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Jan. bis Mai 09

Samstag, 3. Januar 2009:

 

Das neue Jahr ist da, wie wohl die einzelnen Kollegen/innen und Schüler/innen es begonnen haben? Nachdenklich, lärmend, fröhlich, erwartungsvoll? Was wird 2009 bringen, auch für unsere Schule? Gewiss, der zweite Jahrgang wird das Bild und die Wirklichkeit der IGS Dei/Wa verändern.

Apropos Wirklichkeit: Auf der Buchmesse im vergangenen Herbst fiel mir ein neues Buch mit dem Titel Integration auf, das ich mir dann auch bestellte. Die nicht so gefüllte Zeit der Ferien nutzend, habe ich es jetzt fertig gelesen und ich muss sagen: es hat meinen Blickwinkel verändert! Zusammengefasst geht es darum, dass nicht mehr zwischen Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung unterschieden wird. Es sind in erster Linie immer Menschen, die unter anderem ein Grundrecht auf uneingeschränkten Zugang zur Bildung haben, so steht es in der UN-Menschnerechtskonvention , die auch von Deutschland unterzeichnet wurde. Der Weg zu dieser Auffassung gelingt über den so genannten Konstruktivismus. Dieser geht, in Anlehnung an Watzlawik, davon aus, dass es keine objektive Wirklichkeit gibt. Alles, was vorschnell als Wirklichkeit angesehen wird, ist in erster Linie ein Konstrukt der jeweiligen Menschen, die diese per Dialog mit anderen als Wirklichkeit konstruieren. Eine gewagte These, aber ich erlebe sie gerade anschaulich mit unsrem zweijährigen Benjamin. Er hat erlebt, wie wir ein Fahrzeug mit vier Rädern als Auto bezeichnen. Wo immer er gerade ein solches sieht, im Bilderbuch oder auf der Straße, vergewissert er sich überprüfend im Dialog über diese Wirklichkeit, indem er ein Auto als solches bezeichnet. Wir haben also gemeinsam diese Wirklichkeit geschaffen. Hätten wir Autos nie erwähnt oder als Eieruhr bezeichnet, würde für ihn eine andere Wirklichkeit existieren. So ist auch der Begriff der Behinderung nicht objektiv, sondern mittels mehr oder weniger fraglichen Kriterien definiert, festgelegt worden. Da die IGS eine Schule für alle Kinder sein will und es so auch in unserem pädagogischen Konzept steht, stellt sich eigentlich nur die Frage: Wie können wir allen Kindern gerecht werden, denn der Mensch kann nicht anders als lernen, der eine lernt eben schnell, der andere benötigt mehr Zeit, wiederum andere benötigen weitere Hilfestellungen der unterschiedlichsten Art, aber es gibt keine Berechtigung, bestimmte Schüler/innen in andere (Förder)-Schulen zu schicken. Für unseren Unterricht wird das heißen: Wir müssen viel konsequenter binnendifferenziert individuelles Lernen ermöglichen - sicherlich die wichtigste Aufgabe im neuen Jahr. Prosit 2009!

Donnerstag, 8. Januar 2009:

Erster Schultag nach den Weihnachtsferien. Schön, dass es ein Donnerstag ist, denn in den ersten beiden Stunden liegt Religion/Ethik für alle Klassen und es hat sich eingebürgert, dass wir uns mit allen Kursen zunächst im ehemaligen Filmsaal zu einer morgendlichen Versammlung treffen. Natürlich hatten sich alle viel zu erzählen, aber die Runde war dann doch schnell ruhig. Ein wichtiges Ereignis, das auch an unseren Schüler/innen nicht vorbeigehen soll, war der in den Ferien begonnene Krieg zwischen Israel und der Hamas. Ich spürte wieder die Ruhe und das Knistern, das Thema erreichte die Kinder, vor allem natürlich der angesprochene Raketenangriff auf eine Schule. Trotz allem Leid und aller Gewalt: Israel ist weit weg. "Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt uns nicht in die Tüte" - so die Worte auf einem Papierbeutel aus einer Bäckerei, eine Aktion des Frauenhauses in Bad Dürkheim. Dies zum Anlass und zur Anschauung nehmend, schlugen wir den Bogen: Gewalt, auch verbal geäußert, kommt uns nicht in die Schule. Im neuen Jahr, die Versammlung war sich einig, soll es an unserer Schule weniger Beleidigungen und Beschimpfungen geben. Jeder Krieg fängt klein an. Den im Gazastreifen können wir nur bestürzt verfolgen, die Konflikte an der Schule können wir verhindern.

 

Mittwoch, 14. Januar 2009:

Gleich zweimal stand heute der Anbau im Mittelpunkt eines Gespräches. Zum einen zeigt die Kältewelle, die uns gerade überzieht, wie energiefreundlich die neu errichteten Wände sind. Architekt Weisbrodt: "Wenn sich an der Außenwand Eis bildet, heißt dies, dass die Wand gut isoliert ist und von innen keine Wärme nach außen gelangt." Da die Region in einer Neubewertung als erdbebengefährdet eingestuft wurde, steht der Anbau auf einem sicheren Fundament.

Beide bautechnischen Aussagen entbehren aber nicht einer pädagogischen Parallele: Mögen wir energietechnisch nichts nach außen abgeben, wollen wir konzeptionell doch eine offene Schule sein. Und: Wir sind auf solidem Fundament gebaut, das Erschütterungen aushält. Wohlan denn.

 

Dienstag, 20. Januar 2009:

Den Tag der Zeugniskonferenz erlebe ich seit meiner Zeit als Stufenleiter ähnlich wie ein Erntedankfest. Wie sonst nie liegen die Ergebnisse der Arbeit eines ganzen Jahrgangs von Schüler/innen und Kolleg/innen auf dem Tisch. Meinen Bruder, der Schreiner gelernt hat, habe ich immer beneidet: Er arbeitet einige Tage an einem Schrank und am Ende sieht er seine Arbeit vor sich. Befriedigung ob der geleisteten Arbeit kann sich einstellen. Pädagogisches Wirken ist in sehr viel längere Strecken eingeteilt und nicht selten bleibt das Ergebnis oder der Erfolg nicht feststellbar. Kleine Schritte zumindest, verkürzt in sechs Ziffern, liegen in der Konferenz vor. Trotz aller Zweifelhaftigkeit der Ziffernnote so etwas wie ein greifbares Ergebnis.

Aber, und das konnten wir heute für unsere neue Schule grundlegen, es gab auch viel Zeit für pädagogische Gespräche über die Klassen und auch über Schüler. Glück erfüllte mich bei der Erfahrung, dass jedes Gespräch geprägt war von der Grundeinstellung: Gleichgültig welches Problem anliegt, er/sie gehört zu uns und wir arbeiten mit ihr/ihm, wir halten an jedem/r fest.

Donnerstag, 22. Januar 2009:

Heute war wieder ein Tag, der so reich an schulischen Eindrücken war, dass es durchaus für eine halbe Woche ausgereicht hätte. Die donnerstägliche Versammlung des ganzen Jahrganges gewinnt immer mehr an Form und Inhalt. Vor allem stelle ich genüsslich fest, wie sehr der Jahrgang zu Beginn zur Ruhe kommt, von Woche zu Woche - so mein Eindruck - gelingt dies besser. Heute waren die Talente, die jede/r in sich hat, das Thema und zum ersten Mal erwähnte ich laut, dass die IGS in meinen Augen die neutestamentlichste Schulform ist. Jeder Einzelne steht ungeachtet seiner Herkunft, seiner Leistung und seines Vermögens als Mensch im Vordergrund und ist als solcher angenommen.

Sehr schön wurde dies in der sich anschließenden Religionsstunde deutlich. Wie selbstverständlich kümmerten sich Schüler/innen dieses Kurses um eine diese Woche hospitierende Schülerin mit Trisomie - ohne Aufhebens, ohne Aufforderung, sie war einfach da und war Teil von uns! So vermittelte mir diese Stunde eine Vorstellung davon, wie unsere Schule nächstes Jahr als Schwerpunktschule wachsen kann.

