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Juni bis Aug 09

 

Montag, 31. August 2009:

Soll ich schon wieder von bewegenden Momenten schreiben? Schon wieder notieren, wie toll Schule sein kann? Erneut von der Bereicherung durch die Kinder? Warum eigentlich nicht, es war ja so. Wir feierten heute Morgen mit beiden Jahrgängen in der Edith-Stein-Kirche einen Gottesdienst zum Schuljahresanfang. Religions- und Ethikgruppen hatten ihn zum Thema Glaube-Hoffnung-Liebe vorbereitet. Bis Freitag dachte ich noch: Welch sperriges Thema, eher geeignet für eine Hauptseminararbeit an der Uni. Doch ich hatte die Schülerinnen und Schüler wieder einmal unterschätzt. Sie konnten die drei Begriffe sehr wohl in ihr eigenes (Schul-) Leben transferieren. Mir ist eine ruhige, besinnliche, gerne auch spirituelle Atmosphäre bei solchen Anlässen sehr wichtig und ich war angetan, wie ruhig die immerhin 230 Kinder während des Gitarrenspiels wurden, wie sehr sie den Raum für sich einnahmen und nach geräuschvollen Minuten sich auf die Stille einließen. Ich habe das immer wieder erleben dürfen und kann daher den Liedtitel aus dem Schulleiterquiz so richtig nachempfinden: "Gefährtin Gitarre". Nicht die tosende Orgel beim "Großer Gott wir loben dich" (obwohl auch sie ihre Berechtigung hat), nein, das zarte Schwingen der sechs Saiten hat einmal mehr Stille einkehren lassen. Schön auch die musikalische Begleitung einer Schüler/Frauen-Gruppe, die sich während der Ferien (!) zur Vorbereitung getroffen hatten. Auch die Solostücke der Altflöte, der Klarinette, auch des Keyboards, die unsere Texte meditativ gliederten - und immer wieder die sich darauf einlassenden 230 Kinder. Der Höhepunkt dann die irischen Segenswünsche in Deutsch und Englisch so authentisch vorgetragen, dass sich der große Raum der Kirche zu diesem Moment hin zu verdichten schien. Wen wundert es, dass sich hier die Anspannung durch spontanen Beifall Luft machte. Glückliche Momente für dich mich herzlich bedanke.

Ganz profan dagegen ein Satz zu meiner persönlichen Wahlnachlese. Viele Begriffe, weniger intelligente Worte und eine große Anzahl von Phrasen hörte ich gestern und heute bezüglich der drei Landtagswahlen. Mir fiel aber auf, und nur deswegen ist es hier erwähnenswert, dass ich noch nie so oft vom "Länger gemeinsam lernen" von so vielen Seiten gehört habe. Mit den neuen IGSen, die letzte Woche an den Start gingen und zehn zusätzlichen im nächsten Jahr werden wir in Rheinland-Pfalz dann 35 haben. Als ich begann, waren es sechs! Gut Ding will Weile haben.

 

Freitag, 28. August 2009:

Die erste Woche ist um und sie verlief erfolgreich. Heute beim Abschlussgrillen auf dem TUS-Gelände sprachen mich immer wieder Eltern an, dass diese Tage der Integration gut geplant und noch besser verlaufen wären. "Wenn eine Schule sich so viel Zeit nimmt, die Kinder an die neue Schule zu gewöhnen, dann zeigt das, dass ihnen die Kinder wichtig sind! Da schicke ich meine Tochter doch gerne hin", so eine Mutter heute Mittag. "Kompliment, wie Sie die ersten Tage gestaltet haben. Da ist schon soviel gelaufen, von dem die Kinder noch lange was haben werden.", so ein Vater. Und eine Kollegin sagte: "Toll, ich habe schon mit so vielen Kindern die Tage über gesprochen, dass ich schon alle Namen aus meiner Klasse kenne." Schön, solche Rückmeldungen zu bekommen und schön, dass wir säen konnten, was später noch aufgehen wird.

Dennoch: Mein Bild des Tages ist eines aus dem sechsten Jahrgang. Im Assembly hatten wir nochmal auf das Händewaschen angesichts der neuen Grippe hingewiesen und einen kurzen Film darüber gezeigt. Ständig, im und außerhalb des Unterrichts sah ich anschließend Kinder, die sich penibel einschäumend die Hände wuschen.

 

Dienstag, 25. August 2009:

Wenn der Schulleiter eine Krawatte trägt, ist es ein besonderer Tag - wie wahr. Einen Teil hatte ich seit dem 4. August des letzten Jahres als Wunsch vor Augen. Damals stand der ganze Jahrgang zum Abschluss der Eröffnungsfeier auf der Bühne und ich sah, dass für einen zweiten Jahrgang Platz sein müsste. Und heute nun war es soweit: Zum letzten Mal konnte sich die gesamte IGS Deidesheim/Wachenheim auf der Bühne der Stadthalle versammeln - ich genoss es in vollen Zügen! Wir hatten einiges geplant für die neuen Fünfer des Jahrgangs Konrad Korken: drei Vorführungen der Sechser, Team-Korken-Tanz-Lied, unseren Kanon, Vorstellung der Stufenleitung und des Teams, Luftballonwettbewerb und doch: Das Schönste, das ich heute empfand, eben das war nicht zu planen und es ereignete sich dennoch. Und zwar die offene Herzlichkeit, die fröhliche Neugier, mit der der sechste Jahrgang die neuen Schülerinnen und Schüler begrüßte. Das war toll und hat mich tief berührt. Da waren in ganz kurzer Zeit zwei Jahrgänge zu einer Schule verschmolzen. Auch die vielen, oft nur kurzen Gespräche mit den Eltern, als alle Schüler/innen in der Schule waren, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die Bereitschaft und das Geschick des Freundeskreises im Hintergrund, die jetzt schon absehbare Unterstützung der neuen Eltern...wahrlich, ein besonderer Tag, denn er nährte die Hoffnung, dass das vergangene Jahr keine Eintagsfliege war und das macht mich glücklich.

Als die Luftballons längst gen Himmel entschwunden waren und der Applaus verklungen, kamen vier Schüler/innen auf dem Sandplatz auf mich zu, gaben mir die Hand, und verabschiedeten sich! Ein Mädchen sagte mir dabei: "Ich freue mich, an dieser Schule zu sein. Hat echt Spaß gemacht heute!" Die Krawatte hängt schon wieder im Schrank, die Eindrücke von heute werde ich weiter tragen.

 

Montag, 24. August 2009:

Ach, war das schön: Um kurz vor halb acht kamen die ersten Schülerinnen und Schüler aus den Ferien. Von weitem riefen sie mir strahlend und winkend zu: "Guten Morgen, Herr Dumont", kamen näher, fragten nach meinen Ferien, waren einfach fröhlich. Beim gemeinsamen Beginn um acht im FIlmsaal erklang der Kanon "Jeder kann was prima machen." so, als hätte es nie ein anderes Lied gegeben. Klar wurde viel erzählt, das Ruhigwerden brauchte seine Zeit, aber es war von der ersten Minute ein Gemeischaftsgefühl im Raum spürbar, ja, wir gehören zusammen, wir haben ein Jahr gemeinsam eine Schule aufgebaut, schön, dass wir uns wiedersehen. Später ging ich einmal durch den Flur, einige Klassenzimmertüren standen offen, drinnen Besprechungen, Stimmengewirr, vertrautes Grummeln, auch mal lauter - Schule hat begonnen.

Der Flur der neuen Fünfer war immer noch mit Möbeln zugestellt. Flinke Hände, schwitzende Lehrer, schräg auf dem Sackkarren hängende Schränke, mittags noch schnell den Diffraum eingeräumt, dazwischen schneiden, kopieren, heften, Korken basteln, Ablauf besprechen, Lied und Tanz üben - Ihr Konrad Korkens, alles ist bereit!

Zwei Verbeamtungen vornehmen, diese Frage da beantworten, jenes Problem dort lösen, Telefonate mit Mainz, Trier...erste Schultage sind immer heftig, zuviele Inhalte stoßen in viel zu kurzer Zeit aufeinander. Aber: das ist Leben, das ist Schule und: letzten Endes macht es Spaß.

 

Freitag, 21. August 2009:

Erste Dienstbesprechung mit dem neuen Kollegium, wupp! Da warens auf einmal über zwanzig! Und aus einem Team wurden drei - das Schulleitungsteam hat heute seine Arbeitsverteilung vorgestellt, neudeutsch: ein Organigramm! Spüre ich auch große Erleichterung ob der Arbeit, die wir nun aufgeteilt haben, muss ich mich doch erst daran gewöhnen, dass heute im Anschluss an die Dienstbesprechung zwei Teamsitzungen stattfanden, deren Inhalt, Verlauf und vor allem Stimmung ich nicht mitbekommen habe. Dafür Gespräche mit der VG, dem Architekten und...und... Diese Unruhe in mir sollte sich legen, denn dieser Umstand wird sich ab heute zunehmend steigern und mit jedem neuen Jahrgang werde ich weniger unmittelbar spüren.

