Thema“. Heute erlebte ich, wie sich ein kleiner Teil des Ursprungsgedankens wiederbelebt wurde: Der fünfte Jahrgang befasste sich thematisch mit dem Fernseh-Konsum. Eine unserer Achtklässlerinnen hatte bei einer Casting-Show die Vorrunde mitgemacht. Sie reiste auf Einladung ins Fünferassembly nach Wachenheim und berichtete davon. Nicht nur ich hörte gespannt zu, der ganze Jahrgang lauschte gespannt, wie da eine Schülerin von Erfahrungen berichtete, die nicht nur mir fremd und fast exotisch vorkamen. Es entstand eine rege Frage-Antwort.-Runde, in die immer stärker auch eigene Meinungen einflossen. Schließlich hörten wir auch live gesungen einen Ausschnitt aus ihrem damals vorgestellten Lied. Rauschender Beifall vom Auditorium für die Musik und von mir für dieses dichte Assembly.

Ich brachte die beiden nach Deidesheim und erlebte dort die Fülle von externen Experten, die mit den Jahrgängen 7 und 8 zum Thema Computerspiele und Cybermobbing arbeiteten. Dieser zweite Thementag im Schuljahr, der stets auf diese Thematik festgelegt ist, hat sich zu einer Institution entwickelt. Abends führte dann noch ein Elternabend die Thematik weiter, denn ohne die Eltern darüber zu informieren, „was da abgeht“, ist nur die halbe Miete eingefahren. Die Beteiligung war auch um einiges höher als im letzten Jahr, wenngleich ich sie mir noch höher gewünscht hätte.

Unsere Unterrichtsverteilung steht noch nicht, es gibt immer noch Bewegung in der Personalzuweisung: Heute kamen nochmal überraschend fünf Stunden katholische Religion als Gestellungsvertrag hinzu. Ein dringend erwarteter Vertretungsvertrag soll fertig sein, aber noch beim Bezirkspersonalrat auf Zustimmung harren. Bevor aber nicht feststeht, wer alles kommt, wäre jede stundenweise Zuordnung Makulatur. Dennoch scheint es besser zu laufen als im letzten Jahr: Wir sind früher dran und stehen etwas besser da. Wer will da noch meckern?

 

Freitag, 22. Juni 2012:

Es menschelt und knistert konfliktträchtig im Kollegium. Gut, der Termin kurz vor den Ferien mit dem erhöhten Stress durch Zeugnis- und Zeitdruck schafft einen guten Nährboden. Hieß heute für mich: Gespräch an Gespräch gereiht, mit wechselnden Themen und Standorten. Fünfmaliges Anklopfen während einem Gespräch zeigte heute zusätzlichen „Kontaktbedarf“. Ich ließ aber keine Unterbrechung zu. Mein Pausenbrot nahm ich mangels Zeit schließlich wieder mit nach Hause, aber auch das Gefühl, zu einigen Lösungen beigetragen zu haben – in diesem Bereich kann ich heute mit mir zufrieden sein. Andere Eindrücke werden mich noch ins Wochenende begleiten. Belastungsspitzen heißt das, glaube ich, in der Wirtschaft. Diese Woche dürfte sich eher mit dem Begriff „Belastungs-Hochebene“ treffend bezeichnen lassen. Das Viertelfinale der Fußball-EM heute Abend wird mich nochmals, aber ganz anders anspannen und eben genau deshalb auch entspannen.


Donnerstag, 21. Juni 2012:

Seit einigen Wochen bewegt der Film "Nicht alle waren Mörder" die Gemüter zahlreicher Schüler/-innen im 6. Jg. Wieder einmal so ein Zufall: Lerngruppen in Religion und Ethik werden aufgrund der Krankheit von Kolleg/-innen bzw. deren Besuch von Fortbildungen aufgeteilt. Da die Kapazität der von der Aufteilung betroffenen Lehrkräfte nicht in der Lage ist, die Klassen aufzunehmen, wird kurzfristig entschieden, die ca. 70 Schüler/-innen den Film, der thematisch zum Unterrichtsstoff passt, ansehen zu lassen. Ich selbst habe äußerst positive Erfahrungen in meiner ehemaligen Schule gemacht, gerade das Thema Nationalsozialismus nicht mit kognitiv vermittelten Fakten zu vermitteln, sondern einen Einstieg emotional und „über den Bauch“ zu wählen. Nach dem Kennenlernen der jüdischen Feste und dem Besuch des jüdischen Friedhof in Wachenheim ein gekonnter Abschluss der Thematik. Für alle Schüler/-innen aber auch eine besonders eindrückliche Begegnung mit dem Thema "Holocaust". Viele Fragen wirft der Film auf und dennoch: das Unfassbare wird zum Teil besser begreifbar.