Neben einigen anderen Eindrücken - darunter auch der Neujahrsempfang der VG Deidesheim, evtl. auch mit Ergebnissen für die Schule (dazu einmal später mehr, wenn es wirklich soweit ist) - las ich dann noch einmal meine Emails. In einer stand die Formulierung: die IGS sei "die medienwirksamste Schule von Neustadt bis Ludwigshafen". Sie ließ mich innehalten, medienwirksam? Soll ich mich darüber freuen? Als Literatur liebender Germanist und Theologe sind mir die Medien, vor allem die als neu bezeichneten, mit ihren schnellen, ständig wechselnden und nach dem raschen Effekt heischenden Bildern und Eindrücken wenig geeignet, die Seele von uns zu erreichen und dort hin zu gelangen, wo es um Wesentliches geht - und als solche sind sie mir zunächst einmal fremd und suspekt. In allen mir bekannten Fällen war es besser, ein Buch gelesen zu haben als einer noch so gelobten Verfilmung beigewohnt zu haben. Wer den Film sah, kennt das Buch nicht. Und bei aller "Mediatei", damit ist noch keinem näher gebracht, dass "jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht", kein Genitiv klarer geworden und bei keinem Dreisatz der Groschen gefallen. Auf der anderen Seite schreibe ich ja gerade in einem solchen Medium und bediene mich seiner. Weshalb Skrupel, wenn die Schule so im Gespräch bleibt und bekannt wird ... also doch Freude? Dennoch will ich gegensteuern, will Gedichtzeilen langsam flüstern und Eindrücke in gedehnten Einstellungen in mich atmen - Rilke statt Dschungelcamp, Kafka statt Daily Soap, Buddenbrooks statt Super Nanny ...

Dienstag, 27. Januar 2009:

Seit seiner Einführung 1996 ist mir der Gedenktag an die Opfer des Holocaust ein wichtiges Datum, in allen meinen bisherigen Klassen habe ich diesen Tag irgendwie erwähnt. Ausgerechnet heute liege ich nun krank zu Hause, wo auch noch Schüler unserer Schule eine Gedenkfeier in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim mitgestalten!

 

Donnerstag, 29. Januar 2009:

Drei Eindrücke möchte ich heute festhalten. Beim morgendlichen Assembly spürte ich wieder diesen Zusammenhalt, wenn alle Schülerinnen und Schüler im Freizeitraum zusammen sind, ruhig werden und sich als Schule empfinden und spüren. Wie können wir diese Erfahrung hinüberretten in die weiteren Jahre? Passt ein zweiter Jahrgang in den Raum? Als Schule an zwei Standorten müssten wir es einrichten, dass sich die ganze Schule einmal pro Woche trifft und sich als eine Gemeinschaft erlebt. Der Gedanke lässt mich nicht los.

Was wir morgens erlebt haben wiederholte sich in der sechsten Stunde: Abschlusspräsentation aller vier Klassen des Projektes "Leben mit anderen". Dazu waren eine ganze Reihe von Großeltern anwesend. Was haben die Schülerinnen und Schüler in diesem Halbjahr nicht alles gelernt! Als hätten sie nie etwas anderes gemacht, stehen sie vor dem gesamten Jahrgang und den Gästen, erzählen ohne sichtbare Aufregung, präsentieren selbstbewusst ihre Ergebnisse und erhalten selbstverständlichen Beifall. Wohlgemerkt: fünfte Klasse. Toll gemacht, ich bin stolz auf euch!

Vor zwei Wochen versprach ich halbherzig zwei Schülerinnen, gegen sie im Tischfußball anzutreten. Natürlich hatte ich es letzten Donnerstag schon nicht mehr im Kopf! Heute nun, die beiden wollten sich dieses Match durch meine Vergesslichkeit auf keinen Fall entgehen lassen, holten sie mich sogar im Büro ab. Großer Jubel und lautes Hallo beim Einlauf der Mannschaften. Der Kicker war umringt von Fans beider Teams, Anfeuerungsrufe bei jedem Tor, das krachend einschlug. Danach wurde mir schnell klar: Dies war kein singuläres Ereignis, viele Gegner wollen sich nun mit mir messen. Den Schulleiter schlagen, das wär's doch! Kann nur heißen: Ich rufe morgen dazu auf, ein Turnier zu organisieren.

 

Freitag, 30. Januar 2009:

Wie oft habe ich dieses Datum erwähnt, gelesen, geschrieben: das erste Halbjahr ist geschafft, die ersten Zeugnisse und Verbalen Beurteilungen ausgegeben. Und wenn ich jetzt so innehalte - dann ist die Zeit sehr schnell vergangen, trotz oder wegen der vielen Arbeit, die in diesem halben Jahr steckt. Sitzen wir deshalb aber schon fest im Sattel? Morgen beginnt die Anmelderunde für die neuen Fünftklässler und mich beschleicht manchmal das Gefühl, dass wir noch so viel umsetzen müssen, um die Lehren des Jahrgangs "Trixi Traube" angemessen gezogen zu haben. Heute aber gilt mein Dank allen, die dieses Halbjahr gestaltet haben. In erster Linie natürlich den KollegInnen. Der Schulleiter steht zwar oft im Rampenlicht, die eigentliche Arbeit geschieht aber mit den SchülerInnen durch sie. Es ist wie beim Boxen: Nur gute Beinarbeit hält den Kämpfer im Ring. Dank aber auch an die SchülerInnen. Es kommt schon vor, dass ihr uns das Leben schwer macht und den scheinbar letzten Nerv raubt, aber ohne euch wäre die IGS nicht und ohne eure anhaltende Begeisterung hätten wir vermutlich auch an manchen Tagen nicht die notwendige Kraft. Beim Nachdenken über den Tag der offenen Tür im Schulelternbeirat diese Woche, wurde der Satz einer Mutter zitiert: "Jetzt, wo wir die leuchtenden Augen der SchülerInnen gesehen haben, glauben wir an diese Schule." Das geht mir noch beim Schreiben unter die Haut: Die Schülerschaft als wahrer Botschafter der IGS. Nicht erst an dritter Stelle, aber eben jetzt, Dank den Eltern. Auch euch verlangt dieser Schulstart immer noch viel Geduld ab im Ver- und Zutrauen, im Mit-Aufbauen, im Er-Warten-können. Vielleicht kam heute durch die Verbalen Beurteilungen noch einmal heraus, wie ernsthaft wir mit euren Kindern arbeiten wollen. Mit dieser Unterstützung im Rücken rufe ich heute Abend selbstbewusst und zuversichtlich aus:

Willkommen, zweites Halbjahr! Wir werden dich meistern!

 

Dienstag, 10. Februar 2009:

So, da bin ich wieder. Während der Anmeldewoche wollte ich auf keinen Fall irgendwelche Gedanken eintragen, allzu groß erschien mir die Gefahr, dass ich damit aktiv eingreife in die eine oder andere Richtung. Nun, da die Zahlen in der heutigen Ausgabe der RHEINPFALZ veröffentlicht wurden, kann ich frei darüber schreiben

Empfand ich bisher schon den einen oder anderen Tag der jungen Schulgeschichte als anstrengend, so wurde dies durch die Anmeldewoche natürlich übertroffen. Ansprechbar wollte ich sein und habe die ganzen Tage alle Unterrichtsverpflichtungen abgetreten. Und dennoch wuchs die Anspannung täglich. Natürlich war ich neugierig darauf, wie sich die Anmeldezahl entwickeln wird. Viele Gerüchte, Anmerkungen bei Informationsveranstaltungen, Emails und Gesprächshinweise hatte ich im Vorfeld erhalten, doch sagten diese ja nichts aus, ließen lediglich auf eine Erhöhung der Anmeldezahl schließen. Nun ist es offiziell: die Anmeldezahl stieg von 211 im letzten Jahr auf 243 in dieser Runde. Die eigentliche Steigerung liegt aber versteckt, denn aus dem Bereich Neustadt sanken die Zahlen um mehr als 40. Dies bedeutet, dass sich die Zahl der Interessenten aus dem Landkreis um 70 erhöht hat. Das ist ein erster messbarer Erfolg unserer Arbeit und das tut gut.