Vier Themen haben wir uns vorgenommen, die für das neue Schuljahr direkt oder in dessen Verlauf anstehen: Eine noch zu bildende Konzeptgruppe aus Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern wird sich dem Thema Differenzierung ab Klasse sieben widmen, im April wollen wir darüber fundiert entscheiden. Eine Arbeitsgruppe wird sich gleich nächste Woche treffen und den Weg zur inklusiven Schule betreuen, interessierte Kolleg/innen durchleuchten das doppelstündige Fach Projekt und die Ganztagesschule soll ein runder laufendes Konzept erhalten. Da haben wir uns gleich zu Beginn einen Packen aufgeladen, aber mein Gefühl bei der DB war so positiv, dass wir das schaffen. Das meinte ich ja eben, ich spürte dies während der Sitzung und solche Hinweise waren mir bisher immer eine wichtige Quelle und Inspiration. Mal sehen, woher ich diese nun bekomme. Zum Abschluss traf sich das Kollegium bei uns im Garten zum Schuljahresanfangsgrillen. Auch dies ein schönes, ja fast schon Ritual, immer schön gewesen und immer wichtig.

So, ihr Lieben alle: Am Montag geht's dann wieder los. Liebe Schülerinnen und Schüler, ich wünsche euch viel Freude im neuen Schuljahr, Lernen werdet ihr sicher wie von alleine. Liebe Trixi Traubes, euch wünsche ich, dass ihr die verdoppelte Schule gut aufnehmt und euer "Solo-Sein" des ersten Jahres nicht vermissen werdet. Liebe Konrad Korkens, euch wünsche ich ab Dienstag zunächst einmal Lockerheit für die größere neue Schule. Alles andere schaffen wir dann zusammen. Liebe Eltern, auch eure Zahl hat sich verdoppelt. Lasst uns weiter so gut zusammen arbeiten und einander vertrauen zum Wohle der Kinder. Und liebes Kollegium, guten Start auch euch. Werdet nicht müde im Ansinnen, eine gute Schule aufzubauen. Ich wünsche dazu die Kraft, die Freude und den gemeinsamen Geist, der uns diesem Ziel näher bringt. Also dann: An die Arbeit! Und für alle nochmal: Ein Tag ohne herzhaftes Lachen ist ein verlorener Tag!

 

Mittwoch, 19. August 2009:

Nun hakt es doch hinten und vorne, hier und da. Dabei sind es im Grunde Kleinigkeiten, die aber den ganzen Betrieb aufhalten: Es geht um eine Steckdose, etwa 1,5 qm Teppichboden und zwei Zentimeter Bodenausgleich. Die Böden sind also nicht fertig, dafür kamen die Möbel heute. Leider stehem sie jetzt im Flur. Gut, wir sparen Geld, weil die Montage nicht gemacht werden konnte. Nur: Wer erledigt sie jetzt? Und wann? Deswegen kann auch die jährliche Grundreinigung nicht abgeschlossen werden. Mein altes Büro, nein, nur dessen Inhalt, steht immer noch verpackt im Technikraum. Die Dienstbesprechung jedenfalls kann wohl nicht im neuen Differenzierungsraum stattfinden und das Konrad-Korken-Team hat auch keinen fertigen Teamraum. Und doch ist das ja irgendwie zweitrangig, die Stimmung ist bei allen, die schon gesehen habe, gut.

 

Freitag, 14. August 2009:

Neues aus der Baustelle UG gibt es nicht, die Bodenleger kommen erst am Montag. Dafür wird in unserem "Dreierbüro" und im Sekretariat fleißig gestrichen. Sieht gut aus. Eben habe ich auch die EInladung für die Dienstbesprechung an das Kollegium verschickt - so langsam wird es ernst mit unserem zweiten Schuljahr IGS. Gestern traf sich zum ersten Mal die Schulleitungsrunde bestehnd aus Stufen-, Organisations- und Schulleitung. Für die "einsame" Schulter des ersten Jahres ein Balsam - oh wie wohl ist's mir im Team!

 

Mittwoch, 12. August 2009:

Oh Mann, wer heute die Schule gesehen hätte, wird nicht glauben, dass es in nicht mal mehr zwei Wochen wieder losgeht. Das sieht noch nach soviel Arbeit aus. Aber vom vergangenen Jahr weiß ich, dass es klappen wird, weil viele Hände daran arbeiten. Und im Terminplan sind wir gar nicht säumig. Witzig fand ich einen mit Schildchen geschmückten Ast. Er wurde an der Decke im Raum der betreuenden Grundschule befestigt und...hängt immer noch dort. Die ganzen Abriss-, Umbau- und Malerarbeiten hat er unbeschadet überstanden. Ein bisschen erinnerte er mich an meine gestern erwähnten "eingefahrenen Denkstrukturen": Da wird drum herum alles neu und irgendwo, heimlich, still und leise, lebt das Alte unbemerkt fort.

 

Montag, 10. August 2009:

Das zweite angekündigte Ferienthema soolte ja die Ganztagsschule beinhalten. Gestern habe ich dazu die Lektüre begonnen und bin gleich auf zwei bekannte Auffassungen gestoßen: Eine Ganztagsschule ist mehr als die Erweiterung schulischen Geschehens auf den Nachmittag. Auch hier gilt es, einen ökosystemischen Ansatz umzusetzen, sprich das Umfeld und die jeweiligen Lebensumstände der Schüler/innen mit in den pädagogischen Blick zu nehme, um ganzheitlich Lernen und Schule gestalten zu können. Aus meiner Sicht waren wir (aus vielerlei wichtigen Gründen, die alle ihre Berechtigung haben) zu sehr darauf bedacht: Wie können wir den Nachmittag gestalten. Das führte dazu, dass sich eine Trennung eingespielt hat zwischen dem Vor- und dem Nachmittag - gerade also das, was Ganztagsschule ja nicht meint. Hier tut sich ein weiteres, großes und wichtiges Arbeitsfeld auf.

Als ehemaliger Lehrer an der verpflichtenden Ganztagsschule IGS Ernst-Bloch in Oggersheim war für mich immer diese Form die tiefer greifende, bessere und anzustrebende. Heute Morgen nun stimmte mich der Satz nachdenklich: Es geht nicht um eine offene oder verpflichtende Form der Ganztagsschule sondern um eine kindgerechte. Logisch und dennoch ertappte ich mich wieder bei den vorgeprägten Denkstrukturen, auf die ich mal wieder nur von außen gestoßen wurde. Also, mein lieber Georg, mache dich auf und denke neu!

 

Freitag, 07. August 2009:

So, das Handbuch der Integrationspädagogik ist durchgearbeitet - ein kurzes Fazit ist angesagt. Der umfassendste Begriff von Behinderung stammt von einem Professor der Universität des Saarlandes, Alfred Sander,  (bei dem ich vor, na, wie lange ist das her, 30 Jahre?) ein Seminar  im erziehungswissenschaftlichen Begleitstudium zum Thema Sonderpädagogik besucht habe. So schließt sich wieder einmal ein Kreis. Seine Definition lehnt sich an die Vorgaben der WHO an und überwindet den medizinisch-defektorientierten Ansatz: "Behinderung liegt vor, wenn ein Mensch mit einer Schädigung oder Leistungsminderung ungenügend in sein vielschichtiges Mensch-Umfeld-System integriert ist." (Handbuch, S. 107). Dieser "ökosystemischer Behinderungsbegriff" setzt eben nicht nur bei einer Festschreibung an, die zum Anlass für Aussonderung verwendet wird, sondern erweitert das Blickfeld in das Leben hinein. Dieser Blick und die dadurch ableitbaren konkreten Handlungen können herbeiführen, dass ein Mensch weniger behindert ist! Kann ein Kind die Regelschule seines Ortes besuchen, ist ein entscheidendes Hindernis von Behinderung genommen, der Besuch einer Förderschule prägt festsetzend das weitere Leben. Auf das bauliche Umfeld bezogen etwa kann dies auch ein Aufzug sein, der den Besuch der Regelschule ermöglicht, auf das gemeinsame Leben und Lernen bezogen differenzierter und zieldifferenter Unterricht. Es geht nicht mehr darum zu sehen, ist dieses Kind ist schulgerecht, sondern welche Schule ist kindrecht. (Mir fiel an dieser Stelle ein: Wir gelten baulich als barrierefreie Schule. Wo können/müssen wir als Schulgemeinschaft ansetzen, um auch in den Köpfen und Herzen barrierefrei zu sein/werden?).