Den Abend verbrachte ich in der Deidesheimer Stadthalle bei der Abschlussfeier der neunten und zehnten Klassen der Realschule Plus. Wieder einmal staunte ich über die Fantasie, die Kreativität und das Tanzvermögen der Jugendlichen. Wie oft schon konnte ich mich daran bei Abschlussfeiern erfreuen. Ein Gedanke schlich sich immer wieder in den Vordergrund: Nächstes Jahr sind wir dran. Dann werden Kids aus „meinen“ beiden Schularten ihre Abschlussfeier auf die Bühne bringen. Früh muss ich mich um die Reservierung der Stadthalle kümmern. Da taucht die Frage auf: Wann werden die Neun- und Zehntklässler eigentlich entlassen? Gibt es da nicht genaue Festlegungen? Also werde ich die Bestimmungen für die Realschule durchforsten müssen – ein neues Terrain. Es wird nicht das einzige bleiben…


Mittwoch, 20. Juni 2012:

Die Bücherrückgabe ist erfolgreich abgeschlossen und machte mich sogar mit einer Aussage glücklich: „Wir mussten nur ganz wenige Bücher ausrangieren. Ihre Schüler gehen gut damit um. Da kennen wir ganz andere Schulen.“

Mit dem dritten Tag ging das Auswahlverfahren an unserer Schule zu Ende, ein externes fehlt noch. An diesem kann ich aber aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, schade. Nehme ich das Auswahlverfahren der dritten Stufenleitung hinzu, dann habe ich sechs Tage „an der Seite“ unseres Schulaufsichtsbeamten verbracht. Das ist schön, weil es menschlichen Kontakt in besonderem Maße schafft. Mir war dies immer schon wichtig und deshalb fuhr ich immer wieder nach Neustadt. Die räumliche Nähe ermöglicht diesen Kontakt ohne größeren Aufwand. Personalplanung, wichtige Absprachen und das „Drum herum“ erledige ich ungern am Telefon. Der menschlich unmittelbare Kontakt erleichtert das gemeinsame Arbeiten ungemein. So waren diese Tage noch von einer ganz anderen Seite wichtig und für die Schule ertragreich. In den Pausen und beim gemeinsamen Essen konnte ich ganz viele Punkte nachfragen und klären, direkt und im Gespräch. Das wird nicht messbar, aber spürbar sein und sei es nur, dass wir keine Schulnummer sind, sondern über gemeinsam verbrachte Tage verfügen, die uns einander näher gebracht haben. Raus aus den Rollen und Funktionen – rein ins menschliche Miteinander.

 

Dienstag, 19. Juni 2012:

Eine weitere Schülerin, die nach Weißenburg fahren sollte, erkrankte, ein anderer war zusätzlich verhindert…kurz: Die Fahrt wird nun verschoben und ich werde dieses Mal rechtzeitig die Ersatzpapiere besorgen. Schön, wie sich das gelöst hat.

Noch was löste sich mit Kreativität und Bereitschaft zum Unkonventionellen: Die Bücherrückgabe startete mit nur wenig Verzögerung. Die Verbindung zum Internet wurde mit einem privaten tablet hergestellt, der Drucker wurde noch vom Kreis ausgeliehen, ein Kabel dazu fand ich in unserem „Sammelsurium-Karton“, alles fand dann im Filmsaal statt. Das Wetter ist so, dass die Mittagspause ohne Bedenken draußen stattfinden kann. So muss es sein, viele Hände, viel Bereitschaft zur Lösung, das Ziel ist wichtig in diesem Fall, nicht der Weg. Merci!