Auf der anderen Seite lernte ich bei den Aufnahmegesprächen viele Kinder kennen, die mit ihren leuchtenden Augen neben mir saßen, wenn sie sagten, dass sie unbedingt auf unsere Schule wollen. Und genau diese Kinder habe ich bei den Absagen vor Augen, wenn die Post dann kommt, die mit großen Erwartungen geöffnet wird...und alle Hoffnung enttäuscht wird, denke auch zurück an die Anstrengungen mancher Eltern, die so vieles unternommen hätten, um die Wahrscheinlichkeit der Aufnahme zu verbessern, die ihre Kinder aus entlegenen Orten des Landkreises an die Bahnhöfe gefahren hätten, damit der weite Schulweg kein Problem darstellt und...und... Doch die Aufnahmezahl ist festgelegt und das Losverfahren unbarmherzig.

Und trotz alledem, gemessen am plötzlichen Tod der Mutter eines unserer Schüler letzte Woche kommen mir meine Gedanken so klein vor. Natürlich fallen mir als Theologe viele Worte ein, doch will sich mir ein wirklicher Trost darin nicht erschließen. Zu oft vernahm ich angesichts des Todes leere Hülsen und vorschnell ausgesprochene Hoffnungen. So verharre ich in schweigendem Gedenken vor einer brennenden Kerze...

 

Mittwoch, 11. Februar 2009:

Sehr wohl wusste ich von meinen bisherigen Schulleiterinnen, dass das Telefon nach dem Aufnahmeverfahren nicht still steht. Nun bin ich also selbst am Hörer, wenn sich die Anrufer nicht durch die Information der Sekretärin zufrieden geben. Natürlich sind alle Elternhäuser und auch die Kinder enttäuscht über die Absage. Neu ist für mich der zum Teil heftige, ja sogar aggressive Ton am Telefon. Nein, ich verbaue die Zukunft eines abgelehnten Kindes nicht! Da liegt eher eine mangelnde Bereitschaft vor, sich um andere, sehr wohl vorhandene Schulen zu kümmern und sich auf diese Situation aktiv einzustellen. Jedem musste klar sein, dass die Aufnahme bei uns schief gehen kann. Weniger distanzierend kann ich mit Briefen umgehen, die die Kinder mir selbst schreiben. "Ihre Schule ist doch meine Wunschschule. Ich würde auch ganz bestimmt fleißig sein. Können Sie mich nicht doch aufnehmen?" Solche Worte berühren mich um so mehr, weil ich ihren Anlass nicht bereinigen kann. Liebe abgelehnte Kinder, von den 243 angemeldeten hätte ich gerne mindestens 240 in unsere Schule aufgenommen. Keinem von euch mute ich die Ablehnung leichten Herzens zu, aber ich kann wirklich nichts daran ändern! Wenn einmal etwas Zeit vergangen sein wird, ihr eine neue Schule gefunden und eure neue Klasse kennen gelernt habt, wird euch die Entscheidung hoffentlich weniger schlimm vorkommen. Es geht weiter!

 

Samstag, 14. Februar 2009:

Ein lange vorgemerkter Termin: Tag der offenen Tür in der Carl-Orff-Realschule in Bad Dürkheim. In vielen Aufnahmegesprächen habe ich diese als Alternative genannt, wenn es mit der Aufnahme bei uns nicht klappen sollte. Nun wollte ich sie auch selbst in Augenschein nehmen. Eine bunte Schule mit gutem Konzept und vielen zusätzlichen Angeboten, Ganztagesbetrieb, herzlicher Atmosphäre und einer aktiven Elternschaft. Ab Sommer wird sie Realschule plus in integrativer Form mit der Option, in Zusammenarbeit mit der BBS in Bad Dürkheim die Fachhochschulreife erlangen zu können. Da fehlt nur ein kleiner Schritt zur IGS. Nach Hause fuhr ich mit dem guten Gefühl, die Eltern bei uns richtig beraten zu haben, denn während des Gangs durch die Räume und durch das Programm der COR stieg in mir ein altes Gefühl auf, das ich aus der suchenden Anfangszeit nach dem Examen her kenne, das sich seit dem Eintritt in den aktiven Schuldienst aber nicht mehr einstellen kann: An dieser Schule würde ich auch gerne Lehrer sein.

Montag, 16. Februar 2009:

Es will noch immer keine Ruhe einkehren in der Enttäuschung über die Absagen, noch immer klingelt das Telefon, noch immer melden sich verzweifelte Eltern, wie das denn sein könne, dass ihr Kind nicht angenommen worden sei. In dieser Frage war ich heute sogar bei Landrätin Röhl zum Gespräch geladen, auch dort kommt die Unruhe immer wieder an. Für morgen haben wir, die drei Schulträger und ich, ein Pressegespräch in der Schule angesetzt. Mit der Erläuterung des Aufnahmeverfahrens und einigen klärenden Zahlen hoffen wir, so sie denn veröffentlicht werden, Verständnis erzeugen und zur Beruhigung beitragen zu können.

Nachdem ich am Samstag die Carl-Orff-Schule persönlich kennen lernte, heute nun ein Bericht über eine erste Zusammenarbeit von zwei Klassen der beiden Schulen über das Projekt "Helden", der als gemeinsamer Wettbewerbsbeitrag eingereicht werden soll. Ein Anfang ist gemacht, vielleicht entsteht daraus ja mehr. Einige Ergebnisse, auch aus dem Projekt "Leben mit anderen" der IGS-Schüler sind seit letzter Woche im Foyer der VG Wachenheim für vier Wochen zu sehen. Unsere erste Ausstellung und auch ein weiteres Stück Öffentlichkeit für unsere Schule nach dem Motto: Wir lernen hier bei euch und wollen euch nun auch zeigen, was wir erstellt haben. Schule im Ort, Schule mit dem Ort und Schule für den Ort. Dass dies alles so unkompliziert umzusetzen ist, dass Türen offen stehen und Anliegen gehört werden, zeigt die gute und verständnisvolle Zusammenarbeit mit der VG Wachenheim immer wieder. Merci!

 

Donnerstag, 19. Februar 2009:

Heute war ich also zum ersten Mal in einem Verbandsgemeinderat, dem in Deidesheim. Dort habe ich das Aufnahmeverfahren erläutert. Nachdem ja schon ein großer Artikel (Merci!) in der Rheinpfalz stand, war es nicht sonderlich schwer, Transparenz herzustellen. In beidem wurde, so denke ich, klar, dass es nicht um gutsherrschaftliche Vergabe von Schulplätzen geht, sondern um ein geordnetes Aufnahmeverfahren. Vielleicht müssen wir auch im kommenden Jahr klarer herausarbeiten, dass eine IGS in anderer Trägerschaft als etwa eine Haupt- oder Regionale Schule steht. Zwar befinden sich Schulgebäude an bestimmten, konkreten Orten und natürlich ist es weniger im Sinne der Familien, deren Kinder keine Aufnahme finden konnten, nicht die Schule an diesem Ort besuchen zu können, aber mit diesen Fragen müssen sich, nach meiner Kenntnis, fast alle IGSen auseinandersetzen - eben weil Träger immer ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt sein muss. Das führt zu keiner Aufnahme mehr, gleichwohl aber eventuell zu weniger Empörung und Enttäuschung.

In der genannten Sitzung wurde auch die Bauvergabe für den zweiten und dritten Bauabschnitt vergeben. Und weiter gehts, wer rastet, der rostet.

 

Aschermittwoch, 25. Februar 2009:

Ein zusätzlich herausgearbeiteter freier Tag, tut gut, doch Ruhe im Kopf will sich angesichts der Bauvorhaben nicht einstellen. Zeichnete für den Anbau in Wachenheim die Planungsgruppe verantwortlich, ist es nun der Schulleiter, der in Sachen Raumplanung, Ausstattung, erwartete Schüler- und Lehrerzahlen gefragt ist. Eine Frage machte mir klar, wo da der Teufel im Detail stecken kann: Wie viele Schülerinnen und Schüler, wie viele Lehrkräfte werden unsere Schule einmal frequentieren, denn davon ist die Zahl benötigten Toiletten abhängig.