Eines der letzten Kapitel fasst die seit etwa 30 Jahren stattfindende wissenschaftliche Forschung zum Thema inklusive Schule zusammen. Als Quintessenz einige Schlaglichter: Gemeinsamer Unterricht von beeinträchtigten und nicht-beeinträchtigten Kindern...

... führt nicht zur Nivellierung der Leistungen nach unten;

...führt bei beeinträchtigten Kindern zu höheren Schulabschlüssen als an isolierten Förderschulen;

...führt zu mehr Schulzufriedenheit auf Seiten von Schülern und Lehrkräften;

... führt zu einem signifikant besseren Klassenklima;

... führt dann zu erfolgreicheren Ergebnissen, wenn die außen-differenzierende Gruppenarbeit gering bleibt und soviel Zeit wie möglich in der Klasse gelernt wird;

... ist unterm Strich nicht teurer als das in 10 (!) Bereiche gegliederte Förderschulwesen;

... führt nachweislich zu einer höheren Akzeptanz von Anders sein;

... verstärkt eine demokratische Sozialisation und hat damit unmittelbare Auswirkung auf eine sich demokratisch definierende Gesellschaft.

Wohlan denn: Machen wir uns auf den Weg!

 

Mittwoch, 05. August 2009:

Aktuelles von der Baustelle: Die Maler waren schon da, die Ecken um die Nasseinheiten sind gefliest, die Schlauche zum Trockenlegen sind weg, die Klassenräume im OG sind für die Grundreinigung bereits ausgeräumt.

 

Dienstag, 04. August 2009:

Von der Planungsgruppe bereits beantragt, für das erste Jahr auf Anfrage der VG Wachenheim verschoben, in der Trägervereinigung im März von mir noch mal angeregt und nun steht es überraschend in der Zeitung: Die IGS Deidesheim/Wachenheim erhält im Zuge des Ausbaus von Schulsozialarbeit des Ministeriums eine halbe Stelle für Schulsozialarbeit auf Antrag des Kreises. Verschlungene Wege mit erfolgreichem Ziel. Ein Lob an einen solch weitsichtigen Schulträger, der die Gelegenheit beim Schopfe packt. Merci! Da mit wird sich das Team der IGS weiter vergrößern: Neben den acht Tutoren, einer Förderlehrerin, einer pädagogischen Fachkraft nun noch ein/e Schulsozialarbeier/in. Aus steht noch, ob wir für den Ganztagesbetrieb eine Stelle im Freiwilligen Sozialen Jahr besetzen können. Das lässt doch optimistisch ins neue Schuljahr blicken.

 

Samstag, 01. August 2009:

Willkommen neues Schuljahr! Schon unser zweites, das just heute beginnt und keiner ist in der Schule. Doch es passieren so manche Dinge außerhalb. Da gab es einen Realschulkonrektor, dem es in der oft geschilderten Hektik des endenden Schuljahres weder gedanklich noch zeitlich vorstellbar war, seine Beförderung irgendwie besonders zu begehen. Also machte er sich Ende Juni auf nach Neustadt, ließ sich die offizielle Urkunde aushändigen und kehrte flux zur Schule zurück. Keiner hat's gemerkt und nur einer hat's gewusst. Die Wirkung tritt nun ein: Er darf sich mit heutigem Datum Direktorstellvertreter nennen, ein Durchgangstitel nur. Vor einigen Jahren las ich, dass die Aborigines keine Geburtstage feiern. Ihnen war dieses eher zufällige und ohne persönliches Mitwirken zustande gekommene Datum nicht wichtig genug. Wenn aber einer glaubte, in seiner Entwicklung einen wichtigen Schritt gemacht zu haben, dann rief er den Clan zusammen und dann feierten sie. Wenn wir bis zum gleichen Termin nächstes Jahr auf dem Weg zu einer inklusiven Schule voran gekommen sind, wenn wir den Ganztagesbetrieb besser hinbekommen haben und wenn wir eine gute Lösung für die Fachleistungsdifferenzierung beschlossen haben, dann sind wir in meinen Augen einen guten Schritt weiter und dann haben wir auch einen gelungenen Anlass zu feiern. Noch ein Gedanke aus der Völkerkunde: Bei manchen nordamerikanischen Indianern konnte nur der Schamane sein, der vom Stamm als solches benannt und wer in diesem Amt respektiert wurde. Will sagen: Die eigentliche Beförderung meine ich von Seiten der Schülerschaft beim besinnlichen Jahresschluss erhalten zu haben.

 

Freitag, 31. Juli 2009:

"Wenn Vielfalt Normalität ist, brauchen wir keine scheinbare Homogenität anzustreben und damit bestimmte Menschen als normabweichend auszusondern." Ein wuchtiger Satz aus dem Handbuch, das ich immer noch nicht ganz durchhabe, aber ich bin auf dem Weg! Dass jedes Kind lernfähig ist, erlebe ich gerade besonders intensiv an unserem Dreijährigen. Übrigens ein Alter, das immer wieder als Kriterium angegeben wird: "Geistig ist er auf dem Stand eines Dreijährigen!" Und? Er lernt täglich eine Unmenge, Vierwortsätze sind kein Problem mehr, dafür hapert es mit den Konsonantenpaarungen und dem "s". Aber das wird schon. Und allein der Gedanke ihn aussondern zu müssen, macht mich wütend. Wie sehr das Herablassende, das Nicht-für-voll-nehmende sich einschleicht, kann man schon sprachlich feststellen. Dass die ehemalige Hilfsschule in Sonderschule umbenannt wurde, schien ja schon ein Fortschritt. Heute spricht auch niemand mehr von einem/r Sonderschüler/in. Politisch korrekt ist ein sonderpädagogischer Förderbedarf angesagt. Hinter dem Wort Bedarf versteckt sich aber ein Dritter, der diesen scheinbar objektiv festlegt und den/die jeweilige Schüler/in damit zum Objekt einer Feststellung macht. Treffender und im Sinne der Integrationspädagogik ist der Begriff Förderbedürfnis. Hierbei wird das Kind zum handelnden Subjekt, weil es um seine Bedürfnisse geht und nicht um einen allgemein festgestellten Bedarf. Neu war für mich auch die Fragwürdigkeit der einzelnen Gutachten, die ich bisher als wissenschaftlich abgesichert angesehen habe. Auch dies scheint nicht so zu sein und unterschiedliche Gutachter kommen durchaus zu anderen Ergebnissen. Hmm, dann handelt es sich ja eher um Schlecht-Achten. Fakt ist aber die Tragweite eines solchen, denn mit ihm ist der Weg in die Förderschule geebnet, der kaum revidierbar ist. Heute nun habe ich gelesen, dass es die verschiedensten und damit keine Definition von Lernbehinderung gibt. Aber diese wird doch immer wieder Kindern bescheinigt! Also, da ist bei genauerem Hinsehen soviel in Unordnung, dass sich die Schwerpunktschule als Alternative geradezu aufdrängt (gleichwohl sollte über diesen Begriff auch noch mal nachgedacht werden).

 

Mittwoch, 29. Juli 2009:

Die Schläuche zur Trockenlegung des neuen Differenzierungsraumes liegen  noch, doch er hat schon gut Trockenwerte, na also! Die Zwischenwand zum neuen Teamraum wird diese Woche gesetzt, Datenleitung und Wasseranschlüsse sind schon verlegt, diese Woche kommen noch die Plattenleger, die Fußbodenleger und  die "Tafelumbauer"! Soweit die heutigen Baustellen-Nachrichten aus Wachenheim.