Anschließend das zweite Auswahlverfahren, ganztägig, den nächsten Termin überlappend und gerade noch rechtzeitig fertig für den Weg nach Hambach. Dorthin hatte der scheidende Kollege der Realschule Plus geladen. Auch meine „zweite Chefin“ fand sich ein, um den offiziellen Akt zu vollziehen. Die anschließenden Reden führten in ein langes und erfülltes Lehrerleben zurück – die Strecke beeindruckend, die Erlebnisse vielschichtig und heute Abend zum Schmunzeln geeignet. Als sie Gegenwart waren, lösten sie mit Sicherheit andere Emotionen aus. Ich selbst wollte die Liste der Redner nicht verlängern und nahm die Gitarre mit. „Rundadiella“ stimmte ich an, jenes Lied mit italienischem Ursprung, bei dem alle Anwesenden aufgerufen sind, den Text durch spontane Zweizeiler zu ersinnen. Es beginnt mit: „Ist jemand hier im Kreis, Rundadinella, der noch ein Vers‘chen weiß, Rundadinella.“  Fünf derselben hatte ich auf der Fahrt nach Hambach kreiert, um eventuelle Pausen füllen zu können Oft erprobt und spannend, weil es auf den Kreis der Sänger/-innen ankommt. Lassen sie sich darauf ein? Klappt das mit dem Reimen? Wird der eine oder die andere den gereimten Zweizeiler vorsingen? Bisher kamen dabei meistens Stimmung und Lachen auf, weil ganz verschiedene Perspektiven über eine Person zum Ausdruck kamen und die Notwendigkeit des Reims für den Humor sorgte. Ich kannte aber heute die wenigsten, so dass ich ein gerüttelt Maß an Unsicherheit in mir trug. Aber es funktionierte wieder einmal. Ich benötigte nur einen Teil meiner Verse, weil genügend getextet wurden. Ungesungen blieb etwa der Vers: „Wirst dich nicht an freier Zeit berauschen, rundadinela, nur den Rotstift mit dem Rebstock tauschen, rundadinella.“ „Das war mal schön. Gut, dass du nicht auch noch eine Rede gehalten hast!“, so eine Rückmeldung. Keiner kannte das Lied, keiner die Vorgehensweise, keiner wusste, dass ein Zweizeiler schnell gemacht ist – der Überraschungseffekt war auf meiner Seite. Oft ist eben das Einfache die bessere Wahl


Montag, 18. Juni 2012:

So, die Schüler/-innen haben heute ihren Unmut zum „Zersingen“ unserer Lieder im Assembly kundgetan. Die weiteren Treffen werden zeigen, ob diese Mitteilungen von Schülern an Schüler erfolgreich sein werden.

Die Bücherrückgabe für das auslaufende Schuljahr ist gestartet – zunächst nur mit unseren Erinnerungsschreiben. Morgen soll es dann mit dem Kreis richtig losgehen, aber: wir haben in Wachenheim keinen Raum und keine Internet-Verbindung…das wird noch was werden…

Und da kam der Anruf einer Mutter: Das Jugendamt weiß aus „sicherer Quelle“ dass zwei Plätze im entsprechenden Jahrgang frei sind! Aha, da weiß das Jugendamt mehr als der Schulleiter! Unangenehm, wenn ich am Telefon dadurch den Eindruck erwecke, als wolle ich Plätze, die nicht da sind, blockieren. Nachfassen!

Und da waren heute Zeugniskonferenzen zweier Jahrgänge. Da diejenigen meiner Musikklassen versetzt stattfanden, konnte ich in andere hineinschnuppern. Wunderbar! Danke, ihr Lieben, für diese Eindrücke pädagogischer Haltungen, für eure wohlwollende Betreuung und eure warmherzige Unterstützung der uns anempfohlenen Kinder. Ich fühlte mich wohl bei der erneuten Erfahrung, wie intensiv ihr (wir) um jedes einzelne Kind ringen, um das individuell Beste herauszufinden.

Und da ist noch eine Schülerin, die morgen nicht nach Frankreich mitfahren kann. Da sie den Status der Duldung hat, darf sie Deutschland nicht verlassen. Die Bürokratie war zu langsam, um ein eigens für diesen Tag gültiges Ausweisdokument auszustellen. Nimm es nicht so schwer!