Doch eigentlich will ich ja von einem Buch berichten, das ich während dieser Tage zu Ende las. "Gute Autorität, Grundsätze einer zeitgemäßen Erziehung" von Wolfgang Bergmann. Erwähnenswert wären viele Gedanken und Beispiele daraus zu Fragen wie Markenkleidung, Ängste, auch ADHS und Medien, aber ich schreibe ja keine Buchempfehlung (oder doch?). In dem Buch fand sich zum Beispiel der Satz: "Autorität funktioniert nur dort, wo wir sie in Übereinstimmung mit uns selbst vortragen." (S.212) - ein Satz, den ich als Stufenleiter immer wieder erlebt habe. Dort, wo es Probleme mit Schülerinnen und Schülern oder auch Eltern gab, waren die beteiligten Personen oft nicht authentisch, nicht deckungsgleich mit ihrer Person. Sie hatten zwar ein hehres Ziel, eine theoretische Vorstellung von Erziehung oder eine verständliche Absicht, sie war aber nicht durch die Person beglaubigt. Eine andere Ansicht will ich ganz wiedergeben, denn es ist so eine der Textstellen, bei denen es "Plopp" machte, weil im Alltag zu wenig beachtet: "Nein, Kinder brauchen keine Grenzen an sich, sie brauchen auch keine Autorität an sich, sie benötigen freilich Leitung und Lenkung durch Autorität, um zu sozialen, einfühlenden und zur Selbstreflexion begabten Menschen zu werden." (S.216) Ein Gedanke, der in der Schule im Grunde täglich greifen muss.

 

Donnerstag, 12. März 2009:

Ja, das hat es alles gegeben seit dem letzten Eintrag: Klassenkonferenzen, Sitzungen, Besuch im VG Wachenheim, Elterngespräche wegen der Aufnahme, Bausitzungen und...und...und... - doch alles ist nicht nur Alltag, sondern wird Makulatur bei dem erneuten Amoklauf gestern in einer Schule. Wie immer drängen sich Fragen in den Vordergrund: Wie und warum kommt ein junger Mensch überhaupt an die Waffen? Was ist geschehen, dass er sich in diese Ausweglosigkeit verliert? Gibt es wirklich, wie die Fachleute im Fernsehen nicht müde werden zu sagen, im Vorfeld Hinweise darauf? Wie können wir dann den Blick dafür schärfen? Und: Wie sieht es mit alldem in unserer Schule aus? Wie kann ein Schulleiter adäquat reagieren? Geht das überhaupt? Antworten habe ich nicht parat, also reihte ich mich heute Morgen schweigend in die Gedenkminute während des Assemblys ein - eine für mich ganz dichte Minute, in der es keine unterschiedlichen Rollen oder Funktionen mehr gibt, da stehen nur fassungslose Menschen.

 

Freitag, 20. März 2009:

Drei Erinnerungen möchte ich heute konservieren. Am Dienstag fanden die Auswahlgespräche für die schulscharfen Stellen statt. Als Inhaber einer Planstelle, auf die ich fünf Jahre gewartet habe, wurde mir bewusst, welche Tragweite für den Lebensentwurf der Beteiligten der Ausgang dieser Gespräche haben kann. Nun war ich ja "nur" Mitglied eines Ausschusses, dennoch spürte ich die Verantwortung auf meinen Schultern, je nach Entscheidung wesentlich in die Biografie eines Menschen einzugreifen. Gar nicht einfach, Schicksal zu spielen.

Zweiter Punkt: Der Zug der Erinnerung in Speyer. Alle vier Klassen besuchten diese rollende Gedächtnisstätte und äußerten heute beeindruckende Gefühle und Erlebnisse. Damit war die Befürchtung unnötig, dass diese Ausstellung für unsere Fünfer zu früh kam. Mir geht es gut damit, dass wir auch schon unsere 11- und 12-Jährigen mit dieser schrecklichen Zeit konfrontieren - sie darf einfach nicht verblassen, damit sie sich nicht wiederholt.

Und schließlich die Sitzung der Trägervertretung der IGS Deidesheim/Wachenheim. Neben den geplanten Baumaßnahmen in Deidesheim und dem Schulentwicklungsplan sollte ich Start und bisherigen Weg unserer Schule schildern. Beim Zusammenstellen schon fiel mir auf, was alles in diesen wenigen Monaten entstanden ist. Die Worte der Landrätin Sabine Röhl zum Abschluss seien hier zitiert, sie gebühren allen, die an dem bisherigen Weg mitgearbeitet haben: "Es ist enorm, was Sie in der kurzen Zeit alles geschaffen haben, manche Schule benötigt dafür Jahre. Nehmen Sie unseren Respekt und Glückwünsche mit ins Kollegium".

 

Dienstag, 24. März 2009:

Unsere vier Klassen waren heute im Planetarium in Mannheim und ich dachte eigentlich: Ein Tag fürs Büro - denkste! Zunächst ein Gespräch beim VG-Bürgermeister um Haushalts- und Verfahrensfragen, dann Treffen mit Vertretern der Sozialämter Bad Dürkheim und Neustadt wegen unserer Förderkinder und - schwuppdiwupp - wars schon kurz vor eins, um 14 Uhr Teamsitzung. Mein Problem dabei ist: Wie soll ich das alles in mir setzen lassen?

 

Donnerstag, 26. März 2009:

Die Steuerungsgruppe des Programms "Pädagogische Schulentwicklung" tagt drei Tage mit Dr. Klippert in Landau. Es ist immer wieder ermutigend, wie viele Dinge bei uns an der IGS schon stimmen oder angelaufen sind. Teamarbeit, Absprachen, Unterstützung, Studientag, Atmosphäre - mit all dem kämpfen Schulen, die mit uns da sind und KollegInnen blicken schon mal neidisch auf uns. Dr. Klippert gab uns zum Abschied die Worte mit: "Bei euch stehen ja die Zeichen gut. Ihr seid auf dem Weg zu einer Vorzeigeschule." Hoppla, Freude? Anspruch? Druck? Zuviel des Guten? Schaun wir mal.

Abends dann der Infoabend "Kinder stark machen" der drei Schulen (RGS, GS und IGS). Es waren immerhin knapp 80 Eltern da. Während des Vortrages der Ersten Hauptkommissarin aus LU lag die Bedrückung greifbar in der Wachenheimer Stadthalle. Wenn sie typische Verlaufsformen schildert, stecken ja viele Fälle dahinter, die es wirklich gab. Wie hoch muss die Anzahl sein, um einen Verlauf 'typisch' zu machen? Ich will gar nicht daran denken, so schrecklich ist die Vorstellung, was da alles tagtäglich, meist im dunkel geschieht und ich spüre den Wunsch und den Schrei in mir (immer unseren zweijährigen Benjamin vor Augen), dass dies aufhören muss. Mögen alle davon verschont bleiben.

 

Freitag, 27. März 2009:

"Vor lauterlauter...", sagte meine Oma immer, wenn wir etwas vergessen hatten. Der Tag gestern begann ja mit einem Erlebnis: Alle Religions- und Ethikgruppen feierten das jüdische Pessachmahl nach. In einer religionspädagogischen Vorlage hatten wir die Texte und Lieder vorbereitet, die SchülerInnen hatten die Zutaten dabei: Bitterkräuter, Matzen, hartgekochte Eier, Salzwasser, Fruchtmus...auch eine Menora fehlte nicht. Einer musste den Hausvater spielen, der durch die Feier führte. Die Gruppe, mit der ich feiern durfte, bestand aus etwa 70 SchülerInnen, wir hatten drei Reli-Gruppen zusammengelegt. Ab und zu wurde es etwas unruhig, aber insgesamt werden sich viele an dieses gemeinsame Mahl erinnern und es fest mit dem Judentum verknüpfen. Ich fand in den Texten deutliche Wurzeln der katholischen Osterliturgie, wenngleich ich das "Exultet" der katholischen Liturgie als tiefer, ursprünglicher und archaischer erlebe. Aber das eine ist auch ein abendfüllendes Familienessen und das andere ist eine Festtagsliturgie.