 

Montag, 27. Juli 2009:

Da bin ich wieder nach einer Woche salziger Seeluft, hoffentlich gestärkt für alles, was da kommen mag. Was die Schwerpunktschule anbelangt, fühle ich mich gut informiert. Natürlich habe ich das Handbuch nicht ganz geschafft, meine Frau sagte im Urlaub einmal: "Jetzt hör doch mal auf dauernd zu denken!" Die bisherigen 350 Seiten lassen sich bündeln in dem Satz aus einem anderen Buch: "Der Arm macht noch nicht den Menschen." Der bisher gängige Behinderungsbegriff ging immer von den Beeinträchtigungen des einzelnen Menschen aus und klassifizierte ihn dadurch. Der Begriff ist daher defektorientiert und legt einen Menschen ontologisch fest: Durch diese eine Beeinträchtigung des Sehens, Hörens, Bewegens ist der Mensch ein Behinderter. Gegen diese Haltung stehen viele Beschlüsse der UNO, UNESCO, EU und der BRD. Alle diese Institutionen haben festgeschrieben, dass einem so genannten Behinderten ohne Einschränkung alle (Menschen)Rechte zustehen und er in keiner Weise benachteiligt werden darf weder in Lebens- noch in Bildungsfragen. All diese Beschlüsse ziehen die integrative Beschulung gegenüber einer wie auch immer aussondernden vor. Der Arm macht noch nicht den Menschen und daher wird niemand ausgegliedert. Wenn ich das heute so lese, dann scheint das so normal zu sein. Wie soll Eingliederung in alle Teile der Gesellschaft durch Ausgliederung auch funktionieren. Dennoch bedurfte es einer langen Zeit der Bewusstseinsbildung bis die Wissenschaft an den Unis, die Schulbehörden und letztendlich auch die Gesetzgebung (und ich persönlich auch!) so weit waren. Erst seit 1993 (!) ist der Satz: "Behinderte Menschen dürfen nicht benachteiligt werden." im Grundgesetz verankert. Gut, jetzt also wir an der Reihe als Schule Integration zu leisten, besser noch wäre eine Inklusion, denn bei Integration steht ja jemand außerhalb von etwas und muss hineingeholt werden. Nehmen wir alle Kinder im Sinne von "Vielfalt tut gut, alles andere ist einfältig" an dieser Schule auf und arbeiten mit ihnen, fördern sie individuell, wie wir es mit allen tun wollen. Eines besonderen Etikettes bedarf es nicht.

 

Donnerstag, 16. Juli 2009:

Ich habs ja immer wieder geschrieben: Ich lerne täglich dazu. Heute eine Lektion in Trockenlegung von durchnässten Gebäuden. Da es sich bei der Schule um ein öffentliches Gebäude handelt, kommt natürlich nur das Vakuumverfahren zum Einsatz. Druckluft würde die eventuell vorhandenen Sporen in den ganzen Raum blasen. Aha! Jedenfalls wurden etwa acht Borhlöcher in den Boden gebohrt, luftdicht mit Schläuchen versehen, durch die nun innerhalb der nächsten vierzehn Tage das Wasser und die Feuchtigkeit rausgesaugt wird. Mit den ganzen Anschlüssen, Schläuchen und Maschinen sieht der künftige Teamraum gerade aus wie ein Patient nach der OP auf der Intensivstation. Draußen begann gleichzeitig das Aufgraben, um den Raum von außen an der Schnittkante Fundament/Mauerwerk neu abzudichten. Von wegen einfach die Platten wegräumen und aufgraben. Darunter fand sich nackter Beton (Wie soll da auch was abfließen?). Da musste der Kompressor und der Presslufthammer her, mit der kleinen Hilti war da nichts auszurichten...Pädagoge am Bau! Für das Vorstellungsgespräch einer neuen Kollegin - ja, wir bekommen noch eine Kraft! - zogen wir uns in den Teamraum zurück, unten war der Lärm unmittelbar vor dem Fenster nicht auszuhalten.

Zwei Dinge stehen gedanklich für mich im Vordergrund, die wir im kommenden Schuljahr umsetzen bzw. verbessern müssen: Schwerpunktschule und Ganztagsbetrieb. Zu beiden Themen nehme ich Literatur mit an die Nordsee (Ich bin dann mal eine Woche weg). Im "Handbuch der Integrationspädagogik" habe ich neugierig schon mal reingelesen. Gleich im Vorwort stieß ich auf vier Sätze, die ich behalten und verbreiten will, als Grundlage, als Anstoß, als Stachel und zum Weiterdenken. Daher notiere ich sie auch hier:

Integration heißt: "Miteinander der Verschiedenen" (Adorno)

"Es ist normal, verschieden zu sein." (Richard v. Weizsäcker)

Klafki sieht in der modernen Welt unter pädagogischen Gesichtspunkten eine Spannung "...zwischen dem Anspruch auf Anerkennung gleicher Menschenrechte für alle (...) auf der einen Seite und der Anerkennung der Gleichwertigkeit des Unterschiedlichen auf der anderen Seite".

"Wir haben den scheinbar Nichtbehinderten klar zu machen, dass ihre Unfähigkeit, Behinderte als Gleiche zu begreifen, ihre eigene Behinderung ist." (Ernst Klee)

 

Mittwoch, 15. Juli 2009.

Der GAU am Bau: Wasser! In den Schlitzen für die neuen Wände im Untergeschoss stand heute Wasser. Gut, Starkregen gestern Abend, aber der darf ja nicht im Schulgebäude ankommen. Woher also stammt dieses Nass? Die rostigen Eckschienen an den Pfeilern zeigen an: Das war nicht das erste Mal, dass es hier feucht ist. Fakt ist, dass nun entlang des Gebäudes aufgebaggert werden und neu abgedichtet werden muss. Und das zusätzlich während der Ferien. Ergo kommt die gleiche Spannung auf wie vergangenes Jahr: Wird das alles fertig?

In meinem alten Büro (schnief) ist der Verputz schon ab, die erste Schicht schon wieder dran. Tribut des Schnellbaus im letzten Jahr. Den neuen Raum (Büro mag ich ihn noch nicht nennen!) habe ich mal so hergerichtet, dass PC, Telefon und Drucker zu nutzen sind. Auch ein erstes Vorstellungsgespräch habe ich geführt. Na also, geht doch!

 

Dienstag, 14. Juli 2009:

Wieder in der Schule ab acht, Elektriker hier und Rohbauer da. "Um 12 kommen die Gipser. Kannst du dein Büro bis dann räumen?" Ich wusste ja, dass ich aus diesem sonnendurchfluteten Raum rausmuss, aber dass ich innerhalb von zwei Stunden alles zusammen räumen muss, stresste. Damit ist das erste Jahr wirklich um, denn hier war ich zu Hause und in diesem Raum  hatte viele Stunden zugebracht. Aus. Vorbei. Alles steht jetzt wieder in Kisten verpackt im Technikraum, denn das neue Büro ist ja noch lange nicht bezugsfertig. Georg, gewöhn dich dran! Wenn ich richtig rechne, werde ich noch mindestens zweinmal ein neues, noch nicht existentes Büro beziehehn müssen, bis ich in sechs (?) Jahren das endgültige Domizil des Schulleiters der IGS Deidesheim/Wachenheim in Beschlag nehmen kann. Nun gut, in meiner alten Schule saß die Schulleitung auch mehrer Monate wegen des dortigen Umbaus in Containern - und siehe, ich habe überlebt! Ich erinnere mich genau an den Abschluss der dortigen Umbauarbeiten: Wir waren nach Jahren endlich froh, eine Schule ohne Baustelle zu sein. Das heißt es eben auch, eine neue Schule aufzuBAUEN.

Dann bin ich nach Neustadt gedüst. Die Feinberechnung hat ergeben, dass uns noch Stunden zustehen. Mal sehen, was daraus wird. Spannend war as Treffen mit Vertretern der neuen IGSen, für uns wichtig: IGS Grünstadt. Durch die Vielzahl der Anträge läuft die Vorbereitung etwas anders, daher entstand die Idee, jeder neuen Schule einen Paten einer bestehenden IGS zur Seite zu stellen, der aus der Praxis Fragen beantworten kann. Klar, wer für Grünstadt gefragt wurde. Ich habe auch gleich Kontakt geknüpft, denn ich will das gut machen und von Anfang an vermitteln: DIe IGS ist nicht nur eine Schule mit besonderer Struktur, sondern eine Schule, an der eine andere, offene, menschlich angenehme und wertschätzende Atmosphäre herrscht. Der Anfang ist gemacht. Es gibt nun auch eine Arb eitsliste mit mehreren Modulen, die nach und nach bearbeitet werden müssen. Da stand es noch mal schwarz auf weiß, was wir alles schon hinter uns haben, die neuen müssen erst ran. Die ersten Schritte, damals war ich ja noch gar nicht dabei, liegen gefühlt ja schon Jahre zurück, dabei war es erst eltztes Jahr. Und nochmals sei an alle gerichtet, die es erneut hören müssen und immer noch falsch verbreiten: Die IGS ist eine andere Schule mit anderen Zielen - von wegen, das machen wir alles auch schon, da brauchen wir doch lediglich das Schild auszutauschen!

Montag, 13. Juli 2009:

Erster Frientag? Nun, darunter stelle ich mir etwas anderes vor. Hier in der Schule steppt der Bär: Am Samstag wurde die Wand im Untergeschoss eingerissen, damit der künftige Team- und der Differenzierungsraum die richtige Quadratmeterzahl hat. Besichtigung des neuen, kleinen Büros. Puh, das ist einiges zu machen. Vorstellungsgespräche, Unterrichtsverteilung, wann haben wir die Sporthalle und...und... Also, die Ferienruhe fehlte heute ganz.