 

Freitag, 15. Juni 2012:

Die Spatzen pfeifen es ja inzwischen von Dächern, also notiere ich es nun auch hier: Im letzten Jahr der Realschule Plus werde ich diese als Schulleiter mitführen. Noch immer fehlt zwar das offizielle Schreiben dazu, aber da wir heute die Planung konkret angegangen sind, soll die Geheimniskrämerei  auch hier vorbei sein. Das erste Gespräch bei der Schulaufsicht fand ja schon letztes Jahr statt. Demnach werde ich im kommenden Schuljahr nicht nur ein Schulleiter mit zwei Standorten sein, sondern auch zwei Schularten koordinieren müssen. Mir wurde heute so richtig klar, was das bedeuten wird: Organisatorisch werden wir beide Systeme zusammen werfen, anders geht es ja gar nicht, da wir uns gegenseitig mit Unterrichtsverpflichtungen aushelfen werden. Die Unterrichtsverteilung, der Stunden-, Vertretungs- und Aufsichtsplan liegen also in einer Hand. Dennoch werde ich in ein mir fremdes Terrain eintauchen: Die Einladung zu einer Dienstbesprechung für Schulleiter der Realschulen Plus habe ich schon erhalten. Ich hoffe, dass sich nicht einfach alles „doppelt“ – wie soll ich das denn auch leisten? Zwei Dienstbesprechungen, zwei Referate bei der Schulaufsicht, zwei Elternbeiräte, zwei Personalräte? Wir werden ja keine Verbundschule sein, sondern zwei eigenständige Schulen bleiben. Aber ich will mal jetzt nicht schwarzsehen, es ist ja nur für ein Jahr und es handelt sich im Grunde nur um zwei Zehnerklassen. Einige Schülerinnen kenne ich ja bereits und ich will ein pflichtbewusster und zugänglicher Schulleiter für alle sein, kein Notnagel. Auch in in ihrem letzten Schuljahr sollen die Schüler/-innen das Gefühl haben, dass da ein Schulleiter für sie da ist. Na, dann schauen wir mal…

Was gab es noch heute? Hemmnisse bei einem geschenkten Pavillon, der nicht einfach aufzustellen ist, da muss schon eine Baugenehmigung her! Kontakte mit den neuen Kolleg/-innen aus dem Fünferteam, hier noch dies und da noch das, Kontakt nach Abu Dhabi, Zeugnisvorbereitungen, Klassenraumbesichtigung für die „Neu-Deidesheimer“ – und noch neue Termine für die letzten beiden Wochen. Heute beschlich mich punktuell das Gefühl der Überforderung, der zeitlichen Über-Beanspruchung. Noch einmal war es nur ein kurzes Intermezzo. Möge es das auch bleiben!

 

Donnerstag, 14. Juni 2012:

Herausragend aus dem „Getümmel des Alltags“ war heute das Vierteljahresgespräch mit dem Örtlichen Personalrat. Eine lange Liste von Punkten hatte sich angesammelt. Da wir aber eine gute und atmosphärisch stimmige Ebene der Zusammenarbeit pflegen (Das Landespersonalvertretungsgesetz fordert dies mit dem Begriff „vertrauensvoll“), fanden wir zu allen angesprochenen Unstimmigkeiten (ein wirkliches Problem war für mich nicht dabei) eine Lösung, ein verändertes Vorgehen oder eine Neuerung. Toll und Danke für dieses Gespräch (Hoppla, nicht in der landläufigen, ironischen Konnotation:; „Danke für‘s Gespräch“, ich meine es ernsthaft im Wortsinn). Wirklich viel liegt in meinen Augen am „Forster Netz“, in dem so viel hängen zu bleiben scheint, was an Kommunikation, Information und Kooperation nicht am jeweils anderen Standort ankommt. Dagegen wollen wir mit der Wiedereinführung des Gesamtteams reagieren: Alle zwei Wochen trifft sich das ganze Kollegium zu einer Sitzung, sieht sich, die beiden Standorte nehmen sich wahr, es kann vorher gemeinsam gegessen werden, alle können informieren, organisieren, miteinander reden, witzeln und vor allem können wir uns gemeinsam erleben. Mal schauen, ob sich damit (auch) die Tagesordnung des nächsten Vierteljahresgespräches verkürzen wird, vor allem aber, ob sich die Gesamtstimmung wieder unkomplizierter, wieder unverkrampfter und lockerer gestalten lässt. 