Lange suchte ich schon nach der Herkunft und Bedeutung unseres Ostereis. Natürlich ist dies ein Lebens- und Fruchtbarkeitssymbol, das auch die Auferstehung symbolisch abbilden kann, natürlich ist es in vielen Religionen beheimatet, aber all das stellte mich nicht zufrieden. Gestern erlebte ich, dass das Ei beim Paschamahl eine wichtige Rolle spielt. Von dort bis zu unserem Osterei ist es natürlich nicht weit. Danke, Manfred!

 

Dienstag, 31. März 2009:

"Der Traum als Gottes vergessene Sprache", so der Titel eines Buches und einer Seminarreihe, die mich vor Jahren umtrieben. Letzte Nacht träumte ich von einem Gespräch, dass wir unsere SchülerInnen viel mehr loben müssten. Wach lag ich dann da und spürte dem Traum nach und es entstand die Idee, am heutigen letzten Schultag vor den Ferien das Anliegen des Traumes umzusetzen. Allzu oft kam im Assembly ja Organisatorisches in Form von Hinweisen und Regeln vor, also sollte das Lob auch dort beheimatet sein. Nach den verschiedenen Präsentationen in Gruppen bot sich heute ein gemeinsamer Abschluss vor den Ferien ja an. So riefen wir alle anwesenden Schüler und Kollegen in den Filmsaal und ich sagte zu den Kindern: "Ich habe in den letzten Wochen soviel Positives über unsere Schule gehört. Ihr habt euren Anteil daran. Ich bin mächtig stolz auf euch." Unser Schullied "Jeder kann was prima machen" erklang zum Abschluss mit bisher nicht bekanntem Engagement - Gänsehautatmosphäre. Ja, aus 117 Kindern und 12 KollegInnen ist eine lebendige Schulgemeinschaft geworden. Erholt euch alle gut!

P.S. Habe meine Gitarre in der Schule vergessen, wollte sie doch über die Ferien neu bespannen.

 

Mittwoch, 1. April 2009:

Es ist wohl notwendig, den gestern notierten Satz über die Träume wenigstens kurz verständlich zu machen. Während der Antike war die Beschäftigung mit Träumen noch sehr geachtet, man konnte in Tempeln übernachten, hoffte auf Träume, die dann von eigenen Traumdeutern erläutert wurden. Bei uns geriet dies immer mehr in Vergessenheit und spätestens seit der Betonung des Verstande durch die Aufklärung völlig verloren, Träume galten als Schäume. Es war Sigmund Freud und Carl Gustav Jung vorbehalten, eine Ahnung hervorzuholen und den Umgang mit Träumen neu zu beleben. An ganz verschiedenen Stellen aber immer wieder kommen auch Träume in der Bibel vor, sei es während des Exils in Ägypten, sei es in der Josephsgeschichte oder seien es die Träume um die Geburt Jesu. Immer, wenn es um biblisch entscheidende Dinge geht, deutet ein Traum, oft in Form eines Engels, eine Botschaft oder Lösung an, spricht, so muss man den Engel als Götterboten verstehen, Gott mit dem Träumer. Wir haben in unserer verstandeseinseitigen Zeit aber verlernt, die symbolische Bildersprache der Träume zu lesen. Kinder können dies oft noch (und verstehen daher auch die Märchen besser als mythische, symbolische Geschichten). Nicht die ratio, nicht die Kognition, mit Empathie und viel Übung können wir diese Hinweise aus der eigenen Tiefe in uns nutzbar machen. Die Bilder stammen aus den eigenen tiefen Schichten des Unbewussten und sind ursprünglich, unverfälscht - im Wortsinne wahr-haftiger als die von Eindrücken prägbaren und von Ereignissen manipulierbaren Denkergebnisse des Verstandes. Unverfälschtes Selbstwerden, Übereinstimmung von Anlage und Ergebnis, Innen und Außen in Deckung zu bringen - sind das nicht Anliegen der Religion? Immer wieder erwiesen sich aus Träumen ins Leben umgesetzte Bilder bei mir als untrügliche und wahrhaftige Hinweise aus dem eigenen Inneren, oder wie wir in den Seminaren sagten: aus der eigenen Traumseele.

 

Donnerstag, 02. April 2009:

Zwei Ferientermine bei der Kreisverwaltung standen heute an zu den Themen Klassenfahrt und Medienkompetenz macht Schule. Beide sind erfolgreich verlaufen, weil beide vom Schulträger unterstützt werden. Aber das Besondere daran war eine Überraschung. Meine Geburt jährte sich heute zum 53. mal. Auf verschlungenen Wegen haben einige Schülerinnen und Schüler von meinen Terminen erfahren und mich mit Glückwünschen und Geschenken am Eingang abgepasst. Ist das nicht lieb? Ich bekam ein kleines Fotoalbum geschenkt mit den Höhepunkten unserer kurzen Schulgeschichte. Was haben wir nicht alles schon erlebt seit dem 4. August, in welchen Situationen konnte ich mich nicht schon erfahren, von denen ich keine blasse Ahnung haben konnte und von denen ein enormer Reichtum ausging. Wer lernt hier eigentlich mehr? Schülerinnen und Schüler oder ich? Mir fällt ein Satz ein, ich glaube von Bertolt Brecht: "Die mich gestern kannten leben im Irrtum". Danke euch Gratulanten!

 

Mittwoch, 08. April 2009:

Die Familie ist schon seit Samstag in Berlin, ich nahm mir diese fünf Tage als Auszeit allein zu Hause. Zwei Bücher habe ich gelesen, ein schulisches zur Leistungsbewertung bei Offenem Unterricht und die Lebensgeschichte einer Frau, die einem erfüllten, anderen Leben auf der Spur war und in ein Kloster der Benediktinerinnen eintrat. Zwölf Jahre dauerte dieses erfüllte Suchen, bis sie die klösterliche Gemeinschaft dann doch wieder verließ. Ist es vermessen, ist es schrullig, ist es legitim, während des Lesens immer wieder Parallelen Schule-Kloster gesehen zu haben? Beide Gruppen leben in Gemeinschaft (vor allem im GTS-Bereich), beide Gruppen haben feste Regeln, in beiden Gruppen werden unterschiedliche Talente und Begabungen geschätzt und gewinnbringend eingesetzt, beide leben mit Riten und Liedern, beide wollen auf ihre Art auf ein Leben vorbereiten, die einen für ein inneres, spirituelles, die andern für das Leben als Erwachsene in der Welt - damit sind wir auch schon beim entscheidenden Unterschied,

Dennoch, auch wegen dieses Buches erlebte ich Tage allein zu Hause als Einkehr bei mir selbst, als ein ruhevolles Baumeln der Seele, als innere Sammlung, als Sammeln von Kräften, die ich dann wieder weitergeben kann. Morgen gehts dann auch für mich nach Berlin.

 

Mittwoch, 15. April 2009:

Bin wieder da und möchte nur zwei Zitate notieren, die mir bei der Lektüre begegnet sind. IGS - eine neue Schulform? Mitnichten. Fast möchte man meinen: im Kulturgut des Abendlandes seit langem grundgelegt.

 "Achtung verdient, wer vollbringt, was er vermag" (aus: Antigone von Sophokles)

"So halte er (der Abt, Anm.d.V.) in allem Maß, damit die Starken finden, wonach sie verlangen, und die Schwachen nicht davonlaufen." (aus der Ordensregel des Hlg. Benedikt)

 

Montag, 20. April 2009:

Der erste Schultag ist immer zu voll für seine Stunden. Was muss da nicht alles reinpassen. Wir haben schön und herzhaft begonnen: ein kurzes Assembly, Begrüßung, Hinweis, was in den nächsten Monaten alles ansteht und dann unser Kanon. Herrlich! Immer wieder treibt mich der Wunsch um, diese so nebenher entstandene Blüte unserer Schule zu hegen, zu pflegen und wachsen zu sehen. Werden wir es schaffen, sie an zwei Standorten beizubehalten?

Neben herzlichen Begrüßungen von allen Seiten, vielen Erlebnissen aus den Ferien und Eindrücken noch und nöcher, kam während der Ferien ein Brief an von der Staatssekretärin Vera Reiß aus dem Ministerium an. Ein weiterer glücklicher Umstand, den niemand betrieben oder geplant hat, der unerwartet durch Mitwirkung anderer einfach so kommt und glücklich macht.