 

Freitag, 10. Juli 2009:

Eins ist klar: Ich kann das heute zu Ende gegangenen Schuljahr noch nicht abschließend würdigen, dazu bedarf es mehr Ruhe und Reflexion. Dennoch haben wir es geschafft, die iGS kommt voran und geht nun ins zweite Jahr. Und was haben die Kinder nicht alles gelernt! Heute war der direkte Vergleich möglich. Hatte ich beim Eröffnungsgottesdienst in der katholischen Kirche letztes Jahr noch die Unruhe, das Zappeln und Scharren wahrgenommen - so war es heute so besinnlich ruhig, dass es einem Dreiherrenamt zur Ehre gereicht hätte. Schon beim Hereinkommen ware es erfrischend ruhig, dann erst beim Rückblick über das Schuljahr. Alle Angst, bei dem einen oder anderen Foto würde gekichert, verflog schnell, als ich die Konzentration der SchülerInnen bemerkte zu denen ich sprach. Ganz toll! Beeindruckend auch die schriftlich geäußerten Dankesworte: "Danke für die neuen Freunde, die bekommen habe.", "Danke für dienetten Lehrer." und auch "Danke für das Ballsportfest mit der RGS." Toll und klasse. Und zum zweiten Mal die Einsamkeit des Schulleiters: wenn alle Tutoren in ihren Klassen Zeugnisse und VBen austeilen, bleibt mir nur das Alltagsgeschäft.

Euch allen, die ihr das erste Jahr mit uns gegangen seit, die ihr uns unterstützt und getragen habt, die ihr uns so viele Anregungen gegeben habt - seid am Ende dieses Schuljahres meinem Dank gewiss! Ohne euch alle stünden wir nicht an diesem Punkt. Erholt euch alle gut, erlebt was in den Ferien und kommt mit neuem Mut und frischer Kraft zurück in die dann ganz andere IGS.

 

Donnerstag, 09. Juli 2009:

Ein schönes Fest ist ausgeklungen. Heute Morgen dachten wir noch, wie es wohl werden wird bei dem Regen. Zum Glück ließen wir uns nicht darauf ein, alles in die Sporthalle zu verlegen. Es hat sich bezahlt gemacht. Viele Hände und Herzen wirkten zusammen, so dass ein runder Ablauf zustande kam. Zwei Programmpunkte möchte hervorheben: Zum einen den Auftritt der Zirkus AG. Obwohl sie während der letzten Wochen oft wegen Krankheit ausgefallen ist, haben die Kinder heute ihren Auftritt mit Bravour bewältigt. Toll, wie die Einräder durch die Halle düsten, die beiden Mädchen am Reck der Schwerkraft ein Schnippchen schlugen und die Clowns mit ihren roten Nasen für Lachen sorgten. Berührt hat mich der Beifall der MitschülerInnen, wenn etwas schief ging. Kein hämisches Lachen sondern aufmunterndes Klatschen. Schön, wie das so aus dem Nichts entsteht.

Ganz besonders berührte mich der Abschluss und damit auch Premiere des Bewegungsprojektes. So ungefähr wusste ich schon, was uns da erwarten würde und doch war es ein Erlebnis, alle Schüler in den neuen T-Shirts in den Klassenfarben eine derartige Choreografie hinbekommen zu sehen. Durch die unterschiedlichen Farben konnten wir sehen, welche Klasse da gearde welche Bewegung zum Gesamteindruck beitrug und doch waren alle gleichermaßen in Bewegung. Nein, ich bekomme es nicht hin, das Erlebte in Worten wiederzugeben, es war zu großartig. Danke allen, die daran gefeilt haben.

Der Abschluss auf der Wiese am Schwimmbad mit dem RNF war dann ein lockerer Nachtisch. Dafür gab es ja die T-Shirts geschenkt. Wo auch immer IGS-SchülerInnen auftauchten - sie waren am Outfit zu erkennen. Ich fasste es als Lob der Moderatorin auf: "So lautstarke Kinder hatten wir ja noch nie!" Kein Wunder: Gib IGS-Schülerinnen was in die Hand, sie werden sich bemerkbar machen. Und das Wetter klarte sich auf, die Abendsonne beschien einen rundum gelungenen Tag!

 

Mittwoch, 08. Juli 2009:

Eben haben wir die dreitägige Fortbildung des neuen Teams "Konrad Korken" beendet. Immer wieder bereitet es mir Freude, diesen Elan und den Schwung mit zu erleben, den ein solches neues Team mitbringt. Und wieder erlebte ich die Offenheit, sich auf so viel Neues einzulassen und Visionen über die Schule zu entwickeln. Das Besondere an diesen Tagen und an diesem Team 2009 war, dass ein sich über die Tage steigernder Konflikt plötzlich offen zutage trat und ohne Scheu, ehrlich und einfühlsam bearbeitet wurde. Über ein solches Team, das nach drei Tagen schon so arbeitet, Konflikte angeht und dennoch keinen zurücklässt, kann eine Schule (und dessen Leiter) sich nur glücklich schätzen. Freunde, KollegInnen, Mitglieder und Interessierte: Ich verkünde heute, dass es hier spannend, innovativ und gehaltvoll weitergeht. Lasst die Korken knallen über Konrad!

Fast hätte ichs ja vergessen: unsere vier Klassen (noch kann ich diesen Ausdruck verwenden) waren heute als Unterrichtsgang in Naturwissenschaften im Landauer Zoo. Telefon und Internet schweigen - scheint also alles gut gelaufen zu sein. Was steht noch an? Morgen der Schulabschluss als Fest mit vielen Ergebnissen und Aktivitäten des vergangenen Schuljahres. Hoffentlich hält das Wetter! Viel Glück und Freude uns allen!

Sonntag, 05. Juli 2009:

Während der letzten Wochen habe ich immer wieder gesagt, dass sich unsere Schule verändern wird, im kommenden Schuljahr werden wir uns sogar verdoppeln, was dann nicht wieder vorkommen kann. Heute nun ist es bereits wahr geworden: Die Startseite der Homepage war beim "Outfitberater". Ich muss mich erst mal daran gewöhnen, zu vertraut war beispielsweise das Luftballonbild. Nun ist der Balken aktueller und wir können ihn auch selbst in angemessenen Abständen aktualisieren. Morgen der nächste Schritt: Das Jahrgangsteam "Konrad Korken" wird sich innerhalb einer dreitägigen Fortbildung auf den Weg machen. Obwohl ich schon alle kennen gelernt habe, bin ich angespannt. Wie wirds laufen?

 

Freitag, 03. Juli 2009:

Eine sehr schöne Zeremonie war das heute, als wir den Teitel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" verliehen bekamen. Etwa 15 Schüler sprachen ihren jeweiligen Beweggrund aus, weshalb sie der Teilnahme an dem Projekt zustimmten, individuell, sehr persönlich und in mehreren Sprachen. Der Renner war natürlich Hosni, Jubelschreie, Begeisterungspfiffe bei der Vorstellung. Und dann etwas fürs Album emotionaler Höhepunkte: Wir hatten mit allen Klassen den Refrain eingeübt:

"Wir sind Menschen - egal welcher Nationalität.

Wir sind Menschen - und leben auf einem Planeten.

Wir sind Menschen - ja, das sollten wir nie vergessen.

Wir sind Menschen - auf dieser Welt."

Der ganze Jahrgang skandierte dies - und Hosni war nicht textsicher. Souverän sagte er: "Helft mir, ihr könnt das eh besser!" Natürlich umrahmten auch Gäste die kleine Feier: MdL Manfred Geis, Kreibeigeordneter Potje, VGbgm. Udo Kittelberger, GS-Rektorin Marita Hüttner, Frau Patzke von der Landeszentrale für politische Bildung und SEB Vorsitzender Andre Matta. So, nun haben wir den Titel, ran an die Arbeit! Das Besondere daran ist, dass dieses Projekt von Schülerseite gewählt und unterstützt wurde. Es ist ihr Titel und sie müssen ihn in vielen Situationen des Alltags umsetzen. Um so bewegender kamen die Statements bei mir an. Ich bin wieder einmal stolz auf euch und wünsche uns viel Kraft, um dieses Anliegen in die Schule zu tragen.

Die neue Kollegin ist gefunden, der Name im Hinterkopf war Gold wert, ihr Jubel kannte keine Grenzen, nun doch an ihrer Wunschschule eingestellt zu werden. Dank ihrem Stuttgarter Schulleiter, der sie sogar für die dreitägige Fortbildung ab Montag freigestellt hat! So findet ein großer Schreck ein glückliches und, angesichts der Tragweite, ein schnelles Ende. Willkommen Wochenende!

 

Donnerstag, 02. Juli 2009:

Wunderbar: In all der Hektik dieser Woche ein schönes Ballsportfest der sechsten Klassen der RGS und unseren Fünfern. Nicht gegeneinander wurde gespielt sondern in gemischten Mannschaften. Und siehe da: weg waren die jeweiligen Bemerkungen über die Schüler der anderen Schule, kein Fingerzeig mit "Die haben..." sondern: "Wir haben gewonnen!" Konnte dies besser laufen? Dank dem Ideengeber und den Beteiligten!