 

Mittwoch, 13. Juni 2012:

Was ist denn gerade los? Ich erhielt heute schon wieder eine Interviewanfrage. Dieses Mal aber nicht per Telefon, ein eigener Termin soll es sein. Da es um den Pfarrbrief geht, stimmte ich gerne zu.

Eigentlich wollte ich ja noch die Neuigkeiten für mich aus dem erwähnten Buch „Neurodidaktik“ notieren. Beim nachträglichen Querlesen der angestrichenen Stellen fiel mir jedoch auf, dass sich auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse die Schulform IGS trefflich auch von dieser Seite herleiten lässt. Dazu brauche ich aber mehr Zeit. Ich nehme es mir für die Sommerferien vor. Bisher antwortete ich immer auf die Frage: „Weshalb stehen Sie hinter der IGS?“ (so etwa im Interview vom November 2009 in der „Brücke“, siehe Presseordner): „Soll ich soziologisch, pädagogisch oder theologisch antworten?“ Die soziologische Antwort geht in die Richtung: Wie die Gesellschaft mit unterschiedlichsten Menschen gebildet wird, so sollen auch alle Kinder in eine Schule gehen und nicht nach Begabungen auf verschiedene Schulen sortiert werden. Die pädagogische lautete in etwa: Es geht um jedes einzelne Kind, das wertgeschätzt im Vordergrund stehen und nach seinen individuellen Gegebenheiten lernen können muss. Und schließlich halte ich die Schulform der IGS als diejenige, welche dem Menschenbild, dem Umgang und dem Anliegen des Jesu von Nazareth im Neuen Testament am nächsten kommt. Bei künftigen Anfragen kommt nun also noch die neurodidaktische Sichtweise hinzu.

 

Dienstag, 12. Juni 2012:

Lange habe ich nichts vom Schulleiter Quiz auf der Homepage gehört. An Rande einer Nachfrage zu der Veranstaltung „Forum Neue Bildung“, deren Abschlussveranstaltung in Wachenheim stattfindet, hörte ich, dass die Straße in Ludwigshafen, in welcher Ernst Bloch geboren wurde, als Lösung nicht weiterführe, obwohl sie stimme. Gleich machte ich mich (nach welcher Zeitspanne?) dran, um dies zu kontrollieren. Das Quiz ist ja nun schon vier Jahre alt, aber ich habe alle Lösungsbegriffe noch parat – und bei mir funktionierten sie. Das Netz und seine Geheimnisse.

Tagsüber suchten fast alle Kolleg/-innen mein Büro auf. Aus Datenschutzgründen versenden wir die Notenlisten nicht mehr per Mail (auch nicht, wenn sie geschützt sind). Alle Wachenheimer Noten mussten auf einem Stick auf meinen Dienstrechner überspielt werden, die ich dann gepackt über die vom Ministerium als sicher eingestufte EPoS (Elektronische Post für Schulleitungen) versandte. Am Standort Deidesheim konnten diese dann geöffnet und in das Zeugnisprogramm eingespielt werden. Machte etwas Mühe, aber sicher ist sicher! Wer will sich schon der Gefahr aussetzen, seine Noten irgendwo lesen zu können, weil sie per ungesichertem Mailverkehr verschickt werden. So ist das eben heute.

Die ersten Versetzungsverfügungen erreichten mich heute bereits schriftlich. Das neue Team steht noch nicht ganz, aber mit den heutigen Schreiben aus Trier geht das Rennen in seine offizielle Runde.

Ein weiteres Anliegen geht ebenfalls in eine neue Runde. Seit dem Start unserer Schule gab es immer wieder Klagen über den Caterer. Die Zahl der mittags bei uns essenden Kindern sank stetig. Heute nun ging ein Einladungsschreiben an alle Familien im Ganztag: Der neue Caterer ist verpflichtet (Das ist Sache des Schulträgers, nicht der Schule!). Er will sich natürlich mit einem Probeessen vorstellen und einführen. Ich wünsche mir so sehr, dass dieser Punkt nun zur Ruhe kommt und das Essen mehr Kindern schmeckt als das bisherige. Mich stört der Gedanke, dass immer weniger Kinder die Möglichkeit eines warmen Mittagessens wahrnehmen wollten. Für mich gehört das zum Ganztagesbetrieb einfach dazu. Schauen wir mal hoffnungsvoll der neuen Lösung entgegen.