 

Freitag, 24. April 2009:

Wie? Die Woche ist schon wieder um? Das geht so rasend, dass ich es kaum greifen kann. Neben schulischem Alltag (Frz.-AG neu besetzt, Studiennachmittag zur PSE, Diktatvorbereitung, Personalplanung) war ich zum ersten Mal bei der Landesdirektorenkonferenz zwei Tage im Pesch-Haus. Immenser Input, leider immer frontal vorgetragen, ohne die Möglichkeit selbst was zu machen. (Wenn sich Schüler/innen so fühlen, muss eigentlich alles nach Veränderung schreien. Impulse diese Konferenz zu verändern, sollen ins Leere gelaufen sein.) Ich gebe zu: Meine Gedanken schweiften bei dem einen oder anderen Vortrag ab und bei über 200 Direktor/innen um mich herum kam immer wieder eine noch immer offene Frage hoch: Wer werde ich als Schulleiter einmal sein? Kann ich werden, der ich sein könnte? Mein Jetzt von einem Schulleiter Dumont ist bisher von 9 Monaten mit und durch nur einen Jahrgang geprägt, ist ein Noch-Nicht, ein Rohbbau, Provisorium, Nebelbild. Immerhin deutete sich während der beiden Tage eine Antwort durch verschiedene Anschauungen an: so jedenfalls nicht. Es kann sich natürlich eh nicht um eine Kopie handeln, sondern darum, das zu einer möglichst authentischen Deckung zu bringen, was die Funktion fordert und die Person mitbringt, Einswerden von Aufgabe und Biografie, von Amt und Leben, von Rolle und Mensch.

Wenn für mich auch inhaltlich wenig Neues aus der Tagung hervorging, so gab es doch eine Reihe von Begegnungen, Gesprächen und Eindrücken. Bei Staatssekretärin Reiß konnte ich mich persönlich für ihr Schreiben bedanken, den Eventtag Medien konnte ich ein Stück weiter klären, Wiedersehen mit vielen Bekannten, den jüngst ernannten Kollegen einer im Sommer startenden IGS kennen lernen und mit vielen Parallelen aus meiner Zeit vor zwölf Monaten vielleicht etwas beistehen...aber dies geschah immer außerhalb des Tagungssaales. Also singe ich heute Abend ein Loblied auf die Flure und Foyers.

 

Dienstag, 28. April 2009:

Toll, klasse, sagenhaft! Unsere Klassenfahrt nach Eisenberg im September wird von der Stiftung des Landkreises finanziell unterstützt. Dadurch rückt sie immer mehr in den Bereich des Möglichen und Finanzierbaren. Auch zwei geeignete Schulen, deren pädagogisches Konzept in vielen Punkten Ähnlichkeiten aufweist, haben wir gefunden. Nun heißt es: Ran an die Feinarbeit!

Bei der Durchsicht der Konzepte im Internet wurde mir noch mal bewusst, wie sehr wir noch am Anfang stehen, wo doch schon so viel angelaufen ist. Stimmt also, wir haben gerade mal den Rohbau fertig gestellt. Wohl fühle ich mich, weil immer nochweitere Ideen entstehen und neue Ansatzpunkte auftauchen. Gerne würde ich schon mal ins Jahr 2016auf die Schule blicken: Das erste Abi ist gelaufen und die Schule ausgebaut. Wie wird sie sein? Welcher Umfang an neuen Ideen wird dann umgesetzt worden sein? (Seht ihr, liebe Schüler/innen, die Zeitform Futur II braucht man eben doch!!)

 

Donnerstag, 30. April 2009:

Nachdem wir seit September eine interaktive Tafel besitzen, ich aber gar nicht so recht wusste, was damit alles anzufangen ist, nahm ich heute an einer Fortbildung des AV Medienzentrum in Mussbach teil. Wir erlebten eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten und voller Spannung warteten wir immer darauf, was der Referent jetzt noch zu bieten hatte. Problem für uns: Die Umsetzung innerhalb des Programmes der pädagogischen Schulentwicklung, denn wir bekamen nur den Einsatz im Frontalunterricht vorgeführt. Genau den wollen wir aber doch verringern und die Schülerschaft in Aktion bringen. Dennoch entstand ein Zukunftsbild, das SchülerInnen aktiv mit diesen interaktiven Tafeln hantieren lässt (In England zum Beispiel sind 80 bis 90 % der Klassensäle damit ausgestattet!).

 

Dienstag, 5. Mai 2009:

Heute ein Memory unter dem Titel "Wie das so laufen kann", damit wir uns später daran erinnern können. Unsere Schule war kaum eröffnet, da erhielt ich ein Schreiben über EPoS (elektronische Post für Schulleitungen), das für den 9. November Gespräche in Schulen mit Landtagsabgeordneten anbot. Wir hielten uns a) zu jung für dieses Unternehmen und b) erschien uns die Reichspogromnacht als eine doch zu schwere Kost. Aber eine Idee kam auf: An diesem Tag fiel doch auch die Mauer, dieses Thema eignet sich auch für Jahrgang 5. Und fangen wir doch kleiner an und laden die Vertreter der Schulträger ein. Die Idee war geboren und wuchs. Als unsere Homepage ans Netz ging und klar war: die juristische Verantwortung für die Inhalte liegt beim Schulleiter, äußerte ich den Satz: "Da stehe ich ja immer mit einem Bein im Gefängnis!" Daraus entstand dann das Theaterstück für den Eventtag zum Mauerfall, in welchem wirklich der Schulleiter verhaftet wird. Erinnerung an die DDR? Ich wollte einen Trabi auf dem Hof haben. Nachfragen bei verschiedenen Trabi-Fanclubs brachten nur Absagen ein - da fuhr doch tatsächlich ein Trabi von Deidesheim nach Wachenheim. Angehalten, angesprochen - der Trabant stand am Eventtag wirklich auf dem Hof. Und so gings weiter: Plötzlich meldeten sich eine Reihe von Eltern mit Gegenständen aus der DDR-Zeit - die Ausstellung war geboren, der Markt der Möglichkeiten war nur eine logische Fortsetzung der Eigendynamik. Dazu kam ein Kontakt zum Offenen Kanal in Neustadt - ein Film entstand. Der Tag wurde zum Erfolg. Wir erfuhren auch von der Partnerschaft der Landkreise Bad Dürkheim und Saale-Holzland - eine Klassenfahrt nach Thüringen mit angestrebter Schulpartnerschaft kam ins Blickfeld. Nun steht sie als Fortsetzung des Eventtages fest und kommt in der Planung und Finanzierung jeden Tag ein Stück voran.

Und dann - der Eventtag war längst vorüber - erschien im Amtsblatt des Ministeriums der Hinweis auf den History-Award von Focus-Online. Da hätten wir doch was zu bieten...Und seit heute nun steht das alles im Netz als Wettbewerbsbeitrag unserer Schule. Wirklich. Schaut nach unter www.focus.de und gebt als Suchbegriff "Deidesheim/Wachenheim" ein. Wie das so laufen kann...

 

Donnerstag, 07. Mai 2009:

Nach vielen privaten Besuchen auf jüdischen Friedhöfen, dem Einatmen der jeweiligen Atmosphäre, dem Erschaudern, dass sie oft nur durch Zufall erhalten geblieben sind und dem stets aufkommenden Wunsch, mit Schülern einen Besuch zu planen, war es heute soweit: Mit allen Religions- und der Ethikgruppe besuchten wir den jüdischen Friedhof in Wachenheim. Er strömt 430 Jahre Geschichte aus und hat sich nun auch in unser Leben eingegraben. Und das am Vortag des 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Ganz gesetzt hat sich dieses Erlebnis auch jetzt am Abend noch immer nicht. Bei einem Australienaustausch sagten meine Gasteltern einmal: "Weißt du, was uns hier am meisten fehlt? Geschichte und die eigenen Wurzeln!" Ich habe sie heute einmal mehr gespürt: Dort kommen wir her, in dieser Religion liegen die Wurzeln des Christentums und viele unserer Kultur. Auf einem Stein fand ich die Jahreszahl 1999 - er lebt also wieder oder noch immer, die Barbaren konnten ihr Werk nicht vollenden!