Ansonsten scheint diese Woche den "Hektik-Award" einheimsen zu wollen. Normaler (?) Unterricht, währenddessen Gespräche mit Architekt und Planer wegen der Maßnahmen während der Ferien, anschließend Telefonate mit und Rückrufe von Jugend- und Sozialamt, ach ja, der höhenverstellbare Tisch, rollstuhlgeeignet, ist geliefert worden (in EInzelteilen, zusammenbauen müssen wir ihn). - Die Firma, die die neuen Räume ausstattet, will wissen, was und wie ausgestattet wird. - Mittendrin zwei tolle Nachrichten, die aber jeweils die Hektik noch anheizen: ein Name für die neue Kollegin verdichtet sich, Kontaktaufnahme, Rückrufe, und: Der Schulträger hat die Etatanforderungen verabschiedet: WIr dürfen die acht Klassenzimmer mit neuen Möbeln bestücken. Wenn wir nächste Woche noch bestellen, könnte es zum ersten Schultag sogar noch klappen. - Ist für die morgige kleine Feier alles geklärt, Mikro, Sprudel, Schild, Zusagen? - "Herr Dumont, der ... hat mich in der Pause geschlagen" "Geh bitte zu deinen Tutoren!" - "Kannst du mal eben über den Ablauf für morgen schauen, ob das so in Ordnung ist?" - "Guten Tag, mein Name ist...Ich wollte mich einfach mal bei Ihnen vorstellen." Ich höre es und denke: Beim nächsten Mal bitte mit Termin und nicht einfach so. -  "Georg, der Verbandsbürgermeister bittet darum, um 11 Uhr bei ihm vorbeizuschauen." -  "Haben Sie eine Schulband? Könnte sie im November das Programm untermalen...?" - Die Kopierer müssen abgelesen werden, wo steht der eine Drucker aus dem PC-Raum? - ...liegt im Krankenhaus, kommt vor den Ferien nicht mehr. Gute Besserung! - "Mein Kind schafft das Gymnasium nicht. Könnten Sie es in die sechste Klasse aufnehmen?... Wie, alle voll, aber wir wohnen doch in Wachenheim!..." - "Ich bin von RPR1. Hätten Sie Zeit für ein Telefoninterview?" - "Wenn ich Sie gerade schon am Telefon habe: Können wir mal ein Interview zum "Spick-mich.de" mit Ihnen machen?" - "Wir müssen noch unbedingt den besinnlichen Schuljahresschluss besprechen." - "Georg, hast du den Foto dabei?" -  "Guten Tag, meine Firma soll die Wand im Untergeschoss entfernen. Haben Sie einen Schlüssel für den Raum?" - "Georg, die RHEINPFALZ hat angerufen. Du sollst unbedingt noch zurückrufen!" -  "Wir brauchen den CD-Player. Wir müssen doch unseren Tanz üben!" - "Wie ist das jetzt mit dem Caterer für nächstes Schuljahr?" - "Wissen Sie, wo der Schlüssel für den Medienschrank im Filmsaal ist?" - "Auf der Bücherliste stimmt eine ISBN-Nummer nicht! Sollen wir wirklich dieses Buch kaufen" -  Honi soit qui mal y pense: Spaß macht es mir trotzdem! Aber irgendwie freue ich mich auf die Ferien!

 

 

Mittwoch, 01. Juli 2009:

Noch immer gibt es Bewegung in Bezug auf die neuen Fünferklassen und auch das Team Konrad Korken steht seit heute nicht mehr fest. Eine eingeplante Kollegin hat überraschend ihre Zustimmung zurückgezogen. Wenn es uns nicht gelingt, eine/n Kolleg/in mit denselben Fächer zu finden, können wir die bisherige Unterichtsverteilung schreddern. Spannung, Telefonate, Hektik...aber ich habe da noch einen Namen im Hinterkopf, mal schauen...

 

Dienstag, 30. Juni 2009:

Wieder so etwas wie Erntedank: Zeugniskonferenz für die Jahreszeugnisse, das Ergebnis eines Jahres liegt gesammelt auf dem Tisch. Erfreut war ich darüber, dass die Anzahl der Noten unter ausreichend zurückgegangen ist, prima! Ein gutes Gefühl auch darüber, dass und wie wir wieder über eine Reihe von Schülerinnen und Schülern pädagogisch gesprochen haben. Das ist eigentlich viel stärker Inhalt der Konferenz als die leidige Notenfindung. Insgesamt können wir, sofern die Notenlisten darüber Auskunft geben, mit der Arbeit dieses ersten Jahres zufrieden sein. Glückwunsch an die Schülerschaft und Dank ans Kollegium!

Heute habe ich als meine erste offizielle Amtshandlung einen Kollegen im Auftrag der ADD zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. Georg, der Staatsdiener!

 

Freitag, 26. Juni 2009:

Heute Morgen zwei widersprüchliche Ereignisse: Zum einen ein heftiger Streit zwischen zwei Schülern und die Bestätigung, dass wir am 3.7. den Titel "Schule ohne Rassismus" verliehen verliehen bekommen. Immerhin war die Schülerschaft für dieses Projekt - dennoch solche Gewalt im Klasenzimmer?

Abends dann die Abschlussfeier meines alten Jahrganges in Mutterstadt. Als ich vor Jahren bei einem solchen Anlass die Tränen in den Augen der Schülerinnen und Schüler gesehen hatte, empfand ich das als reichlich übertrieben. Nun hatte ich die zweite Klasse, die ich von Anfang an begleitet habe, auf der Bühne stehen - und hatte selbst Tränen in den Augen. Das ist ein wesentlicher Punkt der IGS: lange anhaltende und damit persönliche Bindungen aufbauende Tutorenschaften. Wenn dann nach sechs Jahren die damaligen Kinder nun auf der Bühne stehen, ihr Zeugnis bekommen als junge Frauen und Männer, dann stehen dort auch sechs Jahre der persönlichen Beziehung, dann versammeln sich dort auch sechs Jahre des gemeinsamen Weges durch Höhen und Tiefen und dann stehe auch ich da und habe Tränen in den Augen und freue mich, dass es die IGS gibt.

 

Donnerstag, 25. Juni 2009:

Rucksackpacken in den Reli/Ethik-Gruppen für die Aktion "Marys Meals". Wir haben doch tatsächlich 54 Rucksäcke für afrikanische Kinder zusammen bekommen. Sie stehen nun fein säuberlich aufgereiht nach boy und girl in meinem Büro. Imposant. Hinter der Stellwand das Schlagzeug der Trixi Combo, sechs PC-Bildschirme und die beiden Wagen, mit denen alles Mögliche transportiert wird. Wie wird das wohl nächstes Jahr in dem kleinen Büro sein? "Schulleiters Rumpelkammer" ist dann Klassenzimmer. Heute war nämlich der Architekt da, die Baumaßnahmen der Sommerferien, so klein sie auch gegenüber dem Baustart am Standort in Deidesheim auch ausfallen, müssen ja auch besprochen werden.

Abends dann wieder Stunden der An- und dann Entspannung: Elternaben der neuen fünften Klassen. Ja, in der Stadthalle Wachenheims erklang es wieder: "Jeder kann was prima machen" als Kanon zu drei Stimmen. Kurz dachte ich: Was jetzt noch kommt, kenne ich bereits, denn der lertztjährige Elternabend war mein erster offizieller Auftritt als Schulleiter. Damals gesäumt von der Planungsgruppe, heute war die neue Stufenleiterin zum ersten Mal offiziell dabei. Und schon war der Gedanke wieder weg, denn mir wurde klar: alles wird anders, wir werden ab jetzt ein Schulleitungsteam sein, die anstrengenden aber auch durchaus von mir ausgekosteten Tage der "Alleinherrschaft" sind vorüber.Pädagogisch und menschlich sind wir schon auf einer Linie und haben uns die Bälle in lockerem Training zugeworfen. Prima, das hat Spaß gemacht. Vielleicht liegt es ja auch an der inzwischen vorhandenen Schule und der Möglichkeit, sie am Tag der offenen Tür gesehen zu haben - jedenfalls wurden in meiner Erinnerung letztes weitaus kritischere Fragen gestellt, vielleicht habe ich sie als Anfänger damals auch nur als solche gespeichert. Wie -ein Jahr erst und ich kann mich nicht richtig erinnern? Kommt drauf an: Ich erinnere mich, dass der letztjährige Elternabend mit einer gerissenen Gitarrensaite begann. Heute Morgen beim Assembly: An der neuen Schulgitarre ebenfalls. Ts,ts,ts - während fünf Jahren Gitarrenunterricht und täglichem Üben sind mir nicht so viele Saiten gerissen wie in einem Jahr IGS. Vielleicht spiele ich ja auch nur fetziger :-)