 

Montag, 11. Juni 2012:

Noch bevor ich in meine erste Musikstunde ging, begrüßte ich eine Delegation der Grundschule in Kallstadt. Die Kinder, die zu uns kommen werden, wollten unbedingt ihre neue Schule kennen lernen, zumal einige einen sonderpädagogischen Förderbedarf mitbringen. Finde ich eine gute Idee, die Kinder zunächst einzuladen, das Gebäude im normalen Alltag zu erleben und dann in den jetzigen fünften Klassen in Begleitung ihrer bekannten Lehrkräfte hospitieren zu können. Das erleichtert den Übergang zu uns und kann die Angst vor dem Unbekannten mildern.

Aber dieser Montag hatte noch andere Überraschungen für mich parat. Dass ich für ein Telefoninterview angefragt wurde – das hat es schon gegeben. Neu war heute, dass es gleich zweimal zutraf zu unterschiedlichen Themen. Das eine plätscherte richtig aus mir heraus. Die Frage war: „Was halten Sie von der neuen Verwaltungsvorschrift, die in Arbeit ist? Sie soll ja die Zahl der Klassenarbeiten in jedem Fach auf vier beschränken.“ Na, dazu hatte ich sicher mehr zu sagen, als in dem Zeitungstext stehen wird. Natürlich finde ich diesen Ansatz begrüßenswert. Er eröffnet uns Lehrkräften doch viel mehr Spielraum, den Unterricht nicht nur von Klassenarbeit zu Klassenarbeit zu gestalten. Freiere Themen und Arbeitsweisen erhalten mehr Raum, mehr Möglichkeiten und ich behaupte: mehr Tiefgang. Und noch zwei Besonderheiten hatte dieser Montag in der Überraschungstüte: Ein Anruf aus Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (ich habe eigens nachgeschaut). Ein dort arbeitendes Lehrerehepaar kehrt zurück in die Pfalz und sucht für eine Arbeitsstelle. Und mich erreichte noch eine Mail aus Honkong. Wiederum heimkehrende Eltern suchen einen Schulplatz für ihre beiden Kinder. Beide Anliegen werden schwer oder nur mit dem Kollegen "Zufall" zu erfüllen sein.

Und noch eine erwähnenswerte Besonderheit dieses Montages: Eine Schülergruppe aus dem WPF-Französisch hatte die Einladung zur Preisverleihung im Fremdsprachenwettbewerb nach Mainz erhalten. Heute nun erhielten wir also bei diesem Bundeswettbewerb den dritten Platz des Landes Rheinland-Pfalz. Klasse! Mein Glückwunsch ist euch sicher. Wieder einmal bin ich stolz auf unsere Schüler/-innen, natürlich in Verbindung mit den Lehrkräften!

 

Mittwoch, 06. Juni 2012:

Das musste nach dem gestrigen Tag irgendwie kommen, damit ich die Arbeit realistisch einschätze und nicht im Schwelgen abhebe. Drei Gespräche standen heute an, die letztlich ein Hauptnenner vereint: Was bei uns nicht gut läuft. Alle drei erfordern Nacharbeit meinerseits. Wenn ich mir das restliche Schuljahr in meinem Terminkalender so anschaue…ein nicht gerade geeigneter Zeitpunkt für zusätzliche Notwendigkeiten. Ein ganz dicker Brocken darin hat heute begonnen: Das Auswahlverfahren für die Stelle der Didaktischen Leitung. Da sind Unterrichtsbesuche und Dienstliche Beurteilungen vonnöten und die Tage, an denen die Bewerber/-innen in der Beurteilung eines Fremdunterrichts, in einer Dienstbesprechung und in einem Kolloquium ihre Fähigkeiten unter Beobachtung zeigen müssen/können. Bei allem werde ich mit viel Zeiteinsatz dabei sein. Heute also der Start bis in den Nachmittag hinein – gemessen an der Bedeutung dieser Funktionsstelle und bei den Auswirkungen für die ganze Schule auf Jahre hinaus natürlich ein kleiner Einsatz. Hinzu kommt, ich kann es nicht verhehlen, auch ein gerüttelt Maß an Wohlbefinden, wenn hochkonzentriert, gut vorbereitet und unter Leitung der Schulaufsicht Menschen ihr Bestes für die Schule zeigen wollen. Eine weitere Freude ist die Beteiligung vieler Kolleg/-innen unserer Schule, die ich auf diese Weise in Konferenzen wieder neu erleben werde. Das wird sich auch noch bis zu den Sommerferien „hinziehen“ – von einem ruhig zu Ende gehenden Schuljahr wird also auch bei mir nicht die Rede sein können, denn weitere Punkte sind: Zeugniszeit, neues Team, Verabschiedungen, Caterer-Wechsel in Wachenheim, Weichen stellen für das letzte Jahr der Realschule Plus und dies und das. Da werde ich schon mal einiges in die nächsten vier freien Tage legen müssen.  