 

Freitag, 08. Mai 2009:

Und wieder ein neuer Schritt: Die Schulleiter der fünf IGSen der Region treffen sich in lockerer Folge zum Austausch und zur Zusammenarbeit. Dabei war zum Beispiel die Idee eines gemeinsamen Sportfest von allen IGS-Fünftklässlern beim Treffen im November entstanden. Damals hatte ich zum heutigen Treffen nach Wachenheim eingeladen. Neben all den positiven Aspekten dieser Treffen spürte ich heute einen weiteren, vielleicht kann ich ihn als personalisierte Berufsbiographie benennen. Das wortgebende Gefühl dazu ist die Erfahrung, liebe und kompetente Menschen zu treffen, mit denen ich seit Beginn meiner IGS-Zeit zusammenarbeite und nun treffen wir uns auf einer ganz anderen Ebene immer wieder: Meine erste Stufenleiterin aus meiner Zeit an der IGS Ernst-Bloch in Ludwigshafen ist inzwischen Schulleiterin an der IGS Mutterstadt, meine zweite Stufenleiterin ist Didaktische Koordinatorin an der IGS LU-Gartenstadt, die ehemalige Didaktische Leiterin aus der IGS-Ernst-Bloch begleitet nun dieselbe Funktion in Mutterstadt...und der damalige Berufsanfänger und IGS-unerfahrene Junglehrer sitzt heute nun mit allen zusammen als Schulleiter unserer IGS. Nicht, dass ich nur von diesen gelernt habe, da gehören ganz viele weitere dazu, aber heute saßen die Genannten bei uns am Tisch. Menschlich wie fachlich brachten sie meine 16-jährige IGS-Erfahrung nach Wachenheim, welche damit auch symbolisch Einlass in die Schule fand: In der IGS Ernst-Bloch lernte ich den (verpflichtenden) Ganztagsbetrieb und das Team-Kleingruppen-Modell kennen, in Mutterstadt die differenzierte Leistungsmessung, den Klassenrat und das zweistündige Fach Projekt, die IGS in Gartenstadt war eine erste Schwerpunktschule. Die IGS Deidesheim/Wachenheim wird ihr pädagogisches Konzept finden, eigene Merkmale entwickeln und bisher als einzige IGS an zwei Standorten umsetzen. Bei der Vorstellung der Schule erweckte unser Assembly großes Interesse...

 

Sonntag, 10. Mai 2009:

Heute waren wir im Breitenbachtal bei Esthal spazieren. Hut ab vor den SchülerInnen, die diese Fahrstrecke täglich auf sich nehmen, um zu uns in die Schule zu kommen.

Bei Fahrt durch Wachenheim entdeckte ich ein großes Foto unserer Schule. Erster Gedanke: Wer macht hier mit der Schule Wahlwerbung? Doch es handelte sich nur um eine Werbung für Jalousien. Dennoch: Form und Farbe unseres Anbaus haben sich so eingeprägt, dass sie selbst am Straßenrand Identität stiften.

 

Dienstag, 12. Mai 2009:

Zwei Dinge sollen heute hier eingetragen Dauer erhalten. Ich erhielt heute ein Fax von einem katholischen Pfarramt bei Regensburg, ich möge doch das Lied "Gestern, heute und morgen" zurückfaxen. Wie bitte? Ein Anruf klärte: Der Gemeindereferent hat das Lied in einer Suchmaschine eingegeben und wurde auf unsere Seite geführt:. :-)

Das Team beschloss heute ein Grundkonzept für die differenzierte Leistungsmessung an unserer Schule, das wir an einem Elternabend allen Eltern vorstellen wollen. Ein wichtiger Beschluss hinsichtlich des pädagogischen Konzeptes unserer Schule, gibt es doch immer noch IGSen, die diese Differenzierung nicht eingeführt haben.

 

Samstag, 16. Mai 2009:

Vierzig Jahre Schulgebäude, zehn Jahre eigenständige Grundschule - ein Grund zum Feiern. Wir als Jüngste im Gebäude waren ebenfalls geladen und erlebten eine bunte Feier mit vielen charmanten und Gänsehaut erzeugenden Augenblicken. Vielen Dank für dieses Erlebnis! Es ist auch erhebend zu sehen, was sich alles in vierzig Jahren hier abgespielt hat, welche Schulformen es hier schon gegeben hat, welche Verantwortlichen hier ihre Spuren hinterlassen haben. Und in diese Historie sind wir nun vor zehn Monaten eingezogen. 'Wenn diese Steine reden könnten...' denke ich oft beim Besuch der Klosterruine Limburg. Heute erzählten auch die Steine, aus denen die Schule gebaut ist, von den vierzig Jahren ihrer Geschichte an diesem Ort. Beim Gang durch den Flur spüre ich: dieses Erzählen hat sie mir näher gebracht, hat sie mit Leben erfüllt, sie haben Konturen bekommen. Die nackten Wachbeton-Platten sind weicher geworden, ihre Existenz hat heute ein mit Menschen und Geschichten angereichertes Antlitz bekommen. Und die IGS mitten drin. Lasst uns die Geschichte dieses Hauses erfolgreich fortführen und mit neuen Geschichten, Menschen und Erlebnissen anreichern.

 

Samstag, 23. Mai 2009:

Es gibt Tage, an denen Ereignisse sich häufen. Horst Köhler ist als Bundespräsident wiedergewählt worden und ich habe heute erfahren, dass aus den Reihen des Kollegiums das zweite "IGS-Kind" zur Welt gekommen ist! Glückwunsch!

 

Montag, 18. Mai 2009:

Es ist raus: Die IGS Deidesheim/Wachenheim ist beim History-Award des Focus in die Finalrunde eingezogen und hat eine Einladung nach München erhalten. Eine Schülergruppe begleitet von zwei Kolleg/innen wird sich nächste Woche in die bayerische Metropole aufmachen. Toi, toi, toi!

 

Dienstag, 19. Mai 2009:

Passend zum Projekt "Medien" hat die IGS auf Anregung des VG-Bürgermeisters die Beteiligung an einer Livesendung des RNF in Wachenheim zugesagt, ausgerechnet am 9. Juli 2009, dem Tag, an dem wir das Schuljahr beenden wollen, mit Abschluss des Bewegungsprojektes, einer Ausstellung, der Filmpremiere und...dann live im Fernsehen, da ist wieder was los.. Eine Mutter, die ihren für die Fahrt nach München ausgewählten Filius heute abholte, sagte: "Es ist schon toll, was ihr den Kindern im ersten Jahr schon alles geboten habt!" Dabei geschieht doch vieles von selbst, ereignet sich so, kommt ungeplant hinzu, entwickelt sich aus dem Nichts, gesellt sich unangemeldet zu uns und nimmt Platz. Dankbar genießend nehmen wir es mit.

 

Mittwoch, 20. Mai 2009:

An und für sich kein bedeutendes Datum, für mich schon: Genau vor einem Jahr erhielt ich die Ernennungsurkunde zum kommissarischen Schulleiter und Leiter der Planungsgruppe der IGS Deidesheim/Wachenheim. Was seither geschehen ist und wie sehr mich das vorwärts getrieben hat, ist an dieser Stelle oft beschrieben. Ein Wahnsinnsjahr! Lob und Dank allen, die auf diesem Weg mitgegangen sind.

 

Montag, 25. Mai 2009:

Kurzfristig haben wir heute den Elternabend für die neuen Fünftklässler verlegt. Diese Woche hätten wir weder die Tutoren noch die Klasseneinteilung bekanntgeben können. Auch der Preis und das Verfahren für das Mittagessen im neuen Jahr ist noch nicht klar. Alles Punkte, auf die die neuen Eltern doch gespannt sind. Dennoch: Solch kurzfristige Änderungen rufen mitunter Enttäuschungen hervor oder sind schwer organisierbar. Sie müssen die Ausnahme bleiben!

Eine schöne Rückmeldung zum Tagebuch habe ich heute erhalten. Eine englischsprachige Mutter mit Feingefühl hat das Wort vom Samstag "gepusht" bemängelt. Ich habe es eben durch "vorwärts getrieben" ersetzt und freue mich über das intensive Lesen. Thank you very much!