 

Dienstag, 23. Juni 2009:

Gemeinsames Sportfest der IGSen der Region: IGS Ernst Bloch, IGS Mutterstadt, IGS Lu-Gartenstadt, IGS Worms und wir. Sprich: 19 Fünferklassen im Sportpark in Mutterstadt - eine Veranstaltung, die ich vor einigen Jahren noch als utopisch angesehen hätte. So ändern sich die Zeiten und die Schullandschaften. Die vier Trixi Traube Klassen starteten um 8.10 Uhr mit dem Zug von Wachenheim aus. Ich selbst dachte, an diesem Tag viel am Schreibtisch erledigen zu können. WIe gesagt, ich dachte es. Ein längeres Elterngespräch, dies und das, ein bisschen Unterrichtsverteilung und Vorbereitung für den Elternabend - und schon war der Vormittag rum. Am Nachmittag traf sich das neue Team Konrad Korken - tja, und ohne eine/n Schüler/in gesehen zu haben war der Tag um. Wird das immer so sein, wenn die Schule "groß" geworden ist? Hoffentlich nicht. Am Abend dann per Mail das Ergebnis des Sportfestes: Die IGS Deidesheim/Wachenheim belegten die beiden vorderen Plätze eins und zwei! Glückwunsch an die 5b und die 5c. Wer hätte das gedacht!

 

Montag, 22. Juni 2009:

Ich fasse es nicht: Dieses Schulleitertagebuch hat sich laut Statistik zum Renner entwickelt. Seit geraumer Zeit steht es nach der Startseite als die am meisten angeklickte Seite auf Platz zwei und wurde inzwischen über 1000mal geöffnet. Dabei entstand es aus einer Laune heraus. Aber das ist ein weiterer Beweis, dass man eine Schule nicht wirklich planen kann. Jedenfalls die IGS Deidesheim/Wachenheim wurde nie so geplant, wie sie heute ist. Viele glückliche Umstände und so mancher Zufall haben da ihre Hand im Spiel und wir mussten nur zugreifen. Gut, das haben wir dann eben auch getan und die eine oder andere bunte Blüte am Wegesrand gepflückt und in den Strauß eingeflochten. Das kann ruhig so weitergehen. Festzuhalten gilt es heute: Wir konnten durch eine geniale Idee aus der Organisation das Assembly fest im Stundenplan für beide Jahrgänge verankern. Nur weiter so, dann klappt's auch an zwei Standorten. Wie sagte Einstein sinngemäß: Fantasie ist höher anzusetzen, denn Wissen sei begrenzt.

 

Donnerstag, 18. Juni 2009:

Wie oft habe ich inzwischen von einem weiteren Schritt in der Entwicklung der Schule geschrieben, heute war es ein weiterer: Noch immer in der Planungsphase und also ohne Sicherheit traf sich das neue Team zum ersten Kennen lernen. Durch Gespräche im Vorfeld hatte ich alle schon ein- oder mehrere Male gesehen, als neues Team ist es aber doch eine ganz andere Geschichte. Festzuhalten bleibt, neben viel Fröhlichkeit gepaart mit einem gehörigen Schuss Anspannung und Unsicherheit ob der neuen Aufgabe, dieses Team wird das Kollegium nicht einfach verdoppeln, es wird der Schule gut tun und sie weiter entwickeln. Dies heute gespürt zu haben, erleichtert und motiviert mich. Während der Sitzung wurde auch Konrad Korken geboren, Trixi Traube bekommt Unterstützung. Aus dem Schülerwettbewerb gingen zwei Varianten dieses Jahrgangslogos hervor, das Team wählte einen davon aus. Sechs bzw. zehn Jahre liegen nun vor Konrad. Wie oft wird er gezeichnet oder ausgedruckt Schriften der Schule zieren? Schon an diesem Gedanken wird deutlich: Es ist immer mehr als nur ein witziges Bild oder eine schräge Figur. An ihr/ihm kristallisieren sich am Ende, so habe ich es immer erfahren, Jahre der Arbeit und des In-der-Schule-Seins. Auf gehts, bald sind wir doppelt so groß!

P.S. Unser Besucher auf den Seychellen war weiter aktiv und hat inzwischen siebenmal unsere Seite besucht. Wer das wohl sein mag? Vielleicht nimmt er/sie ja mal Kontakt zu uns auf?

 

Mittwoch, 17. Juni 2009:

Treffen des Fördervereins zur Vorbereitung des Schuljahresabschlusses. Mann, vieles ist so einfach, wenn die richtigen Menschen zusammen kommen, planen und Ideen entwickeln. Habt Dank für euren Einsatz! Es macht Spaß mit euch zu arbeiten!

 

Sonntag, 14. Juni 2009:

Nur aus dem Gedächtnis, irgendwo habe ich die Aussage eines Schülers gelesen und finde sie nicht mehr: "Vormittags Schule, das Leben beginnt danach." Heute nun las ich bei Richard David Precht über das menschliche Gehirn: "Hundert Millarden Nervenzellen funken darin herum mit bis zu einer halben Trillion Verbindungen." Das erschlägt mich immer wieder und noch mehr die Vorstellung, dass wir dieses Reservoire als Schule vielleicht ungenutzt liegen lassen, weil wir es nicht schaffen, bei Kindern und Jugendlichen Interesse (und Leben?) zu wecken. Wie muss Schule aussehen, um immer neue Verbindungen zu schaffen? "Das Gehirn", so der Hirnforscher Manfred Spitzer, "kann gar nicht anders als Lernen." Was aber lernen Schüler vormittags, wenn für sie das Leben erst nach der Schule anfängt? Ich denke, da sind wir mit all den "Aufmerksamkeiten" auf dem richtigen Weg, weil sie Leben widerspiegeln. Auch wenn mir die Atmosphäre eines "High School Musicals" fremd bleibt, fast alle Klassen kannten es und daher bringt es im Musikunterricht mehr aus dem Leben der Schüler ein als etwa "Hair" oder "Jesus Christ Superstar". Vielleicht, ich wäre dankbar, wurde die eine oder andere Synapse von der halben Trillion ja mit Musik, zumindest aber in der Schule neu belegt, vormittags.

 

Freitag, 12. Juni 2009:

Seit wir hier wohnen und den Garten "bewirtschaften", gibt es einen Apfelbaum, der über all die Jahre meine Bewunderung hervorrief. Immer mehr Äste vertrockneten und wurden kahl, aber aus dem Stamm, etwa in 70 cm Höhe, trieb er einen neuen heraus, der über die Jahre hin stabil aussah und jedes Jahr neue Äpfel reifen ließ. Ein seltsamer Anblick: Ein sterbender Baum und an der Seite ein gesunder Ast, der es sich nicht nehmen ließ zu wachsen. Er hatte bereits einen Durchmesser von mehr als zwanzig Zentimetern erreicht. Sogar die drei aufgepfopften anderen Sorten gediehen prächtig. Dieses Jahr trug er besonders viele Äpfel, aber er hat den letzten Sturm vorgestern nicht überdauert und brach ab. Ein frühes Lied von Alexandra fiel mir ein: "Mein Freund der Baum ist tot". An der Bruchstelle sah ich: Der gesunde Eindruck täuschte, auch dieser Ast hatte im Kern seine morschen Stellen. Heute nun widmete ich mich ihm und zerschnitt ihn in kleine, gut kompostierbare Stückchen. Es machte mir irgendwie auch Freude, ihm diese zweieinhalb Stunden zu schenken, jeden Zweig und jedes Ästchen zu zerkleinern, von Hand. Ich hatte das Gefühl, ihm dadurch gerecht zu werden und ihm die Ehre zuteil werden zu lassen, die ihm gebührt, auch und gerade weil sich durch die immer gleichen Schnittbewegungen mit der Gartenschere eine schmerzhafte Blase an meiner Hand gebildet hat. Als Frevel hätte ich es empfunden, ihn, der uns über zehn Jahre hinweg beschenkt hat, mit einer Maschine in wenigen Minuten zu Kleinholz zu verarbeiten. Er war uns in die Obhut gegeben, kein starker Baum, wie gesagt, etwa in "meinem Alter", rief jedes Frühjahr Erstaunen hervor und war doch nicht so stark, wie es den Anschein hatte. Irgendetwas in seiner Biografie schwächte ihn, doch solange er da war, versuchten wir, seine Stärken zu pflegen, noch nicht einmal nur der Früchte wegen, einfach weil es ihn gab und er fest zu zum Garten gehörte.