 

Dienstag, 05. Juni 2012:

Es ist soweit: das Projekt 1stClassRock kann starten. Die Frank-Lyden-Stiftung hat unserem Antrag entsprochen und wird das Unternehmen finanzieren. Der größte Brocken wird ein zinsloses Darlehen sein, um Leihinstrumente mit Versicherungen etc. vorzufinanzieren, ein weiterer Betrag wird uns sogar als einmaliger Zuschuss gewährt. Selten hat mich ein Schreiben so erfreut.

Was 1stClassRock ist, bin ich noch schuldig. In den letzten Jahren entwickelte sich das Projekt als ein alternatives Konzept zu den Bläser- oder Streicherklassen, die sich an vielen Schulen inzwischen etabliert haben. Hauptanliegen des 1stCR (Ich führe diese Abkürzung jetzt ein) ist das recht zügig beginnende Spielen in einer Band, weil es auf dem Spaß, der Freude und der Erfahrung gemeinsamen Musizierens von Anfang an beruht. Konkret sieht das so aus, dass Teilnehmer/-innen ein Instrument erlernen (E-Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug), aber nicht warten müssen, bis das Instrument erlernt ist, sondern gleich, wenn auch nur mit rudimentären Kenntnissen, ins Bandspiel einsteigen werden. Wenn ich mir überlege, wie lange etwa ein Schlagzeuger benötigt, das Instrument zu erlernen, bis er eventuell eine Band findet, in der er spielen kann, dann wird deutlich: Schlagzeuger bei 1stCR erhalten diese Möglichkeit durch Vorhandensein der anderen Instrumente, gleich von Anfang an. Das Konzept sieht so aus, dass sich mit einem geliehenen Instrumentarium im zweiwöchentlichen Rhythmus das Erlernen des Instruments mit dem gemeinsamen Musizieren abwechselt. Gemeinsames Ensemblespiel von Beginn an steht im Vordergrund, in die Musik hineinwachsen durch Erfahrung des Miteinander-Musizierens. Durch einen monatlichen Beitrag von ca. zehn Euro für (Leihgebühr, Versicherung und Instrumentallehrer) refinanziert sich das Projekt innerhalb von vier Jahren. Wir wollen (und können nun dank der Frank-Lyden-Stiftung) im Jahrgang Wilma Worschtkordel damit starten. Es fanden sich ja bereits ausreichend Interessenten am Elternabend, so dass die IGS DeiWa ab dem kommenden Jahr an einem Nachmittag innerhalb des Ganztagsbetriebs zu rocken beginnt. Wieder die wunderbare Erfahrung, was alles möglich ist, wenn einige Punkte zusammen kommen: beherzte und mit Visionen durchdrungene Menschen, erfolgreiche Kontakte, eine gute Idee und ein bisschen Glück. Das kann, ich spüre es in mir, eine ganz tolle Bereicherung werden. Auf geht’s!

Ebenfalls fruchtbar war heute ein Gespräch mit dem für uns zuständigen Ganztagsberater. Auch hier entwickelten sich durch kompetente und Erfahrung angereicherte Hinweise neue Ideen und Möglichkeiten der Gestaltung und Finanzierung, die wir angehen wollen. Noch gar keine Zeit hatte ich für eine Mail des Foto- und Filmmuseums, die mich heute erreichte. Es ist die schriftliche Zusammenfassung unseres Treffens. Auch hier ist die Frank-Lyden-Stiftung unterstützend tätig, so dass wir weiterarbeiten und in die Konkretisierung eintreten können. Abends tagte noch der Vorstand des Fördervereins. Erster Schritt der Umsetzung im Ganztagsbetrieb kann mit Unterstützung des Vereins angegangen werden. Auf der Tagesordnung stand weiter die Planung der kommenden Aktionen: Integrationstage Wilma Worschtkordel, Weinstraßentag 2012, Tag der offenen Tür…Abschließend also wieder so ein Tag, den ich voller, ergebnisreicher und motivierender nicht hätte planen können.