Durch die Statistik können wir ablesen, in welchen Ländern unsere Seite angeklickt wurde. Erstaunlich: Ein Nutzer aus Estland hat sich für uns interessiert. Und wer das wohl auf den Seychellen ist, der uns schon dreimal besucht hat? Wir nehmen doch nur Kinder aus dem Landkreis Bad Dürkheim auf. Immerhin, ein seit fünf Jahren in Housten/Texas arbeitender und im Sommer heimkehrender Vater hat schon angerufen, ob wir für das kommende Schuljahr einen Platz für seine Tochter hätten. Schule in Zeiten der Globalisierung?

 

Mittwoch, 27. Mai 2009:

Welch eine Stimmung an der Schule! Der morgige Thementag zum Thema "Medien" als Abschluss und Höhepunkt des gleichnamigen Projektes wurde heute schon mit reger Betriebsamkeit eingeläutet: Die "Trixi Combo" fieberte mit Eifer und einer extra angesetzten Generalprobe ihrem ersten Auftritt entgegen, die Tanzgruppe stimmte letzte Feinheiten ab, die Türen der Klassenzimmer bekamen Namen von Sendeanstalten für die Gruppenarbeit, es wurde gemalt und geklebt, Schüler wollen extra früher kommen, um die Gäste außerhalb des Programms zu treffen - da blitzte eine Identifizierung mit, ein Einsatz für und eine Freude in der Schule durch, dass es eine reine Freude war, dies mizuerleben. Da kann der Tag morgen eigentlich nur gelingen und erfolgreich werden.

Kurz nach dreizehn Uhr entsandten wir unsere Delegation zur Preisverleihung nach München. Die Kinder waren derart stolz und gleichermaßen aufgeregt, dass der errungene Platz gar keine Rolle mehr spielt. Nach einem kurzen Mittagessen standen wir auf dem Hof im Kreis, legten nach Eishockeymanier die Arme gegenseitig um die Schultern und riefen vornübergebeugt: "Hopp! Hopp! Hopp! Die IGS ist topp!" Und dann ab zum Bahnhof.

Als wären dies nicht EIndrücke und Betriebsamkeit genug, mitten im Gewusel rief der Schulleiter der IGS Grete Unrein aus Jena an, die wir während der Klassenfahrt im September besuchen wollen. Der Schulleiter war uns herzlich zugetan, wir seien willkommen! Und dann auch noch am Abend die Nachricht, dass wir als Projektschule 2009 beim Programm "Medienkompetenz macht Schule" eine von den neuen 280 Schulen sind. Wie pflege ich immer wieder zu sagen: Wenn ich nochmal auf die Welt komme, werde ich...Lehrer!

 

Donnerstag, 28. Mai 2009:

Welch ein Tag! Im ersten Teil des Thementages wollten wir Live-Auftritte einer Talkshow gegenüberstellen. Was sich daraus entwickelte war so etwas wie ein Rausch. Die Tanzgruppe der Mädchen hatte, ohne dass jemals eine Lehrkraft mitmischte, selbstständig einen Tanz choreografiert, eingeübt, Outfit überlegt und eingekauft und nun heute den Tanz mit einem Eifer vorgeführt, dass mir Tränen der Rührung und Begeisterung in die Augen schossen! Übertroffen noch vom zweiten Live-Auftritt: Captain Jack, die Kids sprühten vor Begeisterung, der Filmsaal dampfte. Auch die sich anschließende Musik beim ersten Vorspiel der "Trixi Combo" erklang nie so exakt wie heute. Der Sängerim wurde auch noch schwindelig - das Live Erlebnis saß! Die Konserve einer Talkshow brachte so viele Schüler zum Lachen, dass ich befürchtete, der Unterschied könne verblassen, aber in der sich anschließenden Arbeitsphase mit Partnern und dann in der Gruppe zeigte sehr deutlich, was die beiden Arten unterscheidet: Echtheit, Lebensnähe, nicht wiederholbar waren einige Stichworte, die in meiner Gruppe fielen.

Interview mit Experten - wir hatten geladen: einen Filmemacher, eine Redakteurin der Kindernachrichten LOGO, zwei Twens, die eine Staffel Teenie-Tausch miterlebt hatten und einen Referenten aus dem Ministerium für Medienschutz. Alle wurden befragt und alle trugen ihren Teil zu einem breiten Medienbild und dessen Nutzung bei. Die letzten beiden Stunden gehörten dann den Klassen, die ein altersgerechtes Programm für eine Woche zusammenstellten und schließlich einen "Medien-Regelkanon" erstellten. Breit angelegt, ein gelungener Einstieg ins Thema und eine Fröhlichkeit, die für eine Schulveranstaltung nicht alltäglich ist. Bleibt, für alle, die zuviel action und zu wenig Inhalt befürchten, die abschließende Aussage einer Kollegin, die zwei Tage bei uns hospitierte: "Es ist erstaunlich, über welchen Wissenstand und welche Methodenvielfalt diese Fünftklässler bereits verfügen". Beides muss sein, beides ist elementar, weil es sich in guter Atmosphäre erfolgreicher lernen lässt. Die Emotion wird gleich mitgelernt, so die aktuelle Hirnforschung. Die Atmosphäre heute müsste erfolgreiches Lernen für einige Zeit sicherstellen.

Und genau das macht diese Thementage aus (Ich vermeide inzwischen den Begriff "Eventtag", weil er so oft schon fälschlich mit "lieber Feste feiern als feste arbeiten" assoziiert wurde): Ein Thema mit Schwung in die Schule bringen, Menschen einladen, die dann auch kommen und etwas Besonderes beitragen können und am Ende auf einen lebendigen Tag zurückblicken können, an dem sich Inhalte durch Er-Leben als merk-würdig erweisen.

Noch etwas für den 28. Mai, das fast unterging: Die IGS Deidesheim/Wachenheim gehört seit heute zu den Projektschulen 2009 im Projekt "Medienkompetenz macht Schule". Wir hatten unser geplantes und heute begonnenes Medienkonzept eingereicht, nun werden wir auf eine zusätzliche Ausstattung zurückgreifen können.

 

Freitag, 29. Mai 2009:

Unsere Münchenfahrer sind heil zurück gekehrt mit einem vierten Platz beim History-Award. Inmitten von älteren Schülerinnen und Schülern und renommierten Schulen saßen unsere Fünftklässler und haben sich zusätzlich mit Charme und Witz die Herzen erobert. Die Jury sprach vom "pfiffigsten Wettbewerbsbeitrag", Bundesaußenminister a.D. Genscher war beeindruckt und ließ ein Fernsehteam warten, um mit unseren Schülern zu reden. Allein ein solches Erlebnis prägt sich ein für ein Leben. Unsere Schüler brachten eine schön eingerahmte Urkunde mit, die künftig unsere Schule zieren wird. Man kann diesen vierten Platz nicht genug würdigen: Diese junge Schule holt nach zehn Monaten ihres Bestehens mit ihren fünften Klassen bei einem bundesweiten Wettbewerb einen vierten Platz mit einem Beitrag, der überhaupt nicht für diesen Wettbewerb konzipiert war sondern lediglich die Arbeit eines Thementages dokumentierte. Und wenn man die leuchtenden Augen und die Leidenschaft gesehen hat, als die Schülerinnen und Schülern heute von der Preisverleihung berichtet haben, dann spielt das sowieso nur eine untergeordnete Rolle. Sie waren stolz auf diesen Preis, sie waren stolz auf sich und die Mitschüler, sie waren stolz auf ihre Schule - und ich bin es auch!

 

Pfingstsonntag, 31. Mai 2009:

Da waren sie also wieder...diesmal gleich zu dritt...in der Planung ja nicht unerwartet, aber überraschend in der Vehemenz...erneut diese Art von Tagen, die sich nicht einfach kalendarisch oder durch eine Nacht abschließen lassen, zu tief die Eindrücke, zu leuchtend die Bilder, zu strahlend die Gesichter, um sich nicht beim Rasenmähen, Auto fahren oder vor dem Einschlafen auch heute noch über meine Tätigkeiten zu legen.