 

Mittwoch, 10. Juni 2009:

So, da bin ich wieder - war`n Stück Arbeit, denn das Hin- und Herkopieren braucht seine Zeit. Ja, was hatte ich geschrieben, bevor die Seite voll war?

Heute war die neue Stufenleiterin 5/6 zum ersten offiziellen Gespräch in der Schule. Sie wird zum neuen Schulajhr diesen Bereich übernehmen. Dass wir uns gut verstehen werden, zeichnete sich schon in den Vorgesprächen ab, das war nicht neu. Neu aber war das Gefühl, ab dem kommenden Schulajahr nicht mehr alleiniger Schulleiter sein zu müssen, sondern auch in einem Team arbeiten zu können. Nur so kenne ich das ja von meinen ehemaligen Schulen. Ich habe dieses erste Jahr in alleiniger Verantwortung nicht leidend durchlebt, aber ich freue mich auf die Arbeit im (Dreier)Team. Wehmütig habe ich auch begonnen, vom Schulleiter-(Klassen)zimmer Abschied zu nehmen, denn im nächsten Schuljahr werden uns (zu dritt) in einem kleineres Büro organisieren müssen. Die positive Stimmung über das Team überstrahlte aber diesen Umstand. Das werden wir hinkriegen!

 

Mittwoch, 10. Juni 2009:

Schon wieder ist die Kapazität für diese Seite erschöpft und ich muss erst das Tagebuch aufteilen, damit ich weiterschreiben kann

 

Dienstag, 09. Juni 2009:

Eine erste Überprüfung zur Besetzung einer Funktionsstelle an unserer Schule. Zu solchen Terminen kommt immer auch die Schulaufsicht ins Haus. Aus einer Reihe von Überprüfungen war mir das bekannt, nicht zuletzt durch meine eigenen Überprüfungen, dennoch ist es immer spannend: Wie wird die Überprüfung verlaufen? Zudem vermittelt der Besuch immer auch einen Eindruck über Art, Arbeit und Atmosphäre einer Schule. Alles verlief gut.

 

Sonntag, 07. Juni 2009:

"Die Kultur der Unruhe hat anästetische Seiten. Sie verödet eine gewisse Reizempfindlichkeit". So las ich es heute bei Roger Willemsen und stellte in Gedanken unmittelbar einen Bezug zu unserer Schule her. Haben wir durch all die Höhepunkte im ersten Schuljahr zur "Verödung der Reizempfindlichkeit" der Schülerinnen und Schüler beigetragen? War es auch zuviel für unser Team? Auf der anderen Seite formieren sich die Stimmen, die es ganz anders sehen: Lob, Anerkennung und Bewunderung von vielen Seiten, von Eltern, Ministerium und gar der Jury in München. Und man bedenke: Zwischen all den Höhepunkten fand Fachunterricht statt, nur über den berichtet niemand und der taucht auch auf der Homepage (fast) nicht auf. Nein, ich bin überzeugt, es war nicht zuviel. Jedes Bild, das sich eingeprägt hat, wird bleiben und zwar verbunden mit dem jeweiligen Thema, sei es der Trabi, sei es der Besuch im Seniorenheim an Weihnachten, sei es der Besuch des jüdischen Friedhofs, der Medientag oder nun das Rucksackprojekt. Und niemand vergesse: Das waren ja nicht Themen außerhalb der Lehrpläne, die uns aus Lust und Laune einfielen, um etwas Besonderes zu veranstalten! Es handelte sich in erster Linie und immer um Unterrichtsinhalte, die, zugegeben, in besonders einprägsamer Weise vermittelt wurden. Ich freue mich dennoch auf den geplanten besinnlichen Schuljahresabschluss im Juli - scola contemplativa statt scola aktiva, auch das soll sein!

 

Freitag, 05. Juni 2009:

Heute kam es nun auch schriftlich: Wir sind Projektschule "Medienkompetenz macht Schule" und erhalten eine Ausstattung im Wert von 40.000 Euro. Zu klären ist darin noch: Wie sieht es mit dem Doppelstandort aus? Die Arbeit mit einem Wagen mit Laptops in Wachenheim verpufft, wenn sie nicht am zweiten Standort weitergeführt werden kann. Und: Wie können wir digital beide Standorte vernetzen? Zudem begeisterte mich ich heute ein Unterrichtsgang in die unmittelbare Nachbarschaft der Schule, wo (privat) verschiedene Arten von Hühnerngehalten werden. Die Familie und die Nawi-Lehrkraft machten sich große Mühe, die Kinder das Thema handlungsorientiert erleben zu lassen. Wer ein Huhn im Arm hält und ein Ei aus Freilandhaltung essen darf, hat mehr davon als wenn nur theoretisch vom Gackern die Rede ist. Ebenfalls war heute der zweite Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr in der Schule. Das klingt jetzt nach Feuer und Rauch, nein, nein, es ging darum dies gerade zu verhüten. Sehr gefreut hat mich, dass drei Schüler aus der RGS bei unseren Klassen die Jugendfeuerwehr vorgestellt haben. Tolle Sache, herzlichen Dank dafür!

 

Donnerstag, 04. Juni 2009:

Ein schöner und ein wichtiger Tag. Heute Morgen haben zwei Schüler/innen im Assembly dem Jahrgang von ihrer Reise zur History-Award Preisverleihung nach München berichtet. Alle haben daran gearbeitet, also sollen auch alle davon hören. Viele werden die Urkunde auch zum ersten Mal gesehen haben. Schön auch, wie viele Glückwünsche eingehen. Stark dann auch der Übergang zu einem Rucksack-Projekt. Wir Wohlgenährten in einer zum Teil neuen Schule, nun auch preisgekrönt, denken an Kinder, die wesentlich schlechter dran sind und packen innerhalb der Organisation "Marys Meals" knapp 50 Rucksäcke, die nach Afrika geschickt werden, um dort Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Das ist wieder ein Beispiel für die Dynamik unserer Schule: Da kommt ein Hinweis vom Ministerium digital an die Schule, ich reiche es als Vorschlag weiter in die Fachkonferenz Religion/Ethik, eine Kollgin erwärmt sich dafür und prompt erwächst daraus ein Einsatz für die SchülerInnen. Tolles Team!

Abends dann ein weiterer, für mich pädagogischer Meilenstein: Informationsabend zu den Wahlpflichtfächern und zur differenzierten Leistungsmessung. Leider waren nicht alle Eltern da, aber bei den anwesenden stieß das Konzept auf Zustimmung, zumindest wurden keine Fragen gestellt, aus der eine Ablehnung oder Skepsis herauszulesen war.

 

Mittwoch, 03. Juni 2009:

War nur kurz in der Schule, dann beim IfB in Speyer zur Fortbildung zu SEIS, was als Abkürzung für Selbstevaluation in Schulen steht. Am Ende kann ich sagen: "Ich bin heiß auf SEIS!" In diesem Projekt stecken so viele Möglichkeiten, eine gute Schule zu entwickeln und den Weg dorthin kritisch und mit den Stimmen aller Beteiligten zu begleiten. Und wieder berichten ältere, schon ausgebaute Schulen von Schwierigkeiten, für neue Instrumente und Ideen zur Schulentwicklung Mehrheiten zu bekommen. Da spüre ich erneut, wie gesegnet unsere Situation ist und wie dankbar ich sein muss, dass ich in ihr arbeiten kann: ein eifriges Kollegium, das eine Schule aufbauen und mit Qualität entwickeln will, die Chance, von Anfang an wichtige Weichen zu stellen, wunderbare Helfer und Unterstützer auf allen Ebenen und nun auch noch der zufällig jetzt stattfindende Startschuss für eine Evaluationsrunde, bei der wir dabei sind. Liebe KollegInnen, liebe SchülerInnen, liebe Eltern, lasst uns nicht erlahmen im Eifer, ermutigen wir uns immer wieder gegenseitig in kommenden Durststrecken, legen wir uns einen langen Atem zu, schauen wir selbstbewusst auf das schon Erreichte und lasst uns vor allem immer wieder dankbar innehalten, dass dies alles so ist, denn all dies ist keineswegs selbstverständlich.

 

Dienstag, 02. Juni 2009:

Sitzung des Schulelternbeirates. Zwei Dinge möchte ich festhalten. Zum einen, dass die Arbeit wirklich Freude bereitet, ist sie doch von gegenseitiger Werschätzung und Unterstützung geprägt. Merci!

Zum anderen haben wir u.a. die Situation morgens in Zügen und an Bahnhöfen besprochen. Was da (jeden?) Morgen "so abgeht", darf so nicht bleiben. Rangeleien und Hinderung am Aussteigen durch ältere Schüler muss Angst verursachen. Unsere Fünftklässler können aber nicht mit dem Gefühl in die Schule fahren: Hoffentlich geht heute alles gut.

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