 

Montag, 04. Juni 2012:

Nein, so will ich das Fünfer-Assembly nicht „verkommen“ lassen. Einige verkehren die Liedtexte ins Gegenteil oder verunstalten sie mit ähnlich klingenden Reimen. Zwar weiß ich seit einem Proseminar im Studium zu Kinderreimen, dass sich in der Lust, neue Reime zu bilden, ungestümes, echtes, ungefiltertes Lyrikerleben verbirgt. Ich selbst habe das als Jugendlicher praktiziert und weiß um die Freude daran. Dennoch will ich hier Einhalt gebieten, weil der Rahmen ein anderer ist. Wie bei allem soll zunächst das atmosphärische Original verinnerlicht und erlebt werden. Erst dann bin ich bereit, an anderem Ort Parodien zuzulassen. Ich hatte das vor Jahren schon mal in einer Einheit über Märchen vertreten. Wenn mit dem Original nicht ausreichend Sinn gestiftet ist, verliert die Parodie fast die gesamte befreiende Wirkung. Also zuerst die Märchen als Textsorte verinnerlichen und erleben und dann erst Märchenparodien verfassen lassen. Ansonsten verliere ich doch gleich zwei Textsorten. Beim anschließenden Gespräch in meinen Fünfer-Musikklassen äußerten sich auch viele, vor allem Mädchen, betroffen aber hilflos darüber. Wir vereinbarten, dass aus jeder Klasse fünf Schüler/-innen vor dem nächsten Assembly ihrem Unmut Luft verleihen und dazu aufrufen, die Liedtexte nicht zur angeblichen Freude zu verfälschen. Eine Klasse schlug auch drakonische Strafen vor, vom Abschreiben ganzer Liedblätter bis zum Verweis war alles dabei. Das kann ich mir wiederum nicht vorstellen. Nicht Druck oder Strafvermeidung soll das Verhalten ändern, sondern der Aufruf von Mitschüler/-innen, die sich das Singen nicht vermiesen lassen wollen. Mal sehen, wie das dann wirken wird.

Und plötzlich klingelt das Handy in Musik (Ich will auch dort erreichbar sein). Unser Schulaufsichtsbeamter wollte natürlich nicht im Unterricht stören, für mich und die Klassen war das aber kein Problem. Die Kinder wissen, dass in meinem Fall nicht meine Mutter kommen muss, um mein Handy abzuholen. Da fallen dann auch schon mal humorvolle Sätze: „Her mit dem Handy, ich bringe es sofort zum Schulleiter!“ Gleich nach dem Unterricht erfuhr ich dann beim Rückruf, dass sich plötzliches Licht in der Dunkelheit der Personalplanung für das neue Schuljahr eingestellt hat. Eine ganze Reihe von Versetzungen kündigt sich da an. Ab jetzt können wir also konkreter in die Planung einsteigen – Konturen des Teams Wilma Worschtkordel zeichnen sich ab.

Später hatte ich noch zum Infoabend zum Differenzierungskonzept und zu den Abschlüssen die Eltern des sechsten Jahrgangs eingeladen. Seit der letzten Gesamtkonferenz steht nun die Differenzierung bis Klasse 10. Da sollten die jetzt betroffenen Eltern auch informiert in die Differenzierungsphase ab Klasse sieben gehen. Verständnisvoll fragende und uns vertrauende Eltern erlebte ich an diesem Abend. Es tut einfach immer wieder gut, auf eine solche Wertschätzung unserer Arbeit zu stoßen, nicht auf eine distanziert kritische, sondern auf eine unterstützende Grundhaltung. Ich empfinde dies ebenfalls als ein Qualitätsmerkmal unserer Schulgemeinschaft und sagt ganz viel über die Elternarbeit unseres Kollegiums aus.

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